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    Kostenorientierte Krankenhäuser

    Während meiner Physiotherapie unterhalten wir uns so ziemlich über alles, auch über die Zustände in diesem Krankenhaus, das sich angeblich finanziell nicht mehr trägt und verkauft werden soll.
    Besagtes Krankenhaus hat seit einiger Zeit eine sogenannte Komfortstation angebaut, auf der die (Privat-)Patienten behandelt werden wie im Hotel. Entsprechend ist auch das Personal gekleidet, rote Jäckchen mit weißer Bluse , wie Pagen.
    Der Zuschlag zur normalen Privatstation beträgt 85 € pro Tag. Behandelt werden u.a. Scheichs, Models nach Schönheits-OPs etc., aber auch normale Reiche nach normalen OPs. Bodygards bewachen die Promis.

    Soweit zur Vorgeschichte.
    Das Krankenhaus brauche diese Station, um aus den Miesen rauszukommen, heißt es.

    Die Klagen des Personals häufen sich, weil sich alles nach den "Launen" der Patienten richten muss.
    Mein Physiotherapeut war die Woche an einem Tag 2 Stunden unterwegs, in denen er keinen anderen Patienten behandeln konnte, bis der Komfortpatient endlich soweit war, sich behandeln zu lassen. Er musste seine Lieblingsserie im Fernsehen schauen, eine Zwischenmahlzeit einnehmen, Geschäftstermine telefonisch abwickeln, etc.
    Eine Kollegin, die sich beschwerte, dass das so nicht gehe, wurde sofort versetzt.

    Ich bin auch der Meinung, dass das so nicht geht. Durch die stundenlange Bindung eines Pflegers bzw. eines Physiotherapeuten an 1 Patienten spart die Klinik ja kein Geld, im Gegenteil.
    Da ich in diesem Punkt ein Gerectigkeitsfanatiker bin und mir meine Gewerkschaftsvergangenheit noch immer in den Knochen steckt, rege ich mich arg auf.

    Wie seht ihr das?
    Meiner Meinung nach müsste in den Behandlungsvertrag dieser Patienten ein Passus eingebaut werden, in dem klar gemacht wird, dass Private Angelegenheiten gegenüber medizinischen Leistungen zurückzustehen haben.

    #2
    als ich das letzte mal im krkhs war, habe ich mir das infoblättchen durchgelesen. daraus entwickelte sich sowas wie ein ärger-mantra für mich: '...es dem patienten so angenehm wie möglich zu gestalten...' oder so. das mußte ich oft vor mich hinbrabbeln, zb als die eine schwester mich halbnackt und ohne decke liegenließ und sagte 'kollegin kommt gleich'. so lag ich dann 1/2 stunde... andere beispiele zuhauf. klar, das personal ist überlastet. so gehts eben leider auf den stationen für normalsterbliche zu.
    daß man da auch noch unter den ansprüchen der komfort-patienten zu leiden hat, ist ein absolutes no-go! von der einschränkung durch privatpatienten habe ich keine ahnung.
    mmn gehören komfort-patienten nicht in ein normales krkhs! für sie sollte es ein komfort-krkhs mit eigenem personal und eigener technischer versorgung geben. das wird zwar noch teurer, aber wer es sich leisten kann...
    ich will jedenfalls nicht auch noch im krkhs unter den allüren der reichschweine leiden!
    'aus den miesen rauskommen': komisch! in anderen häusern geht es doch auch ohne! sie kommen zwar nicht unbedingt aus den miesen, funktionieren aber wie alle anderen...

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      #3
      das ist ja krass.

      Mal abgesehen von der Zweiklassenmedizin beklagen sich Experten auch darüber, dass ein Krankenhaus mittlerweile ein ökonomisches Unternehmen ist. So geht der Trend auch dahin, Leistungen zu erbringen und abzurechnen, die gar nicht notwendig wären.

      Habe das selbst schon mal erlebt. Ambulant. Bin dann einfach nicht mehr hingegangen.

