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die "böse" Schwiegermutter

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    die "böse" Schwiegermutter

    Hallo ihr Lieben,

    ... ich und unsere Tochter (ohne Ehemann) hatten am Freitag
    mal wieder ein "tolles" Treffen
    mit meiner Schwiegermutter.

    ... und mein Mann, der garnicht mit dabei gewesen ist, versteht nicht, dass ich so wenig Verständnis
    für seine Mutter aufbringe.

    Schwiegermutter

    "Bei Konflikten zwischen deiner Frau und deiner Mutter hast du wahrscheinlich das Gefühl zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Du möchtest es mit beiden nicht verderben und empfindest es als lästig, dass sie mit einander nicht gut auskommen. Am liebsten möchtest du ganz aus dem Konflikt zwischen den beiden herausgehalten werden. Damit lässt du deine Frau jedoch allein. Und gerade jetzt braucht sie deine Hilfe. Sprecht in Ruhe mit einander und macht dann gemeinsam den Schwiegereltern-Test."

    ... da wundert mich jetzt aber NIX mehr ... grrrrrrrrrrrrrrrr

    Ich mache mir noch ein paar Gedanken dazu ...

    liebe Grüße
    Switch

    #2
    Hallo Switch,

    wie verhält sich deine Schwiegermutter denn deinem Mann gegenüber? Oder dir gegenüber, wenn er dabei ist?

    Vielleicht ist sie einfach nur "geschickter" als meine, die sich in keiner Gesellschaft "beherrschen" kann. Kommentar einer guten Freundin, als ich mich bei ihr über den Schwiegertiger "ausgeschimpft" habe: "Freu dich einfach, dass sie dumm genug ist, ihr wahres Gesicht von Anfang an zu zeigen - und nicht erst, wenn du sie im Haus hast."

    Woraus leitet dein Mann denn sein Verständnis für sie ab? Was hält er ihr als "Rechtfertigung" für ihr Verhalten zugute?

    Liebe Grüße
    Sunshine

    Kommentar


      #3
      Zitat von Sunshine Beitrag anzeigen
      Hallo Switch,

      wie verhält sich deine Schwiegermutter denn deinem Mann gegenüber? Oder dir gegenüber, wenn er dabei ist?
      Danke für die Frage,

      ... wenn mein Mann dabei ist, bin ich und unsere Tochter
      meistens "unsichtbar" ... Schwiegertiger unterhält sich dann
      fast nur noch mit ihrem Sohn und ich bekomme nebenbei
      ein paar nützliche ErziehungsRatSchläge,
      damit ich es besser machen kann (, als bisher.)
      SIE hilft halt gerne, wo SIE nur kann.
      Denn die "jungen Frauen" von heute,
      die machen es sich halt eben zu einfach.

      Dankäääääääääää
      DA fühlt sich Switch einfach nicht wohl bei.

      liebe Grüße
      Switch

      Kommentar


        #4
        Zitat von Sunshine Beitrag anzeigen

        Woraus leitet dein Mann denn sein Verständnis für sie ab? Was hält er ihr als "Rechtfertigung" für ihr Verhalten zugute?
        Meine Schwiegermutter hat jetzt zum 4. oder 5. mal in Folge,
        in Gegenwart ihres Enkels, uns ( also mir und unserer Tochter) vorgeschwärmt, wie toll doch die Kinder und Enkelkinder
        ihrer Schwester sind.

        DAS ist eigentlich auch OK so.
        NUR, wenn unsere Tochter ( ihr Enkelkind) dann einen Heulkrampf bekommt,
        möchte ich persönlich diese Person auf den Mond schießen.

        Da hapert es bei mir mit Akzeptanz und Nächstenliebe.

        Vielleicht sind meine Tochter und ich diesbezüglich zu sensibel.
        … zu sensibel … WER will das beurteilen ???

        … und mein Mann meint dann,
        Ich müsse doch auch seine Mutter verstehen … HÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ ???

        liebe Grüße
        Switch

        Kommentar


          #5
          Verständnis wär zuviel gesagt...

          Hallo Switch,

          wie bekannt mir das doch vorkommt...

          Ihr Sohn, ihr ein und alles...

          Die anderen, die selbstverständlich alles ganz toll und viel besser gemacht haben und sind "wie sie sein sollten"...

          Die überempfindliche Schwiegertochter, die einfach den guten Willen nicht sehen will - dabei will man ihr doch nur helfen, ihre offensichtlichen Umzuläglichkeiten in den Griff zu bekommen...

          Ich kann verstehen, dass du dich damit nicht wohl fühlst und deine Tochter tief getroffen ist. Mir geht's da wie dir.

          Immerhin habe ich inzwischen meine "Erklärung", wie sowas zustande kommt - was nicht heißt, dass ich mit dem Verhalten einverstanden bin.

          Ich geh mal von meinem Schwiegertiger aus, vielleicht siehst du ja Parallelen. Sie ist Mitte siebzig - ich bin Mitte dreißig. Da greift in meinen Augen auch der berüchtigte Generationenkonflikt.

          Meine Schiegermutter scheint in ihrer Entwicklung stehengeblieben zu sein. Sie hat (anscheinend schon vor langer Zeit) aufgehört, ihre Umgebung wahrzunehmen und sie in ihr Weltbild einzuarbeiten. Sie weiß genau, was sich gehört und wie die Dinge sein sollten - jedenfalls plappert sie seit Jahrzehnten getreulich nach, was man ihr vorgebetet hat oder was von ihr anerkannte Autoritäten sagen. Veränderung ist falsch. Was vor 50 Jahren richtig war, stimmt für immer. Sie ist einfach zu unsicher, um etwas zu hinterfragen und sich selbst ein Bild zu machen, da vertraut sie lieber auf Bewährtes.

          Sie hat nichts und niemanden mehr - außer ihrem Sohn. Ihr Mann ist tot, Freunde hat sie dank ihrer Art nicht. Auf den Jungen projeziert sie jetzt alle Erwartungen und Bedürfnisse. Er verdankt ihr eine schöne Kindheit, dafür kann sie von ihm erwarten, dass er ihren Lebensabend (nach ihren Vorstellungen) "erfüllt". Das ist der Generationen-Deal. Und seine Familie hat die Aufgabe, ihn dabei zu unterstützen.

