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    Lebenskrise

    Es wird sicher etwas länger, sorry:
    Mein Vater ist verstorben mit 85. Ich trauere sehr um ihn, ich bin Ende 50.
    Die letzten Jahre hat er sich sehr verändert und damit auch meine Beziehung zu ihm und meiner Mutter.

    Wir wohnen in einem Ort und ich habe es zuletzt nicht mehr ausgehalten, sie zu besuchen.

    Ich habe keine Kinder, bin seit über 20 Jahren frühberentet und nur stundenweise tätig. Kann also, wenn man so will, nichts bieten.
    Ich lebe in einer 3. Partnerschaft, war schon zweimal verheiratet.

    Ich bin irgendwann immer ausgebrochen, weil ich aufgrund meiner schwerwiegenden Erkrankung immer und das bis heute auf der Suche war, nämlich nach dem Sinn meines Lebens.

    Meine Eltern, besonders mein Vater, hat mir immer zur Seite gestanden. Aber irgendwann war auch er überfordert mit mir. Ich hatte das Gefühl, dass ich ihm nicht gut genug war, dass ich nicht das bieten konnte was sich Eltern von ihren Kindern wünschen: nämlich eine gute berufliche Karriere und Enkelkinder.

    All das konnte ich nicht umsetzen, da meine Lebenserwartung seit Kindesbeinen als nicht sehr hoch eingeschätzt wurde. Nun bin ich schon Ende 50. Aber mit dieser Perspektive leben, hat mich immer sehr belastet.

    Nun gibt es noch meinen Bruder, er ist 8 Jahre jünger als ich. Er hat eine gute Beziehung, hat 2 Söhne, eine gute berufliche Karriere gemacht und vor allem, er ist GESUND.

    Wir hängen sehr aneinander, obwohl ich schon immer sehr eifersüchtig auf ihn war. Auf all das, was er auf die Reihe gekriegt hat, im Gegensatz zu mir.
    Da er allerdings nicht in der Nähe wohnt, haben meine Eltern und er sich nur selten gesehen, ja sie litten bis zuletzt darunter, dass sie ihre Enkel nicht haben aufwachsen sehen, da die Familie vielleicht 1-2 im Jahr zu Besuch kam.

    Ich hingegen habe es geliebt zu ihm zu fahren, auch mit meinen Partnern, bis zuletzt, bevor mein Vater starb.

    Wenn wir uns alle in Familie trafen, habe ich das in die Hand genommen. Ich habe auch sooft es ging meine Eltern mit auf Besuch zu meinem Bruder genommen. Meinem Bruder war der Besuch meiner Eltern nie so wichtig, eher eine Belastung. Aber letztendlich hat alles irgendwie funktioniert.

    Nun ist mein Papa verstorben und seither ist alles anders:
    Einen Tag nach dem Tod meines Vaters kam mein Bruder nach Hause und hielt Einblick in die Ersparnisse meiner Eltern.
    Auch haben sie ein eigenes Haus mit großem Grundstück, eine schöne Immobilie. Bisher hat das meinen Bruder nie interessiert. Er hat immer von der Klitsche gesprochen und sich auch nicht unterstützend gezeigt, wenn Reparaturen oder ähnliches anstanden. Das hat mein Partner und ich alles bewältigt.

    Ja nun auf einmal sind mein Bruder und meine Schwägerin fast wöchentlich 1x bei meiner Mutter und stehen ihr zur Seite. Ich natürlich auch. Wir haben, da ich in der Nähe wohne, alle zurzeit wichtigen Dinge wegen des Todes meines Vaters versucht zu regeln.
    Inzwischen wird alles hinterfragt, obwohl ich meinen Bruder auf dem Laufenden hielt, da er aus beruflichen Gründen nicht immer dabei sein konnte.
    Nun standen Termine, wie die Bankvollmacht an, auch ein Besuch beim Rechtsanwalt wegen des Nachlasses. Überall begleitete ihn seine Frau, also meine Schwägerin, wohingegen ich immer alleine dabei war.

    Ich gab daraufhin meinem Bruder zu verstehen, dass diese Termine meines Erachtens nur meine Mutter, ihn und mich betreffen. Das hat meine Schwägerin mir so übel genommen, dass sich seither eine große Mauer zwischen uns aufgebaut hat.
    Vorausgegangen waren dem noch Dinge, wie der Tag der Beisetzung. Ich sollte das mit meiner Mutter alles regeln. Und als wir einen Tag festgelegt hatten, passte meiner Schwägerin dieser Termin nicht, da mein Neffe nicht teilnehmen konnte.
    Wir erklärten ihr, dass ein anderer Termin nicht eingerichtet werden konnte und so kam eines zum anderen.

    Inzwischen hat sich das familiäre Klima so verhärtet, dass meine Mutter alles, was mein Bruder macht, für richtig empfindet und ich völlig ausgeschlossen werde.
    Ich habe tatsächlich den Eindruck, dass mein Bruder all das aus Berechnung macht und habe ihm das auch so gesagt. Dass ich mich wundere, warum er auf einmal beinahe wöchentlich die Mutti aufsucht. Auch das nahm er mir übel.

    So habe ich mich dazu entschlossen, mich zurückzuziehen und mich sogar aus der Bankvollmacht rauslöschen lassen.

    „Die Familie“ hat nun beschlossen, das erste Mal ohne mich/uns Weihnachten zu feiern.
    Dabei war es bisher immer so, dass ich meine Eltern zu Weihnachten bei mir hatte.

