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Ich sitze am Straßenrand

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    Ich sitze am Straßenrand

    schrieb einst Brecht.

    Der Fahrer wechselt das Rad
    Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
    Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
    Warum sehe ich den Radwechsel mit Ungeduld?


    Entschlusslosigkeit ist gesamtgesellschaftlich zu einer beobachtbaren Größe geworden, von der anscheinend immer mehr Menschen betroffen sind.
    Historisch war das schon immer so, und manche Menschen hatten auch aufgrund ihrer sozialen Herkunft, ihres Geschlechts, ihres Bildungsstandes und ihrer persönlichen Situation kaum eine Möglichkeit bestimmte Entscheidungen zu treffen. Genetisch sind wir wohl noch immer auf das Freund – Feind- Muster programmiert. Was machen wir aber wenn wir aus 20 Käsesorten auswählen müssen?
    Wenn wir uns für etwas entscheiden, entscheiden wir uns immer auch gegen etwas. Entscheidung bedeutet daher immer auch Verlust.
    Kann es sein, dass wir den Verlust so sehr fürchten, dass wir falsche oder keine Entscheidungen treffen?
    Setzen wir uns auch dadurch unter Druck, dass wir uns immer möglichst viele Türen offen halten wollen und auf wenig, möglicherweise auf Nichts verzichten wollen?
    Spielt Verlustangst oder das nicht loslassen können eine Rolle, wenn wir an Entscheidungen festhalten, die im Grunde Fehlentscheidungen sind?

    #2
    Ja.

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      #3
      Zitat von Mensch Beitrag anzeigen
      Ja.
      Und?
      Konsequenz?

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        #4
        Kräht der Hahn auf dem Mist,
        ändert sich´s Wetter,
        oder s´bleibt, wie´s ist...

        Kommentar


          #5
          Zitat von Gunvald Beitrag anzeigen
          Kräht der Hahn auf dem Mist,
          ändert sich´s Wetter,
          oder s´bleibt, wie´s ist...

          heißt ist Bezug auf meinen Eingangstext was?

          belanglos?

          Kommentar


            #6
            Hubert,

            wenn ich aus 20 Käsesorten eine Sorte auswählen müsste, würde ich mir die Augen verbinden, die Nase zukleben und mit einer Gabel auf eine Sorte stechen und diesen Käse genussvoll essen. Ich liebe Käse!

            Für mich ist das Treffen klarer Entscheidungen sehr wichtig. Lieber eine falsche Entscheidung treffen als gar keine. Wenn sich meine Entscheidung als falsch erwiesen hat, hinterfrage ich mich, warum ich diese Entscheidung so getroffen habe (Root Cause Analyse) und versuche daraus zu lernen um es beim nächsten Mal besser zu machen.

            Was mir nicht gefällt, ist, dass, wenn sich eine Entscheidung als falsch zeigt, an dieser festgehalten wird. "Man darf ja nicht sein Gesicht verlieren."

            Mir ist es mit meinem Gesicht nicht wichtig, mir ist es wichtig Entscheidungen zu treffen und aus meinen Fehlern zu lernen.

            Hubert, Du kannst Dir denken, dass ich nie perfekte Entscheidungen treffen kann, da kann ich lernen und analysieren soviel wie ich will.

            Wie hältst Du das persönlich mit dem Treffen von Entscheidungen? Deine Entscheidungen und Entscheidungen anderer?

            Hilla

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              #7
              Zitat von Hubert1 Beitrag anzeigen
              Und?
              Konsequenz?
              Daran zugrunde gehen.

              Kommentar


                #8
                Zitat von Hubert1 Beitrag anzeigen
                Was machen wir aber wenn wir aus 20 Käsesorten auswählen müssen?
                Wenn es nur 20 wären... Ich glaube, dass gerade in diesem oder ähnlichen Fällen Reizüberflutung, "zu viel des Guten", eine Rolle spielt. Gerade heutzutage haben wir in vielen Gebieten so viele Möglichkeiten, aus denen wir wählen können, dass unser Hirn das Für und Wider möglicherweise gar nicht mehr verarbeiten kann und wir wie gelähmt vor der Situation (oder der Käsetheke) stehen.

                Wenn wir uns für etwas entscheiden, entscheiden wir uns immer auch gegen etwas.
                Aber wenigstens haben wir die Möglichkeit, uns zu entscheiden; auch wenn wir hin und und wieder entscheiden, keine Entscheidung zu treffen. Wissen wir denn überhaupt, wie wertvoll diese Tatsache ist?

