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    Das Versteck der Weisheit
    Vor langer Zeit überlegten die Götter, dass es sehr schlecht wäre, wenn die Menschen die Weisheit des Universums finden würden, bevor sie tatsächlich reif genug dafür wären. Also entschieden sie sich, die Weisheit des Universums so lange an einem Ort zu verstecken, wo die Menschen sie erst finden, wenn sie reif genug dafür sein würden.
    So begannen sie zu beratschlagen:
    Einer der Götter schlug vor, die Weisheit auf dem Gipfel des höchsten Berges der Erde zu verstecken. Aber schnell erkannten die Götter, dass der Mensch bald alle Berge erklimmen würde und die Weisheit dort nicht sicher genug versteckt wäre.
    Ein anderer schlug vor, die Weisheit an der tiefsten Stelle im Meer zu verstecken. Aber auch dort sahen die Götter die Gefahr, dass die Menschen die Weisheit zu früh finden würden.
    Dann äußerte der weiseste aller Götter seinen Vorschlag:
    "Ich weiß, was zu tun ist. Lasst uns die Weisheit des Universums im Menschen selbst verstecken. Er wird dort erst dann danach suchen, wenn er reif genug ist, denn er muss dazu den langen Weg in sein Inneres gehen."

    Die anderen Götter waren von diesem Vorschlag begeistert und so versteckten sie die Weisheit des Universums im Menschen selbst.

    Flora
    die Wanderin

    #2
    Danke für diese Geschichte, liebe Flora.
    Alles in mir nickt beim Lesen.... Ja, so ist das bestimmt passiert.
    Geniales Versteck!

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      #3
      Zitat von Flora Beitrag anzeigen

      Die anderen Götter waren von diesem Vorschlag begeistert und so versteckten sie die Weisheit des Universums im Menschen selbst.
      Und nicht nur dort, sondern auch in jedem anderen lebenden Wesen, ja sogar in der unbelebten Natur, den vier Elementen, Raum und Zeit! Ebenso in den Sagen, Märchen, Geschichten und Träumen, der Meditation und selbst in der Fantasie!

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        #4
        Hier ist auch noch was Schönes:

        Die Liebe und der Wahnsinn

        (ich weiß ja nicht, ob man die Geschichte direkt einstellen darf. Dann bitte machen :))

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          #5
          Ist sicher über 20 Jahre her, als ich an meine Pinnwand in vollkommener Klarheit schrieb: "Meine Suche ist zu Ende - alles was ich brauche, finde ich in mir selbst". Ich habe es wieder verloren, und doch kann ich mich an den Geschmack erinnern...und bin wieder auf der Suche. Es ist wohl zu einfach.

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            #6
            Schöne Geschichten. Berührend und weise ....

            @Gunvald
            das hast Du so schön beschrieben. Aus meiner Sicht ist das Leben Bewegung, Veränderung, manchmal laut, manchmal leise und ja, alles was man braucht, findet man in sich selbst. Der Haken, manches ist verflixt gut versteckt und für manches ist nicht die rechte Zeit. Vielleicht fühlt es sich deshalb so an, als höre man nie auf zu suchen. Ist nicht einfach

            Liebe Grüße
            Timetolive

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              #7
              Die Welt in Ordnung bringen


              Eines Tages ging ein kleiner Junge zu seinem Vater und wollte gerne mit ihm spielen. Der hatte aber keine Zeit für den Jungen und auch keine Lust zu einem Spiel - er hatte etwas „besseres“ zu tun. Damit er seine Ruhe bekommt, überlegte er, womit er seinen Sohn möglichst lange beschäftigen könnte.

              In einer Zeitschrift fand er eine komplizierte und detailreiche Abbildung der Weltkugel. Dieses Bild riss er aus und zerschnipselte es dann in viele kleine Teile. Das gab er dem Jungen und dachte, dass der nun mit diesem schwierigen Puzzle wohl eine ganze Zeit beschäftigt sei.
              