      Krankenhäuser, Arztpraxen etc. müssen eigentlich unbedingt aus diesem wirtschaftlichen Druck raus.

      schaf

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        #4
        Da die Krankenhäuser unter Personalmangel leiden, wird normalerweise nach Dringlichkeit verfahren, erklärte mir der Physiotherapeut.
        Zunächst kommt also der Patient dran, der z.B. wegen eines Hexenschusses nicht mehr von der Toilette runterkommt, und dann der, der friedlich in seinem Bett liegend auf seine Lymphdrainage wartet.
        Ein solches Vorgehen ist aber in der Komfortstation nicht möglich. Da muss sich nach den Wünschen des Patienten gerichtet werden.
        Eine Änderung dieser Zustände wird jedoch von der Geschäftsführung nicht unterstützt, im Gegenteil; Mitarbeiter, die da nicht mitziehen, werden versetzt.
        Auch die Gewerkschaft scheint sich da nicht durchsetzen zu können.
        Für Normalpatienten gilt: Wer verspätet zur Behandlung erscheint bzw. auf dem Zimmer nicht anwesend ist, dem geht das von seiner Zeit ab. Fällt die Behandlung deswegen komplett aus, muss dennoch privat bezahlt werden.

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          #5
          protest!

          nach bonnys bericht gibts ja 3 klassen: normalos, private und komforties. wie überall. 'unter- mittel- oberschicht'. das übelste ist, daß diese misere auch noch von leitenden ärzten und 'krkhs-managern' festgebacken wird. egoistische gewinnsucht. der eid des hippokrates war mal...
          ich will garnicht in die komfortie-zone rutschen. ich will, daß die zustände für alle normalos verbessert werden. 'o pardon, schon zuviel verlangt'...
          das ist alles system-immanente kacke.
          weitermeckern! auch wenn das nur ein sofort verdunstendes tröpfchen auf einem riesigen heißen felsen ist. vielleicht bilden sich dadurch wolken...

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            #6
            Zitat von DasSchaf Beitrag anzeigen
            So geht der Trend auch dahin, Leistungen zu erbringen und abzurechnen, die gar nicht notwendig wären.

            Habe das selbst schon mal erlebt. Ambulant. Bin dann einfach nicht mehr hingegangen.
            Bei Privatpatienten im ambulanten Bereich ist das tatsächlich so, da nach der GOÄ abgerechnet wird und jede erbrachte Leistung Eingang findet. Zudem gibt es für privat Versicherte keine Budgets.

            Bei gesetzlich Versicherten ist heutzutage ein umgekehrter Trend zu beoachten: Der Bewertungsmaßstab (EBM) wurde geändert. Früher konnten Einzelleistungen abgerechnet werden. Folglich erbrachten die Ärzte mehr Leistungen, die nach Punkten abgerechnet wurden. Da aber das Budget gedeckelt war, haben sie zwar mehr Leistungen (= Punkte) abgerechnet, aber im Endeffekt nicht mehr Geld bekommen, weil das Geld, welches die Krankenkassen in das System eingespeist haben, begrenzt war.

            Inzwischen fand eine Umstellung auf Pauschalen statt und der Arzt hat einen Orientierungspunktwert und kann sehen, wie viel er für einen Patienten bekommt. Die Pauschalen sind aber auch so ausgelegt, dass z.B. mein Hausarzt für mich im Quartal die Pauschale bekommt - unabhängig, wie oft ich bei ihm aufschlage. Darüber hinaus hat ein Allgemeinmediziner nur wenig Möglichkeiten weitere Leistungen abzurechnen. Und ich habe mal überschlagen, wie viel mein Hausarzt für mich bekommt: Knapp über 30€ dürften es in etwa sein. Zudem ist der Arzt durch Regelleistungsvolumina begrenzt. Der Arzt weiß im Vorfeld: Er kriegt nur für x Patienten im Quartal die volle Vergütung. Danach muss er Abschläge in Kauf nehmen.

            Im Krankenhaus hat seit Jahren die Abrechnung nach diagnoseorientierten Fallpauscalen (DRGs) Einzug gehalten. Die Kliniken legen Wert darauf, den Patienten optimal einzugruppieren. Dies ist auch wichtig, da das Krankenhaus nur eine fixe Summe pro Patienten bekommt - unabhängig davon, wie lange der Patient in der Klinik liegt. Im Katalog ist für jede DRG eine Spanne in Tagen festgelegt: Wird der Patient früher rausgeschmissen, muss die Klinik Abzüge in Kauf nehmen. Bleibt der Patient länger in der Klinik, gibt es erst wieder nach einer bestimmten, im Katalog definierten Anzahl von Tagen ein Zuschlag pro Tag. Der MDK prüft zudem, ob die lange Verweildauer in der Tat gerechtfertigt ist.

            Liebe Grüße

            Katja

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              #7
              Danke jule_l für den Beitrag.

