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der empathist der keiner ist...

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    der empathist der keiner ist...

    ich muss mir meine wut von der seele schreiben. ich habe mich in einem menschen getäuscht. und zwar gewaltig. ich habe ihn für einen klugen, warmherzigen kollegen gehalten, mit dem ich mich gut austauschen und mit dem ich sehr gut zusammenarbeiten kann.

    pustekuchen.

    vor kurzem gab es die idee, wir könnten uns zusammen ein büro teilen. ich war kurz skeptisch, ob das eine gute idee ist, mein kleines einzelzimmer gegen ein schöneres großes zweierzimmer einzutauschen...gesagt getan. schon in den den ersten tagen gab es viele viele gespräche und diskussionen. die erste gemeinsame mittagspause hinterließ ein komisches gefühl von: warum hat der mich so privat ausgequetscht, das war mir dann jetzt doch zu "viel", da geh ich lieber mit anderen oder alleine mittagessen...

    er machte ständig große pläne und hatte viele ideen, was WIR alles zusammen nun machen könnten...mir wurde immer mulmiger... WIR... WIR... irgendwann meinte ich, meine arbeit bleibt liegen ich kann nicht so viel diskutieren ich muss mal was machen...irgendwann meinte ich dann, moment mal, warum beginnt bei dir gerade jeder satz mit WIR??? du hast deine aufgaben und ich meine...austausch ist dann und wann ganz nett und bereichernd, aber nicht soviel wie gerade (gefühlte 8 stunden am tag!)
    eifrig und beflissen wie er ist, war er auch weiter ganz interessiert an gemeinsamen plänen, und er begann, an meiner statt zu antworten, wenn kollegen unser büro betraten und mir eine frage stellten...ich ihm ganz klar gemacht, dass ich das nicht möchte, was das denn bitte soll? heyhey, war ja nur gut gemeint...jaja...wollen WIR nicht morgens immer erstmal...NEIN!!!

    irgendwann fiel mir auf, er selber sagt zwar auch mal NEIN, revidiert es meist schon zwei minuten später und macht dann doch, was man ihn gebeten hatte. deshalb geht er auch davon aus, dass wenn jemand anders ihm eine grenze setzt und NEIN sagt, hat das überhaupt nichts zu bedeuten! es gab mehrere situationen, wo ihm das dritte NEIN dann so vehement um die ohren knallte: wie oft muss ich das denn noch sagen???

    nach mehreren wochen ist die stimmung in unserem zweierbüro komplett hinüber und ich bekomm bei dem gedanken, dort zu sitzen sofort bauchschmerzen. hab mich auch schon erkundigt, ob ich wieder ein einzelbüro haben kann. leider sind gerade alle räume belegt...flüchte wo es nur geht...

    am schlimmsten ist, dass dieser mensch doch tatsächlich davon ausgeht, dass seine "anregungen" megasuper sind und jeder nur darauf wartet...er alleine keine entscheidungen treffen mag sondern anscheinend dafür unbedingt ein WIR sein will. jemand braucht, an den er sich dranhängen kann. ich brüll ihn an, weil er mal wieder lächelnd eine meiner entscheidung in frage stellt und alle kollegen verwirrt, in dem er sich schamlos in dinge einmischt, mit denen er sich gar nicht auskennt...und dann sagt er auch noch: du, find ich jetzt so megagut, dass wir darüber sprechen. echt! och, tja, bin ich wohl ein bisschen übers ziel hinaus geschossen, so übermotiviert wie ich gerade bin...!

    er mischt sich in alles ein und nennt es: ich interesse mich so sehr für menschen und schicksale, es gibt nichts spannenderes! mein leben gehört mir!!!

    und er ist der meinung, konflikte kann man doch auch gut ohne streit austragen. kreative menschen sind eben hitzig, muss man akzeptieren. wenn andere wortbrüchig werden oder respektlos handeln, hat er verständnis, haben sie bestimmt nicht böse gemeint, oder hatten einen schlechten tag. außerdem versteht er sich ja mit allen soooo gut, dass ihm das nicht passieren kann (allgemeiner tenor über ihn, hätte mich warnen sollen: netter kerl, kriegt halt nichts gebacken...)...jaja, man kann konflikte auch anders lösen. geht auch ohne streit. den anderen mit sanfter liebenswürdigkeit und unschuldsmiene in den wahnsinn treiben...

