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Herausfinden, was man will... nur wie?

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    Herausfinden, was man will... nur wie?

    Hallo an alle,
    ich bin neu hier und habe bisher auch noch nie Hilfe in Foren gesucht. Eigentlich kann ich gut mit Freunden oder auch mit meinen Eltern über die Dinge sprechen, die mich bewegen... Allerdings bin ich nunmehr schon seit einer geraumen Zeit in einer Situation, die mich nervlich ziemlich aufreibt – und vielleicht gibt es ja hier jemanden, der in einer ähnlichen Situation steckt...
    Ich habe mein erstes Examen in Jura gemacht und seit einem Jahr bin ich dabei, an einer Doktorarbeit zu arbeiten. Nebenbei arbeite ich, um meinen Unterhalt zu finanzieren... Erst in meinem alten Nebenjob, und nun seit mehreren Monaten in einer Kanzlei...
    Ich habe mich gegen das Referendariat entschieden und für eine Dr.arbeit. Ich hatte das Glück, einen Prof. zu finden und habe ein grundsätzlich sehr interessantes Thema erwischt.
    Nun ist es so: ich zweifle, ob ich weitermachen soll. Ich bin eigentlich ein lebensfroher, lebendiger Charakter, würde ich sagen. Aber irgendwie geht mir das momentan verloren, ich bin einfach nicht glücklich...
    Es ist so, dass ich vor ca 5 Monaten in eine neue Stadt gezogen bin. Ich habe mich entschieden, meine Studentenstadt (die ich geliebt habe) hinter mir zu lassen und in einer neuen Stadt in einer neuen Wohnung (erstmals keine WG) und einem neuen Job weiterzumachen. Es war aus der damaligen Sicht eine logische und auch richtige Entscheidung, das Studileben war eh vorbei!
    Es war allerdings wohl etwas viel auf einmal: der Job stellt hohe Anforderungen und ich habe lange gebraucht sicherer zu werden und bin es letztendlich immer noch nicht so richtig (das Umfeld ist sehr karriereorientiert) – mein vorheriger Job war im Vergleich dazu sooo einfach! Ich habe auch ein paar Probleme damit, dass die (eigentlich echt schöne) Wohnung so leer ist... Und mir fehlen, obwohl ich hier eigentlich auch Leute kenne und somit nicht völlig vereinsame, meine engen Freunde sehr... Und ich kenne die Stadt nicht wirklich, nichts ist so richtig vertraut.
    Kurz könnte man sagen, was die Lebensumstände angeht: ich komme im richtigen Leben, das auf ein sehr schönes/vertrautes Studentenleben folgt, noch nicht richtig zurecht.
    Das ist der Hintergrund, aber es geht vor allem darum, dass ich mich entscheiden muss, ob ich die Diss. Weitermache... oder nicht.
    Ich bin unsicher, weil mein Thema ziemlich anspruchsvoll ist. Klar wird das jeder sagen – aber die Schwierigkeit bei mir ist, dass sich viel ändert... das Themengebiet schneidet sehr viele Rechtsgebiete an, was die Komplexität verstärkt... naja jedenfalls fühle ich persönlich mich oft überfordert...
    Ich habe mich etwas verrannt, die Struktur verloren (eben wg der Änderungen etc) ...und schaffe es nicht, so richtig mit dem Schreiben anzufangen... denn immer gibt es noch große Baustellen was die Gliederung angeht. Immer hält mich etwa ab.
    Mein Problem ist, dass ich einer unheimlichen Unsicherheit verfallen bin. Ich bin auf mich gestellt und weiß nicht, ob ich nur Mist baue... Ich bin generell eher unsicher – und nicht selten waren bisher alle von meiner Kompetenz überzeugt, außer mir selbst... Es strengt mich an, dass oft viel von mir erwartet wird, aus dem einfachen Grund, dass bisher alles im Ergebnis gut lief...
    Ich habe Angst, mich selbst und alle anderen zu enttäuschen.
    Aber im Moment quält es mich, dass ich nicht recht vorankomme und keine Ahnung habe, wie lange das alles noch dauern wird – und ob ich JEMALS meine Dr.arbeit abschliessen kann! Und das hat eine Sehnsucht meinerseits zur Folge, einfach ins Referendariat zu starten, dann hat man automatisch wieder geregelte Aufgaben... und vor allem habe ich irgendwie Angst, dass ich einfach ewig nicht fertig werde mit meiner Ausbildung! Es kommt einfach noch so viel....
    Ich stecke hier irgendwie in einer Krise... Ich suche Halt und finde keinen. Mein Leben ist eigentlich überhaupt nicht schlecht: ich habe Möglichkeiten, die sich andere wünschen würden (recht begehrter Job, Möglichkeit zur Diss.), ich habe eine Familie, die hinter mir steht, einige Freunde, denen ich ernsthaft am Herzen liege und eine schöne Wohnung, in der man sich theoretisch wohl fühlen könnte...
    Einen Freund habe ich zwar nicht und meine momentane Unsicherheit weckt schon den Wunsch nach jemandem zum Festhalten... Aber das ist mehr ein Effekt der Gesamtsitutation, eigentlich kann ich auch ganz gut allein sein – um einfach irgendwen/irgendwas zu wollen bin ich zu romantisch ;)
    Natürlich jammere ich, das stimmt. Aber es belastet mich sehr und ich bin ratlos. Ich mache mich selbst ratlos. Ich habe einige Dinge, die ich in Angriff nehme, um meine Situation zu ändern (mehr geht natürlich immer) ...aber ob das was bringt weiss ich nicht und gerade erdrückt es mich einfach, und das lähmt mich irgendwie auch ein Stück weit... Ich sitze nicht permanent herum und heule, ich bin nicht immerzu traurig und nicht permanent aktiv gefühlt unglücklich... aber es ist einfach zu oft doch so... Deshalb würde ich mich über einen Austausch freuen!
    Geht es euch vielleicht auch so, dass ihr nicht wisst, was genau ihr wollt? Und wie ihr da hinkommen wollt?

