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    Verlässlichkeit

    Meine Frage an euch:

    Was bedeutet für euch Verlässlichkeit? Hat diese Eigenschaft eher einen höheren Wert oder eher einen untergeordneten?

    Haltet ihr euch selber für verlässlich? Wie reagieren Mitmenschen, wenn ihr einmal nicht verlässlich seid/sein könnt (aus welchen Gründen auch immer. Die ihr der anderen Person dann jedoch erstmal nicht erklärt, sondern sie im Unklaren lasst.)

    Umgekehrt: wie empfindet ihr es, wenn jemand aus eurem Umfeld unverlässig ist? Könnt ihr das akzeptieren? Fällt euch das schwer, sucht ihr nach einer Erklärung, könnt nur schwer damit umgehen?

    Für mich ist es mit einer der höchsten Werte. Mir fällt es schon schwer, wenn ein Mitmensch nur einmal sein Versprechen nicht einhält, unzuverlässig ist und das ohne jegliche Erklärung.

    #2
    Sehr wichtig!
    Das ist die Eigenschaft, die ich z.B. an meinem Mann fast am meisten schätze.
    Ich mag es gar nicht, wenn jemand unzuverlässig ist.
    Ich bin auch meist zuverlässig, und zwar so, dass jeder weiß, bin ich es mal nicht, dann muss was ganz Wichtiges schief gegangen sein.

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      #3
      Zuverlässigkeit ist auch für mich eine absolut wichtige Tugend. Und ich kann von mir behaupten, dass ich es bin.

      Unzuverlässigkeit bei anderen regt mich auf. Ich habe eine solche Freundin, die heute mal dies und morgen mal jenes sagt.
      Erst hab ich mich dauernd geärgert, inzwischen nicht mehr so häufig. Weil ich genau weiß wie ernst ich das nehmen kann was sie mir gerade sagt. Auf deutsch gesagt, nehme ich sie nicht mehr richtig ernst. Außerdem sehen wir uns nicht mehr so häufig.

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        #4
        Verlässlichkeit bedeutet für mich zunächst mal Berechenbarkeit. Wenn jemand regelmäßig seine Zusagen nicht einhält, ist das für mich auch ein "verlässliches Verhalten". Ich nehme die Zusagen dann eben als vages "ich versuch's einzurichten", gehe aber nicht davon aus, dass es klappt. Ich hab ne ganz liebe Freundin, bei der ich genau weiß, dass sie die Zusagen, in dem Moment, in dem sie sie macht, absolut ehrlich meint - sie ist allerdings so chaotisch, dass sie es dann letztendlich doch verpeilt. Das tut unserer Freundschaft aber keinen Abbruch, ich weiß ja, wie sie ist und liebe sie von Herzen.

        Wenn ich mich privat auf eine Zusage verlasse und es geht schief, dann bin ich natürlich erst mal enttäuscht. Aber es wird schon einen guten Grund geben, dass lässt sich ja klären.

        Bei "Fremden", bei denen die Vertrauensbasis noch nicht stabil ist, würde ich vermutlich nach Gründen und Erklärungen suchen und irritiert reagieren, wenn so gar keine "Begründung" kommt. Aber mit Fremden treffe ich in der Regel keine Vereinbarungen, auf deren Einhaltung ich irgendwie "angewiesen" bin. Wenn sie sich als unzuverlässig erweisen, bleiben sie eben Fremde.

        Im beruflichen Umfeld kann ich Unzuverlässigkeit überhaupt nicht brauchen, da stehe ich auf dem Standpunkt, derjenige wird schließlich dafür bezahlt, seine Arbeit zuverlässig zu erledigen, also muss er auch die entsprechende Gegenleistung bringen. Seine Gründe für seine Unzuverlässigkeit muss er mir nicht nennen, das soll er mal schön dem Chef erklären.

        Wenn ich mal eine Zusage zurückziehen musste - was ich nach Möglichkeit vermeide, aber es kann eben mal was Unvorhergesehenes dazwischen kommen - wissen meine Leute (sowohl privat als auch bei der Arbeit oder im Verein), dass es einen guten Grund gibt und dann ist es auch ok für sie, wenn ich den Grund nicht in aller epischen Breite darlege.

