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Persönlichkeitsentwicklung Lebensfreude, Glück, Erfolg, Zufriedenheit, persönliches Wachstum, sein Potenzial entfalten... darum geht in dieser Rubrik.

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  #1  
Alt 20.12.2011, 20:15
Benutzerbild von Shiva
Lebenskünstlerin
 
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Beiträge: 205
Frage Von der Bedürftigkeit zum Bedürfnis - sollte ich von einer Beziehung mehr erwarten?

Hallo zusammen,

kurz vor Weihnachten noch ein paar schwerwiegende Gedanken von mir…
Ich bin nun fast 5 Jahre mit meinem Lebensgefährten zusammen. Eine Beziehung wie eine Achterbahnfahrt. Er ist ein „schwieriger“ Mensch, ich habe viel und intensiv gelitten, dadurch bin ich aber auch ein großes Stück weiter gekommen, auf dem Weg zu mir selbst.

Seit einiger Zeit wieder „räumlich getrennt“, geht es mir zunehmend besser, ich bekomme wieder Luft, habe Raum für mich, und Gelegenheit, weitere Erkenntnisse zuzulassen. Meine derzeitige Phase besteht darin, zu realisieren, dass ich fast mein ganzes Leben versucht habe, geliebt zu werden (diese Formulierung klingt absurd, trifft es aber trotzdem). Ich habe mich in Beziehungen verloren, alles getan, eine „tolle Frau“ zu sein und erst in der jetzigen Partnerschaft begriffen, dass Liebe nicht „machbar“ ist. Dass ich sie nicht für Leistung, gleich welcher Art, bekomme.
Ich fing an zu akzeptieren, dass der andere nicht für mein Glück und Wohlbefinden zuständig ist. Ich habe aufgehört, alles mögliche von meinem Partner zu erwarten. Und angefangen, mehr auf mich zu achten. Gefühle und Bedürfnisse – ein großes Neuland für mich, spannend und vielversprechend…

Im Moment bin ich an einem Punkt, wo ich mich frage, warum ich mit meinem Partner zusammen bin. Wir haben einen kleinen Sohn, das verbindet, aber was ist mit der Beziehung? Ich stelle fest, dass mir manches fehlt, im Zuge meiner Erkenntnisse über Bedürfnisse. Ich finde, er ist nicht sehr einfühlsam, verständnisvoll, empathisch. Ich habe oft den Eindruck, er erkennt wenig an, kann keine Wertschätzung ausdrücken, sieht mich eigentlich nicht. Bzw. nur Fragmente.

Ja, ich fühl mich eigentlich oft alleine. Obwohl er regelmäßig an den Wochenenden zu mir und unserem Sohn kommt, spüre ich nicht, dass er sich wirklich für mich interessiert. Für mich als Mensch und Persönlichkeit mit vielen Aspekten.

Ich habe gestern den Film „Erbsen auf halb acht“ gesehen, in dem sich zwei Blinde, ein Mann und eine Frau sehr behutsam näherkommen. Es gibt eine Szene, die mich so berührt hat, dass ich weinen musste, als er die Frau beschreibt, denn er tut dies so tief und so wahrhaftig und irgendwie so rein – ich kann es nicht besser ausdrücken. So möchte ich gesehen und wahrgenommen werden, in all meinen Facetten.
Aber natürlich lässt sich so etwas nicht erbitten. Von meinem jetzigen Partner erwarte ich das sowieso nicht – das wäre eine Utopie. Und ich frage mich, ob ich zuviel erwarte, oder ob diese Tendenz meiner Entwicklung ihre Berechtigung hat. Ich weiß auch gar nicht so recht, was ich jetzt eigentlich von euch wissen will, aber vielleicht fühlt sich ja jemand angesprochen, der meine Gedanken nachvollziehen und etwas dazu sagen kann.
Ich würde mich sehr freuen.

Geändert von Shiva (20.12.2011 um 20:25 Uhr)
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  #2  
Alt 21.12.2011, 00:34
Benutzerbild von Stick
Schreiberling
 
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Ich habe den Film leider nicht gesehen und kann daher nur allgemein antworten.

Ich denke, das größte Geschenk, das ein Mensch einem andern machen kann ist, ihm das Gefühl zu geben, daß er so gut ist, wie er ist. Das Gefühl akzeptiert zu sein und sich nicht ändern zu müssen und verstanden zu sein.

