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Juni: Harmoniebedürftigkeit oder konfliktscheu ?

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    Juni: Harmoniebedürftigkeit oder konfliktscheu ?

    Hallo liebe Forengemeinde,

    ehrlich weiß ich noch gar nicht so, was ich zu dem Thema schreiben will, dachte mir nur, dass es ja noch gar kein Juni-Thema gibt und jetzt schon der 12. ist. Deshalb war ich mal so frei (ich hoffe, dass es ok ist?) und werfe die 2 Begriffe in den Raum, weil ich denke, dass er alle Menschen in irgendeiner Weise tangiert ....

    LG Kaktusine

    #2
    Liebe Kaktusine,

    mit dem Thema "Harmonie" triffst Du bei mir gerade voll ins Schwarze.

    Ich habe gerade Urlaub mit "fremden" Kindern hinter mir und war stellenweise total entsetzt, wie sinnlos man sich gegenseitig bis auf's Blut reizen und ärgern kann. Ich habe mir sagen lassen, das sei normal. Was bin ich froh, dass mein Kind anormal ist!

    Ich gehe zwar einem Konflikt nicht aus dem Weg, wenn ich eine Chance auf eine Lösung sehe, aber das Ziel ist für mich schon, dass es hinterher "harmonischer" zugeht. Lösungsorientierte Konflikte finde ich ok, wenn jemand nur Ärger um des Ärgers Willen sucht, ist mir das zu anstrengend und ich gehe demjenigen - wenn irgend möglich - aus dem Weg.

    Ich kabble mich auch mal freundschaftlcih mit jemanden, wenn klar ist, dass es für beide Seiten ein Spiel ist, das "zum Spaß" gespielt wird und nur ein gutmütiges Kräftemessen ist, aber wenn einer die Sache "ernst" nimmt, macht es einfach keinen Spaß.

    Ich bin schon deutlich eher harmonie- als konfliktbegeistert.

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      #3
      Mir geht es ähnlich wie First Sunshine, "zanken" mag ich gar nicht, Streitgespräche ja und es können auch sehr unterschiedliche Meinungen stehen bleiben.

      Also auch eher harmoniebedürftig

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        #4
        Ich weiß nicht so recht, wie ich anfangen soll.

        Vielleicht damit, dass ich früher als Kind von meinem Vater beherrscht wurde und Angst vor ihm hatte. Und meine Mutter mit Liebesentzug strafte. Somit hab ich als Kind schon recht früh gelernt, wann z.B. die Stimmung bei meinem Vater kippt. Ich musste ständig auf der Hut sein. Ich merke schnell, wenn jemand ärgerlich ist. Und da wir als Kinder ständig schuld waren, haben wir auch oft Schuldgefühle in verschiedensten Situationen.

        Der erste Kliniktherapeut fragte mich immer, wollen Sie wirklich alles dem Altar der Konfliktscheu opfern ?

        Im RL ist das immer noch so. Wenn ich in einer Gruppe etwas sagen will, fängt mein Herz an zu rasen, oder wenn Streitigkeiten auftreten.

        Manchmal, wenn ich hier was schreibe auch, weil ich weiß, dass dieses und jenes provokant ist. Manchmal fühle ich mich aber einfach auch verletzt und reagiere dann sehr schnell, anstatt zu sagen "schlaf mal drüber".

        Ich versuche Konflikte nicht zu vermeiden, denn das wäre das, was ich jahrelang praktiziert habe. Bisher gelingt mir das allerdings nur online ... als ich es auf Station probiert hab, bin ich bei dem kleinsten bisschen Gegenwehr in Tränen ausgebrochen und wollte meine Sachen packen. Vermeidung auf der ganzen Linie ...
        Es wäre ein gutes Übungsfeld gewesen auf Station, aber ich bin gescheitert ...

        Und nun ? Wie lernt man denn, Konflikte besser aushalten zu können, wie lernt man adäquat zu argumentieren ? Und eben Konflikte nicht zu vermeiden ?

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          #5
          Du kannst an etwas üben, was dir gaaanz wichtig ist. So wichtig, dass du lieber einen Konflikt eingehst und aushältst, als das aufzugeben, was du willst.

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            #6
            Ich selber bin eigentlich recht harmoniebedürftig. Echte Konflikte kann ich nur schwer aushalten, weswegen ich im Alltag leider allzu oft nachgebe und darauf verzichte, meine eigenen Bedürfnisse durchzusetzen. Tue ich es doch einmal und gehe deswegen einen echten Konflikt oder ein Streitgespräch ein, dann fühle ich mich hinterher meistens ziemlich schlecht.

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              #7
              Das "Schlecht-Fühlen" kommt dann vielleicht auch von zu wenig Selbstwertgefühl. Weil wenn sich jemand in sich selbst sicher ist, den würde das vielleicht auch nicht so "umhauen".