        Und mit irgendwelchen "abhängigen Typen", die total durch den Wind waren, wenn ich mal nicht Gewehr bei Fuß stand, als sie meinten, mich zu "brauchen", hab ich nichts mehr zu tun Da durfte ich mir auch schon die übelsten Vorwürfe anhören, weil sie sich doch "auf mich verlassen" hatten und ich sie ganz gemein und rücksichtslos und gefühlskalt "im Stich gelassen" habe. Da waren auch die Gründe egal. "Ich hab aber so furchtbar gelitten" war immer gewichtiger als alles andere. Da bringt auch erklären nichts.

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          #5
          Wenn jemand nicht verlässlich ist, dann kann ich ihm auch nicht vertrauen.

          Ich bin anderen gegenüber sehr verlässlich, würde ich mich selbst mal so einschätzen.

          Allerdings bin ich mir selbst gegenüber gar nicht verlässlich. Wenn ich mir z.B. heute etwas vornehme, es morgen zu tun, kann ich mir das selbst nicht mehr versprechen, denn schon morgen kann es mir sehr schlecht gehen und dann kann ich das mir selbst Versprochene vielleicht nicht mehr tun.

          Ich weiß nicht, ob ich wirklich so bin oder ob ich im Moment nur so bin, weil ich so erschöpft bin.
          Früher habe ich jedenfalls alles eingehalten, was ich mir vorgenommen hatte und heute geht es nicht mehr.

          Das einzige, was mit meiner Partnerin verlässlich ist, ist, dass nichts verlässlich ist und das macht mich ganz schön fertig.

          Condor

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            #6
            Für mich auch sehr wichtig. Wenn ich mich auf jemanden nicht verlassen kann, kann ich demjenigen auch nicht vertrauen. Für mich sind das zwei ganz wichtige Punkte für eine funktionierende Beziehung oder Freundschaft.

            Ich kann von mir behaupten zu 90% ´zuverlässig zu sein. Wenn äußere Umstände meine Zuverlässigkeit verhindern, kann ich es nicht beeinflussen aber sonst sehe ich immer zu das ich das mir entgegen gebrachte Vertrauen auch einhalte.

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              #7
              Für mich ist Verlässlichkeit auch einer der höchsten Werte im zwischenmenschlichen Miteinander. Ich habe es in meiner gesamten Kindheit so erlebt, dass das, was meine Eltern angekündigt, zugesichert oder versprochen haben, auch so stattgefunden hat. Wenn es nicht so war, dann hatte das immer Gründe, die außerhalb ihres Einflussbereichs waren.

              Noch heute ist meine Mutter neben meinem Mann einer der wenigen Menschen, auf die ich mich wirklich verlassen kann. Wenn sie sagt, sie kommt vorbei, sie hilft mir bei etwas, sie ruft an, sie backt einen Kuchen für eine Familienfeier, sie nimmt mir eines der Kinder ab, dann tut sie das. Immer. Ohne, dass ich nachfragen oder sie erinnern muss. Oft fragt sie selbst nach, wenn ich mich erst kurzfristig melde. Bei meinem Mann ist es ebenso. Wenn er sagt, dass er etwas erledigen wird, tut er es. Wenn er zu spät kommt, ruft er an. Wenn er etwas nicht schafft, sagt er es rechtzeitig.

              Ich versuche, auch meinen Kindern zu vermitteln, dass Zuverlässigkeit eine wichtige Tugend ist. Dazu gehört zum Beispiel auch Pünktlichkeit. Das alles hat viel mit Vertrauen zu tun und dem Gefühl, ernst genommen zu werden.

