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muss man die eigenen eltern mögen?

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    muss man die eigenen eltern mögen?

    liebe leute,
    diese frage hat sich mir vor kurzem gestellt, als ich wiedermal so richtig die ganze negativität und "schwierigkeit" meiner eltern erleben musste.

    ich möchte ein positives leben führen, es aktiv und GUT gestalten und ich tue auch ziemlich viel dafür wie ich glaube. und es fällt mir manchmal schwer, mich vom "erbe" meiner herkunft zu lösen und eben NICHT so zu sein wie "SIE" sind. meine eltern sind oft sehr sehr negativ denkend, jammern über alles, tun aber nichts dagegen. ich mag das nicht.

    und eigentlich gibt es keine positiven erlebnisse mit ihnen, ganz selten nur sind sie mal gut drauf und wir erleben eine schöne gemeinsame zeit. meist aber komme ich zu besuch, und noch bevor überhaupt gefragt wird, wie´s mir geht oder so, beginnt schon die jammerei - die sich stundenlang hinziehen kann. da höre ich dann soviel selbstmitleid, frust und auch hass teilweise heraus, dass mir ganz übel wird.

    und da kommt dann die frage - muss ich meine eltern lieben? ich glaub ich mag sie nicht einmal. und prompt folgt natürlich das schuldgefühl hinter diesen gedanken. sie ist deine mutter - er ist dein vater!! du musst sie lieben!

    muss ich?
    ich würde es ihnen nie sagen - eh klar. nach außen hin bin ich die ruhige brave tochter, ich habe einfach aufgegeben, etwas gegen ihre jammerei und negativität tun zu wollen, ich hörs mir einfach an, bis es vorbei geht.

    aber innerlich denk ich mir - gott, hoffentlich werde ich NIE IM LEBEN so!
    und ich habe auch ANGST so zu werden - wirklich. weil ich seiten an mir merke, die einfach ähnlich sind. seiten an mir, die zum jammern u zur negativität neigen.

    ich lese ab und zu hier in beiträgen, wo jemand ganz offen und deutlich über z.b. die eigene mutter schimpft. sagt, dass sie dumm/blöd/gemein/intrigant ist usw - und da ist kein schlechtes gewissen dahinter.
    ich möchte gar nicht "schimpfen" oder so - ich möchte nur in mir selber gern ein wenig klarheit über das gefühl, das ich ihnen entgegenbringe.

    liebe ich sie? und wenn nicht - ist das dann okay für mich? oder "muss" ich sie lieben, weil sie meine eltern sind und es für mein verständnis von normalität und familie einfach so sein muss, dass ich sie liebe??

    ich habe keine ahnung ob das alles hier verständlich ist - aber falls ja - mich würden ein paar meinungen dazu interessieren.

    danke und alles liebe,
    m

    #2
    Du mußt gar nichts Ich habe z.B. den Kontakt komplett abgebrochen, und es war gut so.

    Aber hast du deinen Eltern mal ganz konkret gesagt, was dich stört und was sich ändern muß, damit du wieder gerne bei ihnen bist?

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      #3
      aw

      danke für deine antwort danny-mo,
      ich weiß - ich MUSS nicht - äußerlich betrachtet. es ist eher MEIN gefühl, das mich dazu zwingt sozusagen.

      ich will meinen eltern ja nicht weh tun! und ich denke es würde ihnen sehr weh tun, wenn ich auf konfrontation ginge. ich habe das in der vergangenheit erfolglos versucht - wobei ich sagen muss, dass diese versuche vielleicht etwas halbherzig waren.

      dadurch hab ich aber kein richtiges verhältnis zu ihnen. weil ich ihnen ja gar nicht sage was ich wirklich denke. sondern nur still dasitze, meine besuchs-zeiten absitze und dann wieder weg bin. das merken sie natürlich - dass da keine echte verbindung da ist. aber was soll ich tun?