          Sie hat in ihrem Leben "nichts zustande gebracht", was für Frauen heute selbstverständlich ist. Ihr einziges "Projekt" war ihr Kind. "Mutter sein" ist ihre Definition von sich selbst, deshalb darf das Kind nie erwachsen und unabhängig werden. Er darf einfach nicht soweit kommen, selbst zu entscheiden, was gut und richtig für ihn ist. Wenn sie die Mutterrolle verliert, IST sie nichts mehr. Wenn der Junge Mamas Ratschläge nicht mehr braucht, ist ihre Mutterrolle und damit ihr Lebensinhalt dahin. Sie hat nicht gelernt, sich neu zu definieren, seit "das Kind" aus dem Haus ist.

          Als Mutter (und Schwiegermutter) ist es ihr Recht und ihre Pflicht, dafür zu sorgen, dass alles "richtig läuft", deshalb hat sie das Recht "Missstände" ungeschönt anzuprangern - wer seine "offensichtlichen Fehler" nicht hören will, ist "zu empfindlich". Sie hingegen ist über jede Kritik erhaben. Kritik an ihrem Verhalten ist "unverschämt" und zeugt von "fehlendem Anstand". Sie tut nur, was die Rolle der Mutter - Schwiegermutter - Großmutter nach ihrem Verständnis ist: sie gibt ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter. Und sie kann nicht verstehen, dass das unerwünscht ist und ihr Wissen nicht mehr "gültig" sein soll, dass der Umgang mit Jüngeren nicht mehr auf Autorität sondern auf Respekt beruhen soll.

          Sie hat nicht gelernt, Menschen - so wie sie sind - erst einmal anzunehmen und sie dann aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften zu fördern. Es gibt zu allem eine "Norm", der man entsprechen muss. Meine Schwiegermutter sieht nichts, ohne gleichzeitig das Bild "wie es sein sollte" im Hinterkopf zu haben.

          Ein legitimes Mittel, um andere zu den "notwendigen" Veränderungen zu motivieren, sind Vergleiche mit anderen, die als gute Beispiele angeführt werden. "Gesundes" Konkurrenzdenken hat noch keinem geschadet.

          Mach dir dabei klar, dass die Gegenseite sich den gleichen Sch*** anhören muss. Da bist du mit deiner Tochter dann das leuchtende Vorbild. Mein Schwiegertiger muss mangels weitläufiger Verwandschaft zwar die Kinder der Nachbarn bemühen, aber DIE sind die besten Kinder, die man sich wünschen kann - sie selbst hat da nicht soviel Glück mit ihrem Nachwuchs.

          Ihre Ex-Schwiegertochter war übrigens auch 20 Jahre lang das letzte, was ihr Sohn anschleppen konnte. Ein schreckliches Ding. Ewige Leier "Wenn du nur mal die Richtige kennenlernen würdest..." Und jetzt ist dieses dicke, dumme Ding aus "asozialen" Verhältnissen, das immer nur auf finanzielle Absicherung aus war, das leuchtende Vorbild für mich. "XXX war ja ganz anders als du. DIE hatte Anstand und wusste, was sich gehört, und hat sich nicht nur eine gute Partie geangelt, und sie war ja auch hübsch, und sie konnte kochen, und blalbabla" Sie weiß nicht, dass ich von XXX selbst weiß, was der Schwiegertiger ihr so alles an Beleidigungen bezüglich ihres Aussehens und Charakters an den Kopf geworfen hat. Und sie weiß auch nicht, dass auch Vegetarier kochen können.

          Meine Schwiegermutter ist in meinen Augen eine arme, verbitterte, einsame Frau, die verzweifelt versucht, ihr Leben lebenswert zu gestalten und nicht verstehen kann, dass sie selbst mit ihrem Verhalten die Menschen, die sie an sich binden will, von sich wegtreibt. Sie lebt in einer Welt, die sich ohne sie weiter entwickelt hat.

          Das Motiv früherer Generationen scheint "Macht" zu sein. Wer wem was zu sagen hat. Daran misst sich der soziale Status. Und Machterhalt (gerade gegenüber der Konkurrenz Schwiegertochter) dient der Lebenserhaltung. Ein kooperatives Miteinander zugunsten aller Beteiligten ist unvorstellbar und das vorzuschlagen, ist nur ein Trick, um ihr gesundes Misstrauen zu untergraben und die Macht an sich zu reißen.

          Es mag sein, dass ihre Ansichten und Verhaltensweisen vor langer Zeit üblichen waren und die Frau ist sicher nicht so vom Himmel gefallen, wie sie ist. Ihre eigene Erziehung und ihre Erfahrungen haben sie geprägt.

          Soweit das "Verständnis". Ich sehe es jedoch als DIE Lebensaufgabe eines jeden Menschen, aus seinen Erfahrungen zu lernen und sich zu entwickeln. Zu seinem eigenen Besten und zum Besten der Gemeinschaft. Und da nehme ich meiner Schwiegermutter sehr übel, dass sie sich auf den Standpunkt stellt "Ich bin halt so, niemand hat das Recht "mich zu erziehen" - der Rest der Welt muss sich an meine Vorstellungen anpassen". Auch wenn sie nicht mehr die Jüngste ist, bin ich nicht bereit, diese "Bequemlichkeit" auf meine Kosten zu unterstützen. Es gibt Grenzen, die ich ihr setze. Freundlich aber bestimmt. Wenn sie das nicht akzeptieren kann, tut mir das Leid, aber ich mache es nicht zu meinem Problem. Wenn der Umgang mit ihr nur um den Preis "meiner Nerven" möglich ist, dann gibt es eben keinen Umgang.

          Ich weiß nicht, ob du deiner Tochter erklären kannst, dass Omas Vergleiche mit anderen nur der hilflose Versuch sind, sie zu etwas zu bewegen, was der Oma wichtig ist - und dass sie deshalb ein bisschen flunkert und übertreibt, was die anderen angeht. Die findet sie nämlich in Wirlichkeit gar nicht so toll - und denen (oder zumindest ihrer Schwester) erzählt sie bestimmt das gleiche über deine Tochter. Da platzt sie dann vor Stolz auf die Kleine (ihr darf man das natürlich nicht sagen, das macht sie womöglich überheblich und verdirbt den Charakter).

          Aber vielleicht siehst du Parallelen zu deiner Schwiegermutter und erkennst die Hilflosigkeit und Einsamkeit hinter der "Bosheit" und "Kälte". Und vielleicht kann deine Tochter auch verstehen, dass die Oma manchmal Sachen sagt, die sie gar nicht so böse meint - weil sie Angst hat, man nimmt man sie nicht ernst, wenn sie nicht ein bisschen übertreibt.

