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Februar 2016: Indirekte/Unklare Kommunikation

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    #61
    Edit vorweg: ein langes Scrollposting. Habe ich mir aus dem Selbstoptimierungsfaden abgeschaut

    ---------------------------

    Liebe Tintenweberin!

    Danke für Deine Erläuterung, auf die ich schon sehr gespannt war.

    Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
    Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ich als erwachsener, mündiger und weitgehend gesunder Mensch für die Wahrnehmung und Erfüllung (oder Nichterfüllung) meiner Bedürfnisse ausschließlich selbst verantwortlich bin. Es muss niemanden außer mir interessieren, was ich (über die essentiellen allgemein menschlichen Bedürfnisse hinaus) gerade brauche und ob oder wie ich das bekomme. In meiner Welt sind Freunde Menschen, die es trotzdem interessiert, die meine echten Bedürfnisse manchmal besser als ich von irgendwelchen Vollmeisen unterscheiden können, und denen es Spaß macht, mir vor Zeit zu Zeit sogar ein "neurotisches" Bedürfniss (z.B.: Will auf den Arm ... ) zu erfüllen.
    Hier gehen wir einerseits sehr weit d'accord - und dann ist mein Eindruck, ich biege radikal in eine andere Richtung ab: Auch eine meiner Grundannahme ist, daß ich alleine dafür verantwortlich bin, für die Erfüllung meiner Bedürfnisse zu sorgen oder damit umzugehen, wenn ich sie nicht erfüllt bekomme, weil, auch hier bin ich ganz bei Dir, niemand sie mir erfüllen muß.

    Dennoch trenne ich die Welt nicht in das Lager der Freunde, die zu meinen Bedürfnissen beitragen wollen und das Lager des riesigen Rests, denen ich egal bin und von daher meine Bedürfnisse besser gar nicht zumute. Denn in meiner Welt gibt es noch eine Grundannahme, nämlich, daß wir Menschen eine riesige Freude daran haben, die Leben anderer Menschen zu bereichern; wenn wir selbst gut drauf sind, wenn unsere eigenen Bedürfnisse erfüllt sind, dann gehört es zu den Grundbedürfnissen von Menschen, zum Leben anderer Menschen beizutragen. Ich erlebe das bei mir selbst so, und ich erlebe es immer wieder bei anderen Menschen. Da war der Mann, der mir bei strömendem Regen Starthilfe gab, dabei komplett naß wurde, während ich im Auto saß, und der auf meinen Dank mit der Frage, wie ich das ausgleichen könne, meinte: "Do you know what the secret of happiness is? To help make others happy. So to see you so happy and dry, makes me very happy right now, thank you!"

    Oder jener, der mich im nächtlichen Perth ansprach, wo ich nervös, ängstlich und einsam Runde um Runde drehte, weil ich mich vor der Weiterreise mit der "zerliebten" Reisegruppe aussprechen und möglicherweise entscheiden wollte, die nächsten 3 Monate alleine weiterzureisen: Ob ich etwas brauche, Jesus hätte ihm gesagt, er solle mich ansprechen, ich brauche Unterstützung. Und wie ich brauchte! Ich schüttete ihm mein Herz aus, er hörte einfach zu. Gab mir genau das, was ich brauchte, nämlich seine Präsenz, Gesellschaft, das Gefühl, nicht alleine zu sein. Und blieb bis zum allerletzten Moment, wartete vor der Tür, ob ich noch einmal zurückkäme (kam ich). Und ja, da kann man jetzt sagen: Dieser Mensch kam aktiv auf dich zu, hat also sein Interesse bekundet. Stimmt. Ich wäre nie aktiv auf ihn zugegangen und hätte ihn gefragt, ob er mich mal gerade emotional auffangen kann. Dennoch zeigt es etwas über die Bereitschaft von Fremden, für andere Fremde etwas zu tun, um diesen Aspekt geht es mir.

    Solche Erfahrungen ziehen sich durch mein Leben, mir begegnen, egal wo, Menschen, die zum Leben Wildfremder beitragen wollen. Ich habe schon oft um etwas gebeten - und doppelt so viel bekommen. Oder nicht gebeten, meine Bedürftigkeit war nur sichtbar - und ich wurde beschenkt. Meine Grundüberzeugung ist daher: So sind Menschen. Sie sind im Kern wunderbare Wesen, die nichts anderes wollen als selbst glücklich zu sein - und zum Glück Anderer beizutragen, und zwar nicht nur ihrer Freunde.

    Das bedeutet jetzt natürlich nicht, daß ich durch die Welt gehe und davon ausgehe, daß alle nur darauf warten, mir meine Bedürfnisse zu erfüllen: Ja, es gibt Umstände, und die müssen schon stimmen. Vor allem ist ein wesentlicher Umstand, damit Menschen gerne zum Leben anderer Menschen beitragen, daß sie es freiwillig tun dürfen. Daß sie nicht den Eindruck haben, es wird von ihnen erwartet, und ich erwarte es auch nicht. Es ist nicht bei jedem Menschen immer der richtige Zeitpunkt für jedes Bedürfnis. Ergo ja, ich bin verantwortlich dafür, mir meiner Bedürfnisse bewußt zu sein und zu entscheiden, mit wem ich welche wann teile. Keine Frage.

