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Die Ehe der Eltern

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    Die Ehe der Eltern

    Hallo zusammen,

    ich benötige mal Ratschläge "von außen", da ich derzeit selbst keine Lösung mehr finde.

    Zur Vorgeschichte:
    Die Ehe meiner Eltern ist, seit ich bewusst denken kann, ein Fiasko. Das Grundproblem meiner Meinung nach ist, dass beide überhaupt nicht zusammen passen. Meine Mutter ist extrem emotional, sehr auf Wertschätzung und Zuwendung angewiesen, während mein Vater ein regelrechter "Eisklotz" ist. D.h. meine Mutter bekam noch nie wirklich Wertschätzung für ihre Arbeit (Hausarbeit, Kindererziehung etc) und leidet darunter schon immer sehr stark. Dazu kommen noch andere Feinheiten, z.B. hatten beide schon eine Affäre.
    Zusätzlich haben beide so gut wie keine Freunde/Bekannten.

    Meinem Vater ist die ganze Situation eher egal,d.h. er leidet meiner Meinung nach nicht wirklich darunter. Meine Mutter leidet sehr unter der ganzen Situation und weint auch oft etc. Das ganze geht schon Jahre so! Mittlerweile bekomme ich das nur noch häppchenweise mit, da ich schon länger ausgezogen bin. Aber wenn ich mal da bin, bekomme ich meist sehr viel mit.

    Womit ich nun überhaupt nicht klar komme ist die Tatsache, dass die Lösung des Problems eigentlich recht einfach wäre. Alle Kinder sind volljährig und mehr oder weniger schon unabhängig von den Eltern. Geld ist auch genug vorhanden. Warum trennen sie sich nicht??? Meine Mutter spricht auch immer darüber, dass sie es nicht mehr aushält und unbedingt weg will, aber sie tut rein gar nichts dafür! Wenn man Unterstützung anbietet (Suche nach eigener Wohnung, Arbeitsplatz etc) kommen Ausreden warum das nicht geht. Wenn man dann nachbohrt, warum denn genau das nicht möglich ist, bekommt man eine fast schon aggresive Antwort wie "du verstehst das nicht!".

    Ehrlich gesagt bin ich mit meinem Latein am Ende. Meiner Meinung nach ist die Lösung klar und auch durchführbar. Aber weder sie noch er zeigen auch nur ansatzweise Initiative. Manchmal macht mich das einfach nur wütend, da ich mir gleichzeitig die Streitereien und das Jammern über die Situation anhören muss (von meiner Mutter).

    Aber gar nichts mehr tun und die Situation verdrängen möchte ich nicht, zumal mir v.a. meine Mutter sehr am Herzen liegt (wurde quasi nur von ihr erzogen, da sich mein Vater null um die Erziehung gekümmert hat. Die ganze Situation hat bei mir auch Spuren hinterlassen, aber das ist ein eigenes Thema).

    Habt ihr Tipps, was ich tun könnte?

    Viele Grüße!

    #2
    Nichts!
    Ich bekam schon sehr früh von einer Psychologin den Rat, mich aus der Ehe meiner Eltern herauszuhalten, weil es ihre Angelegenheit sei.
    Ich habe es nicht getan, und habe es bitterlich mit Depressionen büßen müssen, weil ich mich voll in die belastende Situation mit hineinziehen ließ.
    So leid dir deine Mutter auch tut, ihre Ehe ist ihre Angelegenheit, nicht deine.
    Wenn du was tun möchtest, so lade sie vielleicht ab und zu mal alleine zu dir ein, so dass sie mal einen Tag lang was anderes sieht und hört.
    Aber vermutlich wird sie das ablehnen, oder?

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      #3
      Ich sehe es ähnlich wie Mensch und glaube nicht, daß Du daran etwas ändern kannst. Es ist ihr Leben, und sie lebt es so, wie sie es für richtig hält.

      Zitat von OlliBW Beitrag anzeigen
      (...) Manchmal macht mich das einfach nur wütend, da ich mir gleichzeitig die Streitereien und das Jammern über die Situation anhören muss (von meiner Mutter).
      Das allerdings kannst Du ändern, in dem Du ihr sagst, daß es Lösungsmöglichkeiten gibt, sie aber offensichtlich nicht bereit ist, darüber nachzudenken.

      Die Ehe meiner Eltern ist ähnlich "harmonisch", und ich habe meiner Mutter lange Zeit zugehört. Als ich dann das "gewagt" hatte (mich scheiden zu lassen), was sie nicht tun will, war für lange Zeit Funkstille. Nachdem sich der Trubel gelegt hatte, kam sie irgendwann zu mir und sagte: "Du hast es richtig gemacht." Und ich habe ihr geantwortet: "Du hast diese Möglichkeit ebenfalls."

