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    Poetisches

    November

    Solchen Monat muss man loben:
    Keiner kann wie dieser toben,
    Keiner so verdrießlich sein
    Und so ohne Sonnenschein!
    Keiner so in Wolken maulen,
    Keiner so mit Sturmwind graulen!
    Und wie nass er alles macht!
    Ja, es ist ’ne wahre Pracht.

    Seht das schöne Schlackerwetter!
    Und die armen welken Blätter,
    Wie sie tanzen in dem Wind
    Und so ganz verloren sind!
    Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
    Und sie durcheinanderwirbelt
    Und sie hetzt ohn’ Unterlass:
    Ja, das ist Novemberspaß!

    Und die Scheiben, wie sie rinnen!
    Und die Wolken, wie sie spinnen
    Ihren feuchten Himmelstau
    Ur und ewig, trüb und grau!
    Auf dem Dach die Regentropfen:
    Wie sie pochen, wie sie klopfen!
    Schimmernd hängt’s an jedem Zweig,
    Einer dicken Träne gleich.

    O, wie ist der Mann zu loben,
    Der solch' unvernünft’ges Toben
    Schon im Voraus hat bedacht
    Und die Häuser hohl gemacht!
    So, dass wir im Trocknen hausen
    Und mit stillvergnügtem Grausen
    Und in wohlgeborgner Ruh
    Solchem Gräuel schauen zu!


    Heinrich Seidel



    (* 25. Juni 1842 in Perlin, Mecklenburg-Schwerin; † 7. November 1906 in Groß-Lichterfelde)

    #2
    Glückes genug

    Wenn sanft du mir im Arme schliefst,
    ich deinen Atem hören konnte,
    im Traum du meinen Namen riefst,
    um deinen Mund ein Lächeln sonnte –
    Glückes genug.

    Und wenn nach heißem, ernstem Tag
    Du mir verscheuchtes schwere Sorgen,
    wenn ich an deinem Herzen lag
    und nicht mehr dachte an den Morgen –
    Glückes genug.

    (Detlev von Liliencron) [1802–1892]

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      #3
      WOW, wie schön

      Flora
      seufzend

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