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  #11  
Alt 22.02.2012, 14:02
Benutzerbild von Condor
Über-Schreiberling
 
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Hallo just me,

naja, dass man gern alles auf sich bezieht, entspricht ja nicht den Tatsachen, man macht es meistens automatisch, weil es so anerzogen worden ist. Bei mir ist es jedenfalls so. Als ich Kind war und auch darüber hinaus, wurde mir immer! unterstellt, ich sei an allem schuld. Ging etwas kaputt, wurde nicht nachgedacht, sondern immer zuerst nach mir gerufen. Das allein wäre nicht so schlimm gewesen, ich hätte mich rausreden können, aber meine Eltern haben mir gar nicht vertraut (weil sie ja dachten, dass ich böse bin und ihnen das Leben versauen will). So war es egal, was ich zu den Vorwürfen sagte, denn sie wollten nur hören, dass ich schuld war. Aus meiner Sicht haben sie mich so zum lügen gezwungen, denn ich lernte mit der Zeit, was sie hören wollten und gab ihnen, was sie wollten, auch wenn es Lügen waren.
Ironischer Weise behaupteten sie dann später, dass ich als Kind nur gelogen hätte.
Es stimmte zwar, dass ich als Kind viel gelogen hatte, aber die Gründe hierfür bleiben ihnen bis Heute verschlossen, weil sie so weit nicht denken können.

Ich schrieb ja schon, dass viele Menschen autistische Züge haben, ohne dabei Autisten zu sein. Zum Beispiel meine Mama, die liest gerade ein Buch, welches ich ihr angeboten habe, um mich besser zu verstehen (Tony Attwood - "Ein ganzes Leben mit dem Asperger Syndrom") und sieht doch so nach und nach, dass sie selbst eben auch autistische Züge hat.

Sie stellt ihre Kaffeebecher immer auf die gleiche Art und Weise in den Küchenschrank und wenn ihr das jemand durcheinander bringen würde, dann, das musste sie sich eingestehen, wäre sie sehr sauer und würde alle Becher wieder so hinstellen, wie es für sie richtig ist. Oder auch, sie hängt ihre Wäsche nach einem ganz bestimmten Prinzip auf und wehe, jemand käme vorbei und würde, um ihr helfen zu wollen, die Hemden zwischen die Unterhosen hängen, verstehst Du? Es sind oft nur Kleinigkeiten, wichtig ist dabei, wie reagierst Du, wenn jemand käme und es ändert. Wenn es Dich so sehr stören würde, dass Du es umgehend wieder so machen musst, wie Du es immer gemacht hast, dann hast Du in diesem Bereich autistische Züge. Aber Du bist deswegen noch kein Autist (im klinischen Sinne), dafür brauchts noch mehr.

Mein Sohn ist ebenfalls Asperger Autist und durch seine Diagnosestellung bin ich überhaupt auf mich selbst gekommen. Ich las das Buch von Tony Attwood und dachte, da hat jemand ein Buch über mich geschrieben.
Und weil mir das keine Ruhe gelassen hat, habe ich mich dann abgleichen lassen.

Mit meinem Sohn verstehe ich mich meistens gut, wir sind zwar in Einzelbereichen sehr unterschiedlich, haben aber oft den selben Humor und können über Dinge lachen, die andere nicht komisch finden. Da er, im Gegensatz zu mir, lange Jahre nicht über sich und seine Gefühle sprechen konnte, war es sehr schwierig mit ihm. Jetzt, wo er viel besser darüber sprechen kann, ist es einfacher mit ihm, weil er eben sagen kann, was ihn bedrückt usw.

Traurig finde ich aber immer noch, wie wenig in der Gesellschaft über Autismus gewusst wird. Die meisten kennen den Film "Rain Man" und das ist dann ihr Wissen.
Im letzten Jahr musste ich ins KH und da haben die blöden Schwestern mich zum Teil lauthals ausgelacht, weil sie meinten, ich sei kein Autist, ich könnte ja sprechen.

Du hast aber wohl Recht, dass ich mit meiner Familie nicht ganz so einsam bin, als ohne. Dennoch fehlt mir in meinem Leben ein echter Freund, naja kann ja noch kommen.