      Wenn sie heute manchmal kommt und sich "beklagt", sage ich ihr schulterzuckend: "Mama, was soll ich dazu noch sagen?" ...

      Ist vielleicht nicht die feine, englische Art und einfach ist es auch nicht, aber sinnlose Diskussionen haben wir jahrelang geführt, und ich mag mich daran einfach nicht mehr beteiligen.

      LG
      Spunk

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        #4
        Ältere Ehepaare sind diesbezüglich sehr stark in Konventionen verhaftet.
        Selbst wenn die Einsicht da ist, hält das Weltbild oder die früheren Konditionierungen diese oft davon ab.
        Vielleicht ist der Weg der richtige, aber er muß auch von den beteiligten gegangenwerden können.

        Ein bekannter Witz mag das verdeutlichen:
        Ein älteres Ehepaar beide über 90 gehen zum Anwalt und wollen sich scheiden lassen.
        Der Anwalt ist verdutzt und meint, das hätten sie aber auch früher haben können.
        Darauf das Ehepaar. Nein, wir wollten warten bis die Kinder tot sind.

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          #5
          Mensch hat es auf den Punkt gebracht. Deine Eltern sind erwachsene Leute und wenn deine Mutter es vorzieht in einer destruktiven Beziehung auszuharren dann muss sie auch damit leben. Ich kann mir schon vorstellen, warum vor allem Frauen nicht den Mut finden aus einer schlechten Ehe auszubrechen. Lass es das Problem deiner Mutter sein. Mehr als ihr anzubieten sie nach einer Trennung oder Scheidung zu unterstützen kannst du nicht tun.

          Meine Eltern sind seit über 50 Jahren verheiratet. Schon als Kind war es mein grösster Wunsch, dass sie sich endlich scheiden lassen. Seit schätzungsweise 40 Jahren haben sie kein anständiges Wort mehr miteinander geredet. Ich habe zwar unter den ständigen Spannungen sehr gelitten, aber ich habe es nie zu meinem Problem werden lassen. Die beiden haben es vorgezogen den Schein zu wahren, also müssen sie auch alleine damit fertig werden.

          My two cents.

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            #6
            hallo Olli

            ich kann dir sehr gut nachfühlen! man leidet als "kind" einfach mit, es macht
            einem sehr traurig und oft auch sehr wütend!
            man möchte gerne helfen und dazu beitragen, dass es eine positive veränderung gibt.
            aber oft müssen wir kinder einfach als klagemauer hin halten und uns ihre sorgen
            anhören und unsere ratschläge werden einfach in den wind geschlagen!

            es ist ein teufelskreis und wenn wir nicht aufpassen, werden wir mit reingezogen!
            bei aller liebe zu deiner mutter und das mitgefühl, das du ihr entgegen bringst,
            musst du dich ganz klar abgrenzen! ich weiss, das liest sich sehr hart und lieblos...
            aber, wenn du so weiter machst nimmst du selbst schaden bei der ganzen sache
            deiner eltern! so, wie es die Menschin bereits berschrieben hat.

            du hast dein eigenes leben, das du leben darfst!
            sage doch deiner mutter ganz klar, solange sie selbst nichts an ihrer situation
            verändern will, solle sie dich bloss in ruhe lassen mit ihrem problem! sobald aber,
            sie konkret was ändern will und dann hilfe braucht, wärst du gerne bereit mit an zu packen.
            du solltest ganz klare grenzen ziehn, dir selbst zu liebe!

            herzliche grüsse und viel mut und kraft!
            kermit

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              #7
              hallo Olli,

              kann mich den anderen nur anschließen...am besten raushalten und auch kein öl ins feuer gießen, wenn sie sich bei dir ausjammert und hören will, wie schlimm doch alles ist. sie ist erwachsen und hat dieses leben gewählt...

              da ja aber die frage an dir nagt, warum sich nichts ändert...und ich reihe mich hier mal ein in die runde der kinder, die sich gewünscht hätten, ihre eltern hätten sich getrennt...meine sind auch grundverschieden und haben sich so durch 40 jahre ehe gestritten...heute scheinen sie sich soweit arrangiert zu haben miteinander, wobei aber wohl immer noch ordentlich die fetzen fliegen (bin zu weit weg um das mitzukriegen), heute ist das nicht-alleine sein und die gewohnheit wichtiger...

              frag deine mutter doch mal, was sie an deinem vater liebt. was für sie immer der wichtigste punkt in ihrer beziehung war. warum sie sich damals für ihn entschieden hat. ich hab darauf eine antwort bekommen, mit der ich nicht gerechnet habe. ja, man kann es auch anders sehen...