    Doch in meiner Welt ist die Bandbreite, wem ich was "zumuten" kann, sehr, sehr groß - und vermutlich ist sie in Wahrheit noch einmal größer, als ich sie mir vorstellen kann. Mit offenem Herzen gibt es Gelegenheiten ohne Ende, mich von Fremden berühren zu lassen: Die beiden obigen Beispiele sind 8 bzw. 25 Jahre her. Und wenn ich mich an sie erinnere, wie gerade eben, bin ich immer noch berührt und denke voller Wärme an diese zwei Menschen, freue mich daran, wie wir uns wechselseitig beschenkt haben: Sie, indem sie gegeben haben, und ich, indem ich dankend genommen habe.

    Ich glaube daran, daß ich mir, den Anderen und der Welt etwas schenke, wenn ich mein Herz so weit öffne, daß ich meine Bedürftigkeit zeige. Denn es gibt Anderen die Möglichkeit, ihre Fürsorge zu leben, und mit jedem Akt der Fürsorge kommt etwas Gutes in die Welt.

    Das ist auch immer wieder mal ein Risiko. Manchmal rennt das offene Herz auch gegen eine Mauer, und das tut dann auch weh. Das passiert, und manchmal (oft? zu oft?) entscheide ich mich auch, lieber auf Nummer Sicher zu gehen. Trotzdem bezeichne ich das, was ich leicht leben kann, nicht als mein Optimum, und mein Herz schlägt für mehr

    In meiner Welt sind Freunde Menschen, die es trotzdem interessiert, die meine echten Bedürfnisse manchmal besser als ich von irgendwelchen Vollmeisen unterscheiden können, und denen es Spaß macht, mir vor Zeit zu Zeit sogar ein "neurotisches" Bedürfniss (z.B.: Will auf den Arm ... ) zu erfüllen.
    Auch in meiner Welt sind Freunde Menschen, bei denen ich schon öfter die Erfahrung gemacht habe, daß wir wechselseitig Freude daran haben, zu unseren Leben beizutragen. Und ja, im Idealfall führt das zu einer anderen Tiefe dabei, zu einem besseren Kennen, möglicherweise erweitern sich die Strategien zur Erfüllung der Bedürfnisse: Eine Freundin nehme ich auch mal in den Arm, einem Fremden lege ich maximal die Hand auf den Arm, um menschliche Wärme auszusenden.

    Übrigens, aber ich bin auch nicht therapeutisch gebildet, kenne ich keine neurotischen Bedürfnisse. Für mich sind Bedürfnisse zutiefst menschlich und verständlich: "Will auf den Arm ... " wäre für mich somit der vielleicht neurotische Ausdruck des Bedürfnisses nach Nähe, Wärme, Sicherheit, eine Unterscheidung, die mir persönlich wichtig ist, weil sie mir hilft, mich selbst für meine Bedürfnisse nicht zu verurteilen. Ich persönlich finde, daß es hart klingt, von mir zu behaupten, daß ich neurotische Bedürfnisse habe, daß ich lieber würdige, daß meine Anliegen berechtigt sind. Aber ja, bei Freunden darf ich das auch, einmal teppert, neurotisch, kindisch, trotzig, ... ausdrücken, und sie machen sich möglicherweise die Mühe, mein Anliegen zu sehen und mir zu erfüllen.

    Allerdings würde ich davon auch nicht immer ausgehen - als ich vor einiger Zeit die Strategie wählte, eine Woche nicht mit meinem Lebensgefährten zu reden, hat der auch eine Weile (nämlich diese Woche) gebraucht, um mein Anliegen sehen zu wollen und nicht primär mit seiner eigenen Reaktion auf diese meine depperte Strategie beschäftigt zu sein

    Wenn ich auf der "reifen, königlichen" Seite meiner emotionalen Wippe bin, weiß ich genau, dass ich Menschen in einer kriseligen Situation hoffnungslos überfordere und frustriere, wenn ich meinen Wert der "emotionalen Aufrichtigkeit" (= lass uns doch mal ganz genau hinschauen, was wirklich hinter deinem Kummer steckt) lebe und "meine Wahrheit" über den anderen (in bester Absicht) zum Besten gebe. Demzufolge ist weniger gelebte "Aufrichtigkeit" für mein Gegenüber in seinem aktuellen Zustand besser.
    Ok, da beziehst Du Dich jetzt darauf, anderen im Versuch zu helfen nicht zu oktroyieren, daß sie genauso mit ihrer Krise umgehen müssen, wie Du es tun würdest, verstehe ich das richtig?

