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Beruf & Karriere Berufliche Veränderung. Die ersten 100 Tage. Probleme im Job. Ärger mit Kollegen oder mit dem Chef?

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  #1  
Alt 15.09.2011, 18:23
Anfänger
 
Registriert seit: 25.01.2011
Beiträge: 24
Frage Flucht nach vorne oder Loslassen lernen?

Hallo,

derzeit befinde ich mich in einer Art Sackgasse. Ich weiß selbst eigentlich nicht mehr, was ich eigentlich will. Wie ich in einem anderen Thema schonmal beschrieben hatte, war ich lange Zeit unzufrieden im Job, weil ich wenig zu tun hatte.

Mittlerweile habe ich deutlich mehr zu tun und von dieser Seite aus passt es eigentlich. Allerdings merke ich, dass ich einfach nie mit einem Gefühl der Zufriedenheit nach Hause gehe. Daher denke ich langsam, dass das Problem bei mir liegt und es sich durch einen neuen Job (die Flucht nach Vorne) nicht wirklich bessern wird.

Irgend etwas im Büro regt mich auf, aber ich weiß selbst nicht so genau, was es ist. Ich habe immer so ein Gefühl des frustriert seins. Ich rege mich innerlich z.B. über diese leidenschaftslose Art meiner Kollegen auf (sie treiben nichts voran, wirken so "satt"). Ich rege mich darüber auf, dass sie den halben Tag über ihren Stress jammern und dabei aber einen Großteil ihrer Zeit mit Internet surfen verbringen (dabei frage ich mich dann, ob sie bewusst lügen oder selbst schon nicht mehr merken, dass sie eigentlich genau nix leisten und keinen Stress haben?). Ich rege mich über diese rückratlosigkeit auf (niemand übernimmt Verantwortung für irgendwas. Das fängt bei den höchsten Ebenen an). Ich rege mich darüber auf, dass innerhalb des Teams ein starkes Aufgaben- und Leistungsungleichgewicht besteht, aber niemand etwas dran ändert. Ich rege mich über die hemdsärmlige Arbeitsweise auf (Paradespruch: "Man sollte das und das tun..." Warum TUT ihrs dann nicht??).

Von außen betrachtet haben wir ein super Arbeitsklima. Niemand sagt zu jemand anderem mal ehrlich, was Sache ist. Alle sind (pseudo?) freundlich zueinander. Allerdings, wenn man mal genauer hinhört, wird hintenrum gelästert, dass es nur so knallt. Insgesamt eine schöne, warme kuschelige Athmosphäre, die vom Chef auch so gepflegt wird.

Mittlerweile frage ich mich: Ist das normal und liegt der Fehler einfach bei mir und meiner evtl. falschen Einstellung zum Arbeitsleben, meinen Charakter, meiner "Karrieregeilheit"?? Oder passe ich einfach nicht da rein, weil ich halt eine "normale" Einstellung zum Arbeiten habe (ich mache meine Sachen ordentlich, will vorankommen, will mich weiterentwickeln etc.)?

Ich weiß einfach nicht, was der richtige Weg für mich ist. Nächste Woche habe ich ein Vorstellungsgespräch. Sollte das erfolgreich sein und die mich wollen, würde sich halt vieles ändern. Ich müsste umziehen, hätte sicherlich deutlich mehr Arbeitsstress (ob das nicht weniger schlimm wäre, wie dieser emotionale Stress, den ich derzeit habe?), vielleicht auch Druck etc. Aber vielleicht wäre es auch genau das Richtige für mich? Ich weiß es einfach nicht.

Ich würde mich über Meinungen von "außen" freuen, da ich derzeit einfach ein Brett vorm Kopf habe und keine klare Richtung erkennen kann.

Danke!
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  #2  
Alt 15.09.2011, 18:45
Margit
Gast
 
Beiträge: n/a
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Hallo Airborn,

ganz ehrlich?

Ich habe beim lesen gedacht, die Leute die da arbeiten sind bestimmt schon so alt, daß es sich nicht lohnt nochmal was neues, spannendes mit ihrem Leben anzufangen. Die sind wohl alle kurz vor der Rente?

Ich weiß nicht wie alt du bist und ob es sich für Dich lohnt alles zu ändern, wie jobwechsel und Umzug?

