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Mai 2014: Liebe

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    Mai 2014: Liebe

    Liebe Liebenden
    (und auch alle gerade nicht Liebenden, )

    der Mai wird oft als der Monat der Liebe besungen: Frühlingsgefühle, Tanz in den Mai, lachende Herzen, man glaubt wieder, dass man Chancen hat, Schmetterlinge im Bauch, Hochzeiten unter rosa-weißem Blütenregen - ich glaube, Ihr wisst, was ich meine

    Außerdem ist im Mai Muttertag und die katholische Kirche widmet den gesamten Monat der Gottesmutter Maria.

    Für manchen ist es Zeit, die mystische Hochzeit von Shiva und Shakti zu feiern....

    Kurz: diese Zuschreibungen geben mir Anlass, das Thema Liebe als Thema des Monats vorzuschlagen. Wie wär's?

    Ansatzpunkte für einen Austausch zu diesem schier unvorstellbar großen Thema könnten sein:

    • Wie fühlt sich Liebe an, wie fühlt sich Verliebtsein an?
    • Was kann die Liebe, was kann sie nicht?
    • Was erwarte ich von der Liebe bzw. von jemandem, der mich liebt? Was ist Euch wichtig, worauf könnt Ihr verzichten?
    • Wie unterscheiden sich bekannte Formen der Liebe (Mutterliebe, Partnerschaft, platonische Liebe etc.)?
    • Lieben Frauen und Männer unterschiedlich?
    • Welche Probleme bringt die Liebe mit sich?
    • Liebe aus religiöser Sicht
    • etc. etc....

    Die Liste kann natürlich beliebig fortgesetzt werden.



    Viele liebe Grüße in die Runde!
    Eure Chaja

    #2
    liebe Chaja,

    ein schönes Thema schlägst Du vor
    Beim Lesen Deiner ersten Zeilen über die Hoffnungen und Träume, die die Liebe bei (jungen) Menschen auslöst, werde ich melancholisch und bekomme Pippi in die Augen. Warum eigentlich frage ich mich.
    Es ist alles schon so lange her........ und kann so schön aber auch schmerzhaft sein. Meine Erinnerungen holen mich ein.

    Heute komme ich mir so viel abgeklärter vor, alles (auch in der Liebe) geht seinen gewohnten Gang, ist so eingefahren. Ich empfinde es trotzdem als schön und angenehm, denn diese starken Gefühlsschwankungen möchte ich nicht mehr erleben.
    Heute ist die Liebe für mich Verlässlichkeit, Treue, Vertrauen .

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      #3
      Der Faden spricht mich an. Ich bin sehr gespannt, was daraus wird, denn er kann ja in alle Richtungen gehen.
      Momentan habe ich zwar nichts beizutragen, aber ich freue mich schon jetzt auf den Lesestoff.

      Kommentar


        #4
        Wie fühlt sich Liebe an, wie fühlt sich Verliebtsein an?


        Das sind schon unterschiedliche Gefühle, nur wie kann ich die in Worte fassen, das ist irgendwie etwas Geheimnisvolles.
        Verliebtsein fühlt sich irgendwie leichter an, dieses Kribbeln im Bauch ..., wie ein Kinderspiel.
        Liebe ist ernster, nicht so unbeschwert, jedoch kann sie mehr an Belastung (er)tragen. Wenn sie nicht erwidert wird, wird sie allerdingst meist selbst zur Belastung.
        Liebe ist nichts für Angsthasen !

