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Oktober 2015: Traditionen, alt und neu

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    Oktober 2015: Traditionen, alt und neu

    Noch läuft das Oktoberfest in München; die Stimmen werden immer lauter, die kritisieren, es sei gar kein Volksfest mehr, sondern nähere sich immer mehr den Zuständen von Mallorcas Ballermann.
    Ende des Monats liegen der Reformationstag und dann Allerheiligen, von Jahr zu Jahr mehr Halloween.
    Wie steht ihr zu den traditionellen deutschen Festen? Sollte wieder mehr auf die ursprüngliche Bedeutung hingearbeitet werden, oder wollt ihr lieber eine globalisierte Fassung?
    Das soll jetzt keine Umfrage werden hier, sondern mehr darauf abzielen, wieviel von unserer ursprünglichen Kultur wir zugunsten "der Moderne" abgeben wollen/müssen/sollten.
    Es gibt ja das ganze Jahr über Feier- und Festtage, die ihren ursprünglichen Charakter schon lange verloren haben.

    #2
    Zitat von Bonny123 Beitrag anzeigen
    Noch läuft das Oktoberfest in München; die Stimmen werden immer lauter, die kritisieren, es sei gar kein Volksfest mehr, sondern nähere sich immer mehr den Zuständen von Mallorcas Ballermann.
    Zum Oktoberfest:
    als Kind/Jugendlicher habe ich das Oktoberfest geliebt. Ich habe es aus dieser Zeit als buntes fröhliches Volksfest in Erinnerung, mit blauem Himmel, spannenden Fahrgeschäften, gebrannten Mandeln und Zuckerwatte.

    Das gibt es zwar heute auch noch, aber mir scheint immer mehr der Eventcharakter in den Vordergrund zu treten. Früher konnte man problemlos ins Bierzelt rein, wo man - ähnlich wie in einem Biergarten - in relativ gemütlicher Atmosphäre etwas trinken (es musste kein Bier sein) und ein Hendl essen konnte.

    In den letzten Jahren scheinen mir die Bierzelte zu einer Art Partydisco mutiert zu sein. Aber wie es inzwischen dort genau zugeht, weiß ich nicht, denn ich würde mich freiwillig nicht mehr dort hinein begeben.

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      #3
      Zu Allerheiligen:
      dieser Tag spielt bei uns zuhause noch immer eine große Rolle. Der ganze Ort strömt fast geschlossen zu den Friedhöfen, wo in einer Art ruhigem Freiluftgottesdienst der Toten gedacht wird.

      Ansonsten verlieren natürlich insbesondere die religiösen Feiertage an Bedeutung, wegen der zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft, was ich aber persönlich nicht so schlimm finde. Eine übertriebene Kommerzialisierung wie z.b. bei Weihnachten behagt mir persönlich aber nicht.

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        #4
        Ein spannendes Monatsthema, liebe Bonny! Danke dafür!

        Ich denke, Traditionen ändern sich, solange sie gelebt werden. Es gibt ja auch kein starres "Früher", das in Opposition zu einem starren "Heute" steht. Vielmehr sind das alles Übergänge und zwischen einem Weihnachtsfest im Mittelalter und einem Weihnachtsfest im 18. Jahrhundert liegen ebenso große Unterschiede wie zwischen letzterem und einem heutigen Weihnachtsfest - bzw. einem der vielen heutigen Weihnachtsfeste.

        Eine Tante von mir ist in den 80er Jahren in die USA gezogen. Seitdem hat sie jahrzehntelang dort etwas gefeiert, was für sie ein "deutsches Weihnachtsfest" war (in Absetzung zum US-amerikanischen) - bis sie dann in einem der letzten Jahre erstmalig wieder über Weihnachten in Deutschland war und feststellte, dass wir, ihre Verwandten, Weihnachten nicht mehr so feiern, wie es in der Familie in den 80er Jahren üblich war. Die jüngeren Familienmitglieder können nicht mehr sämtliche Strophen diverser Weihnachtslieder auswendig und haben nicht genug Chorerfahrung, um zweite, Ober- oder Bassstimmen dazu zu improvisieren. Manche von uns haben die Bienenwachskerzen am Baum durch Lichterketten ersetzt oder die selbstgemachten Strohsterne durch gekaufte oder völlig anderen Baumschmuck. Die in meiner Kindheit noch verbreitete Regel, dass man das Weihnachtszimmer erst nach dem Leuten des Glöckchens am Heiligen Abend betreten und dabei erstmals den von den Eltern am Vorabend heimlich geschmückten Baum sehen durfte, ist bei vielen inzwischen durch ein gemeinsames Familien-Baumschmück-Event abgelöst worden. Kurz: uns kam antiquiert vor, was sie unter "deutscher Weihnacht" verstand, obwohl ihre prägenden Erfahrungen diesbezüglich nur wenige Jahrzehnte zurückliegen und durch ihren Wegzug eben so in ihrem Gedächtnis "konserviert" wurden.

