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ja...gefühlt nicht nur eins...

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    ja...gefühlt nicht nur eins...

    Hallo ihr Lieben!

    Zu dem Forum bin ich gestoßen, weil ich "was ist zuhause" gegooglet habe und dann anfing, hier zu lesen. Das soll jetzt kein Geschleime sein, aber ich fand die Stimmung hier sehr nett und freundlich und wertschätzend und dachte, es sei etwas, was ich vielleicht ganz gut gebrauchen könnte.

    Ich stecke seit nem Jahr in gefühlt nem ziemlichen Dilemma, und finde irgendwie keinen Ausweg. Ich traue mich auch nicht mehr, meine Leute zu fragen, will es im Grunde auch nicht, weil ich denke, dass nur ich mir die Antwort geben kann. Nur ich kann entscheiden, was gut für mich ist. Mit meiner Mutter will ich es nicht besprechen, weil dann immer recht viel Druck kommt, und ich auch nicht das Gefühl habe, dass sie mich versteht. Zu meiner Situation:

    Ich bin 29, habe Abitur, eine Ausbildung als Krankenschwester, arbeite seit 6 Jahren in dem Beruf. Es war aber nie mein expliziter Wunsch, Krankenschwester zu werden. Nach dem Abi wusste ich nicht was ich machen sollte, war aber in der Zeit ehrenamtlich beim DRK. Ich mochte die Leute, und es war ein Stück weit mein Zuhause, weil ich in der Schule nicht so wirklich Anschluss hatte. Meine Eltern trennten sich nach 22 Jahren Ehe, mein Vater zog ins Ausland. Ich kam mit meinem ersten Freund zusammen. Nach einem Jahr Kellnern, Nachhilfe und Babysitting stieg mir meine Mutter aufs Dach, und wollte dass ich wenigstens eine Ausbildung mache, wenn´s schon mit dem Studium nicht weitergeht. Rettungsdienst hat nicht geklappt, aber Krankenschwester dann. Wenig gelernt, dennoch mit mehr Glück als Verstand sehr gutes Examen, halbes Jahr auf einer interdisziplinären Station, danach inzwischen 5,5 Jahre auf einer psychiatrischen Station.

    2010 kam die Trennung von meinem damaligen Freund, mit dem ich 5 Jahre zusammen war. Es hat mir ziemlich den Boden unter den Füßen weggezogen. Meine erste Panikattacke, ich habe wochenlang nichts gegessen und wollte eigentlich nicht mehr leben. Ich war plötzlich das erste Mal in meinem Leben alleine (wir haben gemeinsam im Wohnheim gewohnt), dann immer wieder die Fragen meiner Mutter, wann ich denn nun endlich studieren gehe. Meine immer währende Angst, nicht intelligent genug, nicht schlau genug zu sein. (Meine Eltern sind beide Akademiker, auch mein Bruder hat studiert)

    Ich habe damals nächtelang auf Station mit einer Kollegin und Freundin gegrübelt, was ich denn nun studiere, kam aber irgendwie zu keinem befriedigenden Ergebnis. Zu keinem, das sich nach einer bewussten Entscheidung und nach meinem Wunsch angefühlt hätte. Ich fing 2011 dann aber an, Medizin zu studieren. Als ich den Zulassungsbescheid in meinen Händen hielt, habe ich angefangen zu heulen. Meine Mutter hat drei Kreuze gemacht, Ärzte von Station rieten mir, es zu probieren, Kollegen sagten, Student passe viel besser zu mir, als Pflege. Nur zwei Freundinnen haben die Hände überm Kopf zusammengeschlagen und waren der Meinung, dass Medizin so gar nicht zu mir passe.

    Ich habe es versucht, ich war ziemlich überfordert mit vielem. Mit all den Leuten, die viel jünger waren als ich, mit Lernen, und meiner tiefen Aversion, stump irgendwelche Sachen auswendig zu lernen. Ich habs aber bis zum Physikum durchgezogen. Die Highlights des Studiums waren kurze Seminare, in denen es eher um geisteswissenschaftliche Themen ging (Ethik, Sterbehilfe, etc.) Da bin ich aufgeblüht und erntete Lob von den Profs, wurde persönlich zu Vorlesungen anderer Fachbereiche eingeladen. Ein kurzer Lichtblick, der mir die Hoffnung gab, in diesem verhassten Studium doch noch eine Nische für mich zu finden. Dreimal war ich ernsthaft sehr kurz davor, das Studium abzubrechen, bin aber immer wieder zurückgerudert.

    Vor 2 Jahren, nach einem Jahr Studium, zog ich unter starken Zweifeln aus dem Wohnheim in die Großstadt. Ich habe mich hier nie wohlgefühlt. Bis heute nicht.