    und im zweifelsfall kann man dann mit anderen jammern, über die bösen kollegen, die schimpfen und streiten, dann ist man auch noch das hilflose opfer, dass es doch nur gut meinte mit all seinen ideen...

    heute eine stunde (!) darüber diskutiert, dass wenn ein paar kollegen einem seit monaten nicht kollegial helfen, man das ja mal beim vorgesetzten ansprechen könnte, um die situation zu verändern...er: damit gefährdest du aber das verhältnis, weißt du? ich: welches verhältnis? noch schlechter kann es nicht werden, was zum teufel meinst du?!?! hab doch mal verständnis, die stehen unter stress...hallo? wer sagt das ich weniger stress habe...?

    bin ich falsch gewickelt oder im falschen film? wie komme ich zu einem solchen zimmergenossen???? was soll mir das ganze sagen???? ich dachte, ich ziehe mit einem selbstbewußten erwachsenen älteren mann zusammen, der seine projekte hat und ich meine, und ab und an tauscht man sich aus. dass er eher ein ruhiger bedächtiger typ ist und ich das temperamentsbündel, erschien mir vor kurzem noch kein problem...inzwischen scheint mir die kluft zwischen uns unüberbrückbar...hilfe!

    will den jemand? ich will den nicht mehr!

    #2
    ooch Fortuna,
    ich will nicht einfach aus dem Faden gehen, ohne dir geantwortet zu haben. Mann, ich kann mir gut vorstellen, dass dich das zum Wahnsinn treibt. Im ersten Moment deiner Schilderung hatte ich vermutet, dass er auf dich steht, aber ich glaub, der ist tatsächlich immer und zu jedem so, oder?
    Ich denke, dein Gefühl stimmt, das dir sagt, dass du "fliehen" musst, und der Weg, wieder in ein Einzelzimmer zu ziehen, wird wahrscheinlich der sinnvollste sein. Blöd, wenn gerade kein Einzelzimmer frei ist, aber vielleicht wird bald wieder eins frei. Kannst du eins "anmelden"?

    Klar könnte ich dir auch raten, dir genau anzuschauen, warum er dich auf die Palme bringt und was du daraus für dich lernen kannst. Allerdings finde ich die Arbeit nicht den geeignetsten Ort dafür. Du kannst dich ja jetzt schon nicht auf die Arbeit konzentrieren.

    Mein Rat wäre also, weg sobald das möglich ist und bis dahin gut abgrenzen und es notfalls in Kauf nehmen, dass dein Kollege sauer auf dich ist oder das arme Opfer spielt
    Meine Bitte: kannst du uns über ihn auf dem Laufenden halten? Ich schreibe das ganz eigennützig, da ich mich beim Lesen köstlich amüsiert habe und beim letzten Satz laut auflachen musste. Du schreibst klasse. Und danke dir für den Lacher am frühen Morgen, auch wenn dir sicher nicht zum Lachen zu Mute sein dürfte.

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      #3
      Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen
      will den jemand? ich will den nicht mehr!
      Du kannst ihn bei mir vorbeischicken. Ich nehm ihn sofort, wenn er gute Geschichten schreiben oder wenigstens einen Verlag leiten kann und nicht erwartet, dass es dafür (schon) Geld gibt ...

      Es gab etliche Menschen in meinem Leben, die so etwas ähnliches auch über die jüngere Tintenweberin geschrieben hätten aber schlussendlich bin ich doch ein ganz passabler Mensch und eine hinreichend zuverlässige Mitarbeiterin geworden. Die Garstigkeiten der genervten Kollegen haben mir übrigens nicht dabei geholfen, meine vielen Ängstlichkeiten und Unsicherheiten zu überwinden. Ich habe erst lernen müssen, mich selbst freundlich an der Hand zu nehmen und mir immer wieder zu erklären, was mein Ding und was das Ding der anderen ist. Vielleicht kommt ein anderer mit entsprechender Anleitung an diesen Punkt, ohne dass jahrelang das Damoklesschwert "Burnout" über ihm hängt ...

      Für den Fall, dass er doch nicht Verlagsleiter werden will, lege ich schnell noch den Schlüssel bei, der mir dieses Dilemma erschlossen hat. Diesen Schlüssel habe ich allerdings erst gefunden, als das Problem fast keins mehr war: "Konfluenz ist eine Kontaktvermeidungsstrategie."