Condor
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  #12  
Alt 22.02.2012, 15:31
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lieber condor,

tja, das mit dem gern ist wirklich relativ .
wir in der schweiz sagen das dann, wenn etwas rasch und ohne viel nachdenken einfach passiert.
nein, solche dinge wie du sie beschreibst, habe ich nicht erlebt. bei mir war es so, dass ich sehr früh viel verantwotung übernehmen musste. möglicherweise ist das der grund, warum ich dinge auf mich beziehe.
das mit dem lügen, dass dir erst antrainiert und später auch noch vorgeworfen wurde, ist wirklich doof.

ob dein tony irgendwas mit diesem tony hier gemeinsam hat?
http://www.amazon.de/Tony-Erfahrunge...9920118&sr=1-1

dieses buch habe ich vor vielen jahren gelesen und es hat mich in vielerlei hinsicht fasziniert. erstens natürlich näheres über diese wenig bekannte krankheit zu erfarhren und zweitens natürlich wegen der mutter, die für ihr kind kämpft und kämpft und niemals aufgibt.

das mit den kaffeebechern finde ich lustig. aus diesem blickwinkel gesehen wäre ich völlig autiismus frei!

was du über deinen sohn schreibst und das er dich erst auf deine eigenen mankos hingewiesen hat, finde ich auch interessant. obwohl ich bei meinen eigenen kindern keine krankheiten entdecken konnte, wurden mir viele dinge durch sie klarer. die eine oder andere eigenart, die man weitervererbt hat z.b.
da gibt es wirklich viel spannendes zu entdecken.

was du über deinen umgang mit deinem sohn schreibst klingt sehr viel anders als das, was du von deinen eltern mitbekommen hast. oftmals wird ja behauptet, dass man nichts weitergeben kann, was man nicht selbst erfahren hat, aber ich stelle das selbst auch in frage.

mach es doch wie ich und mache aus dem einen oder anderen familienmitglied einen freund oder eine freundin. für mich ist es toll, mit diesen menschen, die mich so gut kennen in engem kontakt zu sein. denen muss ich eine ganze menge gar nicht erklären, die wissen schon lange, wie ich funktioniere
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  #13  
Alt 22.02.2012, 17:08
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Hallo just me,

was bei Dir mit dem gern ist, so ist es bei mir mit dem Wort komisch. Wenn ich etwas komisch finde, dann nicht im Sinne von lustig, sondern im Sinne von merkwürdig. Das kann schon manchmal unangenehm interpretiert werden, wenn ich etwas Schlimmes dann komisch finde (muss ich immer gleich erklären).

Das Buch kenne ich, hab ich auch gelesen, aber nein, mein Tony hat keine zerebrale Allergie gegen Milch. Wir haben vor ein paar Jahren einen ImmoPro Immuntest mit ihm gemacht. Danach hat er 1 Jahr diverse Lebensmittel und Zusätze weggelassen, unter anderem auch Kuhmilch, was für ihn sehr schwer war, weil er sowieso sehr wenig verschiedene Dinge isst. Mein Sohn ist überempfindlich in den Bereichen Hören und Schmecken und auch sensorisch, aber es ist etwas anders ausgeprägt, als wenn er nicht autistisch und überempfindlich wäre.
Als er noch jünger war, so bis zu seinem 10. Lebensjahr in etwa, musste ich ihn jedes Mal, wenn ich ein Haushaltsgerät angestellt habe, vorwarnen, damit er Zeit hatte, sich entweder die Ohren zuzuhalten oder den Raum/das Haus zu verlassen. Er hört jetzt nicht jedes kleinste Piep, aber er ist extrem empfindlich gegenüber lauten Geräuschen, obwohl er auch selbst laut sein kann. Das stört ihn dann nicht.

Wie ich Heute mit meinem Sohn umgehen kann, dass musste ich erst mit den Jahren lernen. Früher... da habe ich viele Fehler gemacht, die ich von zu Hause nur zu gut kannte. Aber man ist ja Mensch und Menschen machen Fehler und können dazu lernen und als ich erkannte, dass ich mich doch sehr wie meine Eltern verhielt, habe ich die Notbremse gezogen und angefangen an mir zu arbeiten.