          Dein Mann ist, was das "Verständnis" angeht, natürllich im Vorteil. Er kennt "seine Mama" auch von einer anderen Seite, ihm hat sie sicher auch Liebe und Akzeptanz gezeigt. Dir fehlt dieses "Gegengewicht". Man nimmt Macken eines Menschen, von dem man weiß, dass er einen liebt, eher hin als von einem Menschen, der einen offenbar nicht leiden kann.

          Mit meinem Mann habe ich großes Glück. Traurigerweise auf Kosten meiner Vorgängerin. Bei ihr hat er auch versucht, den "Frieden" zwischen Partnerin und Mutter aufrecht zu erhalten, indem er XXX dazu gebracht hat, gegen ihre Überzeugung nachzugeben oder sich für angebliche Verfehlungen zu entschuldigen und seiner Mutter soweit "entgegenzukommen", dass sie "Ruhe gibt" - weil er sich nicht immer anhören wollte, was Mama so auszusetzen hatte und dass er sich "als Mann" doch "durchsetzen" und für Frieden sorgen müsse. Und XXX hat sehr darunter gelitten, dass er nicht hinter ihr bzw. an ihrer Seite stand.

          Inzwischen ist ihm klar, was er da getan hat. Dass er aus Bequemlichkeit keine klare Position bezogen und seiner Partnerin das Gefühl gegeben hat, sie sei ihm nicht "wichtig genug", um ihretwegen seiner Mutter die Stirn zu bieten. Er möchte diesen Fehler bei mir nicht wiederholen - auch wenn er deshalb zeitweise ziemlichen Stress mit seiner Mutter hat.

          Kannst du mit deinem Mann darüber reden, was dich (und auch deine Tochter) so verletzt und wie schwer es dir fällt, das mit einem lapidaren "sie meint es ja nicht so" abzutun? Dass du dir von seiner Mutter den gleichen Respekt und die Wertschätzung wünschst, die sie für sich ganz selbstverständlich einfordert? Und dass du dir von ihm wünschst, dass ihr in solchen Punkten klar als "Einheit" auftretet, in die sie keinen Keil treiben kann? Dass er ihr klar macht, dass auch seine Mutter seiner "Kernfamilie" gegenüber gewisse Grenzen zu wahren hat? (Ich geh da mal von meinen Bedürfnissen aus und leg dir diese "Wünsche" in den Mund. Streichungen und Ergänzungen erwünscht.)

          Ich glaube, du hast da zwei seelische "Baustellen", die dir zu schaffen machen: das Verhalten deiner Schwiegermutter und das Verhalten deines Mannes.

          Und ich wünsche dir, dass du zumindest die Baustelle "Ehepartner, der dich versteht und klar Position bezieht" zu deiner Zufriedenheit abschließen kannst. Ob ne alte Frau sich noch ändern kann... Überleg dir, ob es dir einen Versuch wert ist, sie dazu zu motivieren.

          Liebe Grüße
          Sunshine

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            #6
            Ich danke dir.

            offen und ehrlich gesprochen

            ... hast meinen wunden Punkt ... getroffen

            jaul
            Switch

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              #7
              Generationen-Verpflichtung?

              (...vielleicht etwas polemisch - sorry)


              Ich kenne sie auch, die unzugänglichen Mütter, deren Lebensinhalt der Lieblingssohn ist. Ich mag sie nicht, komme nicht gut klar mit dem engen Weltbild, dass das da so eifrig festgehalten wird.
              Doch ich finde, dass die Verantwortung dafür nicht alleine bei diesen Frauen liegt.

              Eltern bereiten ihre Kinder aufs Leben vor. Nicht alle tun es vielleicht gut, doch die meisten so gut, wie sie es eben können. Doch wer bereitet die Eltern darauf vor, dass es weitergeht? Wer macht sich die „Mühe“, nachdem die eigene Pubertät mit Ach und Krach überstanden ist, seine Eltern-Beziehung auf eine Erwachsenen-Ebene zu bringen?

              Man trifft sich zu „Zwangsveranstaltungen“ und tauscht Banalitäten aus. Ich kenne wenig Menschen, insbesondere kaum Männer, die ihren Eltern /Müttern je irgendetwas Relevantes aus ihrem Leben erzählt hätten oder gar versucht hätten, die kontroversen Standpunkte miteinander anzusehen. Einmal auf Unverständnis gestoßen, gibt man(n) auf, ohne weiterhin aufeinander einzugehen. Ich glaube sogar wahrzunehmen, ohne jedes Bedauern, oder gar mit Erleichterung.
              Das wäre ja alles viel zu viel „Arbeit“, zu viel Emotion, zu persönlich. Und die Generation vor uns kann sich ihr Verständnis aus den Fingern saugen.

              Es ist erschreckend, doch keine große Überraschung, dass viele Mütter dort stehen bleiben, wo sie von ihren Kindern (Söhnen?) verlassen wurden. Dass sie sich an das bisschen Scheinbeziehung klammern, das noch da ist. Und in dieser Beziehung ist es der (kleine) Junge, nicht der erwachsene Mann, der wahrgenommen wird. Dass er ein Mann ist, hat er nämlich versäumt klarzustellen.

              Dafür hat er ja später dann eine Frau, und die können „sowas“ bekanntlich viel besser. Sie kann sich dann von Grund auf mit der verkorksten Beziehung auseinandersetzen. Kein Wunder dass sie immer die Dumme in dieser Konstellation ist. Das, was die Mutter wünscht, wirkliche Nähe zu ihrem Sohn, kann sie ihr nicht geben und das, was sich stattdessen entwickelt hat, kann sie nicht annehmen.
              Der Sohn ist fein raus. Er bittet seine Frau um Verständnis für seine Mutter. Sie weiß es eben nicht besser.
              Und weshalb nicht?!?

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                #8
                Danke

                Hallo ihr Lieben,


                Es tut mir gut, eure Sichtweisen zu diesem Thema zu lesen.

                Ich hatte schon gedacht, ich wäre irgendwie verkehrt im Denken, im Handeln.

                Ich dachte, ich wäre nicht gut genug.

