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  #1  
Alt 20.12.2011, 14:45
Über-Schreiberling
 
Registriert seit: 19.12.2011
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Beiträge: 394
Beitrag Legendenwind

Als ich mich gestern hier anmeldete und mir gewahr wurde, dass ich erst einmal auf eine Freischaltung warten musste, da hatte ich bereits einen Text verfasst, der mir jetzt doch wieder missfällt. Der mir zu... hm... keine Ahnung, irgendwie "zuviel" erscheint. Zuviel Erwartungshaltung, zuviel Jammerei, zuviel was auch immer. Ergo habe ich ihn gelöscht und tippe nun doch freestyle.

Ich bewege mich bereits lange im Internet, kenne mich mit der entsprechenden Technik aus, habe viel gesehen, gelesen und gehört, nur um am Ende immer wieder bei der Erkenntnis zu landen, dass es das, was ich mir wünsche, hier drin nur sehr selten, vielleicht sogar gar nicht, zu geben scheint.

Das mag daran liegen,dass die meisten Menschen schlicht zu wenig Zeit haben, sich wirklich mit sich zu beschäftigen. Und wenn bereits dafür zu wenig Zeit bleibt, dann erst recht dafür, sich auch noch mit diversen Gegenübern auseinanderzusetzen. Also bleibt im Wesentlichen nur ein oberflächliches Geplänkel, so wie meistens, so wie fast immer, auch im ganz normalen, realen Alltag. Höflichkeit ist oftmals schon das Maximum das erwartet werden darf und selbst das ist nicht immer gesagt.

Dieses Empfinden von Anonymität, es verleitet einen oft, zu vergessen, dass man es schlussendlich mit realen Menschen zu tun hat, die alle ihre Geschichten, ihre Erfahrungen, Prämissen, Wünsche und Sehnsüchte aufweisen - mehr oder weniger bewusst. Vielleicht ist es einer meiner größten Fehler, zuviel von meinem Gegenüber zu erwarten. Quasi vorauszusetzen, schlicht weil das ein so großer Wunsch ist, hier, in meiner Innenwelt, dass mein virtuelles Gegenüber mir ähnlich sein möge, mir nah sein möge, in Gedanken und im Wesen.

Dabei ist die Vielfalt doch bereichernd, führt nur leider viel zu oft dazu, dass man aneinander vorbeischreibt, sich missversteht und am Ende womöglich sogar in Rabulistik und Streit verfällt. Gut, auch das mag seinen Sinn haben und es ist beileibe nicht so, dass ich mich nicht trefflich streiten könnte, ja, sogar verflixt spitzfindig, ironisch und bisweilen verletzend werden könnte; und daran, im Eifer des Gefechts, sogar noch Spaß finden würde. Aber am Ende, da bleibt dann immer diese bittere Leere, nebst des Empfindens der Einsamkeit, weil einem das Getrenntsein von seinen Mitmenschen mal wieder in solch plakativer Weise vor Augen geführt wurde, bei der man selbst begeistert mitmischte.

Und man schwört sich, dass einem das nicht wieder passieren wird. Aber es passiert dann manchmal dennoch. Auch dadurch bedingt, dass man in nicht unerheblichem Maße von der Tagesform der Personen abnhängig ist, die an den Knöpfen in einem Forum sitzen. Ich habe vor zwei Tagen etwas erlebt, das mir in über einem Jahrzehnt Internet noch nicht passiert ist, jedenfalls nicht in dieser krassen Form, nämlich, was passiert, wenn ein Administrator einen systematisch an einen Pranger nagelt, dabei gnadenlos seine technischen Möglichkeiten zur Manipulation missbrauchend. Ich habe hier tatsächlich geweint, weil das so völlig unverhofft für mich geschah und ich damit niemals gerechnet hätte. Schon alleine, weil die vollständige Nutzung der Site kostenpflichtig war und sie sich einen seriösen Anstrich gab.

Mir wurde klar, dass das Web 2.0 sich immer mehr dem Raubtierkapitalismus angleicht, der auch so oft im realen Alltag dafür sorgt, dass Menschlichkeit, Ehrlichkeit und Redlichkeit, sich hintenan stellen müssen, hinter den neuen Göttern, deren Namen da lauten: Effizienz, Profitmaximierung, reibungsloser Ablauf, gleichschaltender Egoismus und Allmachtsphantasie. Für jemanden oder etwas, das nicht in einen solchen Rahmen passt, bzw. passen mag, ist da kein Platz und die Entsorgung ist ja auch einladend simpel.

