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  #1  
Alt 10.08.2011, 22:15
Benutzerbild von Cärol
nicht wasserscheu
 
Registriert seit: 01.10.2009
Ort: am See im Kohlen-Pott
Alter: 47
Beiträge: 1.690
Blinzeln Gehört ein "schöner Geist" in einen schönen Körper?

Mich würde mal interessieren, wie diese Forumsgemeinde dazu denkt:

Muss ich, um glaubwürdig über "schöngeistige" Themen schreiben zu können, mich nicht auch zumindest darum bemühen, einen "schönen" Körper zu haben um glaubwürdig zu sein? So nach dem Motto: "ein gesunder Geist in einem gesunden Körper"? - bzw. ein schöner Geist in einem schönen Körper....

Ich stelle fest, dass ganz unterschwellig das Thema auch hier immer wieder durchblickt, z.B. wenn es um die zahlreichen Bemühungen geht, abzunehmen.
Aber kann es sein, dass das vorwiegend die weiblichen Forumels so sehen?

Ich meine, so in einem Forum kann ich mich ja gut hinter einem Avatar verstecken, da sieht mich ja keiner und zu Treffen muss ich ja nicht kommen...

Aber kommt eine Diskussion nicht gleich ganz anders rüber, wenn "schöne" Menschen miteinander sprechen, weil deutlich wird, die bemühen sich auch ganz direkt um sich - z.B. um ihren Körper? Bzw. muss ich mich nicht auch um meinen Körper bemühen, wenn ich mir über "richtigen und falschen" Umgang mit anderen Menschen Gedanken mache - ich darf mich ja selbst nicht vernachlässigen...

Also, ich rede jetzt nicht von "Models" und Schlankheitswahn, aber ein gepflegtes, gesundes, ästhetisches Bild macht doch viel aus - obwohl "Knackarsch" und "Sixpack" doch bei einem lieben und interlektuellen Mann doch gleich noch bessser rüber kommen, oder? (mir fällt da spontan mein Yoga-Lehrer ein... )

Bin mal gespannt, wie ihr darüber denkt.

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  #2  
Alt 11.08.2011, 00:35
Guter Geist
 
Registriert seit: 28.05.2007
Beiträge: 10.839
Standard

Zitat:
Zitat von Cärol Beitrag anzeigen
Bzw. muss ich mich nicht auch um meinen Körper bemühen, wenn ich mir über "richtigen und falschen" Umgang mit anderen Menschen Gedanken mache - ich darf mich ja selbst nicht vernachlässigen...
Vielleicht gehört zu einer gewissen Bildung nicht unbedingt herumzulaufen wie der letzte Hempel, aber von einer Empfangsdame oder einem Automobilverkäufer erwartet man nicht unbedingt nobelpreisverdächtige Äußerungen, oder?
Im Gegenteil, man kennt doch die Floskeln, die einem da entgegenfliegen.
Nun ist ja ein bestimmtes äußere Erscheinungsbild immer relativ zu sehen, dem einen gefällt es, dem anderen weniger.

Vielleicht ist dem einen oder anderen Peter Sloterdijk bekannt.
Der ist in meinen Augen blitzgescheit, aber immer irgendwie so gekleidet, als käme er gerade vom Kaminholzholen.

Hier mal ein Beispiel:
‪Peter Sloterdijk über Interviews - interviewt von Christian Thiele‬‏ - YouTube

Ich denke, es sind im Grunde zwei unterschiedliche Dinge, aber Deine Frage ist in sofern schon berechtigt, dass man schnell das eine mit dem anderen kombiniert, aber oft eben gegenteiliges feststellen muß.
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  #3  
Alt 11.08.2011, 07:20
Mensch
Gast
 
