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der empathist der keiner ist...

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    #31
    fortuna, ich versuchs mal mit einem beispiel. ich bin eine aufschieberin allergrössten ausmaßes und beim nachdenken über deinen beitrag ist mir klar geworden, dass ich wesentlich mehr zeit damit verbringe, diese dinge aufzuschieben als sie zu erledigen. sie geistern im kopf rum, melden sich ständig wieder, nehmen energie weg, die ich eigentlich für andere dinge brauche und die folgen davon sind auch nicht von schlechten eltern.

    was ich damit sagen will? die halbe stunde oder so, die du in ihn investierst, bringt dir mehr als die vielen, die er durch dein gehirn geistert, die du dich über ihn ärgerst und versuchst, deine gefühle in den griff zu kriegen, gar nicht zu reden von der lebensqualität, die du zurück bekommst, wenn du ihn nicht mehr ständig an der backe hast. vielleicht ist es ja gar nicht die stunde oder die halbe, die du mit ihm verbringst, sondern dass er dir etwas spiegelt, was du nicht gern sehen möchtest wie zb, dass du zu dir selbst nicht so aufmerksam bist, wie du sein könntest und dich und deine bedürfnisse ebenso ignorierst wie seine. meiner erfahrung nach ist es so, dass wenn man das, was man an anderen nervig findet, für sich selbst geklärt hat, im normalfall auch die probleme geklärt sind, die das ganze ausgelöst haben.

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      #32
      liebe Chrissi,

      hmmmm...scheint was dran sein zu können...

      heute hatten wir beiden einen termin, wo er mir eine stunde lang ein projekt, dass er auf meine ansage hin umgesetzt hat, erklärt hat. fand ich auch wichtig, dass wir das machen. erstaunlicherweise meinte er gestern noch, wir könnten den auch verschieben, wenn es nicht passt...ich: hä? hab ich mir eingerichtet, lass mal machen, ich geb schon bescheid wenn was dazwischen kommt...

      ganz interessant wird es ja, WENN ich ihm zuhöre. wenn ich ihm fragen stelle. aha, und warum hast du es genau so und nicht so gemacht? schade dass man die seite nur halb sieht, hast du dir hilfe bei den experten geholt? eigentlich begann jeder satz mit: ich weiß nicht ob du das kennst...? er hat ein irres bedürfnis, anderen etwas zu zeigen...macht die dinge dann aber so kompliziert, dass ein anderer gar nicht richtig durchsteigen kann...mein stil ist es, alles so einfach wie möglich zu gestalten, dass jeder kollege innerhalb kürzester zeit einsteigen kann, weil alles logisch und übersichtlich ist...
      er windet sich wie ein aal und erklärte mir, die experten könnten ihm bestimmt nicht helfen, er bringt sich eben alles selber bei und es gibt garantiert keine anderen möglichkeiten...völlig verwirrt war er, als er mir erklärte, wie wahnsinnig er sich über meinen auftrag gefreut hatte...und ich meinte, naja, als ich das projekt umsetzen wollte, hatte er sich massiv dagegen aufgelehnt und ich kleine schlange bin dann zum oberchef, hab mir dort die genehmigung geholt und ihm dann eben den auftrag "erteilt"...

      er hat das wirklich nicht so wahrgenommen. das macht mir angst und sorge. heute noch massiv dagegen, morgen super idee...

      aber vielleicht funzt das, wenn ich genau aufpasse, was er macht. er will aufmerksamkeit? kann er haben, aber halt eben nicht die bewundernde, nicht hinterfragende...

      er hat eine angewohnheit, alles zu idealisieren. vielleicht schärft er meinen sinn für die realität.

      liebe Cosmo, er ist auf jeden fall eine lernaufgabe, das glaub ich ganz bstimmt!

