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Tanzen - innen | Atmen - außen | Lachen - mittendrin

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    Tanzen - innen | Atmen - außen | Lachen - mittendrin

    Sei mir gegrüßt Insomnia, Königin im Mondenschein, gehüllt in dunkle Seide, das Antlitz, zeitlos wie es ist, ziert nur dein leises Lächeln, denn du weißt, du kommst so gut wie nie allein. Mit einer einzigen Bewegung deiner Hand, weit ausladend, erhellst du diesen Raum in mir und flüsterst leise, aber dennoch scharf wie ein Peitschenschlag: "Musik.."

    Und als sie aufklingt, beschienen vom hellen Kerzenschein, mischt sich hinein ein Lachen, vom andren Ende dieses Raums. Dort steht sie, deine kleine Schwester, die dich stets begleitet. Durch die Nacht in mir. Die ach so tief ist, viel zu tief, so tief, dass ich zu oft schon meinte, den Weg hinaus nie wieder zu finden. Und gefunden habe ich ihn doch, immer, immerzu. Dies Schwesterlein durchquert den Saal, mir die Hand entgegenstreckend, die meine gleitet stumm hinein, während wir beginnen uns zu drehen.

    Und an den langen, hohen Wänden, werden Erinnerungen Bilder, läuft meines Lebens Film, in einem Ballsaal meines Daseins, mit einer Königin der Nacht, die lächelt, tanze ich mit ihrer Schwester, die mich zärtlich an sich zieht. Meine Tränen rinnen leise, mein Kopf sinkt hin an ihre Schulter, während wir uns immer weiterdrehn, sie und ich - Prinzessin Melancholie und ich.

    Ihr Kleid ist licht, fahl wie der Mondin Schein; und von erhabener Schönheit ist sie sowieso. So schön, dass sie immer auch ein bisschen schmerzt. Zeigt mir die verrinnende Zeit meines Lebens, so vieles das ich zurückgelassen habe, so vieles, das mich bereits verließ. All diese vielen kleinen Seelchen, all diese Orte, Dinge, Wesen, all diese Heimatlosigkeit, all diese Sehnsucht, diese Wünsche, Ängste, Hoffnungen und die unendlich erscheinende Einsamkeit. Ich tanze, tanze nachts hier durch mein Leben, mit zwei Schwestern, tief in mir, durch meine Erinnerung.

    Und alles was ich tun kann ist einfach immer weiter atmen, während das Wasser aus mir fließt und es mir ist, als würde es ein Rinnsal, hinüber in die Anderswelt, wo all dies um das ich so sehr weine, auf immer bei mir sein wird. Wo all das, was mein Leben ausmacht, zu einer eigenen Welt erblüht, in der nur wir sind, diese alten Geister, zu denen wir alle irgendwann werden, wenn der Fährmann uns hat abgeholt. So ist alles was mir bleibt zu beten, dass das an dem mein Herz hängt, nicht zu schnell von mir gehen wird, denn diese Liste derer, die gingen - ach - sie ist schon so viel länger, als jene derer, die noch da sind.

    Und was mich hält in dieser Welt, in diesem wunderbaren Leben, das ich so liebe, weil ich so hart darum gekämpft, es hat bereits beschnittene Wurzeln, die nicht mehr wirklich sicher ankern, denn zu vieles ist bereits gegangen. Die Melancholie flüstet mir zu, ich solle ruhig darüber weinen, so lang im Tanze wir uns drehen, doch wenn wir dann zur Ruhe kommen, soll ich zur Mitte dieses Raumes gehen. Ich folge ihren leisen Worten, trete dann zur Mitte hin und augenblicklich ich das tue, weiß ich wieder wo ich bin. Ich bin mitten im Leben, mitten in meiner Nacht und genau in dieser Mitte, ja genau in dieser Nacht, wird mir wieder einmal klar, was dieses Mich im Wesentlichen ausmacht.

