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Abschied von Schweden als Reiseland

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    Abschied von Schweden als Reiseland

    Liebe Forumels!

    Als ich vor zwei Jahren von der Schweden-Reise zurück kam, hatte ich das Gefühl als wäre ein Teil meiner Seele dort geblieben. Es dauerte Wochen, bis ich einigermaßen „hier“ war, und es blieb so etwas wie Heimweh, nur ohne konkrete Vorstellung eines Ortes (und mit dem Gedanken, dass es sich auch auf eine vergangene Zeit beziehen könne).

    Ich tröstete mich damit, dass ich ja noch zwei Reisen nach Schweden vor mir hätte. (Dies deswegen, weil mein Mann neuerdings mit Digitalkamera viele Bilder macht und sie zu Vorträgen verarbeitet, und wir wollen das ordentlich machen, nicht so in dem Stil „das war unser Urlaub“.)

    Es kam dann aber zu seelischen und daraufhin auch zu gesundheitlichen Turbulenzen, und die Reise voriges Jahr war nicht so toll. Es ging mir nicht gut, und ich hatte den Eindruck, ein Teil meiner Seele wäre diesmal gar nicht mitgekommen. Dazu nervten mich eine Reihe von mehr oder weniger kleinen Pannen und Problemen, zuletzt streikte das Auto, und wir hatten Glück, dass der Schaden noch vor dem Heimreise-Wochenende behoben werden konnte.

    Es dauert noch ein paar Wochen, doch die letzte Reise kommt unaufhörlich näher, ich trauere deswegen schon seit Monaten (obwohl doch nachher wirklich noch genug Zeit dafür ist), gleichzeitig habe ich ein Gefühl, das mir sagt, dass es gut wäre Abschied zu nehmen, Schweden quasi abzuschließen (es ist ja auch ungewiss, wie oft ich noch werde verreisen können) - nur weiß ich nicht wie. Ich kann mir keine Abschiedszeremonie oder so was vorstellen, nur dass ich im Bewusstsein, dass es das letzte Mal ist, fahren werde. Es ist ja auch so, dass ich jedes Mal in anderen Landesteilen war/bin, also hätte ich mich z.B. von Gotland und Öland schon vor zwei Jahren verabschieden müssen. Alles etwas verwirrend .. ..

    Hat jemand von Euch schon mal so was in der Art erlebt?
    Liebe Grüße
    Fjäril

    #2
    Oh ja...

    Mich verbindet eine uralte Liebe mit der Bretagne und ich war seit meinem ersten Besuch in Lorient anlässlich eines Schüleraustauschs schon sehr oft dort. Als ich das letzte Mal mit Freunden in Finisterre war, habe ich bei der Überfahrt zur Isle de Sein meinen Ehering (der damals schon nicht mehr in Gebrauch war...!) ins Wasser geworfen, und zwar genau an der Stelle, an der ich gerne auch irgendwann einmal meine Asche im Meer versenken lassen wollte.

    Obwohl ich die Heimat meiner Seele trotzdem wieder einmal gerne besuchen würde, sehne ich mich seither nicht mehr so schmerzlich dort hin...

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      #3
      Liebe Tintenweberin!

      Oh, die Bretagne .. ..
      Interessant, genau dort zieht es meinen Mann hin, unter anderem.

      Du schreibst „die Heimat meiner Seele“. Hast Du da eine konkrete Vorstellung? Ich bin mir sicher einige frühere Leben in Schweden verbracht zu haben.

      Ich werde mal drüber schlafen ob es auch für mich passt etwas dort zu lassen, danke für Deine Schilderung.

      Liebe Grüße
      Fjäril

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        #4
        Die Bretagne.

        Tintenweberin, Du reißt Erinnerungen in mir auf. Wie gerne und wie oft war ich auf dem kleinen Campingplatz in Le Pouldu. Meine Zeltnachbarn, die mich abends zum Miesmuschelessen einluden. Die Sonnenuntergänge am Strand. Das bretonische Volksfest direkt nebenan. Die Straßen, die wie über das Land und nicht durch das Land hindurch gebaut schienen. Ebbe und Flut bei Lorient. Quimperle und so vieles mehr.

        Ich werde mir gleich mein Fotoalbum - jaja, so etwas gab es damals noch - aus dem Schrank holen und bretonische Erinnerungen ansehen.

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          #5
          Hallo Fjäril,

          ich beschäftige mich grad viel mit den Büchern von Rüdiger Schache, Herzmagnet, Lebensplan usw. ...
          da wird auch angesprochen, wenn immer wieder Probleme auftauchen, dass man genauer hinschauen sollte, dass es nicht mehr in dein Leben passt.
          Da du selber schon dran denkst, Abschied zu nehmen, ist es vielleicht auch dran?

          Manchmal sind Probleme ja vielleicht auch Prüfungen, ob man etwas wirklich will, aber es kann ja auch gut sein, dass es eben nicht mehr passt!
          Mal in Ruhe in dich gehen mit dem Thema, drüber meditieren...?

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            #6
            Liebe Heidi!

            Doch ja, es ist sicher an der Zeit. Auch habe ich den Verdacht, dass die Sehnsucht nicht so wirklich gestillt wird indem ich hinfahre. So ähnlich wie ich mal einen Ort aufsuchte, an dem ich als Kind bestimmte Gefühle hatte, und dann merkte, dass sich diese nicht mehr erwecken ließen. Also das Thema besser durch diese letzte Reise abschließen. Gleichzeitig kommen mir die Tränen kaum dass ich daran denke.