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        #33
        falls noch einer mitliest...

        ich konnte erreichen, dass er in einen anderen raum unziehen wird. er war nicht sehr begeistert davon, hat es aber natürlich geschluckt- erstmal.

        gestern hat mich die zusage meines vorgesetzten total euphorisiert, heute ist s mir aber sehr schwer gefallen, es ihm möglichst schonend beizubringen...

        ich gewinne bei der sache, hab dann ein großes büro für mich alleine- und bin für alle mitarbeiter geichermaßen wieder ansprechbar- was die letzten monate nicht möglich war weil er mit großen augen und ohren da saß und "mitmischte".

        ich bin nur bei mir geblieben und hab meine bedürfnisse aufgeführt, ich hab ihm keine vorwürfe gemacht. ich hab jetzt auch kein schlechtes gewissen, aber irgendwie ist mir nicht so richtig wohl...um meine lebensqualität zu erhalten bzw wieder herzustellen musste ich seine schmälern. wobei er nicht so dramatisch verliert, der raum ist kleiner und er teilt ihn sich an manchen tagen mit dem team, von der er so über die maßen begeistert ist. er erhält dadurch die chance, sich noch besser im team zu integrieren. wenn er die chance nutzt.

        ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass er die atmosphäre zwischen uns die letzten wochen und monate als angenehm empfunden haben konnte...so erhalten wir auch eine chance, wieder gelassener miteinander umzugehen. trotzdem irgendwie war das echt übelst unangenehm. ich wäre jetzt gern richtig froh und glücklich- ob das noch kommt?

        na jetzt ist erstmal wochenende, langes. euch auch ein sonniges schönes!!!

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          #34
          Liebe Fortuna,

          um meine lebensqualität zu erhalten bzw wieder herzustellen musste ich seine schmälern
          höre ich da Schuldgefühle raus?

          Du nimmst ihm doch nichts weg, sondern Du hast für eine Lösung gesorgt und das war wohl die beste Lösung, die im Bereich des Möglichen lag, oder?

          Weisst Du, es ist nicht einfach, Dinge für sich einzufordern. Das muss auch ich immer wieder üben. Du hast nichts schlimmes getan - Du hast nur gut für Dich gesorgt, das ist völlig in Ordung.

          Und - Du hast lange genug versucht, mit ihm zu reden. Jetzt muss er die Konsequenzen seiner Sturheit? tragen.

          Lehn Dich zurück, geniess das Wochenende mit dem super schönen Wetter und freu Dich, dass Du ein Problem weniger hast!

          Lg
          Lane

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            #35
            Liebe Fortuna,

            ich habe jetzt nicht alles gelesen, aber könnte es sein, dass der Typ an einem AD(H)S leidet? Die Beschreibung kommt mir irgendwie bekannt vor.
            Auf jeden Fall Gratulation, dass Du nun wieder Deinen eigenen Raum hast!

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              #36
              Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen
              (...) um meine lebensqualität zu erhalten bzw wieder herzustellen musste ich seine schmälern.

              (...) ich wäre jetzt gern richtig froh und glücklich- ob das noch kommt?
              Liebe Fortuna,

              *lach*... natürlich wird noch mitgelesen... -
              ich greif mal die beiden Satzteile heraus, die mir aufgefallen sind.

              Vom mitlesenden Gefühl heraus, hast Du den richtigen Weg zur Mitteilung dieser Veränderung eingeschlagen. Und "JA"! Manchmal ist es so, dass Entscheidungen und Handlungen, die zum Erhalt oder Verbesserung der eigenen Lebensqualität beitragen, auch automatisch das Leben eines anderen mit-verändern.
              Das kann auch gar nicht anders gehen - gerade wenn sich vorher so ein zusammenspielendes Handlungsgeflecht wie bei Dir mit Deinem Kollegen gebildet hat.
              Aber - Du so wie Du es vorher auf anderen Wegen versucht hast, hat es ja nicht zu dem Erfolg geführt, den Du für eine weitere gute, auch zwischenmenschlich gute Zusammenarbeit brauchtest. Also erfolgt - wenn man nicht aufgibt und bereit ist über sich und eigenen Grenzen Hinwegleben zu lassen ein Schritt, der einem anderen eine deutlichere Grenze setzt - in diesem Fall organisatorisch bedingte "räumliche Grenze". Entscheidungen haben immer Konsequenzen - für sich selbst und auch eben für andere.
              Die Frage ist, wenn Du Dich jetzt noch nicht "richtig" freuen kannst - womit könntest Du besser leben: Dass er weitere in Deinem Leben und Wirkungskreis freie Bahn hat und Deine Grenzen nicht akzeptiert und Du da ständig neue Energie hineinstecken musst - oder dass Du Deine Energien wieder frei hast für Dich und das was Deine Aufgabe ist, und Du diesen Konflikt nicht mehr als Energiefresser zwischen Dir und Deinem Kollegen hast - und seine "Zuarbeit" wieder unbelasteter entgegennehmen - und "Zusammenarbeit" auch rein räumlich wieder besser steuern kannst.

