Zitat von Fortuna
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gerne - und mir ging es damals ganz genauso. Ich komme ja auch aus der Ecke, wo ich mich leicht schämte - was mir so alles peinlich sein konnte, ging auf keine Kuhhaut. Und ich konnte mich dann fertig machen, hätte oftmals am liebsten jeden Kontakt zu Anderen abbrechen können.
Ich war/bin ja auch so eine, bei mir kam/kommt Scham gerne, wenn es mir im Beisammensein echt gut ging: Abende großer Zugehörigkeit, die unheimlich schön und verbunden dahinfließen, wo ich mich öffnete, oder vielleicht auch übermütig wurde und nur noch freudvoll auf alles reagierte, viel lachte. Und dann der nächste Morgen - riesige, riesige Scham. "War ich zu ... " - hier bitte ein beliebiges Eigenschaftswort einsetzen, es gibt nahezu nichts, wovon mir die Scham nicht erzählen konnte, daß das im Übermaß also wirklich nicht geht und daß das gestern sicher zu viel davon war: offen, verletzlich, freudvoll - da können wunderschöne Eigenschaftswörter stehen. "Habe ich ausreichend zugehört, oder nur von mir erzählt, habe ich ausreichend von mir erzählt, oder nur zugehört" - wurscht, die Scham konnte mir alles erzählen.
Und das Seltsame ist: Eigentlich ist doch voll sichtbar, da es um Zugehörigkeit geht, um den potentiellen Verlust der Zugehörigkeit, aber ich habe immer nur gesehen, daß es darum geht, daß ich nicht richtig sein könnte. Also ja, darum geht es bei dieser tepperten pervertierten Scham natürlich auch, aber eigentlich ist das nicht wirklich, worum es geht. Denn die Sorge ist ja "wenn ich nicht richtig bin, verliere ich Menschen, die mir wichtig sind".
Ich habe dann sogar vor Jahren angefangen, diese Scham öffentlich auszusprechen. Das war ein Tag, als ich mit relativ neuen Freunden einen wunderbaren Abend verbracht hatte und so richtig beglückt heimgefahren war von diesem Zauber, daß es da neue Menschen gibt, bei denen ich mich so geborgen fühle und die ich so mag. Und dann die Schamkeule am nächsten Tag, stundenlang. Ich war fertig. Und habe dann in meiner Verzweiflung beide nacheinander angerufen: "Du, ich habe eine vielleicht ein wenig seltsame Frage: Ich fand den gestrigen Abend so schön, habe mich so wohl mit Euch gefühlt, und heute will mir ein Teil von mir erzählen, das sei womöglich alles nicht wahr, das geht nur mir so, tatsächlich bin ich zu .... - kannst Du mir bitte sagen, ob Du mich schrecklich findest oder magst?"
Ich habe gezittert wie Espenlaub, aber ich dachte mir, alles ist besser als das, was ich mir selbst gerade erzähle. Die Antwort war ein entgeistertes "nein, warum, nein, es war super gestern, ja, geht mir auch so, ich fühle mich wohl mit dir".
Und ich habe immer noch nicht genau kapiert, was dieses Scham-Ding von mir will. Und daß eben in dieser pervertierten Scham so viel Schuld mitschwingt, so viel Vorstellung davon, daß es Verhaltensweisen gibt, die absolut gesehen richtig sind, und zwar in einem genau definierten Ausmaß.
Irgendwie war das für mich so wahnsinnig erleichternd, auf einmal einen Namen für das Ding zu haben: ZUGEHÖRIGKEIT - ÜBERLEBENSWICHTIG!! Hallo, Kopf an Schwein, dieses Gefühl ist wertvoll, nur ein wenig pervertiert durch seltsame Gedankenmuster. Bleib nicht darin stecken, wie ungut sich das Gefühl anfühlt und daß Du es wegschieben willst, spüre dem Bedürfnis nach! ZUGEHÖRIGKEIT - wie fühlt sich das an? Und was hast du jetzt angeblich Fürchterliches nicht oder zu viel getan? Glaubst Du wirklich, ganz wirklich, aufgrund deiner vergangenen Erfahrung, daß dieser Mensch dich DESWEGEN kicken wird? HALLO?
Ich konnte endlich weitergehen, nicht steckenbleiben im Wegschieben, mich dafür schämen, daß ich mich schäme, damit hadern, daß ich ein Trottel bin, weil ich mich schäme.
Ich meine, nicht daß ich das jetzt immer, oder auch nur meistens, sofort drauf habe. Ich brauche immer noch oft eine ganze Weile, um zu bemerken, daß ich gerade rebelliere, mich zurückziehe, Schuld hin und herschiebe o.ä. Aber wenn ich dann einmal das Wort "Scham" habe, kann ich seither irgendwie anders drauf schauen. Sie hat nicht mehr diesen großen Schrecken des sau-unguten, alles überwältigenden Gefühls, das mich zu verschlingen droht.
Ich glaube, das war das große Geschenk dieser Scham-Seminare für mich, zu sehen, daß Scham nichts Schlimmes ist - dazu nur gemacht und gedacht wurde und wird.

), und wie viel sie mit dem bedürfnis nach zusammengehörigkeit zu tun hat. ich erkenne mich da sehr wieder!
Erst muss der Schuldige gefunden werden. Und dann kann man sich an Lösungen machen.
Eine mühsam beherrschte Antwort in diese Richtung von meiner Seite.
Weiß ich nicht, ist mir auch wurscht, die Klärung dieser Frage ändert nichts, ganz davon abgesehen, daß diese Tröpfchen kein Mascherl haben. Noch eine mühsam beherrschte Antwort von meiner Seite.
wie ich das (siehe oben) kenne! ich frage auch gern mal direkt nach ...
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