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Denken, Lernen & Kreativität Wie funktioniert unser Gehirn? Wie kann ich besser lernen? Wie geht Photo-Reading? Wie finde ich neue Ideen? Um solche Fragen geht es hier.

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  #21  
Alt 20.01.2012, 10:44
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Hobbes, das ist schwierig - ich sage einfach mal, was mir dazu einfällt. Vielleicht geht es in diese Richtung:

Diese Situation mit dem Jungen hat bei dir gemischte Gefühle hervor gerufen. Du bist vielleicht gerade ganz unbewusst oder auch bewusst dabei gewesen in dich hineinzuhorchen, welche Gefühle das bei dir hervor ruft, und dann platzt mitten in deine momentane Unsicherheit über deine eigenen Gefühle dieses Mädchen, dass sich ganz schnell entschlossen hat, diese Szene heiter und komisch zu finden bzw ins Lächerliche zu ziehen. Vielleicht hast du dich in dem Moment sozusagen von ihrem Spruch manipuliert gefühlt, dieser Spruch von ihr hat dich plötzlich in Bezug auf deine eigenen Gefühle verunsichert...?...

Liebe Grüße!
Florida
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  #22  
Alt 20.01.2012, 21:06
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Liebe hobbes,

ich habe mir mal den Trailer angesehen, um die Szene zu erleben, auf die Du Dich beziehst, denn davor konnte ich mir ganz schlecht vorstellen, worum es Dir gehen könnte, habe nicht einmal die Situation verstanden.

Als ich zu der Szene kam, war ich zuallererst ein wenig überrascht. Ich dachte nämlich schon, ich bin im falschen Trailer, weil da alles nur so bombastisch, musikalisch, traditionsreich rüberkam, und dann war da auf einmal dieser Junge, dessen Aussage für mich so authentisch rüberkam, ich hatte den Eindruck, seinen echten Schmerz wahrnehmen zu können, er ist, finde ich, in seinem Gesicht zu lesen, in seiner Stimme zu hören. Und das hat mich angesichts des "Davor" ziemlich unvorbereitet gerührt.

Ging es Dir vielleicht auch so, daß Du ganz plötzlich und unvorbereitet auf einmal ziemlich offen und daher verwundbar warst?

Und könnte es sein, daß Dich diese Aussage des Mädchens deswegen so getroffen hatte, weil Du in diesem Moment völlig unvorbereitet empathisch beim Schmerz dieses Jungen warst und diese "Spitze" quasi aus dem Nichts kam? Mir geht's im Kino oft so: Ich bin so sehr bei dem, was ich sehe, verbinde mich emotional mit den beteiligten Personen, und größere "Störungen" durch andere Zuschauern unterbrechen dann den Kontakt, die Verbindung, die mir gerade so wichtig ist. Weil mir empathischer Kontakt ein ganz großer Wert ist.

War es also Dein Bedürfnis nach Verbindung, das gestört war?

Oder warst Du vielleicht verletzt, weil Du in diesem Moment Emotionale Sicherheit, Fürsorge, Einfühlung, Geborgenheit, Wohlwolllen und Achtsamkeit gebraucht hättest, bzw. gerade selbst dabei warst, diese Qualitäten in Dir zu öffnen, somit gerade in diese Richtung gepolt warst? Warst Du enttäuscht, weil Du Dich diesem Jungen geöffnet hast und weil Du Dir für diese Welt wünscht, daß wir einander offen und mitfühlend begegnen?

Zum "selbst so reagieren" fällt mir nur ein: Ich kenne von mir von früher die Regung, immer dann, wenn etwas mich besonders zu berühren "drohte" mit einem lauten, ätzenden - jetzt fällt mir gar nicht mehr ein, was ich damals immer sagt! Das ist ja arg. Es war so etwas wie "ach wie rührend", oder "entzückend" - auf jeden Fall eben auch etwas, was versuchte das, was mich gerade zu berühren drohte, lächerlich zu machen. Ich weiß jetzt, daß das ein Versuch war, mich zu schützen: Ich hatte Angst davor, berührt zu werden. Das kann mir heute auch noch passieren, ganz, ganz selten nehme ich diesen Impuls wahr, doch heute will ich ihn nicht mehr, ich will mich im Gegenteil möglichst ganz berühren lassen.