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        #4
        Fortuna, du tust mir leid.
        Ich würd zuerst einmal platzen und mir dann, für ihn sichtbar, Ohrstöpsel in die Ohren tun!

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          #5
          Zitat von Mensch Beitrag anzeigen
          Fortuna, du tust mir leid.
          Ich würd zuerst einmal platzen und mir dann, für ihn sichtbar, Ohrstöpsel in die Ohren tun!
          Hallo Mensch,
          da musste ich jetzt erst mal lachen Das Problem ist zwar dadurch in der Ursache nicht gelöst, doch zumindest die Symptome sind zunächst mal abgeschwächt und es findet eine Abgrenzung statt. Nur wird er das vll nicht verstehen, sondern vll als Angriff betrachten?!
          Was soll´s...

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            #6
            Du Perry, ich bin immer für praktische Lösungen, die möglichst schnell greifen.
            Er muss es ja gar nicht verstehen; in dem Moment geht es nur um mich.

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              #7
              Ja, das habe ich bei dir auch schon bemerkt. Doch wie wirkt das in diesem Fall auf die anderen Kollegen? Welchen Ruf schafft man sich durch solches Verhalten im Kollegenkreis? Für mich würden diese Betrachtungen schon auch eine Rolle spielen...

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                #8
                Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.
                Wie die Kollegen das sehen, das war mir schon immer so hoch wie breit.
                Ich bin halt ich, das ist ihr Problem, wie sie mit mir klar kommen.

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                  #9
                  Liebe Fortuna,

                  ich habe zwischen Mitgefühl und Lachen geschwankt - und bin heilfroh, daß ich den "guten Mann" nicht an der Backe habe. Allerdings habe ich eine Kollegin, die sich so ähnlich verhält. Vielleicht sollten wir eine Selbsthilfegruppe gründen?

                  Ich kann Dir das Buch "Der ganz normale Wahnsinn. Vom Umgang mit schwierigen Menschen" von Francois Lelord und Christophe André empfehlen.

                  Tintenweberin hat es schon gesagt: die genervten Reaktionen der Kollegen verunsichern so eine Person noch mehr. Die Autoren des Buch stellen die auch die Stärken und guten Seiten jedes Persönlichkeitstyps dar und wie man mit ihm am konstruktivsten umgeht. Wenn man versteht, warum sich die Person so verhält, kann man eher Strategien für einen guten Umgang finden.

                  Deinem Kollegen geht es offenbar um menschlichen Kontakt, Nähe, Aufmerksamkeit, gute Stimmung - nicht um gute Resultate bei der Arbeit oder professionelle Distanz. Dafür ist er bereit, alles und jeden zu entschuldigen inklusive sich selbst.

                  Ich kann Dir leider keinen guten Vorschlag machen außer: klare Grenzen setzen. Wenn er an Deiner Stelle antwortet oder Vorschläge macht, darauf hinweisen, daß seine Kompetenzen (formal und inhaltlich) woanders liegen. Und daß er für seinen Job eingestellt wurde und nicht für Deinen.

                  Durch sein Verhalten verschwendet er Ressourcen: Deine Zeit, die Deiner Kollegen und seine - denn in dieser Situation tut er seine Arbeit nicht und stört die anderer. Dadurch zwingt er Euch, länger zu arbeiten. Das ist rücksichtslos.

                  Ich bin bei so etwas hart: gute Absichten haben schon viel Unheil angerichtet. Du kannst ihm gerne sagen, daß Du seine guten Absichten und Hilfsbereitschaft erkennst und siehst, daß es ihm um ein Gemeinschaftsgefühl geht - daß aber die Konsequenzen seines Handelns das Gegenteil davon bewirken. Vielleicht sind ihm die negativen Folgen seines Handelns nicht bewußt oder er verschließt bewußt die Augen vor ihnen.

                  Deine Auffassung von Arbeit scheint zu sein, daß es in erster Linie um die Erfüllung von Aufgaben geht und nicht darum, viel Zeit mit Sozialkontakten zu verbringen. Bei ihm ist es umgekehrt. Vielleicht kannst Du ihm das deutlich machen.

                  Mir ist es in einigen Fällen gelungen, "schwierige" Kollegen in ihren Fähigkeiten so aufzubauen, daß sich ihre Unischerheit und ihre Unterlegenheitsgefühle verringerten, aber das kostet eine Menge Zeit und Geduld und nicht jeder ändert sich. Die Frage ist, ob Du diese Investition tätigen willst oder den einfacheren Weg gehen. ich denke, daß keiner von Dir verlangen kann, auf dauer so einen anstrengenden Kollegen auszuhalten oder zu therapieren.