                Nicht gut genug für meinen Mann, nicht gut genug für mein Schwiegertiger.
                Ich dachte schon, ich wäre nicht gut genug für unsere Tochter,
                da dieser „Mechanismus“ auch dort mittlerweile greift. Zu meinem Entsetzen !!!


                Wenn es sich hier um ein „Macht-Spiel“ handelt, muß ich dieses Spiel verlassen.
                DAS ist mir schon irgendwie klar, nur in wieweit das Verlassen geht,
                darüber bin ich mir noch nicht im Klaren.

                Gespräche auf der „Erwachsenen-Ebene“ habe ich mit meinem Schwiegertiger
                so gut wie nie geschafft. Und das seit fast 30 Jahren nicht.
                Also wird sich dieser Umstand nicht von heute auf morgen umstellen lassen.

                Gespräche über diesen „Sach-Verhalt“ mit meinem Mann zu führen, wird dann
                wohl auch nicht fruchten, da ich mich ja dann mit dem Jungen von Schwiegertiger
                unterhalte und nicht wirklich mit meinem Mann, der mein „Unverständnis“ gegenüber
                seiner Mutter nicht nachvollziehen kann.

                Sieht ja dann so aus, als ob ich jetzt hier die „Looser-Karte“ gezogen habe.
                Das kann es doch nicht sein !!!

                Ich rede mir hier seit fast 30 Jahren den Mund fusselig.


                Derzeit nehme ich hier an dem Kursus „Selbst-Coaching“ von Ralf teil.
                Ich hoffe, mir selber damit eine Lösung erarbeiten zu können.
                Nicht nur für die Beziehung, sondern für mich selber.
                Ich korrigiere … für mich !!!


                Liebe Grüße
                Switch

                PS.:
                @ Sunshine … ich habe deine Fragen gelesen, kann sie aber momentan noch nicht
                beantworten

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                  #9
                  Henne oder Ei

                  Hallo zusammen.

                  @Carlotta:

                  Was du da über das Verhalten der erwachsenen Kinder (insbesondere der Söhne) schreibst, stimmt aus meiner Erfahrung durchaus.

                  Nachdem sie den Sprung aus dem Elternhaus geschafft haben, sehen sie keinen Grund, das Verhältnis zu vertiefen und Konflikte aufzuarbeiten.

                  Da stellt sich mir aber auch die Frage, woher kommt es? Das berüchtigte Henne-Ei-Problem. Was war zuerst? Ich glaube nicht, dass der erste Anlass als Ausrede genommen wird.

                  Soweit ich solche Fälle kenne (mein Mann ist nicht der einzige), haben die Betroffenen schon in der Kindheit oder Jugend eine "Überlebensstrategie" entwickelt, die ich "den Weg des geringsten Widerstandes nenne".

                  Die Mütter in dieser Konstellation waren sehr bestimmend, kontrollierend und (über-)vorsichtige "Glucken", die den Kindern (aus Sicht der Kinder) nicht soviel Freiraum und Verständnis gegeben haben, wie sie sich gewünscht hätten.

                  Ihre Art, ihre Liebe zu zeigen war, das Kind vor allen potentiellen Gefahren zu beschützen und "sich Sorgen zu machen" und dafür zu sorgen, dass "mal was aus ihm wird". Sehr anstrengend für den, der geliebt wird. Also "belastet" man Mama nicht mit der Realität (sprich: der Wahrheit) und sich selbst nicht mit ihrem "Gequengel" und "Genörgel". Man sagt zu allem "ja und Amen" - und tut heimlich, was man will. Was sie nicht weiß, macht sie nicht heiß, verstehen würde sie es ja sowieso nicht. Man nimmt die gute Frau einfach nicht mehr ernst - wozu also die ganze Auseinandersetzung.

                  Das heißt nicht, dass diese Söhne ihre Mütter nicht lieben - sie nehmen sie nur genausowenig ernst, wie sie sich selbst ernst genommen fühlten. Und ihnen ist nicht klar, dass dieses "Nicht mit ihr Auseinandersetzen" eine gewisse Verachtung ausdrückt. Wie verletzt ihre Mutter wäre, wenn sie wüsste, was "das Kind" wirklich von ihr und ihren Ansichten hält.

                  Die Strategie der Söhne funktioniert für sie selbst - also warum nicht auch für ihre Frau. "Verständnis" heißt ja nicht einverstanden sein. Es heißt einfach nur "Sie ist halt so, man kann ihr Geschwätz nicht für voll nehmen, also überhör es doch einfach" - sie meint es ja auf ihre Art nicht böse.

                  Bis der Sohn die Erkenntnis hat, was da abläuft (meist von seiner Frau vermittelt), hat sich das ganze doch schon eingespielt. Und ich glaube nicht, dass man von einem Jugendlichen, der gerade zuhause ausgezogen ist und sich abnabelt, erwarten kann, dass er die Situation seiner Eltern durchschaut und ihnen die Anleitung für ihr späteres Leben aufzeigt. Da sehe ich schon die Mütter selbst in der Verantwortung.

                  Und wie kommt man nach Jahren oder gar Jahrzehnten wieder aus so einer Struktur raus? Indem man bei einem Sonntags-Kaffee anstelle der üblichen Banalitäten auf den Tisch bringt "Du Mama, ich hab dich jetzt die letzten X Jahre angelogen, weil mir deine Reaktion auf mein Verhalten und meine Ansichten zu anstrengend gewesen wäre. Hast dich ja schon immer zu sehr in Dinge eingemischt, die dich nichts angehen und alles besser gewusst - aber ab jetzt will ich das ganz anders machen, dich ernst nehmen und unsere Probelme (von deren Existenz du bisher nicht das geringste geahnt hast) klären..."??? *Autsch*

                  Mein Mann kämpft in jedem Gespräch um den schmalen Grat, seiner Mutter klar zu machen, dass sie sich eben nicht so besonders verstanden haben, wie sie glaubt und immer wieder anführt, ohne ihr gleich "über die Rübe zu ziehen", wie lange er sie schon aus seinem "wirklichen" Leben raushält und ihr gegenüber verschweigt, was ihr nicht passen würde.

                  @Switch:

                  Du bist in Ordnung. Zweifel nicht an dir! Wenn dein Schwiegertiger nicht zu dir passt, dann ist da keiner "schuld". Du sitzt ja auch nicht vor einem Puzzle und schaust zwei Stücke, die nicht zusammengehen, prüfend an, mit welchem von beiden wohl "etwas nicht stimmt". Oder ob es "gut genug" für dieses Puzzle ist. Jedes Teil passt perfekt - an seine Stelle. Und wo es nicht reinpasst, kann man es auch nicht reinzwingen. Und den Teilen "gut zuzureden" bringt auch nichts, also fussel dir nichts wund.