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Was ist ein "schöner" Körper?
Da gehen die Vorstellungen weit auseinander.
Ich habe selten festgestellt, dass sogenannte schöne Körper einen schönen Geist "enthalten".
Schöngeistige Menschen pflegen zwar ihren Körper, ansonsten legen sie aber mehr Wert auf anderes; das ist zumindest meine Meinung und auch meine Erfahrung.
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  #4  
Alt 11.08.2011, 09:12
Benutzerbild von Cärol
nicht wasserscheu
 
Registriert seit: 01.10.2009
Ort: am See im Kohlen-Pott
Alter: 47
Beiträge: 1.690
Blinzeln

Ja, es ist natürlich so eine Frage: was ist der Körper?
und der berechtigte Einwand, dass (viele) Leute, die ihren Körper in den Vordergrund (ihres Interessees) stellen, häufig eher nicht interlektuell sind, wobei "Interlektuelle" gern den "Körper" in den Hintergrund stellen (obwohl: so schlimm finde ich Sloterdijk jetzt nicht, da ist ein Wolfgang Neuss in seinen letzten Tagen (ohne Zähne und im Dreck lebend) schon extremer...)

Mir sind nur in der letzten Zeit auch Menschen begegenet, die eben schön und interlektuell sind (z.B. mein Yoga-Lehrer) und ich spüre, dass es doch angnehmer sein kann im Umgang.

In dem Sloterdijk-Interview sagt er an einer Stelle, dass für das Ergebnis des Interviews (resp. eines Gesprächs) künstliche Ernsthaftigkeit und moralische Agressivität schlecht wären - finde ich auch einen spannenden Aspekt.

Also, locker bleiben - schön sein und schön fühlen und dann klappt´s auch mit der Moral ????


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  #5  
Alt 11.08.2011, 09:12
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Koboldin aus Überzeugung
 
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Man kann auch mit seinem Körper achtsam umgehen, wenn man nicht dem 90-60-90-Sixpack-Modelmaß entspricht. Und was nützt es, wenn man sich auf Abnehmen, Fitnesstraining etc. stürzt, darüber aber verbiestert und verbittert wird, weil die ersehnten Erfolge ausbleiben? Dann noch schöne bzw. schöngeistige Gedanken zu äußern, dürfte jenseits der verfügbaren Energie liegen, oder zumindest schwer fallen.

Und das Recht auf Mitteilung sollte doch generell unabhängig sein von anderen Faktoren. Meinungsfreiheit an Aussehen oder Körperpflege gekoppelt wäre doch auch nur eine Form von Zensur, oder?

Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass nicht klassisch attraktive Menschen deutlich interessanter sind, in meinen Augen. Die Begründung mag brutal klingen, lässt sich aber nicht besser ausdrücken.

Wer optisch schon super rüber kommt, muss sich nicht unbedingt Gedanken machen, ob und wie er sein Gegenüber für sich interessiert, bei der Stange hält, wie er Kontakt bekommt und hält. Das "passiert einfach". Folglich muss er sich darum auch nicht unbedingt bemühen. Wer von klein auf als "niedlich" bewundert wird, lernt das möglicherweise nicht mal...

Menschen, die nicht auf den ersten Blick attraktiv sind, entwickeln andere Fähigkeiten, um Kontakte und Beziehungen zu bekommen. Einerseits müssen sie sich notgedrungen bewusst darum kümmern, interessant zu sein, vielleicht macht sie das vielseitiger. Andererseits aber sind sie wohl in der Regel aufmerksamer dafür, wer außer ihnen noch "auf der Suche" ist, was ihr Gegenüber sich wünscht, und - notgedrungen - eher bereit, sich darauf einzustellen und dem entgegen zu kommen. Was aus meiner Sicht dazu führt, dass da die Chance auf tiefergehende, beständige Beziehungen höher ist.