Der Junge zog sich in sein Zimmer zurück und begann mit dem Puzzle. Nach nur wenigen Minuten nur kam er zum Vater zurück und zeigte ihm das fertig zusammengesetzte Bild.

              Der Vater konnte es kaum glauben und fragte erstaunt:
              „Wie hast du das geschafft?

              Das Kind antwortete:
              "Ach, auf der Rückseite war ein Mensch abgebildet. Den habe ich richtig zusammengesetzt. 

              Und als der Mensch in Ordnung war, war es auch die Welt."

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                #8

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                  #9
                  Die Schuldfrage

                  Der Meister ging eine Straße entlang. Plötzlich stürzte ein Mann aus einem Hauseingang, so dass die beiden heftig gegeneinander prallten. Der Mann war furchtbar wütend, schrie und schimpfte und beleidigte den Meister.
                  Daraufhin verbeugte sich der Meister mit einem milden Lächeln und sprach: "Ich weiß nicht, wer von uns an dem Zusammenstoß die Schuld trägt. Ich bin aber auch nicht gewillt, meine kostbare Zeit mit der Beantwortung dieser Frage zu vergeuden. Deshalb: Wenn ich die Schuld trage, entschuldige ich mich hiermit und bitte Sie für meine Unachtsamkeit um Verzeihung. Falls Sie der Schuldige waren, können Sie die Sache einfach vergessen."
                  Er verbeugte sich noch einmal und ging mit einem Lächeln im Gesicht seines Weges.

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                    #10
                    Das Bild von Shephard hat mich an diese Geschichte erinnert...


                    Es war einmal...

                    So beginnt normalerweise jedes Märchen. So auch unser etwas anderes Weihnachtsmärchen. Ein Märchen von denen die da auszogen, weil sie das Fürchten gelernt bekamen...

                    Also es war einmal, so etwa 3 Tage vor dem Weihnachtsfest, spät abends in einer deutschen Kleinstadt.
                    Über den Marktplatz dieser kleinen, typisch deutschen Stadt kamen ein paar junge Männer gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen, sahen sich kurz nach allen Seiten um und sprühten auf die Mauer "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen". Sie warfen Pflastersteine und sie flogen in das Fenster des türkischen Ladens gegenüber. Dann zog die Horde wieder ab... Gespenstische Ruhe herrscht über dem Platz... Die Gardinen an den ehrenwerten Bürgerhäusern waren schnell wieder zugezogen... Und natürlich hatte niemand etwas gesehen...

                    "Los komm, es reicht jetzt, wir gehen."
                    "Wo denkst Du hin! Was sollen wir denn da unten im Süden?"
                    "Da unten - ich fass es nicht - Du sagst da unten? Das ist immerhin unsere Heimat. Hier wird es doch immer schlimmer! Wir tun einfach was da an der Wand steht: Ausländer raus!"

                    Und tatsächlich, mitten in der Nacht kam Bewegung in die kleine deutsche Stadt. Die Türen der Geschäfte sprangen fast gleichzeitig auf.
                    Zuerst traten die Kakaopäckchen, die Schokoladen und die Pralinen in ihren Weihnachtsverkleidungen die Reise an. Sie wollten zurück nach Ghana und Westafrika, denn da waren sie zuhause. Dann kam auch schon der Kaffee, stapelweise, ja gar palettenweise. Der Deutschen liebstes Getränk - Uganda, Kenia und Lateinamerika waren seine Heimat. Ananas und Bananen räumten eiligst Ihre Kisten, auch die Trauben und Erdbeeren aus Südafrika. Fast alle Weihnachtsleckereien sprangen auf und folgten. Pfeffernüsse, Spekulatius und Zimtsterne, die Gewürze in ihrem Inneren zog es nach Indien. Der Dresdner Christstollen zögerte noch kurz. Man sah große Tränen in seinen Rosinenaugen, als er kleinlaut zugab: "Mischlinge wie mir geht’s hier in Deutschland besonders an den Kragen." Mit ihm kamen das saftige Marzipan aus Lübeck und der leckere Lebkuchen aus Nürnberg. Tja, in diesen Moment zählte keine Qualität, sondern einzig und allein die Herkunft.