Aber ich kann Dir von mir sagen, ich bin eine Freundin der Flucht nach vorn...

Und es hat sich für mich immer gelohnt auch wenn ich manchmal gekämpft habe, gezweifelt habe und auf die Ernte eine paar Jahre warten musste.

Viel Glück!
Margit
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  #3  
Alt 16.09.2011, 10:35
Benutzerbild von missy
Wissensdurstige (♀)
 
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Ort: Zuhause
Alter: 46
Beiträge: 1.208
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Hallo Airborn,

dein Beitrag löst etwas in mir aus.
Momentan kann ich's noch nicht in Worte fassen, wollte dir aber Bescheid geben. Ich werde ihn noch mal ein wenig durch mich hindurchgeistern lasseen und schauen, was ich da so wahrnehme und dir dann schreiben.

Öh... für mich in diesem Fall nicht ganz unwichtig: Bist du männlich oder weiblich?
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  #4  
Alt 16.09.2011, 10:50
Guter Geist
 
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Beiträge: 10.827
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Zitat:
Zitat von Airborn Beitrag anzeigen
Ich weiß einfach nicht, was der richtige Weg für mich ist. Nächste Woche habe ich ein Vorstellungsgespräch. Sollte das erfolgreich sein und die mich wollen, würde sich halt vieles ändern. Ich müsste umziehen, hätte sicherlich deutlich mehr Arbeitsstress (ob das nicht weniger schlimm wäre, wie dieser emotionale Stress, den ich derzeit habe?), vielleicht auch Druck etc. Aber vielleicht wäre es auch genau das Richtige für mich? Ich weiß es einfach nicht.

Ich würde in diesem Zusammenhang nicht von einem "Fehler" sprechen.
Schwerpunkte im Leben werden durchaus anders gesetzt.
Für manche ist der Job lediglich "Broterwerb". Einen weiteren Sinn können sie dahinter nicht erkennen, und hinter machem Job gibt es auch keinen weiteren Sinn.
Vielleicht kommst Du der Sache näher, wenn Du den Focus auf Deine eigene Motivationsstruktur legst. Die bleibt einem oft verborgen und man muß dann anfangen sich selber ein wenig zu analysieren, will man weitere Antworten haben.
Für viele ist der Job wichtig, weil sie sonst überhaupt keine Bestätigung im Leben bekommen, für andere ist er wichtig, weil das Konto sonst noch roter wird, und für wieder andere ist er wichtig, weil sie das ganz einfach total gerne machen was sie da machen. Letzeres ist nach neuesten Untersuchungen allerdings eher die Ausnahme.
Möglicherweise kommst Du der Fragen näher, wenn Du den Job mal weg läßt und dann fragst. Was macht mein Leben eigentlich aus.
Wer bin ich, was tue ich, wo möchte ich hin.
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  #5  
Alt 16.09.2011, 13:16
Anfänger
 
Registriert seit: 25.01.2011
Beiträge: 24
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Hallo zusammen,

zunächst mal Danke für die Rückmeldungen!

Zitat:
Ich habe beim lesen gedacht, die Leute die da arbeiten sind bestimmt schon so alt, daß es sich nicht lohnt nochmal was neues, spannendes mit ihrem Leben anzufangen. Die sind wohl alle kurz vor der Rente?
Nun, die meisten sind zwischen 30 und 40 Jahre alt. Finde das ist noch kein Alter, in dem man von sich sagen sollte "so, das war's jetzt!". Ich selbst bin 28

Zitat:
dein Beitrag löst etwas in mir aus. Momentan kann ich's noch nicht in Worte fassen, wollte dir aber Bescheid geben. Ich werde ihn noch mal ein wenig durch mich hindurchgeistern lasseen und schauen, was ich da so wahrnehme und dir dann schreiben.

Öh... für mich in diesem Fall nicht ganz unwichtig: Bist du männlich oder weiblich?
Missy, ich hoffe, der Beitrag löst bei dir nichts Negatives aus Bin übrigens männlich.