War es das, was Du sagen wolltest?

LG
Stick
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  #3  
Alt 21.12.2011, 06:48
Über-Schreiberling
 
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Zitat:
Und ich frage mich, ob ich zuviel erwarte, oder ob diese Tendenz meiner Entwicklung ihre Berechtigung hat.
Guten Morgen, Shiva...
einige lose Gedanken von mir, zu dem Zitat im Besonderen und zu Deinem Text generell:

Ich dachte lange Jahre, dass ich etwas Besonderes sein müsse, um geliebt zu werden. Damit verbaute ich mir, durch die selbst konstruierte Vorgabe, was ich sein müsste (um vermeintlich liebenswert zu sein), die Sicht auf die Person, die ich wahrhaftig bin. Ich persönlich begann, als mir das augenfällig wurde, dieses konstruierte Ideal zu hinterfragen und stieß im Zuge dessen auf den Umstand, dass dieses Ideal im Grunde nichts von mir enthielt, sondern sich zusammensetzte aus Fragmenten derer Erwartungshaltungen, von denen ich annahm, dass sie an mich gerichtet seien.

Das waren vielfach Überbleibsel aus meiner Kindheit. Aus dem, was meine Großeltern an mich herangetragen hatten - und Lehrer, Mitschüler, Tanten und Onkel. Ein Konglomerat aus Projektionen und kindlichen Interpretationen, in einer Tretmühle zutiefst menschlicher Bedürfnisse und Wünsche, nach Geborgenheit, Angenommensein, Verständnis, Aufmerksamkeit, Zuwendung usw. Ich enthielt mir das, was ich mir am meisten wünschte vor, indem in mir eine Instanz existierte, die davon überzeugt war, mir dies alles erst dadurch verdienen zu müssen und erst dann annehmen zu können, wenn ich all diese Erwartungen - die ich mir irgendwann zu eigen gemacht hatte - bedient und erfüllt hätte. Vorher prallten alle positiven Feedbacks an mir ab, an einer inneren Mauer aus Minderwertigkeitsüberzeugungen, es nicht verdient zu haben, nur aufgrund meines "so Seins".

Als mir das wirklich bewusst wurde und ich immer mehr in der Lage war, mich von diesen alten, adaptierten Erwartungen zu befreien, da wurde der Blick frei, auf den Menschen der ich tatsächlich bin. Ich sah mich, mit all meinen Macken, aber endlich auch mit meiner Stärke, meinen Talenten und der Reichhaltigkeit meines Wesens. An diesem Punkt erlebe ich Deinen Text. Du scheinst an diesem Teil des Weges angekommen zu sein und stehst an der Weggabelung, Dich neu zu orientieren, hin zu Dir selbst, dem Menschen der Du wirklich bist. Sicherlich hat das (s)eine Berechtigung, so wie alles in und an Dir berechtigt ist.

Ich persönlich glaube ja, dass man erst dann erkennen kann, was man wirklich will und braucht, wenn man weiß, wer man ist. Insofern würde ich an Deiner Stelle mir Zeit nehmen, in mich hineinhorchen, im Umgang mit den Menschen die Dir lieb und teuer sind, um zu eruieren, wer von diesen Menschen Dir gut tut und wer nicht. Und wenn nicht, was genau es ist was da nicht gut tut. Ja, und das dann kommunizieren. Auf die Reaktion kannst Du ja dann wiederum reagieren.

Oder etwas weniger verquast: Ich würde mich in Ruhe vorbereiten und dann mit ihm reden, wäre ich in Deiner Haut. Ich weiß nicht, ob Dir das hilft, hoffe es aber. Wie immer Du jedoch jetzt weiter verfährst, ich wünsche Dir alles erdenklich Gute auf diesem, Deinem ganz persönlichen Weg.

Herzliche Grüße

Legendenwind

Geändert von Legendenwind (21.12.2011 um 07:01 Uhr) Grund: Kleine Spezifikation :-)
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  #4  
Alt 21.12.2011, 08:50
Benutzerbild von Shepherd
Guter Geist
 
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Zitat:
Zitat von Legendenwind
Ich persönlich glaube ja, dass man erst dann erkennen kann, was man wirklich will und braucht, wenn man weiß, wer man ist.
Mitunter läuft es auch im umgekehrten Sinn, wobei das eine jeweils das andere voraussetzt.

