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Melancholie ?!

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    Melancholie ?!

    Angeregt durch Mistrals Posting eröffne ich hier einen Faden zum Thema Melancholie. Der Herbst mit seinen Stimmungen ist ja die richtige Jahreszeit dafür.


    Zitat von Mistral1 Beitrag anzeigen
    Zitat von Serafin Beitrag anzeigen
    ...
    In meinen Augen wieder eines von Deinen künstlerischen Fotos. Wir hatten schon einmal darüber gesprochen, und ich denke, ja, es ist dieser Hauch von Melancholie, der einen ganz eigenen Reiz ausübt.
    ...
    Ich versuche gerade zu ergründen, was die Melancholie eigentlich ausmacht. Ist es der Faktor Zeit, der fehlende Impuls?
    In einem Bild wird das sicher unterstützt von gedeckten Farben und unaufgeregten Motiven. Gefühlsmässig muss etwas anklingen; dieses unverkennbar bitter-süsse Gefühl, das einen fast zerreisst...

    Man erkennt ja melancholische Stimmungen sofort, ohne aber genau sagen zu können, was es tatsächlich ausmacht. Freude, Wut und Gleichgültigkeit scheinen dagegen simpel gestrickt zu sein, aber Melancholie kommt irgendwie vielschichtiger daher.

    Es scheint auch eine gewisse Spannung und ein Reiz in der Melancholie zu liegen, um nicht zu sagen "Sucht". Ist es der Blick ins Abgründige?

    Was ist für euch Melancholie? Gern auch mit Links zu Musik oder Bildern, die für euch dieses Gefühl ausdrücken.

    #2
    Lieber Serafin,

    ja, Melancholie ist nicht leicht zu fassen...

    In Bildern spielen m.E. die Farben eine sehr wichtige Rolle: Das selbe Bild mit einem bunten Vogel vor strahlend blauem Wasser würde einen ganz anderen Eindruck vermitteln.

    Melancholische Bilder beinhalten oft wenig bis gar keine Bewegung. Es gehört etwas Nachdenkliches, ein Innehalten dazu...

    Mich stimmt Wasser generell leicht melancholisch - das kann mir sogar im Sommer passieren, wenn andere einfach "Badespaß" erleben. Aber wenn ich mich in gedrückter Stimmung ins Wasser begebe, "überschwemmt" es mich förmlich mit Traurigkeit. Ich weiß, dass es den meisten Menschen nicht so geht, aber Wasserpfützen und Regen werden von vielen als etwas "Trostloses" empfunden. Ich denke, das hat auch mit der Bewegung von oben nach unten beim Regen zu tun, während alles nach oben Strebende (Wachstum z.B) einen gegenteiligen Effekt hat. Zudem wird die Kombination aus Regen und grauen Farbtönen mit dem Spätherbst und damit mit einer Saison assoziiert, die wenig Licht und auch sonst wenig "Aufstrebendes", "Aufbauendes" von sich aus mit sich bringt.

    Aber Melancholie ist natürlich nicht reine Traurigkeit, sondern hat gegenüber dieser etwas Abgemildertes an sich, das zugleich eine spezielle Art von Genuss ermöglicht, ein Schwelgen oder Auskosten dieses Gefühls. Kulturhistorisch haben zum einen die Vertreter der literarischen Empfindsamkeit und dann später die Romantiker in diversen Disziplinen die Melancholie besonders geschätzt und gepflegt.

    Bei den Empfindsamkeitsvertretern hat das, so wie ich das sehe, viel mit einer Neuentdeckung der menschlichen Gefühlswelt (nach dem Rationalismus von Barock und Aufklärung) zu tun und zugleich mit einem recht selbstbezogenen Genuss. Klopstock z.B. hat gerne Gedichte geschrieben, in denen er sich vorstellt, dass ein Freund von ihm gestorben sei. In seinen Ausführungen geht es dann aber bedeutend weniger um den Freund, als um das lyrische Ich und darum, wie gefühlstief es diesen Verlust betrauert, der ja zunächst nur imaginiert ist. Das Gefühl der Trauer oder der Melancholie wird genre bewusst evoziert - z.B. auch durch die Lektüre bestimmter Bücher (Richardsons Romane war damals schwer in Mode). Es ist also oft auch ein "Was-wäre-wenn" im Spiel, und somit auch eine gewisse Distanz zu real-lebensweltlichen Situation. Das kann bis ins Eskapistische hineinführen.