    #2
    Liebe Sonnensucherin,

    schön, dass Du gleich hier Deinen eigenen Faden eröffnet und Deine aktuelle Situation geschildert hast!

    Aus Deinen Eingangszeilen lese ich heraus, dass es Dir (noch?) etwas unangenehm ist, "völlig fremde Menschen" um Rat zu fragen, obwohl Du einen liebe Familie und einen Freundeskreis hast! Bitte mache Dir deswegen keine Gedanken! Manchmal können gerade solche Außenperspektiven hilfreich sein. Und da sich hier jeder völlig freiwillig äußert, brauchst Du auch keine Sorge zu haben, dass Du damit irgendjemanden nerven oder über Gebühr beanspruchen würdest!

    Generell muss man wohl sagen, dass es so ziemlich in jeder Dissertationsphase Zeiten gibt, in denen es nicht weiterzugehen scheint und die Motivation völlig am Boden ist. Soweit ist das also nichts Ungewöhnliches. Aber damit will ich keineswegs sagen, dass man da "eben einfach durch muss". Wie stark man unter einer solchen Situation leidet und wie lange man dieses Leiden unbeschadet überstehen kann, ist sehr unterschiedlich. Da kann letztlich nur jeder für sich entscheiden, ob er diesen Weg weitergehen möchte oder nicht.

    Zunächst einmal: Was Deine Situation betrifft, so scheinen Dir vor allem zwei Faktoren das Leben schwer zu machen: Der eine ist der Ortswechsel, der einerseits mit einer Verunsicherung, andererseits mit einer sozialen Isolation einhergeht. Der andere ist die Komplexität Deines Themas, das ebenfalls zu einer Verunsicherung sowie zu einem Überforderungsgefühl führt. Und diese Mischung aus Verunsicherung, Isolation und Selbstzweifeln ist natürlich fatal, vor allem, weil sie sich gegenseitig verstärken, also die allgemeine Unsicherheit die Selbstzweifel bzw. das Überforderungsgefühl unterstützt und die soziale Isolation dafür sorgt, dass es keinen selbststärkenden Ausgleich gibt. Klar, dass das nur schwer auszuhalten ist!

