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Überfordert und unglücklich mit der Promotion und überhaupt...

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    Überfordert und unglücklich mit der Promotion und überhaupt...

    Hallo zusammen,

    Ich bin grad total unglücklich mit meinem Leben und weiß einfach nicht mehr weiter…

    Ich schreibe jetzt seit zwei gut zwei Jahren an meiner Promotion, habe aber im Moment wirklich null Motivation dafür – ich frag mich manchmal wie ich es überhaupt noch jeden Morgen aus dem Bett und in die Uni schaffe. Viel zustande krieg ich dann allerdings leider nicht, weil ich ständig das Bedürfnis habe, mich von meiner Arbeit abzulenken (im Internet surfen, Gespräche mit Kollegen wenn es sich grad anbietet etc.), und wirklich konzentrieren kann ich mich sowieso nicht.
    Ich bin eigentlich auch schon länger unzufrieden – hatte schon Anfang des Jahres (nach den Weihnachtsferien, wo ich zwei Wochen frei hatte) eine total depressive Phase und auch schon mehr oder weniger ernsthaft darüber nachgedacht, die Doktorarbeit hinzuschmeißen, hab mich dann aber irgendwie wieder aufgerafft. Dann ging es die letzten Monate jetzt wieder so einigermaßen (d.h. ich war zwar nicht wirklich zufrieden, aber es war zumindest halbwegs erträglich), aber nun seit ein paar Wochen ist es wieder komplett vorbei, ich hab das Gefühl es geht einfach gar nichts mehr.
    Ich bring mühsam noch ein paar Sachen zusammen, aber das war´s dann schon, außerdem hab ich Schlafprobleme und bin daher meistens übermüdet.
    Ich kann im Moment auch sonst an nichts mehr wirklich Freude haben, bin die meiste Zeit nur noch depressiv und verzweifelt. Ich hab einfach so eine fürchterliche Leere in mir, ständig so das undefinierbare Bedürfnis endlich etwas Sinnvolles im Leben zu machen, ohne dass ich dabei jetzt was Konkretes im Auge hätte. Meine Arbeit kommt mir nämlich nur noch sinnlos vor im Moment – ich häng auch schon ewig an den gleichen Auswertungen und zugehöriger Veröffentlichung, die ich X-mal überarbeiten und umschreiben sollte (promoviere in einem naturwissenschaftlichen Fach), kommt mir so vor als würde ich seit über einem Jahr an dem gleichen Zeugs hängen, es frustiert nur noch. Ich hab schlicht und ergreifend keine Lust mehr da drauf.

    Das Problem ist halt auch, dass ich schon letztes Jahr irgendwie einen totalen Durchhänger hatte – ich bin offen gesagt die Arbeit von Anfang an nicht zielstrebig genug angegangen, hab mich auch da schon oft andersweitig beschäftigt oder einfach ewig an unnötigen Details herumgebastelt, und meine Betreuer haben mich auch nie so wirklich angestoßen. Und ohne etwas Ansporn von außen ging eben nix, der nötige Eigenantrieb war einfach nicht da – ich konnte mich auch, obwohl ich mir das wirklich wiederholt vorgenommen habe, nicht dazu aufraffen, selbst auf meine Betreuer zuzugehen und zu diskutieren, wie ich nun gezielt und sinnvoll weitermachen soll, irgendwas hat mich dann immer davon abgehalten. Ich glaube, dass ich jetzt auch in einer besseren Situation wäre, wenn ich da von Anfang an zielstrebig rangegangen wäre, aber so macht es die Sache jetzt natürlich nicht einfacher. Erklären kann ich mir diesen Durchhänger im Nachhinein auch nicht, und ich kann es jetzt sowieso nicht mehr ändern, aber mich natürlich regelmäßig darüber ärgern