    Bei den Romantikern spielt das natürlich auch mit hinein, wobei es mir dort etwas mehr um ein Ausleben tatsächlicher Gefühlslagen zu gehen scheint, als um das Erschaffen eigentlich zuvor nicht bestehender Melancholie. Hier ist Melancholie auch mit Wehmut, Sehnsucht, Ahn(d)ung (bezogen auf eine frühere, bessere, ursprüngliche Welt, ein "goldenes Zeitalter", ein "Heimkehren" dorthin) oder Bewusstsein des auf ewig Verlorenen verknüpft. Da kommt anstelle des "Was-wäre-wenn" (sozusagen der vorweggenommenen und vielleicht sich nie so ereignenden Katastrophe) ein anderes Gegenwartsverständnis und eine Reaktion auf dieses zum Tragen. Unter den romantischen Bildern sind vielleicht die von Caspar David Friedrich am bekanntesten: https://www.google.com/search?q=casp...ih=719&dpr=0.9

    Soweit fürs erste.

    Liebe Grüße,
    Deine Chaja

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      #3
      Solche Musik z.B. drückt für mich Melancholie aus:

      Alexandra: Mein Freund, der Baum

      https://www.youtube.com/watch?v=f_CJeAmiW_0

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        #4
        Melancholie ...

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          #5
          Zitat von mystery Beitrag anzeigen
          Das Video ist in Deutschland nicht verfügbar.

          Kommentar


            #6
            Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
            Das Video ist in Deutschland nicht verfügbar.
            Robbie Williams - Feel

            Robbie Williams ? Feel deutsche Übersetzung | Golyr.de

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              #7
              Zitat von Serafin Beitrag anzeigen
              (...) Ich versuche gerade zu ergründen, was die Melancholie eigentlich ausmacht. Ist es der Faktor Zeit, der fehlende Impuls?
              Lieber Serafin,

              eine gute Jahreszeit für solche Überlegungen...

              Ja, ich glaube, der Faktor Zeit spielt da eine Rolle. Für mich ist Melancholie zeitlos, sie hat keine Vergangenheit und keine Zukunft. Sie ist. Vielleicht ist das eine Seite. Der Wunsch (oder in dem Moment das Wissen), aus der Zeit zu fallen. Wenn ich bin, ist Zeit nicht wichtig. Okay, das passiert auch, wenn ich im flow bin. Auch wenn das irgendwie ein anderes Gefühl ist.

              Melancholie ist für mich zum Beispiel, an einem leicht nebeligen Herbstmorgen unterwegs zu sein, die Hände in den Taschen vergraben, den Geruch der Luft wahrnehmend und den Vögel zusehend, die auf den gepflügten Äckern die letzten Körner picken. Keine Traurigkeit beim Abschied einer Jahreszeit, sondern das leben, was gerade ist. Eine Art Nullpunkt, wobei der Begriff da nicht ganz richtig ist. Es ist ein völliges Sein in allem, was ist. Melancholie bekommt vielleicht da einen Namen, wo ich mir diesen Zustand wünsche.

              Es ist keine Traurigkeit, sondern etwas, was mir gut tut. Und sie taucht nur in der Stille auf. Was nicht bedeutet, daß sie nicht auch in Musik sein kann...

              Karen Matheson - Chi Mi Buam

              LG
              Spunk,
              die sich vor einigen Monden ebenfalls ähnliche Gedanken gemacht hat

              http://www.forum-treffpunkt-leben.de...eidet-ihr.html





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                #8
                Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                Ich denke, das hat auch mit der Bewegung von oben nach unten beim Regen zu tun, während alles nach oben Strebende (Wachstum z.B) einen gegenteiligen Effekt hat. Zudem wird die Kombination aus Regen und grauen Farbtönen mit dem Spätherbst und damit mit einer Saison assoziiert, die wenig Licht und auch sonst wenig "Aufstrebendes", "Aufbauendes" von sich aus mit sich bringt.
                Liebe Chaja,

