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Februar 2016: Indirekte/Unklare Kommunikation

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    #46
    Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen

    manche dinge sind soooo selbstverständlich für mich, dass ich sie voraussetze, anstatt zu kommunizieren. dann rede ich ein bisschen mit meinem gegenüber aneinander vorbei und wenn wir glück haben kommt doch genau das raus: ich habe einen wesentlichen teil nicht kommuniziert. ... ich bin eine faule kommunizierin, lange vorreden liegen mir nicht.
    Liebe Fortuna!

    Oh ja, auch ein wunderschöner Aspekt, der mich schon gelegentlich zur Verzweiflung gebracht hat: Ich richte an meinen Angestellten eine meines Erachtens eindeutige Arbeits-Bitte, und dann kriege ich das Ergebnis und stelle fest, das hat nur entfernt Ähnlichkeit mit dem, was ich eigentlich wollte, und zwar genau deswegen: Weil ich etwas nicht sagte, das für mich "eh klar" war.

    Da habe ich in schlechten Wochen schon so manches Mal gehadert "verdammt, ich kann doch bitte nicht jedes mögliche Mißverständnis im Vorfeld bedenken, mir über alles bewußt sein, was möglicherweise anders interpretiert oder vorausgesetzt wird, das ist doch unmöglich!"

    Ich wäre ja durchaus bereit, alles zu mitzuteilen, was mir einfällt, und manchmal komme ich mir, wenn ich jemandem eine Arbeit erkläre, schon vor, als ob ich in meinem Leben nur mit Trotteln zu tun gehabt hätte, wenn ich dann Dinge gefühlt über-erkläre. Wenn mich der Andere anschaut "ja eh klar!" - und ich dann entschuldigend meine "ich weiß, sorry, das ist ein Ergebnis von 20 Jahren, in dem ich mit den seltsamsten Mißverständnissen konfrontiert wurde, das ist alles schon passiert!"

    Dabei weiß ich sogar, daß es eine Möglichkeit gäbe, manches noch im Vorfeld zu klären. Nämlich mit den Satz "Könnten Sie bitte in Ihren eigenen Worten wiederholen, was Sie verstanden haben, was ich von Ihnen möchte."

    Und ich merke, den bringe ich nicht über die Lippen, weil ich einfach viel zu viel Sorge hätte, daß beim Anderen ankommt "ich halte Sie für einen Trottel, der nicht in der Lage ist, die Arbeit richtig auszuführen". Wobei das ja auch ankommen kann, wenn ich etwas übererkläre - vermutlich wäre dieser Satz weit, weit effizienter.

    Aber haben wir eine Kultur, in der dieser Satz akzeptiert würde? Hat irgendjemand hier ihn schon einmal verwendet?

    Für mich ist dieser Satz deutlich außerhalb meiner Komfortzone

    Aber zu diesen unbewußten Annahme, die uns in der Kommunikation leiten, habe ich ein wunderhübsches Beispiel von vorgestern in meiner Arbeit, wo ich nachher echt über mich den Kopf schüttelt. Ganz anderes Thema, aber ich fand es so herrlich, weil es so einleuchtend zeigt, wie unbewußt uns unsere Annahmen doch oft sind, und trotzdem leiten Sie unser Handeln und Reden:

    Eine Kundin möchte einen Artikel, ich zeige ihr ein paar zur Auswahl, einen davon lege ich selbst aber gleich wieder zur Seite, weil der nicht paßt und konzentriere mich mehr auf die Anderen.

    Nach einer Weile des Hin und Her mit den verbliebenen Artikeln fragt Sie "Sagen Sie, den da drüben, warum haben Sie den aussortiert?" - Und in dem Moment wird mir klar: Ich habe ihn aussortiert, weil es um einen besonderen Anlaß geht, weil ich diesen Artikel gerade nur in grün lagernd habe - und weil mir von allen erhältlichen Farben grün am wenigsten gefällt, für mich der weinrote, von mir aus auch der blaue, viel schöner und daher nur diese Farben für diesen Anlaß "passend" wären.