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          #5
          Danke für das Thema, Chaja

          Mir stellen sich dabei ein paar Fragen:
          Kann ich jemand anderen nur lieben, wenn ich mich auch selbst lieben kann? Und wenn Ja, warum ist das so?
          Ich vermute, dass es darum geht, sich zunächst selbst zu entdecken, die schönen Seiten an sich zu ergründen und sich an ihnen zu erfreuen. Auch die Ecken und Kanten dürfen Beachtung finden und wenn ich annehmen kann, dass sie zu mir gehören, auch dazu führen, dass ich einzigartig bin, wenn ich es schaffe, mich wegen ihrer nicht selbst zu verurteilen, sondern auch diese Eigenarten an mir selbst zu schätzen, habe ich vermutlich einen liebevollen Umgang mit mir gefunden. Dann kann ich auch annehmen, dass mich jemand vielleicht gerade wegen meiner Macken mag. Vor allem aber sehe ich, dass ich es wert bin, geliebt zu werden.

          Ich habe schon unterschiedliche "Liebesgefühle" erlebt. Schwärmereien, Verliebtsein mit Herzklopfen, Schmetterlingen im Bauch und an nichts anderes mehr denken zu können, aber auch eine Liebe, die sagte "Du bist alles für mich, du bedeutest mir mehr als ich mir selbst". Da stellt sich die Frage, welches Maß an Liebe gesund ist.

          Mit dem Wort Liebe tue ich mich generell schwer. Für mich ist es ähnlich wie für Tamina Verlässlichkeit, Vertrauen, die Gewissheit, auf einer Wellenlänge zu sein. Es ist eine Passung, die Sicherheit gibt und Freude und Zuversicht darin, miteinander das Leben (oder einen Teil dessen) zu verbringen.

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            #6
            Ihr Lieben,

            wie schön, dass Ihr gleich einen Einstieg ins Thema gewagt habt! Für viele ist das ja ein heikles oder auch zu persönliches Thema. Meine Befürchtung war aber auch, dass es wegen seiner Weite einfach schwierig wird, einen Aspekt herauszugreifen. Trotzdem habt Ihr gleich hier geantwortet. Herzlichen Dank Euch dreien!

            Liebe Tamina,

            Zitat von Tamina Beitrag anzeigen
            Beim Lesen Deiner ersten Zeilen über die Hoffnungen und Träume, die die Liebe bei (jungen) Menschen auslöst, werde ich melancholisch und bekomme Pippi in die Augen. Warum eigentlich frage ich mich.
            Es ist alles schon so lange her........ und kann so schön aber auch schmerzhaft sein. Meine Erinnerungen holen mich ein.
            Beim Lesen dieser Zeilen geht mir zweierlei durch den Kopf: Zum einen: Wohl dem, der solche Erinnerungen hat! Solche Gefühle empfunden zu haben, sie erlebt zu haben, ist doch eigentlich auch schon ein Schatz für sich. Oder stimmt es Dich eher traurig, dass sich manche Hoffnungen und Träume nicht erfüllt haben?

            Deine Zeilen, vor allem die Rede von "(jungen) Menschen" (mit der bewussten Klammersetzung) und dem Umstand, dass diese Zeit Dir weit zurückliegend erscheint, hat in mir aber auch folgenden Gedanken angeregt: Heutezutage haben Jugendliche durchaus frühzeitig Liebesbeziehungen und sexuelle Kontakte. Zugleich gibt es viele Singles über 30, die sehr viel Zeit und Energie dafür aufwenden (müssen), um einen "Parner für's Leben" kennenzulernen. Dadurch erstreckt sich das Thema "Verlieben" über ein viel größeres Altersspektrum als das früher offiziell der Fall war. Aber: wie verändert sich das Verliebtsein (wenn überhaupt) im Laufe des Lebens? Wird man auch dabei "abgeklärter"?

            Heute komme ich mir so viel abgeklärter vor, alles (auch in der Liebe) geht seinen gewohnten Gang, ist so eingefahren. Ich empfinde es trotzdem als schön und angenehm, denn diese starken Gefühlsschwankungen möchte ich nicht mehr erleben.
            Heute ist die Liebe für mich Verlässlichkeit, Treue, Vertrauen . (Hervorhebung von Chaja)
            Auch für mich sind diese drei sehr wichtig geworden. Wenn man mich zu Beginn meiner Beziehung mit meinem Mann danach gefragt hätte, hätte ich sie sicherlich als irgendwie wichtig eingestuft, aber ihre Tiefe erfahren habe ich wohl erst im Laufe der Jahre.

