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Meine Herkunftsfamilie und unser Unverständnis

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    Meine Herkunftsfamilie und unser Unverständnis

    Hallo,

    heute hatten wir mal wieder ein Familientreffen, weil die Oma vor 2 Wochen gestorben ist. Wir sind eine große Familie (10 Geschwister innerhalb von 12 Jahren).
    Von Grund auf versucht jeder auf seine Art ein "gutes" Leben zu führen, aber am Ende sind sich die meisten von uns fern.
    Es gibt 2 Brüder, mit denen bin ich mir nah, nicht so nah wie mit meinen besten Freundinnen, aber sie sind immer für mich da.
    Mit den Schwestern ist es schwieriger. Mit einer war ich als Kind nah, mit der anderen in der Jugend und mit der anderen als junger Erwachsener. Die älteste Schwester stand mir nie wirklich nah.
    Wir hatten keine ganz einfache Kindheit und so wird manchmal - gerade von 3 Schwestern - schlecht über meine Mutter geredet. Ich finde es daneben, denn jeder hat ein Recht auf ein eigenes Leben - auch meine Mutter.
    Am Ende bin ich dann quasi supergescheit, weil ich da eben nicht mitziehe.
    Ich finde es echt schade, dass ich nicht wirklich eine Chance sehe, dass wir uns wieder näher kommen.

    Gibt es da Möglichkeiten?
    Ich fände es einfach schön, wenn wir uns näher kämen. Wir haben ähnliche Gene, kennen uns von Baby an usw.

    Es ist schade, wenn man sich nicht stehen lassen kann. Aber am Ende tue ich es evtl. ja auch nicht?!?

    Freue mich über interessante Antworten aus eurem Leben.

    #2
    Ich denke man muss nicht jeden aus der Familie unbedingt mögen. Es gibt immer einige Personen innerhalb dieser Gruppe zu denen hat man einen besseren Draht als zu anderen.
    Ein Fortschritt ist es doch schon, wenn man niemanden schadet und dazu würde ich auch das herabsetzen oder schlechtreden zählen.
    Wenn Du zu Deinen Geschwistern eine nähere Beziehung möchtest, kanns Du dies ja intensivieren, Du merkst ja, ob darauf eingegangen wird. Erzwingen kannst Du nichts.

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      #3
      Es ist noch nicht einmal so, dass ich sie nicht mag. Ich finde meine Geschwister schon interessant, aber ich glaube, ich verstehe sie nicht.
      Aber an dieser Stelle sollte ich mir einfach zugestehen, dass ich nicht jeden verstehen muss.
      Ich finde es nur jedesmal schade wenn wir uns treffen, weil das teilweise so wenig Nähe zugelassen wird.
      Wir hätten uns bestimmt einiges zu sagen, aber es bringt nicht wirklich etwas. Auf der anderen Seite hat mir die oft recht harte Kritik meiner Geschwister schon auch etwas gebracht. Es hat mich dazu gebracht, mich mal ordentlich in den Spiegel zu schauen und mich zu hinterfragen, was denn eigentlich meine Beweggründe sind.

      Naja, ich hätte halt gerne Harmonie und Liebe. Aber das sind eben nur Wünsche. Und wenn ich ganz ehrlich bin, sollte ich es wohl einfach stehen lassen. Mein Leben ist auch so recht bunt.

      Danke Hubert für Deine Antwort!

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        #4
        Respekt

        Hallo dasLeben,

        Deine Haltung flößt mir Respekt ein.

        Du scheinst einige Dinge verstanden zu haben, die anderen Menschen ihr Leben lang nicht aufgehen.

        Z.B. daß Ihr alle unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Herangehensweisen ans Leben seid und Du sogar gemerkt, hast daß Du von diesen Differenzen lernen kannst.

        In einer so großen Familie ist es wahrscheinlich noch schwieriger, mit allen engeren Kontakt zu haben. Auf der anderen Seite hast Du aber auch mehr Auswahl als Menschen mit nur einem oder sogar keinem Geschwister.

        Und auch obwohl Ihr in derselben Familie ausgewachsen seid, habt Ihr nur einen Teil Eurer Erfahrungen gemein, während sich aus dem verschiedenen Altern, Temperamenten und Beziehungen untereinander und zu den Eltern auch Unterschiede ergeben.

        Ich habe schon so oft beobachten müssen, daß sich Geschwister oder Eltern und Kinder so fremd sind, daß es irgendwann zum Bruch kommt, deswegen finde ich es bewundernswert, daß das offenbar bei Euch nicht der Fall ist. Auch Menschen, die in dieselbe Familie hineingeboren sind, können so unterschiedlich sein, daß sie nichts miteinander anfangen können, weil es einfach keine Anknüpfungspunkte gibt.