                Entscheidung bedeutet daher immer auch Verlust.
                Kann es sein, dass wir den Verlust so sehr fürchten, dass wir falsche oder keine Entscheidungen treffen?
                Ich weiß nicht, ob es Angst vor Verlust oder Angst davor, das Falsche zu tun, ist, denn man kann sich oft jetzt für das Eine und beim nächsten Mal für etwas anderes entscheiden (z.B. beim Käse).
                Spontaner Gedanke: Das Treffen von Entscheidungen hat damit zu tun, dass man Vorlieben, Meinungen, etwas von sich selbst preisgibt und dass vielleicht viele Menschen Angst haben, sich dadurch verletzlich zu machen.

                Setzen wir uns auch dadurch unter Druck, dass wir uns immer möglichst viele Türen offen halten wollen und auf wenig, möglicherweise auf Nichts verzichten wollen?
                Ja. Es ist in meiner Erfahrung wesentlich befreiender, eine Entscheidung zu treffen und mit den Konsequenzen zu leben, als immer im Entscheidungs-Nirwana zu sein.

                Spielt Verlustangst oder das nicht loslassen können eine Rolle, wenn wir an Entscheidungen festhalten, die im Grunde Fehlentscheidungen sind?
                Zuerst einmal muss man sehen, ob es eine Fehlentscheidung war. Wer entscheidet das? Die Schwierigkeit ist, dass die meisten Entscheidungen Vor- und Nachteile haben, die von verschiedenen Leuten unterschiedlich gewichtet werden. Möglicherweise hält man oft an solchen Entscheidungen fest, weil man sich selbst oder anderen gegenüber den Fehler nicht eingestehen will oder kann.

                Verlustangst scheint in diesem Zusammenhang für mich kein Thema zu sein...

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                  #9
                  Zitat von Hubert1 Beitrag anzeigen
                  schrieb einst Brecht.

                  Der Fahrer wechselt das Rad
                  Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
                  Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
                  Warum sehe ich den Radwechsel mit Ungeduld?
                  Das ist mir vor kurzem schon mal irgendwo begegnet - und da habe ich auch schon darüber geschmunzelt.

                  Meine Assoziationen sind allerdings andere. Warum eigentlich die Ungeduld, habe ich mich gefragt. Vielleicht, weil einen irgendwelche Umstände zum Stehenbleiben, zum Innehalten "zwingen". Davonlaufen, sich ablenken lassen, ständig in Bewegung sein - geht erst mal nicht. Was bleibt? Dem Elend der aktuellen Situation ins Auge sehen.

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                    #10
                    Zitat von bettina-k Beitrag anzeigen
                    Spontaner Gedanke: Das Treffen von Entscheidungen hat damit zu tun, dass man Vorlieben, Meinungen, etwas von sich selbst preisgibt und dass vielleicht viele Menschen Angst haben, sich dadurch verletzlich zu machen.
                    Das mag sein, dass das Treffen von Entscheidungen uns Menschen Angst machen kann. Aber ich habe bisher in meinem Leben gelernt, dass es besser ist eine Entscheidung zu treffen, auch wenn ich dadurch angreifbar werde, als entscheidungslos vor mich hinzudümpeln.

                    Zitat von bettina-k Beitrag anzeigen
                    Zuerst einmal muss man sehen, ob es eine Fehlentscheidung war. Wer entscheidet das?
                    Fehlentscheidungen zeigen sich eigentlich fast von selbst.

                    Z.B.: Es wird in einer Firma ein Produkt abgekündigt. (Entscheidung). Mit einem Mal wandern die Kunden zur Konkurrenz ab.
                    Konsequenz: Entlassung von Mitarbeitern.
                    Aus Sicht der Firma: Entscheidung ist prima, da Kosten gespart worden sind!
                    Aus Sicht der Mitarbeiter: Fehlentscheidung, jetzt bin ich arbeitslos.
                    Aus Sicht der Konkurrenz: Schade, aber auch andere Hersteller haben gute Produkte.
                    Doch dass diese Firmenentscheidung eine Fehlentscheidung ist, ist nur meine eigene Meinung, also total subjektiv, so schreibst Du ja auch:

                    Zitat von bettina-k Beitrag anzeigen
                    Die Schwierigkeit ist, dass die meisten Entscheidungen Vor- und Nachteile haben, die von verschiedenen Leuten unterschiedlich gewichtet werden.
                    Zitat von bettina-k Beitrag anzeigen
                    Möglicherweise hält man oft an solchen Entscheidungen fest, weil man sich selbst oder anderen gegenüber den Fehler nicht eingestehen will oder kann.
                    ... und genau das empfinde ich auch so und verstehe einfach nicht, warum. Für manche Politiker hätte ich eine Vermutung: Völliger Realitätsverlust.