        Wenn Traditionen vor Ort gelebt und durch Neues belebt werden, ist so ein "Konservieren" eigentlich etwas "Künstliches", "Unnatürliches". Insofern finde ich es seltsam, wenn man versucht, Traditionen unverändert zu "bewahren".

        Ich meine damit keineswegs, dass man alles Tradierte getrost über Bord werfen und z.B. Weihnachten jedes Jahr vollkommen anders feiern sollte. Im Gegenteil denke ich, dass gewisse rituelle Wiederholungen erst dazu beitragen, dass man an die eigenen früheren Festerfahrungen anknüpfen kann, wodurch man oft besonders viel daraus gewinnt. Aber ich denke, wir kommen nicht umhin, immer wieder aufs neue zu revidieren, was für uns an einem Fest (oder auch in jeder anderen Tradition) wichtig ist, was uns etwas gibt, und was wir nur als "leere Hülse" weitertransportieren, ohne dazu einen (aktuellen) Bezug zu haben.

        Noch etwas ganz anderes: In Spanien hat der Stierkampf eine lange Tradition, auf Malta der Vogelfang mit Leimruten etc... Sind solche Traditionen "es wert", um der Tradition willen erhalten zu bleiben, auch wenn sie sich mit unseren heutigen ethischen Vorstellungen nicht mehr in Einklang bringen lassen?

        Liebe Grüße,
        Chaja

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          #5
          Ach ja, da fällt mir noch ein Spruch ein, den meine Großmutter immer mal wieder zitierte:

          "Lasst uns an dem Alten,
          so es gut ist, halten,
          aber auf dem alten Grund
          Neues schaffen jede Stund'"

          Kommentar


            #6
            Zitat von Chaja Beitrag anzeigen
            Ach ja, da fällt mir noch ein Spruch ein, den meine Großmutter immer mal wieder zitierte:

            "Lasst uns an dem Alten,
            so es gut ist, halten,
            aber auf dem alten Grund
            Neues schaffen jede Stund'"
            Oh... das gefällt mir! Danke für's teilen!

            LG
            Spunk

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              #7
              Viele, was heute für Tradition gehalten wird, ist ja gar keine.

              Z.B. die Dirndl und die Lederhosen in Bayern waren ursprünglich keine volkstümliche Kleidung, da viel zu teuer. Und heute wird das als Tradition hochgehalten!

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                #8
                Ja, das stimmt. Aber solches Wissen geht rasch verloren, und die Nachgeborenen denken dann, sie würden eine Tradition pflegen.

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                  #9
                  Und für manches muss man vielleicht erstmal eine "Tradition" erfinden. Wie soll man z.B. den "Tag der deutschen Einheit" morgen begehen (wenn überhaupt)? Deutschen Einheitsbrei kochen? Kohl auf Lorbeerblättern servieren? Ostalgisch mit Born-Senf, Mühlshäuser Pflaumenmus, Schokoflocken und Filinchen feiern? Oder gerade "Normalität" wahren? Vielleicht zur Feier des Tages türkisch essen gehen?

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                    #10

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                      #11
                      Wie verbringen eigentlich andere Länder ihre Nationalfeiertage?

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                        #12
                        Zitat von solipsist Beitrag anzeigen
                        Wie verbringen eigentlich andere Länder ihre Nationalfeiertage?
                        Hmm, mit (Militär-)Paraden und Feuerwerk? Vielleicht mit Ordensverleihungen? Eventuell mit Festspielen?

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                          #13
                          Ja, irgendwie so wird es sein. Ich habe keine Ahnung, weil ich sehr selten während der jeweiligen Nationalfeiertage in anderen Ländern gewesen bin.

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                            #14
                            Na ja auf Militärparaden etc.kann ich gut und gern verzichten.
                            Wir Deutschen sollten uns was Gescheiteres auswählen, das wir dann zur Tradition erheben könnten.
                            Zuletzt geändert von Tamina; 02.10.2015, 18:54. Grund: Fehler

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                              #15
                              Die Schweden feiern am 6. Juni Nationaldagen. Das ist für Viele ein Familientag. Brauchtumsvereine geben Vorstellungen (Volkstanz, Musik), das Königspaar ist im Land unterwegs (sie besuchen eine bestimmte Stadt), es ist "flaggans dag", d. h. alle, die eine Fahnenstange im Garten haben, "müssen" an diesem Tag die Flagge hissen.
                              Der Tag wird unterschiedlich gefeiert. Brauchtum spielt immer eine wichtige Rolle.

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