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Persönlichkeitsentwicklung Lebensfreude, Glück, Erfolg, Zufriedenheit, persönliches Wachstum, sein Potenzial entfalten... darum geht in dieser Rubrik.

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  #1  
Alt 26.08.2009, 08:40
Anfänger
 
Registriert seit: 17.10.2008
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Beiträge: 23
Standard Ein Jahr Morgenseiten schreiben nach Julia Cameron – ein Erfahrungsbericht

Also, ich habe jetzt das erste Jahr durch (schon etwas mehr). Jeden Morgen früher aufstehen, einen Tee kochen, hinsetzen und meine Morgenseiten schreiben. Meist 30 Minuten, manchmal weniger oder auch mal länger am Wochenende.
Was schreiben? Genau das, was einem gerade einfällt. Ohne mich zu zensieren. Am Besten, ohne zu denken. Denken hemmt den Schreibfluss und vermindert den Wert dieser Technik. Wenn mir nichts einfällt, dann würde ich schreiben „Mir fällt nichts ein“. Ist aber nie vorgekommen.

Konkret schreibe ich auf lose Blätter, die ich in einem Umschlag sammle. Oft unterstreiche ich für mich wichtige Sätze. Wenn der Umschlag voll ist, wird ein Teil der Blätter verschreddert. Meistens schaue ich aber vorher noch einmal kurz darüber. Für mich besteht kein Grund, meine Morgenseiten aufzubewahren. Es soll Leute geben, die schreiben ihre Morgenseiten in Tagebücher und sammeln die. Na ja, das muss jeder selber wissen. Wie ich im Internet so lesen kann, hat sowieso jeder seine eigene Art, Morgenseiten zu schreiben.

Die drei Seiten, die Julia Cameron vorschlägt, waren für mich von Anfang an unrealistisch, also schreibe ich nach meinen Möglichkeiten, so 20 bis 30 Minuten. Ich finde es aber wichtig, das vorher festzulegen. Nach Lust und Laune funktioniert das nicht.

Mir ist dabei klar, dass ich bisher zwei „Vorteile“ hatte, die andere vielleicht nicht haben.
Erstens lebe ich allein (immer noch), muss also nicht auf Partner und Familie Rücksicht nehmen, bzw. mit Störungen klarkommen. Zweitens hatte ich keine regelmäßige Arbeit, da ich momentan nicht aufs Geldverdienen angewiesen bin, muss also nicht pünktlich früh aus dem Haus. Dann wäre es vermutlich schwieriger gewesen.

Was habe ich denn so geschrieben? Anfangs kam viel Vergangenheit hoch, unbewältigte, verdrängte Dinge. Das kommt aber auch nach einem Jahr noch. Das nenne ich dann meine Therapie.
Oft kommen Erkenntnisse und Einsichten, die der Verstand nicht findet. Vieles davon ist unangenehm und kratzt ganz gewaltig am Ego.
Später habe ich auch angefangen, einfach Fragen zu stellen und notfalls endlos zu wiederholen „Wie kann ich …? Was mache ich jetzt? Wie geht es weiter mit meinem Leben? Wie komme ich zu mehr Geld? Wer liebt mich? usw. usw.“.
Wann kommen Antworten? Meist nicht gleich beim Schreiben aber (hoffentlich) irgendwann später. Dazu mache ich es ja.
Natürlich schreibe ich auch über alles andere, was mich beschäftigt. Die Nachbarn, die nachts zu viel Lärm machen, die Politiker, die mich ausrauben, usw. usw.
Das schöne an der Technik ist, dass es keine Vorgaben gibt. Jeder schreibt über das, was ihn betrifft.

An manchen Tagen sind meine Morgenseiten zu 50 % Müll. Irgendwelche Wortfetzen, angebrochene Sätze. Manchmal fast unleserlich.
Manchmal kommen auch konkrete Ideen für Aktionen, die übernehme ich dann gleich in meinen Zeitplaner.
An den Tagen, wo es am schwersten fällt, die Morgenseiten zu schreiben, kamen nach meiner Erfahrung übrigens meist die wertvollsten Einsichten.