    Ich habe auch diesmal meine Mutter gefragt, ob sie zu uns kommen möchte. Sie hat einen Hund, deshalb war zu Besuchen bei der Familie meines Bruders immer nie so richtig willkommen.

    Sie hat meine Einladung abgelehnt und fährt nun zu Weihnachten zur Familie meines Bruders und wohnt in einem Hotel mit Hund.

    Alle sitzen dann Heiligabend und zu den Feiertagen zusammen, aber das ohne uns.

    Wir haben keine Kinder, wie schon erwähnt, und mir tut das sehr weh.
    Klar weiß ich, dass die Beziehung zwischen mir und meiner Mutter nie so herzlich war, wie man das manchmal hört. Aber ich habe zumindest all das versucht umzusetzen, was man als Tochter in nächster Nähe so an Wünschen erfüllen kann.

    Nun sind schon einige Wochen seit dem Tod meines Vaters vergangen und ich leide sehr. Ich habe nicht nur meinen Vater verloren, sondern scheinbar auch meine Familie. Mein Bruder tätigt nur hin und wieder einen Pflichtanruf bei mir und meine Mutter meldet sich nur, wenn es Erledigungen gibt, die sie alleine nicht hinbekommt bzw. wenn mein Bruder keine Zeit hat.

    Meine Psychologin rät mir, mich tatsächlich zurückzuziehen. Mein Partner steht hinter mir und kann das Verhalten meiner Familie auch nicht akzeptieren oder gar verstehen.

    Ich stelle den Sinn meines Lebens gerade sehr infrage. Ich fühle alleine und ohne Anerkennung. Mein Partner hat einen stressigen Job und ich bin viel alleine.
    Krankheitsbedingt kann ich viele Dinge nicht machen oder mir gar ein Hobby suchen.
    Und wenn ich tatsächlich mal den Mut hatte, habe ich es nur mit älteren Damen zutun, die dann auch noch von ihren Kindern, Enkeln oder ihrer beruflichen Karriere vor Renteneintritt erzählen. Ich bin also total uninteressant für diese.
    Und vor Fragen, wie „Was machst Du so“ habe ich schon richtig Angst.

    Ich weiß einfach nicht weiter.


    #2
    Guten Morgen dieimmerlacht,

    Deine Enttäuschung über das Verhalten Deiner Familie kann ich gut verstehen und zeugt nicht von der Aufrichtigkeit der Beziehung in den vorherigen Jahren. Schade, dass nicht nur Dein Bruder mit Dir alles wichtige bespricht. Erfahrungsgemäß sind die Ehepartner in solchen Nachlasssituationen häufig 'Störfaktoren'.

    Mir fällt auf, dass Du offenbar ein Problem mit Deinem Selbstwert hast. Du arbeitest ein wenig, hast einen Partner, eben nur keine Kinder, wie Hunderttausende andere auch. Das heißt doch nicht, dass Du nichts 'zu bieten' hast. Es ist eher ziemlich dürftig, wenn Eltern und Großeltern sich so stark über ihre Kinder/Enkel definieren (müssen).
    Weshalbkannst Du keine Hobbys ausüben. Es gibt doch so viele Dinge zu tun, wie singen, basteln, stricken, Spielkreise, kochen etc. , die keine große körperliche Belastung darstellen.
    Du kannst an der VHS Kurse besuchen, Du könntest Dich caritativ betätigen. Ich denke, man muss nicht allein zu Hause
    bleiben und sich 'unnütz' fühlen.

    Ich möchte Dir Mut zusprechen, etwas Sinnstiftendes mit Deiner Zeit anzufangen. 'Den' Sinn des Lebens gibt es m. E. nicht. Der Sinn besteht auch darin, das Leben zu genießen und Freude zu empfinden.

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      #3
      Hallo dieimmerlacht!

      Ich kann das sehr gut nachvollziehen, denn ich habe etwas ähnliches erlebt
      Als es ums Erbe ging, was nicht sehr üppig war, aber immerhin, fingen meine Brüder an, ätzend zu werden und bei dem einen vermute ich auch die Frau als treibende Kraft dahinter.
      Früher eine intakte, lebendige Familie, gab es nur noch Auseinandersetzung. Ich hab die Welt nicht mehr verstanden und das viel schlimmere war, das ich seitdem keine Familie mehr habe. Viele viele Gespräche mit anderen halfen mir und lehrten mich, das es da nix zu verstehen gibt, sondern, so traurig es ist, ich es so hinnehmen muß. Ein harter Brocken!

      Ich schließe mich deiner Psychologin an: zieh dich zurück.
      Anerkennung, wie du sie möchtest und brauchst, wirst du von dort nicht bekommen.

      Kümmere dich um dich selbst, suche finde etwas, was dir guttut, steh zu dir - ich weiß, das ist leichter gesagt als getan, aber du hast ja auch Unterstützung. Nur dieser Wunsch nach Anerkennung wird dich zermürben und zu nix führen.

      Ich bin so froh und auch stolz auf mich, daß ich mich so um meinen Vater gekümmert habe, das wir noch ein paar schöne Jahre hatten und das ich es ihm so schön, wie möglich gemacht habe. Damit habe ich mich immer wieder selbst gestärkt.
      Vielleicht kannst du ja auch mehr auf das positive gucken und stolz drauf sein, was du alles eingebracht hast. Und das scheint ja auch nicht wenig gewesen zu sein.

      Flora
      schickt ermutigende Grüße





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