Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Wie unterscheidet ihr...

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    #16
    - Heimweh: die Sehnsucht nach etwas, was man schon hatte, kannte usw. also Verlorenem, das man "zurück" möchte

    - Sehnsucht: das mit dem Menschsein grundsätzlich gegebene Gefühl des "Mangels" zwischen Verwirklichtem und Möglichem ansich; da kein Mensch die Fülle aller Möglichkeiten ausschöpfen und leben kann, die Erfahrung, daß Sehnsucht immer nur vorübergehend zu stillen ist und immer wieder erwacht; damit ist sie zugleich der Impuls der immer neu zum Aufbrechen motiviert

    - Melancholie: ein Grundwissen um die Zerbrechlichkeit, Endlichkeit, Widersprüchlichkeit, Begrenztheit des Seins als "Grundton" im Lebensgefühl eines Menschen (berührt die Sehnsucht in dem Punkt, daß die Fülle nie ganz zu erleben ist, nur punktuell)

    Letztere beide Punkte sind zusammenfassend herausgezogen aus dem Buch Wilhelm Schmids: Das Glück ... und warum es nicht das Wichtigste ist... Suhrkamp Verlag (mehrere Auflagen)

    Kommentar


      #17
      Heimweh habe ich eigentlich nur als Kind wirklich verspürt. Ich überlege, wann ich das letzte mal Heimweh gehabt habe, kann mich aber nicht richtig erinnern.
      Manchmal möchte man weg, wenn man in der Fremde ist, aber das ist dann nicht Heimweh, das ist nur Unwohlsein am gegenwärtigen Ort.
      Ich glaube Heimweh ist so etwas wie Sehnsucht nach zu Hause, wenn man es nicht hat oder kurzfristig haben kann.

      Sehnsucht, ja was ist das?
      Vielleicht doch dann am stärksten, wenn man von einem geliebten Menschen getrennt ist.

      Melancholie ist bei mir nicht negativ besetzt.
      Es ist auch keine Traurigkeit, eher wie ein sehr ruhiger Herbstag mit etwas Nebel.
      Man kann die Dinge geschehen lassen, ohne das man ihnen Widerstand entgegen setzen müßte, nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil man ihren Sinn erahnt, oder weil man spürt, dass es zum Ganzen dazugehört.

      Kommentar


        #18
        Liebe Spunk,

        Heimweh zieht mich hin zu meinen Wurzeln,
        Sehnsucht zieht mich fort zu einem unbestimmten Ziel,
        und Melancholie bringt mich zurück zu mir selbst.

        Serafin


        Kommentar


          #19
          Zitat von Pippa Beitrag anzeigen
          - Sehnsucht: (...) damit ist sie zugleich der Impuls der immer neu zum Aufbrechen motiviert
          Liebe Pippa,

          danke für diesen Satz. Das erklärt mir ein Stückweit, warum ich Sehnsucht gar nicht als negativ empfinde. Ja, es stellt sicher auch einen Mangel dar, aber der wäre mir in dem Moment ja bewusst und wenn daraus der Impuls entsteht, neu aufzubrechen, dann ist das für mich positiv.

          LG
          Spunk

          Kommentar


            #20
            Zitat von Hubert1 Beitrag anzeigen
            Melancholie ist bei mir nicht negativ besetzt.
            Es ist auch keine Traurigkeit, eher wie ein sehr ruhiger Herbstag mit etwas Nebel.
            Man kann die Dinge geschehen lassen, ohne das man ihnen Widerstand entgegen setzen müßte, nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil man ihren Sinn erahnt, oder weil man spürt, dass es zum Ganzen dazugehört.
            Danke, das ist wunderschön beschrieben... und ich empfinde das ähnlich. Es ist dieses einfach nur sein, nicht kämpfen müssen oder überhaupt wollen, nur ein "es ist, wie es ist" und das auch so annehmen können.

            Mit ein Grund, warum ich mir überhaupt Gedanken über diese Begriffe gemacht habe war der, daß ich mich frage, warum Menschen das so unterschiedlich empfinden, also "nur" positiv oder negativ. Nur schwarz oder weiß. Mir fehlen da die Grautöne dazwischen... Die machen es nicht bunter, das ist mir schon klar. Aber sie zeigen, daß es noch etwas zwischen den Extremen gibt.

            LG
            Spunk

            Kommentar


              #21
              Zitat von Serafin Beitrag anzeigen
              Liebe Spunk,



              Heimweh zieht mich hin zu meinen Wurzeln,
              Sehnsucht zieht mich fort zu einem unbestimmten Ziel,
              und Melancholie bringt mich zurück zu mir selbst.