    100%ige Zustimmung. Halte ich, wenn ich achtsam bin, genauso. Wenn ich allerdings um meine Meinung gefragt werde, gebe ich sie bekannt, sogar, wenn ich annehme, daß der Andere damit nichts anfangen kann. Dann aber halt kürzer


    Wenn ich mich von den Gemeinheiten des Lebens auf die bedürftigen Seite dieser Wippe schubsen lasse, schließt mein Wert der emotionalen Aufrichtigkeit einen unheiligen Pakt mit völlig anderen ("neurotischen") Bedürfnissen, z.B. meinem Wunsch nach Aufmerksamkeit oder meiner Rechthaberei. In diesem Fall ist es für mich, für den anderen und das Gesamtsystem noch viel wichtiger, dass ich aus einer Diskussion "um des Kaisers Bart" rechtzeitig aussteige und meine "Wahrheiten" (die durch meine aktuelle Bedürftigkeit nicht weniger wahr werden) für mich behalte.
    Diskussionen "um des Kaisers Bart" versuche ich ohnehin zu vermeiden, und trotzdem passieren sie hin und wieder; für mich ist das Spannende aber eigentlich, draufzukommen, was unter/hinter "des Kaisers Bart" für mich das Wesentliche ist, was dazu führt, daß ich mich in genau diese Diskussion ziehen lasse: Ich glaube nicht an ein Bedürfnis nach Rechthaberei, das ist für mich eine Strategie. Dahinter liegt, glaube ich, zumindest bei mir eher das Bedürfnis danach, sich auszukennen oder Einfluß zu haben, und manchmal ist es sehr schmerzlich mir einzugestehen, daß diese Bedürfnisse unerfüllt sind, möglicherweise sogar in einem sehr großen Kontext. Und da ist, glaube ich, Rechthaberei eine Strategie, um diesen riesigen Schmerz, daß ich nur ein klitzekleines Sandkorn bin, das so gerne dazu beitragen würde, daß es allen Sandkörnern gut geht, daß ich das aber nicht vermag, daß ich so wenig tun kann, obwohl ich glaube zu wissen, wie ich und alle anderen sein müßten, nicht zu spüren.

    Da ist es dann leichter, in einer Diskussion "um des Kaisers Bart" herumzubeißen und mich stark zu fühlen, als die schwachen Gefühle anzuerkennen. Diskussionen "um des Kaisers Bart" sind ohnehin oft fruchtlos, eben weil es, wie der Name schon ausdrückt, um nichts geht.

    Und jetzt schlage ich jetzt den Bogen zurück zum Fadenthema der indirekten Kommunikation - und zu Deiner Aussage davor, daß Du es lieber bei einer "weitgehend indirekten" Kommunikation beläßt - weil ich aus Deinen Erläuterungen jetzt vermute, daß wir nicht vom selben gesprochen haben.

    So, wie ich Dich jetzt gelesen habe, war Dein Thema mehr "Aufrichtigkeit" oder: Wie viel von mir erzähle ich wem. Wo Du, wenn ich das richtig verstanden habe, Dich dafür entschieden hast, vorzuselektieren, wem gegenüber Du welche Wahrheiten von Dir mitteilst.

    Das tue ich ja auch. Wenn ich vielleicht auch anders selektiere, aber ich tue es: Ich entscheide, wem ich was von mir mitteilen mag.

    Aber die bloße Tatsache, sich zu entscheiden, daß ich in einer Situation etwas von mir nicht mitteilen mag, ist, so wie ich das Thema meinte, für mich keine indirekte Kommunikation.

    Die indirekte Kommunikation beginnt für mich dort, wo ich mit einem Anliegen an die andere Person in Kommunikation eintrete - denn Kommunikation hat ja zumeist einen Zweck, ich möchte etwas mit ihr erreichen: Abklären, was wir am Abend machen, bitten, daß der Andere etwas für mich tut, mich mitteilen, um verstanden zu werden, mich bedanken, Spaß haben ... im Idealfall hat Kommunikation einen Zweck, dahinter liegt ein Anliegen von mir.

    Und indirekte Kommunikation liegt für mich dort vor, wo ich dieses Anliegen zwar habe, mich entscheide mit diesem Menschen zu kommunizieren - aber genau dieses Anliegen möglichst versteckt ausdrücke, so daß es schwer zu finden ist.

    Das war das, was ich in Deinem ursprünglichen Posting nicht verstanden habe: Warum will sie bewußt dort, wo sie ein Anliegen hat, dieses nicht klar ausdrücken, sondern versteckt? Was ja erschwert, daß es verstanden wird?

    Und das, glaube ich jetzt, war nicht das, was Du unter indirekter Kommunikation meintest. Du sahst sie, wenn ich das richtig verstehe, mehr als das Gegenteil von bedingungsloser Aufrichtigkeit über alles, was in Dir lebendig ist in jedem Moment. Und so war sie von mir nicht gemeint.

    Vielleicht war auch mein Einstiegs-Beispiel mißverständlich, weil ich da ja einen inneren Prozeß beschrieben habe. Damit aber nicht sagen wollte, man müsse/solle diesen inneren Prozeß teilen - sondern eigentlich war das eine Erläuterung, welcher innere Prozeß bei mir nötig war, um in einem Faden über ein ganz anderes Thema nicht in eine indirekte Kommunikation zu verfallen, die möglicherweise zu Unstimmigkeiten geführt hätte.

    Wohingegen ich nach diesem inneren Prozeß merkte: Ich muß mir im Außen mit niemandem mehr etwas ausmachen, ich weiß jetzt, warum ich den Impuls hatte, blöd zu reagieren. Jetzt kann ich da lassen und einfach auf die Frage antworten, ich werde nicht mehr von einem versteckten Anliegen getrieben.

    Ein weites, weites Feld ist sie für mich, diese Kommunikation. Mit vielen, wunderschönen Blumen. Ok, manche stinken. Aber im Grunde sind sie alle schön

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      #62
      Uff, danke Tintenweberin und MissPig - soooo viel Klarheit!