              Klar wäre es ein Traum gewesen, wenn er erleichtert gesagt hätte: "Mensch Fortuna - das ist genau die Lösung, die mir auch vorgeschwebt hat. So ging es ja nicht mehr weiter..." - dann hätte er Dich in Deiner Entscheidung bestätigt - und es als "gut" abgenickt. Dann würdest Du Dich wahrscheinlich "entschuldigt" und besser fühlen... -
              Aber ... sowas geschieht in den seltensten Fällen.
              Du hast in meinen Augen nix Verbotenes oder "Schuldiges" gemacht - und was Du so schreibst, siehst Du das selbst im Grunde genommen auch so. Du bist nicht seine Übermutter oder Schutzgeist oder Psychiater.
              Du bist ein Mensch, dessen eigene Grenzen und Bedürfnisse jetzt lange genug unter "Dauerbelastung/-überschreitung" standen. Was ist da wohl eine logische Handlungsmöglichkeit ??

              Ich finde, Du hast wirklich genug vorher auf anderem Weg versucht. Und so gibt es eine neue Chance -

              Lieben Gruß vom fish

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                #37
                hallo meine lieben,

                war nochmal ordentlich psycho alles...aber freitag ist er umgezogen und ich BLÜHE AUF, herrlich ist das, ich kann es euch nicht sagen.

                und ich wünsche ihm, dass er auch glücklich ist. echt! aber zuerst ich!

                danke für eure unterstützung!

                liebe grüße

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                  #38

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                    #39
                    Liebe Forumels,

                    liebe Fortuna,

                    ich bin so frei noch einmal auf meine Kollegin zurueckzukommen.


                    Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen
                    und ja, es geht ihm in allerallererster linie um menschlichen kontakt, und das gibt er auch ganz offen zu. so wie er freitag ohne mit der wimper zu zucken seine kollegen im stich gelassen hat, um mit mir die stunde sinnlos zu diskutieren. ein unding, aber er sieht nicht, dass es bei uns im team eben darum geht, mit anzupacken, uns hilft es überhaupt nicht ,wenn einer 5mal am tag sich hinstellt uns mit viel empathie sagt, ogott das ist ja schrecklich, dass ihr so viel zu tun habt!
                    Genau das macht mich manchmal so rasend. Mir nuetzt es nichts, dass mich meine Kollegin fragt, wie denn mein Wochenende gewesen sei - das ich durchgearbeitet habe um die wochenlangen Verzoegerungen zu kompensieren, die sie verursacht hat! Schoen, dass sie mich fuer die Wochenendarbeit bemitleidet und mir ihre Hilfe anbietet (fuer Sachen, die man sowieso nicht zu zweit machen kann) - dabei wuerde es reichen, wenn sie einfach ihre Arbeit richtig machen wuerde.


                    Unsere Gruppe hat inzwischen einiges verbessert, aber das Grundproblem nicht geloest.

                    Ein neuer Kollege uebernimmt viel Organisatorisches (die Kollegin hat wenig Organisationstalent und deshalb wenig in der Richtung getan, weswegen vieles total aus dem Ruder gelaufen ist). Er hat auch ein Auge darauf, dass wir uns an die Regeln halten.

                    Unser Chef weiss inzwischen, dass unsere Kollegin soviel Fehler macht, dass wir sie keine wichtigen Versuche mehr machen lassen.

                    Ich frage regelmaessig nach, ob sie die versprochenen Bestellungen und Reparaturen auch tatsaechlich weitergegeben hat und was der aktuelle Stand ist. Ich habe keine Lust, sie zu kontrollieren aber es ist noetig, da sie mehr und mehr vergisst und Fehler macht.