            Was außerdem für mich wichtig geworden ist, ist der liebevolle Umgang mit weniger ausstellungsreifen Eigenschaften und persönlichen Macken, die man erst im Laufe der Zeit aneinander entdeckt, dann vielleicht eine Weile problematisch findet, bis man dann doch einfach etwas vermisst, wenn der andere sie nicht mehr an den Tag legt...

            Liebe Reifende,

            Zitat von Die_Reifende Beitrag anzeigen
            Der Faden spricht mich an. Ich bin sehr gespannt, was daraus wird, denn er kann ja in alle Richtungen gehen.
            Momentan habe ich zwar nichts beizutragen, aber ich freue mich schon jetzt auf den Lesestoff.
            Schön, dass Du gleich Dein Interesse bekundet hast! Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass die beigesteuerten Erfahrungen nicht taufrisch sein müssen. Auch wenn sie schon mehr als 50 Jahre auf dem Buckel haben, sind sie deswegen ja nicht weniger "wahr" oder weniger "gehaltvoll". Und wenn Du die Richtung des Themas mitbestimmen möchtest, bist Du jederzeit herzlich dazu eingeladen!

            Liebe Möglichkeiten,

            Zitat von Möglichkeiten !? Beitrag anzeigen
            Wie fühlt sich Liebe an, wie fühlt sich Verliebtsein an?


            Das sind schon unterschiedliche Gefühle, nur wie kann ich die in Worte fassen, das ist irgendwie etwas Geheimnisvolles.
            Verliebtsein fühlt sich irgendwie leichter an, dieses Kribbeln im Bauch ..., wie ein Kinderspiel.
            Liebe ist ernster, nicht so unbeschwert, jedoch kann sie mehr an Belastung (er)tragen. Wenn sie nicht erwidert wird, wird sie allerdingst meist selbst zur Belastung.
            Liebe ist nichts für Angsthasen !
            Das hast Du mal wieder schön gesagt! Nee, für Angsthasen ist Liebe sicherlich nichts! Ganz ohne Wagnis wird man nie eine Liebesbeziehung eingehen können. Man muss schon einiges aufs Spiel setzen. Und doch könnten gerade Angsthasen oft eine Extraportion Liebe gebrauchen, da es ja auch Sicherheit im Leben vermittelt, geliebt zu werden. Manchmal entstehen da wirklich Teufelskreise....

            Tja, und das Verliebtsein: Mir ist Verliebtsein immer irgendwie auf die Verdauung geschlagen: das sprichwörtliche "Von-Luft-und-Liebe-Leben" ist bei mir jedes Mal eingetroffen. Ich habe mich sehr leicht und bedürfnislos gefühlt. Die Aufregung vor einem "Liebesgeständnis" und die Angst, dass diese Liebe nicht erwidert werden könnte, hat bei mir aber auch immer die Verdauung erwischt: in einer diesbezüglich sehr turbulenten Phase meines Lebens bekam ich ständig Durchfall und war öfter am Kotzen. Und trotzdem war ich in dieser intensiven, lebendigen Zeit sehr glücklich.

            Soweit für jetzt.

            Ganz liebe Grüße von Eurer Chaja

            Mein Mann war

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              #7
              Liebe Jannes,

              jetzt bin ich beim Schreiben mal wieder unterbrochen worden, und unterdessen hast Du Deinen Beitrag geschrieben, so dass ich ihn erst jetzt gesehen habe.