Zitat:
Zitat von Shiva
Ich stelle fest, dass mir manches fehlt, im Zuge meiner Erkenntnisse über Bedürfnisse. Ich finde, er ist nicht sehr einfühlsam, verständnisvoll, empathisch. Ich habe oft den Eindruck, er erkennt wenig an, kann keine Wertschätzung ausdrücken, sieht mich eigentlich nicht. Bzw. nur Fragmente.
Die schreibst "Liebe ist nicht machbar" und hast das richtig erkannt. Wenn "sie" jedoch offensichtlich da ist und sich spürbar macht, ist sie hingegen "organisierbar", will sagen: die beiden (das Paar) können - in Akzeptanz des So-seins des anderen, über ihre Liebe reden und sich dabei klar werden, wie der gemeinsame Weg aussehen könnte. Diese "Praxis" setzt allerdings voraus, was Legendenwind (Zitat oben) schon geschrieben hat.

Liebe ist (mMn u.a.) das unsägliche Gefühl, "dazu zu gehören" und zwar - wie du sagst - mit dem und durch das eigene(n) "So sein". Um "zu jemand" zu gehören, braucht es mindestens zwei, wobei die Tendenz besteht, dass beide nur aus ihrer eigenen Perspektive schauen. Im Wirbel der Vorstellungen, der Bedürfnisse, der Erwartungen und Ansprüche geht der Versuch, auch mal "aus der Perspektive des Partners zu schauen", oft verloren. Viele Selbsterkenntnisse verstecken sich hinter Projektionen, die auf den Partner gelenkt werden, so dass es durchaus sinnvoll ist, die eigenen "Feststellungen am anderen" einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und sich diesbezüglich selbst zu hinterfragen.

Zitat:
Ich enthielt mir das, was ich mir am meisten wünschte vor, indem in mir eine Instanz existierte, die davon überzeugt war, mir dies alles erst dadurch verdienen zu müssen und erst dann annehmen zu können, wenn ich all diese Erwartungen - die ich mir irgendwann zu eigen gemacht hatte - bedient und erfüllt hätte.
Das ist - leider noch immer - eine weit verbreitete "Meinung", welche die Betroffenen in eine Verhaltenweise hinein manövriert, die sie "immer" (ist änderbar) "auf den zweiten Platz" verweist.

Wir brauchen uns unser Leben nicht zu verdienen, wir haben es schon ... wir brauchen es nur noch zu leben. Wie und was und wo wir leben, bestimmen letzten Endes wir selbst. Wenn wir die Bestimmung unseres Lebens anderen überlassen, leben wir unser Leben nicht.

Ich plädiere für die Neuschreibung eines unsinnigen Gebotes etwa in dieser Form: "Du darfst deine Eltern ehren, wenn du magst und wenn sie dich schlagen (nicht unbedingt mit Händen und Gegenständen, sondern auch mit inflationären und unsinnigen Worten und Belehrungen), sollst du dich wehren."

Da wir das als Kinder oder noch als postpubertäre Jugendliche in unserem Sturm und Drang nicht immer "ordentlich" hinkriegen, bleibt uns die Möglichkeit, es als weit- und klarsichtigere Erwachsene nachzuholen, ... sogar noch dann, wenn die Eltern/Erziehungsberechtigten nicht mehr zugegen sind, um auch diese Erfahrung (mit) zu machen.

Ah ja und noch was: Ein Kind verbindet zwar, es bindet jedoch nicht.

lG

Geändert von Shepherd (21.12.2011 um 09:06 Uhr)
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  #5  
Alt 21.12.2011, 09:21
Guter Geist
 
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Zitat:
Zitat von Shiva Beitrag anzeigen
und Gelegenheit, weitere Erkenntnisse zuzulassen.
Ist das Wort "zulassen" bewußt so gewählt ? Ich vermute schon.
Erkenntnisse sollten aber nicht zugelassen werden, sondern gewonnen werden.
Vielleicht gibt es in Deinem Leben vieles, was man mit dem abgedroschenen Wort "Glaubenssätze" verbindet?!
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  #6  
Alt 21.12.2011, 09:57
Benutzerbild von Shiva
Lebenskünstlerin
 
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Hallo Stick,

ja, in diese Richtung geht es, verbunden mit einer "Sicht - und Spürbarkeit" desselben. Dieser Wunsch in mir resultiert daraus, dass mein Partner mir zwar in Gesprächen immer sagt, dass er mich wahrnimmt, meine Gefühle erkennt etc., aber leider ist davon im täglichen Umgang wenig zu spüren. Die Tatsache, dass er nach 5 Jahren immer noch bei mir ist, bedeutet für mich noch lange nicht, auch ganz angenommen zu sein...

