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    Gerechtigkeit

    Manche würden es als Schadenfreude betrachten, aber für mich ist es ausgleichende Gerechtigkeit.

    Wir haben mal vor etlichen Jahren in einem Haus zur Miete gewohnt. Der Vermieter war unmöglich, er dachte, weil ihm das Haus gehörte, dürfte er machen, was er wollte...

    Ein Mal habe ich ihn mit der Polizei vom Grundstück verwiesen, weil er einfach vorbei kam und ganz früh am Morgen die Terrassenplatten wegreißen ließ, um darunter irgendetwas zu suchen. Angeblich wollte er eine Drainage bauen, aber die hätten wir besser hinterm Haus gebrauchen können und nicht unter der überdachten Terrasse, wo das Regenwasser definitiv in den Keller gelaufen war... ohne, dass er uns darüber informiert hat.

    Dann hat er neben mir im Keller gestanden, wo das Wasser aus der Wand plätscherte, wie eine Quelle und er mir ins Gesicht sagte, dass er da kein Wasser sehen könnte...

    Der war nur am Geld interessiert, an der Instandsetzung seines vermieteten Hauses nicht.

    Nun las ich vor ein paar Tagen in unserer Zeitung, dass dieser Vermieter auf seinem Grundstück große Probleme mit Wildschweinen hätte, die ihm jede Nacht den Rasen umgrüben und er von der Stadt Geld haben wollte, damit er einen besseren Zaun bauen könnte, da er ja gehbehindert wäre und das nicht mehr selbst bezahlen könnte...

    Irgendwie hat es mich gefreut, denn dieser Mann nagt nicht am Hungertuch, der hat ohne Ende Geld, weil er mindestens ein Mietshaus hat, was ihm sehr viel Geld bringt, aber er ist extrem geizig.

    Ich fand es nur gerecht, dass es endlich mal einen dieser fiesen Typen traf, denn die Wildschweine wird er so schnell wohl nicht loswerden.

    Kennt ihr so etwas auch?

    Condor

    #2
    Naja, wer war nicht schon mal in einer gefühlt hilflosen Position, in der er seine Bedürfnissse "mit Füßen getreten"gesehen hat? Klar. dass aus so einer "Verletzung" Ärger auf denjenigen, vielleicht sogar Wut oder gar Hass entsteht und es dann "befriedigt", wenn das Objekt der Wut in eine Situation kommt, in der er sich genauso "ausgeliefert" fühlt, wie man selbst damals. Mir ging es in der Schule oft so.

    Allerdings finde ich das inzwischen sinnlos. Was habe ich davon? Führt es bei demjenigen zu einer anderen Sicht auf die damalige Situation, zu mehr Verständnis, gar zu "Einsicht" in sein Verhalten und einer künftigen Änderung? Ändert es mein damaliges Gefühl? Nein. Ich würde ja keine Befriedigung verspüren, wenn ich das damalige Gefühl inzwischen überwunden hätte. Insofern zeigt mir so ein "Rachegefühl" nur, dass da gefühlsmäßig noch was im Argen liegt und dass derjenige (bzw. die Vergangenheit) immer noch die Macht hat, meine Gefühle zu beeinflussen.

    Ich denke nicht, dass es "gerecht" ist, wenn jemand einen Schaden hat, der keinem nutzt. Das ist in meinen Augen nur Rache: jemand anders (vielleicht sogar das Schicksal) hat an demjenigen die Rache für das, was er mir "angetan" hat, und zu der ich selbst nicht in der Lage war (oder immer noch nicht bin) vollzogen. Er hat mir "weh getan", jetzt wird ihm "weh getan". Und ich "freue" mich an seinem "Schmerz" so wie er damals an meinem. Na super, das stellt mich mit dem Typen ja auf eine Stufe! Will ich da wirklich stehen? Nö.

    Und nachdem mir inzwischen ziemlich unzufriedene und missgünstige Menschen begegnet sind, die tatsächlich nach dem Motto verfahren "wenn ich schon meinen Nutzen nicht vergößern kann, dann vergrößere ich wenigstens jemandes Schaden" und daraus eine Art "Befriedigung" oder "Lebenszufriedenhheit" ziehen, finde ich diese Art von Schadenfreude abstoßend. So mag ich nicht sein, auf solche Menschen möchte ich mich nicht velassen müssen - wer weiß, wann sie mir oder einem Menschen, der mir nahe steht, etwas missgönnen und zerstören wollen, was sie selbst nicht haben können.