                  Deswegen hoffe ich, daß Du bald wieder ein eigenes Büro bekommen wirst.


                  Ich hoffe, daß es okay ist, meinen Ärger über meine Kollegin ins P.S. zu schreiben.

                  Liebe Grüße,

                  Freundin der Weisheit


                  P.S.: Meine Kollegin ist ein schwieriger Fall, weil sie mit ihrer Arbeit überfordert ist.

                  Zum einen ist die Arbeit wirklich zuviel für eine Person, aber unser Chef will keine zweite Kollegin einstellen, zum anderen ist ihre Herangehensweise an ihre Aufgaben äußerst umständlich und ineffektiv, weil sie kein Organisationstalent hat, Angst davor hat Fehler zu machen und monatelang über gemachte Fehler grübeln kann, nie Nein sagen kann, kein Durchsetzungsvermögen hat, nicht um Hilfe bitten kann (weil sie laut ihres Glaubenssatzes nützlich zu sein hat, aber anderen nicht zur Last fallen soll), ein großes Verantwortungsgefühl hat und von allen gemocht werden will.

                  Dazu noch eine große Portion an Traumata und ein Steckenbleiben in der Kindheit, das sich in einer ausgeprägten Liebe zum allem Disneyprinzeßchenkram und dem Trällern von Musicalliedern äußert, und große Angst vor Veränderungen. Veränderungen sind aber der Normalfall in der Wissenschaft, denn außer ihre haben alle nur Zeitverträge und sind nach zwei bis sechs Jahren wieder weg. Wenn sie unter Streß ist, wird sie hektisch, schimpft permanent vor sich hin, schleudert Dinge, statt sie zu legen und wiederholt alles, was sie einem erzählt, mindestens viermal.

                  Meine Kollegen und ich wissen nicht weiter. Unseren Chef konnten wir nicht überzeugen eine Kollegin einzustellen und momentan fehlen auch die Mittel dazu. Wir haben Organisatorisches selbst in die Hand genommen, damit unser Labor nicht im Chaos versinkt, auch wenn das bei unserer Kollegin Versagensgefühle auslöst. Manche von uns haben ihr auch effektivere Strategien gezeigt, die sie aber offenbar nicht übernehmen kann. Mir tut es leid zu sehen, daß meine Kollegin sich so unter Druck setzt und dadurch erst recht versagt, und ich fürchte, daß sie in einen Burnout hineinsteuert, weil sie zuwenig freie Tage nimmt und sich zu sehr unter Druck setzt. Ich mag sie und habe versucht sie zu stabilisieren, aber irgendwann wird mir das auch zuviel und es triggert auch zuviele negative Erinnerungen bei mir. Psychologische Hilfe nimmt sie nur für ein paar Termine in Anspruch und das reicht nicht.

                  Was tun?

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                    #10
                    Zitat von Freundin der Weisheit Beitrag anzeigen
                    L

                    Was tun?
                    Eine Möglichkeit wäre, ihr das, was Du gerade geschrieben hast zum Lesen zu geben.
                    Sie würde dann wissen, wie Du über die Dinge denkst. Es ist natürlich fraglich, ob das etwas positives bewirken würde. Das Gegenteil könnte auch der Fall sein, vielleicht ist es sogar wahrscheinlicher.
                    Eine weitere Möglichkeit wäre, an ihr Mitgefühl zu appelieren, ihr zu sagen, dass ihr Arbeitsstil Dir und anderen zusätzliche Mühe macht, und sie, wenn sie sich in den und den Punkten ändernt, dir sehr helfen würde.
                    Oder aber, Du sagst es ihr jedesmal, wenn Du ein Problem mit ihr hast.
                    Das ist sicherlich sehr mühsam, aber sie wird nicht stoisch so weiter machen können, das hält keiner aus, wenn es einem dauernd gesagt wird.
                    Du kannst es aber auch als "Störfaktor" sehen, den es in allen Organisationen gibt, damit einfach leben und als "Rahmenbedingung" akzeptieren.

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                      #11
                      Lieber Hubert,

                      herzlcihen Dank für Deine Antwort!