Zitat:
Möglicherweise kommst Du der Fragen näher, wenn Du den Job mal weg läßt und dann fragst. Was macht mein Leben eigentlich aus.
Wer bin ich, was tue ich, wo möchte ich hin.
Hubert, genau das ist der Punkt: Eigentlich weiß ich ziemlich genau wo ich hinmöchte. Ich möchte gerne beruflich etwas erreichen, wobei ich da sehr realistisch bin. Mir ist schon klar, dass so eine Entwicklung Zeit braucht und auch nur Schritt für Schritt verlaufen kann. Nur sehe ich diese Schritte einfach nicht. Mein Job hat keinerlei Aufstiegsperspektive. Alle, die in meiner Abteilung arbeiten, machen das seit 5-20 Jahren. Immer das selbe. Ein interner Wechsel in einen anderen Bereich aus dem ggf. ein Weiterkommen folgen könnte, sehe ich nicht. Zum einen sind die anderen Bereich nicht wirklich reizvoll und zum anderen haben wir so flache Hierachien, dass der nächste Schritt schon fast Abteilungsleiter wäre. Dazwischen gibts kaum was.

Wie schaut mein Leben ohne Job aus?

Nun, es ist sicher nicht so, dass mein komplettes Leben auf den Job fixiert ist. Ich halte z.B. nichts davon, sich jeden tag 10-12 Stunden abzurackern und zum work aholic zu werden. Ohne Job gibts in meinem Leben noch einen nicht riesigen aber sehr guten Freundeskreis (mit sehr unterschiedlichen Charakteren, was ich sehr wichtig finde), tolle Eltern und Geschwister und sehr viele Interessen meinerseits. Was derzeit fehlt, ist eine Partnerin (vielleicht liegt's daran?)

Mir ist meine berufliche Entwicklung einfach wichtig, weil ich mich dadurch zu einem gewissen Punkt selbst verwirklichen will. Ich möchte, wenn ich mal alt bin, auf ein interessantes und vielseitiges Berufsleben zurückblicken können. Außerdem strebe ich schon ein wenig das typisch deutsche Klischee an: Familie, Haus, guter Job. Und das geht m. Meinung nach nur (noch), wenn der Job genug abwirft.

Hm, das fällt mir gerade dazu ein.
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  #6  
Alt 16.09.2011, 14:44
Benutzerbild von A*star
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Zitat:
Zitat von Airborn Beitrag anzeigen
Ich weiß einfach nicht, was der richtige Weg für mich ist. Nächste Woche habe ich ein Vorstellungsgespräch. Sollte das erfolgreich sein und die mich wollen, würde sich halt vieles ändern. Ich müsste umziehen, hätte sicherlich deutlich mehr Arbeitsstress (ob das nicht weniger schlimm wäre, wie dieser emotionale Stress, den ich derzeit habe?), vielleicht auch Druck etc. Aber vielleicht wäre es auch genau das Richtige für mich? Ich weiß es einfach nicht.
Was man nicht weiß, einen aber reizt, sollte man ausprobieren

Zitat:
Mittlerweile frage ich mich: Ist das normal und liegt der Fehler einfach bei mir und meiner evtl. falschen Einstellung zum Arbeitsleben, meinen Charakter, meiner "Karrieregeilheit"?? Oder passe ich einfach nicht da rein, weil ich halt eine "normale" Einstellung zum Arbeiten habe (ich mache meine Sachen ordentlich, will vorankommen, will mich weiterentwickeln etc.)?
Es gibt sicherlich auch Firmen, bei denen das Arbeitsklima ein anderes ist (Ich habe in zwei von drei Angestelltenverhältnissen, die ich kennengelernt habe, das Glück gehabt, echte Teamfähigkeit zu erleben!). Aber wie es in einem Unternehmen tatsächlich zugeht, wird sich Dir - so lange Du niemanden intern kennst - erst zeigen, wenn Du dort beschäftigt bist.

Ich bin auch kein Freund von Routinejobs, und froh, dass ich in diesem Jahr die Gelegenheit bekommen habe, intern etwas ganz Neus anzufangen - ich stelle aber auch fest, dass die Mehrzahl meiner Kollegen A) froh ist, einen Job zu haben (egal ob er sie fordert oder nicht) und B) froh ist, nichts Neues mehr hinzulernen zu müssen! Desweiteren ist mir aufgefallen, dass die einzige Intrigantin, die wir haben, diejenigen ist, die die meiste Angst davor hat, ihren Job zu verlieren (völlig egal, ob das begründet ist, oder nicht).

