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Hilfe, meine Schwester ist verrückt

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    Hilfe, meine Schwester ist verrückt

    Hallo,
    der Titel meines Postings ist etwas provokant, aber ich kann mein Problem kürzer und treffender nicht beschreiben.

    Ich komme an meine Schwester nicht mehr heran. Jeder Gesprächsversuch endet darin, dass ich vollig entnervt und verletzt auflegen muss. Egal wie entspannt ich am Anfang ans Telefon gegangen bin, am Ende hatte sie mich wieder soweit aufzulegen. Die Telefonate fangen ganz harmlos an, dann merke ich, dass sie anfängt lauter Fragen zu stellen; z.B. woran liegt es, dass wir nicht miteinander sprechen, was ist nur los mit Dir???? Ich sage, daraufhin, dass alles in Ordnung ist (was auch der Fall ist). Sie glaubt mir aber nicht. Sie möchte irgendein Problem von mir hören, möchte, dass ich mich ihr offenbare, sie in mein Vertrauen einschließe. Ich will ihr aber nichts offenbaren, da sie aus jeden Problem ein riesen Drama macht. Und im Zentrum dieses Dramas möchte sie selbst dann als Retterin von mir stehen. Ich hatte einmal Streit mit meinem Lebenspartner den sie mit bekommen hat. Sie rief jede Stunde an, um zu fragen wie es mir geht und ob sie etwas für mich tun kann. Bei den ersten Malen fand ich das Fürsorglich, aber als sie dann das vierte Mal anrief hat es mich schon ein bisschen genervt. Als es dann so weit ging, dass Sie am nächsten Tag anrief und sagt, sie würde mich jetzt abholen und ich solle ab sofort bei ihr wohnen hat sie bei mir restlos die Grenze überschritten. Ich bin über 40 Jahre alt und habe meine Leben bisher sehr gut gemeistert. Das sage ich jetzt hier, weil ihr annehmen könntet, dass die Einmischung meiner Schwester durch eine gewissen Lebensuntüchtigkeit meinerseits begründet sein könnte. Dem ist nicht so!

    Dieses Verhalten allein, ließ mich aber nicht den Titel schreiben. Ich habe vor einem Jahr einmal versucht ihr klar zu machen, dass Sie Grenzen, die ich setze überschreitet. Sie möchte permanent, dass ich mein Innerstes vor ihr ausbreite. Diese Kritik hätte ich nicht sagen dürfen. Seit dem versucht sie im jedem Gespräch mich davon zu überzeugen, dass Sie mich liebt und sie deshalb ein Recht hat, alles von mir zu erfahren. Und da ich das nicht wollte, sei dass der sicherer Hinweis, dass etwas mit mir nicht in Ordnung sei, ich ein großes Problem habe und sie mir dringend helfen müsste. Warum läßt Du mich Dir nicht helfen?
    Ich sage ihr dann wie ein Sprung in der Platte, dass mit mir alles in Ordnung sei. Diese Aussage sieht sie als sicheren Hinsweis, dass ich ein großes Problem habe, das ich aber nicht mit ihr besprechen will. Sie versteht es einfach nicht.

    Diese Gespräch dauern meist zwei Stunden am Abend und Sie wird dabei immer betrunkener. Meist in der zweiten Hälfte des Gesprächs, fängt meine Schwester das Schreien an. Sie schreit dann ganz laut ins Telefon, dass Sie mich liebt und dass sie mich nicht versteht, warum ich sie so ausgrenze. Sie versteht nicht, dass ich kein Problem mit ihr zu bereden habe. Mein größtes Problem ist sie und ihre Ausbrüche am Telefon.

    Meine Brüder haben auch schon versucht, mit ihr zu reden. Ich bekomme dann von zwei Seiten ganz unterschiedliche Versionen des Gesprächverlaufs erzählt. Meine Schwester behauptet dann, dass meine Brüder mich auch für komisch halten und dass etwas nicht mit mir in Ordnung sei. Wenn ich meine Brüder darauf anspreche, sagen sie natürlich, dass sie ganz andere Dinge gesagt haben und wir sind dann immer ganz ratlos, was wir tun können, um ihr begreiflich zu machen, dass wir sie lieb haben und sie nicht ausgrenzen.

    Mittlerweile ist die gesamt Situtation so eskaliert, dass meine Schwester zu keinem von uns mehr Kontakt haben möchte. Ich schäme mich nicht zu sagen, dass meine erste Reaktion Erleichterung war. Jetzt fühle ich mich nur ohnmächtig.