              Zitat von Jannes Beitrag anzeigen
              Mir stellen sich dabei ein paar Fragen:
              Kann ich jemand anderen nur lieben, wenn ich mich auch selbst lieben kann?
              Damit steuerst Du wirklich auf ein Kernthema zu. Ich denke schon, dass man jemanden anderen nur lieben kann, wenn man sich auch selbst liebt. Aber in den allermeisten Fällen bringt man sich selbst ja weder 100% Selbstliebe noch 100% Selbstliebe-Verweigerung entgegen. Irgendetwas an sich mag man meistens und irgendetwas an sich kann man nicht ausstehen. Ich denke, es kommt viel auf das individuelle Mischungsverhältnis an bzw. darauf, welche Teile man von sich liebend annimmt und welche nicht. Wenn ich z.B. meine Fingernägel nicht mag, ist das vermutlich nicht so gravierend, wie wenn mir zu mir selbst keine positiven Eigenschaften einfallen.

              Und wenn Ja, warum ist das so?

              Ich vermute, dass es darum geht, sich zunächst selbst zu entdecken, die schönen Seiten an sich zu ergründen und sich an ihnen zu erfreuen. Auch die Ecken und Kanten dürfen Beachtung finden und wenn ich annehmen kann, dass sie zu mir gehören, auch dazu führen, dass ich einzigartig bin, wenn ich es schaffe, mich wegen ihrer nicht selbst zu verurteilen, sondern auch diese Eigenarten an mir selbst zu schätzen, habe ich vermutlich einen liebevollen Umgang mit mir gefunden. Dann kann ich auch annehmen, dass mich jemand vielleicht gerade wegen meiner Macken mag. Vor allem aber sehe ich, dass ich es wert bin, geliebt zu werden.
              Da ist bestimmt viel dran! Wenn man sich nicht für liebens-wert erachtet, kann man dem anderen, der seine Liebe auf aller erdenkliche Weisen auszudrücken versucht, keinen Glauben schenken, seinen Worten, Taten, Gesten etc. kein Vertrauen entgegenbringen.

              Das Wechselspiel von Sich-selbst-Lieben, Einen-anderen-Lieben, und Geliebtwerden ist sicherlich ziemlich komplex: Ich sage jetzt mal: Selbstliebe (in einem gewissen Maße) ist die Voraussetzung dafür, einen anderen lieben zu können. Sie ist damit notwenige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Liebe zu einem anderen, denn aus der Selbstliebe entsteht nicht zwingend die Liebe zu einem anderen. Liebe führt nicht zwingend zu Gegenliebe. Geliebtzuwerden kann unter Umständen dabei helfen, sich selbst mehr zu lieben, muss es aber nicht. Es sind da wirklich sehr viele Konstellationen denkbar - vermutlich ist dieses Thema nicht zuletzt deswegen für Roman- und Drehbuchautoren so großartig.

              Ich habe schon unterschiedliche "Liebesgefühle" erlebt. Schwärmereien, Verliebtsein mit Herzklopfen, Schmetterlingen im Bauch und an nichts anderes mehr denken zu können, aber auch eine Liebe, die sagte "Du bist alles für mich, du bedeutest mir mehr als ich mir selbst". Da stellt sich die Frage, welches Maß an Liebe gesund ist.
              Interessante Frage! Spontan würde ich sagen: Liebe kann es nicht im Übermaß geben. Allerdings gehe ich dabei von Liebe als echter Empfindung aus, nicht von überkandideltem, affektiertem Gehabe oder solchen Erscheinungsformen von Mutterliebe, wie sie z.B. bei sogenannten "Helicopter-Eltern" zeigen.

              Vielen lieben Dank auch Dir für's Schreiben! Und beste Grüße!
              Deine Chaja

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                #8
                Beim Lesen eurer Antworten habe ich mich gefragt, wie dieses Gedicht noch gleich hieß, dieses eine mit dem wichtigen Wort "bedingungslos"; das Gedicht, bei dem ich jedes Mal, wenn ich es lese, von Herzen froh bin, Menschen zu kennen, die genau das zu mir sagen würden, könnten sie es in Worte fassen. Und auch umgekehrt: dass ich Menschen kenne, für die das gilt.
                Auch wenn ich und die anderen sich natürlich nicht immer daran halten, so hundertprozentig ist das vermutlich gar nicht zu schaffen. Aber die innere Haltung, die passt.

