Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Beziehungsaus wegen Identitätsproblem

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    Beziehungsaus wegen Identitätsproblem

    Hallo an alle,
    kann mir jemand helfen, ich weiß nicht mehr weiter!!!!!
    Ich habe seit längerer Zeit Probleme und weiß nicht wie ich damit fertig werden soll. Mein Problem ist, ich kann mich selbst nicht finden und darunter leide nicht nur ich, sondern auch die Beziehung zu meinem Verlobten.

    Die Identitätsentwicklung ist ein Prozess, der in der Pubertät ins Rollen kommt indem man herumexperimentiert, neue Sachen ausprobiert, "extremer" wird und evtl. gegen die Ansichten seiner Eltern rebelliert. Genau hier, so vermute ich, ist der Knackpunkt, denn genau das habe ich NICHT gemacht.
    Es ist aber nicht so, dass ich mir im vornherein bewusst gesagt habe: "hm...mit passt die Meinung meiner Eltern nicht, aber egal, ich möchte ihnen nicht wehtun und deswegen mache ich das was sie sagen". Nein, das alles ist unbewusst passiert!!! Und das alles ist mir erst in den letzten Monaten richtig klar geworden ist. Nur irgendwie kann ich es nicht ändern. Diese innere Abhängigkeit kann ich nicht loswerden...teilweise habe ich so große Schuldgefühle meinen Eltern gegenüber. Es muss für euch vermutlich witzig klingen aber als ich mich verlobt habe kam nach der Freude die Panik, dass meine Eltern mir das nicht "erlauben" werden, dass sie mir Gegenargumente bringen und es mir schlichtweg verbieten!!! Das Schlimmste ist, dass ich das wirklich gedacht habe, ich habe geglaubt, sie können es mir verbieten! Ich bin sehr sehr glücklich mit diesem Mann, er bereichert mich seelisch jeden Tag und ich wünsche mir ein Leben mit ihm als ein Ehepaar aber es gibt da immer diesen großen Brocken an Schuldgefühlen den ich nicht loswerden kann...

    Ich sehe mich immernoch als ein Kind und ich weiß, dass es daraus resultiert, dass meine Eltern mich auch irgendwie als Kind sehen wollen und mich in meiner Identitätsfindung eingeschränkt und sehr gelenkt haben. In der Pubertät konnte ich z.B. nie mir meine Kleidung selbst kaufen, ich bin teilweise bis zu meinem 20 Lbj. mit meiner Mutter einkaufen gegangen und hab das gekauft was sie "abgesegnet" hat. Die Dinge dir mir gefallen haben, wurden als unpassend oder schlichtweg schrecklich abgestempelt...aber es hieß dann teilweise auch: naja, wenn dir das soooo gefällt dann kauf das aber es sieht schrecklich aus und passt überhaupt nicht zu deinem Typ. Dies führte dazu, dass ich mich so angezogen habe wie meine Mutter es wollte. Selbst, wenn ich mir später alleine Kleidung gekauft habe, dann nur solche, die auch meiner Mutter gefallen könnte. ...bis ich dann meinen jetzigen Verlobten kennengelernt habe...Vor ihm hatte ich keine Beziehung, als ich mich mit 13 in einen Jungen verliebt habe und wir "miteinander gehen" wollten, hat mir meine Mutter dies verboten (JA, sie hat das Wort verboten benutzt!), die Begründung war folgende: was soll Papa dazu sagen, wenn ich ihm erzähle, dass du mit 13 schon jemanden geküsst hast?! Danach hat sie mir gesagt ich soll diesen Jungen anrufen und Schluss machen!!! Was ich auch als brave Tochter gemacht habe!!! Das Resultat dieser Sache ist, dass ich meinen Verlobten noch immer nicht vor meiner Mutter verteidigen kann, wenn es darauf ankommt

    Das sind nur zwei kleine Beispiele (es gibt tausende wie diese, glaubt mir!!!) So habe ich über die Jahre gelernt das zu machen was meine Eltern für mich als richtig gesehen haben, sei es Freunde, Kleidung, Liebe....naja, und so ist das irgendwie bis heute geblieben, zwar sagen meine Eltern mir nicht mehr, was ich anziehen soll, wer der richtige Umgang für mich ist und wer nicht und wie ich mich verhalten soll aber ihr Denken habe ich mir ankonditioniert und beibehalten. Das Schlimmste ist, ich bin mir dessen teilweise nicht bewusst, ich reagiere automatisch...erst im Nachhinein wird mir alles klar und dann kommt dieser schreckliche Ekel und die Abneigung aber auch die damit verbundenen Schuldgefühle hoch, weil sie es ja eigentlich nicht böse meinen und nur das Beste für mich wollen.