              Serafin

              *Gänsehaut*... ich will es nicht zerreden... deshalb einfach nur: danke!

              LG
              Spunk

              Kommentar


                #22
                Liebe Spunk,

                in vielem, was ich bisher hier gelesen habe, finde ich mich wieder.

                Heimweh: wenn ich es habe, vermisse ich in dem Moment die Geborgenheit, die Liebe, das Vertraute. Fühlt sich öfter auch an als ob es mit Angst verbunden wäre - Angst etwas Wichtiges verlieren zu können. Heimweh ist bei mir teilweise mit einem Sicherheitsbedürfnis verknüpft.

                Sehnsucht: ist bei mir oftmals Ausdruck meines Bedürfnisses verstanden oder angenommen werden zu wollen wie ich bin. Ich kann mir etwas selbst nicht geben und suche es im Außen, zB bei anderen Menschen. Manchmal ist Sehnsucht auch Ausdruck von 'Nicht-Loslassen-können' meiner Zweifel, Sehnsucht nach Klarheit, nach Wissen zB was der Sinn meines Lebens ist usw. Sehnsucht kann eine Antriebsfeder sein um Neues anzugehen zB Fragen zu stellen um Antworten zu finden.

                Melancholie: das Gefühl von Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit wenn ich mich nicht wahrgenommen fühle bzw. wenn ich mich selbst nicht wahrnehme - meine Bedürfnisse, meine Seele.
                Wenn ich melancholisch bin, bedaure ich mich selbst, tu ich mir selbst leid - ich denke es ist dann auch eine Chance zu sehen wo ich mich selbst nicht wahrnehme und es zu ändern

                Heimweh, Sehnsucht und Melancholie helfen mir dabei, wieder zu mir zurückzukommen, wieder darauf zu achten was ich brauche, wo meine Bedürfnisse sind.

                Lieben Gruß
                Anneliese

                Kommentar


                  #23
                  Zitat von Spunk Beitrag anzeigen
                  ... und Melancholie ist die Sehnsucht nach Heimweh?
                  Uih... - Was für ein spannender Denkansatz...

                  Vielleicht eher: Heimweh nach der Sehnsucht...? Das vertraute Sehnen nach etwas Fernem, nie Erreichten... - Oder so ähnlich...

                  Vielen Dank für diesen wunderschönen Faden und für die vielen Nach-Denklichkeiten von denen mich einige berührt und selten zu hörenden Saiten zum Schwingen gebracht haben...

                  Kommentar


                    #24
                    Das heißt, Du entscheidest von Fall zu Fall zwischen „positiver“ und „negativer“ Sehnsucht? Für mich ganz wichtig beim darüber nachdenken.

                    melancholie: das ist ein wort, mit dem ich nicht viel anfangen kann...es ist für mich einen worthülse....

                    ...manchmal lösen auch alte photos solche melancholischen stimmungen aus....

                    Ist das dann in dem Moment für Dich eher traurig, oder lösen solche Fotos z. B. auch ein Gefühl von „leiser“ Freude oder Dankbarkeit aus, diese Menschen auf den Fotos zu kennen oder die Situationen darauf erlebt haben zu dürfen?
                    hallo spunk,
                    ja, ich unterscheide zwischen für mich negativer und positiver sehnsucht.....sehn-sucht, die mich zu etwas treibt, weil ich süchtig bin, empfinde ich als negativ...und es kann sehr weh tun, und mich eher von meinem weg abbringen....
                    positiv ist für mich alles, wonach ich mich innerlich sehne, wo ich ein warmes bis leidenschaftliches gefühl empfinde, ein gefühl, das sich nach einem inneren kompass anfühlt, der mir zeigt, was mir wichtig ist im leben!
                    darum liebe ich distanz im sinne von abstand von zeit zu zeit, denn da kann ich dann "richtig spüren", wohin mein kompass zeigt.....das ist mir persönlich-wo ich oft den wald vor lauter bäume nicht sehen kann-sehr wichtig! ja, ich geniesse positive sehnsucht! sie zeigt mir, was und wer mir wirklich wichtig sind im leben!!!