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        #63
        Hallo liebe MissPig,

        eins vorweg. Mit diesem Smiley drücke ich meine freundliche Zugewandtheit aus.
        Die Frage meinte ist ernst: "Was hast Du mir gesagt, wenn Du nichts zu meinem Beitrag sagst?" Und hiermit hast Du mir meine Frage beantwortet.

        Zitat von MissPig Beitrag anzeigen
        (...) Ich hatte Deinen Beitrag gelesen, mir innerlich "aha" gedacht, doch er hat in mir nichts angestoßen, weder emotional noch assoziativ, was dazu geführt hätte, daß ich etwas hätte antworten wollen. (...)
        Jetzt bringst Du überraschenderweise den Aspekt ins Spiel, auf den ich hingewiesen hatte, der aber in " Dir nichts angestoßen hat": Den emotionalen Bedeutungsgehalt einer Aussage.
        Zitat von MissPig Beitrag anzeigen
        (...) Und da fände ich es spannend, ob hinter dieser Blödelei doch auch nur im Ansatz so etwas steckt wie (...)
        (Wie gesagt, es war keine Blödelei von mir.)
        Aus meiner Sicht hatte ich Dich auf eine "Perle" hingewiesen und Du gehst achtlos an ihr vorbei. Ich hatte angenommen, dass ich gerade bei Dir als GfK-Fachfrau offene Türen einrenne, wenn ich auf diesen bis dato noch unerwähnten Zusammenhang von Emotionen und indirekter/unklarer Kommunikation hinweise. Aber von Dir kam nichts, keine Rückmeldung, keine Nachfrage.
        In meinem Satz war Folgendes enthalten:
        Enttäuschung einerseits über meine Fehleinschätzung und andererseits über – ich will es nicht verhehlen - Deinen ausbleibenden Beifall.
        Das Gefühl unsichtbar, übersehen worden zu sein. Ich muss mit meinen Armen fuchteln, um auf mich aufmerksam zu machen. (Welch eine Zumutung! Wenn ich spreche, lauschen alle gebannt. )
        Frustration wegen meiner verschwendeten Zeit und Energie.

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          #64
          Liebe Mistral,

          ich danke Dir insbesondere dafür, daß Du mir folgendes mitgeteilt hast:

          Zitat von Mistral1 Beitrag anzeigen
          Enttäuschung einerseits über meine Fehleinschätzung und andererseits über – ich will es nicht verhehlen - Deinen ausbleibenden Beifall.
          Das Gefühl unsichtbar, übersehen worden zu sein. Ich muss mit meinen Armen fuchteln, um auf mich aufmerksam zu machen. (Welch eine Zumutung! Wenn ich spreche, lauschen alle gebannt. )
          Ich war mir nicht sicher, steckt das in Deinem Beitrag drin oder nicht? Wie deute ich den Smilie, ich vermute, er soll mir etwas sagen, aber was? Sch...-Smilies aber auch, sollen so etwas wie Mimik und Tonfall mitteilen, sind aber so sau-schwer zu lesen, weil, wie wir (=das Forum) schon einmal andernorts geklärt haben, so viele ähnliche Smilies anders verwenden und deuten.

          Daher war ich mir nicht sicher - soll der Blödelei ausdrücken, so ein "keine Angst, nicht ernst gemeint", wo dahinter aber dann eben doch etwas Ernstes steckt, oder nur Blödelei, Freundlichkeit, hinter Freundlichkeit versteckte Aggression? Mache ich mir zu viele Gedanken, zu wenig, die falschen? Im direkten Gespräch könnte man ja das ganz kurz klären vor der Antwort, im Forum finde ich das oft ein wenig mühsam: Zuerst ein Posting "du wie meinst du das", dann warten, dann "ah, ok, also gut, dann antworte ich dir jetzt" - und dazwischen sind 3 Tage vergangen und 25 neue Postings im Faden.

          Zurück:

          Ja, stimmt, ich hatte Dich sozusagen überlesen, weil ich die Aussage, so rein informativ, ohne Beispiel (ich bin einfach ein Geschichten-Mensch, sorry) tatsächlich nicht ganz erfaßt hatte. Wie schön, daß sich jetzt genau in unserem Austausch Deine Aussage nachträglich so erklärt, daß auch ich achtloses Schwein sie finde - auch wieder so eine Blume.

          Danke Dir dafür.

          D.h., um zum Fadenthema zurück zu kommen: Ich verstehe Deinen Hinweis jetzt so, daß nicht nur ich ein Emotions-Trüffelschwein bin, sondern daß Menschen im allgemeinen Gesagtes/Geschriebenes einmal vorbeugend auch auf die emotionale Bedeutung für sie selbst abklopfen. Und dann diktiert diese emotionale Bedeutung möglicherweise die Reaktion fast mehr als der Inhalt (während man selbst noch glaubt, auf den Inhalt zu reagieren und das möglicherweise auch noch mit Vehemenz verteidigt, wenn man darauf hingewiesen wird, d.h. es findet ein hoch-effizientes maximales Versteckspiel statt).

          So habe ich's jetzt verstanden. Richtig?

