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Worte als Waffe

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    Worte als Waffe

    Aus aktuellem Anlaß und weil es mich sehr interessiert, möchte ich gern das Thema Worte als Waffe bearbeiten.

    Worte, die man als Waffe einsetzt, um Menschen zu verletzen. Worte haben schon so manchen in den Selbstmord getrieben, daher finde ich das Wort Waffe auch durchaus zutreffend. Man denke nur an die jungen Mädchen, die sich getötet haben, nachdem sie im Internet gemobbt wurden. Worte kommen zu leicht, zu unbedacht über die Lippen. Früher oder später bleibt einem vielleicht nur, sich ein möglichst dickes Fell anzueignen, um nicht mehr schutzlos ausgeliefert zu sein.

    Wie seht ihr das?

    #2
    @ Chrysothemis

    Nur mal grundsätzlich:

    Eine Kugel zerstört Gewebe und kann dadurch tödlich sein.

    Worte "an sich" sind nicht tödlich. Sie sind allenfalls Medien, die etwas in uns auslösen, welches dann ggf. den Tod nach sich zieht. Die Umgangssprache hat sie zu einer Zeit "zu Waffen gemacht", als der philosophische Diskurs noch gepflegt wurde und sich u.a. die philosophischen Schulen manchmal "bis auf Messer" mit Worten und der Sprache regelrecht bekämpften > Wortgefechte, verbale Duelle, in Grund und Boden reden, mundtot machen, jemand stumm argumentieren ... und viele andere Ausdrücke haben wir aus jenen Zeiten geerbt.

    In der Politik ist es bspw. seit langem schon Usus, mit "verbaler Demagogie" aufzutreten und "rhetorisch zu parlieren". Auch hier und in vielen anderen Beispielen, die hier nicht alle genannt werden können, tritt das Wort "als Waffe" auf. Gemeint ist jedoch eigentlich die indirekte Wirkung, die das Wort auslösen kann, weil ein Potential vorhanden ist, das sozusagen auf Stich-Wort (mit einem Wort zustechen > triggern, pieksen, kitzeln, reizen usw.) reagiert.

    Die andere Seite der Medaille (als Alternative zum Verletzen und Töten) zeigt nämlich, dass (wiederum umgangssprachlich) Worte auch "Medizin sind" und heilen können. Auch hier gilt, dass das, was sie auslösen ggf. einen Heilungsprozess nach sich ziehen kann.

    Worte treiben nicht per se in den Selbstmord (um dein Beispiel aufzugreifen). Sie lösen etwas "Vorhandenes" aus, sie aktivieren es durch Trigger. Jemand der die Voraussetzungen bspw. zum Selbstmord nicht erfüllt, kannst du auch nicht ohne Weiteres nur mit Worten dazu bringen oder verleiten..

    Eine Kugel bspw. kann nicht heilen. Sie ist nicht zu diesem Zweck geeignet und auch nur zum Verletzen oder Töten "erfunden" worden.

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      #3
      Hallo Shepherd,

      Deine Darstellung lasse ich jetzt mal unkommentiert und komme bald darauf zurück.

      Natürlich zerstört eine Kugel Gewebe, doch Worte können Leben zerstören. Ich habe es selbst mehrfach erlebt.

      Gleich bin ich an meiner S-Bahn-Aussteigestelle und hoffe gesund nach Hause zu kommen.
      Ich lebe in einer Großstadt und nicht idyllisch vorm Wäldle. Wär mir lieber, gibt mir aber kein Einkommen.

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        #4
        Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
        Aus aktuellem Anlaß und weil es mich sehr interessiert, möchte ich gern das Thema Worte als Waffe bearbeiten.

        Worte, die man als Waffe einsetzt, um Menschen zu verletzen. Worte haben schon so manchen in den Selbstmord getrieben, daher finde ich das Wort Waffe auch durchaus zutreffend. Man denke nur an die jungen Mädchen, die sich getötet haben, nachdem sie im Internet gemobbt wurden. Worte kommen zu leicht, zu unbedacht über die Lippen. Früher oder später bleibt einem vielleicht nur, sich ein möglichst dickes Fell anzueignen, um nicht mehr schutzlos ausgeliefert zu sein.

        Wie seht ihr das?
        Lieber Chrysothemis!

        Deine Frage finde ich total aktuell. Worte können mehr verletzen als Schuß- oder Stichwaffen.

        Mein Bus erreicht gleich mein Ziel. Morgen mehr.