Ich denke, dass es stimmt, dass man nur das weitergeben kann, was man selbst erfahren hat. Wenn man als Erwachsener seine eigene Kindheit nicht aufgearbeitet und realistisch betrachtet hat, dann wiederholt man, was mit einem selbst passiert ist, sehe ich jeden Tag bei zigs Leuten.

Aber die positive Nachricht ist, dass man nicht in diesem Zustand bleiben muss, man kann etwas verändern, man kann dazu lernen, wenn man die Notwendigkeit sehen kann.

Ich habe es irgendwie geschafft mich zu ändern und wenn andere sagen, dass ich ein tolles Kind habe, dann weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Aber das alles hat mich viel gekostet, da ich permanent über meine Grenzen gehen musste und jetzt bin ich dabei, auch mich wieder aus dem Sumpf zu holen.

Da meine Ehe sowieso mehr einer Freundschaft gleicht, habe ich kein Bedürfnis mir hier noch mehr Freunde zu suchen, ich halte es gar für falsch, sich die eigenen Kinder zu Freunden zu machen. Ich denke, dass wäre für meinen Sohn die falsche Entwicklung. Ich bin Elternteil für ihn, das muss so bleiben. Freunde muss er sich außerhalb der Familie suchen, nicht innerhalb. Und genauso muss ich mir Freunde außerhalb der Familie suchen, weil ich auch mal was anderes sehen, hören und erleben will. Sonst bleibt man zu sehr in seinem eigenen Topf. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Condor
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  #14  
Alt 22.02.2012, 19:36
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lieber condor,

ja, diese schriftliche kommunikation zwischen deutschen, össis und schweizern hat wahrhaftig seine tücken
klar, aber komisch kann auch merkwürdig sein. als die worte erfunden wurden, hatten wir ja noch keine staatskrisen, dann hätte man doch ruhiger grosszügiger sein können und für komisch + komisch 2 worte aussuchen können!

spannend, dass diese lebensmittelallergien aber anscheinend doch eine wichtige rolle spielen. ich gehe mal davon aus, dass die ärzte gute gründe haben, alle diese test's zu machen. die zeit mit dem weglassen der lebensmittel war bestimmt ziemlich anstrengend
doch, ich kann mir das gut vorstellen, dass man bei erhöhter sensibilität mit lauten geräuschen seine probleme hat. ist es nicht immer so, dass man den eigenen lärmpegel besser als jeden anderen verträgt?

ja, aber du HAST gelernt, wie du mit deinem sohn umzugehen hast. klar ist eine wichtige voraussetzung dafür die, dass man seine eigene kindheit aufgearbeitet hat. aber vielleicht ist das ja gerade die chance, die sich uns eltern bietet! wer sie ungenutzt verstreichen lässt, ist nicht nur selbst schuld, sondern wird das auch weitergeben. das ist sehr schade, aber wer hingucken will, findet sogar in guten erziehungsratgebern unterstützung.

genau, deine positive nachricht kann ich bestätigen und unterschreiben. es lohnt sich für ALLE beteiligten hinzusehen. klar kann man weggucken, aber ich glaube nur für eine beschränkte zeit ..... irgendwann wird man von den (verdrängten) problemen eingeholt.

das ist wirklich ein tolles kompliment. wer will schon nicht tolle kinder haben
wenn es dich viel gekostet hat, hast du einen hohen preis für ein lohnendes ziel bezahlt.
gut, ob man dafür perse über die eigenen grenzen gehen muss/sollte, weiss ich nicht, aber diese grenzen verwischen sich u.u. manchmal.

dass dich das in den sumpf gezogen hat, tut mir leid

zu meiner ehe gehören unter anderem auch freundschaft und vertrauen. bei den kindern ebenso. da die beiden aber inzwischen erwachsen sind und mein erziehungsauftrag damit abgeschlossen, finde ich das auch ganz okay so.
wen ich aber bei diesen familienmitgliedern unbedingt auch auf dem zettel hatte, waren geschwister, schwägerinnen, nichten, tanten und onkeln und die ganze *meschpocke*. bei mir kommt da so einiges zusammen, die auswahl ist also nicht zu verachten!
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  #15  
Alt 23.02.2012, 08:43
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Hallo Condor,

ein herzliches Willkommen auch von mir!