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            #65
            Hallo liebe MissPig,

            mit dem Ausdruck `emotionaler Bedeutungsgehalt´ ist etwas anderes gemeint. Ich mache es mal an einem Beispiel deutlich:
            Ich habe im Fernsehen die Vorschau auf die Next Topmodel Sendung gesehen, in der den Models die Haare abgeschnitten wurden oder abgeschnitten werden sollten. Einige Models haben deswegen Rotz und Wasser geheult.

            Jetzt könnte man sagen, meine Güte, das sind doch bloß Haare, die sind ruckzuck wieder nachgewachsen und überhaupt soll das Ganze doch die Attraktivität noch erhöhen.
            Aber nein, hier geht es gar nicht mehr um Haare, sondern um etwas anderes und zwar um den individuell unterschiedlichen emotionalen Bedeutungsgehalt, den die Haare haben.
            Es wird also nicht wegen der abgeschnitten Haare geweint, sondern wegen etwas ganz anderem. Und diesen emotionalen Bedeutungsgehalt gilt es herauszufinden, wenn man den Menschen verstehen möchte.

            Vordergründig wird über Haare gesprochen, aber tatsächlich geht es vielleicht um einen nun verloren geglaubten Bestandteil der Identität, um Weiblichkeit, Angst vor Attraktivitätsverlust oder die Wirkung auf Männer etc. pp.
            Auf diesen noch unerwähnten Aspekt bezüglich indirekter/unklarer Kommunikation wollte ich hinweisen.

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              #66
              Liebe Mistral,

              danke für die Erläuterung.

              DAS ist für mich eigentlich lupenreine GFK: Wir reden meist über Strategien und glauben, daß es um sie geht, dabei geht es letztlich um Bedürfnisse, sprich das, was dahinterliegt. Und die Strategie kann wiederum auf recht seltsame Art und Weise mit den Bedürfnissen verknüpft werden (und manchmal führen sie nicht einmal zur Erfüllung des Bedürfnisses, aber das ist eine andere Geschichte): Über Assoziationen, Glaubenssätze, ... Darüber kann man wiederum schlecht "streiten" (und oft tun wir aber genau das): Wenn ich in einem Elternhaus aufgewachsen bin, wo es hieß, nur lange Haare sind bei Mädchen schön oder gar: ein Mädchen ist nur ein Mädchen, wenn es lange Haare hat, oder: alle Mädchen mit kurzen Haaren sind lesbisch (und das ist etwas Schlimmes!)... dann können mir zig Menschen bestätigen, daß mir die Glatze steht, es wird nichts nutzen. Und dann sind wir auch wieder bei einem meiner Lieblings-Merksprüche:

              Verstehen heißt nicht einverstanden sein, (heißt nicht zuständig sein).

              Sprich, wenn ich verstehe, diese Frau fühlt sich gerade vollkommen unsicher, weil ihre Haare für sie ihre Weiblichkeit, Attraktivität, (womöglich in letzter Konsequenz auch Liebenswürdigkeit) bedeuten - bedeutet das nicht, daß ich diese Meinung teilen muß, und trotzdem kann ich mitfühlen, warum sie reagiert, wie sie reagiert.

              Und das gilt für mich dann letztlich auch in meinem Beispiel: Während wir uns unterhalten, kann das Thema, oder die Art und Weise, wie das Thema behandelt wird, oder ein Tonfall, oder eine Formulierung, IRGENDETWAS, auch wieder in einem von uns ein Bedürfnis triggern, seine eigene Bedeutung kriegen, aus der heraus ich reagiere.

              Wenn der Andere diese Bedeutung nicht mitkriegt, streiten wir uns plötzlich um's Thema, während es um etwas ganz Anderes geht. Was letztlich für mich den Bogen zurückschlägt zu meinem Anfangsbeispiel: Ich wäre Bonny aggressiv-"schein-lustig" für eine Frage angegangen, die für mich etwas ganz Anderes bedeutet hat (= einen anderen emotionalen Bedeutungsgehalt hatte, was in mir Bedürfnisse als unerfüllt hat aufschreien lassen) als das, was sie schrieb, meinte, und was vermutlich die meisten Anderen gelesen haben.

              Also: Ja, genau. Für mich ein wesentlicher Aspekt bei versteckter Kommunikation.
              Zuletzt geändert von MissPig; 26.02.2016, 14:28.

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                #67
                Darum hat alles was uns begegnet mit einem selbst zu tun.
                Wir haben uns auf Begegnungen eingelassen, weil für jeden Einzelnen eine individuelle Bedeutung dahinter steckt.

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                  #68
                  Zitat von MissPig Beitrag anzeigen
                  (...) DAS ist für mich eigentlich lupenreine GFK (...) Also: Ja, genau. Für mich ein wesentlicher Aspekt bei versteckter Kommunikation.
                  und eine psychotherapeutische Vorgehensweise.

                  Gut, dass ich mit meinen Armen herumgefuchtelt habe, um auf mich und meinen Hinweis aufmerksam zu machen.

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                    #69
                    Liebe MissPig,

                    diesmal habe ich ein paar Tage gebraucht, in denen ich deine Antwort immer wieder lesen, und zurecht schütteln musste, um meinem ganz persönlichen Ja-aber auf die die Spur zu kommen.

