Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Weihnachtsessen

Einklappen
Dieses Thema ist geschlossen.
X
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    #16
    Bei uns zu Hause gab es an Heiligabend immer geräucherten Fisch, wie Forelle, Lachs, Aal und Krabben und dazu schönes frisches Baguette, aber das haben wir nicht übernehmen können, weil mein Sohn das nicht mag.

    Wir haben dann umgeschwenkt zu "Heißen Stein" an Heiligabend, weil das jeder mag und nicht viel vorzubereiten ist und Spaß macht. Kommt aus der Familie meiner Frau.

    Am 1. Weihnachtstag essen wir kein Mittagessen, weil wir da traditionell die Verwandten besuchen und da gibt's viel Kuchen und Kekse, da braucht keiner mehr ein warmes Essen. Früher gab es bei uns zu Hause dann immer Kaninchen, weil die Verwandten in der Nähe wohnten und zu uns kamen oder mein Vater alle abholte.

    Am 2. Weihnachtstag gibt es wieder traditionell Kaninchen und dieses Mal haben wir auch ein richtig schön Großes von Privat gekauft. Letztes Jahr hatten wir Gans, weil meine Frau das so aus ihrer Familie her kennt, aber mir gefällt Kaninchen definitiv besser, weil das Fleisch nicht fett ist. Gans vertrage ich nicht so gut.

    An Sylvester gibt es dann noch mal "Heißen Stein" und an Neujahr backen wir regelmäßig "Echt Ostfriesische Neujahrskuchen".

    Condor

    Kommentar


      #17
      Lieber Condor,

      vom "heißen Stein" (den ich nicht kannte) hattest Du irgendwo schon einmal erzählt, so dass ich mir etwas darunter vorstellen kann. Aber was sind Ostfriesiche Neujahrskuchen? Meine Mutter backt immer hessische Neujahrwecken, dass ist süßer Hefeteig in bestimmten, traditionellen Formen. Sind die ostfriesischen Neujahrskuchen etwas Ähnliches?

      Liebe Grüße,
      Chaja

      Kommentar


        #18
        Bei uns gibt es traditionell auch Raclette am Heiligen Abend.

        Da mein jüngerer Sohn schon immer Vegetarierer war, passt es gut.
        In diesem Jahr kommt noch meine Freundin und evtl. noch eine gute Bekannte meines Sohnes aus China zu Besuch.
        Daher werde ich das Raclette noch um etwas Fleisch erweitern, das man ja oben drauf brutzeln lassen kann.

        Kommentar


          #19
          Ja, wenn ich so drüber nachdenke, die Sache mit den 'Traditionen' - scheinen irgendwie wichtig zu sein. Je nachdem, was man von zu Hause kennt oder positiv besetzt ist.

          Sowas vermisse ich manchmal, grad wenn ich mich mal wieder so "ohne Wurzeln" fühle, wie das von Zeit zu Zeit noch der Fall ist, dann spüre ich das besonders, daß mir so ein "das war aber immer so" bissl fehlt.

          Man spöttelt ja oft über solche Traditionen oder will sie durchbrechen, aber ich finde, so ein gemeinsames, jährlich wiederkehrendes Ritual wie bestimmte Gerichte oder Essen im Bett der Eltern (wie toll ist das denn? ) hat schon was besonders Verbindendes, nicht?

          Mein Mann und ich versuchen so bissl was zu entwickeln - bei seiner Familie war Weihnachten immer gut geplant: am 23. wird die Gans vorbereitet und gebraten, am 24. gibt's zu Mittag Reiseintopf mit Gänseklein, am 24. abends Kartoffelsalat mit Würstel, am 1. Feiertag Gans, am 1. abends dann selbstgemachte Sülze (weiß gar nicht ob das immer noch so ist) - also mir war's bissl zu viel des Besonderen und als Hinzukömmling mal teilnehmen fand ich schick, aber auf Dauer war's mir zu viel, aber naja, egal. Waren jedenfalls nicht meine Traditionen, Gänse essen kannte ich bis ich meinen Mann kennen lernte nur vom Hörensagen.