              Was mich heutzutage oft grämt, ist die zunehmende Nachlässigkeit, die viele Menschen in meinem Umfeld in Bezug auf diese Werte walten lassen. Letztens waren wir bei Nachbarn um 20 Uhr zum Essen eingeladen. Dann ist es für mich klar, dass ich da um 20 Uhr vor der Tür stehe. Einige andere tröpfelten aber erst in der darauffolgenden halben Stunde herein und aßen das extra im griechischen Restaurant geholte Essen dann kalt. Das finde ich sehr unhöflich den Gastgebern und den anderen Gästen gegenüber. Da sagt aber niemand etwas.
              Und auch bei vielen anderen Gelegenheiten nimmt man sich heutzutage automatisch das Recht heraus, eine Viertelstunde später zu kommen. Bei Vorträgen, Seminaren, Schulveranstaltungen. Teilweise ist das Wichtigste an einem Elternabend längst gesagt, da kommen noch Eltern herein und tun so, als wäre das völlig in Ordnung.
              Wenn ich zu jemandem sage, ich rufe dich nächste Woche an, dann tue ich das. Die meisten meiner Bekannten und leider auch Freundinnen tun das nicht. Sie sagen es als Floskel.
              Selbst von meinen besten Freundinnen bin ich immer wieder sehr enttäuscht, weil sie ankündigen, dass sie sich melden, es jedoch dann niemals tun.
              Und ich merke manchmal, dass auch ich mich dazu verleiten lasse, dass ich etwas, was ich ankündige (einen Anruf, eine E-mail), dann erst mal nicht mache, meist aus Enttäuschung, dass immer ich diejenige bin, die sich meldet, die nachfragt, die Termine für Verabredungen vorschlägt. Letzten Endes melde ich mich dann aber stets doch, weil mir die Kontakte und Freundschaften zu wichtig sind, um sie aus falschem Stolz einschlafen zu lassen.
              Ich habe festgestellt, dass ich gerade als "Nur-Hausfrau-und-Mutter" sehr aktiv darum bemüht sein muss, meine Freundinnen nicht zu verlieren, vor allem diejenigen, die wieder arbeiten, und auch diejenigen, die den ganzen Nachmittag als Kindertaxi unterwegs sind. Da wird immer versprochen, dass man sich meldet, und dann herrscht monatelang Funkstille.
              Im Grunde sind das wohl keine wirklichen Freundschaften mehr, weil eben dieses Moment der Verlässlichkeit, des Aneinander-Interessiertseins und des Füreinander-Wichtigseins nur einseitig zu sein scheint.
              Aber da ich keine Alternativen habe, bemühe ich mich um diese Kontakte, auch wenn es sich oft nicht gut anfühlt.

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                #8
                Zitat von Laurina Beitrag anzeigen
                Was mich heutzutage oft grämt, ist die zunehmende Nachlässigkeit, die viele Menschen in meinem Umfeld in Bezug auf diese Werte walten lassen. Letztens waren wir bei Nachbarn um 20 Uhr zum Essen eingeladen. Dann ist es für mich klar, dass ich da um 20 Uhr vor der Tür stehe. Einige andere tröpfelten aber erst in der darauffolgenden halben Stunde herein und aßen das extra im griechischen Restaurant geholte Essen dann kalt. Das finde ich sehr unhöflich den Gastgebern und den anderen Gästen gegenüber. Da sagt aber niemand etwas.
                Da ich mich ja gerade in meinem Studium mit interkulturellen Unterschieden beschäftige, bin ich speziell über diesen Punkt hier gestolpert: gerade der Umgang mit Zeit und Pünktlichkeit ist anscheinend sehr kulturspezifisch. Eine Kultur wie die unsere, in der die Einhaltung von Zeitangaben sehr wichtig ist, wird monochrom genannt. In anderen Kulturen (polychrom genannt) spielt die Einhaltung einer festen Uhrzeit oder von Zeitangaben eine deutlich geringere Rolle. Dort gilt es teilweise wiederum als unhöflich, pünktlich zu sein, weil der Gastgeber gar nicht damit rechnet, dass die Gäste pünktlich kommen.

                Seitdem ich mich mit den Kulturen und Gewohnheiten anderer Länder und Gesellschaften beschäftige und auf Reisen damit konfrontiert werde, seitdem empfinde ich beispielsweise absolute Pünktlichkeit nicht mehr als so elementar wichtig. Zumindest ist mir in diesem Fall das Gefühl für Unhöflichkeit verloren gegangen (was nicht heißt, dass ich selbst nicht weiterhin pünktlich geblieben wäre - ich kann halt auch nicht aus meiner deutschen Haut). Kommen die Leute zu spät, dann stört es mich nicht mehr so sehr und nehme es gelassen hin.

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                  #9
                  Das mit den interkulturellen Unterschieden ist absolut richtig. Wobei die in anderen Kulturen nicht so genau genommene Pünktlichkeit ja auf gewisse Weise auch wieder eine Art Berechenbarkeit der Situation bedingt.

                  Da würde vermutlich auch nicht eine warme Mahlzeit bereitgestellt werden, die auskühlt, wenn man sie nicht Punkt 20 Uhr verzehrt ...

                  Pünktlichkeit ist wohl auch nur ein Aspekt der Verlässlichkeit.