                    Ich habe ihr vorgeschlagen, zum Betriebssozialarbeiter zu gehen. Sie reagierte prinzipiell positiv, denkt aber, es sei noch nicht so schlimm, dass das noetig sei. Ich sehe das anders, doch nur unser Chef koennte sie dazu zwingen. Zwang sehe ich als letztes Mittel an, denn Veraenderungen stellen sich eher ein, wenn die Person selbst dies auch will.

                    Unser Chef wird wohl eher nichts ueber die jetzige Situation Hinausgehendes tun, weil die Krise etwas entschaerft ist.

                    Leider bemerke ich, dass unser Umgang mit der Kollegin inzwischen von Misstrauen und Gereiztheit gepraegt ist. Die Stimmung ist gekippt. Wenn etwas schiefgeht, nehmen wir an, dass sie dafuer verantwortlich ist und glauben ihre Erklaerungen oft auch nicht (obwohl es auch an anderen intrenen oder externen Faktoren liegen koennte). Wir haben zu oft erlebt, dass es sich um fuer uns unplausible Erklaerungen handelte, die wir als Ausreden ansehen. Das koennte zu einer Art Mobbingsituation fuehren. Wir sind uns unserer Gedanken und Gefuehle bewusst und bemuehen uns um einen geduldigen, sachlichen und respektvollen Umgang mit ihr. Andererseits haben wir manchmal den Eindruck, dass ohne "Schuss vor den Bug" bei ihr nichts zu erreichen ist.


                    Hat jemand von Euch noch eine Idee, wie man unsere Kollegin dazu motivieren koennten, Hilfe zu suchen, bevor sie zusammenklappt?

                    Liebe Gruesse,

                    Freundin der Weisheit

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                      #40
                      Liebe Freundin der Weisheit,

                      die Situation, die Du schilderst, ist mir aus meinem Berufsleben heraus nicht unbekannt.

                      Du sprichst von einer möglichen Mobbingsituation. Ich bekomme Gänsehaut.

                      Ich weiß, wie das ist, wenn man einer Kollegin / einem Kollegin vertraut und das Vertrauen wird zerstört. Da kann sehr schnell ungute Stimmung aufkommen.

                      Bitte rede mit der Kollegin oder versuche zu vermitteln, dass eine Vertrauensperson mit ihr spricht. Vielleicht hat sie Probleme und ist deshalb nicht zuverlässig, weil sie sich in ihre eigenen Gedanken verstrickt und nicht mehr mitbekommt, dass das schlussendlich ihren Job kosten könnte. Falls sie Probleme hat, mit Euch darüber nicht sprechen will, halte ich den "Schuss vor den Bug" nicht gut. Sie würde sich noch mehr abschotten und wahrscheinlich noch schlechtere Ergebnisse liefern.

                      Versuche einen Weg zu finden mit ihr zu sprechen. Ich wünsche Dir ein empathisches Händchen, denn ich weiß, dass Du es hast!

                      Liebe Grüße
                      Hilla

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                        #41
                        Zwang sehe ich als letztes Mittel an, denn Veraenderungen stellen sich eher ein, wenn die Person selbst dies auch will.
                        hallo Freundin der Weisheit,

                        das klingt, als würde diese Kollegin ziemlich unter Druck stehen und würde deshalb immer unsicherer, oder unkonzentrierter etc. Ob da nun Probleme aus dem privaten Umfeld dahinter stehen, oder psychische oder sonst was, das wisst ihr nicht, nehme ich mal an. Anscheinend ist sie aber sehr angstbestimmt und das macht eben Druck.

                        Es kann aber sein, dass sie da über eine gesunde Grenze schon drüber ist und deshalb ihre Probleme vor sich selbst kleinredet, dann geht nur Zwang, auch wenn das die Person vordergründig nicht "will" Sie würde aber vll schon wollen, aber glaubt, es sich nicht leisten zu können, weil sie schon zu sehr alles verdrängt aus Angst, ihr könnte alles um die Ohren fliegen. Dann wird es nicht anders gehen, als dass der Chef sie zu dem Betriebssozialarbeiter schickt. Wenn sie merkt, dass sie eine Chance bekommt, sich ihre Situation mal anzugucken, ohne daß ihr was um die Ohren fliegt, dann kann sich vll sogar recht schnell was auflösen. Oder es wäre zumindest der erste Schritt zur Entspannung der Situatiion.