      ich denke mir, wenn ich ihnen sage, ich komme nicht gern zu euch, weil es ja eh immer nur gejammer gibt und eigentlich fast keine positiven zeiten, dann würden sie sich erst recht wieder schlecht behandelt und als die "armen opfer" vorkommen.

      ich mag ehrlich gesagt nicht die sein, die meine eltern "erziehen" muss. ich weiß - es liegt an mir, das zu sagen was mich stört. aber ehrlich gesagt hab ich wenig interesse daran. ich habe mein leben und das ist sehr ausgefüllt - auch zeitlich! es bleibt wenig zeit, ich kann gar nicht jedes wochenende zu ihnen fahren.

      vielleicht ist das eh die antwort auf meine frage bzw mein ganzes thema. solange ich selber nicht das bedürfnis habe, was zu verändern und auch etwas dafür zu TUN, wird es wohl so bleiben wie es ist. und is auch okay so...

      nur manchmal nervt es mich halt so extrem, wenn sie wiedermal so richtig in ihrem loch sitzen und nur mit vorwürfen um sich werfen, dass wir ja so schlechte kinder sind...
      ich schätze irgendwann wird mir eh der kragen platzen und dann werd ich die dinge auch sagen. bis dahin... wirds wohl so weiter gehen.

      danke für deine antwort!

      Kommentar


        #4
        liebe mariliyn,
        liebe kann man nicht erzwingen...auch die liebe zu deinen eltern nicht....ich glaube, das wesentliche dahinter ist, dass du sie annimmst, wie sie sind, und trotzdem selbst gut für dich sorgst...dass du nur hingehst, wenn du glaubst, es tragen zu können...dass du nicht hingehst, wenn es dir nicht gut tut....
        ich finde auch, dass sie es wissen sollten...wie es dir geht....hast du es ihnen schon einmal gesagt? was wollen deine eltern? sind sie froh, wenn du kommst, weil sie sonst niemanden haben, dem sie ihr leid klagen können? oder wollen sie von dir anerkennung für getane arbeit? und was pasisert in oder vor den zeiten, wo es schön mit ihnen ist? könnte man da was beeinflussen?
        OS

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          #5
          bitte warte nicht, bis dir der kragen platzt..vielleicht ist die zeit, in der du nicht so emotional dabei bist, genau die richtige , um ihnen das zu sagen, was du uns schreibst! wie es DIR dabei geht! (ohne vorwürfe auf sie!)
          OS

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            #6
            Vielleicht kannst du auch einfach mal versuchen, ihnen quasi den Spiegel vorzusetzen, in dem du sofort anfängst zu erzählen, wie es dir geht. Wenn sie anfangen zu jammern, tu einfach so als würdest du das gar nicht hören, sondern du erzählst, was du erlebt hast, was dir Sorgen macht usw

            Ansonsten fällt mir nur diese Sache ein :

            Love it, Change it , or Leave it !

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              #7
              Hallo marilyn,

              die Frage hab ich mir auch schon öfters gestellt. Muss man seine Familie mögen. In den letzten Jahren hatte ich viele Probleme mit meiner Familie, so unterschwellige wie du sie auch beschreibst. Ich bin aus Pflichtgefühl zu ihnen gefahren und hab mich dabei aber geistig und emotional ausgeklinkt, weil ich das Gefühl hatte, dass sie sich sowieso nicht für mich interessieren und ich mich auch gar nicht mitteilen will.

              Ich kann gar nicht sagen, was jetzt wirklich der Wendepunkt war, aber inzwischen ist mein Verhältnis zu ihnen komplett verändert. Nach der Trennung von meinem Freund habe ich es zugelassen ihnen endlich einmal auch teilweise meine schwachen Seiten zu zeigen. Sie sehen zu lassen, dass es mir nicht gut geht. Das ist mir unheimlich schwer gefallen, aber irgendwie hat mir das echt geholfen. Sie, die immer Jammerer sind und mir nur Angst eingeimpft haben, haben mich vor einmal unterstützt, dass ich so stark bin und das sicher schaffe, dass sie für mich da sind. Und ich hab begonnen sie mit anderen Augen zu sehen.