Kurz: Ich wurde bitterlich enttäuscht und bin auch noch immer ziemlich verletzt, traurig und ein bisschen wütend. Eigentlich kein guter Zustand für einen Neustart, noch dazu, weil ich hier natürlich nur meine Seite der Geschichte schildere, zusätzlich sehr allgemein gehalten (wobei ich es auch belassen will) und das hier vermutlich im Grunde keinen Menschen zu interessieren braucht. Daher entschuldige ich mich jetzt mal im Voraus, falls irgendwer sich gelangweilt sehen sollte. Ich tippe es dennoch, schlicht weil es Teil meines Wunsches ist, der mich erst hierher führte, nämlich schreiben zu dürfen, erzählen zu dürfen, was mir auf und am Herzen liegt, ohne dafür Rat|Schläge zu erhalten, denn darum geht es mir im Grunde nicht.

Ich möchte weg davon, von dieser Mentalität des ständigen Machertums, die immer, stets und ständig, zu wissen meint, wie das Leben zu optimieren wäre und die es scheinbar niemals einfach so hinnehmen kann, wenn ein Mensch sich doch nur mitteilen will und es dabei belassen mag, für's Erste. Es scheint mir so, als ob vielen Menschen die Gabe des schlichten Zuhörens abhanden gekommen ist. Diese Gabe an das Gegenüber, ihm einfach etwas Lebenszeit zu schenken, um einfach nur da zu sein und sei es schweigend.

Man muss sich nicht entwickeln, aber man kann es, wenn einem der Raum dazu geboten wird, in dem kein Sklaventreiber mit der Peitsche in der Ecke steht, damit man auch hübsch vorwärtskommt. Und wenn man (s)eine Geschichte mehrfach erzählt, so muss man selbst die Erfahrung machen (dürfen), dass einem irgendwann niemand mehr wird zuhören wollen, das kann einem keiner abnehmen, nicht mit einem noch so guten Rat|Schlag. Der Einzige der sich wirklich effektiv in den Hintern treten kann, das ist, meiner Erfahrung nach, man selbst und wenn man das einmal verinnerlicht hat, dann wird man aufhören an seinen Mitmenschen herumzuzerren und zu erwarten, dass sie das tun was man ihnen sagt.

Ich habe die Nase so voll davon. Von diesem ewigen Egoeiertanz. Von diesem recht Haben und Behalten. Diesen dusseligen, latent aggressiven Psychospielchen, die meist so durchschaubar sind, dass sie eine Beleidigung des Intellekts darstellen. Diesem "sich gegenseitig Anpinkeln", weil das anscheinend der einfache Weg ist, seinen Alltagsfrust abzuarbeiten. Ich bin es leid, schlicht und ergreifend und ich suche ein Forum das nicht einer Schule mit lauter arbeitslosen Lehrern gleicht, die sich allesamt auf einen vermeintlichen Schüler stürzen, um ihn und sich gegenseitig zu belehren, wider der eigenen Selbstunsicherheiten.

Ich bin es leid, meine Zeit mit Wortverdrehereien und Ärger zu verschwenden, nur um am Ende zu erkennen, dass mal wieder das babylonische Sprachgewirr siegte und die Protagonisten von der Bühne schleichen, sich unverstanden fühlend, einer wie der andere.

Oh Mann, das war ein langer Sermon über das, was ich nicht will. Das was ich will, was ich hier suche und mir wünsche, das lässt sich sehr viel kürzer fassen, glaube ich. Es hat etwas mit diesem warmen Gefühl im Bauch zu tun, wenn man sich auf die Gedanken des Gegenüber einlässt und ihm als Mensch nachspürt. Wenn man versucht sich in seine Lage zu versetzen und dann in dieses Empfinden eintaucht, wie in ein Bad. Und wenn man dann diesem bildgebenden Gegenüber mitteilt, was das mit einem macht. Wenn man laut denkt, ohne Rückhalt und Unsicherheit, sich einfach zeigt und darauf vertraut, dass ein Mitmensch einem auf gleicher Ebene begegnen wird. Darauf hofft und sich darauf verlässt, dass man das Gleiche will, das Gleiche wünscht und ersehnt. Und wenn man dann im Geiste sich an den Händen nimmt und auf eine gemeinsame Entdeckungsreise geht, ins Land der Innenwelten. Dort, wo es keine Lehrer gibt, nur Freunde auf Entdeckungstour.

So.... wer es bis hierher geschafft hat, dem danke ich ganz herzlich für die wohlwollende Aufmerksamkeit. Ansonsten vielleicht noch ein paar Eckdaten zum Abschluss.

Weiblich, 41 Jahre, Freiberuflerin auf der Suche nach Betätigungsfeldern, Lebenskünstlerin, Überlebende, mit Familie (Partner und zwei Plüschterroristen alias Katzen), wohnhaft im hohen Norden.

Ja, bis hierher soweit.

Vielen Dank für's Zulesen.

Legendenwind
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  #2  
Alt 20.12.2011, 14:58
...
 
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Herzlich Willkommen Legendenwind

du bist Lebenskünstlerin, dito.

Eine schöne Zeit wünsche ich Dir hier.
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  #3  
Alt 20.12.2011, 15:01
Benutzerbild von Vespi
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Wow, so eine lange Vorstellung gab es schon länger nicht mehr

Sei herzlich willkommen, liebe Legendenwind!
Ich bin sehr gespannt auf dich und wünsche dir hier eine schöne Zeit.