    Im selben Augenblick, wo mir das bewußt wird, ist mir auch klar: Das ist doch ein Riesen-Riesen-Blödsinn! Ich habe, völlig unbewußt, vorausgesetzt, daß diese Frau dieselben Farbvorlieben hat wie ich - eine Annahme, die einer rationalen Überprüfung noch nicht einmal eine Sekunde lang standhält! Und genau das sage ich ihr auch mit einem lachenden Kopfschütteln über mich selbst. Reiche ihr den Artikel, sie schaut ihn sich noch einmal an - und entscheidet sich für ihn.

    Für mich war das auch so ein Moment, der gerade zu diesem Monats-Thema paßt, zwar nicht nur indirekten, aber zur unklaren Kommunikation: Mir war gerade nicht bewußt, was ich warum sage. Im Grunde fast zum Schreien komisch

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      #47
      Dabei weiß ich sogar, daß es eine Möglichkeit gäbe, manches noch im Vorfeld zu klären. Nämlich mit den Satz "Könnten Sie bitte in Ihren eigenen Worten wiederholen, was Sie verstanden haben, was ich von Ihnen möchte."

      Und ich merke, den bringe ich nicht über die Lippen, weil ich einfach viel zu viel Sorge hätte, daß beim Anderen ankommt "ich halte Sie für einen Trottel, der nicht in der Lage ist, die Arbeit richtig auszuführen". Wobei das ja auch ankommen kann, wenn ich etwas übererkläre - vermutlich wäre dieser Satz weit, weit effizienter.

      Aber haben wir eine Kultur, in der dieser Satz akzeptiert würde? Hat irgendjemand hier ihn schon einmal verwendet?

      Für mich ist dieser Satz deutlich außerhalb meiner Komfortzone
      liebe MissPig,

      nicht nur außerhalb deiner komfortzone. ich hab schon erlebt, wie dieser satz zum einsatz kam und eine komplette belegschaft gegen den chef aufgebracht hat.

      eigentlich geht es doch viel einfacher: vorher fragen, wie viel information/support das gegenüber für die aufgabe braucht! oder konkreter: hat der mitarbeiter erfahrung darin, und was braucht er noch, um seine arbeit gut zu machen?

      der "gute mitarbeiter" fasst auch von sich aus zusammen, was er verstanden hat, was er wie und bis wann tun soll.

      dein beispiel mit der kundin zeigt genau, was ich meine! wir gehen immer von uns aus ...

      ich finde ja, mit fragen nimmt man kommunikation viel "schärfe". kommt grün für sie in frage?

      liebe grüße

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        #48
        Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
        Außerdem "lebe" ich als Autorin von der "indirekten" oder "unvollständigen" Kommunikation. Würde ich alles aussprechen (oder aufschreiben), was in den Helden meiner Geschichten vor sich geht, wären ihre Geschichten sterbenslangweilig. Der Reiz entsteht erst durch die richtigen Informationslücken, die der Leser mit seinen eigenen Erfahrungen und Fantasien füllt.
        Liebe Tintenweberin!

        Mein GFK-Trainer sagt von sich, er kann sich kaum noch Filme anschauen, weil er immer da sitzt und sich denkt "Mein Gott, was für ein Kuddelmuddel, der wäre doch komplett zu vermeiden gewesen, wenn die zwei aufrichtig miteinander kommunizieren." Seine Frau hat das sehr anschaulich mit ein paar Beispielen unterstrichen, ich weiß leider keine mehr, aber wir haben Tränen gelacht, wie diese 1 1/2 Stunden-Filme innerhalb von 5 Minuten zu Ende wären, weil die ganzen Verwicklungen gar nicht erst entstünden.

        Ich habe einmal einen GFK-Roman gelesen, Warum gehen, wenn du tanzen kannst, und das war ein Lesevergnügen der anderen Art. Ich war damals voll entbrannt für die GFK, von daher hat es mir schon gefallen, weil meine Werte quasi auf jeder Seite genährt wurden, aber ... als Roman war es wirklich sehr seltsam, weil eben jedes Erlebnis am Ende jedes Kapitels mittels der 4 Schritte analysiert wurde (entweder, die Heldin dachte nach, oder sie sprach mit jemandem, der sie in diese Richtung coachte, ...), sich innerhalb des nächsten Kapitels in Wohlgefallen auflöste, und dann ging die Geschichte weiter. Wie gesagt, schön auf eine gewisse Weise, aber streckenweise auch zu ernst, zu lösungsorientiert, zu positiv, um auf einer anderen Ebene mitzureißen, zu unterhalten, zu ... was weiß ich.