              Und ... fühlt man sich nicht auch schlecht, wenn man seine Bedürfnisse immer hinten an stellt ? (unbewusst?)

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                #8
                Zitat von Kaktusine Beitrag anzeigen
                Das "Schlecht-Fühlen" kommt dann vielleicht auch von zu wenig Selbstwertgefühl.
                Bei mir kommt es auch daher, dass ich mir dann meistens selbst die Schuld an dem Konflikt gebe und das Gefühl bekomme, ein unleidlicher Mensch zu sein.

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                  #9
                  Schuld??? Solipsist, streich das Wort mal aus deinem Wortschatz.
                  Verursacher vielleicht, aber das musst du sein, wenn du deine Interessen durchsetzen willst. Das Recht hast du. Wenn der andere sich dann schlecht fühlt, ist das sein Problem, nicht deins.

                  In Harmonie mit mir selbst sein, das ist für mich wichtiger, als in Harmonie mit anderen sein, obwohl das natürlich auch schön wäre; ist aber nicht immer machbar.

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                    #10
                    Vieles von dem was hier geschrieben wurde, trifft auch auf mich zu.
                    Konfliktscheu würde ich mich nicht immer bezeichnen, aber sollte ich dann ein 'Gefecht' gewinnen oder es zumindest versucht haben, dann gehts mir im Nachhinein nicht gut.
                    Steht mir das zu? (der Sieg z.B.)
                    Ich gehe dann sehr schnell wieder einen Schritt auf den anderen zu, um mein schlechtes Gefühl zu beruhigen.

                    Kaktusine, ich denke wie Du, dass das eigene Selbstwertgefühl eine entscheidende Rolle spielt.

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                      #11
                      Natürlich steht dir das zu. Von Sieg würde ich nicht sprechen, wir sind ja nicht im Krieg.
                      Durchsetzung deiner Interessen, das ist es.
                      Das schlechte Gefühl kommt daher, dass dir irgendwann mal jemand beigebracht hat (wie mir auch), du seist für das Glück und die Ausgeglichenheit der anderen zuständig. Das stimmt aber nicht. Du kannst das auch wieder verlernen, abtrainieren.
                      Oder sorgen z.B. andere für deine Ausgeglichenheit? Wohl die wenigsten. Das ist auch nicht Sinn der Sache.

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                        #12
                        Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                        Das schlechte Gefühl kommt daher, dass dir irgendwann mal jemand beigebracht hat (wie mir auch), du seist für das Glück und die Ausgeglichenheit der anderen zuständig. .
                        Ja, stimmt schon, das war die übliche Denkweise in meiner Familie. Auch meine Eltern (insbesondere meine Mutter) war immer der Meinung, für das Wohlergehen der anderen zuständig zu sein. Sie hat eigentlich immer zurückgesteckt und sich dem Willen anderer Menschen gebeugt. Und diese Einstellung hat sich auch auf den Rest der Familie übertragen.

                        Bis heute fällt es mir schwer, meine eigenen Bedürfnisse gegen Widerstände durchzusetzen. Am schwierigsten finde ich es, wenn die anderen Beteiligten betonen, wie sehr sie leiden müssten, wenn ich mich durchsetzen würde.

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                          #13
                          Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
                          ....

                          In Harmonie mit mir selbst sein, das ist für mich wichtiger, als in Harmonie mit anderen sein, obwohl das natürlich auch schön wäre; ist aber nicht immer machbar.
                          Wenn man in Harmonie mit sich selbst ist, ist man automatisch mit anderen in Harmonie.

                          Man zieht das an, was man ausstrahlt.
                          So wie man in den Wald hinein ruft, so kommt es zurück.

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                            #14
                            Zitat von Tamina Beitrag anzeigen
                            Steht mir das zu? (der Sieg z.B.)
                            Das kenne ich doch irgendwoher.

                            Mir hat es geholfen, die Frage "andersherum" anzuwenden: steht es mir zu, den anderen für so "schwach" und mich für so überlegen zu halten, ihm die Auseinandersetzung von vorneweg zu erparen? Steht es mir zu, mich stark genug zu fühlen, das "Leid", das ein Verzicht auf das erfüllte Bedürfnis auslöst, zu ertragen, während ich ihm deses Aushalten (ganz überheblich) nicht zutraue? Ich habe so viel aus "Fehlversuchen" gelernt, steht es mir da zu, dem anderen diese Gelegenheiten vorzuenthalten, ihn für "zu dumm, um zu lernen" zu halten?

                            Nein, das steht mir nicht zu.

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                              #15
                              Gute Überlegungen FirstSunshine. Ich werde sie häufiger mal denken, um meine Einstellung zu verändern.

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