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Schreibfeder's Gedöns

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    Schreibfeder's Gedöns

    Seitdem ich von diesem Forum gehört habe, habe ich ab und an hier drin als Geist ...ähmm ... ich meine natürlich Gast, gestöbert und mich schließlich angemeldet. Auf dieses Forum bin ich durch eine Userin gestoßen, die ich in der schwersten Zeit meines Lebens kennen gelernt habe ... am Kiosk in einem Krankenhaus bei dem einen und anderen Kaffee.

    Mein Vater ist im Oktober 2015 verstorben, Krebs.

    Ich weiß noch nicht so recht wie ich mit der Trauer umgehen soll, da ich das Gefühl haben gar nicht mehr daraus heraus zu kommen ... immer wenn ich das Gefühl habe durch die Trauer durch zu sein, stirbt jemand in meinem Umfeld und ich bin wieder mitten drin.

    #2
    Liebe Schreibfeder,

    es ist schön, daß Du Dich hier angemeldet hast.

    So eine Trauer zu ertragen, ist sicher schlimm. Ich finde auch, im Moment ist alles besonders schwer. Das Wintergrau zieht irgendwie bis in die Seele hinein und es sterben gefühltermaßen derzeit so viele wichtige Menschen, daß man aus dem Traurigsein wirklich kaum noch herauskommt.
    Aber es geht wieder aufwärts. Wenn man es auch nicht mitbekommt, weil es so langsam geht. So lange, bis man endlich merkt, daß es besser wird, muß man einfach irgendwie überleben.
    Sei gut zu Dir! Und gehe tapfer jeden Tag an!

    Liebe Grüße
    Glühwürmchen

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      #3
      Hallo Schreibfeder,

      Trauer ist etwas, was einen gefühlt auffressen kann und auch den Tagesablauf bestimmen kann.

      Meine beste Freundin ist 2012 bei einem Autounfall gestorben. Mir hat es den Boden unter den Füßen weggezogen und ich wusste nicht wie es weiter gehen soll. Alles sagte einem, dass man weiter machen muss und das es mit der Zeit besser wird. Für mich damals nur Geplänkel.

      Mir hat dann die Behandlung bei einer Kinesiologin geholfen. Ich musste zwar nochmal durch den ganzen Schmerz durch und mich damit auseinander setzen aber danach ging es mir besser. Ich war nach der Behandlung total leer und ausgebrannt aber ich konnte die Tage danach anfangen "loszulassen" und die Trauer und den Schmerz von einer anderen Seite zu sehen.

      Mir hat die Behandlung damals sehr geholfen, vielleicht ist es für dich auch etwas als Unterstützung in der schweren Zeit.

      Wünsche dir auf jeden Fall viel Kraft und nie aufgeben, egal wie lange es dauert mit dem trauern.

      Kommentar


        #4
        Liebe Schreibfeder,

        schön das Du auf mich gehört und Dich auf den Weg in dieses Forum gemacht hast.
        Ich habe hier in den letzten Jahren viele liebe Leute kennen und schätzen gelernt. Wenn das Leben Herausforderungen für mich bereit hielt, habe ich hier Unterstützung und auch Rat gefunden. Ich wünsche Dir, dass es Dir ebenso geht.

        Wir beide haben schon viel Trauer durchmachen müssen und vielleicht hört es nie ganz auf .... ein klein wenig ist irgendwie immer vorhanden. Die Frage ist nur wie geht man damit um. Ich persönlich gönne mir Momente der Trauer, in denen ich meiner Eltern gedenke und mir wünschen, dass sie sehen wie ihr Enkel aufwächst. Ich lasse mich nicht mehr übermannen, nur noch einen Moment verweilen und dann weiterziehen. Doch das ist meine Art damit umzugehen, Du musst für Dich Deine Art finden.

        Wenn Du magst können wir uns auch auf einen Kaffee treffen ... muss ja nicht der vom Krankenhaus-Kiosk sein.

        Liebe Grüße

        Insomnia

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          #5
          Liebe Schreibfeder,
          Trauer braucht ihre Zeit, um milder zu werden, und ich denke auch, dass sie nie ganz verschwinden wird. Lass sie zu, es wäre ja auch nicht in Ordnung, um die Menschen, die wir lieben, nicht zu trauern. Auch wenn das Gefühl nervt, es gehört zu uns.
          Und ich kenne das auch, dieses Gefühl, gerade hebe ich die Nase etwas aus der Trauer, da kommt der nächste Schock ums Eck. Und manchmal weiß man, das Krankheiten früher oder später wieder die Trauer um den Tod eines geliebten Menschen erzwingen werden.
          Nimm dir Zeit für deine Trauer. So viel wie du brauchst. Lass sie zu, so wie sie ist. Und dann räume den schönen Dingen mehr und mehr Raum ein. Solange du noch Schönes wahrnehmen kannst, kann es auch wieder besser werden
          Alles Gute für dich.
          Sabine

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            #6
            Zitat von Schreibfeder Beitrag anzeigen
            immer wenn ich das Gefühl habe durch die Trauer durch zu sein, stirbt jemand in meinem Umfeld und ich bin wieder mitten drin.
            Das klingt nach einer Lernaufgabe.