        Ich stimme Dir da also absolut zu: Wenn ich mir z.B. die sieben Harry Potter-Bücher vorstelle, nur mit vollkommen klarer, direkter, aufrichtiger, lösungsorientierer Kommunikation, da bleibt von den 7 Büchern eigentlich nichts mehr übrig. Oder Star Wars (die ursprünglichen 3 Filme, natürlich, ich liebe sie!) in GFK, ohne Mißverständnisse und Ungesagtes - Spannung ade!

        Aber ehrlicherweise muß ich auch zugeben: IRL möchte ich Stories à la Star Wars eigentlich nicht so gerne erleben. Ich würde von mir behaupten, daß ich früher durchaus einen Hang zur Drama Queen im Leben gehabt habe, und mittlerweile lasse ich die lieber auf der (Impro-)Bühne raus und strebe im Leben lieber nach erfüllender, möglichst direkter, Einfachheit. Im Streben bleibt ja trotzdem noch genügend Anderes übrig

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          #49
          Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
          Für mich persönlich habe ich entschieden, dass ich es vorläufig bei einer "weitgehend indirekten" Kommunikation belasse, meine Bedürfnisse mit mir ausmache und erst bei glaubwürdig kommuniziertem Interesse des Kommunikationspartners "direkt" werde. "Meine Wahrheit muss sich die Welt verdienen", war ein Kernsatz, der in meiner Lehrtherapie zu diesem Thema auftauchte, und der (aus diversen Gründen) immer noch gilt.
          Liebe Tintenweberin,

          dieser Teil Deiner Antwort beschäftigt mich, seitdem ich ihn gelesen habe, und ich gestehe, daß ich ihn nicht in letzter Konsequenz verstehe.

          So wie ich ihn lese - und bitte korrigiere mich, wenn ich da etwas interpretiere, was nicht gemeint ist - klingt da eine Enttäuschung über "die Menschheit an sich" mit, die so ungefähr meint:

          "Was ich will und brauchte, interessiert ohnehin niemanden und zählt bei fast niemandem. Also bin ich lieber autark, und äußere nur dort, was ich gerne hätte, wo ich bereits die Erfahrung gemacht habe oder aufgrund von Beobachtung sehr, sehr guten Grund habe anzunehmen, daß mir zugehört wird. Ansonsten kümmere ich mich um die Erfüllung meiner Bedürfnisse lieber selbst."

          Meinst Du das so?
          Zuletzt geändert von MissPig; 21.02.2016, 21:42.

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            #50
            Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen
            eigentlich geht es doch viel einfacher: vorher fragen, wie viel information/support das gegenüber für die aufgabe braucht! oder konkreter: hat der mitarbeiter erfahrung darin, und was braucht er noch, um seine arbeit gut zu machen?
            Liebe Fortuna,

            nein, ich persönlich glaube nicht, daß das immer die Lösung ist. Weil ja nicht nur ich meine Annahmen habe, sondern auch meine Mitarbeiter. Die für sie ja genauso selbstverständlich, und ihnen z.T. genauso unbewußt sind wie mir. Ich erinnere mich, obwohl ich mich an die Situationen nicht mehr erinnere, daß ich einmal in der Firma genau deswegen so verzweifelt war, weil ich erkannte, die Annahmen der Anderen waren aus ihrer Sicht genauso gültig.

            Sprich, das Problem liegt ja weniger darin, daß den Anderen eindeutig Informationen fehlen - wenn das der Fall ist, wenn jemandem auffällt - ups, hier weiß ich nicht, was zu tun ist - kommt man ja meist auf die Idee, nachzufragen. Das Problem liegt im Gegenteil, meiner Meinung nach, oft darin, daß Informationen scheinbar klar sind - hier wie da. Und da gilt es herauszufinden, wo wir u.U. unterschiedliche Annahmen haben, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen würden.

            Ein ganz banales, für mich klassisches Beispiel: "Wir treffen uns nächsten Freitag."