Ich habe Deine Berichte mit Interesse gelesen und muss zu meiner Schande gestehen, dass ich eine von denen bin, die bei dem Wort Autismus auch immer an Rain Man denken müssen (mussten).

Möchte mich daher schon einmal bedanken, dass ich durch Dich einen anderen Einblick bekommen darf. Ich finde es eigentlich immer beschämend, dass man so wenig weiß. So ist es ja auch kein Wunder, wenn man einander nicht versteht.

Ich werde die Gespräche daher weiter verfolgen und bei Gelegenheit vielleicht auch mal die eine oder andere, mehr oder weniger dumme Frage stellen.

LG
Lilian
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  #16  
Alt 23.02.2012, 16:44
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Hallo just me,

das muss Dir nicht Leid tun, dass es mich in den Sumpf gezogen hat, war nicht der erste Sumpf, wird wohl auch nicht der letzte Sumpf bleiben. Ich hab mich da ja selbst rein befördert, also muss ich auch selbst wieder raus kommen. Derzeit sieht mein Bild im Kopf dazu so aus:
Da ist eine kleine Insel mitten im Sumpf und alle Wege von dort weg sind überschwemmt oder unter gegangen.
Zunächst hatte ich sehr große Angst, weil ich nicht wusste, wie ich dieser "Falle" entkommen könnte, aber dann fiel mir irgendwie zufällig, weil ich nach was ganz anderem gesucht hatte, das Buch in die Hände, wie ich meine Depressionen los werden kann und das Bild veränderte sich:
Auf der Insel lag plötzlich ein Haufen Holz und Steine und ein Werkzeugkasten daneben und mir war klar, dass ich jetzt nur noch zu lernen brauchte, wie ich mir einen Steg zu bauen habe, um die Insel eines Tages wieder verlassen zu können. Ein bisschen habe ich schon mit dem Bauen angefangen, so viel, um darauf sitzen zu können.
Und siehe da, ich fühle mich nicht mehr in der Falle, denn ich weiß, dass es in meinen Händen liegt, dass ich etwas tun kann, dass ich weiß, wie es geht und das tut mir schon mal gut. Dass es trotzdem noch ein weiter und auch schwieriger Weg ist, ist mir auch klar. Aber ich habe einen Anfang gemacht.

So funktioniere ich, indem ich zu meinen Gefühlen und zu meinem Denken, Bilder und Geschichten im Kopf durchspiele. Manche wieder und wieder, andere nur ein Mal. Für mich ist das normal, anders käme ich nicht weiter. Und deswegen brauche ich immer wieder Auszeiten nur für mich, um mit mir selbst zu reden und meine Geschichten im Kopf laut auszusprechen und auszuleben und somit Probleme zu reduzieren und um weiter zu kommen. Habe ich von diesen Zeiten zu wenig, werde ich sehr aggressiv und depressiv.

Ok, zurück zur Verwandschaft, da ist leider auch keiner bei, ich habe nur zu ganz wenigen überhaupt Kontakt und der ist auch sehr sporadisch und selten. Von denen würde auch keiner als Freund in Frage kommen. Es ist aber einer dabei, der mir aus der Ferne in Briefen sehr geholfen hat, vor allem in der Zeit, als ich keinen Kontakt zu meinen Eltern hatte. Obwohl er nicht gutgeheißen hat, was ich getan hatte, so hat er dennoch versucht mich zu verstehen. Er ist ein Onkel von mir, über 80 Jahre alt, sehr lieb und ich habe ihn sehr gern, aber er wohnt im Ausland und von daher ist ein persönliches Treffen sehr schwierig und selten. Mit seiner Tochter unterhalte ich mich öfter mal über Facebook auf englisch.

Ich denke, Freunde werde ich finden, wenn ich dazu bereit bin. Bei meinem Glück wirds aber wohl noch ein paar Jahre dauern.


Hallo Lilian,

es gibt keine dummen Fragen. Das meine ich ganz ernst. Bitte frag, wenn Du Fragen hast. Ich freue mich!



