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FÜHLEN, wer man ist - Einsteigertipps für Neuling

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    FÜHLEN, wer man ist - Einsteigertipps für Neuling

    Hallo liebes Forum,

    mich beschäftigt seit geraumer Zeit das Thema "Wahrnehmung" mit all seinen Facetten. Prinzipiell ist mir ja klar, worum es da geht, und ich hatte auf den unterschiedlichsten Bereichen durchaus schon Erfolgserlebnisse. Jedoch scheint es so zu sein, dass ich in den entscheidenen Lebensphasen nicht gelernt habe, Vertrauen, Nähe und Selbstwahrnehmung zu erlernen. Bruchstückhaft kann ich das natürlich anwenden, aber aus meiner steifen Formulierung entnehmt ihr vielleicht bereits, dass das ganze Thema für mich sehr abstrakt ist - obwohl ich mich gleichzeitig unbändig nach eben Vertrauen und Nähe zu und von anderen sehne. (Wobei ich weiß, dass mir andere vertrauen, ich kann dieses Vertrauen aber nur rational wahrnehmen, ich fühle es nicht...)

    Was bei mir überhaupt nicht funktioniert, hat eine Überschrift in einem Onlineartikel sehr gut zusammengefasst: "Wenn man nicht FÜHLT, wer man ist". (Leider hilt der Artikel nicht, was die Überschrift versprach, und so bin ich quasi genau so schlau wie vorher...)

    Mit einer guten Bekannten kam ich vor einiger Zeit im Gespräch auf das Thema Schweigen und meine Unfähigkeit, dieses länger auszuhalten. Sie sagte mir, sie hätte manchmal das Gefühl, ich würde mich durch mein Reden meiner Selbst versichern.... als gäbe ich mir selbst Bedeutung durch das Sprechen. Und damit würde ich mein eigenes Ich dauernd wegreden. Macht Sinn, als ich jedoch versuchte, (in Gesellschaft) nicht zu reden, war alles, was ich fühlte, diese namenlose Unruhe...

    Ich würde daher gerne die Schwarmintelligenz dieses Forum für folgende Frage nutzen: Wie würdet ihr einem Menschen, der sich bzw. wer er ist, nicht fühlen kann, erklären, wie er das erlernen kann? Wo muss er bei sich gucken? Wie fühlt sich etwas an? Wie kann man an bestimmten Widerständen vorbeikommen (z. B. etwas in der Art wie "stell dir Gedanken als Wolken vor, die du einfach zur Seite schiebst" beim Autogenen Training. Mir geht es dabei vor allem um ganz konkrete Antworten - nicht "meditieren hat mir geholfen", sondern etwas in der Art "leg dich in Ruhe hin und zähle rückwärts von 999 bis 99" (konstruiertes Beispiel; ist hoffentlich klar )

    Vielleicht gibt es auch Forumel, die auf der eher spirituell-psychologischen Ebene etwas berichten können? Wie fühlt sich das eigene Sein an? Hat es Farbe, Struktur, ist es mit einem bestimmten Gefühl verbunden? Schwankt die Intensität? Nehmt ihr euer Sein immer wahr oder macht dieses Bewusstsein auch mal Pause? Kennt jemand vielleicht sogar beide Seiten und kann sie einander im Vergleich gegenüberstellen?

    Alles kann Anregung, Input und Inspiration sein - daher würde ich mich freuen, wenn ihr eure Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema mit mir - und allen anderen, die sich mit der Wahrnehmung des eigenen Selbst schwertun - im restlichen August teilen würdet.


    #2
    Hallo queenie,

    ich kann mir vorstellen, dass der einfachste Weg über die Körperwahrnehmung führt, um darüber zuerst mal ein Gefühl für das Ich zu bekommen. Der Körper ist ja sozusagen unser Vehikel in dieser Welt. Ohne Körper ist keine vernünftige spirituelle Entwicklung möglich, weil man sonst Gefahr läuft die Bodenhaftung zu verlieren und in einer Sackgasse zu landen. Die Erleuchtung muss also noch etwas warten.