            Für mich bedeutet diese Aussage, von Montag bis Mittwoch getroffen, am Freitag nach diesem Freitag. Meine, mir ganz klare und für mich "richtige", Definition ist:

            Innerhalb einer Woche, die für mich am Montag beginnt und am Sonntag endet, kommt zuerst dieser Freitag, erst in der nächsten Woche der nächste. (Und, um das noch komplizierter zu machen: Am Freitag ist der "nächste" Montag für mich auch der in der übernächsten Woche, weil der Montag drei Tage später für mich der "kommende" Montag ist.) Klar?

            Für andere lautet ihre, ebenso ganz klare und "richtige" Definition:

            Der nächste Montag, Dienstag oder auch Freitag ist immer der nächste, sprich, sogar wenn ich am Donnerstag sage "nächsten Freitag", meine ich morgen.

            Das hingeben würde ich nie sagen, da ist für mich "am Freitag" schon falsch, da ist für mich nämlich "morgen" richtig.

            Und wenn uns nicht bewußt ist, daß es diese unterschiedlichen Definitionen von "nächstem" Freitag überhaupt gibt, dann werden wir auch mit der Frage "Was brauchst du für Infos" nicht klären, daß wir gerade von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehen - für uns beide ist das ja völlig klar, nach dem Motto "du hast nächsten Freitag gesagt, was genau soll ich da noch für Infos brauchen?"

            Deswegen hilft es, meines Erachtens, schon, wenn beide in ihren eigenen Worten ausdrücken, was sie meinen, weil dann zumindest die Chance besteht, daß sichtbar wird, daß Unterschiedliches gemeint wird.

            Ich glaube also - eigentlich - trotzdem an die Sinnhaftigkeit der Bitte, das Verstandene in eigenen Worten zu wiederholen - und fühle trotzdem diesen inneren Widerstand. Deine Bestätigung, daß dieser Satz schonmal zu einer Eskalation gesorgt hat, führt bei mir da einerseits zu einem , und gleichzeitig weckt er mein Oppositionsschwein und führt zu einem "verdammt, warum genau wird dieser Satz eigentlich als Angriff verstanden? Er kann sehr, sehr sinnvoll sein!"

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              #51
              Ich glaube also - eigentlich - trotzdem an die Sinnhaftigkeit der Bitte, das Verstandene in eigenen Worten zu wiederholen - und fühle trotzdem diesen inneren Widerstand. Deine Bestätigung, daß dieser Satz schonmal zu einer Eskalation gesorgt hat, führt bei mir da einerseits zu einem , und gleichzeitig weckt er mein Oppositionsschwein und führt zu einem "verdammt, warum genau wird dieser Satz eigentlich als Angriff verstanden? Er kann sehr, sehr sinnvoll sein!"
              liebe MissPig,

              kommunikation steht ja nie für sich alleine, sondern "gedeiht" in einem gewissen umfeld. eine vertrauensvolle atmosphäre macht so einige missverständnisse wett.

              und es macht einen großen unterschied, ob ein vorgesetzter mit dieser bitte seine mitarbeiter vorführt und extrem lehrerhaft dabei rüberkommt, oder ob er/sie dies im vieraugen-gespräch mit dem hinweis: "ich bin mir unsicher, ob ich klar genug kommuniziert habe, was genau ist bei dir angekommen?" tut.
              wobei hier auch vorsicht angesagt ist, eine kollegin von mir sagt gern: "ich bin mir unsicher, ob ich das richtig verstanden habe, und der "grobklotz" hält sie jetzt für relativ blöd. dann lieber fragen: meinen sie das so..?

              hm, bei deinem beispiel mit dem "nächsten freitag" musste ich schmunzeln. kenn ich! ich sag dann gerne, weil es auch meiner erfahrung entspricht: sorry, ich denke mit der anderen gehirnhälfte, bin linkshänderin. meinen wir das gleiche?

              Für mich persönlich habe ich entschieden, dass ich es vorläufig bei einer "weitgehend indirekten" Kommunikation belasse, meine Bedürfnisse mit mir ausmache und erst bei glaubwürdig kommuniziertem Interesse des Kommunikationspartners "direkt" werde. "Meine Wahrheit muss sich die Welt verdienen", war ein Kernsatz, der in meiner Lehrtherapie zu diesem Thema auftauchte, und der (aus diversen Gründen) immer noch gilt.
              Tintenweberins aussage hat mich ziemlich beeindruckt. ich finde sie "reif". königlich, auf eine gute weise. wenn kein wollen oder können vorhanden ist, können wir uns unsere energie auch sparen. geschenke, die hinten rüber plumpsen, sind doch viel zu schade ...

              liebe grüße

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                #52
                Danke für die Rückmeldungen, ich fühle mich (@ MissPig) gesehen, (@ Fortuna) verstanden und von euch beiden großzügig beschenkt. Inhaltlich werde ich nächstens sicher noch ein bisschen mehr zu diesem Thema und meiner Idee dazu sagen ... - versprochen!