Was bringt das Ganze? Wozu der Aufwand?
In einem anderen Diskussionsfaden habe ich mich dazu schon mehrmals geäußert und das ist weiter gültig, z.B. hier http://forum.zeitzuleben.de/pers-nli...ameron-21.html

Ich vergleiche das mit dem Umgraben eines Ackers. Der Acker ist mein Bewusstsein. Alte Denkmuster sind verhärtete Trampelpfade und da liegt vielleicht eine Menge Müll herum, vielleicht sogar giftige Altlasten, die sich über die Jahre angesammelt haben und weiter ansammeln.
Durch das tägliche Schreiben am frühen Morgen wird der Acker aufgelockert, frischer Wind kommt ins Leben und man findet nach und nach den Abfall und kann ihn entsorgen. Was aber gelegentlich sehr unangenehm sein kann!!
Außerdem liegen auf dem Acker auch Perlen, Goldstücke oder gar ganze Schatzkisten, die vielleicht schon vor vielen Jahren vom Müll zugeschüttet wurden. Und so etwas zu finden ist immer sehr schön.

Ein konkretes Beispiel bringe ich noch:
Da mir meine berufliche Zukunft nicht klar war, habe ich wochen- und monatelang in meinen Morgenseiten immer wieder diese Frage gestellt „Wo ist mein beruflicher Platz? Was tue ich noch?“
Eines Tages hatte ich dann die Eingebung, mal wieder eine elektronische Schaltung zu basteln. Das hat mir so viel Freude gemacht, dass ich mich seit ein paar Monaten mit Begeisterung wieder in meinen gelernten Beruf als Elektroniker einarbeite und hoffe, demnächst wieder damit Geld zu verdienen. Die Antwort ist also gekommen. Mal schauen wie, wohin das noch führt.

Über Morgenseiten kann man noch viel sagen und das soll hier nicht zu lang werden.
Verstehen werden das sowieso nur diejenigen, die sie selber schreiben.

Ich freue mich jedenfalls, dass ich eine Technik habe, die für mich funktioniert und auf die nächsten 365 Tage Morgenseiten.

Da ist noch mehr drin. Noch viel mehr…
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  #2  
Alt 26.08.2009, 13:09
cinqueterre
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Hallo Gabelsberg,

ohne das selbst zu praktizieren - kann ich mir gut vorstellen, dass es hilft, die Gedanken zu ordnen. Alles, was einen beschäftigt, und man zu Papier bringt, brennt nicht mehr so unmittelbar im Kopf, sondern man sieht es vor sich, und es ist nicht mehr "in einem drin". Man ist auch gezwungen, diese Gedanken in Worte zu packen - das fällt mir nicht immer so leicht...

Ich hab die Angewohnheit, wenn mir zu viel im Kopf herumspukt, mich beim Reden zu Verheddern - weil ich schneller denke als ich spreche. Oft lenke ich auch meine Umgebung mit zusammenhanglosem Zeug von ihrer Arbeit ab... Dabei hat es gar nichts damit zu tun, dass ich mich in dem Moment mitteilen will, sondern es ist für mich eine Möglichkeit, Struktur in mein Denken zu bringen - das, wie ich, oft recht ungestüm ist

Wie auch immer - mir hilft es auch, mir Dinge aufzuschreiben. Sätze, die genauer betrachtet und befühlt werden wollen, landen dann in niedergeschriebener Form in meinem Badezimmer über meinem Spiegel, wo ich sie oft sehe, und oft darüber nachdenke. Sie wirken dann ganz anders, wenn ich sie niedergeschrieben sehe. Oft stoße ich damit Denkprozesse an.

Ja, ich kann mir gut vorstellen, dass man sich damit Gutes tut.

LG
Kathi
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  #3  
Alt 26.08.2009, 22:29
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Hallo kathi,

genau das ist einer der Effekte, durch das Aufschreiben wird der Kopf klarer und wenn man die Dinge zu Papier bringt, sieht man Vieles ganz anders.

Und je klarer es im Kopf wird, umso mehr schaffe ich es, „hier und jetzt“ zu sein.
Das ist für mich auch eine weitere Wirkung des regelmäßigen Schreibens, der Kopf wird gelegentlich ganz frei vom Denken und ich bin einfach nur „da“.