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                #8
                Hallo zusammen,

                vielen Dank für eure Tipps und Ratschläge!

                Ich halte mich schon seit Jahren größtenteils raus (im Prinzip, seit ich ausgezogen bin), nehme auch vieles nicht mehr so ernst und höre mir das Gejammere meist auch relativ emotionslos an. Im Gegensatz zu früher, als ich noch zuhause gelebt habe, belastet mich das ganze relativ wenig. Allerdings hat die Zeit damals zuhause bei mir ganz klare Spuren hinterlassen, mit denen ich heute noch häufig zu kämpfen habe (Ängste).

                Vielleicht sollte ich wirklich mal diesen harten Schnitt machen und sagen "bevor von dir nichts kommt, gibts von mir keine Unterstützung mehr!". Ich glaube, meine Mutter ist so ein Typ Mensch der erst ganz unten sein muss, um was zu kapieren. Irgendwas muss sie jedenfalls in dieser Situation halten, sonst wäre sie sicher schon deutlich aktiver geworden

                Ich wohne derzeit noch raltiv nahe bei meinen Eltern. Vielleicht wäre es für mich auch gut, einfach mal ganz weit wegzuziehen.

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                  #9
                  weit wegziehen bringt ziemlich wenig, wenn du "seelische" distanz brauchst... und ich hab "sicherheitshalber" mal eben über 700 km zwischen uns gebracht...da trügt der schein leider...

                  wobei damals nicht meine eltern der grund für meinen umzug waren, aber bestimmt saß das damals schon in meinem unterbewußtsein. und DASS ich umgezogen bin, war definitiv eine gute sache!

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                    #10
                    liebe lady nivea,
                    kannst du bitte zu diesem satz mehr schreiben:
                    Schon als Kind war es mein grösster Wunsch, dass sie sich endlich scheiden lassen.
                    ich dachte bis jetzt, kinder würden es prinzipiell lieber haben, wenn die eltern zusammen sind.....auch wenn es spannungen gibt...bin dir für deine andere perspektive dankbar....


                    lieber olliBW,
                    mir ist es auch ein rätsel, warum manche menschen in solchen beziehungen verharren....
                    ich habe dieses thema bei einer freundin....
                    letztens sagt sie mir , sie bliebe wegen dem haus...ich verstehe so etwas nicht....ich weiss auch oft nicht mehr, was ich sagen soll....ich bin an einem punkt, wo ich letztens schon zu ihr gesagt habe, dass ich so einen mann nie aushalten würde, ihn auch nie geheiratet hätte (ich hatte bereits VOR der ehe mit ihr ehrliche gespräche darüber!!!)..ich wäre schon lange gegangen.....sie will bleiben, ist energetisch am boden, weint ur viel, lacht kaum mehr.....
                    ich sage auch nur mehr: was soll ich dazu sagen? DU WILLSt es ja so!
                    sie meint, es genüge ihr, wenn ich ihr zuhöre...
                    ich bin mir aber nicht mehr sicher, ob ich das noch lange will....
                    es ist nicht leicht, der freundin dabei zuzusehen, wie sie sich als schuhabstreifer zur verfügung stellt (wenn sie dabei GLÜCKLICH wäre, wäre es mir auch recht, aber sie ist UNGLÜCKLICH!)...
                    ich weiss auch nicht, wie ich in zukunft damit umgehen werde/ will....
                    ich habe mich gefragt, ob es gut wäre, mich als gesprächs- bzw. zuhörpartnerin zurückzuziehen, weil ich den eindruck habe, dass sie bei mir dampf ablässt, und dann gehts irgendwie wieder neben ihm...und das erscheint mir "falsch"...sie sollte BEI IHM explodieren..richtig stark....endlich ihren WERT erkennen....
                    nicht leicht sowas, echt nicht....
                    kolibri

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                      #11
                      Zitat von regenbogenkolibri Beitrag anzeigen
                      ich dachte bis jetzt, kinder würden es prinzipiell lieber haben, wenn die eltern zusammen sind.....auch wenn es spannungen gibt...bin dir für deine andere perspektive dankbar....
                      Aus meiner Perspektive (denn auch mir ging es so) kann ich dazu sagen, daß ich mit 8 oder 9 Jahren der Meinung war "lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende"... (ohne das Sprichwort damals überhaupt gekannt zu haben).

                      Es gab eine Zeit, in der ich meiner Mutter innerlich vorgeworfen habe, daß genau das das Alibi war, das sie vorgeschoben hat, weil sie den Mut zur Trennung nicht aufbrachte. Sehe ich heute anders, friedlicher, weil ich gelernt habe, auch andere Dinge mit einzubeziehen, aber damals war ich eine ziemlich zornige, junge Frau...

