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Februar: Verletzlichkeit macht stark

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    Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
    Liebe Heartbeat

    Siehst du das, was da mit deinem Arbeitskollegen passiert ist, tatsächlich als Abweisung? Er kann dich doch (noch)gar nicht zurückweisen. Er kennt dich nicht, es ist nichts zwischen euch "passiert". Flirten ohne dass man weitergeht bleibt normal nur so lange bestehen, so lange beide sich damit wohlfühlen. Will einer "mehr" muss er aktiv werden oder genau das signalisieren und darauf hoffen dass der andere aktiv wird. Passiert nichts von beidem, dann bleibt es beim unverbindlichen Flirt oder man macht sich weiter auf die Suche.
    Hallo Nordhimmel,

    ja, ich sehe es als Abweisung an.
    Weil er das arrangierte Treffen, was mein anderer Kollege mit uns arrangieren wollte, abgesagt hat.
    Ich habe dann meinem Kollegen gesagt, dass das mit dem arrangierten Treffen ein dumme Idee war. Worauf er dann antwortete: wenn er was von dir gewollt hätte, hätte er dich doch schon lange gefragt. schluck

    Ich dachte mein Thema passt irgendwie hier in diesen Faden.
    Aber ich wollte ihn nicht nur für meine Belange nutzen.
    Ich mach mich wieder vom Acker und evtl. einen neuen Faden auf.

    StrandundSonne, ich habe mich gefreut, dass du dich für mich eingesetzt hast. Ich sehe es nämlich aus so, dass mein Thema schon hier rein paßt.
    Aktuell bin ich verletzt. Mitten drin und schreibe meine Gefühle auf.

    Anyway, danke fürs lesen und für euer Interesse und eure Unterstützung.
    Ich bin sehr froh hier über meinen Schmerz schreiben zu dürfen und Hilfe zu bekommen.

    DANKE!!!

    Heartbeat

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      Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
      Suchst du denn in so einem Fall nicht mehr nach dem "Schuldigen"? Wie gehst du vor, wenn etwas passiert?
      Ich weiß jetzt nicht genau, was du meinst mit "etwas passiert".

      Je nachdem, was es ist, bin ich mir darüber im Klaren, dass ich der Auslöser, der Verursacher bin. Deshalb muss ich mich aber nicht schuldig fühlen für das, was meine Äußerung oder mein Verhalten beim anderen ausgelöst hat.

      Kommentar


        Ich möchte mich der Bitte derer anschließen, die darum gebeten haben, für konkrete Verletzungen in eigene Fäden zu gehen und in diesem Faden beim allgemeinen Thema Verletzlichkeit zu bleiben.

        Nicht, weil die Themen eine unterschiedliche Wertigkeit haben oder überhaupt nichts miteinander zu tun haben, gar nicht. Das ist ungefähr so, als ob wir uns hier über die Frage "Voraussetzungen für das Erlernen einer Sprache, Methoden zum Vermitteln von Sprache" widmen, und dann kommt jemand und sagt "apropos Sprache lernen, warum gehört in diesem Satz der subjonctif, kann mir mal bitte jemand den subjonctif erklären" - was auch eine absolut legitime Bitte ist, in die möglicherweise mit hineinspielt, was man braucht, um den Subjonctif verstehen zu können.

        So spielt natürlich auch die Frage nach der eigenen Verletzlichkeit in die Frage hinein, warum ich in einem konkreten Fall verletzt bin.

        Und trotzdem: Ich würde mich - auch in jenem fiktiven Beispiel - einfach gerne jedem Thema für sich mit meiner vollen Aufmerksamkeit widmen, und das fällt mir leichter, wenn ich weiß, wo ich gerade gedanklich bin. Wenn ich weiß, hier kriege ich Anworten hierzu und dort dazu, anstatt in einem Faden mehrere Themenstränge auseinanderklabüsern zu müssen.

        Danke sehr.

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          Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
          Hast du eine Erklärung dafür, wieso wir zuerst den Schuldigen suchen?
          Das hat ja ganz weitreichende Folgen. Weltweit.
          Wie entsteht/entstand das?
          Ja, nein, ich weiß nicht. Wolltest Du's genauer wissen?