    Ich verlor immer mehr den Kontakt zu meiner Station, die mir viel bedeutet hatte, habe meine Stelle immer weiter reduziert. Letztes Jahr ging dann irgendwie gar nichts mehr. Ich habe den letzten Schein vor dem Physikum mit viel Glück bestanden, mich zur Prüfung an- und dann wieder abgemeldet.

    Dieses Jahr ist mehr oder weniger an mir vorbeigezogen. Und nun sitze ich hier und weiß noch immer nicht weiter, traue mich weder vor noch zurück.
    Ich habe eine 25% Stelle, die nach Wegfall meines Stipendiums nicht mehr zum Leben reicht. Ich bin noch immatrikuliert, sehe mich aber nicht diese Prüfung machen, weil ich keinen Sinn darin sehe.
    Ich will auf lange Sicht nicht mehr in der Pflege arbeiten, weil es mich stresst und emotional belastet und gleichzeitig intellektuell unterfordert. Mein Geist verkümmert dort.

    Ich weiß, von irgendwas muss ich essen und Miete bezahlen, aber am liebsten will ich nie wieder dahin zurück.

    Ich bin ratlos. Am liebsten würde ich weg von allem hier. Aus dieser Stadt, die ich einfach nicht mehr sehen kann, und nie mochte. Weg von Station, nicht im Bösen, aber mit der Absicht, niemals wiederzukommen. Weg vom Studium. Ich habe kein Geld, Schulden bei meiner Mutter, keinen Plan, wie es weitergehen soll.

    Ich hoffe, es war nicht zu viel. Ich bin euch dankbar für sämtliche Vorschläge, Anmerkungen oder Denkanstöße...

    Alles Liebe, die verwirrte Nigra

    #2
    liebe Nigra,

    herzlich willkommen hier!

    ich hoffe sehr, dass du hier antwort auf deine fragen findest. ich fand dein post sehr berührend. ich dachte mir nur: bleib nicht nicht der großstadt, geh zurück! ich dachte mir: mensch, was gibt deinem leben sinn, was macht dir spaß, da muss es doch was geben, komm raus aus dieser (abwärts-) spirale...

    Die Highlights des Studiums waren kurze Seminare, in denen es eher um geisteswissenschaftliche Themen ging (Ethik, Sterbehilfe, etc.) Da bin ich aufgeblüht und erntete Lob von den Profs, wurde persönlich zu Vorlesungen anderer Fachbereiche eingeladen. Ein kurzer Lichtblick, der mir die Hoffnung gab, in diesem verhassten Studium doch noch eine Nische für mich zu finden
    vielleicht kannst du hier irgendwie weiterkommen? du hast eine ausbildung als krankenschwester, du hast fast ein medizinstudium, du hast eine ganze menge vorzuweisen, was du schon alles geschafft hast. jetzt gilt es, dem nachzugehen, was dein herz berührt. ich bin mir sicher, du findest etwas. wir helfen dir gern.

    liebe grüße

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      #3
      Hallo liebe Nigra!
      Ich bin ja auch neu hier und auch ich fand den Forumsnamen ansprechend und passend für mich - also:
      Herzlich willkommen!

      Was mir als erstes dazu einfällt: dein Verstand/Kopf raucht förmlich in dem Bestreben, endlich DAS Richtige für dich zu finden, mit dem die anderen (Mutter etc.) auch zufrieden sind. Du grübelst, magst schon nicht mehr fragen (weil schon dauernd getan), versuchst, schmeißt hin, ziehst es durch, zweifelst ....

      Und nur hier blitzt mal ein dicker Sonnenstrahl auf
      Zitat von NigraPavo Beitrag anzeigen
      Die Highlights des Studiums waren kurze Seminare, in denen es eher um geisteswissenschaftliche Themen ging (Ethik, Sterbehilfe, etc.) Da bin ich aufgeblüht und erntete Lob von den Profs, wurde persönlich zu Vorlesungen anderer Fachbereiche eingeladen. Ein kurzer Lichtblick, der mir die Hoffnung gab, in diesem verhassten Studium doch noch eine Nische für mich zu finden.
      Jetzt mal abgesehen von Geldmangel, Zweifel, Mutter und Meinungen:
      was sagt dein Herz????? Wo würde es hingehen wollen?

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        #4
        Hey ihr Lieben!

        Vielen Dank für eure herzlichen Antworten. Ich fühl mich schon nicht mehr ganz so alleine. Danke.