LG,
Shiva
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  #7  
Alt 21.12.2011, 10:30
_Yule
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Zitat:
Die Tatsache, dass er nach 5 Jahren immer noch bei mir ist, bedeutet für mich noch lange nicht, auch ganz angenommen zu sein
Was aber vll weniger mit Dir zu tun hat, als mit ihm selbst. Vll kann er sich selbst nicht mehr annehmen, oder er hat einfach eine andere Gefühlssprache als Du. Nach dem, was Du schreibst, scheint er Dir aber das zu geben, was er eben geben kann von dem Stand aus, auf dem er ist.

Was Liebe und Erwartung angeht: ich kann da nur sagen, dass sich das bei mir massiv geändert hat, seit ich die Familienphase hinter mir habe. Ich bin heute in der glücklichen Lage, einfach mit Neugier zu gucken und mich an dem Kern meines Lübsten zu erfreuen, weil ich eigentlich nicht viel von ihm brauche. Dadurch krieg ich es aber zum ersten mal in einer Beziehung genauso zurück - er erfreut sich einfach an mir und freut sich mit mir und für uns.

Ich habe sicher anders geguckt und folglich auch anders ausgewählt, als ich für mein Kind noch sorgen musste. Die Bedürftigkeit war viel höher, das Bedürfnis nach Ausgleich durch die Liebe und Fürsorge eines Mannes auch.

Es hat sich in dem Moment geändert, als ich für mich beschlossen hatte, keine Beziehung mehr anzustreben, da mir der Preis der Anpassung und der Abstriche, der/die da von mir erwartet wird/werden, zu hoch ist. Ich gab mir dafür etwas anderes zum Ausgleich, mit dem ich gut leben konnte, ohne zu grollen. Und dann passierte eben genau diese Absichtslosigkeit, die mich/uns in der heutigen Beziehung trägt.

Vom Gedanken "der (Selbst-)Wert bemisst sich an der Leistung" wegzukommen ist sicher ein Prozess, dem sich die meisten von uns im Leben stellen müssen. Das andere aber ist es, wieder in ein Handeln aus Freude, aus Neugier zu kommen. Warum soll ich mir einen Partner suchen, bei dem ich mir irgendwas verdienen muss? Das ist doch nur die Wiederholung dessen, was wir gewohnt sind (meist aus unserer Herkunftsfamilie). Ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass ich heute mit einem Menschen zusammen sein kann, weil mir seine innere Schönheit so gefällt. Die sehe ich nämlich auch dann noch, wenn er nicht so handelt, wie ich es jetzt vll brauchen würde oder gern hätte.

klingt jetzt vll etwas schmalzig, aber Liebe und Erwartung und Liebe und Leistung, das muss nicht zwangsläufig so sein. Es ist halt auch eine Frage der gesamten Lebensumstände (Kind aufziehen) und des eigenen Entwicklungsprozesses.
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  #8  
Alt 21.12.2011, 10:38
Über-Schreiberling
 
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Zitat:
Zitat von Shepherd Beitrag anzeigen
Mitunter läuft es auch im umgekehrten Sinn, wobei das eine jeweils das andere voraussetzt.
Ja, ich erlebe das als einen stetigen Prozess. Als ein immer wieder neues Verorten und Bestimmen des eigenen Seins|standes und daraus resultierend das neuerliche Hinterfragen und Finden dessen, was man will und braucht (oder sich eben darin [wieder] zu finden). Es ändert sich im Laufe des Lebens, verändert seine Gewichtungen. Es gibt Bedürfnisse, die hat man meiner Erfahrung nach immer, weil sie einfach dem eigenen Charakter entsprechen und dem Menschsein an sich. Solche Sachen wie Kommunikation, Austausch, manchmal auch Sicherheit, Geborgenheit, Spannung, (als sinnvoll erlebte) Aufgaben usw. Aber der Vorrang variiert.

Uh... ich hoffe, das ist halbwegs verständlich, ich kaue da gerade selbst noch drauf herum.