          Also, die Antwort nach dem Wieso oder Warum finde ich persönlich eigentlich schon in unseren bereits skizzierten Strukturen nach Macht. Und warum sich die genau entwickelt haben, kann ich, da wir hier von grauer Vorzeit sprechen, ja nur erahnen, ich persönlich finde die Frage auch nicht wesentlich, weil sie mir nicht hilft. Mir reicht da die grobe Skizze der Entwicklung der Scham für mein persönliches Verständnis, um mich sozusagen in dieser Struktur einmal zu orientieren, zu verorten, wie wir als Gesellschaft und ich dahingekommen sind.

          Ich persönlich finde dann aber die Frage nach dem "wie kommen wir von hier wieder weg" ja viel spannender. Und da stellt sich mir eher die Frage nach dem Wozu? Wozu suchen wir Schuldige?

          Diese Frage haben wir meines Erachtens auch schon einmal angerissen: Schuldige zu finden ist eigentlich so eine schöne Scheinlösung, bei der man aufhören kann. Indem man behauptet, durch das Finden eines Schuldigen (und im Idealfall: seiner Bestrafung) sei erstens die Situation "bereinigt" und zweitens für die Zukunft sichergestellt, daß das nicht mehr passieren kann.

          Für mich sind das zwei völlig unterschiedliche Arten, auf das Leben zu schauen, mit unterschiedlichen Prämissen.

          Die eine - und die lernen wir meines Erachtens einfach, weil sie sich über Jahrhunderte und Jahrtausende als die gesellschaftlich vorherrschende etabliert hat - geht von absoluten Ansichten von richtig und falsch aus, von aus diesen Ansichten heraus resultierenden Erwartungen an das Leben, die sich gefälligst zu erfüllen haben. Abweichungen von diesen Erwartungen sind Fehler: Krankheit, Tod, Unzufriedenheit ... alles Fehlentwicklungen, die nicht sein dürfen, nicht akzeptiert werden, zu verurteilen sind, jemand muß etwas falsch gemacht haben, sonst wären sie nicht passiert.

          Somit suchen wir nach der Ursache, dem Fehler, dem Schuldigen. Wir suchen sichere Fixpunkte und schreiben die fest.

          Im Prinzip ist das vermutlich ein Versuch, Sicherheit zu bekommen: Wenn ich feste Prinzipien habe, an denen ich mich festhalten kann - klare Ursachen, klare Fehler, klare Schuldige - dann glaube ich, daß ich im Leben sicher bin. Daß mich eben Krankheit, Tod und Unzufriedenheit nicht ereilen werden. Meiner Meinung nach eine Illusion der Sicherheit. Von der ich den Eindruck habe, daß unsere Gesellschaft als Ganzes ihr immer mehr hinterherhechelt. Weil Unsicherheit schmerzlich ist.

          Für mich der Punkt, wo wieder die Verletzlichkeit ins Spiel kommt: Verletzlichkeit heißt für mich auch, Unsicherheit auszuhalten. Zu wissen und anzuerkennen, daß ich ein höchst filigranes Zusammenspiel von körperlichen und geistigen Faktoren bin, das auf beständig unsicherem Grund vom Zeitpunkt einer Geburt, die ich nicht gewählt habe, zum Zeitpunkt eines ungewissen Todes hinlebt, dazwischen eine höchst unsichere Aneinanderreihung von Erlebnissen. Als Draufgabe bin ich auch nur eines dieser Geschöpfe inmitten von Milliarden anderen filigranen Geschöpfen. Yippieh - das gilt es auszuhalten

          Dann habe ich Chancen auf die andere Sicht. Die weiß das, sie weiß daß das Leben eine ständige Abfolge sich verändernder Bedingungen ist, im Laufe derer sich Krankheit, Tod, Unzufriedenheit mit Gesundheit, Geburt, Glück abwechseln, weil es sich beim Leben um einen ständigen, hochkomplexen Prozeß handelt, der aber auch nie zum Stillstand kommt, sich ständig verändert. In diesem Prozeß treffen wir zwar Entscheidungen im Versuch, unser Geschick zu lenken - und gleichzeitig wissen wir, daß das Ergebnis nie ganz in unserer Hand liegt, weil wir kaum jemals alle Faktoren im Voraus kennen, die letztlich beeinflussen, was passiert, noch sie beeinflussen können. Somit kommt, wenn etwas eingetreten ist, was nicht dem gewünschten Ergebnis entspricht auch eine gewisse Demut ins Spiel, die akzeptiert: Ok, hier stehen wir jetzt. Es muß keine "Schuld" geben - es paßt einfach das Ergebnis nicht, weil wir vielleicht erstens das Ergebnis ohnehin nie in der Hand hatten, oder zweitens uns vielleicht einfach nicht alle Faktoren im Vorhinein völlig klar waren.