Am Badezimmerspiegel beim morgendlichen Rasieren über irgendwelche aufgeschriebenen Sätze nachdenken ist aber wohl nicht so mein Ding …

Liebe Grüße aus München
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  #4  
Alt 26.08.2009, 22:36
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Wow, gratuliere zu 365 Tagen!

Ich hatte es einen Monat geschafft, dann eine Woche pausiert, dann wieder zwei Wochen, und dann ist's eingeschlafen. Warum eigentlich?

Mistig, wie schnell gute Angewohnheiten einschlafen ...

Zitat:
Zitat von gabelsberg Beitrag anzeigen
An manchen Tagen sind meine Morgenseiten zu 50 % Müll. Irgendwelche Wortfetzen, angebrochene Sätze. Manchmal fast unleserlich.
So wenig Müll nur?

Meine Morgenseiten waren grundstäzlich unleserlich (ich schreibe, nein schmiere, aber auch in 20-25 Minuten 3 A4-Seiten), und oft zu 90 % Müll. Das war dann auch der Grund, warum sie mir immer wieder so schwer fielen - obwohl ich Dir zustimme, gerade dann, wenn ich mit mir gekämpft habe "soll ich oder soll ich nicht, ist ja eh nur Müll", war dann oft irgendetwas drin, das es wert war.

Danke für die Erinnerung auf jeden Fall - ich nehme mir die gleich wieder vor.

lg,

MP
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  #5  
Alt 26.08.2009, 22:37
Anneliese
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Hallo Gabelsberg,

könnte man das auch Abends machen? Oder hat es nur am Morgen 'spezielle' Effekt?

Lieben Gruß
Anneliese
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  #6  
Alt 27.08.2009, 08:33
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Hallo Anneliese,

Julia Cameron hat in „Der Weg des Künstlers – Das Arbeitsbuch“ eine wunderbare Einführung zu den Morgenseiten geschrieben, die mich immer wieder sehr motiviert. Die würde ich am liebsten abtippen und ins Internet stellen, aber vermutlich hätten die Autorin und der Verlag etwas dagegen … (???)

Dort schreibt sie, dass die ersten 45 Minuten des Tages nach Aussage einer Jungschen Analytikerin „ein Zeitraum sind, in dem die üblichen Verteidigungsmechanismen des Egos nicht aktiviert sind. Wir sind den aus dem Unterbewusstsein aufsteigenden Impulsen näher …. … [Die Morgenseiten] erwischen das Ego in einem verteidigungslosen Zustand und daher spricht es freimütig zu uns“. (Ende Zitat)

Das ist nach meiner Erfahrung ähnlich wie mit meditieren.
Früh am Morgen komme ich eher in eine tiefe Meditation, was tagsüber dann gar nicht mehr möglich ist.

Zum Schreiben am Abend meint sie, dass man dann eher über den Tag schreibt, der schon vergangen ist, also mehr zurückschaut als nach vorne und das ist nicht Sinn der Sache.

Aber ich denke, besser am Abend als überhaupt nicht.
Das muss jeder selber ausprobieren und an seine Möglichkeiten anpassen.

Liebe grüsse
gabelsberg
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  #7  
Alt 27.08.2009, 11:03
Anneliese
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Zitat:
Zitat von gabelsberg Beitrag anzeigen
Dort schreibt sie, dass die ersten 45 Minuten des Tages nach Aussage einer Jungschen Analytikerin „ein Zeitraum sind, in dem die üblichen Verteidigungsmechanismen des Egos nicht aktiviert sind. Wir sind den aus dem Unterbewusstsein aufsteigenden Impulsen näher …. … [Die Morgenseiten] erwischen das Ego in einem verteidigungslosen Zustand und daher spricht es freimütig zu uns“. (Ende Zitat)

Das ist nach meiner Erfahrung ähnlich wie mit meditieren.
Früh am Morgen komme ich eher in eine tiefe Meditation, was tagsüber dann gar nicht mehr möglich ist.