              Ich bin eigentlich Kassenpatient .... aber damals war ich gerade in der Klinik und wurde per Konsil zu der Ärztin geschickt ......

              Kommentar


                #8
                Zitat von DasSchaf Beitrag anzeigen
                Danke jule_l für den Beitrag.

                Ich bin eigentlich Kassenpatient .... aber damals war ich gerade in der Klinik und wurde per Konsil zu der Ärztin geschickt ......
                Ja, Konsiliarleistungen werden wieder anders abgerechnet.

                Eigentlich hat es auch Vorteile, Privatpatient zu sein, weil man dann nicht in die Gefahr des "overdoctoring" kommt, denn nicht alle Untersuchungen und Behandlungen sind ja auch frei von Risiken.

                Liebe Grüße

                jule

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                  #9
                  Zitat von jule_l Beitrag anzeigen
                  Ja, Konsiliarleistungen werden wieder anders abgerechnet.

                  Eigentlich hat es auch Vorteile, Privatpatient zu sein, weil man dann nicht in die Gefahr des "overdoctoring" kommt, denn nicht alle Untersuchungen und Behandlungen sind ja auch frei von Risiken.

                  Liebe Grüße

                  jule
                  Gerade als Privatpatientin muss ich sehr darauf achten, dass nicht noch dies und jenes gemacht wird, weil es gut bezahlt wird.
                  In letzter Zeit musste ich mehrfach ganz energisch "nein" sagen.

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                    #10
                    Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                    Gerade als Privatpatientin muss ich sehr darauf achten, dass nicht noch dies und jenes gemacht wird, weil es gut bezahlt wird.
                    In letzter Zeit musste ich mehrfach ganz energisch "nein" sagen.

                    Sorry, ich habe mich vertan. Ich wollte schreiben:

                    "Eigentlich hat es auch Vorteile, kein Privatpatient zu sein, weil man dann nicht in die Gefahr des "overdoctoring" kommt, denn nicht alle Untersuchungen und Behandlungen sind ja auch frei von Risiken."

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                      #11
                      Während meiner Physiotherapie heute habe ich weiteres Neues erfahren:

                      Während physiotherapeutische Leistungen bei Privatpatienten und Selbstzahlern abgerechnet werden, ist das bei gesetzlich Versicherten nicht der Fall.
                      Dort ist dieser Betrag in der Fallpauschale mit eingerechnet.
                      Während der Physiotherapeut also die zahlende Klientel behandelt, werden etwa 90 gesetzlich Versicherte pro Tag nicht behandelt, denen diese Behandlung aber sehr wohl zustände.
                      Um das zu gewährleisten, müsste mehr Personal eingestellt werden, was sich aber durch die vorgegebene Fallpauschale nicht rechnet.

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                        #12
                        Übrigens: auch meinem sterbenden Vater hat man noch rasch eine teure und aufwändige Untersuchung angedreht. Das wirkte schon sehr nach reiner Geschäftemacherei - das Behandlungsteam hatte es jedenfalls eilig, die sinnlose Untersuchung noch durchzuführen, bevor er gestorben war (sonst hätten sie kein Geld mehr dafür bekommen).

                        Das fand ich einen etwas dreisten Fall von "overdoctoring", und das, obwohl mein Vater nur Kassenpatient war. Schien sich aber doch gelohnt zu haben.

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                          #13
                          Da gibt es in meiner Erinnerung auch zwei derbe Fälle von Geschäftemacherei, als meine Mutter im Sterben lag... - so grausig
                          einen dritten konnten wir Kinder noch abwenden

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                            #14
                            Das Thema nervt mich schon insofern, als ich auch in einem Krankenhaus arbeite (nicht in der medizinischen Versorgung). Überall spürt man den Kostendruck:

                            auf der einen Seite versucht man, dem Patienten bzw. den Kassen möglichst viel Geld abzuknöpfen, oft ohne besondere Rücksicht auf das Wohlergehen der Patienten. Und auf der anderen Seite wird auch bei den Mitarbeitern gespart, wo es nur geht. Zu wenig Licht im Büro? Egal, die gesetzlichen Mindestbestimmungen werden eingehalten. Büros zu eng besetzt und überbelegt? Egal, die gesetzlichen Mindestbestimmungen werden eingehalten. Klimaanlage seit Jahren defekt, mit tropischer Atmosphäre im Sommer? Egal, gesetzliche Mindestbestimmungen...

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