        Liebe Grüße
        Hilla

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          #5
          Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
          Aus aktuellem Anlaß und weil es mich sehr interessiert, möchte ich gern das Thema Worte als Waffe bearbeiten.

          Worte, die man als Waffe einsetzt, um Menschen zu verletzen. Worte haben schon so manchen in den Selbstmord getrieben, daher finde ich das Wort Waffe auch durchaus zutreffend. Man denke nur an die jungen Mädchen, die sich getötet haben, nachdem sie im Internet gemobbt wurden. Worte kommen zu leicht, zu unbedacht über die Lippen. Früher oder später bleibt einem vielleicht nur, sich ein möglichst dickes Fell anzueignen, um nicht mehr schutzlos ausgeliefert zu sein.

          Wie seht ihr das?
          Jede Bedrohung / Verletzung mit einer Waffe hinterlässt wohl Ohnmachtgefühle, Ängste und bleibende Verunsicherungen, vielleicht ist für einen souveränen Umgang mit Gewalt ausschlaggebend, in welchem Alter bzw. Entwicklungsstadium ein Mensch derartigen Erfahrungen zuerst ausgesetzt war und wie seine Umwelt darauf reagierte.

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            #6
            Zitat von Hilla123 Beitrag anzeigen
            Gleich bin ich an meiner S-Bahn-Aussteigestelle und hoffe gesund nach Hause zu kommen.
            Ich lebe in einer Großstadt und nicht idyllisch vorm Wäldle. Wär mir lieber, gibt mir aber kein Einkommen.
            Ich verstehe jetzt nicht so richtig, was du mir damit sagen willst, bzw. was es mit dem Thema an sich zu tun hat. ??


            Was meinen vorigen Post angeht, nochmal mit ein paar Details:

            Die Kugel steht stellvertretend für andere Gegenstände, die von vorneherein als Waffen (eine Waffe impliziert Verletzung und ggf. Tod) konzipiert wurden.
            Eine Kugel braucht "im Menschen" keinen Auslöser, der den Tod des Menschen nach sich zieht. Die Kugel verletzt und/oder tötet "einfach so" durch oder wegen ihrem Zweck ... weswegen sie hergestellt und gebraucht wird.

            Worte hingegen brauchen "etwas", das auf sie anspricht. Worte "treffen" oder "triggern" etwas im Menschen, das infolge durch diesen Trigger ausgelöst wird und seinerseits etwas anderes bewirkt. Dadurch, dass etwas im Menschen durch Worte angesprochen wird, kommt etwas anderes in Bewegung, das manchmal, jedoch nicht zwingend Verletzungen oder den Tod nach sich zieht.
            Worte können also nicht per se und auch nicht "nur" töten. Ihre Wirkung ist vielseitig und kann (muss aber nicht) nach sich ziehen, dass durch Zusammenwirken von Umständen und Gegebenheiten (durch Aktivieren von Emotionen und Reflexionen und daraus resultierenden Verhalten) eine Situation entsteht, die den Menschen dazu verleitet sich zu verletzen oder umzubringen.
            Das Wort als solches ist also allenfalls ein Mittel, welches etwas Vorahndenes auslöst. Das Wort ist nicht die Ursache, die zum Tod führt. Eine Kugel hingegen ist Mittel, Ursache und Auslöser und zielt darauf ab, zu verletzen und zu töten.



            Worauf will ich hinaus? Wie ich in meinem vorigen Post schrieb, ist das eine prinzipielle Darstellung, also "grundsätzlich".
            Ich weiß, dass das in den Augen von vielen Mitmenschen "lästige und manchmal nervende" Korinthenkackerei ist. Nur: hie und da braucht es sie, und sei es nur um daran zu erinnern, bzw. aufzuzeigen, dass umgangssprachlich "vereinfachte Alltags-Aussagen" oft verballhornte Verallgemeinerungen sind (nach dem Motto: "Die verstehen schon, was ich meine, denn ich verstehe mich ja auch selbst), die zu falschen oder ungenügenden Interpretationen führen, die dann infolge zu einer festen und ergo auch falschen Annahme und infolge zu einen entsprechenden Glauben führen.