Lieben Gruß,
- Vespi
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  #4  
Alt 20.12.2011, 15:28
Über-Schreiberling
 
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Ich danke Euch!

@Muttutgut,
ich würde in meinem Falle sogar soweit gehen, den Umstand meines reinen Überlebens schon als Kunst zu deklarieren. Wobei Lebenskunst für mich dennoch eher zum Inhalt hat, das aktuelle Dasein möglichst reichhaltig zu gestalten.

@Vespi,
ja - der Text nahm exorbitante Ausmaße an. Den, den ich ursprünglich verfasst hatte, der war um einiges kürzer. Aber, nun ja, dieser floss so aus mir heraus und dann habe ich ihn einfach mal zugelassen.

Herzliche Grüße
Legendenwind
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  #5  
Alt 20.12.2011, 16:31
_Yule
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hallo Legendenwind,

herzlich willkommen

täuscht das eigentlich, oder ist es tatsächlich so, dass Du soziale Nähe, "Freundschaft", oder so was ähnliches - also die menschliche Nestwärme jenseits der Beziehung - ausschließlich im VL suchst/lebst?
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  #6  
Alt 20.12.2011, 16:39
Über-Schreiberling
 
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Beiträge: 394
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Zitat:
Zitat von _Yule Beitrag anzeigen
täuscht das eigentlich, oder ist es tatsächlich so, dass Du soziale Nähe, "Freundschaft", oder so was ähnliches - also die menschliche Nestwärme jenseits der Beziehung - ausschließlich im VL suchst/lebst?
Hallo Yule & danke für das Willkommen.

Mir ist nicht klar, wie Du zu Deiner Vermutung gekommen bist, aber ja, sie täuscht. Ich betrache Virtualität als eine Erweiterung, nicht als einen Ersatz. Aber gerade diese Erweiterung sehe ich als große Chance, auch mit Menschen in Kontakt zu kommen, die mir real nie aufgefallen und/oder begegnet wären. Und da wir uns hier in einem Forum befinden, habe ich auch den thematischen Fokus darauf gerichtet.

Ich führe im Realleben eine langjährige Ehe, bin keineswegs kontaktscheu, verstehe mit gut mit meinen Nachbarn, mit dene ich zum Teil befreundet bin und betrachte mich auch generell als sozial durchaus kompetent.

Grüßle
Legendenwind
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  #7  
Alt 20.12.2011, 16:39
Benutzerbild von Glühwürmchen
noch nicht erleuchtet
 
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Beiträge: 1.162
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Hallo Legendenwind,

schön, daß Du hier hereingeweht bist.
Deine Vorstellung ist ungewöhnlich und man kann den Schmerz und Ärger gut herauslesen.
Ich hoffe, Du findest hier, was Du suchst.

Liebe Grüße
Glühwürmchen
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  #8  
Alt 20.12.2011, 16:42
Über-Schreiberling
 
Registriert seit: 19.12.2011
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Beiträge: 394
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Danke, Glühwürmchen!
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  #9  
Alt 20.12.2011, 17:13
Benutzerbild von Nomada
Guter Geist
 
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Beiträge: 10.764
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Auch von mir ein herzliches Willkommen, Legendenwind! Danke für Deine ausführliche Vorstellung - ich finde es schön, so ein "schriftliches" Bild zu bekommen. Gemütlichen Einstieg, wünsche ich Dir! Mögest Du bald andocken...
Nomada
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  #10  
Alt 20.12.2011, 17:43
Über-Schreiberling
 
Registriert seit: 19.12.2011
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Beiträge: 394
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Nomada - danke. Und, was soll ich sagen, Dein Vergleich erscheint mir sehr treffend, ich fühle mich teilweise tatsächlich wie ein Schiff ohne Heimathafen (noch), vor sich hindümpelnd im virtuellen Ozean. Ich weiß auch nicht... unzählige Male habe ich mir schon gesagt: "Wenn es so oft enttäuscht, wozu dann noch der Aufwand?" - und bis heute habe ich darauf keine eindeutige Antwort finden können. Vielleicht ist das der Grund, warum ich noch immer durch diese Gewässer schippere.

...

Nochmal @Yule.
Wenn ich es recht überlege, so hast Du doch ein klein wenig recht. Es ist auch etwas Besonderes an dieser virtuellen, im Grunde nur gedacht-gefühlten Nähe. Etwas, das einen ganz besonderen, ja, einen ganz eigenen Reiz hat und das, das kann ich wirklich real nicht leben und es endet auch an dem Punkt, an dem ich ein reales Treffen anstrebe (was ich meistens tue, wenn ein virtueller Kontakt intensiver wird), bzw. dieses dann stattfindet. Insofern war Deine Vermutung doch nicht so vollkommen abwegig. Verrätst Du mir, wie Du darauf gekommen bist?

Lieben Gruß

Legendenwind
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