                  Recht machen könnt ihr es der alten Dame sowieso nie, also versucht es gar nicht erst. Ich würde dir folgendes vorschlagen: Sag ihr freundlich und bestimmt, wenn sie sich im Ton vergreift und geh, wenn es dir oder deiner Tochter zuviel wird - möglichst bevor sie in Tränen aufgelöst ist.

                  Falls das nicht fruchtet, gibt es eine Strategie, mit der ich gute Erfahrungen gemacht habe: Wenn es zuviel wird, sag einfach "Wir müssen jetzt los" und geh - ohne Angabe von Gründen. Wenn sie bohrt, sag "ich habe noch etwas zu erledigen" - aber lass dich nicht zu einer Rechtfertigung hinreißen. Du schuldest ihr keine Begründung. Wenn du das konsequent jedesmal machst, sobald sie sich "daneben benimmt" (aber ohne das direkt anzusprechen!), wird sie es irgendwann lassen. Sie merkt dann schon, aus welchem Anlass ihr geht - aber du bietest ihr keine Plattform, dir den schwarzen Peter zuzuschieben, weil du das Thema einfach ausschweigst und handelst. Hab Geduld! So hab ich das Problem mit meinem Vater in den Griff bekommen, dass er mich nach der Trennung meiner Eltern als "Mülleimer" für Tiraden gegen meine Mutter betrachtet hat, die ich nicht hören wollte. Vielleicht klappt das auch für dich.

                  Was deinen Mann angeht: Du redest mit deinem erwachsenen Mann und mit dem Vater eurer Tochter. Er ist nur vor seiner Mutter in der "alten Rolle". Bring den Helden in ihm dazu, sich schützend vor sein Kind zu stellen.

                  Und lass dich selbst von deiner Schwiegermutter nicht länger in die Rolle des Kindes (der Jüngeren, der sozial tiefer Stehenden) drängen, nur weil sie mit dir nicht auf Erwachsenen-Ebene kommuniziert! Das ist ein ganz alter Trick. Sie kann nämlich nur das Kind in dir verletzen. Dein erwachsenes Ich weiß, dass der Konflikt nicht in dir begründet ist und dass es nicht deine Aufgabe ist, ihre Anerkennung zu erlangen

                  Ich wünsch dir viel Erfolg bei der Suche nach "deiner" Lösung. Es gibt eine, ganz bestimmt! Fühl dich mitfühlend umarmt!

                  Liebe Grüße
                  Sunshine

                  Kommentar


                    #10
                    Hi sunshine,
                    und auch alle anderen

                    geniale Beiträge - hab jetzt alles 2x gelesen und bin begeister - eigentlich wars nicht mein Thema - aber irgendwie konnt ich dann doch nicht lassen, weiter zu lesen.

                    Zitat von Sunshine Beitrag anzeigen
                    Du bist in Ordnung. Zweifel nicht an dir! Wenn dein Schwiegertiger nicht zu dir passt, dann ist da keiner "schuld". Du sitzt ja auch nicht vor einem Puzzle und schaust zwei Stücke, die nicht zusammengehen, prüfend an, mit welchem von beiden wohl "etwas nicht stimmt". Oder ob es "gut genug" für dieses Puzzle ist. Jedes Teil passt perfekt - an seine Stelle. Und wo es nicht reinpasst, kann man es auch nicht reinzwingen. Und den Teilen "gut zuzureden" bringt auch nichts, also fussel dir nichts wund.
                    Diese Metapher find ich grenzgenial - die möcht ich unbedingt nochmals extra raus stellen - tausend Dank dafür.

                    Zitat von Sunshine Beitrag anzeigen
                    Falls das nicht fruchtet, gibt es eine Strategie, mit der ich gute Erfahrungen gemacht habe: Wenn es zuviel wird, sag einfach "Wir müssen jetzt los" und geh - ohne Angabe von Gründen. Wenn sie bohrt, sag "ich habe noch etwas zu erledigen" - aber lass dich nicht zu einer Rechtfertigung hinreißen. Du schuldest ihr keine Begründung. Wenn du das konsequent jedesmal machst, sobald sie sich "daneben benimmt" (aber ohne das direkt anzusprechen!), wird sie es irgendwann lassen. Sie merkt dann schon, aus welchem Anlass ihr geht - aber du bietest ihr keine Plattform, dir den schwarzen Peter zuzuschieben, weil du das Thema einfach ausschweigst und handelst. Hab Geduld! So hab ich das Problem mit meinem Vater in den Griff bekommen
                    Sowas dacht ich mir schon seit Beginn deiner Postings - dass ich das 1:1 auf meine eigenen Eltern umlegen könnte, bzw. auch großteils schon getan habe - und dann schreibst dus hier auch - fand ich jetzt auch super - weil ist wirklich generell einsetzbar.

                    Ich persönlich bin ja schon das 3. Mal verheiratet - hab also auch schon unterschieldiche Schwigertigererfahrung. Meine jetzige wäre auch so - wenns für sie nicht sowieso nur ihre einzige und echte Schwiegertochter gäbe - nämlich die Mutter ihrer Enkelkinder.

                    Hatte mich zu Beginn auch belastet, aber zwischenzeitlich leb ich ganz gut damit - allerdings ohne das Bedürfnis, meine aktuelle Schwiegermutter sehen zu wollen - ist bei uns einfach, wir haben keine gemeinsamen Kinder - beide alles in 1. Ehe *erledigt* - und meinem Mann störts nicht, einmal monatlich allein zu Besuch zu fahren.

                    Meine 1. Schwiegermutter ist leider bald nach unserer Eheschließung verstorben, hatte ihr Enkelkind nicht mehr erlebt.

                    Die 2. war auch eher der hier beschriebene Typ - mein damaliger Mann war vorher auch schon verheiratet und hatte aus dieser Ehe einen Sohn - aber der hatte keinerlei Bedürfnisse, sich mit den Großeltern zu belasten - und wir hatten auch kein gemeinsames Kind, was meine Besuche auch sehr minimierte.