    Ich habe auch schon darn gedacht einen Brief an sie zu schreiben. Aber bei allen Telefonaten hat sie meine Worte nicht verstanden. Warum sollte sie sie schriftlich verstehen?

    Ein persönliches Gespräch scheint auch unmöglich. Beim letzten Mal ist sie mir an die Kehle gesprungen.

    Ich glaube, sie braucht dringend professionelle Hilfe, die wir, ihre Familie, nicht geben kann.

    Vielleicht habt ihr einen Rat?

    Sehr sehr ratlose Grüße
    Eure Nichtracherin

    #2
    liebe nichtraucherin,

    klingt in der tat so, als wäre es deine schwester, die ein riesenproblem zu haben schient.

    möglicherweise ist es für sie eine "realität", sich nun von allen geschwistern ausgeschlossen zu fühlen.

    mein eindruck ist, dass dir die ganze sache doch irgendwie auch recht nahe geht. würde es sich um meine schwester handeln, würde ich ihr schreiben. es stimmt, dass sie dich weder bei den anrufen, noch bei den treffen verstanden hat, aber den brief könnte sie ja notfalls so oft lesen, bis sie irgendwas begriffen hat.

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      #3
      Liebe Nichtraucherin,
      Deine Schwester führt ein Leben aus zweiter Hand, und das in einer extremen Form.
      Die harmlose Variante dieser Menschen sind die, die uns ständig mit der Kamera verfolgen und alles dokumentieren müssen, und die sich ständig nach dem Befinden irgendwelcher Leute erkundigen als seien es gemeinsame gute Freunde.
      Deine Schwester kann keine Grenzen respektieren. Du musst dich nicht schuldig fühlen, wenn du den Kontakt zu ihr vermeidest.
      Herzlichst
      Hedwig

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        #4
        hm...es scheint mir, als hättet ihr einen ganz unterschiedlichen zugang zu nähe...andere vorstellungen und bedürfnisse...deine schwester scheint unter nähe zu verstehen, dass man sich alles sagt, auch die tiefsten geheimnisse....was ich dann in ordnung finde, wenn es beide seiten wollen, dann schafft das in der tat große nähe und zeugt von großem vertrauen.....
        ich bin auch ein mensch, der es gern hat, wenn sich andere öffnen, habe aber lernen müssen /dürfen , dass menschen da ganz verschieden sind...und dass das nicht unbedingtt was mit liebe/ zuneigung zu tun hat (wie deine schwester zu glauben scheint...)...
        erzählt dir deine schwester ihre probleme? macht sie das, was sie so sehr von dir haben möchte? wenn offene tiefgründige gespräche für deine schwester wichtig sind und sie sich nur so geliebt und angenommen fült, so ist das in der tata ein problem, wenn du das nicht willst...vielleicht würde ein gespräch über eure verschedenen bedürfnisse helfen? dass du es schätzt, wenn sie für dich da ist, dass du dir aber die zeit selber aussuchen möchtest, und nicht ständig und auf knopfdruck?...
        es gibt schwestern, die ales miteinander teilen..vielleicht vermisst sie das..vielleicht sieht sie das im bekanntenkreis und hätte auch gerne.....wie geht es ihr denn sonst im leben? sie scheint mir sehr einsam zu sein...oder?

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          #5
          Zitat von nichtraucherin Beitrag anzeigen
          Diese Gespräch dauern meist zwei Stunden am Abend und Sie wird dabei immer betrunkener.

          Hallo Nichtraucherin,

          dieser Satz ist mir besonders aufgefallen. Ist das wörtlich gemeint (also trinkt deine Schwester während des Gesprächs immer mehr Alkohol), oder eher im übertragenen Sinne?
          Hat deine Schwester ein Alkoholproblem?

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            #6
            Danke für eure Antworten