          Die Frage ist dann: Mit den Erkenntnissen aus dem Scheitern und an dem Punkt, wo wir jetzt sind - was ist jetzt der nächste Schritt, um dorthin zu kommen, wohin ich gerne möchte? Wieder im Wissen, daß ich letztlich nur probieren kann, weil ich immer noch nicht wirklich weiß, ob es die Lösung, die ich mir vorstelle, gibt. Oder ob ich womöglich auch meine Erwartung anpassen muß.

          Denn das Leben ist nunmal kein Videospiel, wo ich 5 x durch denselben Gang rennen kann und beim 6. mal schon genau weiß, wann ich wohin ballern muß, damit ich sicher dort ankomme. Weil sich das ein Programmierer im Vorhinein ausgedacht hat und die Lösung bereits ins Spiel hinein programmiert hat, es die Lösung somit sicher gibt. Möglicherweise spielen deswegen so viele gerne Videospiele - weil die so viel einfacher sind, klarer.

          Jedenfalls glaube ich, daß die zweite Sicht nicht so einfach ist. Sie erfordert es, sich immer wieder neu zu orientieren. Und sie erfordert es letztlich auch, die Spannung des Unerfüllten, des Unbeeinflußbaren auszuhalten. Etwas, was wir auch immer weniger lernen, weil wir uns immer mehr daran gewöhnen, daß jegliches Unbehagen, das wir verspüren, auf Knopfdruck wegzuzaubern ist. Auch, wenn wir manchmal den falschen Knopf erwischen, aber Hauptsache, das Unbehagen ist einmal scheinbar weg. So ähnlich sehe ich dann auch die Frage nach dem "Schuldigen" an meiner Erkältung: Daß sein Mäderl jetzt hustet und schnupft und es ihm nicht gut geht, ist ein Fehler im System, an dem mein Vater leider nichts ändern kann, was für ihn schwer auszuhalten ist. Ersatzstrategie: Ausmachen eines Schuldigen, an dem kann er sich innerlich abreagieren, wodurch diese Spannung zumindest ein wenig nachläßt.

          Diesbezüglich habe ich auchmal ein Buch gelesen, von deren These eine Freundin von mir so begeistert war: "Wie Sie ihre Hirnwichserei abstellen und stattdessen das Leben genießen" von Giulio C. Giaccobe. Eine seiner Thesen war nämlich, daß viele unserer Handlungen einfach dem Spannungsabbau dienen, der bloßen Entladung von Spannungen, die sich im Hirn aufbauen.

          Für mich führt der Weg von der ersten zur zweiten Sicht somit ganz klar über das Erkennen, was wirklich ist - jenseits von meinen Vorstellungen, was sein sollte. Aus dem heraus kann ich immer mehr die hilfreiche Sicht wählen, und nicht die, die sich in Ersatzbefriedigungen verfängt.

          Und gleichzeitig merke ich natürlich auch, daß ich immer wieder dort gerne abzweige, wo es halt wirklich in die Verletzlichkeit geht, ins Aushalten und Annehmen des Unangenehmen, der Spannung, des Ungewissen.

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            Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
            Liebe Rosie,

            wie hast du es geschafft das alles loszulassen? Hattest du als Kind Vertrauenspersonen außerhalb deines Elternhauses?
            Wie kamst du dahin dich nicht mehr zu schämen?
            Liebe Nordhimmel ,nein, ich hatte keine Vertrauensperson,leider.

            Ich habe das durch eine lange Therapie geschafft.

            Manchmal rumpelts noch,aber Scham ,nein,eher Wut,aber moderat,ohne Ausbrüche.
            Rosie

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