                    Aber die *Pflichttermine* waren schon auch immer öde und teilweise ätzend - weil die Mama schon sehr wichtig war - wobei das war überhaupt eine Großfamilie, die immer zusammen hockte - und nach 14 Jahren Ehe wars wie das abfallen einer riesigen Last als ich auch die zwanghaften Familienfeiern endlich los wurde.

                    Ich will jetzt nicht aufrufen zur Scheidung oder einfach nicht hingehen - wollt nur meine eigenen Erfahrungen mit-teilen. Wobei, wenn ich drüber nachdenke mussich auch sagen, dass ich mit den Schwiegervätern immer ein besseres Verhältnis hatte - aber die waren auch immer ähnlich behandelt wie die Söhne - alle drei hatten gegen die Mutter nicht wirklich viel zu sagen - ist bei meinen Eltern natürlich auch ähnlich - witzig, wie sich die Muster gleichen.

                    Bin ich froh, dass meine Tochter noch nicht verheiratet ist, sonst werd ich auch noch *so eine* Schwiegermutter - naja, ich werd mich zusammenreissen

                    Wie auch immer - nochmals Dank an alle, die hier mitgeschrieben haben, hat mir viel bewusst gemacht, worüber ich bisher noch nicht wirklich nachgedacht hatte.

                    Liebe Grüße
                    ChrisTina

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                      #11
                      Zitat von Sunshine Beitrag anzeigen
                      Bis der Sohn die Erkenntnis hat, was da abläuft (meist von seiner Frau vermittelt), hat sich das ganze doch schon eingespielt. Und ich glaube nicht, dass man von einem Jugendlichen, der gerade zuhause ausgezogen ist und sich abnabelt, erwarten kann, dass er die Situation seiner Eltern durchschaut und ihnen die Anleitung für ihr späteres Leben aufzeigt. Da sehe ich schon die Mütter selbst in der Verantwortung.
                      Ich sehe den erwachsenen Umgang mit Eltern nicht als Anleitung für deren Leben (klingt nach Herablassung oder Almosen) sondern als Dialog und aufrichtigen Beitrag für ein gemeinsames Miteinander. Dieser Beitrag ist im Verhältnis zur bereits geleisteten „Brutpflege“ klein und kostet nichts, außer etwas Zeit, vielleicht ein paar Kratzer auf dem Lack, den man Ego nennt - und Liebe, vor allem.
                      Nein, ich kann es nicht verstehen, wie eine tatsächliche Loslösung durch aus-dem-Weg-gehen funktionieren soll. Das wirkt wie in allopathisches Medikament: die Symptome verschwinden, die Ursache bleibt. Und wenn es gut eingefahren ist, wird halt chronisch. Höchste Zeit etwas zu heilen.

                      Es gibt auch nichts zu durchschauen. Wessen Situation durchschaut man denn überhaupt? Doch kaum die eigene. Alles darüber hinaus ist meist Vermessenheit, garniert mit wilden Psychologie-Versatzstückchen.
                      Es gibt nur Liebe, die hilft. Verstehen und sich erklären WOLLEN. Die Gewissheit, dass nichts aus Bosheit geschieht, sondern aus einer unheilvollen Mischung von Zuneigung und Ohnmacht, an deren Entstehung man selbst zumindest nicht ganz unbeteiligt ist.

                      Zitat von Sunshine Beitrag anzeigen
                      Und wie kommt man nach Jahren oder gar Jahrzehnten wieder aus so einer Struktur raus? Indem man bei einem Sonntags-Kaffee anstelle der üblichen Banalitäten auf den Tisch bringt "Du Mama, ich hab dich jetzt die letzten X Jahre angelogen, weil mir deine Reaktion auf mein Verhalten und meine Ansichten zu anstrengend gewesen wäre. Hast dich ja schon immer zu sehr in Dinge eingemischt, die dich nichts angehen und alles besser gewusst - aber ab jetzt will ich das ganz anders machen, dich ernst nehmen und unsere Probelme (von deren Existenz du bisher nicht das geringste geahnt hast) klären..."??? *Autsch*
                      In der Tat, Autsch. Wie jede weg-von-Denkweise, die naturgemäß ihren Fokus auf das Unerwünschte richtet.
                      Als hin-zu-Konzept hört sich das so an:
                      „Ich finde es sehr schade, dass wir im Grunde so wenig von einander wissen. Wir treffen uns und reden, doch nie über unsere Gefühle, oder über Dinge, die uns bewegen. Ich wünsche mir schon lange, das wäre anders. Möchtest du das auch?“
                      Es wird sicher zu nichts Gutem führen, bei dieser Gelegenheit die Bitterkeit alter Erfahrungen in Vorwürfen aufleben zu lassen. Wozu auch. Es geht um neue Wege, die man miteinander finden möchte.


                      Du schreibst, dein Mann verschweigt seiner Mutter Teile seines realen Lebens, weil er davon ausgeht, es würde ihr nicht passen. Anderseits kämpfe er in jedem Gespräch mit ihr um seine Eigenständigkeit.
                      Klar wird das ein K(r)ampf. Wer seine eigene Position als nicht präsentierbar einstuft, ist bereits vor jedem Gesprächsbeginn unaufgefordert in die Defensive gegangen.

                      Was bringt es ihm, seine Mutter auf diese Art zu „schonen“? Was gibt er ihr damit? Zweimal nichts.
                      Warum also nicht einfach etwas anderes, Neues wagen?

                      Weshalb ist es wichtig, dass seine Mutter alles billigt, was er tut? Wären nicht Akzeptanz und Vertrauen in seine Eigenverantwortung ausreichend? Um jemanden für souverän zu halten, muss man ihn jedoch kennen.

                      Die Chance, mich als eigenständige Person kennen zu lernen habe ich meinen Eltern und auch den Eltern meiner Lebenspartner gerne gegeben. Es braucht etwas Gelassenheit, viel Offenheit und wirkliche Zuneigung. Der Gewinn ist größer, als es der Aufwand war.

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                        #12
                        Perspektve

                        Hallo Carlotta,

                        du schreibst

                        Ich sehe den erwachsenen Umgang mit Eltern ... als Dialog und aufrichtigen Beitrag für ein gemeinsames Miteinander.
                        Ja, da hast du sicher Recht. Und von "außen betrachtet" sieht das auch gar nicht so kompliziert aus. Doch ein System kann sich nur mit den Mitteln verändern, die innerhalb des Systems vorhanden sind. Egal, was wir "hier draußen" an Möglichkeiten haben.