    Ich kenne mich nämlich so eigentlich gar nicht – ich war im Gymnasium voll motiviert, hab ein sehr gutes Abitur hinbekommen; auch das Studium hat meistens Spaß gemacht, ich war immer ehrgeizig und wollte das, was ich angefangen hab, auch zu Ende bringen. Bei der Diplomarbeit gab´s dann Probleme, ich war teilweise auch ziemlich fertig, aber es hat sich alles zum Guten gewendet und ich konnte noch einen guten Abschluss erzielen – und wollte das auch, hab auch ohne größere Motivationsprobleme für die Prüfungen gelernt. Ich bin also eigentlich keine Person, die grundsätzlich vor der Arbeit oder vor ihren Aufgaben flüchtet.
    Und jetzt ist das irgendwie alles weg – ich würde morgens am liebsten gar nicht mehr in die Uni gehen, keine Lust mehr. Hab eigentlich nur noch das Bedürfnis, wegzurennen… das Einzige was mich noch motivieren kann, überhaupt irgendwas für die Arbeit zu tun, ist der Gedanken, dass es dann irgendwann auch vorbei ist. Ansonsten ist mir mittlerweile alles egal… wobei man das so auch nicht sagen kann, eigentlich will ich UNBEDINGT, dass sich was ändert, weil so wie jetzt kann´s nicht weitergehen, das halt ich nicht mehr lange durch…

    Ich habe jetzt auch schon einen Termin bei einer Psychotherapeutin ausgemacht, weil ich einfach glaube, dass ich alleine aus der Sache nicht mehr herauskommen kann. Wiederholte Appelle an mich selbst, die Sache jetzt endlich mal richtig zielstrebig anzugehen, sind leider abgesehen von kleineren produktiven Phasen zwischendurch meist fruchtlos geblieben, und mittlerweile hab ich einfach auch die Kraft nicht mehr… ich hab auch das Gefühl, dass ich innerlich eigentlich schon lange um Hilfe schreie, es mir aber nie eingestehen wollte.

    Ich frag mich eben echt was mit mir los ist und warum ich nicht von Anfang an diese Arbeit vernünftig durchziehen konnte – ich weiß doch, dass ich eigentlich sicher nicht zu blöd dazu bin und das eigentlich können müsste, habe aber nun mehr und mehr das Gefühl, dass ich mich trotzdem damit total übernommen habe und einfach von hinten bis vorne damit überfordert bin, weil es irgendwie an anderen Voraussetzungen fehlt... und im Moment weiß ich nicht mehr, wie ich es noch schaffen soll. Ich hab noch bis Ende nächsten Jahres Zeit (länger bekomme ich mein Stipendium nicht), und wenn ich nicht sehr bald wieder voll leistungsfähig bin und wirklich ernsthaft rangehe, sehe ich da schwarz. Und dabei hab ich das Gefühl, dass ich eigentlich nix dringender bräuchte als eine Auszeit, um meine psychische Verfassung wieder in Ordnung zu bringen, ich fühle mich so kaputt und erschöpft…
    Außerdem frag ich mich, ob es überhaupt noch wirklich Sinn macht, die Sache durchzuziehen. Wenn ich schon bei einer Doktorarbeit nicht in der Lage bin, das vernünftig durchzustehen, wie soll ich dann überhaupt für eine wissenschaftliche Karriere oder sonstige verantwortungsvolle Positionen, für die der Titel nutzen könnte, geeignet sein? Ich fühl mich irgendwie in der ganzen Sache so fehl am Platz…

    Jetzt habe ich eben zufällig hier dieses Forum entdeckt und hoffe, hier vielleicht ein paar Anregungen und Einschätzungen von Außenstehenden zu bekommen – vielleicht hat ja einer von euch ähnliche Erfahrungen gemacht oder irgendeinen Tipp, was ich machen könnte. Ich bin dankbar für jeden Kommentar!
    Ich hoffe das ist jetzt nicht alles zu viel oder zu chaotisch, aber ich wollte mir jetzt einfach mal die Sachen von der Seele schreiben