            Wenn diese lästige und langweilige Korinthenkackerei hilft, solche missverständlichen Interpretationen zu vermindern (wie sie u.a. auch hier im Forum sehr oft vorkommen, weil mehr hineingelesen wird, als wirklich geschrieben steht), hat sie ihren ungeliebten Zweck erfüllt. Wenn nicht, war es nichtsdestoweniger den Versuch wert.

            lG

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              #7
              Ich hab's auch noch nicht so ganz drauf, Worte nicht als Waffe zu sehen, durch die ich verletzt werden kann.
              Worte muss ich erst mal an mich ranlassen, sie auf mich bezogen interpretieren, sie als gegen mich gerichtet werten.
              Selbst dann kann ich sie noch "abfangen", innerlich ablehnen, weil sie mehr mit dem Sprechenden/Schreibenden zu tun haben als mit mir.
              Wenn ich ein ernsthaftes Buch lese, das sich mit Problemen beschäftigt, nehme ich die Worte auch nicht als für mich verletzend wahr.
              Auch in einem Forum können Worte immer noch als aneinandergefügte Buchstaben gesehen werden, die auf meinem Bildschirm erscheinen. Sie haben nur dann etwas mit mir zu tun, wenn ich das zulasse.
              Ich weiß aus mühevoller Erfahrung, dass das keine leichte Aufgabe ist. Dennoch bleibe ich dran.
              Auch wenn die Worte direkt an mich gerichtet sind, ich muss sie nicht nehmen, genauso wenig wie ich verdorbene Speisen von einem Buffet nehme. Ich weiß, sie tun mir nicht gut. Also lasse ich sie dort, wo sie sind, beim Anbieter.

              Eine abgefeuerte Kugel aber kann ich nicht auffangen, dazu ist mein Körper nicht geeignet.
              Ein starkes Selbstbewusstsein und eine starke Seele können Worte abfangen.

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                #8
                Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen

                Das Wort als solches ist also allenfalls ein Mittel, welches etwas Vorahndenes auslöst. Das Wort ist nicht die Ursache, die zum Tod führt. Eine Kugel hingegen ist Mittel, Ursache und Auslöser und zielt darauf ab, zu verletzen und zu töten.

                G
                Einspruch Euer Ehren

                Was ist mit den "Worten" die man Kindern oft so mehr oder weniger nebenbei an den Kopf schleudert.

                "Das wirst du nie lernen"
                "Du bist einfach zu doof dazu"
                "Du bist faul"
                Du bist böse"

                und die vielen weiteren Worte, die ganz gezielt dafür sorgen, dass das Selbstbewusstsein von Menschen untergraben wird. Sind sie nicht Ursache und irgendwann (als Trigger) auch Auslöser für Suizid?
                Selbstverständlich kommt da meist noch "mehr" dazu, während im Normalfall "eine" Kugel reichen kann um zu töten.

                Ich halte Wörter (Worte) auch für Waffen zwischen Erwachsenen insofern, als dass ich sie "nutzen" kann um bestimmte Reaktionen oder auch Gefühle auszulösen. Das sind z.B. bewusste Verletzungen wenn man dem Partner im Streit genau das an den Kopf wirft, was er jahrelang von seiner Mutter hörte. Das mag nicht töten, aber es tut verdammt weh
                Und in einer solchen Extremsituation (Streit) kann man auch nicht mehr einfach so weg-hören, nicht auf sich selbst beziehen oder gar weggehen weil man ja schon emotional involviert ist.

                Ich kann das evt. nachträglich wieder geraderücken, wenn ich den Streit mit kühlem Kopf nachbearbeite. Doch die Verletzung ist dann bereits geschehen.
                Man kann ja auch eine Kugel wieder rausoperieren, sofern man den Schuss erstmal überlebt

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                  #9
                  Wow, ich habe jetzt etwas neues gelernt. Eine Kugel ist eine Waffe. Ich dachte eigentlich, dass ich eine Vorrichtung (Pistole, Gewehr) brauche, um sie abzuschießen und die wäre für mich dann die Waffe.

                  Eine Waffe wird auch nicht immer dazu benutzt, jemanden sofort zu töten. Das kann auch schleichend gehen. Nehmen wir mal die Atombombe, die in Hiroschima gefallen ist. Klar hat es bei dem direkten Abwurf sofort viele Tote gegeben, aber viele Menschen sind erst Jahre, Jahrzente, nach dem Abwurf an den Folgen, oder durch Missbilungen gestorben. Man kann dennoch sagen, dass sie Aufgrund des Atombombenabwurfes gestorben sind.

                  Genauso können Worte tödlich sein. Ich kann mit Worten jemanden über Jahre unterdrücken, niedermachen und bewusst auf die Wirkung dieser Worte setzen, damit die Worte in dem Menschen gegenüber etwas auslösen, damit er sich das Leben nimmt. Klar kann man sagen, der Mensch hat sich selber umgebracht, ich kann nichts dafür. Aber wenn ich die Worte bewusst als Waffe über Jahre eingesetzt habe, muss ich mir den Schuh doch anziehen, dass es meine Worte waren, die tödlich waren.