    Insgesamt kann ich nur empfehlen, dieses Konglomerat aus Lebenserschwernissen auseinanderzudröseln und einzeln anzugehen. Dazu gehen mir aber noch ein paar Fragen durch den Kopf:

    • Wie ist das Verhältnis zu Deinem Doktorvater? Du schreibst, Du seiest sehr auf Dich alleingestellt. Aber mit allen fachlichen Unsicherheiten und Konzeptionsfragen könntest Du Dich eigentlich an ihn wenden, um mehr Klarheit in Dein Konzept zu bekommen und Dich nicht unnötig an Problemen abzuarbeiten, die Du möglicherweise einfach ausklammern kannst. Ich sage "eigentlich", weil mir durchaus bewusst ist, dass viele Doktorväter ihre Betreuerfunktion nicht wirklich ernstnehmen bzw. von ihren Doktoranden erwarten, dass sie selbständig genug sind, um ihnen keine Fragen stellen zu müssen. Die dahinterstehende Frage lautet also eher: Liegt Dein "Auf-Dich-alleingestellt-Sein" eher an Deinem Doktorvater oder aber an Deiner Zurückhaltung, Dir Hilfe zu holen?
    • Glaubst Du, dass Du tatsächlich mit dem anspruchsvollen Thema überfordert bist, es also auch unter besseren Umständen nicht bearbeiten könntest, oder fühlst Du Dich eher - ich sag' mal "eingeschüchtert", weil Du von so karriereorientierten Menschen umgeben bist, die Dich an Deinen Fähigkeiten zweifeln lassen?
    • Welche Möglichkeiten siehst Du für Dich, vor Ort einen neuen Freundes-/ Bekanntenkreis jenseits Deines beruflichen Umfeldes aufzubauen und Dich in der neuen Stadt besser zu "beheimaten"?
    • Was bedeutet Dir die Promotion als solche (mal unabhängig vom Thema)?

    Das sind solche Nachfragen, die mir erstmal durch den Kopf gehen. Ich denke, es ist immer wichtig, auseinanderzuklamüsern, was man selbst ändern kann (und das müsste man dann einzeln angehen), und worauf man einfach keinen Einfluss hat (z.B. wenn es um die Erwartungshaltung eines Doktorvaters, um den Kollegenkreis etc. geht). Je nachdem, wie die "Bilanz" dann ausfällt, kannst Du immer noch entscheiden, ob Du mit der Zeit mit den gegebenen Umständen besser klar kommst, ob Du mit einem anderen Thema oder einem anderen Doktorvater oder in einer anderen Stadt eine andere Dissertation schreiben willst oder aber ob Du Dir einen Referendariatsplatz suchst oder ganz etwas anderes machst.



    Ich gehöre übrigens auch zu denen, die ihre Diss. dann doch nicht fertiggeschrieben haben. Damals kam einfach unheimlich viel bei mir zusammen - es passte einfach nicht mehr für mich, obwohl zuvor immer alles so direkt darauf zugelaufen war. Aber da es sehr viele äußere Faktoren waren, auf die ich einfach keinen Einfluss hatte, ist es für mich kein "Scheitern", sondern eine befreiende Entscheidung gewesen, mich von diesem Großprojekt zu verabschieden.



    Alles Liebe und Gute für Dich!
    Chaja

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      #3
      Vielleicht mal eine Liste der Gründe erstellen, die für ein Weitermachen sprechen und eine Gegenliste. Das Ganze dann ein Weilchen sacken lassen und dann sollte dir klar werden, was du wirklich willst. Das mußt du dann nur noch tun - was mitunter das Schwierigste daran ist

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        #4
        Liebe sonnenschein!

        chaja hat ja schon sehr wichtige Punkte angesprochen.

        Ich denke, Du könntest, wenn Du denn dabei bleiben wolltest, auch über die Diss sozialen Kontakt bekommen, z.B. über das Doktoranden-Netzwerk Thesis, oder auch Foren zur Promotion. Ich habe meine zwei besten Freunde so kennengelernt.