    Viele Grüße,
    Lilia

    #2
    Liebe Lilia,

    ganz herzlich willkommen hier!
    Hier gibt es einige, die zu anderen Zeiten ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie Du.
    Gut, dass Du Dir mal alles von der Seele geschrieben und dass Du Dir Unterstützung gesucht hast.
    Bei der Diplomarbeit gab es, so habe ich es verstanden, schon einen ersten "Einbruch", aber da konntest Du alles noch zum Guten wenden. Und dann fing die Promotion an? War es das, was Du wolltest oder bot es sich an, weil Du eine gute Studentin warst und man mit Promotion auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen hat?
    Ich wünsche Dir, dass Du es schaffst, den selbst gemachten Druck rauszunehmen und auch, dass Du Dich immer weniger über Dich selbst ärgerst und immer weniger an Dir zweifelst - das kostet Dich alles (viel) Kraft. Ich wünsche Dir, dass Du das, was ist, annehmen kannst. Indem Du gegen das, was ist, ankämpfst, mobilisierst Du gleichzeitig auch Widestand in Dir, zu leisten. Wenn Du aus dieser Spirale raus bist, hast Du eher die Chance zu gucken, was los ist.
    Und dann: Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

    Viele Grüße und alles Gute für Dich!
    Philine

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      #3
      Hallo Lilia,

      und herzlich willkommen hier im Forum!

      Für heute bin ich zu müde, um noch einmal richtig zu antworten, aber vielleicht interessieren Dich ja auch Threads wie diese hier?

      http://www.forum-treffpunkt-leben.de...eit-leben.html

      Liebe Grüße,
      Chaja

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        #4
        Hallo Lilia,

        mir kommt spontan in den Sinn: Warum unbedingt promovieren? Brauchst du das als Voraussetzug für deinen weitere Lebens-/Berufsweg? Ansonsten wäre es vielleicht tatsächlich sinnvoll, erst mal "hinzuschmeissen". Wie sehen die Alternativen aus? Gibt es welche? Kannst du die Arbeit vielleicht auch zurückstellen und später weiterschreiben oder später mit einem anderen Thema (vielleicht liegt dir dieses gar nicht?) wieder anfangen? Erst mal mit dem Diplom eine Stelle suchen, arbeiten, Geld verdienen - vielleicht dann später ein neues Thema aus der Praxis aufgreifen? Manchmal ist es nicht gut, sich in etwas zu sehr zu verbeissen und es hilft weiter, es erst einmal (ganz oder nur zeitweise) einfach bleiben zu lassen. Dadurch können sich auch neue Anregungen/Perspektiven auftun oder man gewinnt einfach den nötigen Abstand, den es braucht, um es doch noch einmal "gescheit" anzupacken.

        Viele Grüße!

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          #5
          Hallo,

          Vielen Dank schon mal für eure netten Antworten! Es tut schon gut, wenn man merkt, dass man mit seinem Problem ernst genommen wird

          Zitat von Philine Beitrag anzeigen
          Bei der Diplomarbeit gab es, so habe ich es verstanden, schon einen ersten "Einbruch", aber da konntest Du alles noch zum Guten wenden. Und dann fing die Promotion an? War es das, was Du wolltest oder bot es sich an, weil Du eine gute Studentin warst und man mit Promotion auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen hat?
          Philine
          Ich habe schon während meiner Diplomarbeit die Promotion angeboten bekommen von dem Prof, der auch schon die Diplomarbeit betreut hat. Bin also jetzt auch noch am gleichen Lehrstuhl, wo ich schon mein Diplom absolviert habe. Er hat es mir angeboten, eben weil ich eine gute Studentin war und im Studium alles gut auf die Reihe bekommen habe (wir sind ein kleines Institut, da kennen die Profs ihre Studenten persönlich).
          Ich hab das Angebot dann angenommen, weil ich der Meinung war, dass das ein ganz guter Übergang vom Studium ins richtige Berufsleben ist - an die verbesserten Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch den Titel hab ich da ehrlich gesagt eher weniger gedacht. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es zum Teil wohl einfach auch Bequemlichkeit war - ich musste mich, während ich mein Diplom fertig gemacht habe, nicht auch noch darum kümmern, was ich hinterher mache, das stand dann schon und ist erst mal ziemlich beruhigend. Und das Thema klang auch durchaus interessant, sonst hätte ich es vermutlich auch nicht angenommen. Und grundsätzlich hat mir das wissenschafltiche Arbeiten ja durchaus auch im Studium Spaß gemacht, so dass die Promotion ja nicht abwegig war, zugetraut hab ich es mir damals ehrlich gesagt auch.