          Weil wir wg. unseres Betriebs an besondere Termine und Arbeitszeiten gebunden sind, haben wir eher zu Silvester eine eigene "Tradition" erfunden und pflegen die auch jedes Jahr, nämlich: zu Silvester gibt's zum Abendessen immer Kaninchen, das ich vom Bauern am örtlichen Wochenmarkt kaufe. Dazu ganz fantasielos Rotkohl und Klöße Und später gibt's dann noch Bowle, und zwar ziemlich edel aus Veuve Cliquot (ich weiß, gehört sich nicht, aber einer unserer Kunden schenkt uns den jedes Jahr und wir sind beide keine Prickelwassertrinker).

          Ebenso mache ich zu Ostern immer eine riesengroße Lammkeule, für die ich extra nach Kreuzberg fahre, um die dort in einem türkischen Supermarkt zu holen - so'n Teil wiegt dann aber auch 2,5 - 3 kg. Die bereite ich dann auf griechische Art zu und auch die Beilagen sind griechisch inspiriert (grüne Bohnen mit Tomaten, manchmal auch Kritharaki-Nudeln oder Tomatenreis). Mein Mann besteht auch drauf, daß wir diese Gerichte ausschließlich an den dazugehörenden Feiertagen essen, damit das was Besonderes bleibt.

          Komisch, wie man bestimmte Tage durch die entsprechenden Gerichte schon "markieren" kann, allein der Geruch während des Kochens macht dann schon das besondere, zum Tag gehörende Gefühl, finde ich. Ich mag das.

          Kommentar


            #20
            Hallo Chaja,

            Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
            Aber was sind Ostfriesiche Neujahrskuchen? Meine Mutter backt immer hessische Neujahrwecken, dass ist süßer Hefeteig in bestimmten, traditionellen Formen. Sind die ostfriesischen Neujahrskuchen etwas Ähnliches?
            Nein, das ist was ganz anderes.

            Hier erst mal ein Rezept, so wie wir sie immer machen (es gibt aber noch viele andere Variationen):

            Ostfriesische Neujahrskuchen

            Zutaten für ca. 50 Stück
            750ml Wasser
            200g Kandis (Kluntje, weißen Kandis)
            125g Butter
            250g Mehl
            1 Ei
            ca. 2EL (oder nach Geschmack) ganze Aniskörner frisch im Mörser zerreiben, so, dass sie nicht pulverisiert sind

            Zubereitung:
            Das Wasser zum Kochen bringen und den Kandis darin auflösen, abkühlen lassen. Butter zerlassen. Aus dem Mehl, der zerlassenen Butter, dem Ei, Anis und dem Zuckerwasser einen flüssigen Teig zubereiten, der leicht vom Löffel läuft (dünner als Pfannkuchenteig). Sollte der Teig noch nicht flüssig genug sein, einfach Wasser - niemals Milch - dazu geben und eventuell nachsüßen.

            Das Neujahrskucheneisen (es ist ein spezielles Eisen, mit einem normalen Waffeleisen geht es nicht), manchmal kommt es auch unter dem Namen "Hörncheneisen" vor, wird erhitzt und mit einer Speckschwarte (es geht auch Öl oder Butter) ausgerieben.

            Für einen Neujahrskuchen wird 1EL oder auch ein bisschen mehr, das muss man ausprobieren, Teig in das Neujahrseisen gegeben. Sobald der Dampf entwichen ist, ist die Waffel fertig.

            Entweder wird die "Waffel" sofort in eine Tütenform mit einer speziellen Form gebracht oder mit einem Trichter oder mit der Hand eingerollt oder glatt gelassen und auf einem Kuchengitter abgekühlt.

            In einer luftdicht verschossenen Dose ( früher nahm man große Milchkannen) bleiben die Neujahrskuchen kross und schmecken auch nach Wochen wie frisch gebacken.