    Wie gut wir im Körper verankert sind, hat viel mit Erdung zu tun. Entsprechend könnte ich mir vorstellen, dass alle Übungen, die zu einer besseren Erdung führen, automatisch auch der Körperwahrnehmung zugute kommen. Sei es Sport, Gartenarbeit, im Wald Baumstrünke vermöbeln, Trommeln, Summen, Singen, Tanzen, Schreien, Massage, Sex, gutes Essen, Teig kneten, Kleider von Hand waschen, Kneipen, heiss/kalt Duschen, Barfusslaufen, Physiotherapie, Akupunktur, Atemtherapie, ...
    Aber auch bewusst die eigene Ausdehnung in allen Raumdimensionen wahrnehmen, absichtlich in der Mitte des Gehsteigs laufen und die anderen ausweichen lassen, usw. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass in der Therapie bei Magersucht enge Neoprenanzüge eingesetzt werden, um darüber die Körperwahrnehmung wieder zu stimulieren. Ich bin sicher, dir fallen noch viele weitere Möglichkeiten ein, wie du die Erdung stärken kannst. Wurzelgemüse essen zum Beispiel.

    Kennst du Lea Hamann? Lass dich von ihrer jugendlichen Art nicht täuschen. Was sie zu sagen hat, ist wirklich Gold wert. Schau mal, ob du mit ihr etwas anfangen kannst. Hier spricht sie über's Atemen:
    https://www.youtube.com/watch?v=rFE2aFqno9E

    Liebe Grüsse
    Serafin


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      #3
      mein Text war am Thema vorbei
      Zuletzt geändert von Tamina; 12.08.2019, 19:14.

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        #4
        Zitat von queenie Beitrag anzeigen
        Mit einer guten Bekannten kam ich vor einiger Zeit im Gespräch auf das Thema Schweigen und meine Unfähigkeit, dieses länger auszuhalten. Sie sagte mir, sie hätte manchmal das Gefühl, ich würde mich durch mein Reden meiner Selbst versichern.... als gäbe ich mir selbst Bedeutung durch das Sprechen. Und damit würde ich mein eigenes Ich dauernd wegreden. Macht Sinn, als ich jedoch versuchte, (in Gesellschaft) nicht zu reden, war alles, was ich fühlte, diese namenlose Unruhe...
        Macht Sinn sagt der Verstand
        was du fühlst ist Unruhe....
        Wem glaubst du jetzt, wer hat recht?

        Ich rede auch sehr gerne und viel - heute hatte ich eine gute Bekannte zu Besuch, da läuft das wunderbar auf Gegenseitigkeit und Augenhöhe. Das inspiriert mich und mein Herz geht auf - und wie wir ja wissen:
        "mit dem Herzen sieht man besser"


        Für mich ist reden sehr wichtig! Austausch heißt lernen für mich oder auch einfach nur mal dummes Zeug quasseln - da fühle ich mich!

        Zitat von queenie Beitrag anzeigen
        Wie würdet ihr einem Menschen, der sich bzw. wer er ist, nicht fühlen kann, erklären, wie er das erlernen kann? Wo muss er bei sich gucken? Wie fühlt sich etwas an?
        Erklärung geht über den Verstand
        Fühlen geht übers Herz.
        Für mich ist es so, das immer wenn ich mein Herz spüren kann, dann bin ich richtig!
        Dummerweise quasselt mir der Verstand oder dieser blöde Egotyp viel zu viel und laut dazwischen und übertönt so das freudige Vibrieren des Herzens.

        Also: Verstand ausschalten und ins Fühlen fallen
        Ist doch ganz einfach!

        Wenns ma so wäre......

        Das wir etwas nicht fühlen können (oder wollen) hat ja einen Grund.
        Ich muß den Dingen immer auf den Grund gehen, um etwas zu verstehen und dann
        fällt es mir leichter einen Weg aus dem Dilemma zu finden.

        Mir hat die psychologische Astrologie sehr geholfen, mich besser zu verstehen und warum ich so bin, wie ich bin. Sie kann helfen die "Schwachpunkte" aufzuzeigen und die Aspekte, die hilfreich sind.

        Astrologie ist eine Wissenschaft und sehr komplex und es hängt natürlich auch sehr viel an dem/der BeraterIn.

        Ein mich lange begleitendes Lebensthema von mir, welches mir immer wieder dicke Knüppel zwischen die Beine wirft, sodass ich wie ein Käfer auf dem Rücken liege und verzweifelt strampele (grade wieder aktuell passiert) habe ich mir astrologisch mal wieder erklären lassen
        (ich habe das Gefühl, das ich an einer entscheidenden Stufe stehe) - es steckt sehr sehr viel Schmerz dahinter. Irgendwie muß ich da noch durch was ganz unangenehmes durch

        Aber ich finde das auch spannend.