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                  #53
                  Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
                  Danke für die Rückmeldungen, ich fühle mich (@ MissPig) gesehen, (@ Fortuna) verstanden und von euch beiden großzügig beschenkt. Inhaltlich werde ich nächstens sicher noch ein bisschen mehr zu diesem Thema und meiner Idee dazu sagen ... - versprochen!
                  Jetzt verstehe ich auch, weshalb du oft fragst, ob jemand deine Meinung oder deine Gedanken dazu lesen will; ich hab mich schon gewundert.
                  Also ich will immer! (natürlich nur, wenn es mich betrifft).

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                    #54
                    Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
                    (...) ich fühle mich (@ MissPig) gesehen, (@ Fortuna) verstanden (...)
                    Und ich fühle mich übersehen @ MissPig und von Euch gesehen und verstanden @ Hilla und Kalua.
                    Was hast Du mir gesagt, wenn Du nichts zu meinem Beitrag sagst, MissPig?

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                      #55
                      Liebe Mistral!

                      Ich gestehe, ich bin mir nicht ganz sicher, wie ernst Deine Nachfrage gemeint ist - auch aufgrund des Smilies. Ich beantworte sie trotzdem einmal ganz gerade:

                      Ich hatte Deinen Beitrag gelesen, mir innerlich "aha" gedacht, doch er hat in mir nichts angestoßen, weder emotional noch assoziativ, was dazu geführt hätte, daß ich etwas hätte antworten wollen. Und da ich auch nicht glaube, verpflichtet zu sein, jedem in diesem Faden Antwortenden ein Feedback zu geben, der mich nicht spezifisch angesprochen hat - denn nur in jenem Fall, wenn ich direkt angesprochen werde, leitet mich dann doch mein Wunsch nach Respekt, jedenfalls zu antworten - habe ich also schlicht auf Deinen Beitrag eben nicht geantwortet, sondern auf die, die in mir etwas angestoßen haben.

                      In meinem Nicht-Antworten steckte also keine wie immer geartete Absicht, Dir etwas mitzuteilen. Ob bei Dir durch Interpretation meines Nicht-Antwortens eine Botschaft angekommen ist, darauf habe ich natürlich keinen Einfluß.

                      Interessant fände ich aber in diesem Zusammenhang die Frage - steckt in Deiner Rückfrage eine versteckte Absicht oder nicht. Ich würde den Smilie nämlich so interpretieren, daß Dein Posting im Grunde ein Spaßposting ist. Und da fände ich es spannend, ob hinter dieser Blödelei doch auch nur im Ansatz so etwas steckt wie das, was ich im ersten Posting über meinen Bewußtwerdungsprozeß bezüglich Bonnys harmloser Frage beschrieben habe: Eine leichte Verletzung, weil Du Dir mehr Reaktionen erhofft hättest? Leichter Überdruß über zu viel Klugscheißerei? Etwas ganz Anderes? Nur reine Spaß an der Freude? Oder reines Interesse an meinen Beweggründen?

                      Das würde mich wirklich interessieren

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                        #56
                        Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
                        Für mich persönlich habe ich entschieden, dass ich es vorläufig bei einer "weitgehend indirekten" Kommunikation belasse, meine Bedürfnisse mit mir ausmache und erst bei glaubwürdig kommuniziertem Interesse des Kommunikationspartners "direkt" werde. "Meine Wahrheit muss sich die Welt verdienen", war ein Kernsatz, der in meiner Lehrtherapie zu diesem Thema auftauchte, und der (aus diversen Gründen) immer noch gilt.
                        Beim ersten Lesen ging es mir damit ähnlich wie MissPig. Oder noch schlimmer - "gewalttätiger" ausgedrückt, dachte ich wohl so etwas wie "Was nimmt sie sich denn da heraus? Ganz schon hochmütig."