                        Woher soll ein junger Mann (Mensch), der eben diesen Umgang nicht zuhause gelernt hat, mit Beginn der Abnabelung plötzlich diese Erkenntnis gewinnen? Der Umgang war nie ein aufrichtiger Dialog. Und die Gründe dafür wurden nie hinterfragt, denn es schien ja offensichtlich daran zu liegen, dass der andere einen nicht verstehen will (kann). So ist das eben, aus-dem-Weg-gehen ist die "logische" Konsequenz. Das meinte ich mit "Situation durchschauen".

                        Die "Gewissheit", dass nichts "aus Bosheit" geschieht, hat der junge Mensch sicherlich, aber auch den Eindruck, dass vieles aus Egoismus geschieht und man (auch den eigenen Eltern gegenüber) sehen muss, wo man bleibt, weil diese ihre Bedürfnisse als oberste Priorität zu sehen scheinen - und man deshalb selbst mit den gleichen Mitteln "dagegen halten muss", um seine Position zu "verteidigen".

                        Ich bin übrigens der Meinung, dass man nicht einfach "neu anfangen" kann, ohne die Missverständnisse der Vergangenheit aufzuklären, so dass sie sich nicht wiederholen können. Das ist leider oft ein schmerzhafter Prozess, aber er hat ür mich nichts mit Vorwürfen zu tun.

                        Wer seine eigene Position als nicht präsentierbar einstuft, ist bereits vor jedem Gesprächsbeginn unaufgefordert in die Defensive gegangen.
                        Nun, das ist ja, was die Mutter einem zeitlebens vermittelt hat: Man ist unzulänglich und auf ihre Anleitung zur persönlichen Entwicklung und zum eigenen Verhalten "angewiesen". Mama weiß es, man selbst ist "nicht erwachsen genug" dafür. Auch hier ist das Erkennen, der "Präsentierbarkeit der eigenen Meinung / Person" erst mal Voraussetzung für eine Änderung. Und die Mutter wird nicht von heute auf morgen die Position "des Kindes" als ernstzunehmende Positoin eines "gleichwertigen" Erwachsenen akzeptieren. Und um diese ewigen Grabenkriege zur Verteidigung der eigenen Position zu vermeiden, hat man als Kind schon begonnen, diese Position "zu tarnen".

                        Was bringt es ihm, seine Mutter auf diese Art zu „schonen“? Was gibt er ihr damit? Zweimal nichts.
                        Warum also nicht einfach etwas anderes, Neues wagen?
                        Nun, es ist der Versuch vom "Verschweigen" zum "Dialog" zu kommen, ohne " bei dieser Gelegenheit die Bitterkeit alter Erfahrungen ... aufleben zu lassen" wie du es nennst. Es ist das Wagnis des Neuen ohne der Mutter den ganzen "Dreck der letzten Jahre auf den Hof zu kippen", in dem sie wohl ersticken würde.

                        Es ist ein "häppchenweise" beibringen der Realität. Ein Vermeiden des "Holzhammers". Denn wenn sie plötzlich so viel "Neues" über ihn erfährt und hört, dass er diese Ansichten schon länger vertritt - nur nicht ihr gegenüber - beginnt sie von sich aus "in der Vergangneheit zu stochern" und ihm wegen des Verschweigens Vorwürfe zu machen bzw. in jeder Erklärung seines Verhaltens einen Vorwurf gegen sich zu hören.

                        Weshalb ist es wichtig, dass seine Mutter alles billigt, was er tut?
                        Nun, weil sie die Klappe nicht halten kann, wenn ihr etwas nicht passt. Ein kleines Beispiel ist das Motoradfahren. Seit zwanzig Jahren bei praktisch jeder Begegnung ein Kommentar mit dem Tenor "Siehst du denn jetzt endlich ein, wie kindisch und gefährlich das ist und dass du damit aufhören musst?". Zwanzig Jahre lang das gleiche Thema!!! Oder "Habt ihr die Katzen jetzt endlich abgeschafft, du weißt: ich ekle mich vor Katzen?!" Seit etwa 15 Jahren!!! Und sie scheut sich auch nicht, nach einem Treffen noch dreimal anzurufen, nur um "nachzusetzen" und zu hören, ob er jetzt "endlich vernünftig geworden ist" - er muss doch einsehen, dass sie Recht hat. Oder ihr einfach alles verschweigen, bei dem er keine "Billigung" erwartet.

                        Wie geht man damit um, dass das gegenüber die "eigenständige Person" gar nicht kennenlernen will? Behutsam, vorsichtig, Schritt für Schritt...

                        Wie geht man damit um, wenn die Reaktion auf eine abweichende Sachmeinung (die womöglich auch noch mit der Meinung der Schwiegertochter übereinstimmt) emotional ist: "du stellst dich gegen mich, du liebst mich nicht mehr, du lässt mich fallen, klar, du musst ja jetzt zu ihr halten"?

                        Dabei geht es um so popelige Ansichten wie "Man kann sich auch vegetarisch ernähren ohne krank davon zu werden" oder "Nein Mama, Katzen sind kein dreckiges Ungeziefer, das nur Krankheiten und Dreck ins Haus schleppt" oder auch die Ansicht, man kann mit seinem Partner über alles reden, was einen bewegt (und beredet die ernsten Themen nicht mit den Eltern und hält den Partner da raus).

                        Mit einer Schwiegertochter, die solche Meinungen hat "stimmt doch etwas nicht, Das musst du doch einsehen, Junge! Du musst doch sehen, wie sich dich beeinflusst. Das ist doch gar nicht DEINE Meinung."

                        Wie geht man damit um, dass allein der Versuch, etwas am bestehenden Umgang miteinander zu ändern, als Angriff und unstatthafter "Erziehungsversuch" gewertet wird? Als Vorwurf, dass ALLES was sie in den letzten 40 Jahren ihres Lebens gesagt und getan hat, falsch gewesen sein soll?

                        Es fällt schwer, einen erwachsenen Umgang mit der eigenen Mutter zu pflegen, wenn die sich manchmal wie eine verzogene zwölfjährige (oder dreijährige) Prinzessin benimmt, die ihren Dickschädel um's Verrecken durchsetzen muss.

