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Juli: Rituale-Inseln in bewegten Zeiten

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    Juli: Rituale-Inseln in bewegten Zeiten

    Ich wollte ja schon seit Mai was eröffnen

    Hatte ein bisschen was im Sinn wie das vorige Thema- Lebensabschnittswechsel und speziell die Zeit des Wartens.

    Ich glaube, das Thema Rituale unterscheidet sich besser vom Juni-Thema.

    Ich finde es interessant, sowohl positive als auch und negative Aspekte zu besprechen.

    "Rituale" verstehe ich weit gefasst, aber zunächst interessiert mich persönlich der Aspekt selbst gewählter ritualisierter Gewohneheiten.

    Aktuell ist mir aufgefallen, dass in der Umbruchsphase, die ich derzeit erlebe (Diss ist fertig, aber statt einem Berufseinstieg werde ich ja nun nochmal spät und überraschend ein zwoetes mal Mama) mein Sportritual (2 mal die Woche 30 min. Kraulschwimmen) enorm viel Halt gegeben hat.

    Allerdings wird es jetzt eigentlich zu anstrengend, aber ich kann es nicht lassen..

    Möglicherweise wird das Ritual gerade ein wenig zum Zwang.

    Was sind Eure Gedanken ganz allgemein und im Speziellen?
    Zuletzt geändert von sonnenfell; 02.07.2013, 21:04.

    #2
    Ich habe mich gerade gefragt, was für Rituale ich habe, aber mir sind keine eingefallen. Als nächstes habe ich mich gefragt, was eigentlich der Unterschied zwischen einer Gewohnheit und einem Ritual ist.
    Mal eben im Duden nachgeschaut.
    Da findet sich unter Ritual auch das Wort Zeremonie. Das passt zu meinem Gefühl, dass ein Ritual in gewisser Weise mehr ist als eine Gewohnheit.
    Gewohnheiten hätte ich vermutlich ein paar, auch wenn mir spontan keine einfallen. Doch: Den rechten Socken immer zuerst anziehen.
    Vermutlich nicht gerade das, was du (@sonnenfell) mit diesem Thema im Sinn hattest.

    Am ehesten an ein Ritual kommen vielleicht noch bestimmte Dinge aus meiner Kindheit dran. Dass ich an manchen Tagen Spätzle mit Rahmsauce brauche, weil ich mich dadurch in gewisser Weise geborgen und "gut aufgehoben" fühle.

    Oder dass ich in letzter Zeit öfter mal vor dem Essen innehalte und mich bedanke, dass ich etwas zu essen habe. Aber das mache ich auch nicht immer, von daher würde ich das auch nicht als Ritual bezeichnen.

    Müsste ich jetzt ein Ritual in mein Leben einbauen, ich wüsste gar nicht, was das für eins sein sollte.
    Vielleicht noch am ehesten so eine Art Rhythmus-der-Natur-Ritual. Den Sommer begrüßen, den Morgen besingen.

    Aber vermutlich würde mich die Wiederholung auf Dauer langweilen. "Immer gleichbleibend", sagt der Duden auch noch zu dem Thema. Das ist meistens nichts für mich habe ich festgestellt.

    Ich bin schon gespannt, ob und welche Rituale hier noch auftauchen werden.

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      #3
      Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
      Aber vermutlich würde mich die Wiederholung auf Dauer langweilen. "Immer gleichbleibend", sagt der Duden auch noch zu dem Thema. Das ist meistens nichts für mich habe ich festgestellt.
      So ist das (leider) bei mir auch. Gleichbleibende Rituale langweilen mich irgendwann, ich habe eine tief sitzende Lust an der Abwechslung, weswegen solche Rituale bei mir meistens nicht die erwünschte Wirkung haben.

      Ich gehe zwar beispielsweise gern regelmäßig zum Fitness-Sport, aber auch hier mache ich mal mehr, mal weniger, zu unterschiedlichen Tagen und in unterschiedlichen Studios.

      Ansonsten versuche ich, mir Ruhe-Inseln zu schaffen, die mir gut tun (das ist aber immer wieder was anderes):
      - nach der Arbeit zu einem See rausfahren, am Ufer sitzen, lesen, aufs Wasser schauen.
      - in einen ruhigen Gastgarten oder Biergarten setzen und entspannt ein Abendessen genießen
      - irgendwo rausfahren und einen Abendspaziergang machen
      - im Winter: in eine nicht zu volle Therme gehen, mich ins warme Wasser setzen und vor mich hin träumen
      - mich in eine Bibliothek setzen, lesend die Zeit vergessen
      - abends in eines der kostenlosen Konzerte der Musikhochschule zu gehen.

      usw.