                    Ich gestehe Fehlentscheidungen, die ich gemacht habe, zu - auch wenn es mich verletzlich macht - und arbeite dann daran um es das nächste Mal besser zu machen. ... auch wenn ich mich jetzt wiederhole ...

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                      #11
                      Spielt Verlustangst oder das nicht loslassen können eine Rolle, wenn wir an Entscheidungen festhalten, die im Grunde Fehlentscheidungen sind?
                      das kenne ich von mir so, dass es immer schwerer fehlt, je mehr ich (angeblich) investiert habe. Dabei ist Schwere und Mühsal ja oft ein Merkmal dafür, dass da eine falsche Entscheidung getroffen wurde. Aber wie oft denkt man dann: "jetzt hab ich so lang ausgeharrt, soviel investiert, blabla, das kann doch nicht umsonst gewesen sein.."
                      Ironie: Umsonst ist es auch nicht, man hat ja schon kräftig auf irgendweine Weise dafür bezahlt.

                      Da hilft (mir) am besten: abhaken, loslassen, die Investitionen (Zeit, Energie, Geld usw) als Lehrgeld abhaken. Mir gings danach dann immer besser und das Lehrgeld half, nicht den selben Fehler zu wiederholen.

                      frei nach dem Indianerspruch: wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.

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                        #12
                        Zitat von Hilla123 Beitrag anzeigen

                        wenn ich aus 20 Käsesorten eine Sorte auswählen müsste, würde ich mir die Augen verbinden, die Nase zukleben und mit einer Gabel auf eine Sorte stechen und diesen Käse genussvoll essen. Ich liebe Käse!
                        Ja, aber an der Grundproblematik (mehr Auswahl als wir vertragen) ändert das leider nichts.

                        Zitat von Hilla123 Beitrag anzeigen
                        Für mich ist das Treffen klarer Entscheidungen sehr wichtig. Lieber eine falsche Entscheidung treffen als gar keine.
                        Ich bin mir da nicht so sicher, kann man das derart pauschalieren, oder ist es nicht mehr situationsabhängig?



                        Zitat von Hilla123 Beitrag anzeigen
                        Was mir nicht gefällt, ist, dass, wenn sich eine Entscheidung als falsch zeigt, an dieser festgehalten wird. "Man darf ja nicht sein Gesicht verlieren."
                        Wobei sicherlich interessant wäre, mal darüber nachzudenken, ob das der einzige Grund für ein solches Verhalten ist.


                        Zitat von Hilla123 Beitrag anzeigen
                        Wie hältst Du das persönlich mit dem Treffen von Entscheidungen? Deine Entscheidungen und Entscheidungen anderer?
                        So ganz viele Dinge in meinem Leben gibt es nicht zu entscheiden, oder anders ausgedrückt, 95 % aller Entscheidungen, die ich treffe sind Routine und bereiten mir keine Probleme. Bei dem Rest bin ich auf der Suche nach hilfreichen Handlungsstrategien, deshalb auch der Faden hier.
                        Mir ist klar, dass ich mit dem Eingangstext nicht mal ein Prozent aller relevanten Fragen dieses Themas angeschnitten habe, weil es eben sehr komplex ist. Ich werde meine zusätzlichen Gedanken aber noch schreiben.

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                          #13
                          Zitat von bettina-k Beitrag anzeigen
                          Wenn es nur 20 wären... Ich glaube, dass gerade in diesem oder ähnlichen Fällen Reizüberflutung, "zu viel des Guten", eine Rolle spielt. Gerade heutzutage haben wir in vielen Gebieten so viele Möglichkeiten, aus denen wir wählen können, dass unser Hirn das Für und Wider möglicherweise gar nicht mehr verarbeiten kann und wir wie gelähmt vor der Situation (oder der Käsetheke) stehen.
                          Ja, genau das meinte ich.

                          Zitat von bettina-k Beitrag anzeigen
                          Aber wenigstens haben wir die Möglichkeit, uns zu entscheiden; auch wenn wir hin und und wieder entscheiden, keine Entscheidung zu treffen. Wissen wir denn überhaupt, wie wertvoll diese Tatsache ist?
                          Persönlich bin ich da in einem gewissen Dilemma. Einerseits möchte ich die Qualität meiner eigenen Entscheidungen wesentlich verbessern und andererseits habe ich mittlerweile so viel über Hinforschung gelesen, dass für mich immer wahrscheinlicher wird, dass der freie Wille eine Illusion ist.
                          Wir sind nicht frei in unseren Entscheidungen, wir haben nur das Gefühl von Freiheit. Eine Vermutung von mir, und nachdem Freud durch die Stellung des Unbewußten unsere Freiheit schon stark eingeschränkt hat fügt die Hinforschung der menschlichen Eitelkeit eine weitere Kränkung zu.