              Ich hab mich dann auch getraut ihnen zu sagen, dass ich oft das Gefühl habe, dass sie kein Interesse an meinem Leben haben und da habe ich auch entdeckt, dass sie einfach nicht aufdringlich sein wollten, weil ich von mir aus nie etwas erzählt habe und dass sie auch das Gefühl hatten, dass ich kein Interesse an ihnen habe.

              Was ich jetzt also anders mache, ist, dass ich ihnen Interesse entgegen bringe, aber auch sage, hey, jetzt will ich mal was sagen, könnt ihr bitte zuhören. Und vor allem immer mehr Ehrlichkeit. Ich habe ihnen inzwischen auch gesagt, dass es mir nicht gut tut ihre Streitereien anzuhören, was sie wirklich lange und ausdauernd können und jetzt reißen sie sich in meiner Gegenwart zusammen.

              Natürlich sind nicht alle Eltern gleich, aber vielleicht musst du den ersten Schritt tun. Wenn sie Schuldgefühle versuchen zu wecken, dann gib sie ihnen zurück oder erkläre dich ehrlich. Wenn sie so negativ reden, dann sag ihnen, dass es dich runterzieht, wenn so darüber geredet wird und bring dich vor allem selbst ein. Mir fällt es noch immer nicht leicht, aber ich rede ihnen nicht mehr nach dem Mund und lasse sie auch endlich teilhaben.

              Also ich denke, du musst ja nicht gleich voll über sie drüber fahren, aber widersprich ihnen einfach mal. Zeig, dass du nicht unnahbar bist und sag, wenn dir was nicht passt ohne sie jetzt runterzumachen.

              Ich dachte auch immer, es gibt keinen Mittelweg, dass Konfrontation nur Streit bedeutet, aber man kann das auch in kleinen Dosen machen. Vielleicht schafft ihr das ja auch.

              Und ansonsten würde ich echt sagen, wenn es dich nur Energie kostet, dann schränk den Kontakt ein, man muss ihn ja nicht abbrechen, aber ich hatte auch nur sehr eingeschränkten Kontakt in den letzten Jahren, weil es mich deprimiert hat. Sowas kann sich auch wieder ändern.

              Achja und die Schuldgefühlmasche wird auch weniger wenn man sie aushält. Meine Eltern haben am Anfang dauernd gesagt, warum rufst du nicht öfters an usw. Ich hab dann immer gemeint, wenn sie mit mir reden wollen, dann sollen sie anrufen, weil das Telefon funktioniert in beide Richtungen und wenn nicht laut, dann hab ich es zumindest innerlich zu mir gesagt.

              Liebe Grüße
              Meralia

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                #8
                hallo Marilyn,

                das ist ein ganz interessanter punkt, dieser, ich will nicht so werden wie sie...je mehr wir das nicht wollen, umso größer die gefahr...
                ich brauchte eine gute therapeutin, die mir quasi die gute mutter, die ich nie hatte, für einen zeitraum von 2,5 jahren, war. ich glaube,das war die grundlage, um mich intensiv mit dem thema eltern und liebe oder nichtliebe zu ihnen auseinandersetzen zu können.
                ein stück erwachsener zu werden. ich steckte irgendwie in der pubertät fest. meine eltern sind auch sehr jammerig und voller frust und hass...viel geschrei aber keine konstruktive auseinandersetzung..

                vielleicht kommt die antowrt auf die frage nach liebe später, mir hat es geholfen, mich erstmal mit verstehen ihrer geschichte, die sie zu dem gemacht hat, was sie heute sind, und jahre später dann mit verständnis und mitgefühl, zu beschäftigen. ich vermute, dass ich sie irgendwo liebe... bin mir da aber auch nicht sicher...sie machen es einem nicht leicht, sie zu lieben...hassen und ablehnen fällt deutlich leichter...aber ich will sie akzeptieren können, so wie sie sind und unabhängig davon meinen weg gehen....leicht ist das wahrlch nicht.