Krassestes Erlebnis war für mich jemand, den ich online kennen gelernt habe - über ein Onlinerollenspiel. Außer arbeiten zu gehen hat er nichts gemacht außer Spielen. Er hat seine gesamte Freizeit damit verbracht, Leute um sich zu scharen, an sich zu binden, und das über sehr rigorose Methoden. Das Verhalten war schon als extrem zu bezeichnen. Später habe ich erfahren, dass er von Kind an eigentlich als sehr attraktiv galt - Model-Figur, Geld, gute Bildung, ständig umgeben von einem Haufen "guter Kumpels". Dann ein Unfall, halbes Jahr Krankenhaus, Medikamente, verändertes Aussehen, und fortan waren die Kumpels weg und kamen auch nie wieder. Im RL ist der Versuch, an das alte Leben anzuknüpfen, schlicht daran gescheitert, dass er nicht wusste, wie. Es war ja nie nötig gewesen, sich zu bemühen! Er hat meines Wissens den Anschluss nicht wieder geschafft. Zu beneiden ist er darum sicher nicht.

Abgesehen davon - ETWAS ist an jedem Menschen schön. Man muss sich nur bemühen und genau hinschauen. Etwas Besonderes ist an jedem.

lg

Mygga
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  #6  
Alt 11.08.2011, 10:55
Forenexperte
 
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Beiträge: 1.896
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"...dass nicht klassisch attraktive Menschen deutlich interessanter sind" (Zitat Mygga)
davon kann ich auch aus meiner Erfahrung berichten - auch und vor allem davon wie unterschiedlich das Interesse sich gestalten kann.

Etwa drei Jahre lang lebte - nein hauste! ein Mann (geschätztes Alter ca. 55) auf unserem Camping-Platz. Gesamtes Aussehen: Penner-Type und riechen konnten ihn im wahrsten Sinne des Wortes die wenigsten. Hohn und Spott für ihn waren seitens der Camper auf der Tagesordnung. Er war also ein interessantes Opfer für sie.
Nicht so von mir und meinem Mann: Heute noch vermissen wir Nico, denn für uns war er ein stets hilfsbereiter, handwerklich geschickter, humorvoller und liebenswerter Zeitgenosse, der weder Mensch noch Tier ein Leid zuzufügen vermochte. Na ja - allzu viel "Schulwissen" besaß er nicht, dafür aber ne große Menge an Lebensweisheiten. "Der Mensch ist von Natur aus faul!" pflegte er beispielsweise zu sagen, machte ein spitzbübiges Petzauge und nahm einen großen Schluck aus der Pulle - wenn er sich bereits nach fünf Minuten Holzhacken ne kleine Pause gönnte! - grins. Nie werde ich auch vergessen, wie er sich verstohlen ein paar Tränen wegwischte, als wir ihn nach sechs Monaten Winterpause am Start der neuen Saison in den Kneipen rundum gesucht und gefunden hatten. "Das werd ich Euch nie vergessen, dass ihr mich besucht" sagte er. Unvergessen auch eine andere Situation: Es begann zu regnen und ich flitzte zum Auto, weil die Fensterscheibe noch unten war. Ich konnte sie aber nicht schließen - Elektronik kapput! Flugs war Nico zu Stelle um mir zu helfen. Vor der kleinen Kneipe hatten sich inzwischen die anderen Camper versammelt, um dem Schauspiel zuzusehen. " Ihr A...löcher!" rief Nico laut aus - was ich dachte "statt zu gaffen, kommt doch lieber her und helft mal mit!"
(Geholfen hat natürlich keiner - nur Nico hatte es alleine geschafft und war am Ende auch unfreiwillig geduscht.)
Ja, auch unser Interesse hatte Nico bekommen - in Form von Toleranz und Respekt vor den inneren Werten des Menschen Nico.
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  #7  
Alt 11.08.2011, 11:14
Lane777
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Zitat:
Zitat von Kämpfer Beitrag anzeigen
Ja, auch unser Interesse hatte Nico bekommen - in Form von Toleranz und Respekt vor den inneren Werten des Menschen Nico.
Danke Kämpfer, dass Du die Geschichte mit uns teilst und Hut ab von mir - leider sind die Menschen noch immer zu oberflächlich und sehen viel zu sehr aufs Äussere anstatt sich mal wirklich mit jemandem auseinanderzusetzen und unter die äussere Hülle zu blicken.
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  #8  
Alt 11.08.2011, 11:28
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ein bißchen OT: wenn auch andere sagen "Eigenlob stinkt", so behaupte ich, auch mit ein wenig Stolz - von mir: Ich bin ein sehr, sehr toleranter, respektvoller und ganz bestimmt ein liebensvoller Mensch!