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        #4
        Ich glaube, es gibt viele Übergangstufen zwischen Ritual und Gewohnheit.
        Mir fiel auf, dass ich beim Schwimmen immer versuche, dieselbe Kabine und dieselbe Dusch zu bekommen, und oft hinterher zum Bäcker gehe, also relativ gleich Abläufe.
        Da ich auch jemand bin, der Schwierigkeiten hat, Ordnung un Rhythmus zu halten, ist es einfach ein tolles Gefühl, dass ich ganz genau weiß, was in die Badetasche kommt, wo ich es im Haus finde und in welches Fach ich alles stecke. (echt krass!)

        Ich kenne auch das Gefühl, sich gegen einen festen Ablauf innerlich zu wehren, merke aber, wie gut es tut sowas zu haben. z.B. den nicht gerade geliebten Putztag- aber auch das schein irgendwie wichtig zu sein, um nicht orientierungslos zu werden.

        Nun bin ich ja seit Mai in der Situation, dass es außer der den Anforderungen durch ein schulpflichtiges Kind und einen Hund nur allgemeine Anforderungen habe, also alles ganz frei einteilen kann soweit meine fortschreitende Schwangerschaft mir nicht in die Quere kommt.


        Ich glaube, je weniger verplante Zeit im Alltag herrscht, desto wichtiger sind fixpunkte. Für kleine Kinder ist es besonders wichtig,und ich merke, auch meine "große" Tochter brächte noch viel mehr davon.
        Nun gehört ja zum Ritual auf jeden Fall der Begleiter Disziplin, und das lässt oft Sachen scheitern.

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          #5
          Zitat von sonnenfell Beitrag anzeigen
          Ich glaube, je weniger verplante Zeit im Alltag herrscht, desto wichtiger sind fixpunkte.
          Das ist vielleicht ein entscheidender Unterschied zu meinem Alltag, der aufgrund meiner Vollzeittätigkeit schon sehr stark vorverplant und strukturiert ist. Deswegen habe ich vielleicht eine Abneigung dagegen, meine freie Zeit auch noch mit allzu vielen gleichförmigen Ritualen zu verplanen.

          Allerdings kenne ich das auch, dass ich beispielsweise im Fitness-Studio versuche, immer denselben Spind zu nehmen - was aber daran liegt, dass mein Lieblingsspind am Fenster ist, was mir Frischluft und eine zusätzliche Ablagefläche am Fenstersims verschafft.

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            #6
            Ich glaube allerdings, dass besonders, wenn sehr viel zu tun ist, es wichtig ist, sich zumindest sowas wie verlässliche Erholungs-/freizeitaktivitäten einzurichten, also auch wieder ein Ritual zu schaffen.. bei mir z.B. schleifen sich zu solchen Zeiten sonst nämlich v.a. ungünstige Gewohnheiten ein (stundenlanges Internet, Fernsehen etc)

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              #7
              Hallo Sonnenfell,
              das ist ein sehr interessantes Thema und in Teilbereichen überschneidet es sich auch mit dem vom letzten Monat.

              Zitat von sonnenfell Beitrag anzeigen
              Ich glaube, je weniger verplante Zeit im Alltag herrscht, desto wichtiger sind fixpunkte. Für kleine Kinder ist es besonders wichtig,und ich merke, auch meine "große" Tochter brächte noch viel mehr davon.
              Nun gehört ja zum Ritual auf jeden Fall der Begleiter Disziplin, und das lässt oft Sachen scheitern.
              Kinder lernen durch Wiederholungen und gerade Rituale sind deshalb wichtig, weil dadurch eine bestimmte Tätigkeit, ein geregelter Ablauf nach einem gewissen, ihnen bekannten Schema erfolgt.
              Ich vermute, das gibt ihnen Sicherheit, bedeutet Verlässlichkeit wie das geliebte Schnuffeltuch oder der zerrupfte Schlafhase oder Teddybär, die zum Einschlafen benötigt werden.
              Bei meinen Kindern war es damals noch das dicke Buch mit den Gutenacht-Geschichten, das den Tag ausklingen ließ, bei anderen vielleicht eine gewisse Fernsehsendung, die als Betthupfer diente.