                    melancholische stimmungen sind eher wie gefühlsmässige erinnerungen...ich fühle plötzlich so wie damals....wenn ich zum beispiel ein lied höre, das ich zwischen 16 und 17 gehört hab, so fühle ich plötzlich wie damals.....es ist weder gut noch schlecht...es ist einfach seltsam...und es zeigt mir einfach die verschiedenen gefühls- und lebensstationen meines lebens....meistens ist mir sowohl das gute als auch das unangenehme dieser zeiten sehr bewusst in diesen momenten....immer einen andere mischung der lebesintensivität, aber stets intensiv.....mit allen vor-und nachteilen...
                    OS

                    Kommentar


                      #25
                      Liebe Anneliese,

                      "Heimweh, Sehnsucht und Melancholie helfen mir dabei, wieder zu mir zurückzukommen, wieder darauf zu achten was ich brauche, wo meine Bedürfnisse sind."

                      das finde ich gut zusammen gefasst. Denn alle drei Stimmungen sind, so empfinde ich es zumindest, solche, die uns auf etwas aufmerksam machen wollen.

                      Auch den Satz von Dir, liebe OS,

                      positiv ist für mich alles, (wonach ich mich innerlich sehne,) wo ich ein warmes bis leidenschaftliches gefühl empfinde, ein gefühl, das sich nach einem inneren kompass anfühlt, der mir zeigt, was mir wichtig ist im leben!

                      würde ich so unterschreiben.

                      Dir, liebe nekton, herzlichen Dank für Deinen "Gedankensturm", da war viel drin, worüber ich nachgedacht und wo ich mich wiedererkannt habe.

                      Der eigentlichen Frage in mir bin ich nicht auf die Schliche gekommen, habe es vielleicht aus dem (für mich) falschen Blickwinkel betrachtet.

                      Wenn ich eure Aussagen lese, sitze ich hier und nicke bei Vielem mit dem Kopf. Speziell aber beim Begriff Heimweh... komme ich nicht wirklich dahinter. Heimweh ist für mich... nicht die Sehnsucht nach "etwas" zurück, sondern mehr mit dem Wunsch des Aufbruchs nach vorn verbunden. Allerdings auch nicht das, was man Fernweh nennt.

                      Bitter-sweet, diesen Ausdruck hast Du verwendet, nekton. Zartbitter... trifft es für mich auch. Hat aber für mich keinen negativen touch, denn Zartbitter ist mir wesentlich lieber, als "Vollmilch".

                      Danke für eure Unterstützung!

                      LG
                      Spunk

                      Kommentar


                        #26
                        Bei Heimweh fällt mir ein: Zugehörigkeit. Ich möchte dahin, wo ich meine hinzugehören.
                        Sehnsucht: es zieht mich zu etwas hin.
                        Melancholie: "ich bin grau" heißt das bei mir, depressive Stimmung, es fehlt ein Objekt im Gegensatz zu den o. g. Begriffen.

                        Kommentar


                          #27
                          Zitat von Spunk Beitrag anzeigen
                          Speziell aber beim Begriff Heimweh... komme ich nicht wirklich dahinter. Heimweh ist für mich... nicht die Sehnsucht nach "etwas" zurück, sondern mehr mit dem Wunsch des Aufbruchs nach vorn verbunden. Allerdings auch nicht das, was man Fernweh nennt.
                          Liebe Spunk,

                          vielleicht ist es das Wissen, die Erwartung, die Aussicht und der Wunsch, dass sich der "Auftrag" hier auf der Erde langsam dem Ende zuneigt? Nicht melancholisch, sondern einfach als Feststellung. Und gleichzeitig auch die wachsende Vorfreude auf ein Wiedersehen mit der Seelenfamilie?

                          Serafin

                          Kommentar


                            #28
                            was mir bei "heimweh" eibgefallen ist: um heimweh zu haben, muss ich ein zuhause haben, von dem ich entfernt bin...

                            ich kann mich an einen ganz besonderen moment meines lebens erinnern...
                            da sass ich mit meinem mann zusammen und las in einem ur alten tagebuch aus der jugendzeit von mir...da stand so was wie: "ich bin frutchbar einsam, das hier ist alles kein zustand...ich habe keine zuhause!" mein mann und ich sahen uns an und sagten GLEICHZEITIG dasselbe: "JETZT hast du ein zuhause!"
                            und es stimmt: bei meinem mann fühle ich mich ZUHAUSE!!!!
                            und es stimmt: wenn ich längerer zeit weg bin vom ihm (ist eh selten), dannvermischen sich darum sehsucht und heimweh...weil er mein zuhause ist...
                            OS

                            Kommentar

                            Lädt...
                            X