                neee, schuldgefühle hab ich nicht mehr...meistens...wenn ich sie respektiere, kann ich schließlich auch das gleiche verlangen...
                ich darf keine lust auf sinnlose streitereien haben... ich muss mir kein gejammer anhören...den tipp mit dem einfach drüber weggehen und das thema auf was anderes lenken, was von dir erzählen, find ich auch gut...

                liebe grüße

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                  #9
                  muß man die eigenen eltern lieben

                  hallo ihrs
                  ich hab ein ganz schwieriges verhältnis mit meiner ma (pa ist gestorben) u. zwischendurch waren immer mal kontaktpausen nötig......
                  inzwischen geh ich mit kontakt so um, daß ich lediglich meine ma telefonisch begleiten, tröste, auffange (sie sitzt inzwischen im rolli mit einem apoplex) und ich gestehe mir zu, daß meine kindheit bestialisch war und ich stolz auf mich sein kann, wenn ich sie wenigstens telefonisch begleiten, ihr zuhören, ihr sinnbildlich mal über'n kopf streicheln kann.
                  MEHR ist leider nicht drin.

                  ich würde meine ma gerne lieben und ich frag mich, was mit mir passiert, wenn sie stirbt, ob ich mir vorwürfe mache, nicht MEHR kontakt gemacht zu haben aber ich bekomm es einfach nicht hin.

                  o mano .... schwieriges thema habt ihr da
                  gruß adele

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                    #10
                    Zitat von adele 1 Beitrag anzeigen
                    ich würde meine ma gerne lieben und ich frag mich, was mit mir passiert, wenn sie stirbt, ob ich mir vorwürfe mache, nicht MEHR kontakt gemacht zu haben aber ich bekomm es einfach nicht hin.
                    Liebe Adele,
                    wenn im Moment nicht mehr geht, dann ist es gut so wie es ist. Zwingen hilft da nicht.

                    Liebe Grüße,
                    Frau Anfängerin

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                      #11
                      liebe marilyn -

                      man MUSS seine eltern nicht IN ALLEN IHREN WESENSZÜGEN gernhaben...
                      es ist auch dort, glaub ich, wie bei allen anderen menschen: man MUSS NIEMANDEN gernhaben, und es gibt auch bei denen, die man mag, seiten/ dinge/ situationen, die man nicht mag, die man sich anders wünschen würde, die einem nicht gut tun,....

                      ich konnte das gefühl, meine eltern zu "lieben" (was immer das be-inhalten mag - für dich wahrscheinlich was andres als für mich) erst wieder zur verfügung bekommen, nachdem ich mich aus den alten rollenbindungen ent-lassen konnte und die alten vorschreibungen von "achten und lieben"... ersetzt hab durch eine einigermaßen gleich-erwachsene begegnung. als gegen-über.

                      das ist nicht ohne krisen, streitgespräche, grenzziehungen, ängste, ent-täuschungen und traurigkeiten -sprich ohne "weh-tun" - gegangen. ... auf beiden seiten.
                      weils ohne eben nicht geht!

                      Zitat von marilyn0210 Beitrag anzeigen
                      ich will meinen eltern ja nicht weh tun! und ich denke es würde ihnen sehr weh tun, wenn ich auf konfrontation ginge. ...... dadurch hab ich aber kein richtiges verhältnis zu ihnen. weil ich ihnen ja gar nicht sage was ich wirklich denke.
                      das heißt aber auch, daß sie dich so wie du jetzt bist, nicht kennen können...

                      und als ich mal mit meiner tochter eine ähnliche situation hatte - nach längerem "irgendwie ist was falsch"gefühl hat sie mir trotzdem mal ihre sorgen mitgeteilt und daß sie etwas nicht täte, und mir schönwetter vorspielte, weil ich dann von ihr enttäuscht wäre und sie aber meine "akzeptanz" nicht verlieren wollte...
                      da hab ich bemerkt, daß es zwar oft wehtat, mit ihr zu streiten, dinge und grenzen und ansichten oft recht emotional oder kontrovers zu klären, aber daß es mir noch mehr weh tat, daß sie sich in ihrem eigentlichen wesen vor mir verborgen halten mußte, daß ich irgendwie meine tochter "verpaßte", nimmer wirklich wußte, wer sie war und wo sie stand....