        Ich habe gerade meine Dissertation erfolgreich abgeschlossen (es fehlen nur noch die letzten Formalitäten und die Einreichung der Druckexemplare); ich sage Dir lieber nicht, wie lange ich gebraucht habe.. allerdings war meine Situation sowie das Thema meiner Diss auch sehr speziell. Aber sagen wir mal so- es ist eher so, dass es oft länger dauert als man denkt, zumindest bei einem Großteil der Leute.

        Was die Hürden angeht- ich habe mich in Sachen eingearbeitet, die eigentlich jenseits meiner Begabung liegen . Es gab in den Jahren so oft den Punkt, wo ich dachte, "hier komme ich nie mehr raus", bis ich irgendwann verstanden habe, dass diese Gefühle vor jedem neuen Problem einer gewissen Größenordnung auftauchten, und ich dann irgendwann wusste, das ich irgendwie einen weg finden würde. Manchmal geht es nur darum, was auszuhalten, manchmal musst Du schauen, wo Du jemanden finden kannst, der Dir den entsprechenden Stubs verpasst.
        Da ich extern promoviert habe und für meine Arbeit recht viel in fremden Fachgebieten wildern musste, habe ich oft so allein gefühlt, wie ich es bei dir herauslese. Ganz ohne Unterstützung ist es aber fast unmöglich, ich denke wenn Du dabeibleiben willst, ist es sehr wichtig,einen guten Austausch mit Deinem DV zu haben, oder Leute zu finden, die in ähnlicher Situation sind.
        Es gibt natürlich auch einen Haufen Bücher, die sich mit dem Thema befassen.

        Aber entscheidend ist, was Dich zur Diss antreibt. Ich weiß eigentlich gar nicht, wie ich die Motivation über die vielen Jahre aufrecht halten konnte, und bin vom Typ her ganz bestimmt kein klassischer Wissenschaftler.

        Aber doch, bei mir war es das Thema. Allerdings frage ich mich manchmal schon, wie es wohl wäre, hätte ich diese Energie in einen Job aufgewendet, mit richtig Geld verdienen und so..

        Also, kurz und knapp zum Schluss: Entweder brennst Du für Dein Thema oder den Prozess ansich, oder es eröffnen sich tolle Karrierechancen. Sonst ist es kaum möglich eine Diss durchzuhalten, bzw. auch nicht wirklich sinnvoll. Alles weitere findet sich dann auf dem Weg.

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          #5
          ihr stellt wichtige fragen... :)