                  Wenn ich so recht darüber nachdenke, schätze ich die lockere Mentalität mancher südländischen Menschen durchaus. Und es würde allzu verbissenen Vertretern deutscher Gründlichkeit und Vorschriftentreue vielleicht auch nicht schaden, sich davon eine Scheibe abzuschneiden.

                  Allerdings rührt das, denke ich, nicht an die Art von Verlässlichkeit, über die wir hier bislang geschrieben haben, oder?

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                    #10
                    Zitat von Laurina Beitrag anzeigen
                    Allerdings rührt das, denke ich, nicht an die Art von Verlässlichkeit, über die wir hier bislang geschrieben haben, oder?
                    Das stimmt, aber soweit ich mitbekommen habe, erstreckt sich beispielsweise in der brasilianischen Gesellschaft ein relativ niedriger Verlässlichkeitsfaktor über verschiedene Bereiche. Letztlich kann man sich in Brasilien weniger auf Vorgaben oder Regeln und deren Einhaltung verlassen als bei uns. Allein im Straßenverkehr muss man eher als bei uns damit rechnen, dass sich die Verkehrsteilnehmer nicht verlässlich an den Regeln orientieren und zum Teil gewagte und unerwartete Fahrmanöver absolvieren. Oder wenn ein Handwerker kommt, dann kommt er nur vielleicht, wahrscheinlich nicht pünktlich, und wenn er da ist, dann bastelt er nur halbherzig herum.

                    Auch auf technische Sicherheit kann man sich weniger verlassen als bei uns. Ich denke da nur an die berüchtigten elektrischen Durchlauferhitzer in der Dusche, deren Verlässlichkeit man lieber nicht allzu sehr testen sollte, um keinen Stromschlag zu bekommen.

                    Auch im privaten Umgang miteinander scheinen die Leute weniger verlässlich zu sein, aber weil sich alle daran gewöhnt haben, klappt es dann doch wieder.

                    (ich hoffe, ich bin nicht zu sehr abgeschweift, aber der Aspekt der Verlässlichkeit hat meiner Ansicht nach viele Facetten).

                    Was wollte ich damit sagen: dass ich persönlich inzwischen relativ entspannt mit einer gewissen Unzuverlässigkeit umgehen kann, ohne meine eigene relativ hohe Zuverlässigkeit abzulegen.

                    Beispiel: ich verabrede mich mit jemanden um 15 Uhr vorm Rathaus, doch der andere taucht nicht auf. Dann hängt meine Gelassenheit hauptsächlich vom Wetter ab, aber ich ärgere mich nicht. Wenn es zu lange dauert, und mir kalt wird, dann versuche ich, den anderen zu erreichen. Wenn das nicht klappt, dann gehe ich nach einiger Zeit eben wieder weg.
                    Zuletzt geändert von solipsist; 01.04.2016, 15:01.

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                      #11
                      Zitat von FirstSunshine Beitrag anzeigen
                      Verlässlichkeit bedeutet für mich zunächst mal Berechenbarkeit. Wenn jemand regelmäßig seine Zusagen nicht einhält, ist das für mich auch ein "verlässliches Verhalten". Ich nehme die Zusagen dann eben als vages "ich versuch's einzurichten", gehe aber nicht davon aus, dass es klappt. Ich hab ne ganz liebe Freundin, bei der ich genau weiß, dass sie die Zusagen, in dem Moment, in dem sie sie macht, absolut ehrlich meint - sie ist allerdings so chaotisch, dass sie es dann letztendlich doch verpeilt. Das tut unserer Freundschaft aber keinen Abbruch, ich weiß ja, wie sie ist und liebe sie von Herzen.
                      Gut, dass es Menschen wie dich gibt, sonst hätten Menschen wie ich überhaupt keine Freunde ...

                      Ich muss in so vielen Bereichen meines Lebens zuverlässig sein (was mir in der Regel auch gelingt), dass ich es genieße, meinen schlonzigen Anteil im Privatleben nicht immer an der kurzen Leine halten zu müssen ...

                      Schlonzheimer wie ich haben übrigens auch ihre Vorteile. Man kann sich zwar nicht darauf verlassen, dass sie pünktlich am verabredeten Rathaus warten, aber man muss sich halt auch nicht darauf verlassen, dass sie vernünftig genug sind, um eine Freundin, die um Mitternacht noch einen akuten Anfall von Weltschmerz hat, freundlich darauf hinweisen, dass der ungestörte Schlaf für hart arbeitete Menschen jenseits der Fünfzig unverzichtbar ist und der Weltschmerz demzufolge bitte auf eine telefontolerante Zeit verschoben werden muss.

