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    ... die nächste Fahrt geht rückwärts....

    Guten Morgen

    schrieb sie und wußte schon nicht mehr weiter...

    tja, warum bin ich wieder hier? Nach wie vielen... zwei Jahren, drei?

    Ich würde sagen (wenn es denn rauskommen würde aus mir und durch diese Finger in die Tastatur hinein und somit auf diesen Bildschirm hinauf...), dass ich mich "leergelaufen" habe (oder bin).

    Ich war einmal ein Mensch mit Überzeugungen, aus Erfahrungen. Mit Sicherheiten in materieller und geistiger Hinsicht. Ich hatte ein (relativ) stabiles Bild von mir und einen (relativ) ruhigen Kern in mir.

    Dann kam der Zusammenbruch, psychisch und damit der Kraftverlust, körperlich. Dann der Wideraufbau in beiderlei Hinsicht. Neue Denkansätze und die daraus folgende Umsetzung. Neue Erfahrungen, die mich genauso an die vorherige Grenze brachten, nur schneller dieses Mal, und intensiver. Echte Grenzerfahrungen, die alles andere in den Schatten stellen. Die mich unendlich langsam machen, bis hin zur beinahen Lähmung.
    Der Körper einerseits, aber schlimmer noch der Geist. Der Körper läßt sich überlisten, stetig wieder trainieren. Doch der Geist? Ihm entfallen Dinge, wichtige genauso wie unwichtige, von jetzt auf gleich, oder erst auf morgen... die einfachsten Sachen, (von den anspruchsvollen und schwierigen ganz zu schweigen) einfach weg. "Das ist die Depression, das kommt wieder, machen Sie sich keine Sorgen", heißt es. Aber ich mache mir Sorgen! Kann mich nicht länger als 1-2 Stunden konzentrieren, ohne Kopfschmerzen zu bekommen. Kann mich nicht in "normale" Alltagssituationen mit anderen Menschen begeben, ohne allzu häufig allzu schnell nicht mehr folgen zu können, Migräne zu bekommen.

    Ich stelle fest, dass es nur sehr wenige Menschen in meinem Leben gibt, mit denen ich sein kann, bei denen ich ein "alles ist gut und richtig" Gefühl verspüre, wenn wir zusammen sind. Und ich stelle fest, dass ich mit all den anderen Menschen, absolut nicht mehr sein kann, ohne etwas von mir zu verlieren, das ich nur sehr sehr mühsam wieder zurückgewinnen kann.

    Ich habe meine Arbeitsstelle verloren, was nur konsequent war, da ich bereits zuvor meine Arbeitsfähigkeit verloren habe. Ich funktioniere nicht mehr in diesem Arbeitsweltsystem. Gleichwohl ich vielseitig talentiert, begabt, engagiert, intelligent und von hoher Auffassungsgabe bin. Was hilft das alles, wenn es sich nicht mehr einsetzen läßt?! Es kommt mir vor, als habe "etwas" einen Riegel davor geschoben, meine gegebenen Möglichkeiten dort zu "verschwenden" wo sie zu "nichts" dienen, als dem materiellen Gewinn. (Und dabei will ich den doch selbst - wie widersinnig ist das?!) Perspektivwechsel habe ich natürlich versucht, bin aber leider zu schlau um mich selbst austricksen zu können

    Auf die Spitze getrieben stellt sich mir nun wohl die Frage, wo will ich noch hin, mit meinem Leben? Auf die einsame Bergspitze (oder Insel) und nur sitzen und schauen und atmen und sein? Oder mich treiben lassen in den gegeben Umständen (die immerhin so schlecht nicht sind...)? Ist es wirklich wichtig ein Ziel zu haben? Muss ich (immer noch) "jemand werden", oder reicht es einfach da zu sein? Wem würde es wirklich dienen, eine neue Identifikation aufzubauen?

