Hallo zusammen,
nachdem ich dieses tolle Forum im www gefunden habe, möchte ich mir mal einiges von der Seele schreiben.
2003 ist mein Vater an einem kleinzelligen Bronchialkarzionom erkrankt. Durch frühzeitiges erkennen und schnelles handeln konnte er die Krankheit bis heute besiegen. "Einer der wenigen der Glück bei dieser Erkrankung hat", sagt sein behandelnder Arzt. Es war eine Achterbahnfahrt...Die Chemophasen, dann die Bestrahlung, die Kontrollen, die Angst...Da meine Mutter es seelisch nicht schaffte, habe ich meinen Vater zu jeder dieser Phasen begleitet.
Im Juni 2007 kam dann der nächste Schock. Bei einer Magenspiegelung meiner Mutter wurden Krebszellen gefunden. Diagnose Magenkrebs. Drei Tage später hatte meine Mutter schon den Termin im Krankenhaus. Ein paar Stunden nach der OP war ich gleich bei ihr auf der Intensivstation. Sie hat sich so gefreut und im nachhinein noch immer davon erzählt, dass sie so beruhigt war mich dort zu sehen. Dann bat ich um ein Gespräch mit dem Arzt: Es war kein Magenkrebs, sondern Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Metastasen in der Leber....Meine Mutter ist seit Jahren eine Angstpatientin gewesen, also wie reagieren ? Um sie und auch meinen Vater zu schützen, bat ich dem Arzt ihr nichts von der Diagnose zu erzählen. Mit einem befreundeten Arztehepaar meiner Eltern besprach ich die Situation. In der Zeit bin ich durch Höhen und Tiefen gegangen, habe meine Mutter ermutigt und sie hat so tapfer gekämpft. Im Juni 2008 verstarb sie. Wir durften sie in einem Hospiz begleiten. Ich habe auch mit ihr darüber gesprochen, dass ich "es" von Anfang an wusste. Sie wusste es aber auch und sie fand meine Entscheidung richtig und sehr mutig von mir. Meinem Sohn habe ich erklärt, dass wir Omi nun in den letzten Hafen ihres Lebens gebracht haben. Dort wartet sie auf ein Schiff und Gott nimmt sie mit zu sich. Es war ihr schönster Hafen, glaube ich. Sie war dort seit über 30 Jahren "angstfrei".
In der Zeit wo meine Mutter im Hospiz lag, konnte ich psychisch nicht arbeiten gehen. Außerdem habe ich die meiste Zeit bei ihr verbracht und das war mir wichtiger als alles andere. Ob es am Tage war oder die Nächte, ich wollte soviel wie möglich bei ihr sein. Eine Woche nachdem sie verstorben war ging ich wieder arbeiten. Ich wurde regelrecht von meiner Chefin gemobbt. Mit den Worten: "Das muss ja doppelt schlimm für sie gewesen sein - ihre Mutter liegt im Sterben und sie sind selber so schwer krank, dass sie 3 Wochen nicht arbeiten können" und ein süffisantes Lachen im Gesicht kam sie mir entgegen. Ich war mehr als geschockt. Sie kürzte mir mein Gehalt und beachtete mich nicht. Ich hatte nicht die Kraft zu kämpfen und zu argumentieren. Letztendlich kündigte sie mir. Ich fühlte mich doppelt bestraft - erst wurde mir meine Mutter genommen und da wo ich Kraft sammeln wollte und mich ablenken wollte durfte ich auch nicht mehr hin.
Ein Jahr war ich dann arbeitslos. Ich wollte dann eigentlich, finanziert durchs Arbeitsamt, meinen Traum verwirklichen und eine Heilpraktikerausbildung beginnen. Aber ich bekam eine Pancolitis (entzündliche Darmerkrankung) und war monatelang nicht in der Lage überhaupt aus dem Haus zu gehen, geschweige denn mich auf etwas Neues einlassen zu können. Ich verfiel in Depressionen.
Seit Januar habe ich eine neue Arbeit. Ich arbeite mit Menschen zusammen, genau "mein Ding". Allerdings bin ich so traurig und am Zweifeln. Ich bin auch so antriebslos und gehe nicht mit Vorfreude auf die neue Herausforderung los. Auf der einen Seite denke ich: "Hey es geht wieder Bergauf", aber ich finde den Weg nicht und stehe noch immer am unteren Teil des Berges und traue mich nicht einen Schritt nach oben zu machen. Ich bin am Zweifeln, ob es genau das ist worauf ich gehofft habe. Aber ich weiss auch, wenn ich noch länger zu Hause bleibe schließe ich mich ganz in meiner Burg ein. Es ist ein Teufelskreis.
Wie komme ich aus dieser Situation wieder raus ? Warum kann ich mich nicht darüber freuen ? Warum setze ich nicht den Fuß auf und erklimme den Berg ?
Herzliche Grüsse
MissScarlett
nachdem ich dieses tolle Forum im www gefunden habe, möchte ich mir mal einiges von der Seele schreiben.