                    Diese Passage ...
                    Zitat von MissPig Beitrag anzeigen
                    Denn in meiner Welt gibt es noch eine Grundannahme, nämlich, daß wir Menschen eine riesige Freude daran haben, die Leben anderer Menschen zu bereichern; wenn wir selbst gut drauf sind, wenn unsere eigenen Bedürfnisse erfüllt sind, dann gehört es zu den Grundbedürfnissen von Menschen, zum Leben anderer Menschen beizutragen. Ich erlebe das bei mir selbst so, und ich erlebe es immer wieder bei anderen Menschen.
                    ... hat es mir besonders angetan. Beim Lesen bin ich immer wieder an dieser Stelle hängengeblieben und habe lange darüber nachgedacht, wie schön es wäre, wenn deine Annahme über die Welt wahr wäre. Meine Annahme ist bedauerlicherweise etwas weniger optimistisch. Ich bin überzeugt davon, dass Menschen in der Regel nur dann etwas für andere tun, wenn es ihnen auch etwas nützt und sie im Idealfall sogar "ein gutes Geschäft" machen, wenn sie also mehr bekommen, als sie gegeben haben.

                    Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mich daran erinnert habe, dass ich letztens einen jungen Mann mit einem schweren Rucksack nicht nur so weit mitgenommen habe wie mein Weg und seiner identisch waren, sondern dass ich ihm meine Zeit und meinen Sprit geschenkt habe, damit er auf einer wenig befahrenen Strecke einigermaßen flott zu seinen Freunden kommt. Es ist schon ein bisschen länger her, dass ich an einem Sauwetterabend kurz vor meiner Haustür zwei verirrte Wanderer aufgesammelt und zu ihrem (vier Fußstunden entfernten) Parkplatz gefahren habe. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dabei besonders glücklich (Hurra, ich kann ihn oder sie glücklich machen!) oder besonders genervt (Ach je, jetzt muss ich tatsächlich noch mal raus!) gewesen wäre. Es war einfach so, dass ich das, was gebraucht wurde (Zeit, Auto, Spirt), in ausreichender Menge vorrätig hatte und demzufolge teilen konnte, ohne mir selbst etwas abknapsen zu müssen. Auf dieser Basis hatte ich auch die Mannschaft einer mittelalterlichen Bäckerei bei mir zuhause untergebracht, nachdem ihr Zelt von einem Gewitter verweht worden war, und den Streitrössern der Ritter meine Koppel zur Verfügung gestellt, weil die Gemeinde einen winzigen geschotterten Parkplatz irrtümlicherweise für eine angemessene Pferdetagesunterkunft gehalten hatte.

                    Auf der Suche nach Erinnerungen, in denen mir ein wildfremder Mensch etwas geschenkt hätte, was ich zu diesem Zeitpunkt unbedingt gebraucht habe, musste ich allerdings bis an den Anfang meiner Studentenzeit zurück gehen. Ich habe allerdings auf Anhieb jede Menge Geschichten in meiner Erinnerung gefunden, in denen meine Bedürfnisse übergangen oder meine Bedürftigkeit ausgenutzt wurde um mir zum Teil nicht unerheblichen Schaden zu verursachen ...

                    Ich habe mich auch daran erinnert, dass es in unserer Familie einige Anekdoten aus meiner Kindheit gibt, die davon berichten, dass ich nahezu erziehungsresistent und schwer zu bestrafen war, weil mir das, was "normalen Kindern" weh getan hätte (Hausarrest, Taschengeldkürzungen oder Fernsehverbot) nichts ausgemacht hatte. Ich vermute, dass meine Eltern sehr findig sein mussten, um mich mit einer "wohlverdienten Strafe" auch wirklich zu treffen, und dass ich dabei gelernt habe, meine Wünsche und Bedürfnisse gut zu verstecken ...

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                      #70
                      also spielt die individuelle grundannahme bei unserer kommunikation eine riesengroße rolle?

                      liebe tintenweberin, da "zuckt" was bei mir ...

                      grundsätzlich mag ich auch gern an das gute im menschen glauben und mir widerfährt auch ständig viel hilfsbereitschaft von anderen (ich kann nie einfach mal in ruhe irgendwo rumstehen, ohne dass jemand fragt, ob er mir helfen kann, find ich manchmal schon bedenklich, was für einen eindruck mache ich denn auf andere?) und ja, ich helfe ebenso, wenn ich es kann. gerne. meistens.

                      dennoch ist meine erfahrung auch die, dass niemand ohne grund "selbstlos" ist. ja, die meisten wollen zur sicherheit mehr bekommen als geben, so erlebe ich das auch oft. oder nutzen andere ganz ungeniert als seelenmülleimer, packesel, boxsack, inspirationsquelle, begleiter, etc.

                      meine wichtigste intension in meiner kommunikation ist transparenz und verständnis. auf augenhöhe. mich interessiert was mein gegenüber meint und will und das gleiche erwarte ich von ihm/ihr. menschen die gucken, wie die katze die am sahnetopf war, mit diebischer freude ob ihres bekloppten geheimnisses, oder die mit absicht informationen zurück halten, mundfaul sind oder aus anderen gründen die kommunikation erschweren, regen mich auf.

                      was erwartet ihr von anderen?