        Flora
        erstmal Müdigkeit fühlend
















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          #5
          Spannender Input - und mit Sicherheit auch ein Weg hin zu der Frage "Fühlen, WER ich bin"... danke euch, Serafim und Flora.

          Habt ihr eine Idee, ob beim Fühlen/Wahrnehmung von "wer bin ich?" und "was (alles) bin ich?" ein Unterschied besteht? Anders formuliert: fühlt sich das "wer bin ich?" für euch genauso an wie das "was (alles) bin ich?"...?

          Kommentar


            #6
            Liebe queenie,

            seitdem ich Deinen Beitrag hier gelesen habe, arbeitet es in mir und ich versuche aus dieser diffusen Wahrnehmung von Gedankenfetzen das herauszufiltern, was ich gerne dazu beitragen würde. So ganz ist es mir noch nicht gelungen, vor allem bin ich nicht sicher, ob ich überhaupt in eine für Dich hilfreiche Richtung denke, aber ich fange einfach einmal an und reiße meine Gedankenfetzen von vorne an.

            Das begann schon einmal mit der Überschrift "Fühlen, wer man ist", wo bei mir spontan auftaucht: Das ist ein gedankliches Konstrukt. Denn "ich bin xyz" ist ein Gedanke, und Gedanken denkt man, man fühlt sie nicht. Gefühle werden manchmal/oft/immer (?) von Gedanken hervorgerufen oder begleitet, aber Gefühle sind auf einer simpen Ebene schlicht angenehme oder unangenehme körperliche Empfindungen. Nach meinem Wissensstand sind sie Handlungsanweisungen: Unangenehm --> weg, tu das nicht mehr. Angenehm --> ja, mehr davon. Ihr Sinn: Das Überleben und Gedeihen des Lebewesens und die Weitergabe der Gene. Sie sind nicht Selbstzweck, sondern Motor. Von ihrem Sinn her sind angenehme Gefühle nicht "besser" als unangenehme: Sie sollen uns einfach möglichst effizient und schnell signalisieren: "Tu das!" oder "Laß das!"

            Jetzt kann man die Gefühle natürlich feiner betrachten, sie in die groben Komplexe Angst - Wut - Ekel - Trauer - Freude einteilen, oder noch viel feiner in drölfzig verschiedene, ich bin ein großer Fan davon, Gefühle fein benennen zu können. Aber meines Erachtens neigen wir dazu, das Wort "Fühlen" ungenau zu verwenden und Konstrukte dahinter zu verbergen, die eigentlich vom genauen Fühlen und Benennen des echten Gefühls wegführen - "fühlen wer man ist" wäre für mich so ein Konstrukt, genauso wie "seine Bestimmung fühlen", "fühlen, daß das Ende naht", ...

            Daher dachte ich auch "wundert mich nicht, daß der Artikel unergiebig war, wenn er sich schon einmal eine - meines Erachtens - unergiebige, schwammige Überschrift von einem nicht existenten Gefühl gibt.

            Denn die Frage: Fühle ich, wer ich bin, würde ich glatt mit einem "Häh?" beantworten. "Nein, fühle ich nicht, ich weiß nicht, was ich da fühlen sollte." Ich "weiß" bis zu einem gewissen Grad "wer" ich (alles) bin und "wie" ich bin: Da gibt es "Fakten", die ich über mich kenne, Geschichten, die ich erzählen kann, ich kenne bis zu einem gewissen Grad meine Verhaltensmuster, Stärken und Schwächen, erkenne wieder, wie ich auf welche Ereignisse reagiere, ich fühle auch etwas "über" mich - manchmal bin ich mit mir einverstanden und manchmal nicht - aber wie sollte sich "ich bin xy" anfühlen?