    Mein Verlobter hält das nicht mehr aus...er sagt, er kann diese Abhängigkeit nicht mehr ertragen (vor mir war er in einer siebenjährigen Beziehung, die angeblich aus dem gleichen Grund scheiterte), er liebt mich, möchte mir helfen aber langsam sieht er dass seine Bemühungen zu nichts führen. Er denkt, dass meine Mutter bei mir nochimmer an ersten Stelle steht und dass ich mich wie sie verhalte und er somit nicht mir, sondern mit ihr zusammen ist...

    Ich weiß nicht was ich tun soll...
    Bin für jeden Kommentar dankbar

    Liebe Grüße
    Wasserfall

    PS: sagt bitte nicht, ich soll mich räumlich von ihnen distanzieren...ich lebe schon in einem anderen Land (was mir am Anfang große Schuldgefühle eingebrockt hat)

    #2
    Du hast dich noch nicht abgenabelt, innerlich.
    Ich empfehle dir eine Psychotherapie, damit du das mit Hilfe nachholen kannst.
    Ich glaube nicht, dass du es alleine mit deinem Partner schaffst. Er dürfte damit auch überfordert sein.
    Wichtig ist aber, dass er dir in der Zeit zur Seite steht.

    Kommentar


      #3
      hallo Wasserfall,

      mehrere große Schritte hast Du ja bereits geschafft, Du kleidest Dich nach Deinem eigenen Geschmack, Du bist in ein anderes Land gezogen und Du lebst mit dem Mann, den Du liebst.
      Es fehlt dir jetzt an der inneren Befreiung von Deiner Mutter.
      Viele der Gefühle die Du beschreibst erinnern mich an mich selbst in meinen jüngeren Jahren. Alles was ich getan habe wurde von mir innerlich abgecheckt: was würde Mutti dazu sagen.
      Ich habe damals eine Psychotherapie gemacht und der Therapeut sagte mir auf den Kopf zu, ich hätte eine symbiotische Beziehung mit meiner Mutter. Das hat mich dann doch sehr geschockt und ich werde diesen Ausspruch auch nie vergessen.

      Hast Du schon Lektüre in dieser Richtung gelesen bzw. durchgearbeitet?
      Du könntest doch mal googeln, ich denke mir, es gibt bestimmt viele Bücher, die dieses Thema behandeln. Oder du schließt Dich einer Selbsthilfegruppe an, die dieses oder ähnliche Themen behandelt. Am Anfang ist es wichtig, dass Du eine Entscheidung in einer bestimmten Sache triffst und Dir immer wieder vorliest und sagst, dass Du das Recht bzw. die Pflicht hast, das zu tun was Du möchtest. Ohne Schuldgefühle.
      Gut, am Anfang weiß man oft gar nicht, wie man sich entscheiden soll. Vielleicht entscheidest Du Dich dann in kleinen Dingen einfach mal bewusst so, wie Deine Mutter es nicht machen würde. Aber natürlich mit gutem Gewissen. Die aufkommenden Schuldgefühle kannst Du durch das Lesen entsprechender Glaubenssätze immer wieder bearbeiten. Wenn die Entscheidung letztendlich doch nicht so gut war - na ja - aber es war mal eine eigene bewußte Entscheidung. Dann könntest Du in ähnlicher Situation ja wieder anders entscheiden - vielleicht so wie Deine Mutter es auch getan hätte - aber dann wäre es ja auch Deine eigene Entscheidung.
      Bisschen durcheinander ? Ich hoffe Du verstehst was ich meine

      Ich glaube daran, Du kannst es schaffen, Dich langsam abzunabeln von Deinen Eltern, fange mit kleinen banalen Entscheidungen an. In entsprechenden Büchern wirst Du die nötige moralische Unterstützung finden.

      LG Tamina

      Kommentar


        #4
        Lieber Wasserfall,
        unbegründete Schuldgefühle sind ganz schrecklich. Ich kann nachvollziehen, wie Du Dich fühlen musst.
        Ich denke Dein Verlobter liebt Dich und möchte, dass Du nicht leidest und dass ihr eine gemeinsame Zukunft habt. Wenn Du so sehr auf Deine Eltern fixiert bist, scheint diese gefährdet.