                Ach so, ich habe gegrübelt, gesucht und gefunden, es ist das hier: Ich will -Quiero, Jorge Bucay.
                (Liebe Moderatoren: falls das unerwünschte Werbung sein sollte, dann bitte den Link löschen. Ich habe mit Kohlibri nichts zu tun, finde nur das Plakat so hübsch.)

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                  #9
                  Liebe hobbes,

                  wie spannend, dass Du gerade dieses Gedicht von Bucay anführst! Mir geht es mit diesem Text nämlich völlig anders als Dir!

                  Ich habe ihn jetzt noch einmal gelesen und erlebe es noch so wie zu einem früheren Zeitpunkt: dieses "Ich will... ich will" finde ich so unsäglich anstrengend, dass ich heilfroh bin, dass niemand so etwas zu mir sagt.

                  Das hat vor allem etwas mit meinem Freiheitsbedürfnis zu tun: wenn ich die Freiwilligkeit im freundschaftlichen Umgang nicht mehr spüren kann, fühle ich mich erdrückt. Und die Anspruchshaltung und Forderung, die in diesem "Ich will" steckt, kommt bei mir extrem erdrückend an. Inhaltlich könnte ich sonst (fast) alles teilen, wenn statt des "Ich will" irgendetwas stünde, das die Freiwilligkeit des Entgegenkommens des anderen mitreflektiert, etwa "Ich würde mir wünschen..." oder ähnliches. Das ergäbe dann freilich einen viel weniger radikalen Text und wäre poetisch nicht so dolle. Aber wenn ich jetzt nur mal vom Inhalt ausgehe, würde ich sogar das "bedingungungslos" rauskürzen - das kann ich einfach auch nicht teilen - "möglichst weitgehend bedingungslos" wäre für mich eher zutreffend.

                  Umso interessanter, dass Du gerade mit diesem Wort "bedingungslos" nach diesem Text gesucht hast. Du scheinst viel mehr als ich damit anfangen zu können! Magst Du das bei Gelegenheit ein wenig ausführen? Ich fände das sehr bereichernd!

                  Ganz liebe Grüße von
                  Deiner Chaja

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                    #10
                    Mich hat das Gedicht verwirrt, es ist voll von Wiedersprüchtlichkeiten, eventuell ist das jedoch beabsichtigt?

                    Ob nun erwünscht oder gewollt : Ich will/wünsche,dass du mir vertraust, ohne etwas zu erwarten.
                    Diese Zeile lässt mich besonders grübeln, ist das überhaupt möglich?
                    Wenn ich mich selbst so befrage, erwarte ich immer etwas, nicht nur in der Liebe, was nicht bedeutet, dass ich grundsätzlich an den Menschen zweifel, die anders handeln oder reagieren wie von mir erwartet.
                    Auf jeden Fall regt der Text zum nachdenken an.