        Wenn ich auf mein Gefühl höre, dann will ich raus aus dieser Stadt. Vielleicht nach Hamburg, Berlin oder Göttingen. Ich lebe in Frankfurt und bin nie hier warm geworden. Ich hab zwar ne kleine Wohnung, und es ist auch ein dringend nötiger Rückzugsraum. Aber es fühlt sich nur nach Zwischenlösung an. Genauso wie Krankenschwester sich immer nach Zwischenlösung angefühlt hat. Immer auf der Suche irgendwie... Was mich auf der Station hielt, waren die Menschen, war der Halt, den mir die Kollegen boten, nicht aber die Arbeit.

        Wenn ich auf mein Gefühl höre, dann muss ich raus, raus aus allem, kein Geld haben, aber auch keine Schulden, kein Auto mehr, einfach nur weg. Und ich will Schreiben. Damals nach dem Abi hatte ich nach langem Studienratgeber wälzen drei Sachen aufm Zettel: Psychologie, Medizin, Journalismus. Journalismus habe ich abgewehrt mit dem Gedanken, das sei viel zu unwissenschaftlich und nur blabla.

        Aber ich will um Himmels willen eigentlich nichts anderes als Schreiben. Ich habe schon immer geschrieben, Tagebuch, Aphorismen, Gedichte, alles mögliche. Schreiben ist mein Weg mich auszudrücken, ich liebe die Sprache, ich liebe Worte, ich liebe diese Art der Kommunikation und glaube, dass man auch mit Worten viel bewegen kann. Aufrütteln kann, aufklären kann. Ich habe irrsinnigen Spaß an Formulierungen, an Texten. Ich analysiere gerne. Und, was vielleicht das wichtigste und tiefste Bedürfnis ist: Wenn ich schreibe, beschreiben kann, dann entfaltet sich in mir als Beobachter eine gewisse Liebe zu den Dingen und Menschen, die ich beschreibe. Ich sehe sie aus einer gewissen Distanz, kann sie sehen! Bin nicht selbst im Schussfeld der Gefühle und Emotionen und Auseinandersetzung. Und damit fühle ich mich frei, außen vor, und doch wohlwollend beschreibend, erzählend...

        Tja... soweit das...

        Sollte ich das Studium abbrechen, habe ich Angst, dass ich es dann nicht wieder versuchen würde, nicht nochmal studieren gehe... Der Gedanke ist auch im Vergleich mit meiner Familie schwer zu ertragen. Auch vor mir selbst...

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          #5
          Und irgendwie fällt mir grade auf, dass ich all die Dinge, die ich aufm Zettel stehen hatte, auf die eine oder andere Art auch gemacht habe.
          Etwas Medizinisches
          Etwas Psychologisches

          Nur das Schreiben fehlt noch... Vielleicht muss ich mich ja auch gar nicht entscheiden, sondern kann alles drei irgendwie unter einen Hut bringen. Aber ob mich das nicht zerreißen würde? Wahrscheinlich bin ich tatsächlich zwischen diesen drei Dingen ständig hin und hergerissen...

          Und ja, liebe Flora, mein Kopf raucht was das Zeug hält. ;)

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            #6
            man, was da plötzlich für eine Power rausströmt ....

            Und gibts es da irgendwas, was möglich wäre?

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              #7
              Bei der Lektüre deines Eingangsposts fühle mich ein bisschen hin und ziemlich hergerissen. Willst du wirklich lesen, was eine graugewordene nicht immer erfolglose, reichlich desillusionierte und restlos glückliche SchonimmerSchreiberin einer jungen Schreibsehnsüchtlerin sagen kann ...?

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                #8
                Hallo NigraPavo,

                deine Zeilen berühren, danke!

                Was mir spontan durch den Kopf ging, wie wäre es mit einem mehr oder weniger langen Aufenthalt in einem Land, wo du von dem was dir auch ohne vorläufige, regelmäßige Arbeit bleibt, leben kannst.

                Abstand gewinnen, aber sich auch neuen Inspirationsquellen öffnen?!

                Oder, kannst du auf einem Kreuzfahrtschiff als Krankenschwester tätig sein? Da wäre der Bruch vielleicht nicht ganz so extrem!


                LG



                xsamel

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                  #9
                  Hey Tintenweberin, klar will ich es wissen. Hau raus. Klingt aber so als würdest du mich desillusionieren wollen. Was nicht unbedingt verkehrt ist...

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                    #10
                    Zitat von NigraPavo Beitrag anzeigen
                    Hey Tintenweberin, klar will ich es wissen.
                    Ich denke, wenn das Schreiben DEIN DING wäre, würdest du nicht daran herumhirnen, du würdest es tun. Nichts und niemand könnte dich daran hindern, in jeder freien Minute eine der vielen Ideen, die in deinem Kopf Amok laufen, zu Papier zu bringen ...