So und nun fahr ich weg in mein WE ohne PC nur mit mir und meinen Geschichten im Kopf. Das wird sicher superklasseruhig! Ich liebe die Stille!

Bis Sonntag oder so!

Condor
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  #17  
Alt 24.02.2012, 12:08
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Hallo Condor,

wünsche Dir ein schönes Wochenende.

Das mit der Auszeit kommt mir bekannt vor. Ich spreche allerdings nicht nur laut im Kopf, sondern wirklich laut mit mir selbst und gehe alle etwaigen Möglichkeiten und Lösungsansätze durch. Hab das auch schon immer gemacht und kann nicht anders. Aber wenn es hilft, ist es doch ok.

Ruhezeiten und absolutes Alleinsein waren für mich schon immer wichtig und ich finde, jeder hat ein Anrecht auf diese "Freiheit". Manche Menschen brauchen davon weniger und andere mehr.

LG
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  #18  
Alt 24.02.2012, 14:11
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Hallo Condor,

ich habe eine Weile überlegt, bevor ich Dir jetzt hier schreibe. Ich weiß wirklich sehr, sehr wenig über Asperger und Autismus und das beschämt mich gerade etwas. Einmal habe ich ein Buch gelesen "Supergute Tage" von Mark Haddon, da geht es um einen autistischen Jungen und ich habe das Buch und den Jungen trotz all seiner Probleme sehr gemocht. Aber das ist ein Unterhaltungs-Buch (Krimi) und somit nichts reales.
Deshalb bin ich etwas gehemmt, Dir hier etwas locker-flockiges reinzuschreiben. Wie meine Tochter immer sagt: "Wenn man keine Ahnung hat, soll man einfach mal die Klappe halten!"

Trotzdem möchte ich Dich ganz herzlich hier willkommen heißen. Wenn Du vorbeischaust, wenn Dir danach ist, ist es gut. Und wenn Du eine Weile die Sache ruhen läßt, ist es auch gut. Das ist das schöne hier...man hat keinen Zwang. Man muß nichts tun oder sein oder darstellen. Also fühle Dich hier wohl. Wir freuen uns, daß Du da bist.

Liebe Grüße
Glühwürmchen
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  #19  
Alt 27.02.2012, 14:07
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Hallo ihr,

ja bin zurück... es war wirklich toll. Ich habe sehr viel über mich selbst erfahren, was ich nur kann, wenn ich allein bin. Gefällt mir zwar nicht so gut, aber so ist das bei Selbsterkenntnissen, die sind nicht immer nur gut.

Ich fahren immer in ein kleines Ferienhäuschen, ganz hier in der Nähe. Es liegt im Wald, es ist ruhig dort, es ist schon etwas älter und somit auch nicht auf dem neuesten Stand, aber das ist mir egal. Es hat einen Kamin, man darf darin rauchen, es gibt keine Spülmaschine, dafür einen altersschwachen Fernseher und es ist sehr günstig. Mit der Vermieterin komm ich gut klar und inzwischen kommt sie wegen mir auch gar nicht mehr her, sondern legt mir den Schlüssel in den Briefkasten. Ich leg ihr das Geld in den Schrank und gut ist. - Das nennt man dann wohl Vertrauen. -

Ich war sofort in meiner Welt und habe sie voll ausgekostet. Ich rede im übrigen immer laut mit mir selbst, im Kopf, das mache ich nur, wenn andere um mich herum sind, weil ich gemerkt habe, dass es nicht gut kommt, wenn man auf der Straße mit sich selbst redet.

Ich habe lecker gegessen und getrunken und noch ein bisschen mehr getrunken und ja, das war schön.

So gut ist es mir noch nie gelungen, mich komplett aus der realen Welt auszuklinken, wahrscheinlich war es auch noch nie so dringend und erforderlich.

Und es war zu kurz.

Dieses mal habe ich 10 Stunden gebraucht, um hier zu Hause wieder anzukommen, nicht real, aber in Gedanken.

Meine Frau hat leider nicht alles gemacht, worum ich sie gebeten hatte, aber das war zu erwarten (warum, dafür mache ich noch einen eigenen Thread auf). Immerhin sind sie und unser Sohn recht gut miteinander klar gekommen. Mein Frau ist keine Autistin, das macht das Zusammenleben nicht immer einfach.