                    Danke @ hobbes

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                      #11
                      Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                      Ich habe ihn jetzt noch einmal gelesen und erlebe es noch so wie zu einem früheren Zeitpunkt: dieses "Ich will... ich will" finde ich so unsäglich anstrengend, dass ich heilfroh bin, dass niemand so etwas zu mir sagt.
                      Das ist wirklich spannend. Vielleicht ist das so unterschiedlich, weil ich den Text eher als "Sprecherin" lese? Und du vielleicht eher als "Hörerin"?
                      Aber auch als Sprecherin steht für mich keine Forderung dahinter. Es ist einfach nur das, was ich will. Ich habe gern die Freiheit (), das zu sagen, was ich will. Ob das dann erfüllt wird, oder nicht - da kommt dann das "bedingungslos" für mich ins Spiel. Wenn der andere das als "Bedingung" hört und sich "nur für mich" auf diese "Spielregeln" einlässt - Liebe wäre das für mich nicht. Liebe stellt für mich keine Bedingungen.
                      Will sagen, ich lese das "Bedingungslos" nicht als: Wenn du dich nicht an all das, was ich aufgezählt habe, hältst, dann sortier ich dich aus, aber ganz fix. Lustigerweise sogar eher das Gegenteil: Liebe heißt, dich trotzdem zu lieben, auch wenn du dich an gar nichts von dem hältst, was ich da aufzähle.
                      Nun ja, das wäre wohl auch ein ziemlich unwahrscheinlicher Fall. So eine Liebe ließe sich vermutlich nur unter eigenen "Verlusten" aufrechterhalten und da würde ich dann auch nicht mehr von Liebe reden.
                      Hihi. Irgendwie habe ich das Gefühl, mich jetzt im Kreis zu drehen.
                      Noch mal in kurz: Bedingungslos heißt für mich: ich stelle keine Forderungen an den anderen. Ich liebe ihn so, wie er ist.

                      Spannend, das ist ja eigentlich auch so ein vermeintlicher Widerspruch (jetzt konkret im Gedicht): eine vermeintliche Bedingung nach der anderen und dann löst er sie am Ende quasi wieder auf.

                      Jedenfalls @Möglichkeiten:
                      Ich dachte zuerst: Hä? Widersprüchlich? Wo denn? Ich lese da tatsächlich keine Widersprüche .
                      Auch nicht in der von dir genannten Zeile. Wenn ich jemandem vertraue, vertraue ich darauf, dass er das "richtige" tut. Richtig im Sinn von: das für ihn (und alle) in diesem Moment best-mögliche.
                      Wenn ich etwas von ihm erwarte, dann spreche ich ihm gewissermaßen dieses Vertrauen ab. Dann ist er nicht mehr "ok". So, wie er ist. Sondern er sollte meinen Erwartungen entsprechen. So ein "nur wenn du so und so bist, bist du ok".

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                        #12
                        Liebe hobbes,

                        Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
                        Das ist wirklich spannend. Vielleicht ist das so unterschiedlich, weil ich den Text eher als "Sprecherin" lese? Und du vielleicht eher als "Hörerin"?
                        Ich glaube, Du bist da einfach konsequenter und an dieser Stelle unkomplizierter als ich. Ich habe auch als Sprecherin ein Problem mit diesem "Ich will". Ich benutze diese Formulierung eigentlich nie, denn sobald ich sie ausspreche, richte ich mich damit an einen Menschen, dem ich nicht so fordernd gegenübertreten möchte (ja, für mich hört sich "ich will" weiterhin extrem fordernd an, ich habe es wohl mit der Appellfunktion, weil ich solche Formulierungen als Hörerin selbst so erlebe). Insofern kann ich die Sprecherin- und Hörerin-Perspektive nur theoretisch voneinander trennen: mir kommt das "ich will" als Hörerin wie eine Forderung vor, deswegen möchte ich es auch nicht als Sprecherin verwenden.

                        Aber auch als Sprecherin steht für mich keine Forderung dahinter. Es ist einfach nur das, was ich will. Ich habe gern die Freiheit (), das zu sagen, was ich will.
                        Ich finde es schön, dass Du "Wollen" so neutral betrachten kannst. Wirklich! Ich bewundere das! Ich weiß, dass ich mir mit meinem verklemmten Nicht-Wollen-Wollen da auch ein hübsches Set an Schwierigkeiten bastele. Es klingt unbeschwerter und unverkrampfter, so problemlos wollen zu können. Ich tue mich damit einfach schwer...