    "Der Mensch will arbeiten" habe ich kürzlich gehört. Das ist in ihm verankert. Das Gefühl etwas leisten zu müssen, der Antrieb etwas zu erschaffen, ist ihm immanent. Ist das wirklich wahr, frage ich mich? Oder ist das evolutionär anerzogen. Wenn jemand sagen würde, der Spieltrieb ist dem Menschen immanent, das würde ich sofort als wahr empfinden

    Entwickeln wir uns nicht eigentlich von ganz alleine? Und ist nicht genau das der Grund, warum wir körperlich und geistig lahm werden, wenn wir uns nur mit Dingen beschäftigen, die überhaupt nichts mehr mit unserem natürlichen Entwicklungstrieb zu tun haben?!

    .... auf der Spur .....


    schön wieder hier zu sein

    #2
    Willkommen zurück , liebe A*star.

    Das für diesen Moment, weil ich selbst gerade etwas zu ver-(be-)arbeiten habe und mich nicht allzu gut konzentrieren kann.
    Alles Gute und Dein Geschriebenes zeigt auch Lösungsansätze!

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      #3
      A*star schrieb

      .Ist es wirklich wichtig ein Ziel zu haben?
      Aus meiner Sicht JA

      Muss ich (immer noch) "jemand werden",
      Werden im Sinne von, was andere erwarten/gesellschaftsfähig ist/dem Mainstream folgen?

      Du "bist"! Und wirst (veränderst dich) nach jeder Entscheidung zu dem, was zu gewählt hast/deinen Fokus ausgerichtet hast.

      oder reicht es einfach da zu sein?
      mE JA

      Wem würde es wirklich dienen,
      mE DIR

      eine neue Identifikation aufzubauen?
      das Leben/Sein ist ständige/fortlaufende Veränderung und somit ist immer etwas (eben anders)"Neu".

      Zu beschließen nichts mehr zu tun (was ebenfalls ein Ziel ist) ist ebenso Veränderung, eine "neue" Identifikation/sich neu zu identifizieren/zu erfinden.

      Es gibt keinen Stillstand!

      Kommentar


        #4
        Willkommen zurück, A*star!
        Und: guten (Rück?)weg!

        Kommentar


          #5
          Zitat von Faszinosum Beitrag anzeigen
          Du "bist"! Und wirst (veränderst dich) nach jeder Entscheidung zu dem, was zu gewählt hast/deinen Fokus ausgerichtet hast.

          das Leben/Sein ist ständige/fortlaufende Veränderung und somit ist immer etwas (eben anders)"Neu".

          Zu beschließen nichts mehr zu tun (was ebenfalls ein Ziel ist) ist ebenso Veränderung, eine "neue" Identifikation/sich neu zu identifizieren/zu erfinden.

          Es gibt keinen Stillstand!
          Guten Morgen Faszinosum, guten Morgen Alle,

          danke für die Erinnung daran! Ja, um das zu sehen, bin ich wohl momentan zu blockiert und verbrettert....
          Dabei waren genau solche Aussagen einmal Teil meiner Leben-Selbstverständlichkeit.
          Warum ist mir das abhanden gekommen?

          Hm, vielleicht weil darin nur eine Teilwahrheit steckt, die nicht länger in der ersten Reihe steht?!
          Ja, alles ist stets und ständig im Wandel, in Bewegung begriffen. Und doch ist da etwas konstantes, das ich nicht recht greifen kann, das mir aber dennoch größer erscheint, als der offensichtliche Wandel. Es ist als würde man es im Augenwinkel wahrnehmen, und wenn man dann hinschaut ist es weg.... als würde man es im Traum ganz genau erkennen und wenn man aufwacht, entgleitet die Erinnerung... als würde man es ganz sicher in sich spüren, aber mit nichts darauf zeigen, geschweige denn es ausdrücken können.