    Es ist immer wieder Neues, immer wieder ein "von Vorn", ein stetes Voranschreiten, sich erneut einlassen, erneute Dankbarkeit und Hoffnung, erneuter Schmerz, Verlust und Trauer, erneute Freude, Liebe, Demut und das Glück, besonders auch im Rückblick sagend - ich bereu keine Sekunde, ich bereue es kein Stück!


    -----------------------

    Willkommen in meinem Thema.

    Und nun gehe ich schlafen. (Die Verbeugung darf man sich gerne hinzudenken.)

    ..

    #2
    Der Schmerz in mir sitzt tief. Es gibt Phasen, da meine ich ihn zu vergessen. Er sinkt unter die Oberfläche dieses tiefen Sees, der ich bin. Nur um dann sofort wieder aufzutauchen, passiert etwas das daran rührt.

    Verlustschmerz

    Ich glaube, ich hatte zu viel davon in meinem Leben. Und jetzt habe ich eine veritable Macke was das angeht. Vor einigen Tagen ist mein letzter Wildling verletzt bei mir angekommen. Er hatte sich wohl mit einem anderen Kater geprügelt. Frau Mauszahn, seine Mama, ist und bleibt weiterhin verschwunden. Ich besah mir die Verletzung am Auge, die zum Glück nicht das Auge selbst betraf, sondern nur dazu führte, dass das Auge zugeschwollen war; und nötigte das Katerchen im Keller zu übernachten.

    Ihm war das Schließen der Tür sichtlich nicht geheuer, aber mit Futter, einer Kiste mit Decke an der warmen Heizung und gutem Zureden ging es dann doch und am nächsten Tag ließ ich ihn am Morgen raus und am Nachmittag wieder rein. Eine weitere Nacht im Keller folgte und Katerchen schien sich einzuleben, was mich glücklich stimmte, denn draußen tobte der Eissturm mit -18 Grad. Und so ließ ich ihn gestern Vormittag wieder raus - er kehrte nicht zurück. Ist seit dem verschwunden.

    Der Verlustschmerz tobt in mir, die Angst, die Sorge, die Rationalität gerät in eine fulminante Prügelei mit der Emotion und ich bin durch, irgendwie. Rudere in mir herum, suche nach Halt, nach irgendwas das mir die Erdung wiedergibt, selbst wenn ich Darti und Mauszahn nie wiedersehen sollte. Ich habe es versucht, ich habe getan was ging, ich habe.....

    ....ach, es ist doch nie genug. Felix Schnurrefix der I, der Bruder von Darti (alias D'Artagnan), er liegt im Garten, wo ich ihn begrub, nachdem ich ihn überfahren regelrecht von der Fahrbahn kratzen musste. Die Bilder habe ich bis heute noch im Kopf, letztes Jahr im Mai, da war er gerade mal ein Jahr alt, der kleine Mann, der Lunas erster Freund war, mit dem sie spielte. Und nun scheint es Darti auch erwischt zu haben. Und Mauszahn, sie wird auch nicht jünger. Ihre beiden Kinder aus letztem Jahr, wieder zwei Katerchen, so wie Felix I und Darti, die nahmen wir bei uns auf. Felix Schnurrefix II & Lupi (von Arsene Lupin), sie sind nun hier drin mit uns und in Sicherheit. Daran versuche ich mich etwas zu stabilisieren.

    Dennoch denke ich, wie immer, dass ich alles falsch gemacht habe. Dass ich mehr hätte tun müssen, dass ich schuldig bin wenn die Schätze sterben, weil ich eine schlechte Katzenmama bin. Das ist Unsinn, sagt die Rationalität. Das ist mir scheißegal! - schreit die Emotion und bricht wieder in Tränen aus.

    Ich bin so müde.... so viel Tod, immer und immer wieder, überall.

    Ich liebe die Poesie von Rilke. Und er war es auch, der das hier schrieb:

    "Der Tod ist groß
    wir sind die Seinen.
    Wenn wir uns mitten im Leben meinen
    wagt er zu weinen, mitten in uns."


    Ja, so ist das. So ist das...

    ..

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      #3
      ...