            Meditieren ist an sich eine gute Idee, nur versuche ich es seit Jahren ohne den gewünschten Effekt, aber vielleicht wirkt es trotzdem irgendwie .. ..

            Liebe Grüße
            Fjäril

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              #7
              In den letzten Tagen entwickelt sich die Situation so als müsse diese Reise verhindert werden. Mein Gefühl sagt mir nicht, ob es sich um kosmische Kräfte handelt, die mich vor etwas bewahren sollen, oder ob es von innen heraus kommt um mich – wie schon mal geschehen – an einer Weiterentwicklung zu hindern, oder ob ich einfach was lernen muss, oder ob es gar nichts bedeutet. Mein Gefühl schweigt, ist wie tot, auch was den Abschied an sich betrifft.
              Ich bin so müde und frustriert!

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                #8
                Vielleicht zeigen sich diese Zeichen oder Fakten auch um dich vor weiteren Enttäuschungen zu bewahren? Im Äusseren wird es doch kaum so sein wie 'damals' als es noch so stimmig war.

                Kannst du innerlich dort hin reisen und all die schönen Erinnerungen der Momente hervorholen und neue 'Nahrung' zugeben? (dann gibts auch bestimmt keine Pannen oder nur solche die du im Nu bewältigst. )

                Letzthin hat jemand erzählt, dass eine Frau (Malerin) in einer Lawine gefangen gewesen sei und auf Hilfe wartete. Die hat dann in ihrer kleinen Höhle in Gedanken Bilder gemalt - wohl Strich um Strich und dass hingebungsvoll.
                Sie war dann wohl im positivsten Sinn 'beschäftigt' und hat dadurch überlebt. Sie wurde gerettet.


                Was ist denn für dich besonders an Schweden?

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                  #9
                  Hej Activity!

                  Das Besondere an Schweden ist für mich, dass ich mir sicher bin, dass ich da schon einige Male gelebt habe, auch wenn ich mich nicht an etwas Konkretes erinnern kann.

                  Ich erwarte nicht, dass es noch mal so wird wie es mal war. Es gibt aber Orte in Schweden, wo ich noch nicht war und hinmöchte, und in Stockholm war ich gerade mal einen halben Tag, und das war 1982. Außer der Vasa habe ich kaum was gesehen.

                  Mein Mann kann auch keine Fotos und keinen Vortrag machen aus dem, was ich mir erträume. Ihm ist das wichtig, und damit mir auch.

                  In erster Linie aber beunruhigt mich, dass es möglicherweise Kräfte gibt, die eine eventuelle Auflösung von was auch immer verhindern „wollen“. Ich möchte nicht den Rest meines Lebens davon träumen, dass die Reise vielleicht irgendwas Wichtiges hätte bewirken können. Wenn sie nichts verändert, dann ist es auch o.k., aber dann weiß ich es.

                  Meine Erinnerungen pflegen, damit sie nicht gar so schnell verblassen, werde ich danach sowieso. Obwohl mir oft gesagt wurde, ich solle mehr in der (realen) Gegenwart leben.

                  Liebe Grüße
                  Fjäril

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                    #10
                    Für mich ist es Afrika,

                    dort habe ich mich in das Land verliebt und habe seit dem unstillbaren Liebeskummer.
                    Ich habe viele Länder gesehen bzw. durchfahen und was ich immer getan habe, ich habe mich nicht mehr umgedreht, wenn ich wußte es geht weiter.
                    Es gab noch einen gedanklichen Bildhaften Rückblick und dann kam schon der Drang zum nächsten Land, noch bevor die Grenze kam.

                    afrikanische Grüße
                    Avalon

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                      #11
                      Mir wurde gesagt, dass im Dom von Uppsala ein Abschied stattfinden würde. Ich solle mich in den Kreuzungspunkt von Haupt- und Querschiff stellen, und vielleicht würde ich das Bedürfnis haben zu weinen. Ich stellte mich also da hin, betrachtete die Rosette auf der einen Seite, das Glasfenster auf der anderen, sah nach vorne und schloss schließlich die Augen. Nichts. Als hinter mir eine Fremdenführerin mit quäkender Stimme begann ihren Text runterzuleiern, ergriff ich die Flucht.

                      Auch sonst teilte die Seele sich dem Bewusststein nicht mit. Die monatelangen Sehnsuchtsgefühle, die gesundheitlichen Turbulenzen, und dann eine Reise als wäre das alles nicht gewesen. Schön, aber auch etwas irritierend.

                      Wir verließen Schweden mit der Fähre, was mir die Möglichkeit gab an Deck zu stehen und zurückzuschauen. Allerdings war es 3 Uhr morgens, alle Fähren am Tag waren ausgebucht, und es war stockfinster, alles, was ich von Schweden noch sah, waren die Lichter von Trelleborg. Ich versuchte geistig einen Abschied zu formlieren, doch fiel das nicht so recht befriedigend aus.

                      Das war es dann also. Ich halte mich an dem Gedanken fest, dass meine Seele (also im Grunde ich) so ganz insgeheim und unbemerkt doch Abschied nehmen konnte oder was auch immer. Sie teilt sich meinem Bewusstsein immer noch nicht mit, aber immerhin fühle ich mich nicht, als wäre ein Teil von ihr irgendwo hängengeblieben. Nur irgendwie gedämpft .. ..

                      Danke fürs Lesen,
                      liebe Grüße
                      Fjäril

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