                        Wow. Ich merke gerade, wie mich dieses Thema immernoch aufwühlt. Liegt wohl daran, dass ich gar nichts "tun" sondern nur zugucken kann. Und immer wieder sehe, wie mein Mann unter dem Verhalten seiner Mutter leidet. Trotzdem macht er weiter und will nicht zurück zum bequemen "wenn sie so reagiert, erfährt sie es eben nicht". Er versucht trotzdem immer wieder, ihr klar zu machen, dass man seine Mutter auch schätzt und respektiert, wenn man nicht in allem ihrer Meinung ist oder zumindest so tut als ob. Dass Liebe sich nicht unbedingt in Loyalität und Kadavergehorsam ausdrücken muss.

                        Ich selbst habe es leichter zu sagen "So bin ich. Schön wenn du mich so akzeptierst, schade, wenn nicht - aber nicht mein Problem". Ich habe eine zeitlang versucht, mich zu erklären, damit sie ihre Sicht auf mich, die Motive, die sie mir unterstellt, und die Klischees, die sie auf die Realität überträgt zu korrigieren. Nun: sie hat immer einen Weg gefunden, die böse Schwiegertochter in mir zu sehen, die ihr den Sohn wegnehmen und die "Kontrolle über ihn an sich reißen" will. Ich bin auch glücklich, wenn der Kontakt zu einer Frau, die zufällig mit meinem Mann verwandt ist, nicht herzlich oder auch nicht vorhanden ist.

                        Ich hoffe, eure Schwiegertiger sind nicht so krass drauf wie meiner.

                        Liebe Grüße
                        Sunshine

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                          #13
                          Zitat von Sunshine Beitrag anzeigen
                          Nun: sie hat immer einen Weg gefunden, die böse Schwiegertochter in mir zu sehen, die ihr den Sohn wegnehmen und die "Kontrolle über ihn an sich reißen" will.
                          Hallo Sunshine,

                          Ein genialer Spiegel.

                          Wenn dieser Schwiegertiger wirklich Größe besitzen würde,
                          bräuchte SIE ihre Schwiegertochter nicht klein zu machen.

                          Dann sind ja in diesem Falle die Schwiegertöchter optimale
                          Projektionsflächen für den Schwiegertiger.

                          Alles:
                          Unwissen, Ungenügendsein, Bösartigkeiten, Widersprüche,
                          Widerworte, Frechheiten, Unhöflichkeiten, Respektlosigkeiten,
                          Manipulations-Versuche, Sich-nicht-benehmen-können,
                          Nicht-wissen-WAS-sich-gehört, etc., etc.

                          … wird dann an die Schwiegertochter abgegeben,
                          wird ihr quasi in die Schuhe gelegt
                          … damit Schwiegertiger sich nicht selber Blasen laufen muß


                          DAS, was Schwiegertiger mir quasi vorwirft … sind ihre eigenen Themen.

                          Ein an mich gerichtetes „Ich will dir ja nur helfen.“ aus dem Munde
                          des Schwiegertigers … macht dann schon wieder einen ganz anderen Sinn.



                          ... sind gerade so meine Gedanken ...



                          liebe Grüße
                          Switch

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                            #14
                            Zitat von Switch Beitrag anzeigen
                            Hallo ihr Lieben,

                            ... ich und unsere Tochter (ohne Ehemann) hatten am Freitag
                            mal wieder ein "tolles" Treffen
                            mit meiner Schwiegermutter.

                            ... und mein Mann, der garnicht mit dabei gewesen ist, versteht nicht, dass ich so wenig Verständnis
                            für seine Mutter aufbringe.

                            Schwiegermutter

                            "Bei Konflikten zwischen deiner Frau und deiner Mutter hast du wahrscheinlich das Gefühl zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Du möchtest es mit beiden nicht verderben und empfindest es als lästig, dass sie mit einander nicht gut auskommen. Am liebsten möchtest du ganz aus dem Konflikt zwischen den beiden herausgehalten werden. Damit lässt du deine Frau jedoch allein. Und gerade jetzt braucht sie deine Hilfe. Sprecht in Ruhe mit einander und macht dann gemeinsam den Schwiegereltern-Test."

                            ... da wundert mich jetzt aber NIX mehr ... grrrrrrrrrrrrrrrr

                            Ich mache mir noch ein paar Gedanken dazu ...

                            liebe Grüße
                            Switch
                            Hallo Switch,
                            ich habe mit Interesse den Link "Schwiegermutter" durchgelesen, va. die Verhaltenstipps der Schwiegertochter.
                            Meine Erfahrung dazu:
                            Ich habe mich 7 Jahre an solche Regeln gehalten, hab alles versucht und es ist einfach zum

                            Wenn ein anderer Mensch nicht will rennst gegen die Wand Ich habe aufgegeben.

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                              #15
                              Hallo, Ihr Lieben,
                              die Lösungsmöglichkeiten, mit der Schwiegermutter richtig umzugehen, hätte ich früher gebrauchen können.
                              In vielen Aussagen erkenne ich "uns" wieder. Vielleicht ist es ja "wissenschaftlich", was Ihr hier schreibt, bei mir ist der Zug abgefahren.
                              Das erste Mal, als sie meine Grenze überschritt, sagte er: "Mutter ist eben so".
                              Danach: "hab Dich doch nicht so". Sie hatte während des Urlaubs Haus gehütet und fremde/familiäre Gäste eingeladen, die in unserem Schlafzimmer genächtigt hatten.
                              Dann wollte ich mit ihm unsere Freizeit verbringen: "Ach Junge, ich hab ja so lange nichts von Dir gehört, ich muß doch wissen, ob es Dir gut geht. Ruf mich doch an".
                              "Wenn ihr Probleme miteinander habt, dann löst sie doch unter Euch" sagte er und zog sich zurück.
                              "Der arme Junge hat ja so früh geheiratet und hatte keine Jugend", bekam ich immer wieder aufs Butterbrot geschmiert. (ich brachte ein Kind mit) ... im gewissen Sinne verstehe ich auch ...oder nicht? ... was damals vor vielen Jahren unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen oder auch moralischen Vorstellungen im Kopf oder in den Gedanken "passierte".
                              In Worten: vierzig Jahre sind zum jetzigen Zeitpunkt mein gesetzlicher Ehemann und ich verbunden. Vor einem Jahr zog er aus.

                              Schön, sie hat gesiegt und ich will nicht mehr dagegen ankämpfen.

                              Ich habe auch einen Sohn... dem sag ich hier und da mal meine Meinung; ich lobe ihn nicht in den Himmel. Komischerweise habe ich das Gefühl, dass sie auch da noch ihren Einfluß hat???

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