                    Ich kenne viele passionierte Schreiberinnen und Schreiber, die gute Ideen haben, eine flotte Schreibe und viel Erfahrung, aber keine Veröffentlichung. Ich kenne Texterinnen und Texter, die in der Werbung oder für die Journaille arbeiten und nebenbei kellnern gehen müssen, wenn sie keinen Partner haben, der ihnen immer wieder mal finanziell unter die Arme greift. Früher war es nur hart, einen Verlag zu finden, der einen unerfahrenen Autor herausbringt. Heute ist es noch härter einen Verlag zu finden, der einen unerfahrenen Autor herausbringt, ohne ihm das bisschen Geld (das aus besseren Zeiten übrig ist) aus der Tasche zu ziehen. Es gibt sogar renommierte Verlage, die von ihren Jung-Autoren verlangen, dass sie das Lektorat (unbedingt notwendig) und das Korrektorat (unbedingt noch notwendiger) selbst bezahlen.

                    Mein persönliches Fazit: Wenn du schreiben musst, dann schreib. Wenn du dich richtig unglücklich machen willst, dann schreib auch und sorg dafür, dass die Hoffnung darauf, von der Schreiberei irgendwann einmal leben zu können, niemals stirbt.

                    Ich kenne praktisch nur zwei Sorten Schreiber, die finanziell einigermaßen sicher auf den Füßen stehen. Die einen haben einen Partner, der sie gerne und ohne größere Ansprüche an Erfolg unterstützt und die anderen haben einen Job, der sie nicht gerade auffrisst ...

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                      #11
                      Hmmm, ja, das klingt nicht sehr ermutigend. Ich glaube halt, dass es etwas ist, das mir Spaß macht, und erwarte nicht davon leben zu können. Deine Erfahrung ist eher ernüchternd, Tintenweberin. Ich denke, es gibt viele Möglichkeiten zu schreiben, es geht ja nicht darum, gleich einen Roman rauszuhauen, der auch gleich Bestseller wird oder so... ;)

                      @xsamel: Krankenschwester auf Krauzfahrtschiff: Die Idee hat mein Papa glaub ich schon mal gebracht, das ist glaub nicht so meins. Aber rauskommen und Abstand zu allem gewinnen wäre glaube ich sehr sehr gut.

                      Danke euch für eure Antworten... :)

                      Nigra

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                        #12
                        Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen

                        vielleicht kannst du hier irgendwie weiterkommen? du hast eine ausbildung als krankenschwester, du hast fast ein medizinstudium, du hast eine ganze menge vorzuweisen, was du schon alles geschafft hast. jetzt gilt es, dem nachzugehen, was dein herz berührt. ich bin mir sicher, du findest etwas.
                        liebe grüße
                        Ja, da hast Du recht. An der Stelle hat mein Kopf eingehakt und gesagt: Mensch, irgendwie würde mir was Geisteswissenschaftliches doch viel mehr Spaß machen, und es wäre auch nicht so ein Leistungsdruck dabei. An diesem Lichtblick. Bloß gab es davon leider nicht so viele. Ich habe nur den Mute bis jetzt nicht gefunden, zu wechseln, zum Beispiel zu Soziologie oder so. Irgendwas hält mich an diesem Medizinstudium fest und ich komm nicht drauf was es ist.

                        Danke Dir für Deine Worte! :)

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                          #13
                          eine sehr liebe Freundin - Intensiv-Krankenschwester, Ehefrau, Mutter, dann studierte Sozialpädagogin, Arbeit im Klinikum- hat so ihren Weg gefunden.
                          Vielleicht auch etwas für Dich?

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                            #14
                            Noch ne Idee:

                            Medizinstudium einfach mal fertig machen ohne Anspruch darauf darin später zu arbeiten. Und dann gibt es doch sicher Fachzeitschriften und -verlage, wo Journalisten mit medizinischem Fachwissen gesucht werden. Beim ersten googeln fiel mir als erstes eine Fachzeitschrift für Neurologie und Psychiatrie auf - da kennst du dich doch aus. Nur mal als Beispiel wie man das, was du schon hast, und den Wunsch zu Schreiben kombinieren könnte.

                            Du hast extrem gute Startvoraussetzungen, um was aus dir zu machen. Ruhig Blut ;)

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                              #15
                              Zitat von NigraPavo Beitrag anzeigen
                              Irgendwas hält mich an diesem Medizinstudium fest und ich komm nicht drauf was es ist.
                              Anspruch/Druck von außen??

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