Hallo Forumels!
Ich bin gerade durch einen Beitrag von Eámanë in einem anderen Faden auf dieses Thema, das mich immer mal wieder beschäftigt, gestoßen worden:
Eltern lieben immer...????
Ich denke und empfinde es nicht so, das man sich die Vergangenheit in der Form schön reden müssen sollte: Natürlich haben meine Eltern mich geliebt, sie konnten es nur nicht zeigen, waren selbst...., hatten Probleme mit....
Nein: MEINE Eltern glaubten wenn überhaupt vielleicht mich zu lieben und orientierten sich dabei an ihren eigenen Erfahrungen. Aber sie waren nicht dazu in der Lage. Und sind es bis heute nicht, denn sie lieben sich selbst ja auch bis heute nicht. Und mit den Auswirkungen muss ich mich heute auseinandersetzen.
Es fühlt sich für mich falsch an, das was mir gefehlt hat auch noch als "von mir als Kind aus Unverständnis falsch verstanden/empfunden" zu definieren, nur damit ich damit umgehen kann. Denn das ist einer der schlechten Glaubenssätze der mir noch heute anhängt, mich massiv behindert und : "Das ist doch gar nicht wahr, wie du das siehst, du bildest dir das ein, du hast kein Recht so zu fühlen". Für mich ist einfach Fakt, dass ein Kind Zärtlichkeit, Annahme, Motivation, Leitung und Nachsicht (und noch einiges mehr, was in der Gesamtheit "geliebt werden" bedeutet) einfach benötigt wie essen und trinken, um gesund aufzuwachsen. Fehlt etwas davon, sind Mangelerscheinungen die Folge, körperlich, geistig oder seelisch. Und die kann man nicht dadurch heilen, dass man sie "wegversteht", der entstandene Mangel ist da und bleibt auch da, wie ein Knochenbruch der zwar heilen kann, aber niemals weg ist. ...
Frage ist, wie gehe ich mich dem kaputten Knochen um? Ich muss eben entsprechend vorsichtig sein, lernen, wie ich mich bewege und mit der Einschränkung lebe und Lebensqualität finde.
Ich spürte spontan eine Erleichterung bei diesem Text.
Ja... genau... DAS ist es. Ich habe nie gespürt, dass meine Mutter mich geliebt hat. Es ist so einfach, wieder in mein altes Muster zu verfallen: "Das ist jetzt wieder eine Deiner Wahrnehmungsstörungen... in Wirklichkeit liebt sie dich/hat sie dich geliebt... sie konnte es nur nicht zeigen." Die "andere" Wirklichkeit zu ertragen, dass sie mich tatsächlich nicht geliebt hat (im Sinne von bestärken, unterstützen, annehmen, wertschätzen, respektieren, warme herzliche Gefühle für mich empfinden, Nähe, Kontakt, Verbindung...) tut weh. Sie hat mich versorgt: mit Essen, Aufgaben, den Möglichkeiten Sport und Musik zu machen und der Erlaubnis eine höhere Schulbildung zu bekommen (wobei das in jedem Fall erst einmal IHR Bedürfnis befriedigte, nicht meins). Das war es aber auch schon. MEIN Kind zu lieben, bedeutet für mich definitiv etwas anderes als das, was ich bekommen habe.
Wie gehe ich heute mit diesem emotionalen Knochenbruch um? Was mache ich, wenn ein Wetterwechsel ansteht und ich Schmerzen an der alten Bruchstelle verspüre (Danke für Deinen Vergleich, @Eámanë)? Ich versuche, behutsam und achtsam mit mir umzugehen, gönne mir vielleicht eine Schonzeit/Auszeit, um meine Wunde noch einmal zu lecken. Dann besinne ich mich darauf, dass es GESTERN war und beginne mich wieder auf das HEUTE zu fokussieren.
Oft wird uns gesagt, dass wir unseren Eltern ihre Fehler verzeihen sollen... (ich kommentiere das hier mal noch nicht, weil ich total neugierig auf EURE Antworten bin
). Seht Ihr das auch so? Und wie stellt Ihr das an? Habt Ihr Rituale... oder habt Ihr vielleicht sogar mit ihnen darüber gesprochen? Welche Erfahrungen habt Ihr mit Euren emotionalen Knochenbrüchen gemacht, wie habt Ihr sie versorgt, was machen sie heute mit Euch... beeinflussen sie Euch noch in Eurem Verhalten?
...
Herzliche Grüße, Rübenigel
P.S.: ... der Faden heißt ja "Elternliebe - Kinderliebe"... zu letzterem später weiter
Ich bin gerade durch einen Beitrag von Eámanë in einem anderen Faden auf dieses Thema, das mich immer mal wieder beschäftigt, gestoßen worden:
Ich denke und empfinde es nicht so, das man sich die Vergangenheit in der Form schön reden müssen sollte: Natürlich haben meine Eltern mich geliebt, sie konnten es nur nicht zeigen, waren selbst...., hatten Probleme mit....