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                        #12
                        Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
                        Schlonzheimer wie ich haben übrigens auch ihre Vorteile.
                        Absolut!

                        Zitat von Tintenweberin Beitrag anzeigen
                        Man kann sich zwar nicht darauf verlassen, dass sie pünktlich am verabredeten Rathaus warten, aber man muss sich halt auch nicht darauf verlassen, dass sie vernünftig genug sind, um eine Freundin, die um Mitternacht noch einen akuten Anfall von Weltschmerz hat, freundlich darauf hinweisen, dass der ungestörte Schlaf für hart arbeitete Menschen jenseits der Fünfzig unverzichtbar ist und der Weltschmerz demzufolge bitte auf eine telefontolerante Zeit verschoben werden muss.
                        Also wenn ich nicht ganz genau wüsste, dass Du nicht besagte chaotische Ferundin sein kannst, käme mir jetzt doch der Verdacht. Die zeitliche und örtliche Orientierungslosigkeit sowie die Bereitschaft auch zu Unzeiten gesprächsbereit zu sein, sind deutliche Indizien.

                        Ich denke, es hängt auch einfach von der Person - also von der Gesamtpersönlichkeit und der "Bindung" - ab, ob ich das Fehlen oder die geringe Ausprägung von Eigenschaften, die ich an sich sehr schätze, als problematisch empfinde oder nicht.

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                          #13
                          Mir wurde von meinen Eltern die "akademische" Viertelstunde beigebracht. Es ist also ok, wenn jemand 15 Min zu früh oder 15 Min zu spät kommt. Das finde ich ok und handhabe es mit anderen auch so.

                          Ich selbst bin allerdings am liebsten viel zu früh, da es für mich als Autist, denn das hat etwas mit dem Autismus zu tun, angenehmer ist, als Erster da zu sein und alle anderen kommen dazu, als wenn schon alle da sind und ich komme dazu. Letzteres könnte dazu führen, gar nicht mehr dazu zu kommen, sondern wieder zu gehen. Enttäuscht und traurig, aber manchmal, je nach Größe der Veranstaltung, ist es mir nicht möglich einen vollen Raum zu betreten.

                          Condor

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                            #14
                            @Condor
                            Da geht es mir ähnlich wie dir. Ich bin aus genau denselben Gründen immer zu früh da. Als Mensch, der im Grunde unsicher und schüchtern ist, gelingt es mir da eher, meine Unsicherheit zu überspielen, als wenn ich in eine Runde hineinplatze und alle gucken mich an.
                            Das akademische Viertel finde ich in bestimmten Situationen auch ok. Aber eben nur ein Viertel und keine halbe Stunde.

                            @solipsist
                            Zu der in alle Gesellschaftsbereiche hineinwirkenden "Unverlässlichkeit" mancher Kulturen bzw. Mentalitäten würde ich nach deinen Beispielen die These wagen, dass das wohl einer der Gründe sein dürfte, warum Länder wie diese ökonomisch nicht an derselben Stelle stehen wie beispielsweise Deutschland mit seiner Disziplin und eben Verlässlichkeit im weiteren Sinne. Mit der Grundhaltung "wenn nicht heute, dann vielleicht morgen" funktionieren bestimmte Dinge dann eben auch nicht so gut. Die Frage ist dann, wie viel hart Erarbeitetes ist man bereit aufzugeben, um dadurch lieber etwas lockerer zu werden ...?


                            Ach ja, eine meiner besten und ältesten Freundinnen ist zugleich auch eine der unzuverlässigsten, die ich habe. Sie weiß das, und sie entschuldigt sich auch immer brav dafür. Ich mag sie sehr gerne und akzeptiere sie so, wie sie ist, weil ich weiß, dass sie nicht anders kann.
                            Was mich eben nur manchmal wurmt ist, dass phasenweise fast alle meiner Freundinnen mehr oder weniger in die "Wenn du dich nicht meldest, sehen wir uns gar nicht mehr"-Kategorie fallen. Da fragt man sich schon manchmal, ob man denn so nervig oder so langweilig ist, dass keiner aktiv auf die Idee kommt, einen mal wiedersehen zu wollen

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                              #15
                              Hallo Laurina,

                              Zitat von Laurina Beitrag anzeigen
                              @Condor
                              Da geht es mir ähnlich wie dir. Ich bin aus genau denselben Gründen immer zu früh da. Als Mensch, der im Grunde unsicher und schüchtern ist, gelingt es mir da eher, meine Unsicherheit zu überspielen, als wenn ich in eine Runde hineinplatze und alle gucken mich an.
                              Interessanterweise ist diese Verhaltensweise ganz typisch autistisch.