                      Meine Kollegin und ich haben intensive Gespräche geführt, u.a. über die Ursachen ihres Verhaltens und Denkens und wie man es ändern könnte. Wir haben abgesprochen, daß ich ihr nach ihrem Urlaub ein paar verhaltenstherapeutische Übungen geben werde, die sie ausprobieren kann. Ohne die positiven Erfahrungsberichte einer Kollegin und mir wäre sie nicht zur Psychologin gegangen, obwohl sie unter ihrem Zustand leidet.

                      Ich habe ihr schon mehrfach gesagt, daß die Gruppe leider unter den gegebenen Bedingungen nur schlecht arbeiten kann.
                      Wenn konkrete Erledigungen anliegen oder ich unter etwas leide, z.B. dem Dauergeschimpfe, dann sage ich es ihr. Der Effekt ist ziemlich begrenzt.
                      Ich habe ihr angeboten, daß sie uns fragen kann, wenn sie Angst hat, Dinge allein anzugehen (z.B. Dinge wegzuwerfen, weil sie Angst hat, etwas wegzuwerfen, das eventuell noch gebraucht werden könnte).
                      Sie fühlt sich durch Kommentare von Kollegen, wie chaotisch vieles ist, angegriffen. Ich habe ihr erklärt, daß manche Kommentare von Kollegen so hart ausfallen, weil sich die Leute monatelang täglich darüber geärgert haben und sie auf vorherige Bitten nicht reagiert hat. Ihr ist klar, daß wir inhaltlich recht haben, aber in Kombination mit ihren Ansprüchen an die Erfüllung ihrer Aufgaben und Schuldgefühlen, daß sie diesen nicht gerecht wird, kann sie diese Kritik offenbar schlecht vertragen.
                      Sie weiß, daß wir alle denken, daß die Arbeit für eine Person zuviel ist, und daß wir bereit sind zu helfen. Es wäre an ihr, diese Hilfe anzunehmen. Da sie das nur sehr begrenzt kann, haben wir einiges selbst in die Hand genommen, aber das macht ihr Versagen offensichtlich, was für sie auch schwer zu ertragen ist. Wir können nicht aus Rücksicht auf sie auf diese Maßnahmen verzichten.

                      Mir fällt es schwer, ihre Überforderung als normales Arbeitsärgernis zu sehen, weil sie mich und meine Kollegen täglich eine Menge Zeit und Nerven kostet, das Labor Geld kostet (und wir sind gerade knapp bei Kasse) und ein Sicherheitsrisiko darstellt, weil nötige Vorschriften nicht eingehalten werden und defekte Geräte nicht ersetzt werden.

                      Ich kann nicht einfach nur mein Ding machen, weil wir fast alles gemeinsam nutzen - sonst hätte ich das trotz meiner sozialen Ader schon getan.


                      Meine Befürchtung ist, daß sie zu unflexibel ist sich zu ändern. Ich hoffe, daß ich da falsch liege.


                      Ich habe in der Vergangenheit schon öfter mit "Altlasten" an Universitäten zu tun gehabt, die darauf vertrauten, daß diejenigen, die noch etwas erreichen müssen oder wollen schon deren Arbeit mitmachen würden - und diese Rechnung ging auf. Im Gegensatz zu meiner Kollegin waren diese Personen jedoch stolz auf ihre Einstellung und nutzten sie als Strategie, um möglichst wenig arbeiten zu müssen. Originalzitat: "Meinen Monatslohn bestimmt das Land Hessen, meinen Stundenlohn bestimme ich.". Bei diesen Personen fiel es mir leichter, unsere Chefs darauf aufmerksam zu machen. Leider ohne Erfolg, denn die hatten kein Interesse daran, an diesen Zuständen etwas zu ändern, v.a. aus Konfliktscheu und weil unsere Zeit in ihren Augen nichts wert war. Wenn man als Doktorand für 19 Stunden pro Woche bezahlt wird, aber 50 arbeitet, ist es dem Chef auch egal, wenn es 60 werden.
                      Bei meinem jetzigen Chef habe ich in Bezug auf den Umgang mit dem Problem auch Zweifel, weil er ein schlechter Manager ist und sich lieber der Illusion hingibt, ein gut geführtes Labor zu leiten, als sich der Realität zu stellen. Mehrere Kollegen und ich haben überlegt, ihn mit dem wahren Ausmaß des Chaos' zu konfrontieren, weil wir denken, daß ihm das nicht bewußt ist.