              Rituale sollten wie eine lockere Kuscheldecke sein, die eine vertraute Heimeligkeit, Gemütlichkeit bedeutet aber kein starres Korsett sein, das einzwängt.

              Irgendwann ist man rausgewachsen und es entstehen neue Gewohnheiten, die womöglich irgendwann als Rituale zelebriert werden. Dass sie es sind, fällt einem wahrscheinlich erst auf, wenn man gezwungen wird, sie zu ändern....

              Liebe Grüße von Nordwind

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                #8
                kein ritual im eigentlichen sinn, aber ich gehe jeden morgen kurz auf den balkon, um nach den pflanzen zu schauen. ich freu mich einfach an dem grün und an den blüten und geniesse es jeden tag aufs neue - auch bei regen.

                sonst fällt mir nichts ein, was ich in die nähe eines alltäglichen rituals stellen könnte, was also regelmässig und automatisch wiederkehrend ist.

                vieles mach ich "manchmal" - qui gong am morgen, ne kerze anzünden, etc, aber nicht als festes ritual.

                vor dem ins-bett-gehen hab ich schon verschiedenes ausprobiert, ne weile bin ich nicht eingeschlafen, ohne ein sudoku gelöst zu haben...

                ansonsten such ich mir manchmal in übergangszeiten ein ritual, das mir helfen soll.

                zum beispiel hatte ich gefühle der enttäuschung zu überwinden - und hab dazu jeden tag eine kerze angezündet und dabei versucht, den anderen zu segnen statt zu "verwünschen".

                und dann hab ich oft das bedürfnis, ein ereignis besonders zu begehen. dazu gehören runde geburtstage, aber auch abschiede - und da mach ich nie nur eine feier mit essen und so, sondern da ist immer noch was "ritual-mässiges" dabei. mein letzter abschied war verbunden mit einem kerzen-ritual und dankes-worte auf bunten zetteln.

                unter "ritual" kann also ganz viel fallen für mich, sowohl sachen, die sich regelmässig wiederholen als auch besondere einzelne momente mit ritualcharakter.

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                  #9
                  Mein Mann und ich haben ein Morgenritual, seit ganz vielen Jahren und ich freue mich jeden Tag darauf.

                  Und ich habe ein Ritual an Arbeitstagen, bevor ich aus dem Auto steige.
                  Wahrscheinlich sind mir diese Momente so wichtig, weil es mir früh am Tag schwer fällt aktiv zu handeln.

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                    #10
                    Hallo Ihrs,

                    weil mir dieses Thema insoferne am Herzen liegt, als ich in den letzten 6 Jahren, seitdem mein Mann und ich uns trennten, den Wert von Ritualen für mich erkannt habe, möchte ich hier auch ein bißchen erzählen.

                    Bis zu meiner Trennung hätte ich kein Ritual benennen können, und ich hätte auch gemeint "Ritual? Wassolldenndatsein, brauchtmansowas? Isjairgendwieseltsam, isehernixfürmich, ichmagsnämlichspontanundflexibel".

                    Als ich dann nach 15 Jahren plötzlich wieder alleine und mit all jenen Gefühlen konfrontiert war, denen man zu zweit so viel besser ausweichen kann, habe ich mir, zunächst ohne es benennen zu können, plötzlich selbst Rituale geschaffen.

                    Es begann damit, daß ich mir in der Früh einen Kaffee mit geschäumter Milch gemacht habe. Beim ersten Mal war das nur so ein Impuls, weil ich verzagt, einsam und traurig aufgewacht war, und ich mir dachte: Jetzt kümmerst du dich um dich. Dazu muß man wissen: Ich bin Wienerin - und Kaffee und Kaffeehaus, und vor allem die Melange mit geschäumter Milch, sind für mich von jeher Inseln von Geborgenheit, weswegen ich auch alleine gerne ins Kaffeehaus gehe, einfach nur um zu sein. Ich hatte bis dahin nie nur für mich den Aufwand mit dem Milchschäumen getrieben - das war immer so ein "willst du einen Kaffee?" an meinen Mann, und dann hatte ich ihn primär für ihn gemacht, und für mich halt mit.