          Liebe Chaja, Sonnenfell, Chrysothemis,
          vielen Dank für eure Antworten!
          ...ich habe bisher nicht die Zeit gefunden bzw. hatte Probleme mit dem Internet - deshalb habe ich bisher nciht geantwortet... Ehrlich gesagt war auhc die letze Woche wieder hart - denn ich sete mich einerseits immer mehr unter Druck, mich entscheiden zu müssen, falle dann wegen meiner Unentschlossenheit wieder in eine unendliche Faulheit (zumindest abends, falls ich zH bin)...
          Zunächst zu Chaja:
          Leider kann cih nicht behaupten, dass ich nicht auch mitschuld wäre, was mein Gefühl angeht, allein im großen Wald herumzuirren... Mein DV ist nett, aber auch vielbeschäftigt... und hat einen Kontakt hergestellt, der erst vielversprechedn erschien und auch einnige Impulse geliefert hat - aber am Ende ist es ein Praktiker, der bestimmte Ergebnisse haben möchte und ich fühle mich etwas in eine Richtung gedrängt... und ich habe es so verstanden, dass mein DV mich etwas an diesen Praktiker verwiesen hat(nicht direkt verboten, mich an ihn zu wenden, aber schon in die Richtung gewiesen...wobei man wohl sagen muss: zu meinem Thema hat der PRaktiker sicher tiefergehendes Wissen als mein DV)... Ich habe nun wieder einen Termin beim DV, und werde mich, wenn ich dabeibleibe auch mehr an ihn wenden.
          Aber selbst dann weiß ich nciht, wie es wird... Bei den Terminen die ich hatte war die Rückmeldung eigentlihc positiv - nur ist es schon lange her, dass ich wirklich inhaltlich mit dem DV gesprochen habe...
          Ich hänge an den Termin in Kürze auch viele Hoffnungen - ich hoffe, es bringt mich in meiner Entscheidung weiter.
          Mein Thema ist schwer, aber ich denke, wenn es mir gut ginge und ich mich reinhängen würde könnte ich es schaffen... wenn es auch eine Mammutaufgabe ist..
          Ich merke gerade im Moment, dass die Stadt gar nicht so das Problem ist - ich habe in der letzten Woche viel unternommen und wenn das so ist, fühle ich mich auch insgesamt wohler... Ggf schaue ich mir, auch wenn ich schon mehr mit Kollegen etc mache, mal im Netz bei so einer Plattform an und schaue, ob ich darüber noch Leute kennen lerne (allerdings wäre das eccht nur ein Experiment, ich denke, es ist schwer, darüber wirklich Freunde zu finden!)
          Die Frage, die bei dir Chaja, und dir, sonnenfell, auftaucht ist: Was bedeutet mir die Promotion?
          Diese Frage ist schwierig zu beantworten - aber einerseits arbeite ich gerne intensiv an Themen (im Moment kann ich das nciht sagen, weil als von meiner Unsicherheit und dem Gefühl der Unsicherheit überschattet wird und dadurch alles einfach nur anstregend ist) ...andererseits ist das karrieretehnisch bei uns Juristen (Arbeitsmarkt sieth übrigens ziemlcih mies aus) idR wirklich ein Vorteil...
          Zwar beobachte ich mich mittlerweile dabei, dass ich denke, ich will einfach irgendwas machen später, das mich glücklich macht und wovon ich leben kann (die große Karriere war nie mein Ziel, aber zumindest trieb mich immer der Ehrgeiz - nun denke ich so: ich muss nciht besonders gut sein als Jurist - wenn ich nur glücklich bin arbeite ich auch ganz woanders) ...ABER ich will Dinge auch zuende bringen. Insoweit bin ich einfach ehrgeizig und wäre sehr enttäuscht von mir selbst... Und zudem glaube ich, ein anspruchsvoller Job kann mich eher glücklich machen als ein langweiliger... Die Diss. erhöht die Chancen auf einen guten Job...
          Mein Thema ist echt interessant und bietet Möglichkeiten, selbst Vorschläge zu entwwickeln...aber momentan denke ich nicht "das ist spannend", sondern vielmehr: "das macht mir Angst denn wer sagt mir dass ich nicht völligen Unsinn verzapfe?" (dabei kann ggf auch ein bisl das baldige Gespräch mit dem DV helfen, mal abwarten) ...Aber was die Diss. mir genau bedeutet, das kann ich kaum beschreiben, aber ich denke viel darüber nach... Im Moment bin ich insgesamt irgendwie ein bisschen gelähmt - das merke ich in allen Bereichen...selbst beim Sport, der mir sonst wichtig ist (bin allerdings auch lädiert im Moment, Knöchel verletzt)... Deshalb kommt es mir im Moment so vor, für kaum eine Tätigkeit zu "brennen"...
          Sonnenfell: ich werde mir dieses Portal Thesis mal ansehen! ...Ic weiss, das eine Diss. oft länger dauert... aber in meinem Umfeld gehen im Moment alle ins Ref, manche schon ins 2. StEX.... und ich bin mit fast 28 eh schon etwa ein jahr älter als die meisten, weil nach dem Abi gebummelt habe... mir sitzt einfach die Zeit im Nacken... und ehrlich gesagt ist es eigentlihc das, was mich im Moment so aufreibt: wenn ich nicht mehr das 2. Stex machen müsste, würde ich die Diss weitermachen wollen - aber so ist es so, dass ich nach der Diss noch weiter in der Ausbildung bin... Ich habe das Gefühl ich muss schneller vorankommen, insb. weil viele um mich herum einfach so unfassbar gut sichtbar "voranschreiten": eine station im ref nach der anderen, eine klausuren/ein vortrag nach dem anderen, examensvorbereitung, übungsklausuren, ags.... Und ich sitze in der Bib und arbeite so vor mich hin...
          Sonnenfell: ja, dass der Austausch mit meinem DV elementar ist, sehe ich auch so! leider habe ich diese überzeugung erst seit kurzem - aber das Feedback meines DV wird ein ausgesprochen großer Faktor sein in meiner Entscheidung!
          ...Chrosothemis - ich habe immer wieder Listen geschrieben... und je nach Stimmung fiel es so oder so aus... Aber ich werde weiter Listen schreiben und muss es ggf noch etwas sacken lassen, bis ich mich wirklcih darauf einlassen kann...
          Ich setze also große Hoffnungen in den Termin: nicht so sehr dass ich über den grünen Klee gelobt werde oder so: vielmehr hoffe ich, dass mir das Gespräch mit meinem DV hilft, ein Gefühl zu entwickeln, ob mir von dieser Seite überhaupt die Unterstützung, die notw. ist, zuteil werden kann...