Als ich weg war, hatte ich keine meiner sonst üblichen Beschwerden, das ist mir dieses mal so richtig deutlich bewusst geworden. Ich hatte keine Depressionen, keine Schmerzen, keine juckende Haut, keinen allergischen Schnupfen, es ging mir einfach gut.
Und dann, ich war noch nicht ein Mal körperlich zu Hause, da kamen nach und nach alle Beschwerden zurück und als ich zu Hause war, war alles wieder beim Alten.

Ich hab meinen Sohn gefragt, wie er das macht, wie er es schafft von seiner inneren Welt in die reale Welt zu wechseln? Ich kann das nämlich nicht gut. Es kostet mich sehr viel Anstrengung, vor allem geistig in der realen Welt (damit ist eure nicht autistische Welt gemeint, ähnlich wie Träume nicht real sind, im Gegensatz zum Wachzustand) zu bleiben und nicht immer wieder in meine - ich nenne sie mal, um es zu verdeutlichen, Fantasiewelt - abzudriften.
Mein Sohn sagte, dass ginge bei ihm so, als wenn der Wind eine Seite im Buch umblättert, also automatisch. Das ist gut für ihn.

Bei mir klappt das mit dem Automatischen nicht, das ist irgendwie gestört. Vielleicht liegt es daran, dass ich in meiner Fantasiewelt aufgewachsen bin, mich immer darin geflüchtet hab, wenn es in der realen Welt nicht so geklappt hat oder ich Angst hatte oder so was und das kam sehr oft vor. - Die Borderline-Persönlichkeit, von der ich mich inzwischen getrennt habe, sagte immer, dass ich wie Kaspar Hauser aufgewachsen wäre und dass es von daher logisch wäre, dass ich in der realen Welt nicht zu Hause sein könne. Ist das so einfach?

Jahrzehntelang habe ich mich gezwungen, in der realen Welt bleiben zu müssen, aber gut ist mir das nicht bekommen. - Aber mein Sohn braucht wenigstens einen Erwachsenen, der die Verantwortung übernehmen kann. Das habe ich bisher immer gemacht. Meine Frau macht das nicht, das kann sie nicht.

Ich schweife ab...

Es ist nicht schlimm, dass ihr zum Teil nicht so viel über Autismus wisst, so viel weiß ich da auch noch nicht drüber, kenne meine Diagnose ja auch erst seit drei Jahren. Also macht euch keinen Kopp!

Ich mach da wohl noch einen eigenen Faden zu auf, da könnt ihr dann eure Fragen loswerden und ich schau mal, ob ich sie beantworten kann. Es hilft mir ja auch über Autismus zu reden. Ich mach das schon so lange alles mit mir selbst aus, dass es gut tut, darüber mit völlig Außenstehenden zu reden/schreiben.

Condor
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  #20  
Alt 27.02.2012, 14:19
Über-Schreiberling
 
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Zitat:
Die Borderline-Persönlichkeit, von der ich mich inzwischen getrennt habe, sagte immer, dass ich wie Kaspar Hauser aufgewachsen wäre und dass es von daher logisch wäre, dass ich in der realen Welt nicht zu Hause sein könne. Ist das so einfach?
Prinzipiell ist es das. Ich hatte btw. über Jahrzehnte das gleiche Problem und brauchte es bis weit in die Dreißiger meines Lebens hinein, mindestens einige Stunden am Tag abzutauchen. Es ist zutiefst logisch, das sind Abwehrmechanismen die die Psyche entwirft um überleben zu können und die irgendwann, wenn die Situation sich ändert, sich selbst überleben und vom Lebensretter zur Last mutieren.

Mehr möchte ich nun nicht mehr an Dich gerichtet schreiben, da Du ja deutlich machtest, mit "Menschen wie mir" nichts mehr zu tun haben zu wollen ("Borderline-Thread") und ich auch keine Lust mehr habe, gegen Vorurteile vorzugehen. So bleibt mir nur, Dir alles Gute zu wünschen und einen fruchtbaren Austausch mit anderen Mitgliedern.

Mit freundlichem Gruß
Legendenwind
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