                    Es war schon in der Morgendämmerung, als die bunten Schnittblumen nach Kolumbien aufbrachen und die Pelzmäntel mit Gold und Edelsteinen in teuren Chartermaschinen in alle Welt starteten. Der Verkehr in Deutschland brach an diesem Tag völlig zusammen. Lange, lange Schlangen japanischer und koreanischer Autos, vollgestopft bis unters Dach mit feinster Optik und Unterhaltungselektronik schoben sich langsam Richtung Osten. Am Himmel sah man zigtausend Weihnachtsgänse und Enten nach Polen fliegen. Dicht gefolgt von den feinen Seidenhemden des fernen Asiens und den handgeknüpften Teppichen des Orients. Mit lautem Krachen lösten sich die edlen tropischen Hölzer aus den Fensterrahmen und schwirrten ins heimatliche Amazonasbecken zurück. Man musste sich allerorts gut vorsehen, um nicht auszurutschen. Denn von überall her quoll Öl und Benzin hervor und floss aus kleinen Rinnsalen zu ganzen Bächen zusammen in Richtung Naher Osten.

                    Aber man hatte ja zum Glück Vorsorge getroffen. Ganz stolz holten die großen deutschen Autobauer umgehend Ihre Krisenpläne aus den Schubladen. Der Holzvergaser war ganz neu aufgelegt worden - also wozu noch ausländisches Öl?! Aber da begannen sich die VWs und die BMWs schon in Ihre Einzelteile aufzulösen. Das Aluminium wanderte flux nach Jamaika, das Kupfer nach Somalia, ein Drittel der Eisenteile nach Brasilien und der Naturkautschuk nach Zaire zurück. Und selbst die Straßendecke hatte mit dem ausländischen Asphalt im Verbund stets ein besseres Bild abgegeben als jetzt.

                    Nach 3 Tagen war der Spuk Gott-sei-Dank vorbei und der Auszug gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsfest geschafft. Nichts, aber auch wirklich gar nichts Ausländisches war mehr in good old Germany. Aber Tannenbäume, ja Tannenbäume gab es noch. Auch Äpfel und Nüsse.
                    Und der Weihnachtsklassiker "Stille Nacht" durfte gesungen werden - zwar nur mit einer eilig eingeholten Sondergenehmigung - denn das Lied kommt immerhin aus dem Nachbarland Österreich.

                    Nur eines wollte nicht ins Gesamtbild passen.
                    Maria, Josef und das Kind waren geblieben. Drei Juden. Ausgerechnet!
                    "Wir bleiben", sagte Maria fest entschlossen, "wenn wir auch noch aus diesem Land gehen - wer will ihnen dann noch den Weg zurück zeigen? Den Weg zurück zur Vernunft und zur Menschlichkeit?"

                    (Quelle: unbekannt - leicht geändert)
                    Zuletzt geändert von sskkyy; 20.12.2015, 17:41.

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                      #11
                      Noch etwas Süßes zum Entspannen

                      Die verschwundene Gießkanne

                      Klaus lebt in einer Wohngemeinschaft und hat seine Mutter zum Essen eingeladen. Während des Essens stellte sie fest, wie schön die Mitbewohnerin ihres Sohnes eigentlich ist. Schon seit einiger Zeit spielt die Mutter von Klaus mit dem Gedanken, dass die beiden eine Beziehung haben könnten.

                      Während des Abends, als sie die beiden beobachtete, begann sie sich zu fragen, ob da noch mehr vorhanden sei, als das normale Auge zu sehen bekam.
                      Mutters Gedanken lesend, sagte der einfühlsame Sohn: "Ich weiß, was du denkst, aber ich versichere dir, dass wir nur miteinander wohnen."

                      Etwa eine Woche später sagte Monika zu Klaus: "Seit deine Mutter bei uns zum Essen war, kann ich unsere Gießkanne nicht mehr finden." Klaus antwortete ihr: "Nun, ich glaube kaum, dass meine Mutter sie mitgenommen hat, aber ich werde ihr schreiben."

