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Literaturzitate ... Sätze, die mich bewegen

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    Literaturzitate ... Sätze, die mich bewegen

    Hallo zusammen!

    Immer mal wieder kommen mir beim Lesen Stellen unter, die mich berühren. Nun bin ich keine "Anstreicherin" (eine Freundin sagte gestern beim Anblick meiner Bücher, sie sähen geradezu jungfräulich aus ... wie passend bei meinem Sternzeichen )... und darum mache ich jetzt hier einen Ort auf, wo ich diese Texte lassen kann.

    Und vielleicht wird jemand von Euch durch die Zitate neugierig gemacht ... und wir kommen in Austausch darüber. Oder Ihr lasst selber Zitate hier (das fände ich klasse!).

    Wenn Ihr mögt, schreibt vielleicht noch etwas über das Buch aus dem das Zitat stammt ... es soll aber nicht in Arbeit ausarten. Ich selbst fang einfach jetzt mal an:

    #2
    Adolf H. - Zwei Leben. - Eric-Emmanuel Schmitt; S.287

    "Er sprach mehr mit der schlafenden als mit der wachen Elf-Uhr-dreißig. Wenn er nicht im Feuer ihres Blickes brannte, verspürte er elementare Gefühle und konnte sie im stillen auf sie richten. Frei, ohne Druck, befreit von der Lächerlichkeit, ohne Furcht vor einem vernichtenden Kommentar oder einer ihrer Frotzeleien, an denen sie nicht sparte, drückte er seine Freude aus, seine Anhänglichkeit, seine Anbetung für sie, seine Angst, von ihr verraten zu werden, die Panik, die er verspürte, wenn er einen anderen Mann bemerkte, seinen Wunsch, sie als Gefangene seiner Liebe zu halten, die Gewißheit, die Freude am Leben zu verlieren, sollte sie einmal nicht mehr bei ihm sein. So verging der Vormittag, zwischen ein paar Pinselstrichen und den stillen Madrigalen, die er der schlafenden Schönen entsandte."

    ... ohne Kommentar.

    Zum Buch: Ja. Es ist ein Buch über Hitler. Schmitt wagt einen Spagat, indem er einmal das Leben Hitlers beschreibt, nachdem er zum zweiten Mal durch die Aufnahmeprüfung an der Wiener Kunstakademie gefallen war. Und gleichzeitig baut er eine Parallelwelt auf, indem er ein mögliches Leben entwickelt, dass Hitler hätte führen können, wäre er nicht durch diese Prüfung gerasselt. Meiner Meinung nach ein wunderbares Buch ... und ich bewundere den Mut, den Schmitt gezeigt hat, so ein Buch zu schreiben.

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      #3
      Literaturzitate

      Hallo Cynthia, hallo allerseits,

      die Sätze, die mich bewegen und erheitern stammen nicht aus einem Roman, sondern aus einem heiteren, melancholischen Reisebericht Dieter Nuhrs - der auch als Philosoph unter den Kabarettisten bezeichnet wird.
      Er ist vor einigen Jahren um die Welt gereist auf der Suche nach der Existenz des Geistes und hat das Buch 'Gibt es intelligentes Leben' darüber geschrieben.
      Hier also ein Ausschnitt über Las Vegas:

      "Egal, ob einer sein Instrument zur Kunsterschaffung nutzt oder es bloß von der Müllkippe gerettet hat: In jedem Fall handelt es sich um eine intelligente Nutzung von Ressourcen. Venedig verfällt, die Kultur der Renaissance ist ein Spielball der Experten. Las Vegas aber ist die Welt für Laien, ein Spielplatz für Infantilisierte, die dem Tod zu entgehen versuchen, indem sie ihm eine Wette anbieten. Vegas ist nicht für Kulturkritiker gemacht, sondern für Menschen. Vegas ist eine einzige Lüge. Das ist vielleicht die erstaunlichste Form der menschlichen Intelligenz: die Fähigkeit, nicht nur andere, sondern auch sich selbst übers Ohr zu hauen. Wo nichts mehr echt ist, wird die Frage nach dem Echten sinnlos. Adorno schrieb: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Vegas antwortet: Es gibt kein richtiges Leben. Das Falsche kriegen Sie bei uns.
      In Las Vegas zu sterben heißt, in der Hoffnung ins Gras zu beißen, dass auch der Tod nur eine billige Maske ist. Da steht der Sensenmann in der Tür wie überall. Aber nur in Vegas wird man ihm ein Trinkgeld hinwerfen und sagen: „Du kannst mich morgen holen, heute bring mir noch ein paar Eiswürfel!“ Und Vegas ist wahrscheinlich der einzige Ort, an dem sich der Tod sofort auf den Weg zur Etageneismaschine macht."