            Von daher führt - aus meiner Sicht - auch die Frage, wie sich das eigene "Sein" anfühlt, in die Irre - denn was sollte "das Sein" sein? Wo in mir sollte es lokalisiert sein - "das Sein" impliziert eine unveränderlich existierende Entität in mir, etwas, das so, wie es ist, IST und unveränderliche Eigenschaften hat - die ich dann auch noch erfühlen können sollte. Für mich klingt das wie ein Synonym für ein "Selbst", was vermutlich an meiner ständigen Beschäftigung mit säkularem Buddhismus und dem buddhistischen Begriff Nicht-Selbst klingt. Jedenfalls ist mein Kenntnisstand, daß auch die moderne Gehirnforschung die Existenz eines solchen verneint: In uns ist nichts Unveränderliches, keine "eigentliche", letztgültige Instanz, die letztlich irgendwie "ich" ist. Wir "bestehen" aus Prozessen - Prozessen der Wahrnehmung und der Reaktion darauf, die sich wechselseitig stets neu bedingen; und mittendrin ist quasi eine innere, fortlaufende Erzählung, die daraus die Geschichte einer Identität konstruiert. Die Geschichten verändern sich, und meine Gefühle über diese Geschichten verändern sich auch.

            Ich möchte gar nicht abstreiten, daß dieses "Selbst", "Ich" ein im Alltag hilfreiches Konstrukt ist, und es mag auch für manche Menschen gut funktionieren, sich nicht tatsächlich existente Anteile ihrer selbst - oder vielleicht auch ihr Selbst an sich - personalisiert, also mit Form und Farbe oder wie auch immer vorzustellen; es gibt ja auch diverseste Visualisierungsübungen. Manche meiner Meditationskollegen erzählen bei der anschließenden Recollective Awareness immer oder regelmäßig von visuellen Wahrnehmungen - meine Meditationen sind fast nie von Bildern begleitet. Beides ist "wahr" - und beides ist vermutlich genaugenommen irrelevant; ich glaube nicht, daß es "besser" oder "schlechter" ist, bei der Meditation Bilder wahrzunehmen oder nicht. Wir ticken halt unterschiedlich.

            Für mich klingt Deine Frage aber so, als ob Du nach einer "tatsächlichen Wahrheit" über die Beschaffenheit eines "Seins" fragst, als ob Du nur auch endlich wahrnehmen können müßtest, wie es "wirklich" ist , damit ... ja was? Und ich selbst kann mit dieser Frage nichts anfangen. Vielleicht mißverstehe ich diese Frage aber auch.

            Ich fragt(t)e mich also beim Lesen: Ist die Überschrift wirklich die Frage, die Du stellen willst, ist das eine hilfreiche Frage, eine für Dich hilfreiche Frage? Oder willst Du eine andere Frage stellen?

            Ist die Überschrift nicht schon eine (vermutete) Lösung der eigentlichen Frage, und ist die nicht eigentlich jene des ersten Absatzes: Wie kann ich es ändern, daß ich (in gewissen Situationen) nicht (ausreichend) der Gefühle fühle, die ich gerne fühlen würde? Nämlich Gefühle des Komplexes Sicherheit, Vertrauen, Geborgenheit, Einverstanden Sein mit mir selbst, der Situation, den Anderen?

            Und bevor ich jetzt dazu zu elaborieren beginne, möchte ich Dich fragen, ob das für Dich ok ist, wenn ich jetzt dorthin überschwenke - oder ob es schon die Frage der Überschrift ist, auf die Du die Antwort gerne hättest, mit der ich halt aber leider nicht dienen kann?

            Wie auch immer,

            lieben Gruß,

            MP

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              #7
              Hallo liebe MissPig,

              schön, wieder etwas von dir zu lesen... in Kontakt zu sein... du weißt ja (hoffentlich noch), dass ich deine analytischen und gleichzeitig so empathische Art, die Dinge zu betrachten und zu benennen, sehr mag. Ich fühle mich von dir verstanden - selbst da, wo es vielleicht gerade kein Verstehen gibt. Du bist einer der wenigen Menschen, denen ich rückhaltlos vertraue, weil ich mich von dir immer gesehen und wahrgenommen fühle - und das obwohl wir einander doch gar nicht persönlich kennen...

              Wollte ich so anfangen? Nein, wollte ich nicht. Dennoch scheint mich dieser Anfang dahin zu führt, wo ich (irgendwie) hin will. Ich steige einfach mal ein, auch auf die Gefahr hin, dass es unterwegs vielleicht etwas konfus wird...