        Vielleicht überlegst Du mal für jedes Deiner Geschwister, was Euch verbindet und was Euch trennt, und überlegst dann, mit wem Du Dich am intensivsten beschäftigen möchtest. Vielleicht verstehst Du dann auch eher die Perspektive aus der heraus die anderen urteilen.

        Liebe Grüße
        Freundin der Weisheit

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          #5
          Liebe Freundin der Weisheit,

          ich habe mal überlegt, ob ich allen meinen Geschwistern einen Brief schreibe. Falls ich mal zu früh sterbe (mein Mann ist mit 41 gestorben), dann sollen sie zumindest nicht meinen, ich habe sie nicht auf ihre Art auch geliebt.
          Manchmal bleibt einfach so viel unausgesprochen und das finde ich traurig. Aber manche Dinge kann man einfach nicht sagen, sie werden doch nicht verstanden.
          Stell Dir vor, man ist tot und dann erhält man noch einen Brief und der hebt dann so manches auf. Ich stelle mir das super vor.
          Nun, ich habe nicht vor zu sterben, habe 2 kleine Kinder und bin soweit recht zufrieden. Aber man weiß eben nie, wann das Leben hier auf der Erde zu Ende ist.

          Deine Idee mit dem verbinden und trennen finde ich interessant und ich werde wirklich mal darüber nachdenken.

          Liebe Grüße
          DasLeben

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            #6
            Mir wäre es lieber, ich erhielte den Brief, wenn du noch lebst. Warum machst du das nicht jetzt?

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              #7
              Zu Lebzeiten habe ich es schon versucht, aber es hat nur zu Verwirrungen geführt.
              Wenn jemand tot ist und man hat noch unausgesprochene Sachen, dann ist es schön, wenn man zumindest einen Brief von demjenigen erhält, in dem er schreibt, dass es schon o.k. ist, wie es eben ist.
              Wenn jemand tot ist, sieht man die Dinge anders. Ist froh um jedes Lebenszeichen.
              Wenn jemand lebt, denkt man, was will der denn schon wieder...
              Nicht jeder, aber viele...

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                #8
                Hallo,

                ich bin die Jüngste von 11 Geschwistern, inzwischen leben schon einige nicht mehr. Ich hab nur noch Kontakt mit meiner nächstälteren Schwester. Wir sind auf einer Wellenlänge, können uns alles sagen, das war mit den anderen nie so. Ich hab den Anspruch aufgegeben, mich mit allen verstehen zu wollen. Wir hatten auch nie so den Kontakt, weil die Eltern früh gestorben sind.
                Ich hab mich oft gefragt, warum ich so eine grosse Familie hab, wenn man dann doch keinen Kontakt hat. Darauf hab ich nie eine Antwort gefunden.

                Einer Schwester hab ich mal einen langen Brief geschrieben, da kam nie was zurück. Auf der Beerdigung meiner ältesten Schwester hat sie mich nicht gegrüsst, meine Tochter auch nicht.
                Das wär eine Chance gewesen, aber sie wollte nicht.

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                  #9
                  Zitat von DasLeben Beitrag anzeigen
                  Liebe Freundin der Weisheit,
                  Ich habe mal überlegt, ob ich allen meinen Geschwistern einen Brief schreibe.

                  Liebe Grüße
                  DasLeben
                  Einen Brief an die geschwister schreiben halte ich für eine gute Idee. Wenn es keine geschwisterliche Zusamenkünfte gibt, und du ihnen noch etwas zu sagen hast dann kannst du für dich abschließen. Neme die möglichen Antworten einfach hin wie sie sind. Die Haltung dir gegenüber hat nur mit ihnen selbst zutun. falls keine Antwort kommt ist es auch eine Aussage über sich selbst. Du weist dann wie sie jetzt ticken.

                  Es kann für mich die Zeit kommen da möglicherweise den Kontakt zu meinem Bruder abbreche. Dies ist nicht sein Problem. es ist meines. Dennoch würde ich einen Abschlussbrief schreiben und damit verbinden ihm Wege aufzuzeigen. Mehr ist erstmal nicht möglich.

                  Wiriefe haben den Vorteil, dass sie zumeist, wenn auch vielleicht nur aus Neugier, gelesen werden, wärend ein Gesprächsaustausch bei einer verhärteten Front nicht möglich ist.