          Mit dem Gedanken, hinzuschmeißen, spiele ich in letzter Zeit schon auch manchmal. Der Doktortitel an sich ist mir eigentlich nicht so wirklich wichtig, man kann in meinem Fachbereich auch mit Diplom gut z.B. in der Industrie einsteigen, und auf eine Hochschul-Karriere, wo der Titel wirklich wichtig wäre, bin ich auch nicht so scharf.
          Allerdings bin ich nun eben schon seit zwei Jahren dabei, und ich denke nicht, dass sich das im Lebenslauf so gut macht (wären es erst ein paar Monate, würde ich da weniger Probleme sehen). Davon abgesehen würde ich vermutlich auch meine Betreuer ziemlich enttäuschen, ich denke dass sie große Hoffnungen in mich gesetzt haben. Außerdem hab ich auch noch ein paar Aufgaben hier am Institut, so dass es nicht so einfach wäre jetzt plötzlich zu gehen. Leider sind das aber im Moment auch so ziemlich die einzigen Gründe, die mich überhaupt noch zum Weitermachen bewegen.
          Eine vorübergehende Auszeit wäre sicher nicht verkehrt - ich werde allerdings über Stipendium finanziert, und ich weiß nicht, ob sich das da einrichten lässt (entsprechende Informationen habe ich da nirgends gefunden, und direkt persönlich nachfragen ist da immer so eine Sache...). Ich denke also eher, dass das schwierig wäre. obwohl das sicher an sich eine gute Idee ist - ich hab nämlich echt das Gefühl, dass ich im Moment einfach so drin hänge, dass ich überhaupt nicht mehr durchblicke.
          Ich glaub ich bräuchte wohl auch eigentlich überhaupt einfach mal eine Auszeit, um mein Leben zu sortieren, mich psychisch wieder zu stabilisieren und mir jetzt mal wirklich klar zu werden, was ich eigentlich wirklich will - aber wie bereits beschrieben, im Moment ist das einfach schwer einzurichten, so muss das jetzt eben irgendwie parallel gehen.

          @ Chaja: Danke für den Link, hab mir das Thema auch schon durchgelesen. Und ich hatte dabei den Eindruck, dass manche hier doch zumindest ähnliche Probleme haben als ich und ich damit nicht allein bin. Das beruhigt schon, ich hab nämlich oft den Eindruck, dass die anderen um mich herum es so perfekt hinbekommen und ich die Einzige bin, die es anscheinend nicht auf die Reihe kriegt...


          Viele Grüße,
          Lilia

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            #6
            Nur kurz heut Abend- Eine Diss durchzustehen ist nicht einfach.
            Irgendwas -jedenfalls meiner Erfahrung nach- muss in Dir brennen, um das hinzubekommen- bei mir war es das Thema, bei meinem Bruder der Wunsch nach Karriere.
            Aber ich glaube, nur um den Betreuer nicht zu eintäuschen..mit dem Lebenslauf weiß ich nicht, wie kritisch das wäre, aber am Ende machst Du Dich total fertig und kannst noch viel länger gar nichts mehr tun.