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                          #42
                          Liebe Yule,

                          vielen Dank für Deine Anwtort.


                          Zitat von _Yule Beitrag anzeigen
                          das klingt, als würde diese Kollegin ziemlich unter Druck stehen und würde deshalb immer unsicherer, oder unkonzentrierter etc. Ob da nun Probleme aus dem privaten Umfeld dahinter stehen, oder psychische oder sonst was, das wisst ihr nicht, nehme ich mal an. Anscheinend ist sie aber sehr angstbestimmt und das macht eben Druck.
                          Meine Kollegin führt viele, auch sehr private Gespräche mit mir. Ich weiß, daß es aus ihrer Teenagerzeit mindestens ein großes unverarbeitetes Trauma gibt.
                          Inzwischen macht meine Kollegin auch sehr einfach Dinge falsch. Wenn die Angst zu groß wird, beherrscht man die einfachsten Dinge nicht mehr. Das habe ich früher auch bei anderen beobachtet. So ein Zustand ist furchtbar.
                          Sie steht unter Druck, hat ein eher geringes Selbstbewußtsein und sagte mir, daß das noch weiter geschwunden ist, weil sie selbst und andere ihrer Arbeit nicht mehr vertrauen. Ich habe mich mal in einer ähnlichen Situation befunden und konnte mich da erfolgreich wieder herausbewegen durch eigene Anstrengung und fremde Hilfe. Das hat allerdings insgesamt zwei Jahre gedauert, auch wenn das Schlimmste relativ schnell überstanden war. Deswegen dachte ich auch, daß meine Kollegin entsprechende Hinweise von mir eher annehmen würde. Es war ein großer Schritt für sie überhaupt psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber es war völlig unrealistisch zu meinen, mit den hier von der Krankenkasse bezahlten acht Terminen auszukommen.


                          Zitat von _Yule Beitrag anzeigen
                          Es kann aber sein, dass sie da über eine gesunde Grenze schon drüber ist und deshalb ihre Probleme vor sich selbst kleinredet, dann geht nur Zwang, auch wenn das die Person vordergründig nicht "will" .
                          Ich fürchte, sie kann sich nicht realistisch einschätzen. Trotz gehäufter nachweisbarer Fehler sagt sie hartnäckig, es sei noch nicht schlimm genug um etwas zu tun.


                          Zitat von _Yule Beitrag anzeigen
                          Sie würde aber vll schon wollen, aber glaubt, es sich nicht leisten zu können, weil sie schon zu sehr alles verdrängt aus Angst, ihr könnte alles um die Ohren fliegen. Dann wird es nicht anders gehen, als dass der Chef sie zu dem Betriebssozialarbeiter schickt. Wenn sie merkt, dass sie eine Chance bekommt, sich ihre Situation mal anzugucken, ohne daß ihr was um die Ohren fliegt, dann kann sich vll sogar recht schnell was auflösen. Oder es wäre zumindest der erste Schritt zur Entspannung der Situatiion.
                          Meine Beobachtungen decken sich mit Deiner Vermutung. Nur Verdrängung kann erklären, wie jemand, der weiß, daß er viel mehr Fehler als früher macht, trotzdem meint, das sei noch nicht so schlimm. Dabei sind 15 Leute monatelang in ihrer Arbeit zurückgeworfen worden. So etwas kann man kaum übersehen.
                          Trotzdem finde ich es erstaunlich, daß das Verdrängen klappt. Mir ging es damals anders. Ich habe nicht verdrängen können, sondern an nichts anderes mehr denken können als meine Fehler.

