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was haltet ihr davon?
Alle kreativen Dialekte individuell zu Papier bringen und sich trotzdem noch
innerhalb eines Landes verständigen/verstehen können?
Diese Methode halte ich für fatal. Die Argumente dagegen liefern ja die Ergebnisse sowie die Erfahrungen der Lehrer und Eltern.
Selbst Studenten können kein richtiges Deutsch mehr schreiben (Erfahrungsberichte meiner Söhne).
Ich möchte da tatsächlich mal grundsätzlich werden: Die Liberalisierung auf sehr vielen Feldern innerhalb unseres Landes fällt uns leider jetzt vielfach auf die Füße (z.B. Polizei, Disziplin in der Schule etc.).
ich denke Unterricht ist immer eine Gratwanderung. So viele Individuen mit einer "Methode" abzudecken...
Wenn ein Lehrer anhand von Ergebnissen nachweisen kann, dass er mit seiner Unterrichtsform gute Erfolge erzielt, soll er sie ruhig weiter anwenden. Allerdings ist das Schreiben nach Gehör ja deshalb in Verruf geraten, weil die Ergebnisse nicht so dolle sind. Welche Mischformen tragfähig sind, muss im Einzelfall nachgewiesen werden.
Das reine Schreiben nach Gehör bzw. nur mit der Anlauttabelle zu arbeiten halte ich für wenig sinnvoll. Die Anlauttabelle bildet das Alphabet nicht 1:1 ab. Beispielsweise kann ein gehörtes "fffffffff" ein F, ein V oder ein Ph sein. Und das ist nicht die einzige uneindeutige Laut-Buchstabe-Zuordnung. Wenn nach (relativ) reiner Lehre unterrichtet und erst ab Klasse 3 Rechtschreibung eingeführt und korrigiert wird, kommt der Frust nur einfach später. Auswendig gelernt werden muss sowieso einiges, warum dann nicht gleich richtig?
An der Grundschule hier wird eine Mischform unterrichtet, bei der zwar zunächst mit der Anlauttabelle gearbeitet wird, aber auch (bereits ab Klasse 1) mit Rechtschreibheften und Lernwörtern. In Hausaufgaben bzw. Diktaten wird nur korrigiert, was bereits Lehrstoff war, und ab Klasse 3 auch, was entsprechend der bereits eingeführten Rechtschreibregeln herleitbar sein sollte. Ansonsten gibt es auch die "Schreibwerkstatt" mit der die Kinder ihre Lerninhalte relativ frei zusammenstellen.
Ich hatte anfangs ab und an Diskussionen mit dem Tenor "Nein, Mama, das schreibt man so. Wenn es falsch wäre hätte Frau X es ja wohl korrigiert!" Tja, es war aber kein Lernwort gewesen und wurde deshalb nicht angestrichen. Also kann ein Kind sich nicht darauf verlassen, dass "korrigierte" Aufgaben auch tatsächlich vollständig korrigiert wurden. Das verwirrt die Kinder eher. Duden sei Dank konnte ich mein Kind da jeweils überzeugen und wir haben uns irgendwann darauf geeinigt, dass es ein "richtig für die Schule" und ein "richtig für's Leben" gibt - und dass man von "richtig für's Leben" länger was hat und das deshalb bevorzugt lernen sollte.
Mein Kind konnte bei der Einschulung schon lesen und relativ sicher schreiben und ich habe - als eine der "uneinsichtigen" Mütter - trotz Verbotes der Lehrerin auch nach der Einschulung weiterhin die Rechtschreibung neuer (Nichtlern-)Wörter korrigiert. Das gab zwar gelegentlich Frust bei den Hausaufgaben, aber meiner Meinung nach weniger als ihn andere Kinder ab Klasse 3 nach praktisch jedem Diktat hatten. Die Anwendung der inzwischen gelernten Rechtschreibregeln auf Wörter, die vorher ganz selbstverständlich falsch akzeptiert worden waren (und im Kopf des Kindes deshalb nicht mehr hinterfragt wurden), ist nämlich ein riesiger Stolperstein.
