Zitat von Fortuna
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Oh ja, auch ein wunderschöner Aspekt, der mich schon gelegentlich zur Verzweiflung gebracht hat: Ich richte an meinen Angestellten eine meines Erachtens eindeutige Arbeits-Bitte, und dann kriege ich das Ergebnis und stelle fest, das hat nur entfernt Ähnlichkeit mit dem, was ich eigentlich wollte, und zwar genau deswegen: Weil ich etwas nicht sagte, das für mich "eh klar" war.
Da habe ich in schlechten Wochen schon so manches Mal gehadert "verdammt, ich kann doch bitte nicht jedes mögliche Mißverständnis im Vorfeld bedenken, mir über alles bewußt sein, was möglicherweise anders interpretiert oder vorausgesetzt wird, das ist doch unmöglich!"
Ich wäre ja durchaus bereit, alles zu mitzuteilen, was mir einfällt, und manchmal komme ich mir, wenn ich jemandem eine Arbeit erkläre, schon vor, als ob ich in meinem Leben nur mit Trotteln zu tun gehabt hätte, wenn ich dann Dinge gefühlt über-erkläre. Wenn mich der Andere anschaut "ja eh klar!" - und ich dann entschuldigend meine "ich weiß, sorry, das ist ein Ergebnis von 20 Jahren, in dem ich mit den seltsamsten Mißverständnissen konfrontiert wurde, das ist alles schon passiert!"
Dabei weiß ich sogar, daß es eine Möglichkeit gäbe, manches noch im Vorfeld zu klären. Nämlich mit den Satz "Könnten Sie bitte in Ihren eigenen Worten wiederholen, was Sie verstanden haben, was ich von Ihnen möchte."
Und ich merke, den bringe ich nicht über die Lippen, weil ich einfach viel zu viel Sorge hätte, daß beim Anderen ankommt "ich halte Sie für einen Trottel, der nicht in der Lage ist, die Arbeit richtig auszuführen". Wobei das ja auch ankommen kann, wenn ich etwas übererkläre - vermutlich wäre dieser Satz weit, weit effizienter.
Aber haben wir eine Kultur, in der dieser Satz akzeptiert würde? Hat irgendjemand hier ihn schon einmal verwendet?
Für mich ist dieser Satz deutlich außerhalb meiner Komfortzone

Aber zu diesen unbewußten Annahme, die uns in der Kommunikation leiten, habe ich ein wunderhübsches Beispiel von vorgestern in meiner Arbeit, wo ich nachher echt über mich den Kopf schüttelt. Ganz anderes Thema, aber ich fand es so herrlich, weil es so einleuchtend zeigt, wie unbewußt uns unsere Annahmen doch oft sind, und trotzdem leiten Sie unser Handeln und Reden:
Eine Kundin möchte einen Artikel, ich zeige ihr ein paar zur Auswahl, einen davon lege ich selbst aber gleich wieder zur Seite, weil der nicht paßt und konzentriere mich mehr auf die Anderen.
Nach einer Weile des Hin und Her mit den verbliebenen Artikeln fragt Sie "Sagen Sie, den da drüben, warum haben Sie den aussortiert?" - Und in dem Moment wird mir klar: Ich habe ihn aussortiert, weil es um einen besonderen Anlaß geht, weil ich diesen Artikel gerade nur in grün lagernd habe - und weil mir von allen erhältlichen Farben grün am wenigsten gefällt, für mich der weinrote, von mir aus auch der blaue, viel schöner und daher nur diese Farben für diesen Anlaß "passend" wären.
Im selben Augenblick, wo mir das bewußt wird, ist mir auch klar: Das ist doch ein Riesen-Riesen-Blödsinn! Ich habe, völlig unbewußt, vorausgesetzt, daß diese Frau dieselben Farbvorlieben hat wie ich - eine Annahme, die einer rationalen Überprüfung noch nicht einmal eine Sekunde lang standhält! Und genau das sage ich ihr auch mit einem lachenden Kopfschütteln über mich selbst. Reiche ihr den Artikel, sie schaut ihn sich noch einmal an - und entscheidet sich für ihn.
Für mich war das auch so ein Moment, der gerade zu diesem Monats-Thema paßt, zwar nicht nur indirekten, aber zur unklaren Kommunikation: Mir war gerade nicht bewußt, was ich warum sage. Im Grunde fast zum Schreien komisch

und wenn wir glück haben kommt doch genau das raus: ich habe einen wesentlichen teil nicht kommuniziert. ... ich bin eine faule kommunizierin, lange vorreden liegen mir nicht. 




, und gleichzeitig weckt er mein Oppositionsschwein und führt zu einem "verdammt, warum genau wird dieser Satz eigentlich als Angriff verstanden? Er kann sehr, sehr sinnvoll sein!"

dann lieber fragen: meinen sie das so..?
) zu erfüllen.
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