                          Die Kollegin hat als einzige in der Gruppe einen unbefristeten Vertrag. Der Chef sieht sie fast als Familie an. Ihrem Wohlergehen fühlt er sich sicher verpflichtet, unserem fast garnicht. Wir sind "Söldner", Wissenschafter aus aller Welt, die zwei bis sechs Jahre bleiben, bveor wir weiterziehen müssen. Er hatte mit ihr letzten Sommer schon einmal ein längeres Gespräch geführt, in dem er ihr Hilfe bei der Suche nach Psychologen angeboten hatte, weil es ihr so schlechtging, daß sie einige Tage freinehmen mußte. Sie muß faktisch sehr wenig Angst haben, daß ihr gekündigt würde, egal wieviel oder wie wenig sie leistet. Arbeitnehmer mit unbefristeten Veträgen in solchen Einrichtungen sind gut geschützt. Ist man hier in den Niederlanden allerdings erstmal arbeitslos, muß man fast jede Arbeit annehmen.
                          Könnte es sein, daß sie meint keine Zeit für eine intensive therapeutische Beschäftigung (stationär?) mit dem Problem zu haben, weil sie dann ja eventuell wochenlang ausfiele? Obwohl das langfristig gesehen klüger wäre, als jahrelang immer mehr kaputt zu machen?

                          Liebe Grüße,

                          Freundin der Weisheit

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                            #43
                            Liebe Hilla,

                            vielen Dank für Deine Antwort und Dein Vertrauen, daß ich die Situation empathisch lösen kann! Ich bin mir da nicht so sicher, weil ich in einer ähnlichen Situation konsequent Hilfe gesucht und angenommen habe und viel selbst an mir gearbeitet. Meine Kollegin scheint den Ernst der Lage nicht wahrzunehmen und zieht deswegen keine Konsequenzen.

                            Mir wird schlecht bei dem Gedanken, daß sie auf die Katastrophe zusteuert. Momentan gibt es nur Verlierer. Sie ist unglücklich und ängstlich und wir werden in unserer Arbeit behindert. Nur wenn wir Ergebbnisse erzielen, werden wir uns in der Wissenschaft halten können, deswegen ist das Funktionieren der Infrastruktur, insbesondere unserer Kollegin, für uns beruflich überlebenswichtig. Dementsprechend liegen dann irgendwann die Nerven blank - und das könnte zu einer Mobbingsituation führen.


                            Zitat von Hilla123 Beitrag anzeigen
                            Bitte rede mit der Kollegin oder versuche zu vermitteln, dass eine Vertrauensperson mit ihr spricht. Vielleicht hat sie Probleme und ist deshalb nicht zuverlässig, weil sie sich in ihre eigenen Gedanken verstrickt und nicht mehr mitbekommt, dass das schlussendlich ihren Job kosten könnte. Falls sie Probleme hat, mit Euch darüber nicht sprechen will, halte ich den "Schuss vor den Bug" nicht gut. Sie würde sich noch mehr abschotten und wahrscheinlich noch schlechtere Ergebnisse liefern.
                            Ich glaube, daß sie früher mit ihrer Art zu arbeiten noch "überleben" konnte, ohne zu negativ aufzufallen. Inzwischen ist die Gruppe aber dreimal so groß und in vielem mehr Systematik nötig als sie aufbringen kann (so ein bißchen wie jemand, der in der Schule mit "durchmuddeln" noch durchkam, dann aber an der Universität oder in der Ausbildung scheitert). Dadurch hat sich über einen längeren Zeitraum eine Überforderungssituation aufgebaut, die sich inzwischen kognitiv, affektiv und körperlich äußert (z.B. Vergeßlichkeit, Ängstlichkeit, Blässe, Nebenhöhlenentzündungen).

                            Ich hatte meiner Kollegin angeboten, sie zum ersten Termin mit dem Betriebssozialarbeiter zu bringen, falls sie Hemmungen hätte allein hinzugehen. Normalerweise werden Mitarbeiter von ihren Chefs geschickt, statt freiwillig zu ihm zu gehen. Ich weiß, daß er Erfolge verbuchen konnte. Logistisch und finanziell hätte es für sie auch Vorteile, zu ihm zu gehen.

                            Du hast mich darin bestärkt, mit ihr zu reden. Falls das keine Wirkung zeigt, werde ich wirklich mit unserem Chef sprechen.