                              Auf einer Autistentagung, auf der leider mehr NTs (NT = neurotypischer, nicht autistischer Mensch), die mit Autisten beruflich oder privat zu tun hatten, als Autisten waren, hat ein Asperger Autist mit ADS, der als Lehrer in einer Berufsbildenden Schule arbeitet, wo sie sich auf Autisten spezialisiert haben, sehr authentisch dargestellt, wie es sich für einen Autisten anfühlt und was dieser dann macht, wenn er z.B. in einen schon mit Menschen gefüllten Tagungsraum muss:
                              Zunächst steht der Autist in oder kurz vor der Eingangstür und stellt fest, ups, alle sind schon da, fast alle Plätze besetzt, vor allem, die so begehrten Plätze ganz hinten oder auch ganz vorne, gern am Fenster oder am Gang, um möglichst der erste zu sein, der dann wieder geht.
                              Dann bedient er sich seiner Stereotypen, z.B. indem er sich mit der flachen Hand leicht auf das Ohr schlägt oder mit dem Oberkörper vor und zurück wankt oder sich auf die Zehenspitzen stellt, während es in seinem Kopf immer mehr durcheinander geht. Vielleicht redet er an dieser Stelle leise mit sich selbst oder auch lauter, wenn er mehr Selbstbewusstsein hat oder stärker geistig behindert ist.
                              Mit jeder Sekunde nimmt das Chaos in ihm zu, wird die Situation immer bedrohlicher, verworrener und eine Lösung rückt in so weite Ferne, dass sie nicht mehr erreichbar scheint.
                              Plötzlich und ohne Vorwarnung schreit der Autist plötzlich laut los und alle drehen sich zu ihm um, was er vielleicht nicht mehr so mitbekommt, da ihn das Chaos in ihm übermannt hat. (Und das stellt euch mal in einem vollen Tagungsraum vor, wo der Dozent plötzlich laut anfängt herum zu schreien ) Die anwesenden Autisten haben in dem Moment gegrinst, so weit ich es gesehen habe, denn ich saß ganz hinten in der Mitte, wo ich gar keine Stuhlreihe mehr vor mir hatte und einige andere Autisten saßen ganz vorne und amüsierten sich lautstark.

                              Und er Beispielautist, der in der Tür stand, wäre nun vermutlich weggelaufen oder hätte noch einen Stuhl umgeworfen und wäre dann weggelaufen.

                              Es ist ein Drama, was sich da in einem abspielt und noch schlimmer empfinden andere Aspies und ich das, weil unsereiner erkennt, was da abläuft, aber keine Chance hat, es zu beenden.

                              In so einer Situation ist es übrigens überwiegend nicht ratsam, einen anzufassen, um unsereinen zu beruhigen, denn das könnte dann in Fremdaggressionen enden.

                              Am besten ist es, einen Autist in einer solchen Situation allein zu lassen und sich in sicherer Entfernung unbeteiligt hinzusetzen. Dann hat unsereiner die Chance, damit allein fertig zu werden, denn helfen kann da niemand... außer jemand beherrscht die Festhaltetechnik und traut sich auch, diese anzuwenden. Das fest Festhalten kann für manche Autisten sehr beruhigend sein, so wie für mich z.B. aber nur in einer solch ausweglosen Situation.


                              Zitat von Laurina Beitrag anzeigen
                              Was mich eben nur manchmal wurmt ist, dass phasenweise fast alle meiner Freundinnen mehr oder weniger in die "Wenn du dich nicht meldest, sehen wir uns gar nicht mehr"-Kategorie fallen. Da fragt man sich schon manchmal, ob man denn so nervig oder so langweilig ist, dass keiner aktiv auf die Idee kommt, einen mal wiedersehen zu wollen
                              Vielleicht nicht nervig, vielleicht nur anders. Wenn dir nicht so viel an diesen Freundinnen liegt, dann würde ich den Kontakt einschlafen lassen, auch wenn das natürlich sehr weh tut.

                              Condor

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