      [Zum Vergrößern klicken - Der Engel unter dem "Katzenbaum", dem großen Feldahorn in meinem Garten.]

      ..

      Zwischen leuchtend bunten Blättern,
      umweht von herbsterdigem Duft,
      send' ich ein Gebet zum Himmel,
      mitten durch nebelschwang‘re Luft.

      In meiner Lieb - gedankenstill.
      Erinnerung bringt neue Tränen,
      ach so sehr schmerzt der Verlust.
      Natürlich - man hat’s doch gewusst.

      Im Beginn bereits das Ende.
      Ewig ist des Lebens Kreis.
      Und dennoch zerreißt es Herzen,
      auch wenn’s jeder weiß.

      Hoffnung ist die einz‘ge Brücke,
      Gnade ist der letzte Steg,
      auf dem der Hinterblieb‘ne wandelt,
      auf seinem Trauerweg.

      Ach lass mich nicht vergebens wandeln.
      All die Blätter sterben still,
      doch ich möchte einfach glauben,
      einfach weil ich’s will.

      .........

      [„Briefe an die Zeit“ – Frau Mond 30.10.2015]




      [Zum Vergrößern klicken - Ein weiterer Grabengel, diesmal unter dem "Hamsterbaum", der Kastanie, in der nun kleine Geister wohnen.]

      ..

      Sie fehlen mir so, all diese Wesen, die nun, wie Kant behauptet, nicht wirklich fort sondern nur fern wären. Ich denke täglich an sie, schließe sie in meine Gebete mit ein (ich bin nicht klassisch religiös, sondern sowas wie ein Pantheist) und meine größte, ja im Grunde einzige Bitte für das Jenseits besteht darin, dass ich wieder mit ihnen vereint sein möchte, bzw. die Gewissheit haben, dass es ihnen gut geht und sie glücklich sind. Der Schmerz wird dumpfer, seine Klinge schneidet nicht mehr so wie zum Beginn, als das alltägliche Sein so qualvoll beschnitten war, durch ihn, den Schnitter, der alles mit sich nimmt - wohin, ach wohin nur? Was würde ich geben um des Fährmanns Geheimnis zu kennen, wie viele Münzen würde ich ihm geben, nur damit er mich einen Blick an das andere Ufer werfen lässt.

      Alles was bleibt ist die Ungewissheit - und die Hoffnung.

      ...

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        #4
        Liebe FrauMond,

        Zitat von FrauMond Beitrag anzeigen
        Der Schmerz in mir sitzt tief. Es gibt Phasen, da meine ich ihn zu vergessen. Er sinkt unter die Oberfläche dieses tiefen Sees, der ich bin. Nur um dann sofort wieder aufzutauchen, passiert etwas das daran rührt.
        Ja, das kenne ich gut, da hast du mein Mitgefühl. Ich kann und möchte dir daraufhin keinen Rat geben, aber ich möchte dir schreiben, wie ich meinen tiefen Schmerz so nach und nach los werde und zum Teil los geworden bin, um dir zu sagen: "Hey, du bist damit nicht allein!" und um dir Mut zu machen: "Hey, auch du kannst den Schmerz los werden!"

        Meine Schmerzen haben mich immer wieder ganz tief runter gezogen, so lange und so tief, bis ich genug davon hatte.

        Ich habe mich meinem Schmerz gestellt, habe ihn nicht mehr absinken lassen, teilweise mit psychologischer Unterstützung, teilweise ohne.

        Ich habe geweint und geweint und geweint, ich habe geschrien und geschrien und geschrien. Irgendwann wurde es besser, ließen die Tränen und die Schmerzen nach.

        Und dann habe ich geredet und geredet und geredet, so lange bis es gut war.

        Danach habe ich angefangen zu malen, Bücher zu schreiben, kreativ zu sein und gehe meinen ureigenen Weg bis Heute.

        Manchmal weine ich heute, manchmal schreie ich noch, aber was auch immer kommt, sehe ich heute überwiegend als Lernaufgabe, als Prüfung und als Vorbereitung für Neues und es zieht mich nicht mehr bis auf den Grund des Sees.