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                    #10
                    Ein Gesichtspunkt in diesem Zusammenhang – Worte als Waffe - ist die Scham. Werden durch Worte subjektive und/oder soziale Orientierungen beschädigt oder erschüttert, tritt Scham auf, was bedeutet, dass eine Grenze überschritten wurde. Eine Grenze, die ursprünglich dem Schutz der eigenen Identität und Individualität dient.

                    Hinzu kommt eine weitere Komponente, wodurch die Wirkung des Wortes als Waffe/ der verbalen Gewalt bezüglich des Schamgefühls verstärkt wird, und das ist Öffentlichkeit. Wenn es also Zeugen für die Worte gibt.

                    Langer Schreiberei kurzer Sinn: Worte können bspw. dann schwer verletzten, wenn sie das Schamgefühl treffen, es `Zeugen´ für die Worte gibt und sie das Selbstwertgefühl erschüttern.

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                      #11
                      Zitat von Nordhimmel Beitrag anzeigen
                      Einspruch Euer Ehren
                      Aber gerne.

                      Was ist mit den "Worten" die man Kindern oft so mehr oder weniger nebenbei an den Kopf schleudert.

                      "Das wirst du nie lernen"
                      "Du bist einfach zu doof dazu"
                      "Du bist faul"
                      Du bist böse"

                      und die vielen weiteren Worte, die ganz gezielt dafür sorgen, dass das Selbstbewusstsein von Menschen untergraben wird. Sind sie nicht Ursache und irgendwann (als Trigger) auch Auslöser für Suizid?
                      Danke für die Weiterführung meiner "grundsätzlichen" Gedanken.
                      Die von dir genannten Beispiele sind gewollte oder (meist) ungewollte (unbewusste) Prägungsmittel. Wenn bspw. Eltern oder Erzieher sich solcher Mittel "nebenbei" bedienen, kann ich mit einiger SIcherheit auch davon ausgehen, dass sie durch ähnliche Äusserungen (Worte, Tonfall und Sprachduktus) im Vorhinein im Kind schon den Samen gelegt hatten, der durch weitere solche "konditionierende" Äusserungen nur noch gedüngt wird und (meist, bzw. sehr oft) entsprechende "Blüten treibt". Ergo ist das "Etwas", welches angesprochen (drangsaliert) wird schon da, wird getriggert und reagiert seinerseits.
                      Bildlich gesehen ist das Wort hier "der Finger, der in die schon vorhandene Wunde gelegt wird und darin herumstochert". Da die Wunde schon "da" ist (die Empfindlichkeit der Prägung), wird das Wort zum Mittel um sie zu reizen/peinigen, quasi zum Foltermittel, nicht aber zur Waffe.
                      Die Wunde selbst (Ergebnis der Erziehung und Prägung) ist ihrerseits auch schon gelegt worden (der Samen, sieh weiter oben), durch Worte (und Handlungen) die auch nicht als Waffen bezeichnet werden können, weil es noch beim Kleinkind keinen Fundus gab, auf den man hätte "schießen" können. Er musste erst einmal angelegt werden.
                      Selbstverständlich kommt da meist noch "mehr" dazu,...
                      ... bzw. ging dem voraus ...
                      während im Normalfall "eine" Kugel reichen kann um zu töten.
                      Damit wäre ich einverstanden.

                      Ich halte Wörter (Worte) auch für Waffen zwischen Erwachsenen insofern, als dass ich sie "nutzen" kann um bestimmte Reaktionen oder auch Gefühle auszulösen. Das sind z.B. bewusste Verletzungen wenn man dem Partner im Streit genau das an den Kopf wirft, was er jahrelang von seiner Mutter hörte. Das mag nicht töten, aber es tut verdammt weh
                      Auch hier gilt dasselbe, wiewohl in dem (für das) sehr passend von dir genannte Beispiel "die Absicht" maßgebend ist - eine ungute(schlechte) Absicht mit einem in der Regel eindeutigen Ziel.
                      Es ist "etwas" da, von dem der Stichler weiss, dass es da ist und das er nutzt, um seinen offensichtlich niederen Bedürfnissen Befriedigung zu verschaffen.
                      Es gibt hierzu die ganz bewusst (und fast schon sado-geniesserisch) auf Verletzung abzielende Methode und noch die Variante, die ihrerseits darauf abzielt (meist sogar mit guter Absicht) den Betroffenen auf seine Schwächen/Prägungen aufmerksam zu machen, ... in der guten Absicht, dadurch (seufz) etwas konstruktives zu bewirken, wodurch allerdings die Schwäche ggf. nur noch zementiert wird.