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        #4
        Stichwort: Schweres leicht genommen, Ernstes heiter

        Aus dem vergriffenen Buch

        „Geschichten von Herrn Polder“ von Hellmut von Cube (1907-1979), München 1982, S. 62/63

        habe ich eine Stelle, die mir auffiel,

        weil sie das Thema „Was tun, wo das Leben so viele Möglichkeiten hätte, wir aber nur eine leben können“ mit leichter Hand formuliert. Im Übrigen kommt mir vor, als wäre Herr Polder – um wie viele Ecken wohl? – verwandt mit Italo Calvinos Herrn Palomar. Und ganz im Übrigen mußte ich beim Lesen an manche Fäden im Forum denken, ganz abgesehen davon, daß gerade im November eine Prise Schlitzohrigkeit zum Thema Sterben wohltut, oder?
        Deshalb also:

        „Die Polders

        Oft hatte sich Herr Polder, wenn er mit dem Zug fuhr, einen Augenblick lang gewünscht, in irgendeinem Haus, irgendeiner Wohnung, irgendeinem Ort, die gerade im Fensterrahmen vorbeiflogen oder sich langsam aus dem Blickfeld drehten, ein anderes Leben zu führen. Schmale Bahnwärterhäuschen mit einem Garten voller Dahlien und Astern waren sehr beliebt bei ihm, aber auch Schloßtürme hoch droben über der Stadt oder Dörfer an einem See oder kleine Mansarden in Rauch und Abendrot.

        Als er alterte, entschloß er sich eines Tages, alle die Polders, die er auf seinen Fahrten zurückgelassen hatte, einzuladen, um Erfahrungen mit ihnen auszutauschen, aber die meisten waren verschollen. Mit drei Polders schließlich traf er sich in einer der alten Weinstuben am Fluß. Der eine war Steueroberinspektor. Er arbeitete in einem Schloß, wo das Finanzamt untergebracht war, und galt als Menschenhasser, der mit Lust und Akribie sein Amt ausübte. Der zweite war ein versoffener Mensch, aushäusig und der Welt gram, eine Art Clochard, der dritte ein auffällig lustiger Schreinermeister, Leiter des Liebhabertheaters seines Städtchens.

        „Man merkt doch gleich, dass die Herren Brüder sind“, sagte die Bedienung. Die Herren, obwohl zwillingsähnlich, merkten es weniger. Immerhin, Polder, der Oberinspektor und der Clochard waren sich in einer gewissen Weltverneinung einig. Aber der lustige Schreiner? Polder zweifelte an seiner Echtheit, und doch konnte er sich genau an das Haus erinnern, wo er ihn verlassen hatte, denn es stand auf einer schmalen, schilfumsäumten Halbinsel.

        Das wurde ein düsteres Treffen. Die vier Polders, einander durchaus unsympathisch, tranken schweigend eine Flasche um die andere. Schließlich bezweifelte der Oberinspektor die Steuerehrlichkeit seiner drei Genossen, worauf ihn der Clochard niederschlug, alle Steuern und die ganze Welt verfluchte und sich in den strudelnden Fluß stürzte. Er ging unter wie ein Stein. Neidisch sah ihm Polder nach. Er gönnte ihm diesen schönen, entschlossenen Tod nicht recht. Der lustige Schreiner aber kicherte ungerührt und erklärte sich bereit, den Sarg umsonst zu liefern. ‚Wahrscheinlich’, dachte sich Polder, ‚gehört er doch zu uns!’