        Zitat von FrauMond Beitrag anzeigen
        Dennoch denke ich, wie immer, dass ich alles falsch gemacht habe. Dass ich mehr hätte tun müssen, dass ich schuldig bin wenn die Schätze sterben, weil ich eine schlechte Katzenmama bin. Das ist Unsinn, sagt die Rationalität. Das ist mir scheißegal! - schreit die Emotion und bricht wieder in Tränen aus.
        Auch das kenne ich, aber inzwischen habe ich gelernt, dass ich zu jedem Zeitpunkt meines Lebens nur das tun konnte, was ich aufgrund meiner Persönlichkeit, meiner Erfahrungen und meiner Einstellungen tun konnte. Das hilft mir sehr, wenn ich mir Selbstvorwürfe machen will.

        Ich hatte schon als Kind Katzen und wenn dort ein Tier starb oder nicht mehr wieder kam, bin ich stundenlang rufend und weinend durch die Wälder gelaufen, um sie zu suchen...

        Hier in meiner eigenen Familie hatten ich 2 Katzen und 2 Hunde und ein paar Fische und die Vögel draußen.

        Ich habe mir eingestehen müssen, dass ich mit dem Tod meiner Tiere nicht klar gekommen bin und werde mir in Zukunft auch kein einziges Tier mehr anschaffen. Ich bewundere Menschen, die damit klar kommen, aber mich zerreißt es innerlich und schafft kaum zu heilende Wunden. - Ich möchte das nicht mehr.

        Condor

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          #5
          Liebe Frau Mond,

          wie schön, dass Du hier Deinen eigenen Faden eröffnet hast, dessen Titel mich auch sofort hierher gelockt hat!

          Bei allem, was Du schon erlebt hast, erleben musstest, scheinst Du im Schreiben einen guten Weg der Auseinandersetzung mit all diesen Verlusten gefunden zu haben. Sehr spannend, Deine Texte!

          In aller Kürze, aber darum nicht weniger herzlich: liebe Grüße und alles Gute!
          Chaja

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            #6
            Condor - danke für Deine Rückmeldung.

            edit: Chaja, Dir auch herzlichen Dank für Deine lieben Worte!


            __________________________________________

            - Was mich hält -

            Einige Bilder aus der letzten Zeit, manche direkt vor unserer Haustür aufgenommen. Einige von so vielen. Fotografieren ist für mich eine Möglichkeit der Bewusstwerdung. Indem ich die Zeit einfange, den Augenblick banne, kann ich ihn im immer wieder neuerlichen Betrachten verinnerlichen. Der flüchtige Nebel bekommt so Substanz und wird zu einem Teil meiner inneren Fundamente, die stark sind und tief im Erdboden verankert.

            Ich betrachte das, was mich umgibt, was ich einfing und in mir keimt eine tiefe Dankbarkeit auf. Ich bin reich, so unglaublich reich, ich muss nur durch die Linse schauen und ....

            [Zum Vergrößern bitte anklicken.]































            ...

            Ich darf in diesem Paradies leben, das ist großartig!

            ..

            Darti ist zurück. Als wir vorhin die großen Rundbriketts für den Ofen und die Pellets für die Heizung aus dem Auto ausluden, da kam er angelaufen. Ich jubelte, gab ihm sein Essen und ca. 2 Stunden später, während ich mit Hundekind im Garten longierte, wartete er bereits in der Scheune darauf, dass er sein Abendbrot bekäme und in sein warmes Kellerquartier zum Übernachten könnte.

            Dort ist er nun, im Warmen, ordentlich verköstigt und sein Auge sieht auch schon besser aus. Ich bin erleichtert und glücklich, mein kleiner Bär. Nachher bringe ich ihm sein Nachtmahl, mache ggf. seine Toilette sauber, die provisorisch aus dem Unterteil eines ausrangierten Hamsterkäfigs besteht und die er artig nutzt, und werde ihn ein bisschen durchfluffen.