                      Zitat von marilyn0210 Beitrag anzeigen

                      aber was soll ich tun?
                      du mußt ja vielleicht nicht "auf konfrontation" gehen... es würde vielleicht genügen, wenn du ihnen IM MOMENT einfach mitteilst, was da jetzt bei dir abläuft:
                      • "ich fühl mich jetzt mies, weil ich heraushöre, daß ...."
                      • "ich will das gar nicht mehr hören, weil ich euch/dir da jetzt auch nicht helfen kann, das mußt du lösen"
                      • "ich würd mir so wünschen, euch gern besuchen zu kommen, aber ich merk, ich hab immer angst vor euren vorwürfen, und dem gefühl, eigentlich mögt ihr mich gar nicht so, wie ich eben bin, und drum komm ich lieber seltener, weil mir das schon auch wehtut"...
                      (oder so eben irgendwie... nur als illustration)

                      Zitat von marilyn0210 Beitrag anzeigen
                      ich denke mir, wenn ich ihnen sage, ich komme nicht gern zu euch, weil es ja eh immer nur gejammer gibt und eigentlich fast keine positiven zeiten, dann würden sie sich erst recht wieder schlecht behandelt und als die "armen opfer" vorkommen....
                      ich mag ehrlich gesagt nicht die sein, die meine eltern "erziehen" muss.
                      a) wie deine eltern entscheiden, mit der wahrheit umzugehen, das kannst du nicht beeinflussen.... du mußt ihnen die opferrolle nicht abnehmen, wenn sie sie für sich auswählen...
                      und damit, daß du nicht sagst was ist, nimmst du deinerseits eine opferrolle an, merkst du das?
                      b) klar sagen, was du brauchst, hat nix mit erziehen zu tun...
                      und c) traust du ihnen denn nicht zu, daß sie mit ihrem "schmerz" schon so umgehen werden, wie es für SIE richtig ist? ... die erste reaktion ist nicht immer die letzte reaktion übrigens...


                      Zitat von marilyn0210 Beitrag anzeigen

                      vielleicht ist das eh die antwort auf meine frage bzw mein ganzes thema. solange ich selber nicht das bedürfnis habe, was zu verändern und auch etwas dafür zu TUN, wird es wohl so bleiben wie es ist. und is auch okay so...
                      ich denk auch: man kann erst tun, was man tun will, wenns "zeitig ist"...
                      aber manchmal hat man das bedürfnis sehr wohl, nur eben auch gute gründe (befürchtungen, überforderungen, etc) ... die IM MOMENT eher dagegensprechen. man muß einer auseinander-setzung (das mein ich positiv - auseinander-setzen, was zu verschwommen und verwickelt ist, damit alles an den passenden platz kommt) auch gewachsen sein.
                      vielleicht ists drum auch vorher nötig, sich zu überlegen, was bei sich selbst vorhanden ist, was man sich vorher erst noch schaffen muß, damit die "übung gelingen kann"...
                      sogesehn denk ich mir: du bist ja eh schon unterwegs: du denkst drüber nach...
                      und sooo wenig liebst du deine eltern auch nicht, wie du schreibst - denn dann wärs dir nämlich kletzen-wurst, wie sie sich dabei fühlen und ob du ihnen weh tust...


                      lg, und grüße,
                      die windfrau

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                        #12
                        Hallo Marilyn, hallo Forumler(innen),

                        ich möchte euch gern meinen Umgang mit meinen Eltern schreiben.