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                        #71
                        Was ich von anderen erwarte?
                        Meinen Mann mal ausgenommen.......gar nichts.
                        Je weniger ich erwarte, desto weniger werde ich enttäuscht. Habe ich aber auch erst kürzlich gelernt.

                        Kommentar


                          #72
                          Was ich von anderen erwarte?


                          Alles und Nichts!

                          Kommentar


                            #73
                            Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
                            Auf der Suche nach Erinnerungen, in denen mir ein wildfremder Mensch etwas geschenkt hätte, was ich zu diesem Zeitpunkt unbedingt gebraucht habe, musste ich allerdings bis an den Anfang meiner Studentenzeit zurück gehen. Ich habe allerdings auf Anhieb jede Menge Geschichten in meiner Erinnerung gefunden, in denen meine Bedürfnisse übergangen oder meine Bedürftigkeit ausgenutzt wurde um mir zum Teil nicht unerheblichen Schaden zu verursachen ...
                            Ui. Das unterscheidet sich völlig von meinem Erleben. Vielleicht gehe ich deshalb auch eher mit MissPigs Grundannahme konform? Oder ist das ein Henne-Ei-Ding? Oder liegt des Rätsels Lösung eher in Fortunas Frage
                            Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen
                            was erwartet ihr von anderen?
                            Ich erwarte nichts - bekomme ich deshalb so viel geschenkt?
                            Oder liegt es vielleicht auch daran, wie "stark" man sich gibt? Ob man mehr die "ich krieg das alleine hin und wehe, du hilfst mir" oder eher die "oje - ob ich das wohl hinbekomme, vielleicht hilft mir ja jemand" Haltung ausstrahlt?

                            Falls das für dich, liebe MissPig, zu weit weg führt vom eigentlichen Fadenthema, sag bitte Bescheid.

                            Kommentar


                              #74
                              Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
                              Falls das für dich, liebe MissPig, zu weit weg führt vom eigentlichen Fadenthema, sag bitte Bescheid.
                              Ach nein, es ist doch schon der 29. Februar, da "darf" sich der Faden schon weiter entwickeln.

                              Nein, nein, paßt schon. Es tauchen ja spannende Fragen auf, hier, und ich verfolge die Fragen - und Antworten - durchaus gespannt. Es ist für mich absolut interessant mitzukriegen: Ok, meine positive Grundannahme über die Menschen ermöglicht mit auch erst diese Offenheit - mit einer "mißtrauischeren" Grundannahme gibt es gute Gründe, Dinge zu verbergen. Und, ich gestehe es, ich freue mich dann einfach an meiner positiven Grundannahme und bin voller Dankbarkeit dafür, daß sie mir möglich ist, warum auch immer, Henne oder Ei.

                              Erwarte ich das Gute? Nein! Halte ich es für möglich? Absolut.

                              Mir fällt da eine Geschichte ein, die das sehr gut widerspiegelt:

                              Drama bei einer meiner Freundinnen, Liebeskummer, kannst du kommen? Ich sause los, zutiefst aufgewühlt. Vorher noch in den Supermarkt, um mir schnell ein Sandwich zu kaufen, an der Kassa ist meine Geldbörse nicht da.

                              Verzweiflung bei mir: Das paßt gerade gar nicht! Ich muß zu meiner Freundin, ich kann mich jetzt nicht um das Sperren von Karten etc. kümmern. Ich lasse das Sandwich liegen, gehe durch die Kassa, drehe mich um, pflanze mich vor der Kassa auf, packe meine Schauspiel-Stimme aus und lege los, lasse dabei die Verzweiflung sowohl in mein Gesicht als auch in meine Stimme:

                              "Mir ist gerade meine Geldbörse abhanden gekommen. Bitte, wer auch immer sie genommen hat - es paßt mir gerade überhaupt nicht. Ich bin unterwegs zu einer Freundin, der es richtig, richtig schlecht geht, Liebeskummer, sie braucht mich, und sie braucht mich rasch.

                              Bitte, könnten Sie sie mir wieder geben? Sie würden mir damit wirklich aus einer für mich gerade verzweifelten Situation helfen."


                              Die Kassiererin hat aufgehört zu kassieren. Die Menschen an der Kassa stehen sichtlich peinlich berührt da, wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Fast alle schauen zu Boden oder auf ihre Fingernägel.

                              Die Zeit steht wie still. Ich warte eine Zeit lang:

                              "Ok, ich verstehe. Es ist natürlich schwierig, jetzt hervorzutreten. Man würde sie verurteilen. Das kann ich verstehen. Und möglicherweise geht es Ihnen auch nicht sehr gut. Danke für die Aufmerksamkeit. Und vielleicht wollen Sie mir ja nachgehen und es ohne Zeugen erledigen. Es hätte keine Konsequenzen, ich wäre Ihnen nur extrem dankbar!"

                              Und ich gehe. Nein, mir ist niemand nachgekommen.

                              Habe ich erwartet, daß jemand kommt und mir meine Geldbörse gibt? Nein. Habe ich es für möglich gehalten? Absolut.

                              Ich habe es für möglich gehalten, daß meine gezeigte Verzweiflung, daß der Blick auf meine Menschlichkeit einen potentiellen Dieb erreicht und ihn dazu bringt, auf mich zuzutreten. Weil ich überzeugt davon bin, daß uns unser Mensch-Sein verbindet. Alle.