            In Ostfriesland, wo ein großer Teil meiner Verwandtschaft wohnt, wird der Neujahrskuchen traditionell mit süßer geschlagener Sahne gefüllt, aber das machen wir nicht. Wir rollen sie auch nicht auf, sondern lassen sie einfach so auskühlen.

            Je dünner die Neujahrskuchen sind, desto knuspriger sind sie. Lange aufheben tun wir sie allerdings nicht, weil unser Sohn die so gern isst, dass ich aufpassen muss, dass er nicht alle allein verputzt.

            Condor

            Kommentar


              #21
              Vielen Dank für das Rezept, lieber Condor! Ich glaube, dann kenne ich dieses Gebäck unter dem Namen "Eiserkuchen" (sieht so aus: https://www.google.com/search?q=eise...w=1366&bih=644 ) Mit dem Anis schmecken die Neujahrskuchen bestimmt besonders gut!

              Liebe Tellerrand, es ist schön zu lesen, dass Du mit Deinem Mann eigene "Traditionen" entwickeln kannst! Mir würde das auch fehlen, wenn es da nicht so ein paar Dinge oder Bräuche gäbe, die irgendwie dazu gehörten, egal zu welchem Fest.

              Allerdings lassen sich "Traditionen" auch manchmal erstaunlich schnell bilden: In meiner Kindheit hatten wir z.B. immer kleine rote Äpfel an unserem Weihnachtsbaum hängen, weil unsere Kerzenhalter mit einem Gegengewicht bestückt werden mussten. In einem Jahr war meine Mutter auf dem Eis gestürzt und hatte sich einen Wirbel gebrochen. Sie lag also seit vor Weihnachten für einige Wochen im Krankenhaus und meine Großmutter, die anreiste, um uns Kinder zu versorgen (mein Vater war gerade mit einem Hilfstransport in Weißrussland und wusste von nichts), meinte, sie müsste das Obst verarbeiten, bevor es schlecht würde. Jedenfalls konnten wir beim Baumschmücken die Äpfel nicht finden - bis uns Oma von ihrer Apfelmuskochaktion erzählte. Nun musste irgendein anderes Kerzenhaltergewicht her und es waren gerade rote Zwiebeln von der passenden Größe im Haus. Sie machten sich ausgesprochen gut! Seitdem hängen bei uns "traditionell" rote Zwiebeln am Weihnachtsbaum und es gibt Familienmitglieder, die sich gar nicht mehr erinnern können, dass das je anders war

              Liebe Grüße,
              Eure Chaja

              Kommentar


                #22
                Zitat von Tellerrand Beitrag anzeigen
                Sowas vermisse ich manchmal, grad wenn ich mich mal wieder so "ohne Wurzeln" fühle, wie das von Zeit zu Zeit noch der Fall ist, dann spüre ich das besonders, daß mir so ein "das war aber immer so" bissl fehlt.
                Ja, dieses Gefühl, ohne echte Wurzeln zu sein, das habe ich auch. Wobei es in meinem Fall eher so ist, wie verlorengegangene Wurzeln. Manchmal fühle ich mich wie eine aus dem Boden gerissene Pflanze, die Wurzeln sind im Boden geblieben.

                Kommentar


                  #23
                  Bin auch so eine wurzellose Pflanze.

                  In den letzten 14 Jahren gab es 3x Entenbrust - das ist keine Kontinuität, sondern ein Zufall.

                  Also hat es Potenzial für eine Gewohnheit ?!


                  Der Ort mit der größten Kontinuität war Shanghai (3 Jahre)

                  Die Begleiter waren mit je 3 (von 4) Jahren ex-partner, sonst alles one-christmas-stands.

                  Ich finde für neue Gewohnheiten braucht es erst mal Kontinuität. Und dann kommen wohl auch Wurzeln? !

                  Kommentar


                    #24
                    Zitat von Kuestenkind Beitrag anzeigen
                    Ich finde für neue Gewohnheiten braucht es erst mal Kontinuität. Und dann kommen wohl auch Wurzeln? !