In "unserem" Jahrgang wurde bei den Vergleichsarbeiten (VERA3) auch der Kompetenzbereich Rechtschreibung getestet und das Gesamtergebnis war - trotz sehr "verwässerter" Gehörmehode - unter aller Sau. Sicher lag der Grund in einzelnen Fällen auch an speziellen Problemen der Kinder, aber dass nur 6% den Optimalstandard erreichen, dann lange nichts kommt und der Rest mit knapper Not um den Mindeststandard herumkrebst, ist in meinen Augen systembedingt. Die "6%" hatten übrigens alle Eltern, die das Korrekturverbot von Anfang an ignoriert und der Lehrerin ins Handwerk gepfuscht haben. Insofern denke ich, lernschwache oder zuhause weniger unterstützte Kinder "leiden" mehr an der fehlenden Korrektur und die Schule kann nicht belastbar überprüfen, wo der Erfolg der Methode hauptsächlich darauf basiert, dass Eltern sie sabotieren und ihre Kinder stillschweigend ergänzend zur Schule "selbst unterrichten".
Ich kann allerdings auch den im Artikel geäußerten Ärger der Lehrer verstehen, die vor ein paar Jahren verdonnert wurden, Schreiben nach Gehör einzuführen und seither an der Methode herumtüfteln, um sie praxistauglich zu modifizieren - und jetzt, wo es ihrer Meinung nach endlich einigermaßen hinhaut, soll alles wieder abgeschafft werden.
Für eine Abschaffung der Rechtschreibung und dialekt-kreative Schreibung kann ich mich nicht erwärmen. Als Mutter, die die Aussprache ihres Kindes im Ohr hat, konnte ich auch die ersten Versuche (z.B. Farat fan=Fahrrad fahren) entschlüsseln, aber nach ein paar Jahren konnte selbst mein Kind sein eigenes Geschreibsel nicht mehr entziffern. Und ob ein Bayer das verstehen oder sich fragen würde, ob das Kind ein Fan eines ihm unbekannten Popstars namens Farat ist oder ob es eine Farn-Art dieses Namens gibt? Mit seinem "radl fon" hat das "farat fan" ja keinerlei akkustische Gemeinsamkeit. Schriftliche Kommunikation scheint mir so schwierig bis unmöglich.
.Wenn nach (relativ) reiner Lehre unterrichtet und erst ab Klasse 3 Rechtschreibung eingeführt und korrigiert wird, kommt der Frust nur einfach später. Auswendig gelernt werden muss sowieso einiges, warum dann nicht gleich richtig?
aaabsolut! das sehe ich genau so!
Mir tun die kleinen Stöpsel richtiggehend leid, wenn sie voller Stolz kaum Fehler markiert bekommen. Sich über ihre Erfolge, ihr Können freuen und dann kommt der Hammer und alles ist "rot" markiert.
Experimentierfeld Kind hat ja eh schon genügend Herausforderungen, da braucht es nicht auch noch, aus Forschungszwecken, wissentlich künstlich herbeigeführte Eisplatten.
Duden sei Dank konnte ich mein Kind da jeweils überzeugen und wir haben uns irgendwann darauf geeinigt, dass es ein "richtig für die Schule" und ein "richtig für's Leben" gibt - und dass man von "richtig für's Leben" länger was hat und das deshalb bevorzugt lernen sollte.
Sich über ihre Erfolge, ihr Können freuen und dann kommt der Hammer ...
Ich schätze, da liegt der Hund begraben. Als Mama kann ich es ab-so-lut nachvollziehen, dass man Kindern Frust - oder schlicht schmerzhafte und unangenehme Erfahrungen im allgemeinen - ersparen will. Und sich selbst das Aushalten des kindlichen Schmerzes!
Aber das geht eben nicht. Frust "in Maßen" ist notwendig, um den Umgang damit und dadurch die in meinen Augen für's Leben wichtige Frustrationstoleranz zu lernen. Erst Frust vermeiden und dann, wenn keinerlei Resistenz entwickelt wurde, mit dem großen Frusthammer zuschlagen, macht die Kinder auch nicht glücklicher oder motiviert sie zu größeren Lernerfolgen.
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