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                    #10
                    Nachtrag

                    Hallo DasLeben,

                    Ich freue mich, daß Du Dich mit diesem schwierigen Thema beschäftigst und das Schreiben von Briefen an Deine Geschwister, egal ob und wann sie die erhalten, kann auch eine interessante Art sein, Euer Verhältnis zu reflektieren.

                    Ich verstehe, daß Du nach vergeblichen Anläufen die Briefe eher für Deinen unerwarteten Todesfall schreibst, als sie direkt an die Personen zu schicken.

                    (Exkurs: Meiner Mutter hatte ich mal einen langen Brief geschrieben, in dem ich zu erklären versuchte, was für mich gut und was schlecht in meiner Kindheit war. Offenbar hat sie das tief getroffen, obwohl sie auch vorher massive Schuldgefühle hatte. Ich hatte versucht, die auf ein realistisches Maß zu bringen, indem ich mich explizit dazu äußere, denn sie hat Grund für reichlich Schuldgefühle. Leider hat sie jetzt Angst, wenn ein Brief von mir kommt.

                    Manchmal ist es möglich in Briefen mehr auszusprechen als im Gespräch. Das kann eine Chance sein, birgt aber auch ein Risiko. Mein Freund z.B. wußte nicht, wie scheceht seine Mutter von ihm denkt, bevor sie das schriftlich ausgedrückt hat. Er war damals wegen Depressionen stationär in Behandlung und sie warf ihm schlimmes vor, weil sie offensichtlich garnicht verstanden hatte, daß er krank war.)

                    Wichtig ist, ob man überhaupt Anknüpfungspunkte hat, egal ob das eine ähnliche Lebenssituation ist oder ähnliche Hobbies.

                    Gestern abend bedauerte eine ehemalige Kollegin laut, daß sie wenig Kontakt zu ihren Geschwistern hat, v.a. aufgrund räumlicher Entfernung. Aber sie sagte auch, daß sie sich nicht für deren Leben interessiert und diese auch nicht fragen, was sie macht oder wie es ihr geht. Sie macht momentan ihre Doktorarbeit im Labor; daß ihre ältere Schwester Kinder hat (Geschichten über Windeln) und die jüngere studiert (was sie selbst schon hinter sich hat, weswegen sie das Leben ihrer Schwester kindisch findet), findet sie langweilig. Tut mir Leid, aber da kann doch kein Kontakt entstehen.

                    Ich wünsche Dir, daß Du wenigstens zu einigen Deiner Geschwister den Kontakt halten kannst, aber je älter man wird, desto mehr entwickeln sich oft die Lebenswelten und Alltagsprobleme auseinander. Deswegen würde ich nicht zu viel erwarten.

                    Viele Grüße
                    Freundin der Weisheit

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                      #11
                      Liebe Freundin der Weisheit,

                      es ist sehr interessant, was Du schreibst.

                      Ich habe so in den letzten Tagen festgestellt, das Thema beschäftigt mich, bedrückt mich aber nicht. Die Konfrontationen zeigen, es gibt da die nicht ganz glückliche Familie, aber ich MUSS nicht mit ihnen können.

                      Ich bin die jüngste von den ganzen Schwestern. Das heißt, ich soll mich bitteschön auch so verhalten. Das Problem ist wohl, dass ich mich schulisch immer leichter getan habe, bessere Jobs hatte, eine glückliche Ehe...
                      Wenn ich schwach und bedürftig war, dann war es o.k. Aber in Zeiten, in denen es mir gut geht, halte ich mich einfach nicht an die Rangfolge.

                      Lustigerweise sind meine 2 besten Freundinnen auch die jüngsten Mädchen in großen Familien. Offensichtlich scheint da ein Verstehen da zu sein, was unterbewußt abläuft.

                      Ja, diese Familienzusammenhänge sind echt spannend und wirklich auskommen tut man nicht, außer man bricht komplett. Aber dafür ist mir vieles in meiner Familie zu wertvoll. Also werde ich es wohl aushalten und die Dinge, die wirklich zum Denken anregen aufgreifen. Und mit manch einer Kritik an mir haben meine Geschwister ja wirklich Recht. Die Art es zu sagen läßt leider manchmal zu wünschen übrig. Aber wer ist schon ohne Fehler?

                      In einer ruhigen Minute werde ich mich hoffentlich bald mal hinsetzten und Briefe schreiben - vielleicht ist es am Ende nur für mich, um einfach mein Gefühle und Gedanken zu sortieren.

                      Viele Grüße,
                      DasLeben

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