                    Von daher hatte dieser Akt, daß ich in der Früh für mich diesen Aufwand trieb, eine enorme emotionale Kraft, ich saß dann da mit diesem liebevoll gemachten Kaffee, und ich ging über vor Dankbarkeit mir selbst gegenüber, mich so gut zu versorgen. Und daraus wurde dann ein tägliches Ritual: Mir selbst den Kaffee mit Milchschaum bereiten.

                    Irgendwann bin ich auf Espresso umgestiegen, weil ich im Grunde schon seit Jahren das Milchgeschleime gar nicht mehr gut vertrage, zu diesem Zeitpunkt war aber dieser morgendliche Genuß des Kaffees schon so wertvoll für mich, daß der Aufwand ruhig weniger werden durfte ohne den inneren Wert des Rituals zu schmälern.

                    Dann kam die Zeit, als ich zu meditieren begann und Achtsamkeit praktizieren wollte, und da nutzte ich dieses ohnehin schon etablierte und mir so wertvolle Ritual, um noch etwas draufzusetzen. Nämlich den Versuch, den Kaffee in voller Achtsamkeit zuzubereiten, jeden Handgriff mit 100%iger Aufmerksamkeit zu setzen. Da bekam dieses Ritual noch eine Kraft dazu, und so blöd es klingen mag (und Ihr könnt mal meine Erfolgsteam-Damen befragen, die darüber jeden Tag in meinem Erfolgtagebuch lasen ): Mein achtsamer Morgenkaffee war an vielen Tagen der schönste, intensivste Moment des Tages für mich: Weil ich wußte, jetzt gerade bin ich nur hier, in diesem Moment, mit mir, für mich, niemand will etwas von mir, ich muß gar nichts tun, es geht gerade nur um diesen Moment.

                    Und das ist für mich auch ein wesentliches Kennzeichen von Ritualen, das sie von Gewohnheiten unterscheidet: Gewohnheiten können mechanisch sein, z.T. sogar ein wenig "hirnlos", wie z.B. nach dem Tennis immer unter dieselbe Dusche zu steigen, ohne daß man selbst wüßte, warum jetzt eigentlich. Das ist dann oft mehr die Faulheit des Gehirns, das gerne die bereits ausprobierten Bahnen wählt: Dort bin ich das letzte Mal auch hingegangen, es ist nix passiert, gehe ich diesmal wieder dahin, denn eine andere Dusche könnte ja schlechter sein. Gewohnheiten können also sogar auch stumpf und unbewußt machen. Auf jeden Fall liegt ihr Fokus für mich auf Äußerlichkeiten.

                    Ritualen hingegen wohnt eine gewisse "Heiligkeit" inne, ein innerer Wert, und beim Zelebrieren des Rituals liegt mein Fokus auf diesem inneren Wert - nicht an der Äußerlichkeit. Die ist nur mein Anker in der materiellen Wert, oder die Öse, in die ich mich einhake, die mich erinnert, mich interstützt. Deswegen kann ein Ritual für mich auch nicht "langweilig" werden, weil meine inneren Werte nie langweilig werden. Der Wert, für mich zu sorgen, der Wert, achtsam zu sein, der Wert, im Moment zu sein, der Wert, dankbar zu sein - all diese Werte werden nicht langweilig, sie sind mein inneres Heiligtum. Und wenn der äußere Anker irgendwie nicht mehr passen sollte - so wie bei mir plötzlich die Milch nicht mehr paßte, oder irgendwann die totale Achtsamkeit für mich mehr Streß bedeutete als Freude - dann darf sich die äußere Hülle wandeln.

                    Ich hatte in den letzten Jahren noch andere Rituale: Über Monate habe ich mich mit meinem Kaffee dann zum Computer gesetzt und mein Glücks-, Erfolgs- und Dankbarkeitstagebuch geschrieben. Und dieses tägliche Noch-einmal-Rekapitulieren des Vortages war für mich ebenfalls ein unheimlich kraftvolles Ritual. Gerade, weil ich eher so ein morgendepressiver Typ bin: In der Früh melden sich gerne die Gefühle von Einsamkeit, Mutlosigkeit, Verzweiflung. Je länger der Tag dauert, desto mehr wächst in mir mein Urvertrauen, Liebe, Freude, Dankbarkeit, Fülle. Indem ich in der Früh den Vortag rekapituliere, knüpfe ich an jene Gefühle an, und mich mit diesen positiven Kräften in mir zu verbinden hat für mich auch einen "heiligen" Charakter.