Lieben Gruß

Legendenwind
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  #9  
Alt 21.12.2011, 10:58
Benutzerbild von Shiva
Lebenskünstlerin
 
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Hallo Legendenwind,

ja, diese Weggabelung kommt immer näher... Auch ich habe mich in der letzten Zeit intensiv mit dem auseinandergesetzt, von dem ich denke, dass es mich am "ich selbst sein" gehindert hat. Alte Konditionierungen, Kindheitsverletzungen, jede Menge Muster, die uns in dieser Gesellschaft automatisch, von allen Seiten und ununterbrochen vorgelebt und gepredigt werden.
Und je mehr ich mich von all diesen Strukturen entferne, desto näher komme ich mir selbst. Das ist wunderbar und befreiend, macht mich aber zum jetzigen Zeitpunkt auch unsicher, weil ich spüre, dass sich für mich möglicherweise mehr ändern wird als nur meine Ansichten.
Da ich mittendrin bin - und von dort aus verliert man bekanntermaßen den Überblick - fühle ich mich wohl mit deinem Rat, erst einmal abzuwarten, um herauszufinden, was ich wirklich brauche und möchte.
Vor allem will ich herausfinden, ob ich in einer Beziehung leben möchte, in der bestimmte Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Ich lerne, mich um mich selbst zu kümmern und dass der Partner nicht für mein Glück zuständig ist. Andrerseits: wo fängt der Kompromiss an? Wenn ich, mal überspitzt formuliert, alles mit mir alleine ausmache, kann ich doch gleich alleine leben, oder?
Ja, da gibt es für mich noch einiges zu klären. Nur: mit meinem Partner über dieses Thema zu sprechen erscheint mir recht sinnlos. Natürlich habe ich das immer mal versucht, nur bringt es meiner Ansicht nach nichts, wenn er zwar versteht, was ich meine, aber gleichzeitig davon überzeugt ist, das, was ich mir wünsche, bereits zu tun - während ich den Eindruck habe, er interessiere sich nicht allzusehr für mich.
Durchaus möglich, dass dies alles etwas schräg klingt, ich schließe auch nicht aus, dass ich in diesem Zusammenhang ein Defizit habe: von meiner Mutter fühlte ich mich nie geliebt, nun geht es mir mit meinem Partner ähnlich.
Viel Stoff zum Nachdenken...
Herzlichen Dank für deinen Beitrag und die lieben Wünsche!

LG,

Shiva
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  #10  
Alt 21.12.2011, 13:51
Über-Schreiberling
 
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Grüß Dich, Shiva.

Zitat:
... jede Menge Muster, die uns in dieser Gesellschaft automatisch, von allen Seiten und ununterbrochen vorgelebt und gepredigt werden.
Ja, ein weites Feld, auf dem u. a. auch noch die mediale Berieselung einen Faktor darstellt. Ich hatte ganz schön zu knacken, an der schlussendlichen Erkenntnis, dass das Alltagsleben nun einmal keinem Hochglanzprospekt entsprechen wird - niemals. Egal wie sehr ich mich auch abstrampeln mag. Und nachdem ich meinen zutiefst beleidigten Perfektionismus mit einem Eis getröstet hatte, zubereitet aus gar nicht so schlechten Kompromissen, da spürte ich die enorme Erleichterung, die dieser Abschied vom Ideal mit sich brachte. Ich konnte auf einmal viel freier atmen, mich viel besser als Mensch annehmen und schämte mich auch nicht mehr latent, meiner nicht gegebenen Makellosigkeit.

Und ich hörte auf, beim Sex den Bauch einzuziehen, was noch viel entspannender war. Okay - ganz anderes Thema.

Zitat:
...dass sich für mich möglicherweise mehr ändern wird als nur meine Ansichten.
Oh ja - wie ich das kenne! Man beginnt zu ahnen, dass kein Stein auf dem anderen bleiben wird und es wird einem eng in der Herzgegend - die Angst vor der Angst. Geh Schritt für Schritt, finde Dein Tempo, dann bleibt es erfahrungsgemäß beherrschbar.

Was ich in dieser Situation noch getan habe:

- Mich immer wieder hinterfragt, wovor genau ich da Angst hatte? WAS ich fürchtete zu verlieren? Und, ob ich es zwangsläufig verlieren würde - oder es sich nur ändern würde (dürfen)?