                              Das Interessante ist: Ich habe diese Geschichte vielen Menschen erzählt. Und ich bin genau einem Menschen begegnet, der es so wie ich für möglich gehalten hätte, daß ich den potentiellen Dieb so erreicht hätte. Einem! Alle Anderen "wußten", daß das nichts nutzt.

                              Und das finde ich im Grunde extrem schade. Es macht unsere Welt so eng.

                              Detail am Rande: Ich weiß nicht, ob es funktioniert hätte - ein wesentlicher Grund dafür, daß mir niemand meine Geldbörse zurückgegeben hat, war, daß sie im Geschäft auf meinem Schreibtisch lag. Es hatte gar keinen Dieb gegeben.

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                                #75
                                Oooooooooohhhh Miss Pig!

                                Ich grinse in mich hinein und empfinde gleichzeitig ein "oh Gott, wie peinlich" ....
                                Ich hätte ja Lust, einen "Peinlichkeitsfaden" zu eröffnen und solche Stories zu beschreiben wie der, dass der Geldbeutel gar nicht geklaut war.. Ich könnte da auch so einige Müsterchen beifügen...

                                Zurück zum Beispiel: Ich halte es für durchaus möglich, dass ein Mensch, der aus Not stiehlt, den Geldbeutel zurückgibt, wenn er auch deine Not spürt. Ein Dieb, der das beruflich macht, würde wahrscheinlich nicht berührt werden.
                                Ich habe mal in einem Land gelebt, in dem Klauen alltäglich ist. Mir wurde z. B. mal auf offener Strasse ein Geldbeutel aus der Hand gerissen - ich hab sofort losgeschrien und auf den Dieb gezeigt - alle aussenrum haben sich über mich amüsiert und den Dieb laufen lassen. Jemand erzählte mir, dass sie in einem Gottesdienst nach einer Wohnmöglichkeit gefragt habe, weil sie nicht wusste, wo unterkommen. Eine Familie mit Kindern nahm sie sofort freudig auf. Sie fühlte sich sehr willkommen von wirklich herzlichen Menschen - wunderte sich nur, warum so viel technische Geräte überall herumstanden - und warum sie nur ein Lächeln als Antwort auf den Beruf der Familie bekam. Nach ein paar Tagen merkte sie es - immer nachts waren die Männer weg und morgens standen noch mehr technische Geräte herum.... Als sie die Leute drauf ansprach, lachten sie nur... Sie ist dann nochmal umgezogen, bei beruflichen Dieben wollte sie doch nicht wohnen...
                                In der Schweiz wurde mir auch mal der Geldbeutel geklaut, ich hab es mitgekriegt und auch wieder sofort wie am Spiess geschrien und bin dem Dieb hinterher. Das war ein sehr athletischer junger Mann, ich hatte überhaupt keine Chance. Und es war weit und breit niemand zu sehen. Aber mein Schreien beeindruckte ihn so, dass er mein Portemonnaie einfach fallen liess und weiterrannte...
                                (Ich habe seitdem die Angewohnheit, in meinen Ausweispapieren (die ich nicht im Geldbeutel habe, der wurde zu oft geklaut) ein paar Geldscheine liegen zu haben. Grad erst letzte Woche hat es mir wieder geholfen, weil ich das Portemonnaie zu hause vergessen hatte - als ich allerdings als Trauzeugin bei einer Hochzeit den Pass rüberreichte und das Geld rausfiel, meinte der Standesbeamte, ob ich ihn bestechen wolle...)

                                Ok, also, ich glaube nur bedingt an das Gute im Menschen, aber ich glaube dran...

                                Tintenweberin, du hast mich zum Nachdenken gebracht und ich bin noch nicht wirklich am Ende mit dem Denken... Von wegen Mitnehmen von fremden Menschen - passiert nicht so häufig, aber ich hab vor ein paar Jahren mal eine für mich sehr eindrückliche Geschichte erlebt, als ich in ner fremden Stadt nach dem Weg fragte zum Spital fragte - zu weit zu Fuss - welcher Bus dahin fahren würde - die Frau meinte, sie habe ihr Auto in der Nähe, sie führe mich dorthin. Sie hat mich dort abgesetzt - und ich kam grade rechtzeitig, um meinen dementen Vater auf dem Parkplatz in Empfang zu nehmen - er war ausgebüchst und niemand auf der Station hatte es gemerkt... Was da hätte passieren können, wenn die wildfremde Frau mich nicht hingefahren hätte...
                                An ein Kebab, das mir ein unbekannter Standverkäufer in einer unbekannten Stadt an einem nebligen Tag, an dem ich mich so dermassen von Gott und der Welt verlassen fühlte, einfach schenkte - ohne mich zu kennen, einfach, weil er meine Traurigkeit sah - erinnere ich mich auch noch.

                                Ich frage mich gerade: Vielleicht wären mehr Menschen bereit, auch Wildfremden Gutes zu tun, wenn wir zeigen würden, dass wir Hilfe brauchen? (Dein Beispiel, Miss Pig, du hast den vermeintlichen Dieben deine Not gezeigt).

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