                        Ich liebe meine Eltern.

                        Das war nicht immer so, habe auch ihr leben verurteilt und keinen Kontakt mehr mit ihnen gehabt. In dieser Zeit habe ich auch sehr gut gelebt, dachte ich bis vor drei Jahren.

                        Damals habe ich mich getrennt und angefangen mich zu finden. Das hat die "Wende" eingeleutet.

                        Ich finde das Leben was Sie führen in Teilen nicht gut, kann es für mich nicht annehmen muss ich auch nicht.
                        Es wird auch gejammert und geschimpft auf alles und jedes. Aber für mich ist es wichtig zu wissen wo meine Wurzeln liegen. Sie sind für einige meiner Denkmuster verantwortlich und diese möchte ich verstehen.
                        Um das Plastischer darzustellen. Säge ich die Wurzel an einem Baum ab, ist dieser Tot. Und das war ich vorher.
                        Seit dem ich den Kontakt und die Liebe wieder hergestellt habe geht es mir besser.
                        Was mir wichtig ist, das ich Sie bedingungslos Liebe, ich will und muss Sie nicht ändern. Sie leben in ihrer Welt und die ist so gut wie sie ist.

                        Natürlich gibt es auch Momente und Situationen die mich nerven. Darüber sprechen wir denn auch. Meistens ist der Konsens, das wir das Thema wechseln. Für mich ist aber eine Bereicherung ihre Version und Gedanken von Situationen aus meiner Kindheit zu erfahren. Das hilft mir! Und in diesen Gesprächen gibt es kein jammern. Was mir aber auffällt ist das auch sie sich verändern. Warum oder wieso habe ich noch nicht erfragt, aber es ist schön zu sehen.

                        Dazu muss ich noch sagen das ich meine Eltern ca 6 mal im Jahr sehe und in der Zeit kann ich mich auch mal etwas zurück nehmen.
                        Der Gedanke sie zu beerdigen und nicht alle Fragen gestellt zu haben ist für mich unverzeilich.
                        So freue ich mich jedesmal wenn ich zu ihnen fahre und genauso wenn ich wieder nach Hause fahre.
                        Das Gefühl nicht alle Fragen gestellt zu haben geht mir mit meinen Großvater so, er starb als ich 6 war und es beschäftigt mich manchmal heute noch.

                        Erwähnen möchte ich noch, das diese Erkenntnis nicht von allein gekommen ist. Bei meiner Trennung vor 3 Jahren habe ich sehr an meinem Selbst gekratzt und war auf der Suche nach Lösungen.
                        Geholfen hat mir die Synergetik.
                        Das hat das Verhältnis mit meinen Eltern bereinigt und ich konnte ohne Erwartungen auf sie zu gehen.

                        Ich hoffe ich habe mich Verständlich ausdrücken können und möchte
                        nocheinmal darauf hinweisen, dass dies meine Erfahrungen sind.
                        Jeder muss den Umgang für sich selber finden!

                        Viele Grüße
                        Stefan

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                          #13
                          Liebe und Vergebung - ein langer Weg, den ich weitergehen möchte

                          Liebe Marylin, liebe Forumels,

                          ich bin um dieses Thema etwas herumgeschlichen und schriebe jetzt doch dazu.

                          Nun schreibe ich mir einiges von der Seele und hoffe, daß meine Erfahrungen jemandem nützen können. Ich habe noch einen langen Weg vor mir, zumindest was das Verhältnis zu meiner Mutter angeht, aber mit meinem Vater und meinem Bruder komme ich inzwischen besser klar, sodaß unsere immer schon vorhandene Liebe zueinander eine bessere Ausdrucksform findet. Auch mit meiner Mutter komme ich inzwischen besser klar, doch es bleibt sehr kompliziert, denn sie war und ist mir gegenüber sehr ambivalent in ihren Gefühlen.