                    Ich hatte Phasen mit Ritualen des täglichen morgendlichen Klangbadens, Auro-Soma-Duft-Badens, mich mit dem Kopfhaut-Relaxer Massierens, mich drei Minuten Hinsetzens und Erspürens, was gerade mit mir ist - und all diese Rituale durften kommen, wenn ich ihrer bedurfte, wenn ich spürte, ich brauche gerade äußere Anker, um mit meinem Inneren verläßlich in Kontakt zu kommen, und sie durften wieder gehen, wenn ich ihrer nicht mehr bedurfte.

                    Ich für mich kann nur sagen, daß ich extrem dankbar bin, die Kraft von Ritualen erkannt zu haben, so daß ich jetzt in der Lage bin, mir meine eigenen zu schaffen. Als ich irgendwann auf das Buch "Rituale fürs Alleinsein" gestoßen bin, war das für mich nur noch eine Bestätigung dessen, was ich ohnehin schon für mich entdeckt hatte.

                    Ja, so viel also zu meinen Erfahrungen mit Ritualen.

                    lg,

                    MP

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                      #11
                      Durch das Lesen deiner Zeilen, liebe Miss Pig, ist mir wieder bewußt geworden,
                      wie viele Möglichkeiten gibt, die mir bekannt sind,
                      die nur in Vergessenheit geraten sind.

                      Das bewußte tun mit voller Achtsamkeit auf den Moment.
                      Das in sich spüren, wie geht es mir jetzt im aktuellen Moment, ohne zu bewerten.

                      Der Tagesrückblich, das revue passieren lassen.

                      Danke fürs in die Erinnerung holen.

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                        #12
                        Ich finde es auch sehr gut, Miss Pig, das Du diesen Aspekt nochmal ins Bewusstsein gehoben hast.


                        Ich habe es ab und zu beobachtet, dass das Aufgeben von guten Ritualen dann bei mir oft einen Abwärtstrend eingeleitet hat.

                        Allerdings habe ich auch ein Negativ-Beispiel vor Augen- eine Frau, die ziemlich einsam lebte, und bei unserem Besuch mussten sämtliche Rituale durchgezogen werden, z.B. durften wir während der Radio-Stunde keinen Mucks machen, sie war richtig unbeweglich durch viele solcher Tages-Fixpunkte.

                        Ich werde nun wohl auf das Schwimmen erstmal verzichten, mir wird es zu riskant, glaube, das baby lässt nicht mehr lange auf sich warten.

                        Vielleicht finde ich für die letzen 2 Wochen noch was konstruktives..

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                          #13
                          Ich hatte diese Woche mal wieder ein interessantes Gespräch mit meinem Heilpraktiker. Es ging - ganz grob - um Rhythmus. Oder - etwas philosophischer - den Kreislauf des Lebens.

                          Mir scheint das in gewisser Weise auch zu den Ritualen zu passen, es ging nämlich unter anderem auch um Tagesabläufe, um die Rhythmen des Tages.
                          Gerade bei älteren Menschen gibt es das ja oft, dass der Tag eine wiederkehrende Struktur hat; sie stehen zu einer gewissen Zeit auf, es gibt Punkt xx Frühstück bzw. Mittag- bzw. Abendessen und wenn es dunkel wird, gehen sie schlafen. Und dazwischen wird eben die Arbeit getan, die getan werden muss, wie auch immer die dann aussieht, bügeln, kochen, abwaschen, was auch immer.
                          Und wenn noch ein ein klein wenig Landwirtschaft dazukommt, vielleicht sogar mit Tieren oder ein Garten zu versorgen ist, dann ist das ja noch strenger bzw. klarer, was wann zu tun ist. Die Tiere müssen gefüttert und versorgt werden, die Zwiebeln müssen erst gepflanzt, dann geerntet, dann versorgt werden usw.

                          Wenn ich das anderswo erlebe, empfinde ich das oft als ungemein wohltuend (aber dann ist es ja auch nicht auf Dauer für mich "verpflichtend"). Weil es so klar ist. Keine Diskussion, keine Grübeleien, man weiß, was auch immer jetzt zu tun ist und gut. Und es ist auch wirklich gut.

                          Mein Alltag hat dagegen so gut wie keine sich wiederholende Struktur. Das führt oft dazu, dass ich mich in Gedanken verheddere, mich frage, was eigentlich gerade zu tun ist, ob ich das tun will, wann ich es tun will, ob es nicht besser wäre, etwas anderes zu tun - und manchmal endet es dann darin, dass ich gar nichts tue (zumindest nichts von all den Dingen, von denen ich noch kurz zuvor dachte, dass sie getan werden sollten).