                        Ob das dann erfüllt wird, oder nicht - da kommt dann das "bedingungslos" für mich ins Spiel. Wenn der andere das als "Bedingung" hört und sich "nur für mich" auf diese "Spielregeln" einlässt - Liebe wäre das für mich nicht. Liebe stellt für mich keine Bedingungen.
                        Will sagen, ich lese das "Bedingungslos" nicht als: Wenn du dich nicht an all das, was ich aufgezählt habe, hältst, dann sortier ich dich aus, aber ganz fix. Lustigerweise sogar eher das Gegenteil: Liebe heißt, dich trotzdem zu lieben, auch wenn du dich an gar nichts von dem hältst, was ich da aufzähle.
                        Nun ja, das wäre wohl auch ein ziemlich unwahrscheinlicher Fall. So eine Liebe ließe sich vermutlich nur unter eigenen "Verlusten" aufrechterhalten und da würde ich dann auch nicht mehr von Liebe reden.
                        Hihi. Irgendwie habe ich das Gefühl, mich jetzt im Kreis zu drehen.
                        Noch mal in kurz: Bedingungslos heißt für mich: ich stelle keine Forderungen an den anderen. Ich liebe ihn so, wie er ist.
                        "Ich liebe ihn so wie er ist" - damit kann ich sehr viel anfangen. Aber da ich das nicht bei jedem Menschen sagen könnte, ist meine Liebe in meinen Augen eben doch nicht bedingungslos: ein paar Eigenschaften müssen mir einen Menschen schon sympatisch gemacht haben und bei bestimmten Extremtaten wäre mit meiner Liebe vermutlich auch Schluss. Natürlich geht es nicht darum, mir einen Freund "zurechtzuschneidern" oder einen zu finden, der meinen Wunschvorstellungen hundertprozentig gerecht wird. Das hat für mich dann auch nichts mehr mit Liebe zu tun. Aber irgendeine Grundlage dafür, dass ich ihn liebe, muss schon vorhanden sein, und es gibt für mich auch Grenzen, an denen meine Möglichkeit, einen Menschen zu lieben, endet. Deswegen kann ich mit dem Wort "bedingungslos" da nicht so viel anfangen.

                        Bei der Liebe zu Kindern ist das nochmal anders: Da passt "bedingungslos" für mich besser, weil ich weiß, dass ich meine Kinder immer lieben werde, egal was sie mal anstellen im Leben. Mal angenommen, sie würden sich zu brutalen Sexualstraftätern und Mördern entwickeln - ich würde entsetzlich unter dieser Situation leiden, aber ich könnte wohl nicht aufhören, sie als meine Kinder zu lieben. Wenn mein Partner oder ein Freund eine solche Entwicklung nehmen würde, könnte ich das sehr wohl.

                        Auf jeden Fall ein diskussionsanregender Text! Noch einmal herzlichen Dank dafür!

                        Viele liebe Grüße,
                        Deine Chaja

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                          #13
                          Zitat von Chaja Beitrag anzeigen

                          Bei der Liebe zu Kindern ist das nochmal anders: Da passt "bedingungslos" für mich besser, weil ich weiß, dass ich meine Kinder immer lieben werde, egal was sie mal anstellen im Leben. Mal angenommen, sie würden sich zu brutalen Sexualstraftätern und Mördern entwickeln - ich würde entsetzlich unter dieser Situation leiden, aber ich könnte wohl nicht aufhören, sie als meine Kinder zu lieben. Wenn mein Partner oder ein Freund eine solche Entwicklung nehmen würde, könnte ich das sehr wohl.
                          jetzt mag ich mich auch kurz einbringen...

                          zuerst dachte ich: naja, da geht es um liebe, verliebtsein... EROS im griechischen.

                          jetzt habt ihr "liebe" ausgeweitet, hab ich das gefühl.

                          mir hilft die unterscheidung im griechischen:
                          liebe zu einem partner, einer partnerin: eros
                          liebe als freundschaft: philia
                          liebe als uneigennütziges sich verschenken: agape

                          beim zitat oben könnte es auch um philia oder agape gehen, auch wenn eros nicht mehr "dran ist".