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              #7
              Eine vorübergehende Auszeit wäre sicher nicht verkehrt - ich werde allerdings über Stipendium finanziert, und ich weiß nicht, ob sich das da einrichten lässt (entsprechende Informationen habe ich da nirgends gefunden, und direkt persönlich nachfragen ist da immer so eine Sache...). Ich denke also eher, dass das schwierig wäre. obwohl das sicher an sich eine gute Idee ist - ich hab nämlich echt das Gefühl, dass ich im Moment einfach so drin hänge, dass ich überhaupt nicht mehr durchblicke.
              Ich glaub ich bräuchte wohl auch eigentlich überhaupt einfach mal eine Auszeit, um mein Leben zu sortieren, mich psychisch wieder zu stabilisieren und mir jetzt mal wirklich klar zu werden, was ich eigentlich wirklich will - aber wie bereits beschrieben, im Moment ist das einfach schwer einzurichten, so muss das jetzt eben irgendwie parallel gehen.
              Ich antworte Dir jetzt noch mal nach einem Monat, weil ich das Thema eben erst gelesen habe und Deine Probleme aus erster Hand kenne.

              Also zu erst einmal ist festzuhalten, dass Du ganz und gar nicht alleine bist mit Deinem Problem. Das ganze nennt sich "Promotionsdepression" und trifft ziemlich viele Leute so auf der Hälfte Ihrer Promotion. Man hat noch nicht die Ergebnisse die man braucht um fertig zu werden, ist aber schon so tief in den Tunnel hereingelaufen, dass man meint man muss da schon durch, nur wie?

              Vor allem wenn man vorher ein guter Student war, vielleicht auch eine super Diplomarbeit hingelegt hat, ist man anfangs erst mal sehr motiviert und glaubt an die eigene Fähigkeit dieses Problem zu lösen. Aber während der Promotion stellt man fest, dass es eben nicht so läuft wie man sich das wünscht und das obwohl man seine ganze Energie ins Projekt steckt. Und das frustiert - unheimlich. Konnte man während des Studiums für eine schwere Klausur einfach viel Lernen, so hat man jetzt gefühlt kaum noch Einfluss auf das Ergebnis.

              Wenn man an diesem Punkt angelangt ist, der gerne auch eine depressive Verstimmung mitbringt, dann ist es am besten sich halbwegs objektiven Rat von außern zu holen. In erster Linie ist das erst mal Dein Doktorvater. ER ist DEIN Supervisor, ER muss Deine Arbeit beurteilen. Bitte Ihn also um ein Gespräch und frag Ihn wie er sich Deinen weiteren Weg in seiner Gruppe vorstellt. Bitte Ihn um eine realistische Einschätzung Deiner Leistungen und wie realistisch das Erreichen der Promotion ist.

              In 95% der Fälle wird Dein Doktorvater ein starkes Interesse daran haben, dass Du die Promotion beendest, denn in Dir stecken Ressourcen und auch sein Ruf hängt ein Stück weit davon ab. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Dein Doktorvater die Situation insgesamt deutlich entspannter sieht als Du. Mit ein bischen Glück skizziert er Dir dann auch einen Fahrplan (am besten besteh darauf, wenn er das nicht kann...nicht gut), wie Du Deine Promotion beenden kannst und an dem Du Dich auch festhalten kannst, das tut Dir erst mal sehr gut. Und in den allermeisten Fällen wird das dann zwar kein Zuckerschlecken, aber Du wirst fertig werden! So habe ich das jedenfalls schon mehrfach erlebt.

              In ein paar Fällen ist der Doktovarter unwillig und/oder unfähig mit Dir Deine Arbeit zu besprechen. In diesem Fall war die Betreuung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schon bis zu diesem Punkt äußerst bescheiden oder gar nicht existent. Du solltest Dir dann Hilfe von Leuten aus Deinem Bereich suchen. Am besten Freunde, die das selbe machen (und kompetent sind), oder besser ältere (ex)-Doktoranden. Nur Leute die etwas Ahnung haben von dem was Du tust können Deine Situation gut einschätzen. Diskutier mit diesen Leuten Deine bisherigen Ergebnisse und entscheide dann ob die Situation so schlimm ist (was ich nicht glaube), das sie nicht mehr rettbar ist.

              In diesem, und wirklich nur in diesem Fall, würde ich mir überlegen die Promotion dranzugeben, ich halte diesen Fall aber für sehr sehr unwahrscheinlich. Sollte es wirklich so sein, dass die Wahrscheinlichkeit für Dich fertig zu werden so niedrig ist, dann tu Dir die nächsten Jahre nicht an.