                    Gute Frage. Ich weiß es nicht... früher dachte ich auch, wenn nur Beständigkeit da wäre - also jemanden länger als ein paar Jahre kennen, jemanden haben, mit dem einen vielleicht 20 oder noch mehr Jahre verbinden. Oder wenn ich länger als nur paar Monate oder 2 Jahre irgendwo wohne oder einen Job länger als ein paar Jährchen behalte... ich war so'n Zigeuner, und das seit ich denken kann, kannte ich einfach nicht anders.

                    Als ich's dann hatte - mit meinem Mann jetzt - ehrlich gesagt fand ich das zeitweise fast unerträglich, fast wie eingesperrt, obwohl er das nie getan hat. Aber das "Einwurzeln" hat so nicht stattgefunden, ich bin immer wieder auch bissl ausgebrochen (und wieder zurück, ich lieb den Kerl ja) und manchmal strample ich auch heut noch rum, obwohl ich nicht mehr ernsthaft weg will. Hätte auch kein Ziel gehabt, es sei denn vielleicht, "kein Ziel" ist das Ziel, weil: Gewohnheiten sind zwar muckelig und irgendwie schön, aber dieses "morgen nicht wissen, wo ich meinen Schlafsack aufrolle" sitzt mir schon noch in den Knochen. Ok, heute in komfortableren Ecken.

                    Ich hatte nie das Gefühl von Wurzeln, aber vielleicht ist das auch 'ne Definitionssache. Ich hab mit dem Gefühl, Wurzeln zu haben, nie einen bestimmten Ort oder so verbunden, ich denk, auch Nomaden haben Wurzeln, auch wenn die nie an einem Standort bleiben. Eher so: das Wissen um die eigene Herkunft, Eltern und Verwandtschaft, die einem erzählen können, daß Opa auch so'n Knickohr hat wie man selbst oder die schief gewachsenen Zähne von der Uroma väterlicherseits stammt oder sowas wie "deine kreative Ader haste aus der mütterlichen Linie, da gab's mal so'n schwarzes Schaf, das mit Pinsel und wirren Ideen losgezogen ist..." - sowas eben.

                    Das hab ich bis heute nicht. Die "Wurzeln", die ich jetzt so hier und da bissl entwickle, die haben einen anderen Hintergrund. Nicht so wahnsinnig stabil, aber doch so eine Art Wissen: bei dem Menschen bleib ich, der wird mich nicht hängen lassen oder wegschicken, egal was passiert. Na ok, vielleicht doch die Zeit - wir sind jetzt schon über 12 Jahre zusammen, aber mehr noch die Krisen und Konflikte, die wir zusammen ausgestanden haben, die Entwicklung, die wir miteinander erleben und auch jeder für sich. So ungefähr. Das ist so eine innerliche Sache.

                    Hm. Also Kontinuität in unserem Zusammensein. Aber ich hatte auch früher schon meine Gewohnheiten, sehr ausgeprägte sogar, auch wenn ich im Verlauf von 20 Jahren genauso oft umgezogen bin und noch mehr Jobs hatte. Muß man haben, denke ich, irgend eine Linie braucht's im Leben, als Gegenpol zur Unbeständigkeit.

                    Kommentar


                      #25
                      wurzeln... da denke ich zuerst an meine kindheit. aber jetzt: eltern tot, bruder tot, das wohn-umfeld völlig anders -da ist nix mehr.
                      später hab ich immer wieder neue wurzeln geschlagen: wg, ehe mit kind, die erste wirklich selbstgemietete wohnung... die wohnung ist noch übriggeblieben. und das kind natürlich! aber der ist erwachsen und geht seine eigenen wege. aus der wohnung werden sie mich wohl mit den füßen zuerst raustragen müssen, auch wenn der vermieter immer wieder versucht, mich rauszugraulen. er will alles in eigentums-wohnungen umwandeln. ich hab aber einen guten anwalt .
                      ja, meine wurzeln sind 15 jahre alt. immerhin.

                      Kommentar

                      Lädt...
                      X