                      In den anderen weiter oben angeführten Beispielen steht - wiewohl sie sich schädlich auswirkt - im Prinzip eine "gute Absicht" dahinter. Dass diese "gute Absicht" (das Kind darauf hinzuweisen, es solle/dürfe nicht doof, blöd oder sonstwas sein) auf eine denkbar unkonstruktive (im Spiegel nämlich selbst doofe, blöde oder wie auch immer) Art und Weise vermittelt wird, ändert nichts an der primären guten Absicht.

                      Und in einer solchen Extremsituation (Streit) kann man auch nicht mehr einfach so weg-hören, nicht auf sich selbst beziehen oder gar weggehen weil man ja schon emotional involviert ist.
                      ... insofern man sich emotional involvieren lässt. Das "muss" man nicht, denn für Worte und deren WIrkung gibt es genauso "Schutzschilde" wie es sie für Waffen gibt. Zum Beispiel: die ANklage bewusst und analytisch abwerten und sich aus dem "Zuhör-Rapport" entfernen. Das braucht selbstverständlich genausoviel Übung und Prägung, wie die "anerzogene Gewohnheit", auf solche "Anklagen" zu reagieren.
                      Ich kann das evt. nachträglich wieder geraderücken, wenn ich den Streit mit kühlem Kopf nachbearbeite. Doch die Verletzung ist dann bereits geschehen.
                      Man kann ja auch eine Kugel wieder rausoperieren, sofern man den Schuss erstmal überlebt
                      Wie gesagt, wird das "Nachbearbeiten" überflüssig, wenn die "Neutralisierungsfähigket" sich bis "innen drin" breit gemacht hat.
                      Das gilt für Worte, nicht zwingend auch für Kugeln

                      lG

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                        #12
                        Ich habe gerade heute wieder erfahren, was Worte anrichten können. Es ging um eine Nebensächlichkeit, auf die ein Familienmitglied ziemlich heftig reagierte und dann sozusagen mit Worten wild um sich schlug.

                        Man könnte jetzt sagen, ich sei es gewöhnt, was ja auch stimmt, aber dennoch hat es mich verletzt. Ich habe nur eine Anmerkung gemacht und wurde buchstäblich mit haßerfüllten Worten niedergemetzelt. Ich weiß nicht, ob andere es so sehen, aber Worte können auch viel kaputt machen - vor allem Vertrauen.

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                          #13
                          Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
                          In den anderen weiter oben angeführten Beispielen steht - wiewohl sie sich schädlich auswirkt - im Prinzip eine "gute Absicht" dahinter. Dass diese "gute Absicht" (das Kind darauf hinzuweisen, es solle/dürfe nicht doof, blöd oder sonstwas sein) auf eine denkbar unkonstruktive (im Spiegel nämlich selbst doofe, blöde oder wie auch immer) Art und Weise vermittelt wird, ändert nichts an der primären guten Absicht.


                          ... insofern man sich emotional involvieren lässt. Das "muss" man nicht, denn für Worte und deren WIrkung gibt es genauso "Schutzschilde" wie es sie für Waffen gibt. Zum Beispiel: die ANklage bewusst und analytisch abwerten und sich aus dem "Zuhör-Rapport" entfernen. Das braucht selbstverständlich genausoviel Übung und Prägung, wie die "anerzogene Gewohnheit", auf solche "Anklagen" zu reagieren.
                          Wie gesagt, wird das "Nachbearbeiten" überflüssig, wenn die "Neutralisierungsfähigket" sich bis "innen drin" breit gemacht hat.
                          Das gilt für Worte, nicht zwingend auch für Kugeln

                          lG
                          Falls eine gute Absicht hinter einem "dafür bist du zu doof" stecken kann. Eltern sind nur Menschen und Kinder sind hervorragende "Blitzableiter". Ich kann zwar nicht meinen Chef anbrüllen, der zwar der Auslöser meiner Wut ist, aber das Kind kann ich anschreien. Dahinter steckt ganz sicher keine gute Absicht.