Ich selbst glaube - aber das ist jetzt keine GFK-inspirierte Aussage, sondern einfach ein Eindruck - nicht, daß das Bekämpfen des eigenen Impulses im Anderen der wahrscheinlichste Grund ist. Mein Eindruck aufgrund meiner eigenen Gefühle ist eher, daß der Schlüssel irgendwo in der eigenen Verletzlichkeit in diesem Moment liegt.

Ist etwas für Dich dabei?
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  #23  
Alt 20.01.2012, 21:46
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Ich hatte mich heute Nachmittag schon mal an einer Antwort versucht – das hat nicht so recht geklappt, weil mich insbesondere Huberts Antwort noch mehr in die trübe Suppe gestürzt hat.
Später hatte ich schon ein wenig mehr Klarheit, und nach dem Lesen von MissPigs Beitrag wurde es noch klarer.

Aber ich fange mal bei Hubert an.
Zitat:
Zitat von Hubert1 Beitrag anzeigen
Da kann man mal sehen, wohin "zuviel Denken" führen kann.
Natürlich gibt es Kinder mit Heimweh. Wer kann sich nicht aus Kindheitstagen an solche Situationen erinnern. Und natürlich gibt es grausame Kinder, die über so etwas (und auch andere Dinge) lachen.
Die Ursachen sind vielfältig, das Leben ist so. Vielleicht ist das lachende Kind bereits jetzt emotional verdorrt, vielleicht ist es aber auch nur etwas überdreht und findet gegenwärtig alles lustig und spaßig.
Eine Momentaufnahme, die bei mir keine Grübelaktion auslösen würde.
Na sowas. Das war (beim zweiten Lesen) auch sehr hilfreich, weil (beim ersten Lesen) etwas Ähnliches wie im Kino passiert ist.

Ich schreibe, dass XYZ passiert ist und es mir damit nicht gut geht.
Hubert antwortet, es ist normal, dass XYZ geschieht. (Meine „Übersetzung“)

Daraus mache ich dann wiederum ein: "Es ist nicht OK, dass es mir damit nicht gut geht" oder auch "Es interessiert ihn nicht, dass es mir damit nicht gut geht" oder auch "Hat er überhaupt gehört, was ich gesagt habe?"

Das hat jetzt nicht natürlich mehr viel mit dem zu tun, was Hubert geschrieben hat, das ist das, was ich durch diverse Erlebnisse daraus mache.
Und dann fühle ich mich ohnmächtig, kläglich, traurig - weil ich gern einen sicheren Rahmen hätte, die Sicherheit und das Vertrauen, dass ich OK bin, dass ich sein und fühlen darf, was ich eben gerade bin/fühle. (Ja klar, darf ich das, weiß ich doch – aber einfach ist es nicht und manchmal muss ich mich daran erinnern). Schutz und Fürsorge, Wohlwollen und Achtsamkeit, das trifft es gut.
Und ja, das hat etwas damit zu tun, dass ich in dem Moment gerade ge/berührt bin. Daher kam auch diese Angst, weil ich mich in dem Moment so verletzlich fühle. Und ja, früher (und jetzt manchmal auch noch) habe ich auch oft so reagiert, dass ich das einfach überspiele, indem ich es ins Lächerliche ziehe, darüber lache, etc. Nein, das will ich nicht mehr.
Und ich bin auch ein bisschen traurig, weil ich dieses Ehrliche, das dieser Junge hatte, auch gern leben will und das manchmal so mühsam und anstrengend und furchterregend ist. Aber eben auch wunderbar erfüllend. Und lebendig.

Liebe Florida, vielleicht ist das auch genau das, was Du gemeint hattest – nur konnte ich es leider aus Deinen Worten nicht herauslesen. Zumindest nicht, als die Suppe noch trüb war.