              Und bevor ich jetzt dazu zu elaborieren beginne, möchte ich Dich fragen, ob das für Dich ok ist, wenn ich jetzt dorthin überschwenke...
              Ein ganz klares Ja.


              oder ob es schon die Frage der Überschrift ist, auf die Du die Antwort gerne hättest, mit der ich halt aber leider nicht dienen kann?
              und

              Ich fragt(t)e mich also beim Lesen: Ist die Überschrift wirklich die Frage, die Du stellen willst, ist das eine hilfreiche Frage, eine für Dich hilfreiche Frage? Oder willst Du eine andere Frage stellen?
              Die Frage in der Überschrift war zunächst und vor allem mein ungeschickter Versuch, das, was mich da bewegt und umtreibt, irgendwie in eine kurze, knackige Überschrift zu packen. Ich selber fand (und finde) diese Aussage "fühlen, wer man ist" ebenfalls ein wenig... provokant - eben, weil man sich selber doch nur auf einer körperlichen Ebene fühlen kann. Dachte ich zumindest bislang.

              Aber da mein "Fühlen" immer irgendwie mit rationalem Denken gepaart ist und somit (fast) nie ein reines Fühlen im Sinne von Spüren und Wahrnehmen und "aha, SO ist das also gerade..." ist, hatte dieses "fühlen, wer man ist" eine seltsam magische Anziehungskraft für mich. So als läge darin das ultimative Geheimnis zu mir, der Schlüssel zu meinem Sein - implizierend, dass es wichtig sei, das eigene Sein zu kennen...

              Die einzige andere für mich halbwegs stimmige Interpretation zu "fühlen, wer man ist" war, dass es bedeutet, alles bewusst wahrzunehmen, was ich fühle. Und dass die Summe all dieser Gefühle dann das ist, was und wer ich bin. Also gar nicht so sehr Trauer fühlen oder Freude, Wut oder Angst und zu ergründen, WARUM ich denn jetzt gerade traurig oder fröhlich bin, sondern zu erspüren "Wie fühlen sich all diese Gefühle bei mir an?"... also eine Art Kennenlernen, ein bewusstes Wahrnehmen MEINER Trauer, wenn ich dann traurig bin, und MEINER Freude, wenn ich mich freue.

              Denn ich muss gestehen, dass dieser Themenkomplex "fühlen, nicht denken" für mich mitunter echt etwas von dem berühmten rosa Elefanten hat, an den man nicht denken soll, es aber just in dem Moment, wo man daran erinnert wird, - hoppala - sehr wohl tut. So geht es mir mit Gefühlen: "nicht werten, einfach nur fühlen...! - wie oft habe ich das schon gehört und versucht zu befolgen? Mit dem Ergebnis, dass ich in dem Moment, wo ich ein Gefühl hatte, (...ui, hier wird's jetzt an der Logikfront etwas konfus, aber ich hoffe, du weißt, was ich damit sagen will...) gar nicht mehr gefühlt habe, sondern nachgedacht habe, mit welchem Attribut, mit welcher Eigenschaft man dieses Gefühl beschreibt? Was dann irgendwann darin gipfelte, dass ich gar nicht mehr wusste, was ich da fühle. Ich konnte allenfalls sagen "gutes Gefühl" oder "schlechtes Gefühl"...

              Auf Grund des oben erwähnten Artikels nahm ich jedoch an, es gäbe sehr wohl einen Unterschied zwischen "wissen, wer man ist" (im Sinne von "ich bin ungeduldig, kreativ, ein Plappermäulchen, nah am Wasser gebaut, aufbrausend," etc) und "fühlen, wer man ist". Etwas ähnliches hattest du ja auch geschrieben:

              ...Ich "weiß" bis zu einem gewissen Grad "wer" ich (alles) bin und "wie" ich bin: Da gibt es "Fakten", die ich über mich kenne, Geschichten, die ich erzählen kann, ich kenne bis zu einem gewissen Grad meine Verhaltensmuster, Stärken und Schwächen, erkenne wieder, wie ich auf welche Ereignisse reagiere, ich fühle auch etwas "über" mich...
              genau... und da ergab für mich die Schlussfolgerung, dass die Summe all dessen, was man fühlt, das ist, wer man ist, durchaus Sinn.

              Denn ist es nicht so, dass man erst, wenn man sich selber fühlen kann, auch den (die) anderen wirklich fühlt und eine nonverbale Nähe und Verbindung zum anderen aufbauen und spüren kann, dass man mit dem anderen eins ist...? Woher sonst sollte das Gefühl...nein, die Gewissheit kommen, dass man dem anderen vertrauen kann...?