    Wenn ich mich bei derartiger Schadenfreude erwische, sehe ich zu, dass ich in mir auflöse, was mir so zusetzt, dass ich jemandem Schaden "gönne". Ich befasse mich lieber damit, küftig nicht mehr in so eine "hilflose Situation" zu kommen, als mit der Freude (die ja genaugnommen gar keine wirkliche, "herzliche" Freude ist) über jemandes Schaden.

    Irgendwo habe ich mal gelesen "Hate just shows, that you still care". Das möchte ich aber gar nicht mehr, lösen möchte ich mich vom damaligen Geschehen, demjenigen keine Energie oder Lebenszeit mehr "schenken", indem ich an ihn denke oder über ihn nachdenke. Also arbeite ich daran, den Fokus in so einem Fall auf mich und meine (damals nicht befriedigten und aktuellen) Bedürfnisse zu richten und mich über die damalige Situation "hinauszuentwickeln".

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      #3
      Sag mal, FirstSunshine, kannst du auch einfach nur mal leben?

      Einfach sein und vor allem, andere sein lassen?

      Schade, dass wir uns jetzt nicht gegenüber sitzen...

      Condor

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        #4
        Was wäre dann?

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          #5
          Dann hätten wir viel zu lachen.

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            #6
            Zitat von Condor2 Beitrag anzeigen
            Sag mal, FirstSunshine, kannst du auch einfach nur mal leben?

            Einfach sein und vor allem, andere sein lassen?
            Genau das tue ich doch.

            Und je "bewusster" ich auf andere reagiere - was nicht bedeutet, dass ich sie ändern wollte - desto freier und besser lebe ich.

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              #7
              Nein, tust du nicht, du musst alles zerpflücken und psychologisieren. Ich kenn das, ich habe das auch früher gemacht und es kann zur Sucht werden.

              Lass doch meine Beiträge einfach mal stehen, schreib deine Meinung dazu, aber ohne den psychologischen Scheiß.

              Ich finde es menschlich und normal, dass ich mich freue, dass ich es als ausgleichende Gerechtigkeit empfinde, als ich die Zeitung aufschlug und von diesen blöden Leuten las...

              Das muss weder jeder gutheißen, noch genauso empfinden... dachte, andere hätten auch mal so was erlebt, aber scheinbar nicht, ok, macht doch nix, aber nerv mich nicht mit deinem neunmalklugem "Hintergrundwissen"...

              Condor

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                #8
                Oha... Was bricht denn da jetzt raus?

                Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich Deinen Beitrag nicht hätte stehen lassen und sehe da auch beim Nachlesen nichts entsprechendes. Ich habe nur dazu geschrieben, inwieweit ich das (von mir) kenne und wie ich inzwischen damit umgehe.

                Ich "muss" auch nichts. Ich habe mich frei entschieden, mich mit mir und meinen Reaktionen auf mein Umfeld auseinanderzusetzen, so komme ich mit mir immer mehr ins Reine. Meine Entwicklung und meine Meinung sind vielleicht einfach "psychologischer Scheiß". Wie könnte ich da was anderes schreiben?

                Wenn Du Einschränkungen für Meinungsäußerungen wünschst, dann ist es sinnvoll, sie gleich im Eingangspost zu erwähnen, dann fallen Antworten vielleicht weniger nervig aus.

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                  #9
                  Ich finde Deine Gedanken bereichernd, sunshine, danke!
                  Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                  Wenn ich mich bei derartiger Schadenfreude erwische, sehe ich zu, dass ich in mir auflöse, was mir so zusetzt, dass ich jemandem Schaden "gönne". Ich befasse mich lieber damit, küftig nicht mehr in so eine "hilflose Situation" zu kommen, als mit der Freude (die ja genaugnommen gar keine wirkliche, "herzliche" Freude ist) über jemandes Schaden.
                  Das künftig nicht mehr in hilflose Situationen kommen interessiert mich - wie machst Du das? Könnte es so sein, dass man sich gegen eine Ungerechtigkeit in Zukunft direkt selber wehrt? Und auf späteres "Universumskarma" nicht angewiesen ist, weil man gleich verhindert, dass überhaupt ein Schaden entsteht?
                  Das wäre ja fast so als würde man durch das für sich einstehen und sich wehren auch Schaden vom "Gegner" abwenden.

                  Ich frag mich gerade, was die Leute empfinden, in deren Sprache es das Wort Schadenfreude nicht gibt.

                  Und wie war eigentlich das biblische "Auge um Auge, Zahn um Zahn" gemeint - als Gerechtigkeit? Rache? Strafe? Und sollte die von dem geschädigten direkt ausgeführt werden oder über dritte, z.B. "göttliche" Intervention?