            In mir keimt die Hoffnung, dass auch Frau Mauszahn es geschafft haben könnte, wenn das Katerchen (bei solchen Minusgraden und verletzt) draußen überleben kann. Ich wünsch mir so, dass sie zurückkommt zu mir, die tapfere kleine Mama. Und auch wenn ich mich oft sorge und traurig bin, ich will nicht ohne Tiere. Sie sind wie meine Familie. Während ich mit Menschen immer weniger anzufangen weiß, sind es die Tiere, die mir immer mehr ans Herz wachsen.

            Das kann man schräg finden, muss man aber nicht. Für mich ist es die logische Konsequenz meines Lebensweges, dass ich nur noch zu sehr wenigen, sehr ausgewählten Menschen tiefere Bindungen unterhalte. Ansonsten bin ich sozial durchaus kompatibel, doch innerlich bin ich immer auf Abstand. Erfahrungen prägen einen und ich leide keineswegs darunter, im Gegenteil bin ich froh, mich nicht (mehr) zu sehr stressen zu müssen.

            Aktuell ist meine kleine Welt wieder soweit in Ordnung. Dazu gibts leckeren Früchtetee.



            ..

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              #7
              Liebe Frau Mond,

              wie gut, dass Darti wieder zurück ist! Er wird seinem Namen wohl durchaus gerecht, was das Durchkämpfen angeht...

              Die Bilder aus Eurem Schnee-und-Kälte-Wahlparadies sind wirklich wunderschön! Allesamt! Mir hat es besonders der Apfel mit seinem hohen Schneemützchen angetan.

              Liebe Grüße!
              Chaja

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                #8
                Liebe FrauMond,

                ich bin von dir und deinem Leben so fasziniert, weil es zu mir und meinem genau anders herum ist.

                Danke für die schönen Fotos.

                Zitat von FrauMond Beitrag anzeigen
                Ich darf in diesem Paradies leben, das ist großartig!
                Ich habe mein Paradies in mir gefunden und es ist ebenso großartig.

                Zitat von FrauMond Beitrag anzeigen
                Darti ist zurück.
                Das freut mich für dich.

                Zitat von FrauMond Beitrag anzeigen
                ich will nicht ohne Tiere. Sie sind wie meine Familie. Während ich mit Menschen immer weniger anzufangen weiß, sind es die Tiere, die mir immer mehr ans Herz wachsen.
                Das war für mich als Kind so, ich hatte meine Katzen und zu ihnen hatte ich ein inniges Verhältnis, denn sie waren für mich da und haben mich so angenommen, wie ich war. Die Menschen um mich herum waren, bis auf einen, leider nicht so und haben mir sehr weh getan.

                Heute ist es bei mir aber anders, die Tiere sind nicht mehr meine Familie, nicht mehr meine Freunde, obwohl ich sie gern anschaue, draußen die Vögel füttere und so, aber mein Interesse liegt definitiv bei den Menschen, in ihrer Vielfältigkeit und ich freue mich auf neue Kontakte in neuer Umgebung.

                Danke für deinen Faden.

                Condor

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                  #9
                  Zitat von FrauMond Beitrag anzeigen
                  Sie fehlen mir so, all diese Wesen, die nun, wie Kant behauptet, nicht wirklich fort sondern nur fern wären. Ich denke täglich an sie, schließe sie in meine Gebete mit ein (ich bin nicht klassisch religiös, sondern sowas wie ein Pantheist) und meine größte, ja im Grunde einzige Bitte für das Jenseits besteht darin, dass ich wieder mit ihnen vereint sein möchte, bzw. die Gewissheit haben, dass es ihnen gut geht und sie glücklich sind. Der Schmerz wird dumpfer, seine Klinge schneidet nicht mehr so wie zum Beginn, als das alltägliche Sein so qualvoll beschnitten war, durch ihn, den Schnitter, der alles mit sich nimmt - wohin, ach wohin nur?
                  Ein indianischer Medizinlehrer und Schwitzhüttenleiter hat mir vor vielen Jahren eine Geschichte erzählt, die mir immer noch sehr gut gefällt. Ich habe sie auf den Seiten dieses Forums bestimmt schon einmal erzählt, aber ich finde sie nicht mehr. Offenbar will sie ein zweites Mal erzählt werden ...