                dieses Betrachtung mit der Bewegung finde ich spannend! Aufstieg und Niedergang direkt mit der Bewegungsrichtung zu assoziieren, habe ich mir noch gar nie so überlegt, aber es hat was.
                Das kristallklare Wasser, welches aus der Quelle sprudelt und seinen Weg vom Berg ins Tal sucht, sich dabei mit anderen Bächen und Flüssen vermengt, bis es zuletzt als träger, breiter Strom dem Meer entgegenmäandert, um am Ende der Reise darin aufzugehen.
                Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                Unter den romantischen Bildern sind vielleicht die von Caspar David Friedrich am bekanntesten: https://www.google.com/search?q=casp...ih=719&dpr=0.9
                Wow, vielen Dank für die kunsthistorische Sicht auf die Melancholie! Du kannst ja richtig aus dem Vollen schöpfen!
                Spannend auch Friedrichs Bilder! Die kannte ich noch gar nicht.

                Zitat von Spunk Beitrag anzeigen
                Melancholie ist für mich zum Beispiel, an einem leicht nebeligen Herbstmorgen unterwegs zu sein, die Hände in den Taschen vergraben, den Geruch der Luft wahrnehmend und den Vögel zusehend, die auf den gepflügten Äckern die letzten Körner picken. Keine Traurigkeit beim Abschied einer Jahreszeit, sondern das leben, was gerade ist. Eine Art Nullpunkt, wobei der Begriff da nicht ganz richtig ist. Es ist ein völliges Sein in allem, was ist. Melancholie bekommt vielleicht da einen Namen, wo ich mir diesen Zustand wünsche.

                Es ist keine Traurigkeit, sondern etwas, was mir gut tut. Und sie taucht nur in der Stille auf. Was nicht bedeutet, daß sie nicht auch in Musik sein kann...
                Vielleicht wie ein Pendel, das am äussersten Punkt seiner Bewegung einen Moment inne hält, bevor es seine Bewegungsrichtung umdreht? Wobei, das trifft's nicht ganz, denn das Pendel ist zu diesem Zeitpunkt ja maximal ausgelenkt.
                Zitat von Spunk Beitrag anzeigen
                Spunk,
                die sich vor einigen Monden ebenfalls ähnliche Gedanken gemacht hat
                http://www.forum-treffpunkt-leben.de...eidet-ihr.html
                Oh, das ist schon viiiiele Monde her!

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                  #9
                  Ich empfinde beispielsweise eine melancholische Stimmung, wenn ich über die Vergänglichkeit des Lebens, auch des eigenen, nachdenke, oder über die Vergänglichkeit der Jahreszeiten, der Bäume, Blumen Tiere etc..
                  Wie winzig klein und unbedeutend ich einzelner Mensch im großen Universum bin, in der endlosen Zeit/Ewigkeit.

                  Dann habe ich einmal etwas über die' Melancholie der Erfüllung' gelesen. Und genau diese Worte geben ein Gefühl wieder, das ich bei der Erfüllung eines Wunsches oder Ereignissses bekomme, auf das ich mich lange gefreut oder vorbereitet habe.

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                    #10
                    Als ich mir gerade das bild angesehen hab ist mir ein Gedanke gekommen. Nämlich dass , egal wo man hinschaut, sich das Wasser ausbreitet. Jedes kleine Teil geht ihren Weg. Nebeneinander. Miteinander. Sogar übereinander wenn man so will. Sie streiten sich nicht. Eher tanzen sie. Egal welchen Weg sie gehen, allein oder alle zusammen, jeder Tropfe ist sich sicher dass es weitergeht. Und wenn sie in einem Loch ohne Chance auf ein Weiterkommen sind, ist es egal. Denn früher oder später wird ihnen etwas passieren. Der Weg wird fortgesetzt oder er ändert sich. Das Wasser färbt sich. Das Wasser kommt überall hin. und doch ist es nur Wasser. Das Wasser hat bestimmt Teile von Überall auf der Welt her.
                    Das geht mir so durch den Kopf.
                    Das komische dabei. Sehr euch mal den Vogel an. Er trinkt nur. In gewisser Weise ist er wie das Wasser. Da bin ich mir sicher. Und wer zermartert sich den Kopf? Genau, wir.

                    Denker mit seinem ersten öffentlichem Statement :)

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                      #11
                      Ich war leider nie melancholisch, ich war immer gleich depressiv.

                      Ich habe mich dann oft absichtlich noch weiter runter gezogen. Die Musik dazu kam immer von Pink Floyd - Hey you
                      https://www.youtube.com/watch?v=jQcBwE6j09U

                      Condor

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