Nein: MEINE Eltern glaubten wenn überhaupt vielleicht mich zu lieben und orientierten sich dabei an ihren eigenen Erfahrungen. Aber sie waren nicht dazu in der Lage. Und sind es bis heute nicht, denn sie lieben sich selbst ja auch bis heute nicht. Und mit den Auswirkungen muss ich mich heute auseinandersetzen.
Es fühlt sich für mich falsch an, das was mir gefehlt hat auch noch als "von mir als Kind aus Unverständnis falsch verstanden/empfunden" zu definieren, nur damit ich damit umgehen kann. Denn das ist einer der schlechten Glaubenssätze der mir noch heute anhängt, mich massiv behindert und : "Das ist doch gar nicht wahr, wie du das siehst, du bildest dir das ein, du hast kein Recht so zu fühlen". Für mich ist einfach Fakt, dass ein Kind Zärtlichkeit, Annahme, Motivation, Leitung und Nachsicht (und noch einiges mehr, was in der Gesamtheit "geliebt werden" bedeutet) einfach benötigt wie essen und trinken, um gesund aufzuwachsen. Fehlt etwas davon, sind Mangelerscheinungen die Folge, körperlich, geistig oder seelisch. Und die kann man nicht dadurch heilen, dass man sie "wegversteht", der entstandene Mangel ist da und bleibt auch da, wie ein Knochenbruch der zwar heilen kann, aber niemals weg ist. ...
Frage ist, wie gehe ich mich dem kaputten Knochen um? Ich muss eben entsprechend vorsichtig sein, lernen, wie ich mich bewege und mit der Einschränkung lebe und Lebensqualität finde.
Ja... genau... DAS ist es. Ich habe nie gespürt, dass meine Mutter mich geliebt hat. Es ist so einfach, wieder in mein altes Muster zu verfallen: "Das ist jetzt wieder eine Deiner Wahrnehmungsstörungen... in Wirklichkeit liebt sie dich/hat sie dich geliebt... sie konnte es nur nicht zeigen." Die "andere" Wirklichkeit zu ertragen, dass sie mich tatsächlich nicht geliebt hat (im Sinne von bestärken, unterstützen, annehmen, wertschätzen, respektieren, warme herzliche Gefühle für mich empfinden, Nähe, Kontakt, Verbindung...) tut weh. Sie hat mich versorgt: mit Essen, Aufgaben, den Möglichkeiten Sport und Musik zu machen und der Erlaubnis eine höhere Schulbildung zu bekommen (wobei das in jedem Fall erst einmal IHR Bedürfnis befriedigte, nicht meins). Das war es aber auch schon. MEIN Kind zu lieben, bedeutet für mich definitiv etwas anderes als das, was ich bekommen habe.
Wie gehe ich heute mit diesem emotionalen Knochenbruch um? Was mache ich, wenn ein Wetterwechsel ansteht und ich Schmerzen an der alten Bruchstelle verspüre (Danke für Deinen Vergleich, @Eámanë)? Ich versuche, behutsam und achtsam mit mir umzugehen, gönne mir vielleicht eine Schonzeit/Auszeit, um meine Wunde noch einmal zu lecken. Dann besinne ich mich darauf, dass es GESTERN war und beginne mich wieder auf das HEUTE zu fokussieren.
Oft wird uns gesagt, dass wir unseren Eltern ihre Fehler verzeihen sollen... (ich kommentiere das hier mal noch nicht, weil ich total neugierig auf EURE Antworten bin
). Seht Ihr das auch so? Und wie stellt Ihr das an? Habt Ihr Rituale... oder habt Ihr vielleicht sogar mit ihnen darüber gesprochen? Welche Erfahrungen habt Ihr mit Euren emotionalen Knochenbrüchen gemacht, wie habt Ihr sie versorgt, was machen sie heute mit Euch... beeinflussen sie Euch noch in Eurem Verhalten?...
Herzliche Grüße, Rübenigel
P.S.: ... der Faden heißt ja "Elternliebe - Kinderliebe"... zu letzterem später weiter

. In irgendeinem Buch (ich weiß leider nicht mehr welches) habe ich gelesen, dass man sich mit der (virtuellen) Person an ein (virtuelles) Lagerfeuer setzen soll. Ich erzähle, wie es mir früher mit ihr und ihrer Art ging. Sie erzählt, wie ihr zumute war. Das habe ich ausprobiert und erstaunlicherweise fühlte ich mich danach frei und erleichtert. Das hätte ich nicht gedacht, ich dachte eher "jaja, wieder so eine unnütze Übung". Seither ist mein Verhältnis zu ihr viel schöner, leichter, einfacher.

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