              Ist das jetzt zu konfus? Ich gestehe, ich empfinde das gerade so. Aber vielleicht denke ich auch schon wieder viel zu viel nach und der rosa Elefant scharwenzelt bereits seit geraumer Zeit um meine Beine...?

              *gehtundverscheuchtdenrosaelefanten*

              Ist die Überschrift nicht schon eine (vermutete) Lösung der eigentlichen Frage, und ist die nicht eigentlich jene des ersten Absatzes: Wie kann ich es ändern, daß ich (in gewissen Situationen) nicht (ausreichend) der Gefühle fühle, die ich gerne fühlen würde? Nämlich Gefühle des Komplexes Sicherheit, Vertrauen, Geborgenheit, Einverstanden Sein mit mir selbst, der Situation, den Anderen?
              Ich weiß es eben nicht - weil mir die Erfahrung damit fehlt. Das ist irgendwie wie ein blinder Fleck in mir. Es gibt aktuell in meinem Leben einen Menschen, bei dem ich rational weiß, dass ich ihm vertrauen kann. Mein Bauch jedoch reagiert dauernd mit Panik und Hysterie, er denkt sich Geschichten aus, was dieses und jenes wohl zu bedeuten hat, und er vermutet dauernd Dinge, die da gar nicht sind. Es sind lediglich meine Geschichten, die angenommenen Wahrheiten, die jeglicher Basis entbehren, Geschichten von früher, die aber in meinem Kopf zu etwas werden, was JETZT Realität ist - und den Bauch nur flüchten lassen will...

              Ist das halbwegs verstehbar...? Mir fehlt da gerade etwas der Abstand, um das beurteilen zu können...

              Dennoch liebe Grüße
              Queenie

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                #8
                Hallo Queenie,

                ich wollte mich nur kurz melden: Ich bin in der heißen Phase eines Geschäftsumbaus, und ich bin seit Tagen nur völlig fertig vom Umräumen und der emotionalen Anspannung, ob alles klappt.

                Ich melde mich, aber vermutlich frühestens in 10 Tagen - die nächsten Tage muß ich irgendwie überleben

                lg

                MP

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                  #9
                  Liebe MissPig,

                  ganz lieben Dank für deine Rückmeldung! Oje, ein Geschäftsumbau ist bestimmt eine riesige Sache... ich kenne ähnliches nur als Angestellte von einer Komplettrenovierung des Betriebsgebäudes bei laufendem Betrieb, kann mir also gut vorstellen, welches Potenzial so ein Umbau für Chaos und Katastrophen hat.
                  Ich drück dir die Daumen, dass alles fluffig läuft und du bald alles an Ort und Stelle und die Nervenstränge wieder entspannt hast.

                  Liebe Grüße
                  Queenie

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                    #10
                    Liebe Queenie,

                    danke fürs Daumendrücken. Ich melde nur kurz: Ich habe überlebt - und ich habe VIEL Erfahrung mit Fühlen gesammelt. Von Verzweiflung über grenzenlose Überforderung bis unbändige Wut war alles dabei

                    Jetzt beginnt noch ein wenig das Nachräumen, und ich hoffe, daß ich demnächt auch mal wieder denken und formulieren kann. Es ist erstaunlich: Ich bin gerade so mono-fokussiert, ich habe öfter mal an hier gedacht und gemerkt, ich kann mich an keine meiner gedanken erinnern und gerade auf nichts Anderes konzentrieren, wenn ich nicht arbeite will ich's nur leicht. Mache Killer-Sudokus, und so ungefähr 3-5 Zahlen pro Abend gehen, dann ist mein Denk-Potential erschöpft.

                    Hier ist also nicht vergessen - nur gerade irgendwo in mir abgelegt, wo ich gerade keinen Zugang habe in diesem Schwebezustand.

                    Lieben Gruß,

                    MP

                    Kommentar


                      #11
                      Liebe MissPig,

                      oje, du beschreibst den selben Zustand, den ich seit geraumer Zeit bereits schon als Normalzustand erlebe - "normal" nicht, weil ich mich daran gewöhnt habe (im Gegenteil, ich wüte und zetere nach wie vor dagegen an), sondern weil es seit Monaten der - scheinbar nicht abänderbare - Regelfall ist. Insofern kann ich deine Verfassung sehr gut nachvollu´ziehen - und dass alles, was nebenbei geschieht (oder interessiert), nur nebenher laufen kann - und auch nur mit den zur Verfügung stehenden geistigen Kräften. es nützt nix, den Denkmuskel anzustrengen; er kann nur das leisten, was möglich ist - alles darüber ist pure Überforderung und entsprechender Müll und unausgegorenes Zeug kommt dabei heraus.