Geh los und wage es, Dich mit genau der Kraft einzusetzen, die Du bereit bist zu geben. Alles andere wird Dich schlichtweg nicht befriedigen. Und wenn Du Dein Potential da, wo Du jetzt angestellt bist, nicht voll entfalten kannst, dann zieh weiter. Die Gelegenheit ist günstig, so lange Du noch nicht die angestrebte Familie + das Eigenheim geschaffen hast.

Viel Glück!

Geändert von A*star (16.09.2011 um 15:09 Uhr)
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  #7  
Alt 16.09.2011, 14:51
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Hallo Airborn,

ehrlich gesagt habe ich noch nicht ganz verstanden, was dein Problem ist.

Du schreibst
Zitat:
... dass ich einfach nie mit einem Gefühl der Zufriedenheit nach Hause gehe.
Da war meine Vermutung, es geht dir um den Arbeitsinhalt, den Sinn deines Tuns. Ist das so?

Dann schreibst du allerdings ziemlich viel darüber, was dich an den anderen aufregt und dass du nicht weißt, welches die „richtige/normale“ Einstellung zur Arbeit ist – die deiner Kollegen oder deine?
Was hilft dir das?
Geht es dir da um Anerkennung? Dass jemand sieht und wertschätzt, was du leistest?

Was mir außerdem auffiel:
Zitat:
... niemand übernimmt Verantwortung für irgendwas ...
Zitat:
... aber niemand etwas dran ändert ...
Zitat:
"Man sollte das und das tun..." Warum TUT ihrs dann nicht??).
Tust du es?

Und noch eine Frage
Zitat:
Eigentlich weiß ich ziemlich genau wo ich hinmöchte. Ich möchte gerne beruflich etwas erreichen,...
Was genau verstehst du darunter, was ist für dich „etwas erreichen“? Konzernchef sein? Ein neues Produkt entwickeln? Genug Geld für ein Haus verdienen? Andere motivieren? Ein Team leiten? Jemanden etwas beibringen?...
Und je nachdem, was die Antwort ist, was steckt dann dahinter? Also angenommen, die Antwort ist „Konzernchef sein“, was hättest du davon? Etwas zum Wohl der Gesellschaft beitragen, Herausforderungen meistern, die eigene Kraft/Kreativität ausleben,...
Und könntest du genau das in irgendeinem noch so kleinen Schritt auch jetzt schon umsetzen?
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  #8  
Alt 16.09.2011, 14:57
Guter Geist
 
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Zitat:
Zitat von Airborn Beitrag anzeigen
Eigentlich weiß ich ziemlich genau wo ich hinmöchte. Ich möchte gerne beruflich etwas erreichen, wobei ich da sehr realistisch bin. Mir ist schon klar, dass so eine Entwicklung Zeit braucht und auch nur Schritt für Schritt verlaufen kann. Nur sehe ich diese Schritte einfach nicht. Mein Job hat keinerlei Aufstiegsperspektive. Alle, die in meiner Abteilung arbeiten, machen das seit 5-20 Jahren. Immer das selbe.
Ok, das ist von erheblichem Vorteil, wenn man weiß, was man will.

Wäre ich in Deiner Situation, würde ich mir einen "Karriereplan" grob zurechtlegen.
Die sehen bei den meisten gleich aus.
Kein Job länger als vier bis fünf Jahre, nie auf eine gleichwertige Stelle bewerben, sondern immer auf eine höherdotierte bzw. mit mehr Verantwortung besetze Stelle.
Weiterbildungen sind unerläßlich, möglichst kontinuierlich integrieren,
ein nebenberufliches Studium wäre von Vorteil - falls Du nicht studiert haben solltest.
Auf ein Vorstellungsgespräche mußt Du tip top vorbereitet sein, Deine Motivationslage und Deine Qualifikationen müßen auf Anhieb überzeugen und Du mußt ein gelassenes, kompetentes Gesamtbild abgeben.
Du kannst Dir des öfteren ein Zwischenzeugnis geben lassen, damit dokumentierst Du auch nach innen, dass Veränderungen anstehen.
Das alles geht bis Ende 30 danach wird es ungleich schwierig.
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  #9  
Alt 16.09.2011, 22:54
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Hallo Airborn,

Antwort in Kürze: ja - nein - nein - ja. ^^

Ja, es ist wohl bis zu einem gewissen Grad normal, nein, es liegt nicht an dir, nein, es ist nicht dein Fehler, Ja, du passt mit deiner Einstellung möglicherweise da nicht rein. Schätze ich.