                      Ich werde allerdings heute noch wütend, wenn ich von Ehepartnern, die sich gegenseitig mit Vorwürfen zerfleischen, höre, daß sie "wegen der Kinder" zusammen bleiben. Die Kinder sind diejenigen, die sich am wenigsten gegen diese Spannungen wehren können, und genau sie, die die Eltern doch "schützen" wollen, leiden oft am meisten darunter.

                      LG
                      Spunk





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                        #12
                        Zitat von regenbogenkolibri Beitrag anzeigen
                        ...ich dachte bis jetzt, kinder würden es prinzipiell lieber haben, wenn die eltern zusammen sind.....auch wenn es spannungen gibt...bin dir für deine andere perspektive dankbar...
                        Was Spunk dazu gesagt hat, dem kann ich mich anschliessen. Weisst du, es sind nicht nur die Spannungen, auch wenn das auf Dauer kaum auszuhalten ist. Es sind diese gehässigen Blicke, das fehlen von Respekt, die verkniffenen Münder und die Zornesfalten, wenn der andere etwas sagt, die Kommunikationslosigkeit, die lauten, agressiven Stimmen, die Gefühlskälte, die zwischen den beiden herrscht und die mich erschaudern liess, die gegenseitigen Vorwürfe, das nebeneinanderherleben, usw. Wenn andere Leute dabei waren, habe ich mich stets geschämt (das tue ich übrigens heute noch), weil wahrscheinlich jeder gespürt oder gar mitbekommen hat, wie wenig sich die beiden respektieren.

                        Ich war 17 als ich auszog. Zwanzig Jahre später wollte die Freundin meines Bruders meine Eltern nicht mehr besuchen, weil sie deren Streitereien nicht aushielt. Sie hatte bei einem 2-stündigen Besuch schon Probleme damit. Ich war als Kind mittendrin und konnte nicht einfach den Mantel anziehen und sagen: "Tschüss, bis zum nächsten mal."

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                          #13
                          Boah, nee...und ich dachte immer, ich sei die einzige auf der Welt, die solche Probleme mit ihre Eltern hatte!

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                            #14
                            Mensch, ich glaube, das gibt es wesentlich öfter, als man annimmt. Es wird nur meist hinter blütenreinen Gardinen und fröhlich-bunten Balkonkästen vor den Fenstern (hinter die man nicht schauen kann) versteckt...

                            LG
                            Spunk

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                              #15
                              Die Ehe Deiner Eltern

                              Lieber Olli,

                              habe leider jetzt erst Deinen Beitrag gesehen, da ich selbst länger nicht im Forum war. Ich kann sehr gut verstehen, dass Dich die Situation sehr beschäftigt.

                              Was mir insgesamt auffällt, dass Du die Situation Deiner Eltern beurteilst, sogar selbst eine Entscheidung mit herbeiführen möchtest. So wie es aussieht, für Deine Mutter vor Allem.

                              Beachte aber Eines mal grundsätzlich: Du bist einfach nur ihr Sohn. Nicht mehr, und nicht weniger.

                              Indem Du Dir aber Gedanken machst, wie Deine Eltern sich verhalten und sich entscheiden sollten, übernimmst Du Verantwortung für sie. Aber das geht natürlich nicht. Gleichzeitig bewirkt es noch etwas Anderes: Solange Du dies tust, werden sie nichts tun, weil Du Ihnen damit auch die Kraft nimmst, selbst in die Verantwortung zu gehen und eine Entscheidung zu treffen.

                              Probiere deshalb folgendes einfach mal aus:
                              Ziehe Dich zurück von diesen Problemen. Zumal Du ein Recht hast, in Dein eigenes Leben zu gehen - ohne diesen Riesenballast.
                              Werde in Deiner inneren Haltung Ihnen gegenüber wieder der Sohn, der für seine Eltern nichts tun kann und soll!

                              Und achte auch auf Deine Gedanken:
                              Du steckst da ja schon sehr lange drin. Manchmal kommt dann so ein Wort: "Meine Mutter schafft das doch sowieso nicht!". Mit solch einem Gedanken würdest Du Dich dann sofort wieder über sie oder Deinen Vater stellen. Signalisiere Ihnen deutlich, dass nur sie dieses Problem lösen können.

                              Mache Dich ganz frei davon, dass Du da irgendeinen Auftrag hast, irgendetwas für sie oder ihr Glück tun zu müssen. Denn das ist zum Scheitern verurteilt.

                              Beste Grüße

                              Wolfgang


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