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          #5
          aus: "Der träumende Delphin" von Sergio Bambaren

          (Das Meer spricht zum Delphin)

          Träume bedeuten vielleicht
          ein hartes Stück Arbeit.
          Wenn wir versuchen, dem auszuweichen,
          können wir den Grund,
          warum wir zu träumen begannen,
          aus den Augen verlieren,
          und am Ende merken wir, daß der Traum
          gar nicht mehr uns gehört.
          Wenn wir einfach der Weisheit unserers Herzens
          folgen, wird die Zeit vielleicht dafür sorgen,
          daß wir unsere Bestimmung erfüllen.
          Denk daran:
          Gerade wenn du schon fast aufgeben willst,
          gerade wenn du glaubst, daß das Leben
          zu hart mit dir umspringt,
          dann denk daran, wer du bist.
          Denk an deinen Traum.

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            #6
            Hallo Frau Rübenbrunn,

            wie ist das eigentlich bei Zitaten? Muss, um sie hier reinschreiben zu dürfen, der Autor auch 70 Jahre tot sein? Ich befürchte ja, oder? Mist... der, über den ich mich hier gerne auslassen würde, ist "erst" 69 Jahre nicht mehr unter den Lebenden.

            Und ein Zitat nur auszugsweise einzustellen... macht irgendwie nicht wirklich Sinn... Schade aber auch!

            Na, dann hole ich nachher doch mal mein Lieblingsbuch aus dem Regal...

            LG
            Spunk

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              #7
              Zitat von Spunk Beitrag anzeigen
              Hallo Frau Rübenbrunn,

              wie ist das eigentlich bei Zitaten? Muss, um sie hier reinschreiben zu dürfen, der Autor auch 70 Jahre tot sein? Ich befürchte ja, oder? Mist... der, über den ich mich hier gerne auslassen würde, ist "erst" 69 Jahre nicht mehr unter den Lebenden.


              LG
              Spunk
              bin zwar kein Medienrechtler, aber ein Zitat kannst Du meines Wissens hier ruhig hineinstellen. Allerdings auch als Zitat mit Angabe des Autors kennzeichnen.
              Wenn dem nicht so wäre, könnten sie ja kaum verbreitet werden.

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                #8
                Zitat von Hubert1 Beitrag anzeigen
                Wenn dem nicht so wäre, könnten sie ja kaum verbreitet werden.
                Hallo Hubert,

                das war ja das, was mich so verunsichert hat... Aber in Zeiten, in denen man / frau nicht mal einen mutmachenden Liedtext verbreiten darf und gleich die Plattenfirma oder sonst wen auf dem Hals hat...

                LG
                Spunk

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                  #9
                  Zitat von Cynthia Philebrunn Beitrag anzeigen
                  "Er sprach mehr mit der schlafenden als mit der wachen Elf-Uhr-dreißig.

                  So verging der Vormittag, zwischen ein paar Pinselstrichen und den stillen Madrigalen, die er der schlafenden Schönen entsandte."

                  Ich empfinde das als sehr ruhige, schöne Bildersprache. Ich mag es, irgendwo gemütlich zu sitzen, in einem Buch zu lesen und dabei das Gefühl zu haben, ich schaue auf ein "lebendiges Bild" im Rahmen des Buches und sehe die Geschichte vor mir.

                  LG
                  Spunk

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                    #10
                    Zitat von Pippa Beitrag anzeigen
                    Oft hatte sich Herr Polder, wenn er mit dem Zug fuhr, einen Augenblick lang gewünscht, in irgendeinem Haus, irgendeiner Wohnung, irgendeinem Ort, die gerade im Fensterrahmen vorbeiflogen oder sich langsam aus dem Blickfeld drehten, ein anderes Leben zu führen. Schmale Bahnwärterhäuschen mit einem Garten voller Dahlien und Astern waren sehr beliebt bei ihm, aber auch Schloßtürme hoch droben über der Stadt oder Dörfer an einem See oder kleine Mansarden in Rauch und Abendrot.
                    Da haben Herr Polder und ich etwas gemeinsam. Der Unterschied ist, daß ich mir nicht wünsche, das Leben hinter diesen Fenstern zu leben, sondern mir einfach nur Gedanken mache, was es wohl für Menschen sind, die dort leben.