Ich habe in meiner Firma ähnliches erlebt und bin mit einer aus meiner Sicht eigentlich ganz normal leistungshorientierten Haltung ziemlich angeeckt.

Nach dem, was du schilderst, sieht es aus wie ein verabredetes Spiel, iene Standard-Haltung: wir tun eigentlich nichts, aber um uns zu legitimieren, tun wir furchtbar beschäftigt, und jammern über Stress ohne Ende.

Eben dieses "Man sollte..." ist für mich ein typisches Zeichen dafür, dass alle mit ihrer Unzufriedenheit eigenltich mehr als zufrieden sind. Möglicherweise hat sich der Interessenschwerpunkt verlagert von den Aufgaben zum Sozialen. Es ist wichtiger, ein soziales Netz zu bilden und aufrecht zu erhalten, als die eigentlichen Aufgaben zu erledigen, die längst nur noch nebenbei abgearbeitet werden. Wichtiger sind die Intrigen, das wer mit wem, das ist die eigentliche Spannung dabei, wie es scheint.

Gefördert wird das aus meiner Sicht durch Chefs, die keine klaren Aufgaben verteilen, deren Durchsetzung nicht verfolgen und eigentlich auch nur daran interessiert sind, dass sich alle lieb haben.

Wenn das so ist, hast du aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten: du lässt sie machen und siehst zu, dass du deine Aufgaben so machst, wie du es für dich für richtig hältst (mit dem Mitspielen im großen Wer Gegen Wen wirst du wohl eher nicht glücklich, schätze ich), oder du versuchst woanders zu arbeiten. Dabei kann dir allerdings passieren, dass es genauso abläuft. eine Garantie dafür hast du nicht, du kannst es erst sehen, wenn du tatsächlich drin bist, denn solche Strukturen erkennt man nicht sofort.

Ich hab für mich entschieden, zu bleiben, und zu sehen, was daraus wird. Für mich hat es sich als richtig entschieden - aber eben für mich. Es war eine 50/50-Chance.
lg

Mygga
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  #10  
Alt 17.09.2011, 13:11
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Hallo,

Zitat:
Geh los und wage es, Dich mit genau der Kraft einzusetzen, die Du bereit bist zu geben. Alles andere wird Dich schlichtweg nicht befriedigen.
Ich befürchte auch, dass jede andere Lösung über kurz oder lang unbefriedigend wäre

Zitat:
ehrlich gesagt habe ich noch nicht ganz verstanden, was dein Problem ist.
Ich auch nicht!

Zitat:
Dann schreibst du allerdings ziemlich viel darüber, was dich an den anderen aufregt und dass du nicht weißt, welches die „richtige/normale“ Einstellung zur Arbeit ist – die deiner Kollegen oder deine?
Was hilft dir das?
Geht es dir da um Anerkennung? Dass jemand sieht und wertschätzt, was du leistest?
Hobbes, das ist ein guter Punkt! Eigentlich könnte es mir ja völlig egal sein, wie meine Kollegen arbeiten. Bis auf wenige Ausnahmen, bin ich nicht auf sie angewiesen und habe meine eigenen Baustellen, die ich auch gut im Griff habe. Aber im Endeffekt wirkt sich die Arbeitsweise der Kollegen doch wieder auf mich aus, da dadurch das Gesamtbild der Abteilung definiert wird. Wenn vier oder fünf andere in der Abteilung den Status Quo erhalten wollen, kann man selbst rackern und vorantreiben so viel man will. Es wird sich nichts ändern. Und nicht zuletzt wird sich der Chef immer an der Mehrheit orientieren und deren Bedürfnisse pflegen. Sonst wäre er ja schön doof, wenn er sich mit der überwiegenden Mehrheit der Abteilung anlegen würde.