Zum Thema: Egal, ob es nun um den "schönen Geist" oder den "schöner Körper" geht - Was schön ist, liegt immer im Auge des Betrachters!
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  #9  
Alt 11.08.2011, 11:39
Benutzerbild von Cärol
nicht wasserscheu
 
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Alter: 47
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Blinzeln

Danke für eure Kommentare, ich merke, dass ich noch nicht ganz deutlich machen konnte, worum es mir geht.
Vorweg gesagt: ich bin keinesfalls der Meinung dass ein "häßlicher" Mensch, ein Penner oder-was-auch-immer, weniger wert ist, nicht seine Meinung sagen dürfte (im Sinne von Zensur) oder so etwas...

Jeder Mensch ist so wie er ist einzigartig und wertvoll.

Und doch stellt sich mir die Frage, ob ich nicht an einem gewissen Punkt einfach dazu kommen muss, mich um meinen Körper zu kümmern...
(das ist der eine Aspekt - nicht umsonst führe ich hier immer meinen YOGA-Lehrer an - Yoga versinnbildlicht für mich so eine Synthese von körperlichem und geistigem ...) - ich meine, als Ausdruck meiner inneren Reife auch äußerlich "schön" zu werden..... an meinem Körper zu arbeiten, z.B. mit Yoga oder Sport....

Der andere Aspekt: wie viel mehr Anerkennung hätte Nico bekommen können, wenn er auch für seinen Körper gesorgt hätte - und sich nicht (so habe ich das rausgehört) zu Tode gesoffen....
Ist es nicht leichter, wichtige Inhalte zu vermitteln, wenn ich auch körperlich "ansprechend" bin, bin ich dann glaubwürdiger?
Ich fand Wolfgang Neuss z.B. großartig, auch zum Schluss seine anarchisitsche Art - aber gleichzeitig auch abstoßend... und das ist doch schade.
Er hätte seine Botschaft besser rüber bringen können wenn er nicht so ein Wrack geworden wäre (ich weiß, er sah das anders, er hielt das für kongruent)...




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  #10  
Alt 11.08.2011, 11:54
Lane777
Gast
 
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Hallo Cärol,

Zitat:
Zitat von Cärol Beitrag anzeigen
Muss ich, um glaubwürdig über "schöngeistige" Themen schreiben zu können, mich nicht auch zumindest darum bemühen, einen "schönen" Körper zu haben um glaubwürdig zu sein? So nach dem Motto: "ein gesunder Geist in einem gesunden Körper"? - bzw. ein schöner Geist in einem schönen Körper....


Glaubwürdigkeit würde ich nicht vom äusseren Erscheinungsbild abhängig machen. Ich hab schon Diätassistentinnen erlebt, die schwer übergewichtig waren und die fachlich trotzdem wussten, wo es lang geht. Nur konnten sie es für sich wohl nicht so umsetzen oder es gab andere Gründe, warum ihr Wissen und ihre Kompetenz bei ihnen selber scheiterten (oder wohlmöglich wollten die gar nicht dünn sein?).

Zitat:
Bzw. muss ich mich nicht auch um meinen Körper bemühen, wenn ich mir über "richtigen und falschen" Umgang mit anderen Menschen Gedanken mache - ich darf mich ja selbst nicht vernachlässigen...