- Mir Türen zu mir selbst erschlossen. Dinge, um mit mir in Kontakt zu kommen. Ich probierte Meditation, Entspannungstechniken, wurde ein Kosmetikjunkie, der mir tollen Duftleckerlies über Stunden im Bad und unter der Dusche verschwindet. Richtete mir mit dem Holden einen Fitnessraum ein, gewöhnte mir an, mein Essen liebevoll anzurichten und mir Zeit dafür und für mich zu nehmen. Kurz: Ich erlernte gut zu mir zu sein und für mich zu sorgen. Und, oh Wunder, je liebevoller ich mir selbst gegenüber wurde, umso mehr nahm ich die mir entgegegebrachte Liebe der Anderen wahr. Ich lernte in jener Zeit auch über mich, dass ich nah am Wasser gebaut habe. Ich bin immer so gerührt .... (zum Glück nicht gleich geschüttelt)...

Zitat:
Vor allem will ich herausfinden, ob ich in einer Beziehung leben möchte, in der bestimmte Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Ich lerne, mich um mich selbst zu kümmern und dass der Partner nicht für mein Glück zuständig ist. Andrerseits: wo fängt der Kompromiss an? Wenn ich, mal überspitzt formuliert, alles mit mir alleine ausmache, kann ich doch gleich alleine leben, oder?
Hm... das wirst Du natürlich nur in und für Dich selbst herausfinden können, aber ich erzähle Dir mal, wie das bei mir war. Ich hatte lange Jahre eine romantisch-infantile Vorstellung von Liebe, in der mein Holder der güldene Ritter (und Retter) war, der fortan mein Leben vollständig erfüllen sollte. Dass das nicht funktionierte, das merkte ich recht schnell und unsere Beziehung kam in eine Krise, zu deren schlimmsten Zeiten wir regelrecht Krieg gegeneinander führten.

Irgendwann legte sich das, was ich vorrangig auch auf meine Veränderungen in der Erwartungshaltung zurückführe. War ich lange Zeit der Meinung gewesen, dass mein Mann mir einfach etwas vorenthalten und nicht auf mich eingehen wolle, so zog ich nun die Möglichkeit in Erwägung, dass er es schlicht nicht könne, jedenfalls nicht auf MEINE Art, wie ich es verlangte/erwartete, sondern, dass er es längst schon tat, auf SEINE Art, im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Ich setzte mich also hin und arretierte den Fokus neu. Weg von dem, was ich vermeintlich nicht hatte, hin zu dem, was ich bekam. Und, dass das eine ganze Menge war, das erschloss sich mir erst, als ich den Tunnelblick meiner Erwartungshaltungen aufgab und zusätzlich noch die Möglichkeit in Erwägung zog, meine Bedürfnisse auf mehrere Menschen zu verteilen. Kein Mann wird mir die gleiche nähevolle Freude bereiten können, wie ich sie an einem kicherigen Weiberabend habe. Keine Frau, wird mir die Tiefe einer philosophisch sachlichen Auseinandersetzung und (erotisch-geistigen) Dominanz (oder des herr-lichen Gehabes) eines Mannes, zu schenken in der Lage sein.

Und kein Mensch kann mir alle meine Bedürfnisse erfüllen, außer ich selbst, die ich diese verteile und deren Befriedigung auch zulassen muss. Denn das ist auch noch ein Faktor > inwieweit bin ich angstfrei genug, das anzunehmen was ich bekomme, ohne Panik zu bekommen, mich davon womöglich abhängig zu machen? Wie sehr bin ich ein Fass ohne oder mit Boden, für positive Energie? Und schlussendlich gilt es mE abzuwägen, bekomme ich genug in einer Beziehung, dass es für eine solche reicht? WAS genau erwarte und wünsche ich eigentlich? WAS KONKRET sind meine Prämissen in einer Beziehung?

Das zu prüfen und kritisch zu hinterfragen, hat mich sehr viel weitergebracht. Ich habe mir zeitweilig Listen gemacht, was auch sehr aufschlussreich für mich war. Aber wie auch immer, es ist meiner Ansicht nach nur eines sicher, dass Du die Antwort nicht im Außen finden wirst oder bei Deinem Partner - sondern nur in Dir selbst. Und solange Du noch so unklar bist in Dir, ist es (meiner Erfahrung nach) auch noch sinnig abzuwarten.

So, ich hoffe, ich habe Dich jetzt nicht zu Tode gelabert und konnte ein wenig aufdröselnd wirken.

Viele liebe Grüße

Legendenwind
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