Und jetzt bin ich da, wo ich hinwollte: Wenn ich an die Situation zurückdenke, dann ist da jetzt so eine wohltuende, sanfte Wärme, wo vorher noch verwirrte Unruhe war. Danke!
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  #24  
Alt 05.02.2012, 10:18
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liebe hobbes,

sehr spannend. auch wenn der "fall" schon so gut wie abgeschlossen ist...meine erste reaktion war ja wut auf die unbekannte nebensitzerin (jaja bestimmt kann sie nichts dafür, unangenehm sind mir solche zeitgenossen aber trotzdem und ich muss sie nicht so dicht neben mir haben, huah)! was ich am kino nicht mag, man kann sich nicht wie zuhause in die geschichte fallen lassen, bzw kann dann sowas passieren, weil man sich die umsitzenden nicht aussuchen kann.

was auch immer der grund für die amüsiertheit deiner nebensitzerin war- unangenehm für dich. am besten ist wohl wirklich, sich in einem solchen moment auf dieser seite eine art schutzschild zuzulegen um sich nicht damit zu beschäftigen.... was aber schade ist, DAFÜR wieder energie verwenden zu müssen, anstatt sich einfach auf den film einlassen zu können.

liebe grüße
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  #25  
Alt 06.02.2012, 16:58
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Liebe Fortuna,

„abgeschlossen“ , genau. Ich habe seither nicht mehr daran gedacht, es war dann tatsächlich „gut“ und hat mich nicht mehr beschäftigt. Trotzdem spannend, Deine Gedanken dazu zu lesen, vor allem „Wut“ – da habe ich gleich gedacht: „Nein, Wut nicht, ganz bestimmt nicht Wut.“ Nun ja, ich habe da auch ein klitzekleines Wutproblem. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich jemals richtig wütend war (mir erlaubt habe, wütend zu sein). Beleidigt, trotzig, schmollend – das geht. Wütend kann ich (noch) nicht.

Zitat:
Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen
am besten ist wohl wirklich, sich in einem solchen moment auf dieser seite eine art schutzschild zuzulegen um sich nicht damit zu beschäftigen....
Verstehe ich noch nicht ganz. Meinst Du damit, ein Schutzschild in diesem einen Moment? Für den Fall, dass noch weitere „unpassende“ Bemerkungen kommen?
Das war zum Glück nicht so, es gab nur diesen einen Moment, in dem ich merkte: „hm, gefällt mir nicht“, den Film konnte ich sehr wohl genießen und währenddessen habe ich auch nicht über die Bemerkung gegrübelt. Das kam erst später, da fiel mir die Sache noch einmal ein und ich fragte mich: „was genau hat mich da so ge/betroffen?“

Generell habe ich keine Lust, mich hinter einem Schutzschild zu verstecken. Wo ich doch gerade dabei bin, die Mauern abzureißen und mich zu öffnen für ALLES, was das kommen mag (Und ja, ich habe ziemlich viel Vertrauen, dass dieses ALLES es nur gut mit mir meinen wird - auch wenn ich es vielleicht auf Anhieb nicht kapiere).

Übrigens mag ich das Kino auch genau wegen der Momente, die es (allein) zu Hause nicht gibt: der Vorhang geht auf, langsam verstummen die Gespräche, irgendwann (na ja, wenn der Film gut ist) höre ich auch das Popcorngeknistere hinter mir nicht mehr (oder ist einfach nur das Popcorn leer?) – aber am besten finde ich es, wenn es der Film schafft, das ganze Kino in diese Stille zu versenken, wenn alle zusammen den Atem anhalten, und ich mich frage, ob ich die Einzige bin, der gerade ganz lautlos die Tränen herunterlaufen.
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  #26  
Alt 07.02.2012, 18:14
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Liebe Hobbes,
und ich finde es toll, dass du im Kino den Tränen freien lauf lassen kannst. Schaff ich nicht. Meist.
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  #27  
Alt 07.02.2012, 18:42
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Zitat:
Zitat von Fortuna Beitrag anzeigen
Liebe Hobbes,
und ich finde es toll, dass du im Kino den Tränen freien lauf lassen kannst. Schaff ich nicht. Meist.
Könnte auch am Film liegen
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  #28  
Alt 12.02.2012, 22:16
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Habt Ihr übrigens bemerkt, dass ich es schon wieder getan habe? Fortunas Beitrag hat mich berührt und - schwupp - ein bisschen Lachen darüberschütten, damit das nicht ganz so nahe geht.
Herrje. Es gibt noch viel zu lernen.
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