                      Wahrscheinlich bleibt nur ein Kompromiß aus teilweise Dinge selbst neu organisieren (der anstehende Umzug bietet sich da sicher an) und teilweise hinnehmen. Das Hinnehmen wird für mich eine harte Geduldsprobe, fürchte ich.

                      Liebe Grüße,

                      Freundin der Weisheit

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                        #12
                        liebe forumels,

                        danke für eure antworten!

                        ich halte euch gern auf dem laufenden, ich denk da wird es noch einige momente geben, wo ich mich hier "seinetwegen" austoben muss, da mach ich mir nichts vor... gerne, liebe Mikamu.

                        liebe Menschin, derzeit siehts so aus, dass er sich kaum noch was traut, weil ich schon so einige male deutlich explodiert bin, nachdem gutes zureden nicht viel brachte...ohrstöpsel brauch ich nicht, weil ich gut in der arbeit abtauchen kann. das unangenehme schweigen zwischen uns ... ich glaub da müssen wir beide gerade durch.

                        liebe Tintenweberin, ich erkenne mich durchaus auch in ihm wieder, früher war ich ihm da schon auch recht ähnlich, vielleicht regt er mich auch deshalb so auf...um an den punkt zu kommen, wo du heute stehst, hat er aber nur wenige jahre... "Konfluenz ist eine Kontaktvermeidungsstrategie." herrlicher satz! streitet er aber vehement ab, wenn ich ihn frage, ob er angst vor konflikten hat...er löst sie ja intelligenter!!! ich kann ihm das mit dem verlagsleiter ja mal vorschlagen, aber ich glaub nicht dass er bereit ist, umzuziehen...ich vermute mal, er fühlt sich ganz gern unwohl dort, wo er immer gerade ist. ich beobachte, wie er immer schnell ein herzliches verhältnis zu den neuen kollegen aufbaut...so war das bei uns ja auch...und sobald es ärger gibt...zack, jemand neuen suchen...burnout-gefährdet sehe ich ihn nicht, außer gute texte schreiben kann er extrem gut "entscheidungen-treffen-vermeiden" am zweitbesten...

                        liebe freundin der weisheit,
                        ich mag es gern, wenn andere ähniche erfahrungen einfließen lassen, wenn man selber den wald vor lauter bäumen nicht mehr sieht, helfen mir solche geschichten oft ungemein!
                        du hast es sehr gut getroffen, meine genervte reaktion veranlasst ihn, noch näher an mich heranzurücken, damit auch ja wieder alles wie früher wird. wenn ich kritisiere, lobt er mich im gegenzug in den höchsten tönen, was dann echt absurd wird, weil sein lob dann auch nichts ehrliches mehr hat. ich schimpf ihn aus und er sagt, das ist sooo toll, wie du das alles machst, echt! hä?
                        und ja, es geht ihm in allerallererster linie um menschlichen kontakt, und das gibt er auch ganz offen zu. so wie er freitag ohne mit der wimper zu zucken seine kollegen im stich gelassen hat, um mit mir die stunde sinnlos zu diskutieren. ein unding, aber er sieht nicht, dass es bei uns im team eben darum geht, mit anzupacken, uns hilft es überhaupt nicht ,wenn einer 5mal am tag sich hinstellt uns mit viel empathie sagt, ogott das ist ja schrecklich, dass ihr so viel zu tun habt! ich hab ihm bereits ins gesicht gesagt, dass es leider so wirkt, als ob er nichts zu tun hätte, wenn er so oft kommt und nachfragt...aber es animiert ihn nicht dazu, einfach mit anzupacken, obwohl wir ihm alle schon gesagt haben, dass das toll wäre...

                        er ist einfach kein teamplayer. etwas anderes als meine grenzen zu ziehen und mich nicht reinziehen zu lassen fällt mir auch nicht ein...es ist ja doch einfach sehr verführerisch, ihm seine fehler unter die nase zu reiben. oder eben die aggressionen, die er an mich delegiert, auszuleben. aber ich glaube auch, nur wenn ich ganz bei mir bleibe, bei meinem stil, dann komm ICH weiter. ich hab auch gar keine zeit und lust, mich intensiv mit ihm zu beschäftigen. klare aufgaben für alle. für das allzu menschliche muss er sich eine andere suchen. das ich für einen anderen eine menschliche enttäuschung bin, kann ich immer nur schwer verknusen...aber da mitspielen, never ever!!!