Zitat:
Was mir außerdem auffiel:
Zitat:
... niemand übernimmt Verantwortung für irgendwas ...
Zitat:
... aber niemand etwas dran ändert ...
Zitat:
"Man sollte das und das tun..." Warum TUT ihrs dann nicht??).
Tust du es?
Ja, ich übernehme Verantwortung und stehe zu dem, was ich tue.

Zitat:
Was genau verstehst du darunter, was ist für dich „etwas erreichen“? Konzernchef sein? Ein neues Produkt entwickeln? Genug Geld für ein Haus verdienen? Andere motivieren? Ein Team leiten? Jemanden etwas beibringen?...
Unter "beruflich etwas erreichen" verstehe ich eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Ich möchte es mal so ausdrücken: Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich etwas erreicht, weil ich nach dem Studium einen Job gefunden habe und diesen auch gut mache. Würde ich genau auf dieser Stelle jetzt noch 5 oder 10 Jahre bleiben, hätte ich dann (also mit sagen wir Ende 30) nichts erreicht, weil ich mich in dieser Zeit nicht weiterentwickelt habe. Ende 30 hätte ich etwas erreicht, wenn ich dann z.B. Teamleiter wäre; also ein Aufstieg (neue Aufgaben, mehr Verantwortung, natürlich auch mehr Gehalt) stattgefunden hätte.

Zitat:
was hättest du davon?
Ja, was hätte ich davon, etwas erreicht zu haben? Ich bilde mir ein, einfach ein Gefühl der Zufriedenheit zu haben, da ich dann weiß, dass ich aus mir etwas gemacht habe und mein Leben nicht weggeworfen habe. Für jemand, der nicht so auf seine berufliche Enzwicklung fixiert ist, kann natürlich "etwas erreicht haben" was ganz anderes bedeuten (sich sozial engagiert haben, viele Kinder haben...).

Zitat:
Möglicherweise hat sich der Interessenschwerpunkt verlagert von den Aufgaben zum Sozialen. Es ist wichtiger, ein soziales Netz zu bilden und aufrecht zu erhalten, als die eigentlichen Aufgaben zu erledigen, die längst nur noch nebenbei abgearbeitet werden.
Zitat:
Gefördert wird das aus meiner Sicht durch Chefs, die keine klaren Aufgaben verteilen, deren Durchsetzung nicht verfolgen und eigentlich auch nur daran interessiert sind, dass sich alle lieb haben.
Mygga, das ist genau der Punkt! Natürlich finde ich es auch wichtig, dass man mit seinen Kollegen mal über die Fussballergebnisse oder so reden kann. Aber bei uns ist es eben ein richtiges Kuschelteam. Nach dem Urlaub werden eine Stunde lang Urlaubsbilder angeschaut, es wird ständig irgendwelches privates Zeug erledigt, einer telefoniert am Tag ca. 15 mal mit seiner Frau und organisiert sein komplettes Privatleben aus dem Büro usw usw. Und der Chef bekommt das alles mit und ist im Endeffekt auch nicht viel anders.

Ich habe in meiner kompletten Zeit dort noch nie eine klare Ansage von meinem Chef gehört, selbst in den wildesten Situationen wurde vieles einfach weggelächelt oder es kam das berühmte "man sollte..." zum Einsatz.

Zitat:
Wenn das so ist, hast du aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten: du lässt sie machen und siehst zu, dass du deine Aufgaben so machst, wie du es für dich für richtig hältst (mit dem Mitspielen im großen Wer Gegen Wen wirst du wohl eher nicht glücklich, schätze ich), oder du versuchst woanders zu arbeiten.
Diese beiden Möglichkeiten wäge ich schon länger gegeneinander ab. Sicher hat die Arbeit dort sehr viele Vorteile (wie schon angesprochen), aber ich glaube nicht, dass ich dieses Loslassen schaffen und mir quasi meine eigene kleine Welt bauen kann in der ich im Büro lebe. Habe schon öfters versucht einfach zu denken "macht doch, was ihr wollt" und mein Zeugs zu machen und heimzugehen. Aber ich kann das nicht; mich regt es dann doch irgendwann wieder auf, warum andere nicht mal die Hälfte machen aber genau so viel (oder mehr, man weiß es ja nicht) dafür bekommen, wie ich
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