                          Dann gibt es auch noch die wirklich aggressive Art, wie manche Worte ausgesprochen werden - voller Haß. Und - es ist einfach so - auch wenn ich genau weiß, daß etwas das mir an den Kopf geworfen wurde nicht stimmt, reagiere ich darauf und zwar mit Wut. Ich werde wütend, wenn ich ungerecht behandelt werde und die schlechte Laune eines anderen z.B. des Chefs ausbaden muß. Es ist dabei nicht einmal nötig, daß "Kraftausdrücke" verwendet werden, es genügt bereits völlig, wenn man abwertend behandelt wird.

                          Eine Steigerung des Ganzen ist es, wenn eine Gruppe ein Opfer mit Worten "beschenkt". Das Opfer wird ziemlich genau wissen, daß es nicht der "allerletzte Volldepp" ist, aber die Worte treffen trotzdem.

                          Nur noch so am Rande: Natürlich gibt es jede Menge toller Gespräche, toller Worte - aber hier ausnahmsweise nicht.

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                            #14
                            Zitat von Wolle0401 Beitrag anzeigen
                            Wow, ich habe jetzt etwas neues gelernt. Eine Kugel ist eine Waffe. Ich dachte eigentlich, dass ich eine Vorrichtung (Pistole, Gewehr) brauche, um sie abzuschießen und die wäre für mich dann die Waffe.
                            Gute Überlegung Wolle. Ich hatte in meiner Einfältigkeit komplett übersehen, dass die Kugel ja ein Projektil ist und ... naja, du hast es ja schon weiter ausgeführt und klargestellt. Danke für deine Worte.

                            Zitat von Mistral1
                            Langer Schreiberei kurzer Sinn: Worte können bspw. dann schwer verletzten, wenn sie das Schamgefühl treffen, es `Zeugen´ für die Worte gibt und sie das Selbstwertgefühl erschüttern.
                            Ich will nicht länger grunsätzlich auf dem Thema herumreiten, nur: um das Schamgefühl treffen zu können, muss ein solches vorher schon angelegt worden sein und es muss entsprechend verletzlich sein, was nicht von vorneherein immer gegeben ist.
                            Ich beispielsweise hab meines Wissens keins, so dass ich zumindest dort nicht verletzlich bin.

                            Kommentar


                              #15
                              Zitat von Chrysothemis Beitrag anzeigen
                              Falls eine gute Absicht hinter einem "dafür bist du zu doof" stecken kann. Eltern sind nur Menschen und Kinder sind hervorragende "Blitzableiter". Ich kann zwar nicht meinen Chef anbrüllen, der zwar der Auslöser meiner Wut ist, aber das Kind kann ich anschreien. Dahinter steckt ganz sicher keine gute Absicht.

                              Dann gibt es auch noch die wirklich aggressive Art, wie manche Worte ausgesprochen werden - voller Haß. Und - es ist einfach so - auch wenn ich genau weiß, daß etwas das mir an den Kopf geworfen wurde nicht stimmt, reagiere ich darauf und zwar mit Wut. Ich werde wütend, wenn ich ungerecht behandelt werde und die schlechte Laune eines anderen z.B. des Chefs ausbaden muß. Es ist dabei nicht einmal nötig, daß "Kraftausdrücke" verwendet werden, es genügt bereits völlig, wenn man abwertend behandelt wird.

                              Eine Steigerung des Ganzen ist es, wenn eine Gruppe ein Opfer mit Worten "beschenkt". Das Opfer wird ziemlich genau wissen, daß es nicht der "allerletzte Volldepp" ist, aber die Worte treffen trotzdem.

                              Nur noch so am Rande: Natürlich gibt es jede Menge toller Gespräche, toller Worte - aber hier ausnahmsweise nicht.
                              Wenn man aber von bösen Absichten ausgeht, füttert man das Gewaltmonster, Wut/Hass ist letztlich auch "nur" Ausdruck von Überforderung und Hilflosigkeit. Sicher besteht die "gute" Absicht nicht darin, dass man einen Schwächeren, noch dazu einen "Schutzbefohlenen" als Blitzableiter benutzt, aber die ursprüngliche Absicht war ja , den Stress, die eigene subjektiv erlebte Ungerechtigkeit zu verarbeiten statt sich in der Resignation einzurichten. Damit will ich das Verhalten keinesfalls rechtfertigen, nur den naheliegenden Vorwurf "böser" Absichten entkräften.

                              "Ein gewalttätiger Mensch kann noch gewaltlos werden, für den Impotenten besteht solche Hoffnung nicht." Mahatma Gandhi

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