              Die Doktorarbeit bedeutet maximale Belastung verbunden mit relativer Armut. Wenn man begründet das Gefühl hat sie nicht beenden zu können, ist sie eine fürchterliche Quälerei. Und diese besten Jahre Deines Lebens (meist Mitte 20) gibt Dir keiner mehr zurück. Ich habe selber fast 4 Jahre promoviert und obwohl das Ergebnis dann am Ende positiv war (nach 2 Jahren war ich ganz genauso deprimiert wie Du), frage ich mich heute immer noch manchmal ob es das wert war.

              Aber wie gesagt, ich bin mir sicher Du siehst das ganze zu negativ, sprich mal mit Anderen drüber, es ist wirklich fast nie so schlimm wie man das selber sieht!

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                #8
                Also, ich weiss, dieser Thread hier ist schon etwas älter. Dennoch wollte ich mal meinen «Senf» hier dazugeben, weil ich in einer ganz ähnlichen Situation wie Lilia (TE) war und meine Doktorarbeit dann doch nach 2.5 Jahren abgebrochen habe.

                Wie kam es dazu? Eine lange Hintergrundgeschichte.
                Ich selbst habe Biochemie studiert (war an meiner Uni für die ersten 2 Jahre genau derselbe Stundenplan wie bei Chemie, bevor man sich dann im dritten Jahr für eines definitiv entscheidet) und zwar im Bachelor und im Master.
                Für meine Masterarbeit bin ich dann allerdings in ein Neurobiologie-Labor gegangen. Ich durfte da dann mehr die «biochemischen» Sachen machen (Proteine aufreinigen, Co-IP, und und und).
                Und ich kann mich hier 1:1 wiederfinden in dem was Lilia geschrieben hat:

                Zitat von Lilia Beitrag anzeigen
                Ich kenne mich nämlich so eigentlich gar nicht – ich war im Gymnasium voll motiviert, hab ein sehr gutes Abitur hinbekommen; auch das Studium hat meistens Spaß gemacht, ich war immer ehrgeizig und wollte das, was ich angefangen hab, auch zu Ende bringen. Bei der Diplomarbeit gab´s dann Probleme, ich war teilweise auch ziemlich fertig, aber es hat sich alles zum Guten gewendet und ich konnte noch einen guten Abschluss erzielen – und wollte das auch, hab auch ohne größere Motivationsprobleme für die Prüfungen gelernt. Ich bin also eigentlich keine Person, die grundsätzlich vor der Arbeit oder vor ihren Aufgaben flüchtet.
                Auch ich war ganz gut in der Schule und hatte auch (fast immer 😉 ) grossen Spass an meinem Studium. Auch bei mir wars dann in der Masterarbeit so, dass ich meinen ersten Durchhänger hatte. Bei uns geht die Masterarbeit inkl. Schreiben 9 Monate. Und die ersten 3 Monate war ich auch noch voll motiviert, bis ich dann merkte, dass ich nicht wirklich irgendwelche Ergebnisse hatte. Dann war bei mir schon das erste Mal der Gedanke da «hm, eigentlich ist Laborarbeit schon nicht wirklich meins». (Wobei, stimmt nicht ganz – war schon damals in den Chemie-Grundlagen-Praktika immer die Letzte und dachte mir so was in die Richtung schon damals ^^ Es wurde in den Biochemie-Praktika aber viel besser, weil mir die mehr Spass gemacht haben.)
                Aber eben, während der Masterarbeit merkte ich dann immer mehr, dass ich definitiv nicht mein Leben lang Forscherin sein möchte. Auch ein Problem war, dass ich schon während meiner Masterarbeit keinen wirklichen Betreuer hatte – meine Betreuerin war direkt meine Professorin. Bzw. die Techniken konnte ich ja von den PhD Studenten erfragen. Schluss und endlich war ich aber alleine mit meinem Projekt.
                So, wie kam es denn dann dazu, dass ich dann denn überhaupt einen PhD angefangen habe? Ganz einfach: meine Professorin fragte mich nach bereits 6 Monaten, ob ich mir vorstellen könnte bei ihr einen PhD zu machen. Das hat mir natürlich einerseits geschmeichelt und gezeigt, dass ich «ja gar nicht so schlecht bin in dem was ich mache». Ich erzählte das auch meinen Eltern, beide haben sich sehr gefreut und gemeint «wenn sie dir schon so eine Position anbietet solltest du es unbedingt machen!». Auch ich dachte in eine ähnliche Richtung. Und ein Doktor-Titel, damit kann man sich natürlich sehen lassen. Einzig mein damaliger Freund äusserte seine Bedenken, da es mir ja eigentlich gar nicht so gut gefiel. Aber ich hatte meine Entscheidung gefällt.