                        Drei Tage später sehe ich erst meinen eigenen Anteil darin. Im Grunde mache ich es nämlich genauso, allerdings nur in der "sprechenden" Kommunikation. Früher war das noch extremer, aber auch heute ist es noch so, dass man mir vieles aus der Nase ziehen muss bzw. ich nur dann rede, wenn ich mir sicher bin, die Aufmerksamkeit des anderen zu haben.
                        Eben weil ich schon viel zu oft ins Nichts geredet habe (oder zumindest den Eindruck hatte). Und weil ins Nichts reden weh tut.

                        Interessanterweise ist es in der "schreibenden" Kommunikation für mich noch mal etwas anderes, denn hier habe ich oft allein schon durch das Schreiben einen Mehrwert.

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                          #57
                          Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                          Jetzt verstehe ich auch, weshalb du oft fragst, ob jemand deine Meinung oder deine Gedanken dazu lesen will; ich hab mich schon gewundert.
                          Also ich will immer! (natürlich nur, wenn es mich betrifft).
                          Das hat noch einen anderen Grund. Es könnte ja sein, dass derjenige, dem ich meine Ideen anbiete, keine Tipps und Denkanstöße haben sondern sich nur ein bisschen ausjammern will. In diesem Fall kann ich mir die Mühe des Aufschreibens und ihm den Frust des Dankeschön-brauch-ich-aber-grad-nicht-sagens sparen. Es kann auch sein, dass jemand mit meinen Ideen erfahrungsgemäß nichts anfangen kann, weil sie ihm zu albern, abgedreht, anspruchsvoll, unverständlich oder was auch immer sind. In diesem Fall kann eine ehrliche (aber bitte respektvolle) Antwort auf meine ehrliche Frage auch jede Menge Frust und Ärger vermeiden.

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                            #58
                            Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
                            Inhaltlich werde ich nächstens sicher noch ein bisschen mehr zu diesem Thema und meiner Idee dazu sagen ... - versprochen!
                            Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ich als erwachsener, mündiger und weitgehend gesunder Mensch für die Wahrnehmung und Erfüllung (oder Nichterfüllung) meiner Bedürfnisse ausschließlich selbst verantwortlich bin. Es muss niemanden außer mir interessieren, was ich (über die essentiellen allgemein menschlichen Bedürfnisse hinaus) gerade brauche und ob oder wie ich das bekomme. In meiner Welt sind Freunde Menschen, die es trotzdem interessiert, die meine echten Bedürfnisse manchmal besser als ich von irgendwelchen Vollmeisen unterscheiden können, und denen es Spaß macht, mir vor Zeit zu Zeit sogar ein "neurotisches" Bedürfniss (z.B.: Will auf den Arm ... ) zu erfüllen.

                            Wenn ich auf der "reifen, königlichen" Seite meiner emotionalen Wippe bin, weiß ich genau, dass ich Menschen in einer kriseligen Situation hoffnungslos überfordere und frustriere, wenn ich meinen Wert der "emotionalen Aufrichtigkeit" (= lass uns doch mal ganz genau hinschauen, was wirklich hinter deinem Kummer steckt) lebe und "meine Wahrheit" über den anderen (in bester Absicht) zum Besten gebe. Demzufolge ist weniger gelebte "Aufrichtigkeit" für mein Gegenüber in seinem aktuellen Zustand besser.

                            Wenn ich mich von den Gemeinheiten des Lebens auf die bedürftigen Seite dieser Wippe schubsen lasse, schließt mein Wert der emotionalen Aufrichtigkeit einen unheiligen Pakt mit völlig anderen ("neurotischen") Bedürfnissen, z.B. meinem Wunsch nach Aufmerksamkeit oder meiner Rechthaberei. In diesem Fall ist es für mich, für den anderen und das Gesamtsystem noch viel wichtiger, dass ich aus einer Diskussion "um des Kaisers Bart" rechtzeitig aussteige und meine "Wahrheiten" (die durch meine aktuelle Bedürftigkeit nicht weniger wahr werden) für mich behalte.

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                              #59
                              @Tintenweberin:

                              Du bist eine sehr kluge Frau!

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                                #60
                                Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                                Du bist eine sehr kluge Frau!
                                Leider nur anfallsweise ...
                                Trotzdem ein ganz herzliches Dankeschön ...

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