                          Das Verhältnis zwischen meinen Eltern und mir (und auch das meines Bruders zu ihnen und zwischen ihm und mir) hat sich im Laufe der Zeit verändert.

                          Als Kind und Jugendliche habe ich für meine Mutter die Rolle der Erwachsenen übernommen (sie war depressiv und selbstmordgefährdet und auch körperlich krank), habe mich von ihr emotional aussaugen lassen. Darüber bin ich selbst krank geworden, aber das konnte sich nur so entwickeln, weil mein Vater emotional (und oft auch physisch) abwesend war, mein Bruder auch krank war, und ich mit Lehrern und Mitschülern Probleme hatte. Verwandte gab es kaum und wenn, dann waren sie uninteressiert oder anderweitig mit sich selbst beschäftigt. Ich habe damals Nachbarn oder Freunde der Familie nicht als mögliche Anlaufstelle gesehen und fühlte mich völlig alleine.

                          Ich gebe ihr also nicht allein die Schuld, denke aber immer noch, daß sie sich als ausgebildete Psychiatriekrankenschwester professionelle Hilfe hätte suchen könne und müssen. Sie wußte, was mit ihr los war (das hat sie mir bestätigt, aber angeblich hat sie sich wegen meines gefühlskalten Vaters nicht getraut, Hilfe zu suchen, sondern sich an mich geklammert).


                          Meinem Bruder habe ich seine physischen und psychischen Attacken und Grausamkeiten vergeben. Z.T. rührten sie von seiner psychischen Erkrankung her, z.T. waren es die üblichen Geschwisterkabbeleien. Wir haben heute ein gutes Verhältnis. Selbst in den schlimmsten Zeiten haben wir uns geliebt, auch wenn wir uns übelst gestritten, beleidigt oder verprügelt hatten. Er hat aber als junger Erwachsener sehr an sich gearbeitet, wir respektieren und schätzen uns. Ich hatte ihm schon vorher verziehen, es ihm aber nicht erzählt.

                          Für mich liegt darin ein Schlüssel: Das Verzeihen hat mehr mit mir als dem anderen zu tun, aber es fällt mir leichter, wenn der andere sich dann (später) auch etwas bewegt.


                          Mein Vater hat inzwischen gelernt, seine Gefühle zu äußern, sodaß ich erst als Erwachsene erfahren habe, daß er mich liebt. Das hätte ich nie gedacht. Denn für ihn war ich v.a. intellektuelle Sparringpartnerin und er ist ziemlich misogyn. Daß ich als Mädchen in vieler Hinsicht begabt war, war für ihn einerseits gut, weil er mich dann wie eine Erwachsene behandeln konnte (also knallharte Leistungsansprüche stellen, die ich verinnerlich hatte – also mit 40°C Fieber eine Mathematikklausur mitschreiben u.ä.), andererseits aber sicher nicht angenehm für sein Weltbild. Denn ich stellte ihn und seine angebliche Rationalität logisch argumentierend in Frage.


                          Meine Mutter hingegen hat sich kaum geändert, und ich habe es noch nicht geschafft, ihr die damalige Überforderung zu vergeben. Ich denke, daß ich sie liebe. Aber ich kann ihr momentan noch nicht verzeihen, auch wenn ich denke, daß es für mich (und auch für sie?) besser wäre. So bin ich zu sehr mit der Vergangenheit beschäftigt und das tut mir nicht gut. Meine Mutter ist zerfressen von Schuldgefühlen. Ich denke aber, daß ich ihr die nicht werde nehmen können.

                          Ich bin heute nicht mehr so beschützend wie damals. Z.B. erzähle ich ihr, wenn es mir schlecht geht, weil auch das ein Teil meines Lebens ist. Sie muß dann damit umgehen, daß das bei ihr vielleicht die bestehenden Schuldgefühle verstärkt, denn auf der anderen Seite erzähle ich auch viel von Erfolgen.