                Ich fing also im selben Labor, in der ich auch meine Masterarbeit gemacht hatte, meine Doktorarbeit an.
                Und es kam wie es kommen musste: die ersten 3 Monate war ich noch motiviert doch dann haben ganz viele Experimente nicht geklappt. Ich sollte eigentlich etwas machen, was schon mal jemand vor mir gemacht hatte. Erfolgslos. Es hat nicht geklappt, ich hab X tausend Sachen ausprobiert, aber irgendwie ging es einfach nicht. Ich fühlte mich der Wissenschaft so ausgeliefert – da ich ganz viel Energie und Zeit reinsteckte und doch nie etwas dabei rauskam. Ich war frustriert ohne Ende.
                Gefühlt hat alles was ich in die Hand genommen habe nicht geklappt. Nach einem Jahr war ich emotional voll fertig (hatte auch mal eine Woche lang regelmässig Heulanfälle wo ich anstatt Bilder auszuwerten nur noch geweint hab). Auch im Labor war allgemein schlechte Stimmung, da einige mit-PhD Studenten sich von unserer Professorin benachteiligt fühlten (will da jetzt nicht genauer drauf eingehen). Fakt war: es herrschte dicke Luft.
                War dann auch einmal bei unserer Uni-Psychologin, die meinte nur dass das ganz normal ist, dass man im PhD einen Durchhänger hat. Also machte ich vorerst weiter. Und tatsächlich verbesserte sich die Stimmung im Labor wieder (die PhD Studenten die sich benachteiligt fühlten schlossen ihre jeweilige Promotion ab).
                Was sich aber nicht änderte war, dass meine Experimente nach wie vor nicht fruchteten. Mittlerweile war auch meine Professorin nicht mehr so locker, dass bei mir nichts vorwärtsging. Ich war schliesslich doch schon im 3. Jahr.
                Nach 2.5 Jahren PhD hielt ich mal wieder eine Präsentation, wo ich meinen (nicht vorhandenen) Fortschritt präsentieren sollte. Nach der Präsentation hatte ich noch ein Gespräch mit meiner Professorin. Sie meinte daraufhin, dass sie sieht, wie unglücklich mich der PhD macht und ob ich nicht lieber etwas anderes machen möchte.
                Ich kann nicht sagen, wie sehr ich das gebraucht habe.
                Dass ich nicht in der Forschung bleiben möchte, war mir bereits seit dem Master klar und ich war unglücklich mit der Arbeit im Labor. Eigentlich wollte ich schon lange nicht mehr. Gewusst habe ich es schon die ganze Zeit, nur eingestehen konnte ich es mir (und gegenüber meinen Eltern, LaborkollegInnen, Professorin, …) nicht wirklich.
                Im ersten Moment war ich zwar total geschockt wo meine Prof. das sagte und mir kamen die Tränen. Aber insgeheim war es dieser Anstoss von aussen, der mir die ganze Zeit gefehlt hatte.

                Ich nahm mir ein langes Wochenende und dachte darüber nach.
                Und ich kam zum Schluss: ich breche ab. Definitiv.