                    Schmale Bahnwärterhäuschen sind selten geworden... Dafür gibt es aber auf der Strecke, die ich meistens fahre, einen Fluß, dessen Gesicht sich ständig wandelt. (Eigentlich müsste ich "deren Gesicht" schreiben, denn dem Namen nach ist es eine "Sie".) Dieser Fluß schlängelt sich durch Wiesen, Wälder, an Dörfern vorbei, es gibt einige Burgen und Kirchen auf den Hügeln rechts und links und die eine oder andere, häßliche Großstadt. Und zwischendurch gibt es immer mal wieder kleine, alleinstehende Häuschen, mitten in der Landschaft. Die finde ich ganz besonders interessant.

                    Auf der Bahnstrecke hier in der Nähe gibt es ein Haus, das uns Teenies damals schon fasziniert hat und bei mir hat sich diese Faszination bis heute nicht gelegt. Vorne, zur Straße raus, ist es ein Haus, in dem die "Damen des waagerechten Gewerbes" ihrer Tätigkeit nachgehen. Dort, wo die Bahnstrecke verläuft, an der Rückseite des Hauses, "leben" diese Frauen. Jede Wohnung hat einen kleinen Balkon und ich muss immer wieder lächeln, wenn ich sehe, wie liebevoll diese ausgestattet sind. Balkonkästen mit "spießigen Geranien", überall kleine Laternen mit Kerzen drin, Wind-Klang-Spiele, geblümte Decken auf den Balkontischen... ein ganz normales Leben eben.

                    LG
                    Spunk

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                      #11
                      -Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling, Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben.
                      (Hans Christian Andersen)

                      - „Ich will lieber irgendwo ein niemand sein, als im Nirgendwo ein jemand sein.“ (Als das Meer verschwand)

                      "Und Ik blicke was, was du nik blickst, und das hat öööh - einen vertikalen Style." "Boom."
                      (aus Disney's "Bärenbrüder")

                      -"Aber Janett, was für ein Baum kannst du denn da unten sein?" - "Ich bin ein verdammter Busch, okay?!?"
                      (aus "Durchgeknallt")

                      - In einer Welt ohne Melancholie würden die Nachtigallen anfangen zu rülpsen.
                      (Irgendein frz. Philosoph)

                      - Die meisten Menschen wollen nicht eher schwimmen, als bis sie es können." Ist das nicht witzig? Natürlich wollen sie nicht schwimmen! Sie sind ja für den Boden geboren, nicht fürs Wasser. Und natürlich wollen sie nicht denken; sie sind ja fürs Leben geschaffen, nicht fürs Denken! Ja, und wer denkt, wer das Denken zur Hauptsache macht, der kann es darin zwar weit bringen, aber er hat doch eben den Boden mit dem Wasser vertauscht, und einmal wird er ersaufen.
                      (Hesse, der Steppenwolf)

                      -Geniale Menschen sind selten ordentlich, ordentliche selten genial.
                      (Albert Einstein)

                      - Man kann nur leben, indem man oft genug nicht macht, was man sich vornimnmt.
                      (Elias Canetti)

                      - Freedom is just another word for nothing left to lose
                      (Janis Joplin)

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                        #12
                        Ich liebe Albert!

                        Zitat von WuselWiesel Beitrag anzeigen

                        -Geniale Menschen sind selten ordentlich, ordentliche selten genial.
                        (Albert Einstein)
                        OT - Ich kann's kaum fassen: Ich bin genial! - Sagt sogar "Albert" OToff

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                          #13
                          Tja, da siehst du's. Ordnung ist eben was für Leute, die zu faul sind zum Suchen. :P Man muss eben das chaos überblicken können. ^_^

                          Kommentar


                            #14
                            "Nur kleine Geister halten Ordnung. Genies überblicken das Chaos..."

                            Begleitet mich schon mein ganzes Leben lang.

                            LG
                            Spunk

                            PS: Nööö, ich bin überhaupt nicht größenwahnsinnig! Ich kann nur grad die Bescheidenheit nicht finden...

                            Kommentar


                              #15
                              Wenn Du etwas erleben willst, was Du noch nie erlebt hast,
                              musst Du etwas tun, was Du noch nie getan hast.

                              (Keine Ahnung von wem...)

                              LG
                              Spunk

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