                      Daher: mach in Ruhe, groove dich ein und finde zurück zu 10 bis 15 Zahlen Killer-Sudoku....

                      Ganz liebe Grüße von Q

                      Kommentar


                        #12
                        Hallo queenie und die anderen,

                        ab und an lese ich mal etwas, hier mal ein paar Gedanken dazu...

                        Jedoch scheint es so zu sein, dass ich in den entscheidenen Lebensphasen nicht gelernt habe, Vertrauen, Nähe und Selbstwahrnehmung zu erlernen.
                        Wie kommst du zu dieser Annahme ?
                        Prinzipiell ist das natürlich möglich – aber was ist für dich das Maß, an dem du es misst ?

                        Wobei ich weiß, dass mir andere vertrauen, ich kann dieses Vertrauen aber nur rational wahrnehmen, ich fühle es nicht...
                        Ich wage mal zu behaupten, dass es auch nicht zwangsläufig fühlbar ist oder fühlbar sein muss.
                        Natürlich kannst du es herausfinden, wenn du mit einem Menschen sprichst und es zB über ein sehr persönliches Thema geht. Vertraut er dir, wird er anders darüber sprechen als wenn er dir nicht vertraut.
                        Allerdings ist mir diese Sichtweise auch zu eingeschränkt. Es kann noch andere Gründe geben, warum sich dir jemand nicht anvertraut, persönliche Gründe, situationsabhängige Gründe, etc.
                        Ähnlich mit Gefühlen (Vertrauen wird nicht zu den Gefühlen gerechnet):
                        Wenn dir jemand seinen Ärger oder seine Liebe zeigt, kannst du das spüren (ich denke jedenfalls, dass du das kannst) – aber du bist erstmal darauf angewiesen, dass der andere es zeigen kann und will.
                        Du könntest nun einwerfen, dass du dir nicht sicher bist, ob du es dann auch fühlen könntest – dazu schreibe ich später etwas.

                        Wenn man nicht FÜHLT, wer man ist
                        Ich frage mal andersrum: wie fühlt es sich an, nicht zu fühlen, wer man ist ?
                        Woran machst du dieses Gefühl fest ?
                        Und dann würde mich fast auch interessieren, was das für ein Artikel war bzw. wo aufgetaucht oder von wem geschrieben. Evtl. hast du einen Link dazu ?
                        Ich könnte mir zwei Varianten eines Artikels mit solcher Überschrift vorstellen: einen medizinischen Artikel, bei dem es um ein ernstes Problem geht und einen eher esoterischen Artikel, bei dem ein Defizit für unsichere Menschen gebastelt wird.
                        Es gibt bestimmte Fragen, mit denen man wunderbar unsichere Menschen einfangen kann, die dann auf esoterischen Wegen allerlei ausprobieren können.

                        Thema Schweigen und meine Unfähigkeit, dieses länger auszuhalten
                        Was das betrifft, sage ich es mal ganz trocken so: wer schwimmen lernen will, muss dazu auch ins Wasser gehen. Wenn er es (noch) nicht kann, muss er's lernen.
                        Schweigen auszuhalten lernst du auch nicht, indem du es immer vermeidest.

                        Gefühl, ich würde mich durch mein Reden meiner Selbst versichern...
                        Es gibt durchaus Menschen, die sehr unsicher sind und deshalb auch sehr viel reden. Minderwertigkeitskomplexe sind keine Seltenheit, denke mal, kennt jeder mehr oder weniger. Allerdings ist das etwas anderes als die Fähigkeit zu fühlen oder nicht. Und daher schließt sich bei mir die Frage an, ob es nicht auch einfach sein kann, dass du wahnsinnig verunsichert bist und sehr vieles in Frage stellst.
                        Ich habe dich hier bisher noch nicht so erlebt, dass ich denken würde, du kannst nicht fühlen oder dich nicht in andere hineinfühlen.
                        Etwas paradoxer könnte ich sogar sagen: wenn du fühlst, dass du etwas nicht fühlst, fühlst du womöglich eher mehr als andere, die gar nicht fühlen, dass sie etwas nicht fühlen ;)