                          Wie ist das bei euch? Habt ihr festgelegte Tagesabläufe oder hättet ihr gern welche? Warum?

                          Und was meint ihr, ist so ein geregelter Tagesablauf in gewisser Weise auch ein Ritual? Oder doch eher Gewohnheit? Oder ganz was anderes?

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                            #14
                            Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
                            Und was meint ihr, ist so ein geregelter Tagesablauf in gewisser Weise auch ein Ritual? Oder doch eher Gewohnheit? Oder ganz was anderes?
                            Darüber denke ich schon seit der Fadenöffnung nach. Was genau ist eine Gewohnheit und was ist ein Ritual. Für mich selbst bin ich zu dem Ergebnis gekommen, das eine Gewohnheit bei mir eher unbewusst abläuft, während ich Rituale bewusst erlebe.

                            Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
                            Mein Alltag hat dagegen so gut wie keine sich wiederholende Struktur. Das führt oft dazu, dass ich mich in Gedanken verheddere, mich frage, was eigentlich gerade zu tun ist, ob ich das tun will, wann ich es tun will, ob es nicht besser wäre, etwas anderes zu tun - und manchmal endet es dann darin, dass ich gar nichts tue.
                            Das ist nun spannend. Ich hatte etwa 20 Jahre einen sehr strikten Tagesablauf mit vielen sich wiederholenden Strukturen und wenig Freiraum für mich selbst oder irgendwelche Änderungen. Und in genau dieser Zeit verhedderte ich mich viel mehr in Gedanken als heute. Ich begehrte innerlich gegen diese Strukturen (die ich oft als Zwang empfand) auf und das führte bei mir dazu, das ich nix tat obwohl ich wußte, das mir das über kurz oder lang Stress bereiten würde.

                            Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
                            Wie ist das bei euch? Habt ihr festgelegte Tagesabläufe oder hättet ihr gern welche? Warum?
                            Das einzige "Muss" das ich momentan noch habe ist meine Arbeit. Und selbst da kann ich in einem gewissen Rahmen (+- 2 Stunden) entscheiden wann ich beginne und wann ich aufhöre. Privat gibt es genau einen festen wöchentlichen Termin. Ansonsten bin ich sehr frei und genieße das auch. Einen festen Tagesablauf möchte ich nicht (mehr). Komischerweise denke ich kaum darüber nach was zu tun ist, ich tue es einfach. Manchmal habe ich keine Lust dazu, dann lasse ich es. Doch dieses Grübeln und die Aufschieberitis die ich früher von mir kannte, die gibt es heute nicht mehr.

                            Über die Jahre hinweg gab es in meinem Leben viele unterschiedliche Rituale die mich eine Zeitlang begleiteten, dann überholt waren und durch neue ersetzt wurden. Die meisten Rituale waren Inseln für mich alleine. Doch das allabendliche Vorlesen für meine Kinder, als sie noch klein waren, war ein Ritual das auch mir sehr wichtig war. Und wenn es aus irgendeinem Grund ausfiel, fehlte mir etwas.

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                              #15
                              Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
                              Ich begehrte innerlich gegen diese Strukturen (die ich oft als Zwang empfand) auf (...)
                              Das finde ich nun wieder spannend, denn das ist genau das, was mich immer wieder davon abhält, mir selbst Strukturen zu schaffen. Wenn ich nur daran denke, werde ich schon ganz trotzig.
                              Dabei ist das ja eigentlich Unsinn, denn wenn ich mir selbst Strukturen schaffe, und durch diese Strukturen nur mir selbst verpflichtet bin, dann könnte ich sie ja ohne weiteres durchbrechen, wenn mir gerade der Sinn danach steht. Aber allein der Gedanke, dass es einen Plan gibt, dass ich in irgendeiner Form auf irgendwas festgelegt bin - der reicht schon aus, um mich eingeengt zu fühlen.
                              Also ganz ähnlich wie bei dir.

                              Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
                              Komischerweise denke ich kaum darüber nach was zu tun ist, ich tue es einfach.
                              Aber was ist denn zu tun? Ich vermute, das ist der Knackpunkt, bei dem ich immer wieder ins Trudeln gerate.

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