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            #6
            Liebe Sonnensucherin,

            wenn ich mich an meine eigene Zeit beim Schreiben der Diss zurück-erinnere, so kommt sie mir heute als ein stetiger Wechsel vor von Streß-Zeiten, in denen man kaum zum Luftholen oder Nachdenken kam, und Zeiten, in denen man das Gefühl hatte, überhaupt nicht vorwärts zu kommen. Wie mit Klötzern am Bein herumzulaufen und insgesamt auch nicht gerade was Weltbewegendes zu schaffen. Und manchmal, in fortgeschrittenen Phasen, konnte ich mein Thema nicht mehr hören und sehen und hatte leichten Verdruß...einfach, weil ich mich zu viel mit etwas recht Speziellem befaßt habe.
            Heute, aus der jetzigen Perspektive kann ich sagen...ich habe sehr tief dringesteckt im Thema und hatte ab und zu die normale Welt aus den Augen verloren. Es war aber gut, daß ich trotzdem weiter gemacht habe. So tief, wie ich drinsteckte, habe ich was neues gemacht (habe in der Technik promoviert) und das war gut und innovativ...auch wenn es mir zum Schluß schon fast nicht mehr so vorkam. Man hat einfach dann nicht mehr den nötigen Abstand.
            Doktorväter sind auch nur Menschen. Manche wollen nicht mit den Problemen, Zweifeln und Ängsten ihrer Anvertrauten belästigt werden. Manche lassen einem einfach kein gutes Feedback zukommen und man ist ewig im Zweifel, wo man steht und ob das alles Sinn macht. Wenn Du einen halbwegs Vernünftigen erwischt hast, kann er Dich beruhigen und aufbauen...aber das ist eher eine Ausnahme, als die Regel...wenn ich mich so in meinen Erfahrungsbereich umschaue.
            Chaja hat recht...bei Dir kommen viele Probleme zusammen und Du fühlst Dich insgesamt nicht so richtig wohl. Was meinst Du, wie lange würde die Diss noch in Anspruch nehmen? Ist es ein absehbare Zeit...dann Augen zu und durch. Ist es aber länger (und so klang es für mich), dann überlege Dir, was Dich am meisten bedrückt und löse erstmal dieses Problem.

            Eine Diss ist nicht der heilige Gral und auch nicht notwendig, um glücklich zu werden im Leben. Aus der rückwärtsschauenden Perspektive kann ich Dir sagen...das ist wie beim Extrem-Bergsteigen. Der Gipfel, den Du bezwungen hast, ist danach nicht mehr von Bedeutung für Dich. Allerdings beim Aufgeben könntest Du das als Ballast mit Dir herumschleppen. Da mußt Du ehrlich mit Dir selbst sein.
            Aber besser ein bissel Ballast, als ein paar fürchterliche Jahre davor und dann doch nicht zu Ende gemacht. Also höre auf Deinen Bauch...der ist Dein allerwichtigster Berater. Und dann gib Dir noch ein wenig Bedenkzeit, denn auch ein Bauchgefühl hat auch Höhen und Tiefen.