        Ich habe mehrere Mal eine Familienaufstellung nach Hellinger gemacht. Ich weiß nicht, ob Du das kennst. Unter therapeutischer Begleitung trifft sich ein Kreis von Menschen, die gern eine Aufstellung machen wollen. Eine beginnt und erzhält ganz kurz welche Familie er aufstellen möchte. Es werden also nur ganz wenige Informationen gegeben. Derjenige wählt danach sogenannte Stellvertreter aus. In Deinem Fall wären das Stellvertreter für Deine Mutter und Vater ggf. Geschwister und Dich selbst. Die Stellvertreter werden dann im Raum aufgestellt und die Therapeutin stellt jedem Stellvertreter Fragen. Der Aufsteller schaut zunächst nur zu. Die Theorie ist, dass die Stellvertreter auch stellvertretend fühlen können und man selbst sehr viel klarer die Familienstruktur sieht. Und durch diese Klarheit beginnt ein Heilungsprozess.
        Ich selbst habe bei diesen Aufstellungen sehr viel über die Verstrickungen in unserer Familie erkannt und konnte danach mit meinen Schuldgefühlen sehr viel besser umgehen.

        Wichtig ist aber eine therapeutische Begleitung und besser noch vor- und Nachsorge, da es ein sehr emotionaler Weg ist.

        Vielleicht hilft es Dir ein wenig....
        Liebe Grüße
        Nichtraucherin

        Kommentar


          #5
          Lieber Wasserfall,

          ich kann gut nachvollziehen, was du als "unbewusste Reaktion" beschreibst.

          Auch ich hab eine Therapie hinter mir, Familie und Eltern waren immer mal wieder ein großes Thema. Diese Therapie hat bewirkt, dass ich automatisch - wann immer ich in eine "alte" Reaktion zurückgefallen wäre - genau an dem Punkt gestoppt habe, und mich wie von selbst gefragt hab: Moment, sprech da ich, oder spricht mein Vater/meine Mutter?

          Und darum geht es: Eine Therapie oder Aufstellung hilft dir, genau an diesem Punkt neu zu entscheiden, es ist dann nicht mehr die Entscheidung/Wertung deiner Mutter oder deines Vaters, sondern deine. Weil du deine Vergangenheit genauer kennst und sie dich dadurch nicht mehr so beeinflussen kann. Du bist frei, offen und kannst deine Unabhängigkeit ausleben. Alte Muster gehen.

          Schön, dass du den richtigen Mann an deiner Seite hast. Vielleicht kannst du mit ihm besprechen, ob er eventuell zu deiner Therapie mal mitkommt? Eine Therapie verändert nicht nur einen Menschen, vielleicht braucht er auch das, um dich und deinen Kampf, den du mit dir selbst führst, "besser" verstehen zu können?

          Alles Liebe für dich,
          Kathi

          Kommentar


            #6
            Dominanten Müttern Einhalt gebieten.

            Hallo Wasserfall,

            ich kenne das: mittels Schuldgefühle dazu gebracht werden, das zu tun, was den Eltern passt. In meiner Pubertät war ich kaum bis gar nicht rebellisch, war eine vorbildliche Schülerin und hatte auch keinen Freund. Als dann der erste kam, war damit auch ein ziemlicher Kampf mit den Eltern verbunden; am Ende habe ich auf ihren Nachdruck ebenfalls Schluss gemacht.

            Mittlerweile ist es weniger schlimm geworden. Das liegt an unserer räumlichen Trennung. Ich wohne an meinem Studienort in einer eigenen Wohnung und genieße die neu gewonnene Freiheit. Mit der Zeit haben meine Eltern auch gelernt, ohne mich auszukommen und ihren Tag anderweitig zu gestalten, als mich kontrollieren und auf den "rechten Weg" bringen zu müssen. Sie vertrauen mir, ich kaufe mir meine Klamotten selbst, verbringe meine Zeit mit wem und wie ich will - notfalls flunkere ich ihnen auch mal etwas vor, damit sie mich in Ruhe lassen. Sie müssen ja nicht alles wissen.

            Das Sich-Abnabeln ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen klappt, aber umso wesentlicher ist. Wir bleiben ja solange Kinder, wie unsere Eltern leben und sie sehen uns ja auch immer irgendwie als Kinder. Unsere Eltern sind ja auch dazu da, uns auf die Beine zu stellen, damit wir unser eigenes Leben führen können. Wir als Kinder sind aber nicht dazu da, ein Leben lang bei unseren Eltern zu bleiben. Mit jedem Entwicklungsschritt, den wir in Richtung Selbständigkeit tun, entfernen wir uns auch automatisch von unseren Eltern. Das hat weder was mit Kränkung der Eltern noch Verrat seitens der Kinder zu tun, sondern erfordert schlichtweg die Natur.

            Vielleicht verwechseln manche Eltern ihre Liebe mit Selbstsucht, wenn sie ihre Kinder aus Angst vor dem Alleinsein nicht ein eigenständiges Leben führen lassen. Wahrhaft liebende Eltern wünschen ihren Kinder doch genau das: dass sie in ihrem Glück nicht beschränkt werden, dass sie auf nichts verzichten müssen. Aber wie soll ein erwachsenes Kind seinen Weg finden, wenn es sich ständig zwischen seinen Eltern und Partner zerrissen fühlt, es beiden Recht machen will und es am Ende todunglücklich ist, weil es sich für eines entscheiden muss: entweder Bruch mit den Eltern oder dem Partner?