            Ich glaube daran, dass man als Licht/Seele bei Gott sich selbst gewisse Lernaufgaben gewünscht hat, die man dann als Mensch bewältigen möchte.

            Ich habe erfahren, dass wenn ich eine Lernaufgabe nicht richtig mache oder nicht zu Ende bringe oder ablehne, weil ich sie z.B. für zu schwer halte, dass dann die selbe Lernaufgabe wieder kommt und meistens noch etwas schwerer.

            Wenn ich die Lernaufgabe allerdings schaffe, löse, bewältige, so, wie ich es mir als Seele/Licht gewünscht habe, bekomme ich eine ganz neue Lernaufgabe zu einem anderen, von mir gewünschtem Thema.

            Wenn deine Lernaufgabe nun ist, Trauer zu bewältigen, dann lass dich darauf ein. Fühle in dich hinein, wie du und wie lange du trauern möchtest. Das bedeutet, wenn dir nach weinen, schreien oder toben zu Mute ist, dass du das dann auch tust und wenn dir nach Ablenkung zu Mute ist, dass du das dann auch tust und wenn dir nach etwas ganz anderem zu Mute ist, dass du dann das tust.

            Jeder Mensch hat seine eigene Art zu trauern... und es ist wichtig, dieser eigenen Art zu folgen und sich dabei nicht an andere zu orientieren, denn nur du selbst kannst deine Trauer bewältigen.

            1990 starb mein Opa, der einzige Mensch aus meiner Familie, der mich immer so angenommen und geliebt hat, wie ich war. Ich konnte damals nicht ein mal zu seiner Beerdigung gehen, so sehr hat mich sein Tod mitgenommen. Ich bin später, ganz allein zu seinem Grab gegangen, habe mit ihm geredet, mit ihm eine geraucht, weil wir das immer zusammen gemacht haben und dann bin ich wieder gegangen. Danach bin ich nur ganz selten auf den Friedhof gegangen, habe mir aber die Zeit genommen, 11 Jahre um ihn zu trauern. Inzwischen geht es so einigermaßen. Er fehlt mir halt sehr. Auch heute noch, obwohl ich spüre, dass seine Seele ganz in meiner Nähe wieder geboren wurde. Aber er, als mein Opa, der fehlt mir halt, jeden Tag.

            Condor

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              #7
              Vielen Dank für die Antworten und Anregungen.


              Glühwürmchen: Ich mag den Winter, der eisige Wind im Gesicht, die Wölckchen die beim Ausatmen entstehen, die Tasse Tee die mich nach einem Spaziergang draußen auf mich wartet und ich weiß meine Garage zu schätzen ... vorallem wenn ich meine Nachbarn beim kratzen beobachten darf. Auch glaube ich nicht, dass Trauer immer mit traurig sein zu tun hat, denn ich bin alles andere als traurig ... entweder fühle ich mich leer und ausgebrannt ... oder ich brenne voll unbändigem Zorn auf die Welt, Ärzte, den Krebs, auf Gott ... sogar auf meine Waschmaschine, die mein Vater noch angeschlossen hat, bevor er in das Krankenhaus ging und nicht wieder herauskam.

              kleinemo: Über Kinesiologie habe ich noch nicht nachgedacht. Danke für den Tipp.

              Insomnia: PN kommt noch

              Sabine_nrw: Klar, bei meinem Vater konnte man von ausgehen, dass er bald gehen wird .. genauso auch bei meinen Großeltern. Meine Nichte war sechs Jahre alt, als sie ertrunken ist. Meine Arbeitskollegin hat sich vor drei Jahren im Alter von 24 das Leben genommen. Mein Onkel starb bei einem Autounfall. Ich war auf 12 Beerdigungen, dabei habe ich die von meinen Nachbarn und die Bridge-Damen meiner Oma und den Kegelclub meines Opas noch nicht einmal mitgezählt. Ich fürchte manchmal das ich in diesem Leben nicht mehr soviel Zeit habe wie ich brauche um das alles zu verarbeiten. Ich versuche an die schönen und kostbaren Momente zu denken.

              Condor:
              Trauer als eine von mir gewünschte Lernaufgabe? Ich glaube ich hätte mir eher etwas anderes gewünscht. Ich glaube eher das dass was wir uns wünschen, nicht immer das ist was wir brauchen. Ich glaube eher, dass das Schicksal (Gott oder der Zufall) uns soviel aufbürden, wie wir ertragen können. Allerdings frage ich mich ob das Schicksal es mitbekommt, wann genug ist.
              Mal davon abgesehen ist es ja nicht so, dass ich gar keine Trauer bewältigt habe ... wie weiter oben beschrieben, in meinem Leben war ich schon auf vielen Beerdigungen .... ich habe noch nicht einmal auf so vielen Hochzeiten getanzt.


              Ein Freund hat mir ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer (starb am 9. April 1945 im KZ Flössenburg ... ist also seit 70 Jahren tot ) mit auf den Weg gegeben.

              Je schöner und voller die Erinnerung,
              desto schwerer ist die Trennung.
              Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.
              Man trägt das vergangene Schöne
              nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.


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