            Viel mehr kann ich Dir nicht raten. Nur, Deine unangenehmen Gefühle zuzulassen und ernst zu nehmen. Das Leben ist zu schön und kostbar, um in schlechten Lebenssituationen zu verharren, wo man sich nicht wohl fühlt.

            Liebe Grüße
            Glühwürmchen

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              #7
              Hallo Glühwürmchen,
              auch dir erstmal lieben Dank!
              Ich glaube das ist genau das, was man tun muss: auf sein Bauchgefühl hören. Und gleichzeitig rational abwägen, damit das Bauchgefühl auch ausreichend Anhaltspunkte hat, um sich zu orientieren. Und ich denke, du hast recht damit, dass ich noch etwas Bedenkzeit brauche...
              Und da ich einfach kein so unfassbar tougher Typ bin, werde ich mit meinem Doktorvater auch recht offen sprechen, denke ich. Ich habe nicht vor, rumzuheulen. Aber schauspielern kann ich nicht gut, und er ist meiner Einschätzung nach alles andere als ein Unmensch. Und wenn er mich, wenn halt nicht alles ganz wundervoll läuft, nicht unterstützen will... dann ist das eine weitere Sache, die ich einbeziehen muss bei der Entscheidung... Ich hab zwar Angst davor, aber langsam fehlt mir die Kraft, so zu tun als ob alles gut sei. Nicht das ich das immer tun würde (keineswegs, ich weiche eher aus, antworte diplomatisch), aber man geht mit seinen Problemen ja nicht hausieren...
              Ich finde es so toll, dass ihr eure Dissertationen zum Abschluss gebracht habt – ich würde mir das auch so wünschen! Aber es fragt sich, um welchen Preis ich das will...
              Ich bekomme immer zu hören: ach du hast doch bisher alles hinbekommen und bist so ehrgeizig und diszipliniert – du wirst das schon schaffen! Ich denke dann so: und wenn nicht? Was denkt dann alle Welt von mir – und ganz wichtig - was halte ich dann von mir?!
              Bisher habe ich nie richtig gesehen, dass ich eine Wahl habe – ich habe etwas angefangen und durchgezogen. Das stand nie in Frage... Irgendwie wünsche ich mir momentan, keine Wahl zu haben, einfach weils leichter wäre... Klingt blöd, und das ist es acuh... aber ich bin so verwirrt, dass ich teilweise einfach mal GAR nichts tue. Ich flüchte mich dann regelrecht und fühle mich deshalb umso schlechter... Ich schäme mich auch etwas, zuzugeben, dass ich dann stunnnndenlang irgendwelche Serien gucke, und darin versinke – leider klappt das auch, ich denke dann gar nichts mehr in dem Moment. Und das ist wohl das Ziel der Übung: berieseln damit ich nicht nachdenken muss. Ich finde das erbärmlich und lege das Verhalten dennoch nicht selten an den Tag und das hilft mir auch nicht gerade dabei, mich selbst mehr zu mögen...
              So viel zum Gefühle und Gedanken zulassen... selbst das fällt mir schwer. ICh wünschte mir, ich wäre für mich selbst nicht so schwer zu begreifen!

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                #8
                Hatte auch lange Probleme eine Arbeit zu finden

                Bevor man sich an einen Arbeitsplatz wagt, am besten wissen was man mit dem Geld bezahlen möchte.

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                  #9
                  Hallo sonnensucherin, Du warst jetzt ja eine Wiele nicht hier.
                  Wie geht es Dir inzwischen?

                  Vielleicht wäre es hilfreich, mal ein paar Tage Urlaub zu machen, nichts extra zu denken, und zu schauen, was Dein Unterbewusstsein so produziert?
                  Ich glaube, manche Dinge muss man mal vom älteren und vll weiseren Teil der Persönlichkeit bearbeiten lassen.