                            Liebe Grüße,

                            Freundin der Weisheit

                            Kommentar


                              #44
                              Könnte es sein, daß sie meint keine Zeit für eine intensive therapeutische Beschäftigung (stationär?) mit dem Problem zu haben, weil sie dann ja eventuell wochenlang ausfiele? Obwohl das langfristig gesehen klüger wäre, als jahrelang immer mehr kaputt zu machen
                              vll ist das vordergründig so, Aber wahrscheinlicher ist doch, dass es schon seit sehr langer Zeit ihre Struktur ist, zu verdrängen, oder? Wenn sie traumatisiert ist, therapeutisch nie was gemacht hat (8 Std sind da echt ein Witz), dann fehlen ihr da womöglich überhaupt die Fähigkeiten, anders mit der Situation umzugehen, z.B. so wie Du das gemacht hast?!

                              Die Kollegin hat als einzige in der Gruppe einen unbefristeten Vertrag. Der Chef sieht sie fast als Familie an. Ihrem Wohlergehen fühlt er sich sicher verpflichtet, unserem fast garnicht
                              Aber das ist doch ein Grund mehr, mit dem Chef Tacheles zu reden. Er selbst kann ihr doch nahelegen, stationäre Therapie zu machen. Oder spielt er das Problem auch runter, wenn er darüber informiert wird?

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                                #45
                                Liebe Yule,

                                Zitat von _Yule Beitrag anzeigen
                                vll ist das vordergründig so, Aber wahrscheinlicher ist doch, dass es schon seit sehr langer Zeit ihre Struktur ist, zu verdrängen, oder? Wenn sie traumatisiert ist, therapeutisch nie was gemacht hat (8 Std sind da echt ein Witz), dann fehlen ihr da womöglich überhaupt die Fähigkeiten, anders mit der Situation umzugehen, z.B. so wie Du das gemacht hast?!?
                                Deine Einschätzung klingt sehr einleuchtend für mich. Vielen Dank dafür! Ich weiß, daß sie damals kurz nach dem traumatischen Ereignis zwar therapeutische Hilfe bekommen sollte, aber nur einmal hingegangen ist.


                                Zitat von _Yule Beitrag anzeigen
                                Aber das ist doch ein Grund mehr, mit dem Chef Tacheles zu reden. Er selbst kann ihr doch nahelegen, stationäre Therapie zu machen. Oder spielt er das Problem auch runter, wenn er darüber informiert wird?
                                Mein Chef ist nicht nur ein Blender, sonder auch ein Ausblender - und er geht mit den Überbringern schlechter Nachrichten schlecht um. Insbesondere in dieser Konstellation (er ist mit ihr solidarischer als mit uns), haben wir sehr lange gezögert, mit ihm darüber zu sprechen.

                                Eine andere Kollegin hat mit ihm offen über das Leistungsproblem der Kollegin gesprochen, weil er erwartete, daß sie durch die Hilfe der ihr zugeteilten Kollegin (die mit den Problemen) schneller vorankäme, doch leider war das Gegenteil der Fall.
                                Er könnte zwar aus den wöchentlichen Gruppenbesprechungen schnell eins und eins zusammenzählen, tut das aber kaum.
                                Ich glaube, er kennt das wahre Ausmaß der Probleme nicht oder will es nicht sehen, weil er so stolz darauf ist, wie gut gemanagt und erfolgreich seine Gruppe ist. Leider ist er kein guter Manager. Er will, daß die Dinge laufen, ohne sich viel damit beschäftigen zu müssen. Andererseits will er die Kontrolle behalten - nur Arbeit soll es keine machen.
                                Wir können ihm davon erzählen. Ob er uns glaubt und glauben will, ist die Frage. Er scheint zumindest in Ansätzen begriffen zu haben, daß es Probleme gibt. Darauf könnten wir aufbauen.

                                Boah, warum ist das so verzwickt? Warum müssen wir so einen Eiertanz hinlegen? - Weil wir am wesentlich kürzeren Hebel sitzen, fürchte ich. Ich hasse solche Situationen, in denen ich/wir aus solchen Erwägungen heraus so vorsichtig agieren, daß es nach Feigheit aussieht. Und ein eitler Chef hilft auch nicht.

                                Liebe Grüße,

                                Freundin der Weisheit

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