                      So setzte Klaus sich hin und schrieb: "Liebe Mutter, ich sage nicht, du hast unsere Gießkanne mitgenommen. Und ich sage auch nicht, du hast sie nicht mitgenommen. Aber der Punkt ist. dass seit deinem Besuch eben diese Gießkanne fehlt. In Liebe, Klaus"

                      Einige Tage später erhielt Klaus einen Brief von seiner Mutter, in welchem stand: "Lieber Sohn, ich sage nicht, dass du mit Monika schläfst. Und ich sage auch nicht, dass du mit Monika nicht schläfst. Aber der Punkt ist, wenn sie in ihrem eigenen Bett geschlafen hätte, hätte sie die Gießkanne schon längst gefunden. In Liebe, deine Mutter"

                      (Autor: mir unbekannt)

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                        #12
                        Wirksam !

                        Ein Mann streute jeden Abend um sein Haus herum Samen aus.
                        Eines der Kinder, das ihn dabei beobachtete, fragte ihn eines Tages: "Warum streust du Samen um das Haus?"
                        "Um die Tiger fernzuhalten", antwortete der Mann.
                        Das Kind wagte zu antworten: "Aber es gibt doch gar keine Tiger in der Gegend!"
                        Und der Mann sagte: "Also ist meine Methode wirksam!"

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                          #13
                          Über das Urteilen

                          Die nachfolgende Geschichte trug sich zur Zeit Laotses in China zu und Laotse liebte sie sehr.

                          Ein alter Mann lebte in einem Dorf, sehr arm, aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes Pferd. Könige boten phantastische Summen für das Pferd, aber der Mann sagte dann: „Dieses Pferd ist für mich kein Pferd, sondern wie ein Mensch. Und wie könnte man einen Menschen, einen Freund verkaufen?“ Der Mann war arm, aber sein Pferd verkaufte er nie.

                          Eines Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich und die Leute sagten: „Du dummer alter Mann! Wir haben immer gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, es zu verkaufen. Welch ein Unglück!“

                          Der alte Mann sagte: „Geht nicht so weit, das zu sagen. Sagt einfach: das Pferd ist nicht im Stall. Soviel ist Tatsache; alles andere ist Urteil. Ob es ein Unglück ist oder ein Segen, weiß ich nicht, weil dies ja nur ein Bruchstück ist. Wer weiß, was darauf folgen wird?“

                          Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten schon immer gewusst, dass er ein bisschen verrückt war. Aber nach fünfzehn Tagen kehrte eines Abends das Pferd plötzlich wieder zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch noch ein Dutzend wilder Pferde mit.

                          Wieder versammelten sich die Leute und sie sagten: „Alter Mann, Du hattest Recht. Es war kein Unglück, es hat sich tatsächlich als ein Segen erwiesen.“

                          Der Alte entgegnete: “Wieder geht Ihr zu weit. Sagt einfach: das Pferd ist zurück. Wer weiß, ob das ein Segen ist oder nicht? Es ist nur ein Bruchstück. Ihr lest nur ein einziges Wort in einem Satz – wie könnt Ihr das ganze Buch beurteilen?“

                          Dieses Mal wussten die Leute nicht viel einzuwenden, aber innerlich wussten sie, dass der Alte Unrecht hatte. Zwölf herrliche Pferde waren gekommen...

                          Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn, der begann die Wildpferde zu trainieren. Schon eine Woche später fiel er vom Pferd und brach sich die Beine. Wieder versammelten sich die Leute und wieder urteilten sie. Sie sagten: „Wieder hattest Du Recht! Es war ein Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen und er war die einzige Stütze deines Alters. Jetzt bist Du ärmer als je zuvor.“

                          Der Alte antwortete: „Ihr seid besessen vom Urteilen. Geht nicht so weit. Sagt nur, dass mein Sohn die Beine gebrochen hat. Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Das Leben kommt in Fragmenten und mehr bekommt Ihr nie zu sehen.“

                          Es begab sich, dass das Land nach ein paar Wochen einen Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war. Der ganze Ort war von Klagen und Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war, und man wusste, dass die meisten der jungen Männer nicht nach Hause zurückkehren würden.