                          vor ca 20 jahren hat ein psychotherapeut aus meinem freundeskreis plötzlich recht schnell die stelle gekündigt und ist weg ins ausland für ein sabbatjahr. wir waren erstaunt, es gab irgendwelche gerüchte, aber ich hab nichts drauf gegeben, bis ich nach einigen monaten in der zeitung las, dass er ankgeklagt wurde, mit mehreren (!!!) klientinnen sexuelle kontakte gehabt zu haben.
                          ich war unglaublich wütend und enttäuscht und hab ihm die wut auch geschrieben. er hat darauf angerufen, wir haben lange telefoniert und ich weiss noch genau das ende des gespräches:
                          Er: "ich möchte in kontakt mit dir bleiben, ich brauche dich!"
                          Ich - wütend: "du brauchst nicht mich, du brauchst ne therapie!!"
                          Er: "Entschuldige, ich hab das anders gemeint, ne Therapie mach ich grad. Ich brauche deine Freundschaft."

                          ich hab dann gesagt, ich brauch zeit.
                          und hab mich ein paar tage später wieder bei ihm gemeldet und gesagt: "Ich bin bereit für die freundschaft, aber ich werde nie gutheissen, was du getan hast."

                          wir haben uns dann einige male getroffen, es waren gute begegnungen, ich war immer sehr ehrlich, wenn es um sein berufsverbot oder so ging, aber ich bin ihm als mensch sehr offen begegnet - ich habe zu ihm ja gesagt, aber seine tat abgelehnt.
                          und das unabhängig von seiner reue.

                          (wir haben dann den kontakt verloren, als ich ins ausland ging)

                          mir gelingt es längst nicht immer, so zu lieben, aber es ist möglich und ich strebe es an.

                          sei es philia wie in obigem beispiel, sei es manchmal auch einfach agape - wenn ein mensch mir unsympatisch ist, ich aber doch bereit bin, etwas für ihn, für sie zu tun, uneigennützig - auch das ist liebe.

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                            #14
                            Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                            Liebe Liebenden Ansatzpunkte für einen Austausch zu diesem schier unvorstellbar großen Thema könnten sein:

                            • Wie fühlt sich Liebe an, wie fühlt sich Verliebtsein an?


                            Viele liebe Grüße in die Runde!
                            Eure Chaja
                            Das Frühlings Gefühl der Liebe ist eher mit den Hormonen verbunden, zu beobachten im Tierreich, bei und sollte das dass ganze Jahr über funktionieren.

                            Deshalb spüre ich z.B. nichts besonderes gegenüber den anderen Monaten im Jahr.

                            Bei mir ist es lustig, wenn ich zurück blicke, wurde ich immer betrogen und blieb dann Gott sei dank allein, also ohne diese menschlichen Liebesvorstellungen, die meiner Meinung nach, keine sind.

                            Liebe ist, aus meiner Sicht, das eingebildete Gefühl man bräuchte jemanden zum Liebhaben, man hat Sehn-süchte nach dem Ganzsein, oder ganz werden, wenn man glaubt etwas zu vermissen und sucht es in einem Menschen.
                            Dort kann man aber nichts finden, ausser den Spiegel eigener Verhaltensmuster, es ist eine Illusion, die wirkliche Suche, meiner Meinung nach, ist die Suche nach dem höheren Selbst, oder manche würden es Gott nennen.

                            Liebe zwischen Menschen ist ein schwieriges Unterfangen, wenn man nicht erst die Liebe in sich gefunden hat, so sucht man weiter im Aussen und findet nichts ausser Abmachungen zur gegenseitigen Bedürfnisbefriedigung.

                            hts ausser.

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                              #15
                              @ viva58

                              Das klingt sehr ernüchtert. Ich kann das nicht nachvollziehen.

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