          Ich habe das Gefühl, immer langsamer zu werden. Obwohl ich immer weniger aktiv bin, vergeht die Zeit immer schneller.
          Als ich noch gearbeitet habe, war das oft genau anders herum.
          Wenn ich jetzt etwas "arbeite", dann ist genau so viel Zeit damit vergangen, wie ich mir vorstelle, dafür gebraucht zu haben - ist das nicht kurios?! Ich trage schon lange keine Uhr mehr (und das von einer Uhrensammlerin )

          Mich mit dem "nichts mehr tun" zu identifizieren... jetzt weiß ich was mich daran stört (und das ist wiederum etwas altes): es sind die Etiketten, die wir uns und anderen auf diese Art und Weise ankleben. "Beschreiben sie wer sie sind" und schon nennen wir Name, Alter, Beruf, Familienstand, Wohnort, usw. Ich bin also dann jetzt die A*, 48, tut nix mehr, verheiratet, drei Kinder.... Ja klar, so bin ich einigermaßen gut zu identifizieren, falls man mich sucht Und das ist auch sehr einfach zu benennen. Aber beschreibt das MICH ?

          Vielleicht habe ich auch eine typische Lebens-Mitte-Krise, wer weiß. Das glaube ich sogar am ehesten. Wenn das eigene Leben bis hierher nicht so war, dass man es so weiter leben möchte, oder eben die natürlichen Veränderungen (alle Kinder sind aus dem Haus) bedingen, dass es so zwangsläufig nicht mehr weiter gelebt werden kann... stellt sich dann nicht automatische die große Frage nach dem "und was kommt jetzt (noch)?" ein? Plötzlich fällt einiges weg und gleichzeitig entsteht dadurch Raum für neue Möglicheiten.

          Und an dem Punkt muss ich feststellen, dass mein Kopf so leer ist, und meine Kraft so gering, dass ich nicht in der Lage bin, das in Angriff zu nehmen, was nun eigentlich dran sein könnte: Wünsche zu erfüllen, beruflich, privat. Eine neue Ausbildung zu machen oder der Kreativität den ganzen freien Raum geben, und damit wie auch davon leben.

          Ich brauche Pause, Stillstand - und frage mich dabei die ganze Zeit : wie lange ?
          Weil es das ist, was (sich) jeder fragt: wie lange dauert es (bis du dich genug ausgeruht hast, bis du wieder funktionierst, bis du wieder "normal" bist).
          Ich weiß die Antwort auf die Frage nicht und deshalb fange ich lieber an mich zu fragen, ob es nicht ok wäre, daraus einen Dauerzustand zu machen... vielleicht nur, um mir erstmal selbst das ok zu geben, dass es so sein darf, ohne wissen zu müssen, ob und wann es jemals wieder anders sein wird....?!

          ... auf der Spur ....

          A*


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            #6
            guten Morgen A*star,
            Dein letzter Beitrag kommt bei mir so an, als wenn sich die zwangsläufige Veränderung in einem Elternleben und der damit aufkommenden Frage: was nun? gepaart ist mit einer großen Erschöpfung (burn out) .
            Dein Selbstbild ist total ins Wanken gekommen, plötzlich bist Du nicht mehr 'wichtig' für die Kinder und für den Arbeitsmarkt. (Ich kenne dieses Gefühl). Es dauert(e) einige Jahre, bis dieses Gefühl zur Normalität gehört und man selbst sein eigenes 'Image' wieder ins Lot bringt. So langsam entwickeln sich neue Perspektiven, die aber nicht mehr der ganz große Wurf sein müssen. Das Leben geht auch mit mehreren kleineren Aufgaben und neuen Kontakten/Hobbys weiter.
            Solange man finanziell abgesichert ist, darf sich das neue Selbstverständnis langsam entwickeln, als Anmerkung zu Deinem letzten Satz.

            Wie schon gesagt wurde, Stillstand gibt es nicht, fast unmerklich entwickelt sich wieder etwas Neues/Anderes.

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              #7
              Guten Morgen Tamina, guten Morgen Alle,

              die schleichende Veränderung, die sich ergeben hat, indem die Kinder nach und nach ausgezogen sind, habe ich mir sicherlich leichter gedacht, als tatsächlich empfunden.
              Und auch das wichtig sein für den Arbeitsmarkt ist wohl doch entscheidender für mein Selbstwertgefühl gewesen, als ich es mir eingestanden habe.