                          Zitat von bettina-k Beitrag anzeigen
                          Ich weiß nicht, ob es Angst vor Verlust oder Angst davor, das Falsche zu tun, ist, denn man kann sich oft jetzt für das Eine und beim nächsten Mal für etwas anderes entscheiden (z.B. beim Käse).
                          Spontaner Gedanke: Das Treffen von Entscheidungen hat damit zu tun, dass man Vorlieben, Meinungen, etwas von sich selbst preisgibt und dass vielleicht viele Menschen Angst haben, sich dadurch verletzlich zu machen.
                          Bei manchen Situationen ist das denkbar, wenn ich jedoch jemanden heirate, ist das schon schwieriger, nach einer Entscheidung schwenkt man nicht so schnell zum nächsten Käse über, wobei allerdings bei einer bestimmten Wahl man sich nicht unbedingt verletzlich macht, vielleicht bei einem sehr geringen Selbstwertgefühl.


                          Zitat von bettina-k Beitrag anzeigen
                          Zuerst einmal muss man sehen, ob es eine Fehlentscheidung war. Wer entscheidet das? Die Schwierigkeit ist, dass die meisten Entscheidungen Vor- und Nachteile haben, die von verschiedenen Leuten unterschiedlich gewichtet werden. Möglicherweise hält man oft an solchen Entscheidungen fest, weil man sich selbst oder anderen gegenüber den Fehler nicht eingestehen will oder kann.
                          Ich denke Fehlentscheidungen oder Entscheidungen generell haben weniger was mit Vor- und Nachteilen zu tun, sondern eher was mit Vergangenheit und Zukunft.

                          Nehmen wir an, die mietest mit Freunden für zwei Wochen ein Haus am Meer und eine kleine Segelyacht. Als ihr ankommt ist das Wetter so schlecht, dass Urlaub und Segeltörn nur zur Qual werden können.

                          Zu Hause wartet auf Dich ein schönes Buch, Deine vertraute Umgebung und weitere Annahmlichkeiten. Du hälst es für klüger nach Hause zu fahren, das Geld ist eh weg, ob Du nun bleibst oder nicht. Deine Freunde sehen das anders, sie möchten bleiben.
                          Was machst Du? Wegen der bereits gezahlten Kosten (Vergangenheit) dazubleiben macht keinen Sinn, vielleicht durch die Rückfahrt Freunde zu enttäuschen (Zukunft) kann schon eher eine Überlegung wert sein.

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                            #14
                            Zitat von hobbes Beitrag anzeigen
                            Davonlaufen, sich ablenken lassen, ständig in Bewegung sein - geht erst mal nicht. Was bleibt? Dem Elend der aktuellen Situation ins Auge sehen.

                            Wobei die Frage ist, ob das Stehenbleiben wirklich Elend ist?
                            Viele Menschen wissen nicht, welche Entscheidung sie treffen sollen. (ich bin nicht gerne wo ich herkomme, ich bin nicht gerne, wo ich hinfahre)
                            Im Grunde heißt das doch, Entscheidungen sind nicht reif, sie haben keine Gestalt oder Kontur angenommen, sie brauchen einfach noch Zeit und dennoch glauben viele, sie müßten sich beeilen und dürften sich nicht so viel Zeit lassen. So habe ich es verstanden.

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                              #15
                              Zitat von _Yule Beitrag anzeigen
                              Aber wie oft denkt man dann: "jetzt hab ich so lang ausgeharrt, soviel investiert, blabla, das kann doch nicht umsonst gewesen sein.."
                              Ironie: Umsonst ist es auch nicht, man hat ja schon kräftig auf irgendweine Weise dafür bezahlt.
                              Ja, das ist es, was ich mit Verlustangst meine, die manchmal an Entscheidungen festhalten läßt.

                              Zitat von _Yule Beitrag anzeigen
                              Da hilft (mir) am besten: abhaken, loslassen, die Investitionen (Zeit, Energie, Geld usw) als Lehrgeld abhaken. Mir gings danach dann immer besser und das Lehrgeld half, nicht den selben Fehler zu wiederholen.
                              Ja, der letzte Halbsatz ist es, der mich unter anderem interessiert.

                              Wer eine gute Entscheidung treffen will, der sollte:

                              ...............
                              ....................
                              .....................
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