            Hallo Ihr Lieben,
            Just me: mir scheint, dass ein Brief wohl noch die letzte Möglichkeit ist. Schlimmer kann es ja gar nicht werden. Ich kann also nicht verkehrt machen.
            Hedwig: Grenzen setzen ist in Familien besonders schwierig, finde ich. Ich habe dabei immer ein schlechtes Gewissen. Da kann mein Verstand noch so sehr dagegen sprechen.
            Orange Seahorse (schöner Nickname): ganz gewiss haben wir unterschiedliche Vorstellungen und Bedürfnisse nach Nähe. Hier im Forum habe ich dazu auch schon einen hilfreichen Thread gefunden. Sie erwartet aber von mir, dass ich sie rein lasse. Sie kommt mir vor, als wolle sie mit Gewalt die Tür aufmachen, die ich versuche zu zu halten. Dabei würde sie willkommen geheißen und säße mit mir in einem Zimmer, wenn ich sie eingeladen hätte oder sie angeklopft hätte.
            Meine Schwester hatte vor 7 Jahren Brustkrebs und in dieser Zeit habe ich micht sehr um sie bemüht. Vielleicht fühle ich mich deshalb auch so verantwortlich für sie. Sie ist 12 Jahre älter als ich. Ich bin das Nesthäkchen. Ja und sie ist allein. Sie hat zwar wechselnde Männerfreundschaften, aber sie lässt keinen lange bleiben, selbst wenn die Männer wollten. Da sind auch echt nette und ehrliche Kerle
            drunter. Wir Geschwister leben alle in stabilen Beziehungen. Ihr große Angst ist, im Alter allein zu sein. Aus meiner Sicht setzt sie momantan alles daran, dass dies Prophezeihung in Erfüllung geht.
            Mikamu: leider glaube ich, dass sie ein Alkoholproblem hat. Wir Geschwister sind alle keine Abstinenzler. Bei ihr kommt es aber regelmäßig bei zu viel Alkoholkonsum zu Dramen, z.B. plötzliches Laufen auf die Straße vor ein Auto oder die Bahn, Schreiben und Heulen in der Kneipe u.a. Wenn ich Sie daruf anspreche haben alle anderen ein Problem, nur sie nicht.
            Ich habe mir auch schon mal überlegt, ob es sein kann, dass ihre Persönlichkeitsstörung durch den Alkohol begründet ist. Je mehr ich darüber schreibe, je verzweifelter werde ich über die Situtation. Wie kann ein Brief da helfen? Na ja, schaden kann er eigentlich auch nicht. Vielleicht erleichtert er mich ein wenig.
            Darüber zu schreiben und eure Reaktionen zu lesen hilft schon.
            Ich fühle mich so ohnmächtig.
            Liebe Grüße
            Nichtraucherin

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              #7
              liebe nichtraucherin,

              deine herangehensweise, dich hier im forum mal mit aussenstenden über das thema auszutauschen, finde ich schon mal ein sehr guter ansatz. in der regel können menschen, die nicht direkt betroffen sind sachen objektiver beurteilen. was es einfacher macht, die geschichte aus einer anderen perspektive zu betrachten.

              wenn deine schwester ein alk-problem hat, ist das wirklich sehr schwierig. aber lösen oder ändern kann nur sie das.

              du kannst ihr die hand reichen und ihr vermitteln, dass du sie deswegen nicht verurteilst. aber schuldgefühle ........ damit geht es ihr nicht besser, sondern dir schlechter.

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                #8
                Liebe just me,
                genau was du sagst habe ich gestern auch verstanden.
                Überhaupt habe ich erst jetzt verstanden, dass der Alkohol das Zentrum des Problems ist. Früher war meine Schwester anders. In der Chemotherapie konnte Sie häufig nicht essen und hat deshalb nur Bier getrunken. Sie hat sich regelrecht am Bier festgehalten. Ich fand das damals auch OK, denn alles war gut, wenn sie sich nur besser fühlte. In meiner Vorstellung war ein Alkoholiker jemand der mindestens eine halbe Flasche Wodka o.a. trinkt. Ich habe Bier und Wein ausgebendet. Das war ein Fehler.
                Einer meiner Brüder sagt, dass sie erst ganz unten angekommen sein muss, um zu erkennen, dass wir für sie da sind. Das habe ich ja schon häufig gehört, wenn von Alkoholismus und Co-Abhängigkeit geredet wird. Da ich sie liebe, fällt es mir schwer das zu akzeptieren. Aber ich muss es wohl tun.
                Diese Erkenntnis führt aber schon bei mir dazu, dass ich mich besser fühle.
                Alkohol ist echt Sch--e!
                Viele Grüße

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                  #9
                  sorry nichtraucherin,

                  hier ist das ja weiter gegangen. schon eine ziemlich tragische geschichte, die mit dem bier und der chemo ...... mannomann, wer konnte denn sowas auch nur ahnen!

                  ich hoffe sehr, dass du dich nach wie vor besser fühlst und nun auch weisst, welche hilfestellungen für deine schwester sinnvoll sein könnten. aber wie gesagt, tun muss sie es selbst.

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