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                    #10
                    Zitat von Tar Retaw Beitrag anzeigen
                    Ich finde Deine Gedanken bereichernd, sunshine, danke!
                    Freut mich!

                    Zitat von Tar Retaw Beitrag anzeigen
                    Das künftig nicht mehr in hilflose Situationen kommen interessiert mich - wie machst Du das? Könnte es so sein, dass man sich gegen eine Ungerechtigkeit in Zukunft direkt selber wehrt? Und auf späteres "Universumskarma" nicht angewiesen ist, weil man gleich verhindert, dass überhaupt ein Schaden entsteht?
                    Ich steige mir in immer mehr Fällen dahinter, was mich in gewissen Situationen davon abgehalten hat (und manchmal immer noch abhält) für mich einzustehen, indem ich zum Beispiel auf meinem Recht bestehe anstatt mich verunsichern zu lassen, mir Unterstützung hole oder den "Gegner" einfach realistisch (sprich: halb so "gefährlich") einschätze. Ich mache mir klar, welchen Handlungsspielraum ich gehabt hätte (auch wenn ich ihn in der vermasselten Situation nicht kannte) bzw. heute als "Erwachsene(re)" in einer gleichgelagerten Situation habe. So lasse ich mich nicht mehr so leicht "übervorteilen", der Frust bleibt aus und es braucht keine "Schicksalsstrafe" mehr, damit ich den "Schmerz der Hilflosigkeit" wenigstens für einen Moment ausblenden kann.

                    Zitat von Tar Retaw Beitrag anzeigen
                    Das wäre ja fast so als würde man durch das für sich einstehen und sich wehren auch Schaden vom "Gegner" abwenden.
                    So könnte man das auf kosmischer Ebene durchaus sehen. Wobei ich nicht so recht an ein "strafendes Schicksal" glaube.

                    Ich würde da für mich auch gar keinen Zusammenhang sehen wollen, da mir erst kürzlich klar geworden ist, dass ich nicht dafür verantwortlich bin, andere "vor sich selbst" bzw. den Auswirkungen ihres Handelns zu bewahren. Nachher führt es womöglich zu eigenem miesem Karma, wenn ich andere nicht vor ihrem miesen Karma beschütze. Ne ne, lass mal. Das führt nur wieder in die Überverantwortlichkeit.

                    Zitat von Tar Retaw Beitrag anzeigen
                    Ich frag mich gerade, was die Leute empfinden, in deren Sprache es das Wort Schadenfreude nicht gibt.
                    Hm.... Gibt es die? Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand nur gute Erfahrungen gemacht hat, so dass er niemals so ein Geühl "nötig hatte". Und wer hat als Kind nicht gelacht, wenn Roadrunners Coyote mal wieder abgestürzt ist oder Jerry Tom - mit schmerzhaften Folgen - ausgetrickst hat?

                    Wobei: ich hatte eine Klassenkameradin, die "anders" und in einigem schon zu Schulzeiten da war, wo ich mich erst viele Jahre später hinentwickelt habe. Ihre Eltern haben wohl irgendwas "richtig gemacht". Irgendwann kam auch raus, dass sie nicht nur ein bisschen schlauer war als der Rest: sie war wohl einfach als Kind schon zu einer Auseinandersetzung mit menschlichem Verhalten fähig, als wir es einfach unüberlegt ausgelebt haben. Da kam der nötoge "Input" vermutlich auch aus dem Elternhaus.

                    Zitat von Tar Retaw Beitrag anzeigen
                    Und wie war eigentlich das biblische "Auge um Auge, Zahn um Zahn" gemeint - als Gerechtigkeit? Rache? Strafe?
                    Es war als Begrenzung gemeint: für ein Auge NUR ein Auge und für einen Zahn NUR einen Zahn! Eben nicht aus Rachsucht wegen eines augeschlagenen Zahnes gleich den ganzen Kerl totschlagen

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                      #11
                      Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                      Oha... Was bricht denn da jetzt raus?
                      Das habe ich mich gerade auch gefragt.

                      Warum nervst du mich so?

                      Ich bin dann mal eben in die Küche, habe meine Ziggis gedreht und nachgedacht...

                      Erinnerst du dich noch an Karin?

                      Sie hat sich sehr darüber aufgeregt, dass kein Beitrag, vor allem von ihr, einfach mal so stehen bleiben kann, sondern dass viele Forumels, mich eingeschlossen, immer wieder psychologisieren und analysieren "müssen" und sie empfand das als nicht normal und bestand immer wieder darauf, dass es in ihren Worten nichts zu analysieren und zu hinter fragen gab, sondern dass sie das, was sie schrieb, auch genauso meinte.