                  Wir Menschen sind die einzigen Kinder von Großmutter Erde, die mit einem unsterblichen, unveränderlichen Wesenskern ins Leben kommen und die diesen Wesenskern auch mitnehmen, wenn sie wieder gehen. Steine, Pflanzen und Tiere kehren nach ihrem Tod zurück in den Schoß von Großmutter Erde, um ein Teil dessen zu werden, was zu diesem Zeitpunkt gerade gebraucht wird.

                  Einige unserer älteren Brüder und Schwestern aus der Tierwelt streben ebenfalls nach einer unsterblichen Seele. Diese Tiere müssen durch die Hand oder in der liebevollen Obhut eines Menschen sterben, betrauert werden wie ein Mensch und (wenigstens eine Zeit lang) in den Gedanken derer bleiben, mit denen sie ihr irdisches Leben (z.B. als Haustiere) geteilt haben oder denen sie ihr Leben geschenkt haben (z.B. als Jagdbeute). Wenn es ihnen gelingt, das "Zwischenreich" zu durchwanderen ohne die Bewusstheit ihrer selbst zu verlieren, werden sie als Spirittiere (Krafttiere, Totemtiere ...) unsterblich.

                  Zitat von FrauMond Beitrag anzeigen
                  Was würde ich geben um des Fährmanns Geheimnis zu kennen, wie viele Münzen würde ich ihm geben, nur damit er mich einen Blick an das andere Ufer werfen lässt ...
                  Bedenke wohl, was du dir wünschst ...

                  Kommentar


                    #10
                    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                    Die Bilder aus Eurem Schnee-und-Kälte-Wahlparadies sind wirklich wunderschön! Allesamt!
                    Dazu kann ich nur nicken ...
                    Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
                    Mir hat es besonders der Apfel mit seinem hohen Schneemützchen angetan.
                    Und mir der Flughund mit dem vielen Schnee ...

                    Kommentar


                      #11
                      Schön, diese Weite der Landschaft auf deinen Bildern, die auch den Gedanken freien Raum lässt!

                      Kommentar


                        #12
                        Hallo Frau Luna,

                        von mir ein herzlichen, wenn auch sehr verspätetes Willkommen hier im Forum. Schön, das du uns gefunden hast!
                        Dein Faden gefällt mir sehr, besonders dein allererster Beitrag. Der ist so schön geschrieben wie ein Gedicht.
                        Wenn ich deine Fotos ansehe, frage ich mich, ob du wirklich in D wohnst. Sieht für mich eher wie Finnland aus!
                        Wahrscheinlich weigert sich mein Unterbewußtsein, die Tatsache anzuerkennen, daß woanders "richtiger" Winter ist, weil bei uns nicht ein Krümel Schnee liegt. Obwohl es kalt genug auch bei uns ist. Das ist sicher für die Pflanzen sehr hart, ohne diese schützende Schneedecke. Und für die Tiere auch. Bei mir im Vogelhäuschen herrscht ein Hochbetrieb, wie am ersten Tag des Winterschlußverkaufes mit Schnäppchenangeboten. Das freut mich natürlich.
                        Es freut mich auch, daß Darti wieder aufgetaucht ist. Man kann Tiere lieb haben, wie Brüder und Schwestern, nicht? Oder ist es eher ein Gefühl, was man für Kinder hat? So ein wärmendes "Ich-bin-zuständig" und ein gerührtes "Es-ist von-mir abhängig"?

                        Liebe Grüße
                        Glühwürmchen

                        Kommentar


                          #13
                          Ich danke Euch Allen für die Rückmeldungen, auf die ich dann später gerne noch eingehen möchte, aber vorerst will ich das Folgende einstellen:

                          ....



                          [Ausblick nach hinten raus, neben der Ostseite unseres Häuschen stehend. Raueiswelt ]


                          Zurück zu mir...