                          Sie kamen zu dem alten Mann und sagten: „Du hattest Recht, alter Mann – es hat sich als Segen erwiesen. Dein Sohn war zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir. Unsere Söhne sind nun für immer fort.“

                          Der alte Mann antwortete wieder und sagte: „Ihr hört nicht auf zu urteilen. Niemand weiß es! Sagt nur dies: dass man Eure Söhne in die Armee eingezogen hat und dass mein Sohn nicht eingezogen wurde. Doch nur Gott, nur das Ganze weiß, ob dies ein Segen oder ein Unglück ist.“

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                            #14
                            Der Tempel der tausend Spiegel

                            Es gab in Indien den Tempel der tausend Spiegel. Er lag hoch oben auf einem Berg und sein Anblick war gewaltig. Eines Tages kam ein Hund und erklomm den Berg. Er stieg die Stufen des Tempels hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel.
                            Als er in den Saal der tausend Spiegel kam, sah er tausend Hunde. Er bekam Angst, sträubte das Nackenfell, klemmte den Schwanz zwischen die Beine, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne. Und tausend Hunde sträubten das Nackenfell, klemmten die Schwänze zwischen die Beine, knurrten furchtbar und fletschten die Zähne.
                            Voller Panik rannte der Hund aus dem Tempel und glaubte von nun an, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden bestehe.
                            Einige Zeit später kam ein anderer Hund, der den Berg erklomm. Auch er stieg die Stufen hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel. Als er in den Saal mit den tausend Spiegeln kam, sah auch er tausend andere Hunde. Er aber freute sich. Er wedelte mit dem Schwanz, sprang fröhlich hin und her und forderte die Hunde zum Spielen auf.
                            Dieser Hund verließ den Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden bestehe, die ihm wohlgesonnen sind.

                            (Eine Geschichte aus Indien)

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                              #15
                              Ein Indianer, der in einem Reservat weit von der nächsten Stadt entfernt wohnte, besuchte das erste Mal seinen weißen Bruder in der Großstadt. Er war sehr verwirrt vom vielen Lärm, von der Hektik und vom Gestank in den Straßenschluchten.

                              Als sie nun durch eine Einkaufsstraße mit den großen Schaufenstern spazierten, blieb der Indianer plötzlich stehen und horchte auf.
                              "Was hast du", fragte ihn sein Freund. "Ich höre irgendwo eine Grille zirpen", antwortete der Indianer. "Das ist unmöglich", lachte der Weiße. "Erstens gibt es hier in der Stadt keine Grillen und zweitens würde ihr Geräusch in diesem Lärm untergehen."

                              Der Indianer ließ sich jedoch nicht beirren und folgte dem Zirpen. Sie kamen zu einem älteren Haus dessen Wand ganz mit Efeu überwachsen war. Der Indianer teilte die Blätter und tatsächlich: Da saß eine große Grille.

                              "Ihr Indianer habt eben einfach ein viel besseres Gehör", sagte der Weiße im weitergehen. "Unsinn", erwiderte sein Freund. "Ich werde es Dir beweisen". Er nahm eine kleine Münze aus seiner Tasche und warf sie auf den Boden. Ein leises "Pling" ließ sich vernehmen. Selbst einige Passanten, die mehrere Meter entfernt standen, drehten sich augenblicklich um und schauten in die Richtung, aus der sie das Geräusch gehört hatten.

                              "Siehst Du mein Freund, es liegt nicht am Gehör. Was wir wahrnehmen können oder nicht, liegt ausschließlich an der Richtung unserer Aufmerksamkeit. Was Du hörst, sagt mehr darüber aus wie Du denkst, als über das, was Dich umgibt."

                              (Verfasser unbekannt, oft als "indianische Weisheit" angegeben)

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