Zum Schreiben am Abend meint sie, dass man dann eher über den Tag schreibt, der schon vergangen ist, also mehr zurückschaut als nach vorne und das ist nicht Sinn der Sache.
Lieber Gabelsberg,

als ich heute früh wach wurde, hab ich an die Morgenseiten gedacht und hatte plötzlich ähnliche Gedanken im Kopf wie Du sie oben beschreibst. Ja, mein Ego ist so früh ja meist noch nicht richtig wach und dann widerspricht es nicht so wie tagsüber oder abends, denn da quatscht es ja ständig.

Mir hat jemand mal den Tipp gegeben nach dem Aufwachen noch fünf Minuten mit geschlossenen Augen liegenzubleiben und einfach hinzuspüren, vielleicht einem Traum nachzuspüren, einfach 'bei sich zu bleiben' und da tauchen dann oft Gedanken auf die mich ein Stückchen weiterbringen

Wenn Du aufstehst und dann zu schreiben anfängst, 'erwacht' da nicht schon das Ego/die 'normalen' Gedanken allein zB durchs Aufstehen?
Wenn ich aufstehe dann beginnt irgendwie damit auch die Routine, meine 'Routinegedanken' fangen an sich bemerkbar zu machen . Also müsste ich ja erst die Routine irgendwie durchbrechen. Na, mal sehen!

Auf jeden Fall vielen Dank für den Tipp mit den Morgenseiten.

Alles Liebe und noch einen schönen Tag
Anneliese
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  #8  
Alt 27.08.2009, 12:42
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@ Anneliese
also ich versuche, möglichst nur eine Notbeleuchtung einzuchalten und mich auch vor dem Schreiben möglichst wenig abzulenken
das soll auch das Erste sein, was man morgens macht
dann hat das eine etwas meditative Stimmung und der Tag hat sozusagen noch nicht begonnen


@MissPig
Danke für deinen Kommentar.
90 % Müll ist doch schon ein ganz guter Anfang, das lässt sich bestimmt auf 80 % reduzieren

Wenn es ganz unleserlich wird, macht es für mich irgendwann keinen Sinn mehr.
Also irgendwie lesbar müssen meine Morgenseiten schon noch sein.



Liebe Grüße euch beide
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  #9  
Alt 27.08.2009, 18:01
Benutzerbild von Snuffles
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Vielen Dank, gabelsberg für diesen Thread! Ich hab vorher noch nie was davon gehört, aber es klingt so, als könnte das die morgendliche Routine sein, nach der ich schon so lange suche. Ich komme unheimlich schlecht aus dem Bett und hab schon alles versucht, um mich zu motivieren. Ich glaube, das könnte klappen! Ich liebe schreiben, vor allem so einfach vor mich hin. Und was Du aus Camerons Buch zitierst über die ersten 45 Minuten des Tages, wo mein Ego anscheinend besonders hilflos ist, finde ich sehr spannend. Dankeschön!

Zitat:
Zitat von cinqueterre Beitrag anzeigen
Dabei hat es gar nichts damit zu tun, dass ich mich in dem Moment mitteilen will, sondern es ist für mich eine Möglichkeit, Struktur in mein Denken zu bringen - das, wie ich, oft recht ungestüm ist
Dir auch vielen Dank, cinqueterre! Vielleicht wächst jetzt mein Verständnis für meinen Freund, der einen 24 Stunden am Tag vollquasseln würde, wenn man ihn liesse... Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei ihm auch eine Strukturierungshilfe ist, danke für den Denkanstoss!
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  #10  
Alt 27.08.2009, 23:27
Anneliese
Gast
 
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Zitat:
Zitat von gabelsberg Beitrag anzeigen
@ Anneliese
also ich versuche, möglichst nur eine Notbeleuchtung einzuchalten und mich auch vor dem Schreiben möglichst wenig abzulenken
das soll auch das Erste sein, was man morgens macht
dann hat das eine etwas meditative Stimmung und der Tag hat sozusagen noch nicht begonnen
Lieben Dank für die Tipps. Ich werde sie morgen früh gleich ausprobieren.

Gute Nacht,
Anneliese
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