                          ....so fühlt es sich an. Als wäre ich eine Weile irgendwie völlig außer mir gewesen. Wie gelähmt, mit zähem Kleister ausgegossen, so typisch für diese depressiven Stimmungslagen. Doch jetzt, hier und heute, liegt draußen eine Eiswelt im Sonnenschein, die so unfassbar schön ist, so edel, erhaben, unbe- und ungerührt. Die einfach ist. Und damit das vormacht, was meiner Erfahrung nach die Essenz jeden Glücks ausmacht. Einfach sein. Im Hier und Jetzt. Ohne Morgen ohne Gestern, ungerührt und doch so anrührend, so tief bewegend, dass sich ein Kloß im Hals bildet und ich so dankbar bin, im Angesicht von etwas, das einfach da ist, so selbstverständlich wirkend und doch das größte Geschenk von allen, das reine Da|Sein.

                          Die Tiere sind versorgt. Darti streift bereits durch diese Märchenlandschaft, das kleine Bäuchlein gut gefüllt, auch damit er die Vögelchen in Ruhe lässt, die mein angerichtetes Buffet in den Nadelgehölzen eifrig besuchen. Den Kleiber habe ich dieses Jahr noch nicht gesichtet. Der wartet vermutlich, dass ich wieder Streufutter lege. Und ein leises Sehnen nach dem Frühling überkommt mich, wenn ich dort hinausblicke, in dieses dunstige, strahlende Weiß. Schneeglöckchen und Krokusse, diese unvergleichlich weiche Luft, die so viele frischgrüne Gerüche mit sich trägt, das aus dem Winterschlaf erwachende Leben überall, das Versprechen auf ein weiteres Jahr voller Fülle. Doch noch regiert die frostige Eiskönigin und hält alles in atemberaubter Starre.

                          Der Tag ist noch lang, die Liste der Erledigungen nicht minder. Aber ich fühle mich wieder stärker und dem Ganzen besser gewachsen. Was auch daran liegt, dass der weltbeste Liebste ebenfalls stark daran arbeitet aus seinem Tief heraus zu kommen. Wir sind beide erprobt was das angeht. Immer wieder neu die Orientierung suchen, sich hochrappeln und weitermachen, immer weiter, auch wenn es oft schwer fällt. Aber es gibt eben auch einen Lohn für die ganze Plackerei. Nämlich, dass man, je öfter man das Ganze bereits durchexerziert hat, man immer selbstsicherer wird was das angeht, weil man es mit fast schon traumwandlerischer Routine in der Lage ist abzuspulen. Weil man seine ureigenen Skills entwickelt hat und haargenau weiß was funktioniert und was nicht. Man geht dadurch extrem ökonomisch vor und kann sich selbst mit minimalster Restenergie noch weit aus dem Sumpf bewegen.

                          Wir unterhielten uns gestern darüber, der Liebste und ich. Er wunderte sich, dass es Menschen gibt, die bereits eine einzige Scheidung so aus der Bahn wirft, dass sie nie mehr richtig auf die Füße kommen. Mir fiel dazu eine Doku über Herzinfarkte ein, in der erklärt wurde, dass die Wahrscheinlichkeit an einem Infarkt zu sterben, für Menschen die ihr Leben lang gesund lebten und dann einen Herzinfarkt bekommen, sehr viel höher liegt, als bei Leuten, die bereits vorher ihr Herz mit Kettenrauch, Übergewicht und hohem Blutdruck belasteten (so wie der Liebste selbst, der seinen Infarkt ebenfalls überlebte, zum Glück). Die Wahrscheinlichkerit für einen Infarkt als solches, liegt bei Letzteren zwar deutlich höher, aber prozentual sterben solche vorbelasteten Menschen weit weniger an einem Infarkt, als Personen, die es erwischt und die keinerlei Vorbelastungen hatten.