                        Macht Sinn, als ich jedoch versuchte, (in Gesellschaft) nicht zu reden, war alles, was ich fühlte, diese namenlose Unruhe...
                        Ja, das glaube ich dir – hat aber mit der Gefühlsgeschichte meiner Meinung nach eher wenig zu tun, sondern ist schlicht eine Frage von Selbstunsicherheit.
                        Du könntest versuchen herauszufinden, welche Namen dir für und zu dieser Unruhe einfallen – dich also öfters in diese Situation begeben.
                        Ich kenne eine Person, die auf der einen Seite öfters mal sagt, sie fühlt wenig/nichts und auf der anderen Seite es auch anscheinend überhaupt nicht hinbekommt, sich zu hinterfragen, selbst nachzubohren. Ihr fallen weder typische "Warum ?"-Fragen ein, noch kann sie gut in sich graben. Sie käme auch gar nicht auf die Idee, ihre Gefühlswelt so zu hinterfragen wie du.
                        Das heißt, egal, was du fühlst, ob Unruhe oder Leere – ok, aber du fühlst es, du fragst nach, und damit kannst du auch Wege gehen, um Antworten zu finden.

                        Wie würdet ihr einem Menschen, der sich bzw. wer er ist, nicht fühlen kann, erklären, wie er das erlernen kann?
                        Wo muss er bei sich gucken? Wie fühlt sich etwas an? Wie kann man an bestimmten Widerständen vorbeikommen (z. B. etwas in der Art wie "stell dir Gedanken als Wolken vor, die du einfach zur Seite schiebst" beim Autogenen Training. Mir geht es dabei vor allem um ganz konkrete Antworten - nicht "meditieren hat mir geholfen", sondern etwas in der Art "leg dich in Ruhe hin und zähle rückwärts von 999 bis 99" (konstruiertes Beispiel; ist hoffentlich klar
                        Ich würde ihm wohl sagen, er soll mal Zeit mit sich selbst verbringen. Sich hinterfragen, in sich hineinspüren, herausfinden, was ihm seine Gefühle in verschiedenen Situationen sagen. Angefangen bei der Frage "Fühle ich mich gerade wohl oder nicht ?" usw.
                        Es gibt so viele Fragen, die er sich weiter stellen kann – und das ohne Ablenkung.
                        Und wenn das Schweigen schwer fällt – ja, Pech, dann fällt es eben schwer, aber dann wird es doch auch Zeit, dem mal nachzugehen. Ein Erzähler, der nur dauernd reden muss, damit er das Gefühl hat, er existiert oder die anderen nehmen ihn wahr – das wäre doch traurig, oder nicht ?
                        PS: erinnere mich an ein Buch von Jorge Bucay "3 Fragen", evtl. würde dir das gefallen.

                        Wie fühlt sich das eigene Sein an? Hat es Farbe, Struktur, ist es mit einem bestimmten Gefühl verbunden? Schwankt die Intensität? Nehmt ihr euer Sein immer wahr oder macht dieses Bewusstsein auch mal Pause? Kennt jemand vielleicht sogar beide Seiten und kann sie einander im Vergleich gegenüberstellen?
                        Mir sind diese Fragen zu verkopft. Auf mich wirken diese Fragen eher so, als ob du Sicherheit und Kontrolle suchst, du deine Gefühle kartieren, sortieren und einordnen willst. Vielleicht, um so mehr Klarheit darüber zu bekommen ?
                        Ich weiß nicht wie alt du bist, aber es erinnert mich an eine Diskussion vor Jahren darüber, was es mit den Kindern macht, wenn sie ständig am Daddeln und Handyspielen sind, keine Ruhe für sich haben, nicht mal Langeweile kennen lernen usw. Ich denke, das betraf auch nicht nur die Kinder, glaube durchaus, dass da auch all jene betroffen sind, für die "Hauptsache Ablenkung" ein großes Thema war.
                        Natürlich kann man versuchen, Gefühle möglichst genau zu beschreiben. Doch es gibt derlei viele Möglichkeiten an Eigenschaften oder Auswirkungen etc., ganz davon abgesehen, dass jeder Mensch sie anders wahrnimmt, anders beschreibt.
                        Vielleicht bräuchtest du einfach mal mehr Zeit für dich allein, um dich selbst und deine Gefühle kennen zu lernen ?

                        sky

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