                          Ich denke, daß Du Deine Eltern als die erwachsenen Menschen, die sie sind, behandeln solltest. Es ist ungeheuer anstrengend, wenn Menschen nur das Negative sehen, darüber jammern und alle Vorschläge, die Lage zu verbessern, sofort im Keim ersticken. Doch damit muß man sich nicht abfinden.

                          Meine Mutter ist als Depressive par excellence sehr gut im Katastrophisieren, was es für mich auch schwierig macht mit ihr umzugehen (ich bin auch eine von denen, die sich viel Sorgen machen. Aber ich überprüfe den Wahrheitsgehalt der Sorgen und arbeite bei den gerechtfertigten Sorgen daran, daß sie nicht Wirklichkeit werden). Ich habe deutlich gemacht, daß ich Mitgefühl habe, aber lieber anderes hören möchte als ihre negativen Äußerungen. Inzwischen hält sie sich mit den negativen Punkten mehr zurück und besinnt sich mehr auf ihren Humor und ihre erzählerischen Talente, aber manchmal bricht die Negativität wieder voll durch. So hat sie mir vor kurzem einen Brief geschrieben, der von testamentsartigen Stücken durchsetzt ist (also: wenn mir was zustoßen sollte, gehen diese Stücke an Frau XY und jene an Frau YZ). Auf dem Briefumschlag stand: In dem und dem Fall nicht wiederbeleben. Das rührte in mir vieles wieder auf (schließlich gab es Zeiten, in denen sie täglich ihre Beerdigung mit mir durchgesprochen hat). Damit kann ich in dieser Form schlecht umgehen, weil ich mich überfallen fühle und es mir gerade selbst nicht gutgeht. Ich habe darum gebeten, daß sie ein offzielles Dokument erstellt und so hinterlegt, daß wir - mein Bruder und ich - es im Ernstfall finden können. Vielleicht hilft das ja.




                          Also: beobachte, was Du empfindest und versuche einen besseren Weg im Umgang mit Deinen Eltern zu finden. Vielleicht ändern sie ihr Verhalten dann auch. Denn wenn Du ihnen nicht zeigst, daß sie Deine Grenzen überschreiten, werden sie wahrscheinlich nicht merken, wie sehr sie Dich belasten und ihr Verhalten auch nicht ändern. Falls Deine Bemühungen doch keinen Erfolg haben sollten, kannst Du den Kontakt immer noch reduzieren.


                          Danke für Eure Geduld beim „Zulesen“!

                          Liebe Grüße von der Freundin der Weisheit

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                            #14
                            danke nochmal

                            ihr lieben!
                            ich hätte gar nicht gedacht dass es doch soviele menschen so sehr beschäftigt - dieses thema!

                            DANKE für eure gedanken.
                            ich werde das alles bei gelegenheit nochmal sickern lassen - im moment beschäftigt mich leider gerade ein anderes thema ganz akut.

                            danke euch!
                            m

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                              #15
                              hallo,
                              lese gerade "meine spirituelle biographie" des dalai lama....darin fand ich folgende zeilen, an denen ich hängen geblieben bin und die in diesen faden passen:
                              "...da ein kind nicht ohne die fürsorge eines anderen menschen überleben kann, kjommt der liebe eine zentrale rolle zu. heutzutage wachsen viele kinder in unglücklichen familien auf. aufgrund eines mangels an zuwendung werden sie später in ihrem leben ihre eltern wahrscheinlich nicht lieben und traurigerweise oft auch schwierigkeiten haben, andere menschen zu lieben. ..."

                              (in den zeilen danach wird grosser wert auf die menschliche wärme, freundlichkeit und zuwendung gelegt...darauf hingewiesen, wenn zwei dasselbe tun, der eine mit, der andere ohne obigen zutaten...wie unterschiedlich doch die wirkung sein kann......)

                              mutter sein ist nicht gleich muttersein, vater sein ist nicht gleich vater sein und kindsein ist nicht gleich kindsein......
                              OS

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