2003 ist mein Vater an einem kleinzelligen Bronchialkarzionom erkrankt. Durch frühzeitiges erkennen und schnelles handeln konnte er die Krankheit bis heute besiegen. "Einer der wenigen der Glück bei dieser Erkrankung hat", sagt sein behandelnder Arzt. Es war eine Achterbahnfahrt...Die Chemophasen, dann die Bestrahlung, die Kontrollen, die Angst...Da meine Mutter es seelisch nicht schaffte, habe ich meinen Vater zu jeder dieser Phasen begleitet.
Im Juni 2007 kam dann der nächste Schock. Bei einer Magenspiegelung meiner Mutter wurden Krebszellen gefunden. Diagnose Magenkrebs. Drei Tage später hatte meine Mutter schon den Termin im Krankenhaus. Ein paar Stunden nach der OP war ich gleich bei ihr auf der Intensivstation. Sie hat sich so gefreut und im nachhinein noch immer davon erzählt, dass sie so beruhigt war mich dort zu sehen. Dann bat ich um ein Gespräch mit dem Arzt: Es war kein Magenkrebs, sondern Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Metastasen in der Leber....Meine Mutter ist seit Jahren eine Angstpatientin gewesen, also wie reagieren ? Um sie und auch meinen Vater zu schützen, bat ich dem Arzt ihr nichts von der Diagnose zu erzählen. Mit einem befreundeten Arztehepaar meiner Eltern besprach ich die Situation. In der Zeit bin ich durch Höhen und Tiefen gegangen, habe meine Mutter ermutigt und sie hat so tapfer gekämpft. Im Juni 2008 verstarb sie. Wir durften sie in einem Hospiz begleiten. Ich habe auch mit ihr darüber gesprochen, dass ich "es" von Anfang an wusste. Sie wusste es aber auch und sie fand meine Entscheidung richtig und sehr mutig von mir. Meinem Sohn habe ich erklärt, dass wir Omi nun in den letzten Hafen ihres Lebens gebracht haben. Dort wartet sie auf ein Schiff und Gott nimmt sie mit zu sich. Es war ihr schönster Hafen, glaube ich. Sie war dort seit über 30 Jahren "angstfrei".
In der Zeit wo meine Mutter im Hospiz lag, konnte ich psychisch nicht arbeiten gehen. Außerdem habe ich die meiste Zeit bei ihr verbracht und das war mir wichtiger als alles andere. Ob es am Tage war oder die Nächte, ich wollte soviel wie möglich bei ihr sein. Eine Woche nachdem sie verstorben war ging ich wieder arbeiten. Ich wurde regelrecht von meiner Chefin gemobbt. Mit den Worten: "Das muss ja doppelt schlimm für sie gewesen sein - ihre Mutter liegt im Sterben und sie sind selber so schwer krank, dass sie 3 Wochen nicht arbeiten können" und ein süffisantes Lachen im Gesicht kam sie mir entgegen. Ich war mehr als geschockt. Sie kürzte mir mein Gehalt und beachtete mich nicht. Ich hatte nicht die Kraft zu kämpfen und zu argumentieren. Letztendlich kündigte sie mir. Ich fühlte mich doppelt bestraft - erst wurde mir meine Mutter genommen und da wo ich Kraft sammeln wollte und mich ablenken wollte durfte ich auch nicht mehr hin.
Ein Jahr war ich dann arbeitslos. Ich wollte dann eigentlich, finanziert durchs Arbeitsamt, meinen Traum verwirklichen und eine Heilpraktikerausbildung beginnen. Aber ich bekam eine Pancolitis (entzündliche Darmerkrankung) und war monatelang nicht in der Lage überhaupt aus dem Haus zu gehen, geschweige denn mich auf etwas Neues einlassen zu können. Ich verfiel in Depressionen.
Seit Januar habe ich eine neue Arbeit. Ich arbeite mit Menschen zusammen, genau "mein Ding". Allerdings bin ich so traurig und am Zweifeln. Ich bin auch so antriebslos und gehe nicht mit Vorfreude auf die neue Herausforderung los. Auf der einen Seite denke ich: "Hey es geht wieder Bergauf", aber ich finde den Weg nicht und stehe noch immer am unteren Teil des Berges und traue mich nicht einen Schritt nach oben zu machen. Ich bin am Zweifeln, ob es genau das ist worauf ich gehofft habe. Aber ich weiss auch, wenn ich noch länger zu Hause bleibe schließe ich mich ganz in meiner Burg ein. Es ist ein Teufelskreis.
Wie komme ich aus dieser Situation wieder raus ? Warum kann ich mich nicht darüber freuen ? Warum setze ich nicht den Fuß auf und erklimme den Berg ?
Herzliche Grüsse
MissScarlett




- Wenn bist du noch im oberem Drittel und kannst dich jederzeit hochziehen. Du darfst auch zeitweise dorthin um zu verarbeiten... Und falls du mal tiefer fallen solltest, brauchst du dich auch nicht zu sorgen. Dann aktiviert sich dabei irgendwann dein Mutterinstinkt und du rationalisiert dass eigentlich alles unbedeutend ist und deine Aufgabe, auf dein eigenes Kind aufzupassen, ist...
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