              Es fühlt sich ein bisschen so an, als wäre ich jetzt herausgefordert, in mein vorher nur gedachtes Idealbild hineinzuwachsen:
              Keine Identifikation mit dem (eh nicht sonderlich gemochten) Beruf, kein Klammern an den flügge gewordenen Kindern und der Rolle als Mutter.
              Letzteres gelingt mir ganz gut. Ich stelle fest, dass ich durchaus Mutter bleiben kann, auch indem die Begegnung mit meinen Kindern auf Augenhöhe geschieht. (Hier bin ich ein Stück weit behindert durch meine eigenen Erfahrungen mit meiner eigenen Mutter).

              Das Gefühl aktuell in einen Stillstand, an einen Nullpunkt kommen zu müssen, ist hauptsächlich auf den "Broterwerbsjob" bezogen. Auch hier habe ich ein Idealbild: Das Gefühl, das meine Arbeit und das hereinkommende Geld, unabhängig von einander sind. Sobald ich arbeiten muss um Geld zu verdienen, erscheint es mir schon nur noch der halbe Spaß zu sein. Und Freude an und bei der Arbeit zu haben, bzw. das Gefühl etwas "gutes" zu tun in dem ich mache, was ich mache, erscheint mir wichtig um es tun zu können.
              Jahrzehntelang habe ich wunderbar mit meinen Pflichtterminen (echte und selbst gemachte) mein Leben geregelt. Ich war immer pünktlich bei und mit meiner Arbeit, für meine Familie da, und auch die Hütte war immer sauber und aufgeräumt.
              Darauf habe ich aber jetzt keine Lust mehr.
              Wenn ich auf mich selbst höre, dann wird erst geputzt, wenn es so dreckig ist, dass es anders nicht mehr geht. Aber es ist nicht so, dass es mich nicht stört, wenn es unordentlich und schmutzig ist, im Gegenteil, ich kann das eigentlich nur schwer ertragen. Genauso wie ich es im Job nur schwer ertragen konnte, wenn keine Struktur vorhanden und nicht die gesamte Arbeit zum Feierabend hin erledigt war... Warum auch immer ich das Gefühl habe, das jetzt aushalten lernen zu müssen, es ist genaus so und genau das.

              Stillstand, aushalten, ausharren lernen.

              A*


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                #8
                Hallo liebe A*,

                das klingt für mich nach einer echten Herausforderung....

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                  #9
                  Hallo A*,

                  in einem ähnlichen Zustand wie du war ich von August 2017 bis November 2018 auch: Depression, Nervenklinik, Pseudodemenz, Selbstmordversuch, Frührente. Mein Nierenarzt hatte gefordert, dass ich Lithium absetze und so meine Nieren schone. Im April 2018 nahm er seine Entscheidung angesichts meines desolaten Zustandes wieder zurück. Ich solle lieber kurz und glücklich leben als lange dahinvegetieren.
                  Als ich im vergangenen Sommer aus der Nervenklinik entlassen wurde, geriet ich an eine Psychologin, die mich immer wieder zur Meditation aufforderte. Während der Depression hatte ich die Fähigkeit dazu vollständig verloren. Jetzt begann ich wieder damit. In der Meditation tauchte bald die Frage auf: "Wo werde ich jetzt gebraucht?" Und sie half mir, von meinem Berufsleben sanft Abschied zu nehmen. Also habe ich mich umgeschaut und wurde zum Schachklub, zur "Tafel" und zu den Grünen geführt. Die Meditation stärkte mein Selbstbewusstsein und meine Spontaneität. So konnte ich meine langjährige Aufgabe als Schwimmtrainer bei der DLRG wieder mit Spaß und Erfolg ausfüllen. Jetzt bin ich so aktiv wie nie zuvor und fühle mich durch jeden Moment meines Lebens getragen.

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