                Bei mir war jetzt noch der Spezialfall, dass eine Woche nach meinem Beschluss aufgrund von Corona die Uni in den Lockdown gehen würde. Also hatte ich noch 3 Tage Zeit meinen Platz aufzuräumen und meine Proben einzulagern. Daraufhin wurde ich freigestellt, im Labor arbeiten konnte ich ja nun sowieso nicht und ein Paper war ich auch keines am Schreiben.
                Ich hatte also sehr viel Zeit, um mich bei verschiedenen Orten bewerben zu können. Habe dann auch relativ bald (3 Monate) eine Stelle gefunden – trotz Corona.

                Wie geht es mir heute?
                SUPER! Ich arbeite nun seit knapp einem Jahr als Medial Advisor und meine Arbeit macht mir richtig viel Spass! Dadurch, dass ich nicht in einem Labor stehen muss (und somit nicht dem «Zufall» ausgeliefert bin) bin ich viel glücklicher als vorher. Es ist fantastisch einfach in etwas Zeit und Energie reinzustecken und dann nach ein paar Tagen Arbeit einfach fertig zu sein mit dem was man tut. Kein endloses wiederholen von Experimenten, weil der WesternBlot mal wieder schei… aussah (Biologen/Biochemiker verstehen was ich meine 😉). Auch arbeitet man viel mehr im Team, wo man einfach einen Kollegen kurz bitten kann, ob das Dokument das man gerade verfasst hat so in Ordnung ist. «Ja, passt» «supi».

                Habe ich es jemals bereut, dass ich meinen PhD abgebrochen habe?
                KEINE EINZIGE SEKUNDE!
                Das Einzige was ich etwas vermisse, sind meine LaborkollegInnen. Aber die wären früher oder später eh ihre eigenen Wege gegangen. Und gute Freundschaften kann man ja über das Arbeitsleben hinaus behalten 😊

                Habe ich es jemals bereut, dass ich meinen PhD damals überhaupt angefangen habe?
                Nicht wirklich, ich bin froh, dass ich die Chance hatte es zu versuchen. Im Nachhinein hätte ich natürlich schon viel früher abbrechen können. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer 😉

                Kurz, mein Fazit zu dem Ganzen: Wenn ihr merkt, dass Ihr nicht gerne Laborarbeit macht und ihr echt unglücklich seit im PhD: Abbrechen ist keine Schande, sondern eine ganz gerechtfertigte Option!
                Klar ist es nervig Bewerbungen zu schreiben und natürlich werdet ihr euch bei eurem neuen Arbeitgeber «rechtfertigen» müssen. Aber unter uns: im Arbeitsleben fragt in der Regel keiner gross nach, warum ihr Job YX nach 2 Jahren aufgehört habt. Hier wird einem von der Uni Seite extrem Angst gemacht, dass man sinnbildlich gesprochen «auf der Strasse landet», wenn man seinen PhD abbricht. Bullshit.
                Und: auch wenn euch eur/e Prof. fragt, ob ihr denn nicht nach dem Master bleiben wollt: überlegt es euch wirklich! Zum Glück stimmt es heute nicht mehr, dass man als Chemiker/Biochemiker/Biologe einen PhD haben muss, damit man nachher in der Industrie arbeiten kann. (Fun fact: ich war damals von meinem «Studienjahrgang» (waren am Schluss 11 Biochemiker) die Einzige die überhaupt einen PhD begonnen hat)

                Ich will hier keinen zum Vorzeitigen Abbrechen animieren. Auch ich finde, dass man wenns mal schwierig wird nicht gerade aufgeben sollte. Aber wenn man halt merkt, dass Forschung wirklich nichts für einen ist, dann gibt es auch ausserhalb der Akademie ganz tolle Möglichkeiten. Und zwar ohne Dr. Titel.

                Für mich war es die richtige Entscheidung abzubrechen.


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                  #9
                  hallo Drakonia,
                  obwohl ich so gar nichts mehr mit der Arbeits- und Uniwelt zu tun habe, habe ich Deinen Post gern gelesen. Ähnliche 'Werdegänge' hab ich schon öfters gehört und ich finds schön, dass Du inzwischen das Richtige für Dich gefunden hast.

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