Den Gedanken finde ich absolut richtig - aber das würde auch bedeuten, dass "Innen und Aussen" im Einklang sind und das ist bei nicht ganz sovielen Menschen der Fall. Aus meiner eigenen Entwicklung heraus weiss ich, wieviel Arbeit es bedeutet und wie schwer es manchmal ist, genau solche Gedanken wie Du ihn beschreibst "richtiger und falscher Umgang" soweit zu verfolgen, dass man daraus schliesst "hey, dann sollte ich mich aber auch nicht länger vernachlässigen". Das ist ein Prozess, der einen ganz tief in das eigene Fühlen führt von wo aus man erstmal merken muss, ob die äusseren Handlungen mit den inneren Handlungen (und umgekehrt) überhaupt übereinstimmen und daraus resultierend dann die nötigen Veränderungen vornimmt bzw. erst vornehmen kann.

Zitat:
Also, ich rede jetzt nicht von "Models" und Schlankheitswahn, aber ein gepflegtes, gesundes, ästhetisches Bild macht doch viel aus - obwohl "Knackarsch" und "Sixpack" doch bei einem lieben und interlektuellen Mann doch gleich noch bessser rüber kommen, oder? (mir fällt da spontan mein Yoga-Lehrer ein...
Ein ästhetisches Bild macht nur soviel aus, bis man beginnt, mal tiefer zu blicken. Ich hab mal einen wirklich gutaussehenden Mann kennengelernt. Er war um die 1,80 m, hatte blonde Haare, tolle braune Augen, total gepflegtes Äusseres, einen Sixpack inklusive Knackarsch hat er auch besessen, der Gute. Nun hab ich den damals zu Ausbildungszeiten jeden Morge in der S-Bahn gesehen. Boah, hab ich gedacht, der is ja mal "geil". Der war schon so attraktiv, dass ich mich nicht getraut hab, ihn anzusprechen.

Dann kam der Abend aller Abende - ich geh mit ner Freundin in die Disko und "er" kommt auch rein. Ganz in Schwarz gekleidet. Mir blieb fast das Herz stehen. Er sieht mich, kommt auf mich zu, lächelt mich unglaublich sexy an und sagt: "Dich seh ich doch jeden Morgen in der Bahn, oder?" Ich war aufgeregt wie ein Huhn, das gackernd grad ein Ei legt. Jedenfalls hab ich nur genickt, weil mein Sprachzentrum vorübergehend gestört war in dem Moment. Wir setzen uns, er bestellt was zu trinken für meine Freundin und mich, wir kommen ins quatschen und... Naja, nix. Heisse Luft. Ich hatte das Gefühl, der Sixpack schrumpft gleich um mehrere Zentimeter in sich zusammen.

Ja, der hätte mich auch weiterhin beeindrucken können, denn er hat Architektur studiert, war seeehr gebildet, sah super aus - aber er war eine "hohle Fritte". Einer von diesen Typen, die sich stählen und zwar belesen, aber menschlich gesehen keine Weisheit besitzen sondern nur erzählen, was sie mal gelernt haben. Fachlich hätte man mit dem sicher rumdiskutieren können und er hätte einen mit all seinem erlernten Wissen zu Strecke gebracht, aber INNERLICH war da nur Oberfläche, Oberfläche, Oberfläche, absolut keine Tiefe, keine Herzensweisheit. Was soll denn daran attraktiv sein?

Andererseits gibt es Menschen, die wissen einfach, wovon sie reden, die besitzen viel Herzensweisheit (so nenne ich das) und entsprechen äusserlich vielleicht nicht der "Cosmopolitan & Mens Health Generation", aber die sind von innen heraus schön, selbst dann, wenn sie ungepflegte Fingernägel haben :)

Und jene, bei denen Innen und Aussen wirklich in Einklang sind, die müssen wohl einfach mit sich im reinen sein, was sich dann im Aussen auch wiederspiegelt. Das ist aber soweit ich das beobachten kann, nicht der Standard auf diesem Planeten sondern eben immernoch die Ausnahme.

Lg
Lane
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