            Eltern möchten ihren Kindern verständlicherweise viele negative Erfahrungen ersparen, aber erstens können sie sie nicht vor allem bewahren und zweitens macht das ihre Kinder doch auch nur zu abhängigen und zu leicht manipulierbaren Wesen. Denn irgendwann sind die Eltern tot und wer sorgt dann für das "Kind", das gewöhnt ist, von anderen immer gesagt zu bekommen, wo es langgeht, was oder wer gut für es ist? Wenn den Eltern keine Freunde des Kindes gut genug sind, wird es am Ende völlig vereinsamen und unfähig sein, soziale Kontakte oder gar eine eigene Familie aufzubauen. Gute Eltern nenne ich etwas anderes.

            Vielleicht hilft eine Therapie, in der du dein Selbst wieder findest, Wasserfall. Vielleicht hilft die räumliche Distanz zu deinen Eltern, mit Verlobten oder auch erst mal ganz alleine klar zu kommen. Es ist wichtig, dass du dich nicht von der einen Abhängigkeit in die nächste stürzt, also in die deines Verlobten. Aufgrund deiner Sozialisation könntest du davon eher betroffen sein als andere. Wie ist dein Verlobter? Ist er ein guter Mensch? Würde er für dich kämpfen, auch notfalls mit deinen Eltern, wenn sie sich eurer Liebe in den Weg stellen? Es wird gewiss einiges auf euch zukommen und nicht leicht für euch alle werden, aber dein persönliches Glück lohnt es allemal.

            Es ist nie zu spät, rebellisch zu werden. Kauf dir endlich die Sachen, die DIR gefallen. Fühl dich glücklich dabei, dir etwas Gutes zu tun. Warum sollten die Eltern auch etwas dagegen haben, wenn DU glücklich bist, dich das erfüllt? Wenn dem so ist, stimmt etwas mit ihnen nicht und nicht mit dir - lade dir keine Schuldgefühle auf. Du musst dein eigenes Leben leben und nicht irgendein Phantomleben für deine Eltern. Hole dir eventuell auch Unterstützung von gemeinsamen Freunden, die mit deinen Eltern reden. Es ist echt nicht normal, wenn deine Mutter immer dir noch Sachen kauft und sie alles, was du eigenständig tust bzw. was dir gut tut, dir schlecht redet! Vielleicht müsste sie ja auch mal zur Therapie?

            Alles Gute
            von Avvenenza

            Kommentar


              #7
              Hallo,
              vielen Dank an alle.
              Ich weiß, ich sollte eine Therapie machen nur fehlt mir und meinem Verloben zur Zeit das nötige "Kleingeld", da wir uns beide noch in Ausbildung befinden. Die Beziehung zu ihm hat sich in der letzten Zeit so angespannt, dass wir uns nur noch gegenseitig fertigmachen und verbal angreifen...er greift schon offen meine Eltern an und sagt, dass er in der Beziehung sehr unzufrieden ist und es für ihn so nicht mehr weiter gehen kann. Für ihn ist es so, dass ich mich innerlich und auch äußerlich noch immer nicht von meinen Eltern trennen kann (obwohl ich der Meinung bin, dass ich schon einen sehr großen Schritt vorangekommen bin!!!)...so hat er sich eine zukunftige Ehe nicht vorgestellt und es ist nur noch eine Qual für ihn. Er hat mir offen gesagt, dass er sich nach einer reifen (also innerliche Reife) Frau sehnt und diese in mir nicht finden kann, er glaubt auch nicht, dass ich mich jemals verändere.

              Ich bin mit der ganzen Situation überfordert. Meine Eltern mischen sich nicht mehr in meine Leben ein (ich fälle Entscheidungen selbst), d.h. es ist nicht mehr so wie vor 3 Jahren aber, wenn ich wieder zuhause bin (also meine Eltern besuche) falle ich unbewusst wieder in diese alten Verhaltensmuster zurück und finde mich mit diesen ab. Das Schlimmste ist, was ich erst jetzt festgestellt habe, ich habe seit Anfang der Beziehung die ganze Zeit nicht auf der Seite meines Freundes/Verlobten gestanden eher im Gegenteil. Ich habe versucht ihn in meine Abhängigkeite einzubinden und ihn auch von meinen Eltern abhängig zu machen...

              Ich will ihn nicht verlieren, aber was soll ich machen, obwohl ich mein eigenes eigenständiges Leben führe, fühle ich micht nicht erwachsen!!!

              Liebe Grüße
              Anna

              Kommentar

              Lädt...
              X