                  Ich war z.B. gerade nur vier Tage an der Ostsee, und erst da ist es mir gelungen, den Abschluss meiner Diss (mittels eines Traums) richtig zu begreifen und zu genießen, auch wenn es nur ein kurze Moment war.

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                    #10
                    Liebes sonnenfell, und alle anderen,

                    ja das stimmt, ich habe nun wirklich lange nicht mehr den Weg ins Forum gefunden – wahrscheinlich auch, weil ich bis vor kurzem zuhause kein Internet hatte... und weil ich zwischenzeitlich ein bisschen die Strategie gewechselt hatte :D ...ich habe mir bewusst weniger Gedanken um alles gemacht, soweit ich konnte... Und ich hatte einen wichtigen Termin, und musste darauf hinarbeiten...
                    Ein bisschen ging das dann ja sogar in die Richtung, die du vorschlugst: einfach mal das Unterbewusstsein arbeiten lassen :)
                    Jedenfalls: es geht mir mittlerweile besser. Ich bin immer noch die gleiche Person – also wäre es nicht wahr, wenn ich auf einmal behaupten würde, in mir selbst zu ruhen...
                    Allerdings komme ich wirklich besser klar: die Dissertation läuft besser (okay so richtig gut wäre nun auch übertrieben) – auch dank eines sehr positiven Gesprächs vor knapp 2 Monaten, ich finde mich nunmehr auch besser in meiner Wohnsituation zurecht – und bei Unsicherheiten im Job sage ich mir ab und zu mal „was soll´s, dann kannst du diese Aufgabe nun halt nicht gut – ggf wird die nächste wieder besser“.
                    Ich habe mittlerweile auch einen Wochen-Rhythmus gefunden, in dem ich ganz gut klarkomme:) Ich strebe es gar nicht mehr unbedingt an, jeden Tag bzw. Abend etwas vorzuhaben... Das war auch ganz schön anstrengend. Und wenn es mir dann mal etwas langweilig wird, versuche ich Sachen zu erledigen oder nähe mal wieder oder – ganz ehrlich – schaue einfach auf die Mattscheibe.
                    Es geht mir insgesamt also besser. Ich will die Diss. durchziehen und bin momentan auch wieder motivierter, was ich allein daran merke, dass ich nicht ab 17/18 Uhr hibbelig werde, endlich rauszukommen... Was den Job angeht – den nehme ich so wie er kommt – und sehe ich mittlerweile auch, dass ich viele Dinge dabei mitnehme und lerne :) Naja und die Menschen: manchmal fehlen mir meine Lieben – also Freunde (und idR dann automatisch auch meine Familie, wenn man schon dabei ist ;)) ...aber ich habe den Kontakt zu ein paar Leuten, mit denen die Freundschaft zuvor zugewandt, aber eher locker war, intensiviert... Man fühlt sich direkt nicht mehr so allein :)

                    Da ich nun schon länger nicht hier war möchte ich nochmal eben loswerden, dass ich das Forum echt gut finde, und dass ich es wirklich schön und nett finde, dass ihr euch um absolut Fremde so bemüht und Leuten, die Probleme haben oder sich ggf auch nur welche machen (das kann ich zB ausgesprochen gut, zusätzlich zu den realen Problemen ;)) einfach mal zuhört.
                    Vielen lieben Dank – ich werde die Tage nochmal versuchen, vorbeizuschauen!
                    Einen schönen Abend an alle! :)

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                      #11
                      Hallo Sonnensucherin!

                      Es ist zwar schon eine Ecke her, dass Du das alles hier geschrieben hast, aber ich kann Deine Zeilen sehr gut nachvollziehen, weil ich mich zur Zeit in einer ähnlichen Situation befinde. Ich hoffe, Du bist inzwischen für Dich weitergekommen und hast ein wenig Ruhe gefunden. :)

                      Und wirklich bemerkenswert ausführliche und freundliche Antworten der anderen hier. :) Coole Sache!

                      Alles Liebe, Nigra

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