                      Damals konnte ich es nicht sehen...

                      Jetzt schon und ich muss sagen, Karin hatte Recht damit.

                      Du, FirstSunshine, nervst mich mit etwas, was ich selbst tu und das nervt mich, weil ich glaube, dass ich das nicht mehr tun möchte.

                      Ich empfinde es als falsch, alles zu hinterfragen, anstatt sich einfach nur zu unterhalten und die Meinungsäußerungen des Anderen nicht-analysiert stehen zu lassen. Sicher kann man seine Meinung zur Meinung des anderen schreiben, aber das wird hier in den wenigsten Fällen getan.

                      Anders ist es, wenn jemand ein Problem hat und nach Lösungen fragt, dann kann man analysieren und psychologisieren, denn der Andere fragt ja danach, aber wenn jemand einfach nur ein Thema eröffnet oder etwas aus seinem Leben schreibt, dann will ich doch nicht gleich lesen, warum tust du das? Was willst du damit erreichen? Kann es sein, dass das mit deiner Mutter zu tun hat? - Das ist schrecklich!

                      Ich möchte jedenfalls damit aufhören, andere Forumels zu analysieren und zu psychologisieren. Das tut weder mir, noch dem Anderen gut.

                      Vielleicht macht ja irgendjemand mit?

                      In diesem Sinn danke ich dir, FirstSunshine, dass du mich weiter gebracht hast und es tut mir leid, dass ich so "energisch" war.

                      Condor

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                        #12
                        Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                        Und wer hat als Kind nicht gelacht, wenn Roadrunners Coyote mal wieder abgestürzt ist oder Jerry Tom - mit schmerzhaften Folgen - ausgetrickst hat?
                        Ich habe dabei nicht gelacht, die taten mir dann immer Leid.

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                          #13
                          Zitat von Tar Retaw Beitrag anzeigen
                          Ich frag mich gerade, was die Leute empfinden, in deren Sprache es das Wort Schadenfreude nicht gibt.
                          Habe ich Dich bei diesem Satz vielleicht falsch verstanden und Du meintest Menschen, in deren Muttersprache der Begriff als solcher gar nicht vorkommt?

                          Das fände ich nämlich auch sehr interessant. Ich habe mal gelesen, dass das Wort "Streber" nicht in jeder Sprache existiert und das auf das Lernverhalten der Kinder in der Schule Auswirkungen hat, weil sie keine Angst haben, negativ aufzufallen, wenn sie "Wisssen zeigen".

                          Wie würde es sich auswirken, wenn es das Wort "Schadenfreude" nicht gibt?

                          Zitat von Condor2 Beitrag anzeigen
                          ...und es tut mir leid, dass ich so "energisch" war.
                          Passt schon.

                          Ich habe den "Ausbruch" nicht auf mich bezogen und wenn er Dir was gebracht hat: um so besser!

                          Ich fand's sogar ganz praktisch, dass Du Dich gestern so "auf mich eingeschossen" und an mir rumkritisiert hast, weil ich so gespürt habe, dass ich im Umgang mit sowas tatsächlich einen gewaltigen Schritt weiter bin als noch vor einr Woche. Manchmal denke ich ja "yeah, jetzt hab ich's, altes Muster geknackt, alles wird gut" bis es dann in der Praxis doch nicht klappt. Ich hab's dieses Mal tatsächlich. Insofern sind wir quitt.

                          Anziehung halt. Faszinierend.

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                            #14
                            Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                            Habe ich Dich bei diesem Satz vielleicht falsch verstanden und Du meintest Menschen, in deren Muttersprache der Begriff als solcher gar nicht vorkommt?

                            Das fände ich nämlich auch sehr interessant. Ich habe mal gelesen, dass das Wort "Streber" nicht in jeder Sprache existiert und das auf das Lernverhalten der Kinder in der Schule Auswirkungen hat, weil sie keine Angst haben, negativ aufzufallen, wenn sie "Wisssen zeigen".

                            Wie würde es sich auswirken, wenn es das Wort "Schadenfreude" nicht gibt?
                            Jepp!

                            Also, in England und USA wirkt es sich dahingehend aus, dass sie das deutsche Wort Schadenfreude benutzen. (Und Weltschmerz. Und Doppelgänger.)

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                              #15
                              Zitat von Tar Retaw Beitrag anzeigen
                              Jepp!

                              Also, in England und USA wirkt es sich dahingehend aus, dass sie das deutsche Wort Schadenfreude benutzen. (Und Weltschmerz. Und Doppelgänger.)
                              Scheiß-Globalisierung!

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