                        ich wünsch euch einen guten start in die woche, ich hab zum glück heute noch frei!!!

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                          #13
                          es ist wieder so weit...

                          mr ichmachnixzuendeichfanglieberwasneuesan...und keiner liebt mich, versteh ich auch nicht, wo ich doch immer so mitfühlend nebendran stehe, wenn die anderen sich die ohren blutig telefonieren und er doch echt mitfühlend sagt: du, ich find das gerade ganz schrecklich, ich frag dich nochmal wie es dir geht, wenn ich aus meiner mittagspause zurück bin, du...wenn ich ihn frage, ob er mit anpacken kann, hat er eigentlich jetzt aber gerade echt keine zeit, sorry, geht aber gerade echt nicht...

                          JETZT fühlt er sich irgendwie außen vor und würde ja gern mehr machen, also für das team...ich mich mühsam beherrscht und ihn gefragt, wie ich das denn verstehen soll, wenn er nie zeit hat, wenn das team ihn braucht...ja also, er würde ja auch gern andere dinge entwickeln und so...nachdem ich ihm gerade erklärt habe, dass das team gerade struktur und sicherheit braucht...naja, da kann man doch mal drüber reden...nachdem ich im gerade klipp und klar gemacht habe, wie schwer es war, eine fixe abmachung mit ihm zu treffen, werde ich diese nach drei wochen nicht wieder umwerfen! vorher werf ich jemand anderen um!

                          wofür nochmal ist das gut? dieser unschlüsssige, kerl, der es noch nicht mal schafft, 10 leuten einen büroschlüssel auszuhändigen? das war anfang der woche sein unlösbares problem, als ich feststellen musste, dass die hälfte morgens nicht reinkommt! der echt nicht weiß, was man machen könnte, um geld für ein geburtstagsgeschenk einzusammeln? da haben ihm nun auch andere aus dem team unter die arme gegriffen...

                          ich geb mir echt mühe, locker und gelassen zu sein und wir schreien uns- also ich ihn, er schreit nicht, er komplimentiert alles- auch nur noch so einmal die woche an...ich will das nicht mehr....und warum hab ich das das letzte dreiviertel jahr nicht gemerkt, dass außer schlauen sprüchen von ihm echt nichts kommt, warum hab ich nicht genau hingeguckt und gedacht, wow, da ist echt ein sympathischer netter kollege, mit dem man mal einen netten schnack halten kann, der mitfühlend zuhört, schade aber auch, dass er sich mit seinen kolleginnen so gar nicht versteht, die scheinen sehr gemein zu ihm zu sein, böse aber auch...

                          buhu....

                          Kommentar


                            #14
                            Oh, wie gut ich das kenne. Ich weiß nicht, ob es Dich tröstet: ich brauch auch immer einen extra Knüppel übers Hirn um zu merken, dass ich einen &%§)(§Q=/ vor mir habe.
                            Und ich habe gehört es gibt Seminare für den Umgang mit inkompetenten Mitarbeitern, da war eine Bekannte von mir - fand ich spannend...
                            Tut mir leid, mir fällt gerade sonst nix Konstruktives ein.

                            Kommentar


                              #15
                              dank dir liebe Nomada,

                              mein chef meinte, ich müsse mich durchsetzen und ich vermute, er hat recht. ich versuch, den typ als übungsffeld zu nehmen, auch wenn mir auf den mond schießen echt lieber wäre.
                              ein bürozimmer zu zweit ist echt die hölle, ich bin echt unkonzentriert momentan und nur froh, wenn er mal nicht da ist. was nur einen tag die woche so ist, sonst ist er immer da...es ärgert mich so, dass der typ mir soviel energie abzwackt! da boxt man täglich in eine wattewolke, und dann jeden tag wieder, das ist echt zum mäusemelken!

                              vielleicht liegt die lösung im ruhig auf das was gut und richtig ist zu bestehen? überzeugen lässt er sich nicht, die softe tour funktioniert überhaupt nicht und den holzhammer hat er auch 5 tage später wieder vergessen. gehts drum, wer länger beharrlich ist? wenn ich nur ätzend genug bin, wird er genau so schlecht über mich reden wie über seine vorherigen kolleginnen und sich neue "bürokumpels" suchen. hoffentlich. grade wüßte ich nicht, wen, da müssen erst noch ein paar neue wieder auftauchen, die er becircen kann...stoßgebet zum himmel schick*

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