                          Das läge daran, wurde in der Doku erklärt, dass das Herz bei vorbelasteten Menschen bereits auf Notzustände trainiert wäre und es deshalb bei einem Infarkt wesentlich adäquater reagieren könnte und würde. Während bei einem völlig gesunden Herzen der Schock oft so groß wäre, dass es einfach stehenbleiben würde und der Betreffende dann im Grunde nicht an dem Infarkt, sondern an dem Stillstand versterben würde. So ähnlich sehe ich das auch bei psychisch vorbelasteten Menschen. Jemand der sein Leben lang immer hat kämpfen müssen, den haut eine Scheidung oder ein Todesfall zwar auch aus der Bahn, aber er "stirbt" nicht daran, denn der "Schock" ist nicht groß genug für den kompletten "Stillstand". Ein solcher Mensch ist darauf trainiert solche Schläge zu verpacken und auch wenn er rudert, wenn er hadert, fix und fertig ist, er wird mit traumwandlerischer Sicherheit sein automatisiertes, über Jahrzehnte trainiertes Notprogramm abspulen. Während jemand, der so etwas nie hat entwickeln müssen, unter Umständen an einem einzigen Schicksalsschlag, ist dieser nur heftig genug, gnadenlos untergehen wird.

                          Insofern hat alles sein Gutes.

                          Mir fiele noch einiges dazu ein. Auch über das, was ich den Nullpunkt nenne. Aber das schaffe ich jetzt zeitlich nicht mehr, schließlich ist noch viel zu tun. Also vertrage ich das (so wie auch die Antworten auf die einzelnen Rückmeldungen) und werde hier mal weitermachen.

                          Allen Mitlesern einen schönen Tag!

                          ...

                          Kommentar


                            #14
                            Liebe Frau Mond,

                            es ist immer wieder ein Genuss, Deine Texte zu lesen! Dein Sprachgefühl spielt dabei eine große Rolle, aber Deine gut gewählten Worte sind eben auch keine leeren Sprachhülsen, sondern stecken voller Erfahrungen, die ihnen ein ganz besonderes Gewicht verleihen.

                            Vieles von dem, was Du über depressive Zeiten schreibst, aber auch über das Sich-wieder-Aufrappeln, über das Hier-und-Jetzt, das Da-Sein über Einfachheit etc. spricht mir aus der Seele, kommt mir, aufgrund meiner eigenen Erfahrungen, besonders "wahr" vor. Ich denke immer wieder: ich würde gerne mal ein Buch lesen, das von Frau Mond geschrieben wurde. Diesen Gedanken möchte ich Dir einfach mal hierlassen!

                            Auch Dir einen wunderschönen Tag und vielen Dank für das schöne Foto!

                            Deine Chaja

                            PS: Und mach Dir bitte keinen Stress, was das Antworten angeht! Wir sind hier zum Glück nicht bei Twitter und können darüberhinaus durchaus damit umgehen, wenn Du nicht auf jeden Beitrag hier in aller Ausführlichkeit eingehst!

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                              #15
                              Liebe Chaja, Du machst mich ganz verlegen. Ich danke Dir für Deine aufbauenden Zeilen, sowas geht runter wie Öl. Und stressen werde ich mich nicht, nein. Wer würde das auch, bei solchen Ausblicken?

                              ---> [Zum Vergrößern anklicken.]







                              Die sind von eben. Also so ganz von eben, vor ein paar Minuten. Ich habe zwei Fenster in meinem Arbeitszimmer im OG. Eines nach hinten und eines zur Seite raus. Und nun, nachdem alle Tiere versorgt sind und ich mit meinem ersten Kaffee des Tages am PC sitze, zwischen Frühstück und weiteren Erledigungen, habe ich die Kamera mal eben aus dem hinteren Fenster in die Landschaft gerichtet. Und so sieht es hier überall aus, egal aus welchen Fenster.

                              Wer bitte könnte da noch gestresst sein? Ich bin sowas von relaxed, ich habe mir sogar Bob Marley in den Player gehauen: "Time will tell"

                              *chilled like hell*

                              Habt Alle einen tollen Sonntag!

                              Bis später....

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